Ohne Wälder keine Chance für Irlands Steinadler

Der Steinadler. Die Wiedereinführung in Irland steht auf der Kippe.

Der Steinadler. Die Wiedereinführung in Irland steht auf der Kippe.

Der Steinadler, König der Lüfte Irlands. Es ist ein lange gehegter Traum von Tierschützern, der wieder Wirklichkeit werden soll: Der Steinadler (Aquila chrysaetos) soll wieder seine Kreise in den Lüften über Irland ziehen und dabei nicht auf die Hilfe und den Nachschub von Menschen angewiesen sein. Doch allen Anstrengungen der vergangenen Jahre zum Trotz: Der Traum wird wohl fürs Erste ein Traum bleiben. Das irische Steinadler-Projekt steht vor dem Scheitern. Die eingesetzte Population in den Bergen des County Donegal kommt nicht auf die Beine: Die mächtigen Tiere, bis zu ein Meter groß und mit einer Spannweite von 2,30 Metern die größten lebenden Adler, ziehen nicht genügend Nachwuchs groß.

Der Grund für das drohende Scheitern ist simpel: Die Adler finden in den Bergen von Donegal nicht genügend Nahrung. Während die schottischen Adler sich in den Highlands überwiegend von Hasen und Moorhühnern ernähren können, fehlt diese Beute in den ausgeräumten Bergen Irlands weitgehend. Die Greifvögel müssen hier auf Krähen und junge Dachse ausweichen und finden nicht genügend natürliche Nahrung.

Die irischen Berge – schön anzusehen und in ihrer Kargheit durchaus beeindruckend – sind eine ökologische Wüste: Von Schafen kahl gefressen und von Farmern regelmäßig abgebrannt, gedeiht in den Höhenlagen der grünen Insel nicht viel: Die Artenvielfalt ist durch das einst nach Irland importierte Schaf auf ein Minimum reduziert wordent. Der Golden Eagle Trust, der die Wiedereinführung des Steinadlers in Irland betreibt, macht eine verfehlte Agrarpolitik für die Verwüstung der Bergwelt verantwortlich: Die von der EU lange geförderte Überweidung durch zu viele Schafe ist der Hauptgrund.

Schafzucht in den Bergen lohnt sich nicht mehr: Mittlerweile arbeiten die meisten Berg-Schaffarmer defizitär und überleben nur durch Agrarsubventionen aus Brüssel und Dublin. Der Golden Eagle Trust, eine Stiftung die seit dem Jahr 1999 die Wiedereinführung des Steinadlers und das Comeback des Seeadlers und des Roten Milan in Irland betreibt, fordert deshalb eine radikale Änderung der Landnutzung in den irischen Bergen: Ohne die Rückkehr heimischer Wälder auf den kahl gefressenen und erodierten Flächen wird die ökologische Wiedergeburt der Berge und die Rückkehr des Königs der Raubvögel und vieler anderer Arten nicht gelingen.

Quelle: Irish Mountain Log , Ausgabe 118 vom Sommer 2016, S. 20
Foto: Tony Hisgett from Birmingham, UK via Wikimedia Commons

 

Über Markus Bäuchle

Journalist und Wanderer. Lebt in Glengarriff im Südwesten Irlands. Mit Markus kann man in Irland wandern gehen: www.irland-wandern.de
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