Blinder Anspruch und deutsche Witzewelle

 

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Zivilschutz, Hamsterkäufe, Gefahren für die Bevölkerung. Hier in Irland, aus der Distanz von 2000 Kilometern, wirkt die deutsche Debatte über die Vorsorge für den Problemfall belustigend weltfremd. Hohn, Spott und eine sommerliche Witzewelle in den sozialen Medien: Wie viele Menschen und Medien mit den völlig angemessenen Verhaltens-Vorschlägen des Innenministeriums für den Fall von Krisen und Naturkatastrophen, von  Terroranschlägen oder Cyber-Angriffen auf die Infrastruktur umgehen, macht nachdenklich: Ist es Ignoranz und Arroganz oder doch eher Hilflosigkeit und tief sitzende Angst, dass das  bier-ernste Thema der Eigenverantwortung im Problemfall  so leichtfertig ins Lächerliche gezogen wird; und warum werden Menschen, die Vorsorge treffen für den Notfall, öffentlich lächerlich gemacht und der Hysterie bezichtigt?

Übersetzt man die Anti-Kommentare und Witzchen, die sarkastischen Bemerkungen und comedyesken Einlagen in einfache Sätze, dann steht oft diese Bedeutung dahinter:

  • Das gibt es bei uns im Hightech-Land D doch nicht.
  • Ist nur leeres Wahlkampfgeplapper von Politikern.
  • Der Strom kommt doch aus der Steckdose.
  • Und meine Nahrung aus dem Supermarkt.
  • Erzähl mir nichts vom letzten Krieg. Das war mal.
  • Wenn die Lichter ausgehen, dann machen auch Vorräte für eine Woche keinen großen Unterschied mehr.
  • Macht ihr Politiker mal Eure Arbeit richtig, dann brauchen wir diese Ratschläge nicht.

Vor allem aber steckt hinter vielen Kommentaren eine enorme Anspruchshaltung: Warum sollten wir uns selber schützen müssen. Das ist Aufgabe des Staates, und das erwarten wir. Schließlich bezahlen wir dafür unsere Steuern.

vorratsregalNun ja. Eigentlich ist es vollkommen normal, dass Menschen sich gegen Risiken schützen, dass sie Vorsorge treffen für etwaige Krisen, dass sie sich beispielsweise ein paar Vorräte anlegen, um sich im Notfall einige Tage oder Wochen aus eigener Kraft über Wasser halten zu können. Das ist selbstverantwortliches vernünftiges Handeln, das bei den Nachbarn in der Schweiz selbstverständlich zur Lebens-Routine gehört. Es scheint, als hätten viele Menschen in Wohlstands-Deutschland in 70 fetten und sicheren Jahren und erst recht nach dem vermeintlichen Ende der Geschichte nach 1989 etwas Entscheidendes verloren: den Überlebensinstinkt, den Sinn für Gefahren und für die Notwendigkeit, sich selber und die Seinen zu schützen, sich notfalls an die widrigen Verhältnisse anpassen zu müssen. Statt dessen Vertrauen in eine vermeintlich perfekt funktionierende Welt. Es regiert der blinde Anspruch: Das steht uns zu. So sicher und wohlständig  muss es auch in Zukunft sein. Wird es aber wohl nicht  . . .

Hier in Irland liegen die Dinge noch anders: Stromausfälle etwa gehören zum Leben. Hier auf dem Land waren wir in den vergangenen Jahren, etwa nach heftigen Winterstürmen, mehrfach mehrere Tage ohne Strom. Und wenn der Strom fehlt, dann läuft auch die Wasserpumpe des Tiefbrunnens nicht. Telefon und Internet fallen aus. Kommt Frost hinzu, versagt die Heizung, bleibt das Auto stehen. Auch der Busbetrieb wird eingestellt. Denn Winterdienst darf man hier an den kleinen Nebenstraßen keinen erwarten. Dann fehlen schnell Wasser, Wärme, Essens-Nachschub aus der Stadt. Was also tun die Menschen? Sie legen ein paar Vorräte an. Sie haben Wasser abgefüllt oder nutzen den Zugang zum Bach oder einem nahen See. Sie haben Holz und Torf gelagert. Sie kochen mit Gas und greifen auf einen Flaschengasvorrat zurück. Sie haben, zumal Geschäfte oft weit entfernt sind, ein gut gefülltes Lebensmittellager. Zusätzlich einen Gemüsegarten, ein paar Obstbäume, Beeren – vielleicht sogar einen vollen Benzinkanister und einen Stromgenerator im Schuppen. Die Menschen wissen, dass sie sich selber kümmern müssen, dass sie eigenverantwortlich handeln müssen – dass sie im Zweifelsfall auf sich selber vertrauen müssen und auf sich selbst angewiesen sind.

Hier in Irland sind die Verkehrs- und Versorgungsnetze bei weitem nicht so perfekt wie in Deutschland. Man mag bedauern, dass es in den eineinhalb fetten Jahrzehnten des Keltischen Tigers nicht gelang, eine intakte Infrastruktur aufzubauen. Es änderte freilich nichts. Die Irinnen und Iren, und auch wir, leben damit, und das ganz gut.

Wenn uns Menschen vom Kontinent besuchen, manche mit besagter blinder Anspruchshaltung, prallen die Welten manchmal aufeinander. Kürzlich wunderten wir uns über eine Frau mittleren Alters, die sich bitterlich über die hohe Luftfeuchtigkeit in ihrem Gastzimmer beklagte. Dass die Luftfeuchtigkeit im subtropischen Südwesten am Atlantik regelmäßig über 90 Prozent liegt, kommentierte sie mit den Worten: „Das ist mir sch…egal. Ich will trockene Luft“.

 

Bild oben: www.bento.de

 

 

 

Wildnis-Burger mit Selfie an Galgen 47

Irland Westküste

Was ist wild am Wild Atlantic Way in Irland? Vorgestern hatten wir hier auf Irlandnews ein paar Fotos von den neuen Wegweisern entlang der irischen Westküste gezeigt und dazu bemerkt:

Ja was ist denn das? Es ist rostig, es ist 5 Meter hoch, es steht mitten in der schönen Aussicht, und es sieht aus wie ein Galgen. Über den Winter wuchsen an 188 Orten an der irischen Westküste seltsame Gebilde aus rohem Eisen aus dem Boden. Sie stehen eindeutig an den landschaftlich schönsten Orte an der Atlantikküste, die jeder Fußkranke mit dem Auto erreichen kann. Besucher von Irlands wildem Westen werden sie nicht verfehlen.

Die Fakten: In den vergangenen Monaten haben die Lokalverwaltungen im Auftrag der Tourismusbehörde Failte Ireland an 188 Orten an Irlands Atlantikküste 3,5 bis 5 Meter hohe Markierungspfähle samt Info-Displays aus Rohstahl aufgestellt. Die von weit her sichtbaren Masten tragen den Namen des Ortes und das Wild Atlantic Way Logo. Die Form der zwar rostenden und dennoch wetterfesten Masten, die von Designern der Paul Hogarth Company in Belfast entwickelt wurden, erinnert an einen Galgen ud könnten auch in Corks Fußgängerzone stehen. Diese eisernen Photo Points an den 188 schönsten, markantesten, wichtigsten oder interessantesten Stellen der Westküste sollen Besucher des Wild Atlantic Way darauf hinweisen, wo es sich lohnt anzuhalten und ein Foto von der Landschaft zu machen. Der Markierungsmast soll selber Teil des Fotos werden, indem er dieses einrahmt. Ein Hilfsmittel für Besucher also. (Zumindest so wollen es die Verantwortlichen).

WAW Pfeiler Donoeen

Wild Atlantic Way (Wilde Atlantik Straße) ist der vor drei Jahren kreierte Vermarktungs-Name für das, was immer schon existierte: Irlands Westküste am Atlantik. Irlands Regierung investierte in den vergangenen zwei Jahren zehn Millionen Euro, um die auf 2.500 Kilometer Länge addierten Straßen und Sträßchen an der Atlantikküste zwischen Donegal im Norden und Cork im Süden mit über 10.000 Hinweisschildern und Wegweisern als Wild Atlantic Way zu markieren — und die Natur der Atlantikküste somit als Marke zu kapitalisieren.

Die Reaktionen von Irlandnews-LeserInnen auf die Eisen-Masten: Von Oh no . . . über Gruselig und Grauenhaft bis Einfach nur schade . . .  Nur die seit vielen Jahren in Irland lebende Autorin Petra Dubilski will nicht in den Chor der Entrüsteten einstimmen. Sie kommentiert:

 

„Thank god for the tourists.“ Das höre ich überall von Leuten an der Westküste. Der Atlantic Way ist eine großartige Initiative des Tourist Board. Er führt Touristenlämmer in Gegenden, die dringend Touristen benötigen. Und leider brauchen Touristen Wegweiser und Initiativen (und Reiseführer), um ihre Tour zu finden. Das ist der moderne Tourismus. Und Tourismus ist nicht nur ein Geschäft, sondern auch Lebensunterhalt für Menschen auf der Strecke. 

Über die Kosten für die Schilder und die Promotion rege ich mich nicht auf. Ich kenne sie nicht („It could be worse“, wie man in Irland sagt). Aber wenn es darum geht, Irland als Touristenziel neu zu erfinden und damit das Einkommen der Leute zu erhöhen, halte ich eine gute Investition immer für lohnenswert.

Ich habe diese Wegweiser bislang nicht live gesehen, aber ehrlich, ich finde sie toll. Es ist Kunst im Gegensatz zu simplen Wegweisern. Und ich mag das Design. Es ist urban, corporate und doch themenbezogen und Irisch. Ein symbolischer Minimalismus, den ich auch als Kunst ins Wohnzimmer stellen würde.

Ich finde die Dinger passend zum modernen Irland. Und ich fände es passend, wenn Irlandromantiker auch mal an den Erhalt des touristischen Irland denken würden. Es sind Existenzen, die davon abhängen. Geht mit der Zeit. Irland ist doch kein Disney Park, oder?

 

Gute Sichtworte: Urban, Disney Park, Irlandromantiker. Man kann leicht die Nase rümpfen oder ein schnelles Oh no . . .  hinschreiben, wenn man seine Meinung nicht begründen muss, und vor allem: Wenn man nicht selber im Land lebt. (Interessant allerdings ist, dass der Protest gegen die Eisenpfeiler in Donegal oder Connemara bislang von Einheimischen kommt. Sie fühlen sich übergangen und von der urbanen Ästhetik brüskiert.) Wir neigen alle dazu, als Urlauber eine Pause von unserem Alltag zu nehmen und unsere Sehnsüchte auf die besuchte Region zu projizieren. Wir sehen dann, was wir sehen wollen und verteidigen, was wir sehen, als echt und authentisch.

Der Alpinist Reinhold Messner sagte kürzlich, die Urlauber strömten in den Vergnügungsraum Alpen, um dort eine Gegenwelt zu phantasieren und zu simulieren und dabei doch genau das Leben weiter zu leben, das ihnen von zuhause vertraut ist. Nur mit anderen Bildern. Natur-Tapete statt Natur-Erfahrung sozusagen. Was auch im Urlaub zählt, sind risikofreie Vergnügung und maximaler Komfort. Lifte mit Hintern-Heizung, Mega-Livekonzerte an der Skipiste, die sensationellsten super-sicheren Klettersteige für den Turnschuh-Touristen.

In den Alpen hat der Mensch längst die Oberhand über die Natur gewonnen und industrialisiert diesen einzigartigen Naturraum nun systematisch nach dem Rummelplatz-Konzept zugrunde. Das Gleichgewicht von Natur und Kultur ist aufgrund der entfesselten privaten Profitorientierung verloren gegangen. Genauso markiert die Vermarktung von Irlands Westküste als Wild Atlantic Way einen denkwürdigen Wendepunkt im Irland-Tourismus — und die 188 Eisenpfosten sind das Symbol dieser Wende.

:: Erstmals zielt das Land systematisch, professionell und hemmungslos auf den touristischen Massenmarkt: Umsatz, Zuwachs, Profit, Erfolg um fast jeden Preis. Eine neue Dimension.

::  Die Wildheit der irischen Westküste wird zum Vermarktungskonzept erhoben und gleichzeitig domestiziert. Wildnis als Kuschel-Erlebnis mit Sitzheizung. Noch ist Irlands Kapital, das es von vielen anderen Regionen unterscheidet, seine ursprüngliche Natürlichkeit. Man blickt über die unberührte Küstenlandschaft und erlebt das Gefühl, der erste Mensch jemals zu sein, der diese vermeintlich natürliche Landschaft betrachtet. Eine tiefe Erfahrung von Freiheit, Erhabenheit, Frieden. Die urbanen Eisen-Pfosten werden uns künftig daran erinnern, wo wir das Foto zu machen haben. Sie nehmen uns die Regie und die Verantwortung für das Erleben aus der Hand. Sie führen uns die Hand zum Zündschlüssel, zum Türöffner, zum Kamera-Auslöser.

:: Die 188 design-gestylten Photo-Pfosten, die Foto-Rahmen für Irland-Urlauber,  sehen wirklich nicht schlecht aus. Nur deplaziert. Sie sind ein urbanes Statement in der Naturlandschaft. Sie symbolisieren die Unterwerfung der Landschaft unter den Imperativ der kommerziellen Verwertung. Das Produkt heißt Wildnis in Tüten, leicht zu konsumieren wie eingedoster Zuchtlachs. Aus einem Vier-Gänge-Menü sinnlicher Erfahrung wird Fast Food: der Wildnis-Burger, inklusive Selfie an Wildnis-Galgen 47.

::  Tourismus neigt immer dazu, seine eigenen Grundlagen zu zerstören. Der Natur liebende Urlauber konsumiert und zerstört die Natur, je mehr er in Massen mit hohen Ansprüchen auftritt. Aber gerade, weil wir das wissen, können wir einen behutsamen Ansatz wählen, um die Balance zwischen Natur und Kultur, zwischen Natur und Geschäft zu bewahren. Was nichts anderes heißt, als auch unseren Kindern und Enkeln noch einen Teil des Kuchens zu gönnen und nicht gierig alles selber abzuräumen.

:: Irland ist noch kein Disney Park. Aber Irland ist auf dem Weg dort hin. Zugegeben: Was Irland-Fans bislang an diesem Land mochten und schätzten, muss nicht mit den Vorlieben der neuen Urlauber-Generationen überein stimmen. Und vielleicht hat Irland als Urlaubsland nur eine Zukunft, wenn es sich zum Themenpark „Wilde Natur am Atlantik“ wandelt. Und doch hat Irland die Chance, aus den gigantischen Fehlern anderer Regionen zu lernen. Zum Beispiel von den Alpen am Abgrund. Die Mittel sind: Augenmaß, Selbstbeschränkung, Gemeinschafts-Orientierung und Weitsicht.

Wild ist die Atlantikküste. Vom Vermarktungskonzept Wild Atlantic Way dagegen erwarten wir etwas Anderes: Besonnenheit und kluge Selbstbeschränkung. Was ist Deine Meinung? Wir bleiben dran am Thema. Demnächst mehr.

Viewpoint Lough Hyne

(c) Fotos: Irlandnews.com

Sechzehneinhalb Gründe, warum es Irland ist.

Irland münchen

Marienplatz. München.

Spätwinter 2016. Vor fast 16 Jahren sind wir aus München aufgebrochen und nach Irland umgezogen. Warum ausgerechnet Irland? Es war keine Auswanderung, kein Neuanfang im vermeintlichen Paradies. Es war ein Umzug innerhalb Europas, in die Naturlandschaft eines besonders schönen Ortes: die ländliche Gegend am Atlantik in Irlands Südwesten. Immer mal wieder versuche ich, mir über die Verschiebung von Prioritäten klar zu werden und zu beschreiben, ob und warum ich mich in der Heimat unserer Wahl besonders wohl fühle: 16,5 alte und neue Gründe, warum ich Irland liebe — und hier lebe. (94,5 weitere Gründe gibt es übrigens im neuen Irland-Buch von mir und Eliane Zimmermann zu lesen*).

1. Weil das Land hier weit und offen ist. Weil es Raum bietet für die Augen und die Seele. Der größte Luxus in einer zugemauerten und kaputt-asphaltierten Welt.

2. Weil hier zu leben eine Herausforderung ist: Vollkasko-versichertes Leben geht anders. Ohne eigene Initiative geht nicht viel. Trotz der vielen schönen Natur. Das spornt stets  an.

3. Weil es viel unverbrauchte Natur gibt: Die Schönheit der Berge, der Strände, des Meeres, der Wiesen und Wälder geht zu Herzen. Weil ich hier die ersten Adler in freier Wildbahn, die Furcht vor dem Feuer und den Respekt vor den Orkanwinden erleben durfte.

4. Weil man/frau sich in der ablenkungsarmen Weite fernab der Städte nicht entkommt.

5. Weil es in Irland noch Vieles zu entdecken gibt. Nicht jeder Stein ist schon dreimal umgedreht, nicht jeder Berg für Freizeitvergnügte erschlossen. Hier gibt es noch Geheimnisse.

6. Weil Irland eine Abschalt-Oase ist. Die Probleme der Welt — von Flucht und Flüchtlingen über Naturkatastrophen und menschliche Katastrophen = Kriege, bis Überbevölkerung und Welt-Zerstörung: Die globalen Probleme lassen sich hier auch ganz gut einmal ignorieren. Die Insellage macht es möglich. Einfach mal abschalten — Eskapismus: kein Rezept für das Leben, aber für die Auszeit und den Medien-Detox schon.

7. Weil hier nichts zu sagen hat, wer nichts erzählen kann (Dank an Christoph Ransmayr für die schöne Formulierung).

8. Weil das Wetter in Irland immer beachtenswert und ein wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens ist. Regen, Sonne, Wind und Sturm sind die nahen und ständigen Begleiter.

Regen im Glen

9. Weil der Regen den Sonnenanbetern die Reise-Richtung vorgibt.

10. Weil die Luft in Irland so frisch und sauber ist. Die irische Atlantikküste ist Europas Reinluftgebiet Nummer 1. Kein Sommer-Smog, kein Winter-Smog. Immer Zeit zum Durchatmen.

11. Weil Irland das Land des Lichts ist. Das ewig wechselnde atlantische Wetter bedingt das ewige Spiel des Lichts, das Sonne, Wolken und Meer miteinander austragen.

12. Weil Autor & Wanderer als Deutscher in Irland für mich ein schöner Beruf ist.

13. Weil die Iren überwiegend liebenswürdige und stets interessante Leute sind: Sie sind freundlich, redegewandt, schlitzohrig, anarchisch, gerne einmal feige und unaufrichtig, dazu stur, gesellig, feierfreudig, erst mal unkompliziert. Und . . .

13b.  . . . weil die Iren die am Ende kompliziertesten Menschen sind, die ich kenne. Widersprüchlich, strahlende Oberfläche und fest versiegelter Kern. Nie langweilig.

Irland 14. Weil es in Irland noch einsame und wilde Orte gibt. Und dies nicht nur im Schilderwald „Wild Atlantic Way“.

15. Weil die Stille hier eine Erfahrung ist. Man kann sie hören, die Stille, diese völlige Abwesenheit von Zivilisationslärm.

16. Weil wir in Parallelwelten leben: Das Irland der Gegenwart ist ein modernes Land mit allen Annehmlichkeiten, die man braucht oder auch nicht. Auch das alte, traditionelle Irland lebt in Geschichten, Traditionen, in Liedern, in Nischen und in einzelnen Menschen weiter.

 

111 Gründe irland zu lieben* 94,5 Gründe mehr, Irland zu lieben gibt es in unserem neuen Buch nachzulesen: Markus Bäuchle und Eliane Zimmermann: 111 Gründe, Irland zu lieben. Zum Discounter-Preis von € 9,99. Preiswert, aber nie billig. Bei der Krake amazon und natürlich beim Buchhändler ihrer Wahl. 

 

Fotos: © 2016 Markus Bäuchle – Wanderlust / Peter Zoeller (Foto Mitte)

 

 

Regierung bekämpft Hochwasser mit Geldregen

Flut Irland 2015

Das Hochwasser in Irland steigt vielerorts noch immer, die Flut-Krise am Shannon bleibt äußerst bedrohlich, und nun merkt endlich auch die Regierung in Dublin, dass ihr das Wasser bis zum Hals steht. Denn die Menschen in den überfluteten Regionen sind nicht nur traurig, erschöpft und ratlos, sie haben auch eine große Wut auf die Regierenden, die sich gerade wieder übertrumpfen im Ankündigen von Plänen und im Gründen neuer Kommissionen und Expertenrunden. Die allgemeine Wahrnehmung in den Hochwassergebieten ist bedrohlich für Enda Kennys Kabinett: Die Ankündigungs-Weltmeister liefern einfach nicht und quasseln nur.

Flood 2009Keine Frage: Das Hochwasser 2015 hat seine primäre Ursache in der Regenmenge. Der Dezember brachte weiten Teilen Irlands in einem Monat soviel Regen wie in einem durchschnittlichen Winter in einem Vierteljahr fällt. Ob der ganz offensichtlich vom Klimawandel verursachte Dauerregen im Winter 2015/16 aber nun die schlimmsten Überflutungen seit Menschengedenken verursacht hat, wie Regierungspolitiker gerne behaupten, ist zumindest in der vorgebrachten Verallgemeinerung fraglich. Das aktuelle Wetter in immer neuen Rekord-Dimensionen zu beschreiben, ist irischer Volkssport und hat mit den Fakten nicht immer viel zu tun. Für einzelne Regionen am Shannon stimmt der Superlativ wahrscheinlich sogar — und doch ist nicht vergessen, dass weite Teile Irlands im Jahr 2009 unter einer Hochwasserkatastrophe litten, deren Ausmaße bis heute nicht erreicht sind; und auch in den Jahren danach gab es schlimme Überflutungen.

Wer die Menschen in der Hauptstraße von Bandon im County Cork fragt, bekommt eine gute Vorstellung von der Hochwasser-Historie der vergangenen Jahre, während die Politik so tut, als wäre das Problem gerade vor wenigen Wochen aufgetaucht. Auch im Winter 2009 gab es große Reden und viele Ankündigungen. Sehr viel ist seitdem in Sachen Hochwasser-Prävention und Katastrophenschutz allerdings nicht passiert.

Dem irischen Regierungspräsidenten Enda Kenny wurde vor zwei Wochen schon vorgeworfen, er lasse sich in den überluteten Gebieten nicht blicken, weil ihn die Hochwasserkrise am Shannon wenig interessiere. Er ließ darauf hin ausrichten, er habe sehr wohl Hochwassergebiete besucht —  wahrscheinlich beim Sonntags-Spaziergang daheim im County Mayo.

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Gefahr droht. Inzwischen haben die Regierenden die Gefahr für die eigenen Interessen erkannt. Denn demnächst wählt Irland ein neues Parlament. Der Wahltermin ist aus taktischen Gründen noch nicht bekannt gegeben worden, muss aber auf alle Fälle vor dem 8. April liegen. Spekuliert wird auf eine Wahl im März, sehr bald also haben die Bürger das Wort — und nun, da das Wasser einfach nicht abfließen will, sorgen sich die Regierungspolitiker in Dublin um ihre Pfründe und fluten das Land mit Geld: 100 Millionen Euro sollen verteilt werden: zur Reparatur von kaputten Straßen und Brücken, für Soforthilfe, für Flutopfer und für geschädigte Geschäfte, für die Verbesserung der Stimmung im Land.

Die Ankündigung der Geldorgie wird orchestriert mit der Bekanntgabe von allerlei Plänen. Aktionismus ist das Gebot der Stunde — und vieles klingt nach schnellen Lösungen, die man auf dem Kontinent nach vielen leidvollen Erfahrungen schon vor einem Jahrzehnt für gescheitert erklärt hat. Das Ausbaggern und Vertiefen von Flüssen etwa klingt wie eine Patentlösung — ist es aber nicht. Es lässt die Hochwasserprobleme auf lange Sicht sogar eskalieren und zerstört zudem wertvolle Lebensräume von Tieren und Pflanzen.

Wütend: Der Sheen River bei Kenmare

Die traurige Wahrheit ist: Neben dem Klimawandel sind Profitgier und Planlosigkeit die Hauptursachen für die aktuelle irische Hochwasserkrise. Viele nun unter Wasser stehende Häuser wurden in den letzten 15 Jahren an Orten gebaut, an denen noch vor 30 Jahren kein vernünftiger Mensch hingebaut hätte, weil diese Flächen als Überflutungszonen bekannt waren. Doch die Aussicht auf schnelles Geld machte und macht blind und vergesslich.

Diese Erkenntnis wird die Regierung allerdings nicht davon abhalten, die Flut in den kommenden Wochen mit einem Geld-Starkregen zu bekämpfen, um sich selber über Wasser zu halten . . .

Fotos: Markus Bäuchle; Google (oben)

 

Natur und Mensch: Wir sind die Aliens

Adler in Irland

Natur. Mensch. Meine Gedanken kreisen seit Monaten um das Thema Natur. Genauer: das Thema Natur und Mensch. Einer der tröstlicheren Gedanken: Ich bin damit nicht alleine. Es mag sogar eine Zeitgeistmode sein. Sogar der Papst hat seinen Schäfchen — und nicht nur diesen — nun gehörig die Leviten gelesen. Kehrt um! Der Heilige Franz II kanns.

Einige Assoziationen zu meiner Natur-und-Mensch-Lektüre der vergangenen Tage:

Klimawandel. Klima-Klemme. Warum unser Kampf gegen den Klimawandel gescheitert ist.

Macht uns die Sehnsucht nach der Natur und nach dem einfachen Leben zu Helden oder Clowns?

Einfach leben. Zurück zur Natur. Mit allem Luxus und dem Rohkost-Mixer für 900 Euro. 

Einfacher leben. Einfach noch bequemer.

Die Deutschen, Weltmeister der peniblen Mülltrennung, machen mit den meisten Müll aller Europäer. 

Die Rückkehr der Wildnis. Rückkehr zur Wildnis. Leben wie in der Steinzeit. Dinieren im neuen Paläo-Restaurant.

Die Natur will Dich zurück. Die Wildnis beginnt vor der Haustür. Oder mit der Wildnis-Sendung vor dem Fernseher.

Laudato si: Über die Sorge für das gemeinsame Haus. Macht Euch die Erde nun doch nicht untertan.

Die Zerstörung ist allgegenwärtig. Tiere, Pflanzen, Lebensräume verschwinden in nie gekannter Geschwindigkeit. Im Namen des „Wachstums“. Amen.

Den kaum zu verstehenden Grundwiderspruch zwischen Natur und Mensch formuliert der Guardian-Kolumnist George Monbiot  so: Eigentlich will kein Mensch die Natur zerstören oder unsere natürliche Welt zugrunde richten. Und doch tobt vor unser aller Augen die Naturzerstörung gigantischen Ausmaßes*.

Warum lassen wir das alles zu, obwohl wir es doch gar nicht wollen: die wüste Plünderung unseres gemeinsamen Hauses durch unsere Institutionen und Korporationen, die alleine von uns Menschen geschaffen wurden und die von uns betrieben werden: Die endlos gierigen Multinationals, die gefräßigen Banken, die Internet-Monster des neuen Turbo-Kapitalismus. Die süchtigen Hyperkonsumenten, die niemals genug bekommen können: Das alles sind wir. Menschen. Wenn irgendwo in irgendwelchen Chef-Etagen oder Verschwörungszirkeln Aliens im Spiel sein sollten, dann sind wir diese Aliens. Keine Entschuldigung also.

Wir müssen uns fragen: Warum hat die Natur so wenig mächtige Fürsprecher? Warum kämpfen wir nicht kompromisslos für das, was wir lieben? Warum gibt es keinen Aufstand der Naturschützer, keine Revolution für den Schutz unserer gemeinsamen Hauses? Warum engagieren sich Menschen für jeden Kehricht, aber nicht für den Schutz ihrer ureigenen Lebensgrundlagen? Sind wir zu feige? Wissen wir nicht, wo anfangen? Oder sind wir einfach nur gleichgültig?

George Monbiot spricht von Ecological Boredom (Ökologischer Langeweile), die uns Zeitgenossen quält. Kann es sein, dass wir die Verbindung zur Natur und damit zu unserer ureigenen Natur verloren haben und dass wir nur hilflos versuchen, dieses existentielle Vakuum, das tief in unserem kollektiven Unbewussten gründet, mit materiellem und immateriellem Konsum zu füllen? Wie können wir heilen, was zerbrochen ist?

 

Wir wollen versuchen, die Fragen zu beantworten. Ihnen nachsinnen und nachspüren. Darüber fühlen und denken. Wir ziehen uns dazu im August und im September jeweils eine Woche gemeinsam in die Natur der irischen Berge zurück. Wer mitkommen will, findet die Informationen hier in diesem Blog-Eintrag. Wer Probleme mit dem Teilnahmepreis hat, der sollte kein Problem sein: Bitte Mail an markus@wanderlust.ie

* Lesetipp: www.monbiot.com

Fotos: Gold Eagle Trust (oben), Markus Bäuchle (unten)

Irland Natur

Irlands Öko-Desaster namens Schaf

Schafe in Irland

Schafe in Irland: Ich kann mich der Faszination auch nicht entziehen. Die Vierbeiner im rohweißen Mantel nehmen uns „gefangen“ und wollen ständig fotografiert werden. Weil sie niedlich und kuschelig wirken. Unschuldig und friedlich. Was wäre Irland ohne Schafe? Die Antwort ist: Ein ökologisch vielfältigeres und gesünderes Land.

Wir lieben die kargen, weiten und offenen Berge Irlands. Doch was wir sehen, ist keine Natur. Wir nennen es Kultur-Landschaft und beschönigen auch damit. Dies sind leer gefressene, geplünderte und über die Jahrhunderte evakuierte Lebensräume mit minimaler Artenvielfalt. Das Millionen Gebisse zählende gefräßige Heer der Schafe hat in Jahrtausende langer Nahrungssuche die Wiesen und Weiden, die Hänge, Bergkuppen und Täler der Insel kahl gezupft. Die Schafe haben die Erdschollen vom Fels gerupft, den Boden mit ihren Hufen verdichtet und die meisten Pflanzenarten zertrampelt, zermalmt und vertrieben. Nach den Pflanzen, den Büschen, Sträuchern, Kräutern und Bäumen verschwanden die Tiere: die Vögel, die Insekten, die Säuger. In Irlands Bergen kann man die Stille hören — und dies ist nicht nur der Abwesenheit von Motoren- und Maschinenlärm geschuldet.

Schaf Irland

Wer die Augen nicht hinter der grünen Brille verbarrikadiert und wer genau schaut, sieht extrem geschädigte Lebensräume, schön anzusehende Wüsten. Ohne Pflanzenvielfalt und weitgehend ohne Tiere — außer dem Schaf. Das Schaf ist vor drei- oder viertausend Jahren von frühen Siedlern nach Irland gebracht worden. Die Ökosysteme auf der Insel haben eigentlich keine Abwehrsysteme gegen die genügsamen Vegetarier, die es auf das Gras und die Wildkräuter abgesehen haben, im Zweifelsfall aber auch der jungen Birke, dem zarten frischen Ginster, dem Ilex und der Weide den Garaus machen. Das Schaf dominiert die offene Landschaft und den Lebensraum.

Der britische Autor und Umweltaktivist George Monbiot schreibt in seinem neuen Buch Feral – Rewilding the Land, Sea and Human Life, dass das Schaf auf den Britischen Inseln (in Irland, Wales, Schottland und England) mehr ökologischen Schaden angerichtet hat als alle Bautätigkeit der Menschen zusammen. Ein drastischer Vergleich, der das unschuldige Wolltier, vor allem aber den wahren Ausbeuter der Lebensräume, den schafhaltenden Menschen,  ins rechte Licht setzt. Das Schaf betritt mit Genehmigung des Menschen blühende Landschaften und verwandelt sie Stück für Stück in wüstenhafte Öko-Desaster.

Die Lösung? Rewilding. Die Rückkehr der Wildnis. Dazu demnächst mehr an dieser Stelle.

Fotos: Markus Bäuchle / Wanderlust 2015

In Irland leben. Nicht zur Nachahmung empfohlen?

Irland Meer

14 Gründe, warum ich Irland liebe und hier lebe. Der Beitrag vom Wochenende (hier nachzulesen) warf bei Lesern die Frage auf, warum ich den eigenen Schritt, von Deutschland ins ländliche Irland umzuziehen, nicht unbedingt zur Nachahmung empfehle. Um mich nicht der fahrlässigen Schwärmerei verdächtig zu machen, heute ein Blick auf die dunkle Seite der grünen Wiese. Und die Einschränkung: Ich rede vom Leben auf dem Land, die Rede ist nicht von Arbeitsmigration in den urbanen Großraum Dublin. Meine generelle Antwort:

:: Weil die Menschen verschieden sind: Was für den einen passt, kann für den anderen höchst unpassend sein.

:: Weil man immer auch Glück braucht: Grenzüberschreitende Umzüge bergen mehr Risiken als Binnenumzüge. Schön, wenn alles klappt, doch Garantien dafür gibt es natürlich nicht. 

:: Nur weil man „die Iren“ lustig und nett findet, gehört man nicht automatisch schon dazu. Jenseits der kommunikativen Freundlichkeiten im Pub oder beim Schwatz auf der Straße hört die Verbindlichkeit schnell auf. Manche reden vom Closed Family Shop. Isolation kann die Folge sein. 

:: Weil die irischen Winter lang, dunkel und meistens nass sind. Nicht Jeder erträgt dieses Klima.

:: Weil nicht Jeder gut mit sich allein sein kann und nicht Jede das Fehlen von Zerstreuung als Bereicherung empfindet.

:: Oder deswegen: Weil Träume hier enden.

All das spricht nicht gegen den Schritt. Es spricht aber nicht automatisch dafür. Träumen muss erlaubt sein, die Realität sieht dann meist ganz anders aus. Auch im landschaftlich wunderschönen Irland gibt es einen Alltag zu leben, gibt es viele Dinge, die nerven, gibt es Nachbarn, TÜV, Zeitdruck, Stress und überfüllte Krankenhäuser — und gibt es für die meisten Menschen den Zwang, ihren Lebensunterhalt zu verdienen (wenn man nicht gerade zu dem einen Prozent der Weltbevölkerung gehört, das mittlerweile 50 Prozent des weltweiten Wohlstands besitzt — und damit mehr als alle anderen zusammen*.) Das habe ich versucht, im Grund 9 positiv auszudrücken:

Weil hier zu leben eine Herausforderung ist: Vollkasko-versichertes Leben geht anders. Ohne eigene Initiative geht nicht viel. Trotz der vielen schönen Natur. Das spornt stets  an.

Den einen spornt es an, es kann aber auch lähmen. Die Zahl sicherer Arbeitsplätze an der Atlantikküste im ländlichen Irland ist sehr überschaubar, die Zahl prekärer Lebensverhältnisse umso größer. Während viele Iren gut geschulte Überlebenskünstler sind und im Zweifelsfall, wenn es eng wird, sich ins Flugzeug setzen und dorthin reisen, wo sie Verwandte, Arbeit und eine bessere Zukunft vermuten, gehen Kontinental-Europäer lieber erst mal aufs Arbeitsamt.

Viele Umsiedler und Einwanderer machten die Erfahrung: Wenn das Feriengefühl erst einmal aufgebraucht ist, beginnt das wirkliche Leben in der Wahlheimat, und das kann ganz schön ent-täuschend im besten Wortsinne sein.  Das wäre zu bedenken, bevor man/frau die Koffer packt und die Umzugsampel auf grün springt.

Wer hat Erfahrung? Eure Meinung ist gefragt. 

* Spiegel Online vom 19. Januar 2015: http://www.spiegel.de/wirtschaft/ungleichheit-superreiche-besitzen-mehr-als-die-anderen-99-prozent-a-1013655.html

 

14 Gründe, warum ich Irland liebe und hier lebe

Am Wild Atlantic Way
Winter 2015. Vor fast 15 Jahren
 sind wir aus München aufgebrochen und nach Irland umgezogen. Es war keine Auswanderung, kein Neuanfang im vermeintlichen Paradies. Es war ein Umzug innerhalb Europas, in die Naturlandschaft eines besonders schönen Ortes: die ländliche Gegend am Atlantik in Irlands Südwesten. Immer mal wieder versuche ich, mir über die Verschiebung von Prioritäten klar zu werden und zu beschreiben, ob und warum ich mich in der Heimat unserer Wahl besonders wohl fühle: 14 Gründe, warum ich Irland liebe — und hier lebe. (Mehr Gründe gibt es übrigens noch in diesem Jahr als neues Irland-Buch von mir und Eliane Zimmermann)

1. Weil es noch viel unverbrauchte Natur gibt: Die Schönheit der Berge, der Strände, des Meeres, der Wiesen und Wälder geht zu Herzen. Weil ich hier die ersten Adler in freier Wildbahn beobachten durfte.

2. Weil es in Irland noch Vieles zu entdecken gibt. Nicht jeder Stein ist schon dreimal umgedreht, nicht jeder Berg für Freizeitvergnügte erschlossen. In Irland gibt es noch Geheimnisse.

3. Weil die Luft in Irland so frisch und sauber ist. Die irische Atlantikküste ist Europas Reinluftgebiet Nummer 1. Kein Sommer-Smog, kein Winter-Smog. Immer Zeit zum Durchatmen.

4. Weil Irland das Land des Lichts ist. Das ewig wechselnde atlantische Wetter bedingt das ewige Spiel des Lichts, das Sonne, Wolken und Meer miteinander austragen.

5. Weil das Land hier weit ist. Weil es Raum bietet für die Augen und die Seele.

6. Weil Irlands Musik-Kultur lebt. Damien Rice, Mick Flannery, Christy Moore, Jimmy McCarthy oder Luka Bloom — Live im Pub oder Hotel gleich um die Ecke, das ist Kultur — und weil auch Rory Gallagher ein Ire war.

7. Weil die Iren die besten Verlierer der Welt sind — und Niederlagen wie Siege feiern können.

Jobs:  Wir suchen eine selbständige Köchin für unser kleines Unternehmen in Irland: Hier bewerben

8. Weil die Iren überwiegend liebenswürdige und stets interessante Leute sind: Sies sind freundlich, redegewandt, schlitzohrig, anarchisch, gerne einmal feige und unaufrichtig, dazu stur, gesellig, feierfreudig, unkompliziert, und stets interessant.

9. Weil hier zu leben eine Herausforderung ist: Vollkasko-versichertes Leben geht anders. Ohne eigene Initiative geht nicht viel. Trotz der vielen schönen Natur. Das spornt stets  an.

10. Weil das Wetter in Irland immer beachtenswert und ein wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens ist. Regen, Sonne, Wind und Sturm sind die nahen und ständigen Begleiter.

11. Weil es in Irland noch einsame und wilde Orte gibt. Und dies nicht nur im Schilderwald „Wild Atlantic Way“.

12. Weil die Stille hier eine Erfahrung ist. Man kann sie hören, die Stille, diese völlige Abwesenheit von Zivilisationslärm.

13. Weil wir in Parallelwelten leben: Das Irland der Gegenwart ist ein modernes Land mit allen Annehmlichkeiten, die man braucht oder auch nicht. Auch das alte, traditionelle Irland lebt in Geschichten, Traditionen, in Liedern, in Nischen und in einzelnen Menschen weiter.

14. Weil Autor & Wanderer als Deutscher in Irland für mich ein schöner Beruf ist.

Fotos: Glengarriff Harbour, Co. Cork (u.), Dunlough Bay, Co. Cork (o.) / © 2015 Markus Bäuchle – Wanderlust

Leben in Irland

 

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