News am Sonntag: Licht aus auf Roancarrig

News aus Irland immer aktuellEin Farmer in Kerry wird zu einer hohen Strafe verurteilt, weil er ein Ringfort zerstörte; der Komiker Hal Roach ist tot; nach 165 Jahren wurde der Leuchtturm von Roancarrig in der Bantry Bay abgeschaltet; die alten Kämpfer der IRA sollen das Bedauern lernen: Die Irland-News dieser Woche heute wieder kurz und knapp in unserem schnellen Wochenrückblick, zusammengestellt von Tom Brütting.

 

Farmer räumt Ringfort ab – 25.000 Euro Strafe
Ein Bauer in Nordkerry musste sich diese Woche für die Zerstörung eines 1000 Jahre alten Ringforts vor Gericht verantworten. Auf dem Land des Farmers, in der Nähe von Clashmealcon, lag das besagte Fort mit einigen unterirdischen Räumen und Gängen, ein Ensemble, das nach Ansicht von Experten „von großer historischer Bedeutung“ war. Im Februar 2008 ließ der Bauer das Bauwerk auf dem erst zwei Monate zuvor gekauften Grund von Arbeitern zum größten Teil abtragen. Durch seinen Anwalt ließ er erklären, er habe nicht gewusst, dass er für derartige Arbeiten eine Genehmigung benötige.“ „Zwar sei Eigentum ein Recht, doch dieses Recht gelte nicht uneingeschränkt“ erklärte der Richter und verurteilte den Farmer zu einer Geldstrafe von 25.000 Euro. (Quelle: Independent.ie)

Licht aus auf Roancarrig
Nach 165 Jahren ununterbrochenen Dienstes wurde der Leuchtturm von Roancarrig, der den Eingang zur Bantry Bay sicherte, in dieser Woche abgeschaltet. An Stelle des Turmscheinwerfers soll künftig eine vollautomatische, von Solarenergie gespeiste Lampe auf einem mehrere Meter hohen Stahlmast den Schiffen den Weg in die Bantry Bay weisen. Seit dem 1. August 1847 hatte das Licht aus dem 18 Meter hohen Turm auf dem felsigen Eiland acht Meilen von Castletownbere entfernt seinen Dienst versehen, nun endet „eine Ära“, so der stellvertretende Leuchtturmwärter Willie Russell, der auf Roancarrig arbeitete und lebte. Roancarrig ist der erste Leuchtturm, der als Folge der Neubewertung der irischen Küstenfeuer außer Dienst gestellt wird. Das alte Leuchtturmgebäude steht möglicherweise bald zum Verkauf. (Quelle: Irish Examiner)

Komiker Hal Roach gestorben
Einer der bekanntesten und mit über 60 Jahren auf der Bühne dienstältesten Komiker Irlands ist tot. Hal Roach starb nach langer schwerer Krankheit am 28. Februar in Dublin. 26 Jahre war Roach alleine in Jury’s Irish Cabaret im Jury’s Ballsbridge Hotel in Dublin engagiert, was ihm den Rekord für das längste Engagement auf derselben Bühne einbrachte. Viele irische Comedians, darunter der bekannte Brendan Grace, betrachteten Roach als Vorbild für ihre eigene Karriere. So soll Grace die Nachricht vom Tode Roachs mit den Worten „Roach hat mich während meiner Karriere am meisten beeinflusst und hat mich und viele andere inspiriert im Schatten seiner Größe zu gehen.“ Hal Roach wurde unter großer öffentlicher Anteilnahme auf dem Glencullen Friedhof zu Grabe getragen. (Quelle: Irish Examiner)

Ryanair-Passagiere müssen weiter sitzen
Rückschlag für Luftfahrt-Enfant-Terrible Michael O’Leary. Wie o’Learys Unternehmen Ryanair mitteilte, hat eine nicht näher bezeichnete Luftaufsichtsbehörde dem Ansinnen des Billigflieger-Pioniers, in einem Flugzeug Stehplätze einzurichten und entsprechende Testflüge durchzuführen, eine Absage erteilt. Den Plänen zufolge hätte eine Boeing 737 mit 15 Sitzreihen und 10 Reihen von Stehplätzen ausgerüstet werden sollen – nach dem Vorbild der Londoner U-Bahn wären die Stehplätze mit Geländern und Haltegriffen an der Decke ausgestattet worden. Als Ticketpreis für diese Stehplätze hatte o’Leary eine Summe zwischen einem und fünf britischen Pfund anvisiert. (Quelle: The Guardian)

Mehrheit für den Fiskalpakt wahrscheinlich

Rückenwind für die Fine Gael-Labour-Regierung. Einer aktuellen Erhebung der Sunday Business Post zufolge würden 44,4 Prozent der irischen Bevölkerung dem Europäischen Fiskalpakt in einem Referendum zustimmen. Gegen den Pakt würden derzeit 29,6 Prozent stimmen. Fast genauso groß wie die Zahl der Gegner ist zum jetzigen Zeitpunkt allerdings auch die Zahl derjenigen Wähler, die sich noch nicht endgültig entschieden haben. Die Umfrage ist das erste echte Stimmungsbild seit der Ankündigung der Volksabstimmung durch die Regierung in dieser Woche. (Quelle: breakingnews.ie)

Republikaner sollen Bedauern für Schmerzen des Bürgerkriegs zeigen
Der Vorsitzende der Sinn Fein in der Republik Irland, Declan Kearney, hat mit seinen Gedanken zur republikanisch-unionistischen Vergangenheit für Aufsehen gesorgt. In einem Artikel in der Parteizeitung „An Phoblacht“ forderte Kearney die Republikaner auf, ihr Bedauern zu erklären – nicht für die Kampf der IRA, wohl aber für die Schmerzen, die von den Einsätzen der Kämpfer verursacht wurden. „Ungeachtet der Haltung anderer sollten wir alle das Heilende darin erkennen, dass es uns möglich ist, die Auswirkungen aller Aktionen des bewaffneten Kampfes zu bedauern“, schrieb Kearney. „Jeder Mensch mit Gefühl würde wünschen, alles wäre anders gekommen, dass diese Dinge nie geschehen wären, dass wir unter anderen Umständen gelebt hätten.“ Weiter hieß es in dem Artikel: „Es ist dies die Zeit für uns Republikaner, uns in unserem Denken frei zu machen und die Möglichkeiten zu erkunden, die neue und wohlüberlegte Initiativen im Interesse der Aussöhnung bieten.“ (Quelle: Belfast Telegraph)

Frauen verdienen weniger
Wie sehr sich die Geschlechtszugehörigkeit im Beruf in barer Münze auswirkt, hat eine Studie der Europäischen Kommission in Irland ermittelt. Im Schnitt beträgt der monatliche Verdienst einer irischen Frau rund 17 Prozent weniger als der veregleichbare ihrer männlichen Kollegen. Das Ungleichgewicht wirkt sich in jungen Jahren noch relativ wenig aus, steigt aber mit dem Alter an. Verdient eine Frau zwischen 20 und 30 noch rund 90 Prozent ihrer männlichen Kollegen, sinkt die Quote zwischen 35 und 44 Jahren schon auf eine Quote von nur mehr 71,5 Prozent – jenseits der 50 sogar noch deutlich weiter. Gründe für die ungleiche Entlohnung sieht die EU-Kommission in der weiter bestehenden Diskiminierung von Frauen, dem Unterschätzen weiblicher Fertigkeiten und der niedrigen Zahl von Frauen in Führungspositionen. (Quelle: RTÉ)

 

Irlandnews.comDer Autor: Tom Brütting ist in Augsburg als freiberuflicher Journalist und PR-Berater tätig. Seit einer Schulexkursion auf die grüne Insel im Jahr 1991 ist er Irland hoffnungslos verfallen und hat das Land seitdem rund zehnmal besucht – zwei Auslandssemester an der National University of Ireland Galway inklusive. Im Herbst 2010 setzte er mit der Website www.gaelnet.de eine lange gehegte Idee in die Tat um. Gaelnet wertet irische Nachrichten für deutschsprachige Leser aus.


Über Markus Bäuchle

Journalist und Wanderer. Lebt in Glengarriff im Südwesten Irlands. Mit Markus kann man in Irland wandern gehen: www.irland-wandern.de
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Kommentare

  1. Hallo Mädels, das ist doch ein Grund, nach Irland auzuwandern ;-) :

    “Im Schnitt beträgt der monatliche Verdienst einer irischen Frau rund 17 Prozent weniger als der vergleichbare ihrer männlichen Kollegen.”

    In Deutschland sind es 23 Prozent. Seit Jahren unverändert. Nur Österreich und ein paar osteuropäische Länder überbieten das noch…

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