In Irland blüht der Schwarzdorn: Farbe verdrängt das Braun des Winters

Die gelben Ginsterblüten bekommen Gesellschaft, in der Landschaft Südwest-Irlands verdrängt Farbe allmählich das triste Ocker und Braun des Winters. Im keltischen Monat der Weide (Saileach) treiben die Blätter von Weiden und Birken aus – in diesem Jahr nach kaltem und langem Winter mit einiger Verspätung. 

In den Hecken, für die Irland berühmt ist, beginnt gerade der Schwarzdorn (Prunus spinosa) zu blühen. Die kleinen cremefarbenen Blüten (unser Foto) erscheinen zeitlich vor den Blättern an den schwarzen, mit bis zu fünf Zentimeter langen Dornen ausgestatteten Ästen des Draighean. Die alten Iren stehen dem Schwarzdorn zwiespältig gegenüber. Einerseits wird ihm zugesprochen, dass er die Menschen schützt, die einen Stock oder Knüppel aus Schwarzdorn bei sich tragen, andererseits wird erin der Folklore auch mit übelwollenden Kräften der Geisterwelt in Verbindung gebracht. Wahrscheinlich denkt jeder, der sich einmal an einem Schwarzdornbusch verletzt hat, eher negativ über das Gehölz. Manchmal wird der Schwarzdorn geradezu als Unglücksbringer gebrandmarkt, der zwar “besser als der Teufel aber schlechter als die Brombeere” sei. 
Viele Urlauber verwechseln den Schwarzdorn wegen der weißen Blüten mit dem Weißdorn, der erst Wochen später blüht (Mehr zum ikonischen Feenbaum Weißdorn hier in wenigen Wochen). Die weißen Blüten jedenfalls ließen irische Dichter gerne den Vergleich zu Frauen ziehen: “My love is like the flower oft he dark blackthorn” – was eine Frau nicht nur als Lob nehmen muss,  impliziert die Metapher doch auch die dornige Seite der Wesen. 
In den traditionellen irischen Hecken hat der Schwarzdorn jedenfalls einen Stammplatz. Diese natürlichen Zäune wurden als Einfriedung von Feldern und Gehöften kunstvoll kultiviert und gepflegt, bis sie einen schier undurchdringlichen Wall bildeten. Der Niedergang der Hecken begann 1880 mit den ersten Importen von Stacheldraht aus den Vereinigten Staaten. Doch noch heute kennen alte Bauern die Kunst, im Lauf der Jahre durch behutsame Eingriffe schützende Hecken zu formen. Auch die Vögel des Landes ziehen eine ordentliche Hecke jedem Stascheldraht vor, und den Fledermäusen dienen die Hecken entlang der Straßen und Grenzen als Reisekorridore. 

Aus den dunkelblauen Beeren  (Sloes) des Schwarzdorns , die als Schlehen bekannt sind, wird übrigens Sloe Gin, Schlehenschnaps oder Schlehenlikör gemacht. Der Bluesmusiker Joe Bonamassa hat dieser Spirituose ein musikalisches Denkmal gesetzt: Sloe Gin.
Über Markus Bäuchle

Journalist und Wanderer. Lebt in Glengarriff im Südwesten Irlands. Mit Markus kann man in Irland wandern gehen: www.irland-wandern.de
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Kommentare

  1. Eliane Zimmermann meint:

    schöner als die momentane graue tristesse in süddeutschland und der schweiz… außer schneeglöckchen nix!

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