Unser Hund: Nutztier oder Familienmitglied?

Hunde in IrlandIrlandnews-Gastautorin Tanja Soest schreibt über Hundehaltung in Irland und Deutschland.

In Deutschland leben in etwa 13 Prozent der Haushalte Hunde. In Irland sind es 36 Prozent, was die Iren in der europäischen Statistik unter die ersten drei Plätze bringt. Wer jetzt denkt, dass die Iren die größeren Hundeliebhaber sind, liegt wohl eher falsch. Die Beziehung zum Hund wird in Irland oft vom Wert seines Nutzens für seine Halter bestimmt. Der Umgang mit dem Tier ist oft ruppig, eher lieblos und manchmal brutal.

Jagdhunde, die arbeitsamen Schäferhunde (Border Collies) und die berühmten Windhunde sind für Ihre Besitzer oft nur solange interessant wie sie einwandfrei funktionieren. Sind sie nicht mehr von Nutzen,werden sie entweder vom Halter selbst getötet oder landen in den sogenannten Dog Pounds, wo sie nach fünf Tagen auf staatliche Kosten eingeschläfert werden.

So werden in Irland jährlich 20.000 Hunde “entsorgt”. In  Aufzuchtfarmen werden bis zu 400 Tiere gehalten,um sie dann meist nach England zu verkaufen. Wen wundert es da noch, dass die Tierschutzgesetze von 1911 stammen und die Hundesteuer im Post Office entrichtet wird?

In Deutschland leben etwa fünf Millionen Hunde, in den meisten Fällen sicherlich als Familienhund. Aber auch hier werden jährlich etwa 100.000 Hunde abgegeben. Sie landen dann in einem der über 500 Tierheime, und wenn sie Glück haben, werden sie an neue Besitzer vermittelt. Die Kommunen zahlen pro Einwohner Abgaben an die Tierheime. Weil der deutsche Staat so tierlieb ist? Wohl eher, weil Hundehaltung hier ein echter Wirtschaftsfaktor ist. Hundehaltung in Deutschland bringt einen jährlichen Umsatz von etwa fünf Milliarden Euro. Damit verbunden sind 100.000 Arbeitsplätze. 22.400 Tierärzte kümmern sich um das gesundheitliche Wohlergehen der Vierbeiner.

Der “Hund von Welt” geht natürlich auch zum Friseur und läßt sich gelegentlich die Krallen lackieren.Es gibt Hundepsychologen, zahllose Hundeschulen und natürlich auch Masseure und Krankengymnasten. Mode-undSchmuckkollektionen sind genauso vorhanden wie Gourmetnahrung und spezielles Futter für fast jede Rasse. Dem sportlichen Equipment sind ebenfalls keine Grenzen gesetzt: Zu kaufen gibt es Hunde-Spielzeuge jeder Art  bis hin zu Fahrzeugen wie Dogscooter. Dass man für sowas ein maßgeschneidertes Geschirr braucht, versteht sich von selbst.

Was ist nun die richtige, die gesunde, die art-gerechte Weise, mit unserem treuen Vierbeiner umzugehen? Die irische, die deutsche — oder gar die US-amerikanische (von der hier gar nicht die Rede sein soll)?

Foto: Markus Bäuchle

Über Markus Bäuchle

Journalist und Wanderer. Lebt in Glengarriff im Südwesten Irlands. Mit Markus kann man in Irland wandern gehen: www.irland-wandern.de
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Kommentare

  1. Bei unseren vielen Wanderungen hier im Südwesten Irlands ist uns folgendes aufgefallen: wir werden sehr (!!!) viel weniger von Hunden angebellt, als das z.B. in Deutschland der Fall ist. Und das macht Ausflüge doch gleich sehr viel entspannender. Irische Hunde scheinen relexter …………..

    Er gibt da leider eine sehr ärgerlich Aunsnahme gleich zu Beginn der Wegstrecke von Kenmare Richtung Sneem Und das schon seit mind. 4 Jahren. Wird aber wohl weniger mit den Hunden als mit den Besitzern zu tun haben:

    http://mano-aquamarine.blogspot.com/2012/04/kerry-way-around-kenmare.html

  2. Ich frage mich gerade, warum in der Überschrift “oder” steht – ein Hund kann Nutztier und Familienmitglied sein. Wenn man den Arbeitshund eben als “Nutztier” einstufen mag, was ja üblicherweise nicht gemacht wird. Bei einem vernünftigen Einsatz eines Arbeitshundes kann man auch nicht vom “Missbrauch” sprechen … das Gegenteil ist eher der Fall.

  3. Ich will auf gar keinen Fall diese Diskussion shreddern bei diesem sehr ernsten Thema, will aber anmerken, dass ich das Foto (samt dem Hund drauf natürlich) extrem gut finde.

  4. Interessanter und gut recherchierter Artikel, der einmal mehr die ambivalenten und sehr gegensätzlichen Verhaltensweisen der “Spezies Mensch” aufzeigt- je nach kulturellem, sozialen und gesellschaftlichen Hintergrund. Immer dann, wenn etwas “benutzt” wird, sei es Mensch oder Tier, geht die Sache irgendwann schief, bzw. zeigt sich in all ihren erschreckenden Konsequenzen. Ob es sich um ausgelebten Neurosen in unserem Land handelt oder aber um Mißbrauch des Tieres als “Arbeits- und Sportgerät” womöglich in Irland, ist letzlich gleich, das Tier geht hier buchstäblich vor die Hunde. Eine Gesellschaft ist seelisch und geistig immer so gesund, wie sie ACHTSAM und respektvoll mit anderen Lebewesen und der Natur umgeht. Hier möge sich jeder selbst in einer Diagnose versuchen. Gute Besserung uns ALLEN. ;-)

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