Etwas geht immer: Schnäppchen, Ramsch, Billigplunder

Billigladen in Tralee, KerryDem Euro geht es schlecht, den Irinnen und Iren zunehmend schlechter, doch der Euro-Shop boomt. In Irlands Städten schießen Billigläden, a la “Rudis Reste-Rampe” wie Pilze aus dem Boden. Sie handeln Restposten, Ramsch, B-Ware, Re-Importe, ausgelistete Artikel, Schnäppchen und Billigplunder. Der “2-Euro-Shop” und der “Euro World”, beide Nachfolger des “One-Pound-Shops” verkaufen alle Artikel zum Preis von ” 2 Euro oder weniger und macht damit offensichtlich gute Geschäfte. Der Billigladen hat im rezessionsgeplagten Irland Konjunktur.

Beispiel Tralee im County Kerry: Im Zentrum der County-Haupstadt, am Square, haben gleich drei Billigstläden im Umkreis von 200 Metern geöffnet — und weitere 100 Meter die Straße runter residiert großflächig der Meister der Billig-Shops, Michael Guinees. Auch dies ein Rezessions-Indikator.

Billigladen in Tralee, Kerry, Irland

The Square, Tralee, County Kerry.

Irland-News am Sonntag: Die Politik schläft noch

News aus Irland immer aktuellEine Woche nach Beginn des neuen Jahres befindet sich das politische Dublin noch weitgehend im Winterschlaf. Ein Blick auf die Schlagzeilen des jungen Jahres verrät, dass die Volksvertreter noch nicht im Jahr 2012 angekommen sind.  Im Gegensatz zur Verwaltung des Landes, die die Bürger zunehmend reizt. Die “Irland-News am Sonntag” schreibt ab heute Thomas Bruetting* für Sie. Herzlich wíllkommen im Autoren-Team, Tom!

Jagd auf Renten- und Kindergeld-Schummler

Überstunden stehen für die Fahnder der irischen Steuerbehörden an. Zugunsten der irischen Staatskasse soll es Schummlern und Betrügern an den Kragen gehen – im Visier der Fahnder: Rentner und Kindergeldbetrüger.Die Ermittler spüren ab sofort Rentnern nach, die ihre fälligen Steuern schlicht nicht bezahlt haben oder falsche Angaben zu ihren über die staatliche Rente hinausgehenden Einkünfte gemacht haben. Den Sündern droht neben einer Nachzahlung mit Zinsen und  Gebühren auch eine saftige Geldbuße. Vorläufig sollen Fälle der letzten vier Jahre überprüft werden. Experten erwarten Steuermehreinnahmen von 45 Millionen Euro. Parallel dazu haben die Sozialbehörden über 5000 Beziehern die Auszahlung des Kindergelds für den Monat Januar verweigert, weil sie einer bereits im September verschickten Aufforderung zum Nachweis des Wohnsitzes und der Bezugsberechtigung nicht nachgekommen sind. Möglich wurde das Vorgehen durch eine Vernetzung von Datenbanken der Steuer- und der Sozialbehörden, die einen Abgleich der Steuer- und Renteninformationen möglich machen. (Quelle: Irish Independent)

Guinness-Storehouse zieht königliche Bilanz

Guinness Storehouse DublinDer Jahresbeginn ist auch immer die Zeit für Rückblick und Kassensturz. Das Besucherzentrum der berühmtesten Brauerei der Welt hat sich 2011 zur beliebtesten Bezahlattraktion Irlands gemausert und führt diesen Erfolg auch auf die königlich-präsidialen Besucher im Mai 2011 zurück. Denn dort, wo Barack Obama „a Pint of Plain“ schlürfte – und die Queen dieses zumindest wohlwollend anlächelte – da will auch Otto-Normal-Reisender einmal Station machen. Ob diese Logik der Storehouse-Manager wirklich zutrifft, bleibt fraglich, als Tatsache bleibt jedoch ein rund zehnprozentiger Besucherzuwachs im Jahr 2011. “Während der Staatsbesuche von Präsident Barack Obama und Queen Elizabeth II. ruhten alle Augen auf Irland und das muss sich positiv auf unsere Besucherzahlen ausgewirkt haben”, so Manager Paul Carty. Ebenfalls ausgewirkt haben sich laut Carty das erfolgreiche St. Patricks Day Festival sowie die Eröffnung des neuen “Five – Guinness and Food Experience” im fünften Stock des Guinness Storehouse. (Quelle: irishcentral.com)

Die irische Grundsteuer lernt laufen

100 Euro pro Haus pro Jahr – so einfach definiert sich das jüngste Kind im irischen Steuer-Panoptikum. Die Grundsteuer ist eine Erfindung des im vergangenen Jahr entwickelten Sparpakets und trifft alle Hauseigentümer gleichermaßen. Die neue Steuer ist unabhängig von der vor zwei Jahren eingeführten Zweitwohnungssteuer. Bis zum 31. März haben Hauseigentümer nun Zeit, ihre 100 Euro an den Fiskus zu entrichten, wobei auch die quartalsweise Zahlung in 25-Euro-Raten gewährt wird. Da in Irland kein Einwohnermeldewesen wie in Deutschland besteht, sind Hauseigentümer aufgefordert, selbst aktiv zu werden, und sich auf einer Website der Steuerbehörden für die Bezahlung der Grundsteuer zu registrieren. Wer nicht zahlt, so die irische Regierung, sollte sich allerdings nicht darauf verlassen, aufgrund des fehlenden Meldewesens nicht belangt werden zu können. Man werde sich der Datensätze anderer Behörden bedienen, um säumige Zahler aufzuspüren und dann mit Zinsen und Strafgebühren trotzdem zur Kasse bitten. Die Steuer betrifft übrigens auch Ausländer mit Ferienhausbesitz in Irland. (Quelle: Irish Times)

Friedenspreis für Ex-Präsidentin McAleese

Die ehemalige irische Präsidentin Mary McAleese und ihr Mann Martin werden mit dem Tipperary International Peace Award 2011 ausgezeichnet. Mit der Vergabe des renommierten Preises sollen die Bemühungen des Ehepaares um die Förderung von Frieden und Versöhnung zwischen Irland und Nordirland gewürdigt werden. Die Tipperary Peace Convention begründete ihre Entscheidung unter anderem mit der Rolle der McAleeses als Gastgeber des historischen Besuchs der englischen Königin. “Das Motto von Mary McAleeses Präsidentschaft lautete “Brücken bauen” — für viele Menschen war der Besuch von Queen Elizabeth II im May 2011 der absolute Höhepunkt der zwei Amtszeiten und ohne Zweifel auch “der Höhepunkt ihrer langjährigen Arbeit für Versöhnung”, so das Komittee in einer Verlautbarung. Vor dem Ehepaar McAleese waren bereits der Anti-Apartheidskämpfer und südafrikanische Ex-Präsident Nelson Mandela, Live Aid Begründer Bob Geldof und der ehemalige US-Präsident Bill Clinton mit dem Tipperary International Peace Award ausgezeichnet worden. (Quelle: Irish Examiner)

Helle Klänge statt dunklem Bier

Auf dem Grundstück der ehemaligen Beamish & Crawford Brewery in Cork soll für 150 Millionen Euro eine neue Konzerthalle entstehen. Die irische Planungsbehörde An Bord Pleanála hat für ein entsprechendes Joint Venture von Heineken Ireland und dem Bauunternehmen BAM Property grünes Licht gegeben. Die Arena mit 6000 Sitzplätzen soll zu Füßen der St. Finbar-Kathedrale am südlichen Kanal des Lee entstehen. (Quelle: Irish Examiner)

Wir wünschen allen Lesern alles Gute für das Jahr 2012! Wir sehen uns in Irland! 

Irlandnews.com

Tom Bruetting

* Und übrigens: Das ist unser neuer Autor für die “Irland-News am Sonntag” , den wöchtentlichen Nachrichtenüberblick aus Irland: Tom Brütting ist in Augsburg als freiberuflicher Journalist und PR-Berater tätig. Seit einer Schulexkursion auf die grüne Insel im Jahr 1991 ist er Irland hoffnungslos verfallen und hat das Land seitdem rund zehnmal besucht – zwei Auslandssemester an der National University of Ireland Galway inklusive. Im Herbst 2010 setzte er mit der Website www.gaelnet.de eine lange gehegte Idee in die Tat um. Gaelnet wertet irische Nachrichten für deutschsprachige Leser aus. Tom wird sich mit seinem Kollegen Joachim Mayer aus Augsburg abwechseln.


News am Sonntag: Irlands Zukunft ist ungewiss

News aus Irland immer aktuellVerschärft sich die schlechte Wirtschaftssituation in Irland im fünften Rezessionsjahr erneut?  Vieles deutet darauf hin. Die Headlines der Woche: Das Weihnachtsgeschäft lahmt, die Wirtschaft auch, die USA locken Emigranten von der Insel. Die gute Nachricht der Woche: Die Grünen nehmen einen neuen Anlauf. Lesen Sie unsere Irland-News vom Sonntag. Dirk Huck berichtet aus Dublin.

 

Haushaltsabgabe: Zahlen oder nicht zahlen, das ist hier die Frage

Die von der Regierung für 2012 beschlossene sogenannte Haushaltsabgabe in Höhe von 100 Euro stößt auf großen Widerstand. Die Abgabe ist eine Vorstufe zur 2014 kommenden Grundbesitzsteuer und ist von den Eigentümern der Immobilien zu zahlen. Kritiker aus den Reihen der Opposition halten die Abgabe für ungerecht. Weder berücksichtige sie das Einkommen des Eigentümers noch die Größe oder den Wert der Immobilie. Viele strauchelnde Hausbesitzer könnten sich die Abgabe gar nicht leisten. Auch sei zu erwarten, dass viele Vermieter die Abgabe einfach auf ihre Mieter abwälzen. Eine Gruppe Oppositions-Abgeordnete startete diese Woche eine Kampagne und ruft zum allgemeinen Boykott der Haushaltsabgabe auf. 160 Millionen Euro verspricht sich die Regierung von der Abgabe. Alarmiert von den Boykott-Aufrufen ließ die Regierung bereits wissen, dass man Zahlungsverweigerer gnadenlos aufspüren werde. Hierzu werde man Daten des Stromlieferanten ESB, der Steuerbehörde und des Vermieter-Verzeichnisses verwenden, um zahlungspflichtige Eigentümer ausfindig zu machen. Wie man allerdings in dem Datensalat Hauseigentümer ausfindig machen will, bleibt abzuwarten. Die Geschichte wird noch spannend werden. (Quellen: Irish Times, Irish Independent)

Euro-Krise: Kommt es zum Referendum in Irland? 

Wird es im nächsten Jahr ein Lisbon III geben? Derzeit prüft man in Irland, ob die auf dem EU-Gipfel vergangene Woche beschlossenen Änderungen der EU-Verträge zur Stabilisierung des Euro ein Referendum erfordern. Finanzminister Michael Noonan dramatisierte, als er in einem Interview sagte, ein Referendum über die Vertragsänderungen käme einem Referendum über Irlands Mitgliedschaft in der Euro-Zone gleich. Er fügte aber hinzu, dass, käme es zum Referendum, die Iren wohl mehrheitlich für einen Verbleib in der Euro-Zone stimmen würden. Der Gipfelbeschluss sieht schärfere Haushaltskontrollen und eine gegenseitige Überwachung der Wirtschaftspolitik der EU-Länder vor. Großbritannien, Irlands wichtigster Handelspartner, legte bekanntlich ein Veto gegen den Gipfelbeschluss ein. (Quelle: Irish Independent).

 

Traditions-Kaufhaus Clerys strauchelt

Noch eine Einzelhandels-Ikone, die in finanziellen Schwierigkeiten steckt: Das Dubliner Traditions-Kaufhaus Clerys meldete diese Woche, dass sich 2011 die Geschäftssituation weiter verschlechtert habe. Das vergangene Geschäftsjahr beendete man mit einem Verlust von zwei Millionen Euro, verglichen mit bereits 1,87 Millionen Euro Verlust im Jahr davor. Derzeit sei man auf die Kooperationsbereitschaft der Kreditgeber angewiesen, um das Geschäft fortführen zu können. Clerys auf der O’Connell Street in Dublin eröffnete 1853 als weltweit eines der ersten Kaufhäuser, die speziell für diesen Zweck erbaut wurden. (Quelle: Irish Times).

Irlands Wirtschaft schrumpft im dritten Quartal um 1,9 Prozent

Mit einer beunruhigenden Nachricht meldet sich das Zentrale Statistikamt CSO noch einmal zum Jahresende: Im dritten Quartal schrumpfte Irlands Wirtschaft um 1,9 Prozent. Ausgaben der privaten Verbraucher (-1,3 Prozent), öffentliche Ausgaben (-1,3 Prozent), Investitionen (-20) und Import (-1,5) fielen. Der Export hingegen legte leicht zu (+0,8). Nach leichtem Wachstum im zweiten Quartal (+1,6) nun erneut ein Dämpfer. Die irische Wirtschaft bleibt ein Wackelkandidat. Auch der Internationale Währungsfonds IWF, der diese Woche eine weitere Kredittranche für Irland absegnete, warnte, dass eine anhaltende schwache Konjunktur in Europa Irlands Exportsektor stark beeinträchtigen wird. Für nächstes Jahr erwartet man deshalb ein nur schwaches Wirtschaftswachstum von allenfalls einem Prozent. (Quelle: Irish Independent).

Das Weihnachtsgeschäft kommt nicht in Schwung

Laues Konsumklima: Die Einzelhandels-Organisation Retail Excellence Ireland meldet, dass das Weihnachtsgeschäft bislang nicht die Erwartungen des Einzelhandels erfüllt. Viele Geschäfte machen bis zu dreißig Prozent ihres Umsatzes allein in der Weihnachtszeit. Doch die Verbraucher spüren die tiefen finanziellen Einschnitte und halten sich beim Konsum zurück oder kaufen Schnäppchen. Viele Läden starteten vorzeitig ihre Preisnachlass-Aktionen im Weihnachtsgeschäft, um Kunden zu animieren. Große internationale Ladenketten kündigten an, die Fortführung ihrer Geschäfte in Irland vom Verlauf des Weihnachtsgeschäfts abhängig zu machen. Es ist zu befürchten, dass sich im nächsten Jahr viele Ketten aus dem irischen Markt zurückziehen. (Quelle:Irish Times)

Green Party nimmt neuen Anlauf

Die Green Party, von 2007 bis 2011 kleiner Koalitionspartner von Fianna Fail, versucht einen Neubeginn. Nach der Parlamentswahl im Februar 2011, bei der man alle sechs Abgeordnetensitze verlor und lediglich 1,8 Prozent Erstpräferenzen erhielt, versank die Partei quasi in der politischen Bedeutungslosigkeit. Anlässlich des 30. Jahrestages der Gründung stellte der Vorsitzende Eamon Ryan diese Woche seine Strategie für einen Neuaufbau der Partei vor. Irlands Grüne möchten nun effektive Lösungen für die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Problemen des Landes erarbeiten, und sich so wieder als Alternative zu den etablierten Parteien empfehlen. Mangels Sitzen im Parlament muss die Oppositionsarbeit allerdings hauptsächlich über Medien wie Radio, TV und auch Facebook und Twitter erfolgen. Na dann, gutes Gelingen. (Quelle: TheJournal.ie)

USA locken mit Visa für irische Arbeitskräfte

Ein US-Senator reichte diese Woche ein Gesetz ein, das es ermöglichen würde, jährlich bis zu zehntausend zeitlich befristete Visa an irische Arbeitskräfte zu vergeben. Es ist nach fünfzehn Jahren das erste Gesetz, das sich speziell an irische Einwanderer wendet. Die harten Einreisebestimmungen führen derzeit dazu, dass jährlich viele Iren illegal in die USA emigrieren. Mit dem neuen Gesetz würden die Behörden diesen Einwandererstrom besser kontrollieren können. Die irische Regierung mag sich bemühen, die Wirtschaft anzukurbeln und Arbeitsplätze zu schaffen. Doch es sind Meldungen wie diese aus den USA, die den tausenden Arbeitslosen in Irland eher Anlass geben, positiv in die berufliche Zukunft zu blicken. (Quelle: Irish Times).

Irische Zentralbank möchte Anglo Irish-Bauruine nutzen

Es ist das Symbol für den Kollaps des Bankensystems schlechthin: Das Beton-Gerippe des unfertigen extravaganten Hauptquartiers von Anglo Irish Bank, das sich in Dublin am nördlichen Ufer der Liffey unweit des Convention Centers erhebt. Es teilt das Schicksal der vielen tausend Bauruinen im Land: Angefangen und nie vollendet. Der Bank, die mit Milliarden-Krediten jonglierte, ging selbst das Geld aus. Was tun mit dem Baugerippe? Diese Woche wurden Pläne diskutiert, dass – Ironie der Geschichte – die Irische Zentralbank den angefangenen Bau für ihr neues Hauptquartier nutzen könnte. Das bislang genutzte Gebäude in der Dame Street wird langsam zu klein, und andere ausreichend große Bürogebäude sind kurzfristig nicht verfügbar. Warum also nicht wenigstens einmal eine vorhandene Bauruine sinnvoll nutzen? Künftig soll das Bürogebäude am North Wall Quay ein Symbol der Wiedergeburt und der Erlösung sein. Bleibt nur zu hoffen, dass der Fluch von Anglo Irish nicht auch die Irische Zentralbank ereilt, wenn sie denn in die Geister-Ruine einzieht. (Quelle: Irish Times).

Googles Jahresrückblick: Iren 2011 auf Schnäppchen-Jagd

Google veröffentlichte diese Woche die “Zeitgeist”-Auswertung der im Jahr 2011 am häufigsten verwendeten Suchbegriffe. Demnach machten in Irland die Suchbegriffe “DoneDeal”, “iPhone 5″, “Rugby World Cup”, “Saorview” und “Pippa Middleton” das Rennen. Dies zeigt: Queen-Besuch, Euro-Krise, Parlamentswahl oder Haushaltsentwurf hin und her, 2011 interessierten sich die Iren hauptsächlich für Schnäppchen, iPhones, Sport und ein berühmtes Hinterteil. DoneDeal.ie ist eine erfolgreiche Website für den Gebrauchtmarkt. Apples iPhone 5 wurde 2011 auch von den Iren sehnsüchtig erwartet, am Ende gab es nur das iPhone 4S. Aufmerksam verfolgte Irland das Auftreten seiner Mannschaft bei der Rugby-WM in Neuseeland. Saorview ist Irland erster kostenfreier Digital-TV-Service. Und nach ihrem Auftritt als Schwester der Braut bei der königlichen Hochzeit in England wollte auch Irland mehr über Pippa Middleton wissen. (Quelle: Irish Times)

Wee Daniel feiert 50. Geburtstag

Eine Meldung aus dem Showgeschäft: Der irische Schnulzensänger Daniel O’Donnell feierte diese Woche seinen 50. Geburtstag. Seit Mitte der 1980er ist “Wee Daniel”, wie der Schwiegermutterliebling von seinen überweigend weiblichen Fans fortgeschrittenen Alters liebevoll genannt wird, fester Bestandteil der irischen Musikszene. Auch in England und Amerika blickt der weichgespülte Country- und Folk-Sänger auf eine solide Fan-Basis. Das kommt nicht von ungefähr: Wenn er in seinen stets ausverkauften Konzerten zu seinem Erfolgshit “I Just Wanna Dance With You” im Tanz die Hüften wiegt und sich einmal dreht, fallen die ersten zehn Reihen regelmäßig in Ohnmacht und müssen anschließend ins Seniorenheim zurückgefahren werden. Immerhin, mehr als zehn Millionen Alben hat “der Junge aus Donegal” bislang verkauft. Hut ab. Künftig allerdings will “Wee Daniel” etwas kürzer treten – die vielen Konzerte seien doch sehr anstrengend für ihn, sagte der Sänger neulich. Der Ärmste. Lauft, irische Mütter, und bringt Daniel schnell eine cuppa tea.

 

Der Autor: Dirk Huck berichtet aus Dublin.

Wir wünschen allen Lesern und Irland-Fans eine schöne Weihnachtszeit. Die Irland-News vom Sonntag melden sich wieder zum Jahresende mit einem Rückblick auf das Jahr 2011.

PS: Mehr von Dirk Huck gibt es auf seinem eigenen (derzeit ruhenden) Blog www.blog-for-ireland.blogspot.com zu lesen.

 

 

Fotos:Dirk Huck (6)

Irland-News am Sonntag: Strafe statt Sex

News aus Irland immer aktuellLeicht endet der Besuch bei Prosituierten in Irland in der Sackgasse. 21 Männer aus dem Raum Limerick fanden ihre Namen in dieser Woche in der Zeitung, weil sie auf der Suche nach Sex falschen Prostituierten auf den Leim gingen – darunter auch ein Schulrektor. Die Headlines der Woche: Irland spart noch mehr. Das Olympische Feuer kommt auf die Insel. Irland hat einen Geheimdienst !?! Lesen Sie unsere Irland-News vom Sonntag. Dirk Huck berichtet aus Dublin.

 

TV-Ansprache: Premierminister Enda Kenny wendet sich an die Nation

Irland RegierungDass sich das Regierungsoberhaupt in einer Ansprache direkt an die Nation wendet, kommt in Irland selten genug vor. Da muss es der Nation schon arg schlecht gehen. Zuletzt war es 1980 Taoiseach Charles Haughey, der das Volk ermahnte, den Gürtel enger zu schnallen (er selbst sah sich da bekanntlich ausgenommen, doch das ist ein anderes Thema). Im Vorfeld zum Haushaltsentwurf 2012 wählte nun Taoiseach Enda Kenny (Foto) den direkten Weg in die Wohnstuben der Nation. 1,2 Millionen Zuschauer versammelten sich am Sonntagabend vor dem TV, um von Kenny persönlich zu erfahren, dass dem Land ein langer und schwieriger Weg bevorsteht. Ende 2010 befand man sich in einer Krise, ein Jahr später hat sich die Lage leider nicht großartig geändert, sagte er. Der kommende Etat würde hart werden, keine Frage, aber er sei ein wichtiger Schritt hin zu einer besseren Zukunft.

In seiner TV-Ansprache verkündete Enda Kenny wenig Neues. Man muss ihm jedoch zugute halten, dass er den Anstand hatte, der Nation selbst offen mitzuteilen, dass die Zeiten schlecht sind und sich leider so schnell daran nichts ändern wird. Damit unterschied er sich auffallend von seinem Vorgänger Brian Cowen, der auf die Frage, ob es dem Land schlecht gehe und der IWF womöglich im Anmarsch sei, erst dann zähneknirschend und brummelnd ein “Ja” hervorbrachte, als die Männer vom IWF bereits auf der Matte standen. (Quelle: Irish Independent)

Stunde der Wahrheit: Regierung präsentiert Haushaltsentwurf für 2012

500 € ScheinDie Woche stand ganz im Zeichen des Haushaltsentwurfs für 2012. In erstmals zwei getrennten Ansprachen legten Brendan Howlin, Minister für öffentliche Ausgaben, und Finanzminister Michael Noonan dar, wie sie im kommenden Jahr das Haushaltsdefizit um insgesamt 3,8 Milliarden Euro reduzieren wollen (in zwei getrennten Ansprachen deswegen, weil es länger als geplant dauerte, den Entwurf aus dem Deutschen zu übersetzen, wie manche zynisch bemerkten). Am Montag stellte zunächst Brendan Howlin seine Ausgabenkürzungen vor, die 2,2 Milliarden Euro einbringen sollen. Die Kürzungen betreffen vor allem die Bereiche Soziales, Gesundheit und Ausbildung. Am Dienstag stellte Michael Noonan seine Änderungen bei diversen Steuersätzen und Abgaben vor, die 1,6 Milliarden Euro einbringen sollen. Hier sind, neben vielen Punkten, die Anhebung der Mehrwertsteuer und der KFZ-Steuer, die pauschale Abgabe für alle Haushalte sowie höhere Abgaben auf Benzin, Diesel und Zigaretten zu nennen. Die Einkommenssteuer blieb unangetastet, ebenso die im Ausland viel diskutierte Unternehmenssteuer.

Man muss der Regierung bescheinigen, einen recht cleveren Haushaltsentwurf ausgearbeitet zu haben. Hier ein paar Milliönchen weniger, da eine Bemessungsgrenze leicht angehoben, dort ein paar Cent höhere Abgaben – es wurde an vielen Stellschrauben ein wenig gedreht, der große Hammer in einigen wenigen Bereichen blieb aus. So wird sich wohl erst im Verlauf des Jahres zeigen, wie sehr jeder betroffen ist. Ob der Etat wirklich dazu beiträgt, Arbeitsplätze zu schaffen, wird sich zeigen. Immerhin enthält der Entwurf steuerliche Anreize für den Kauf von Immobilien und Steuererleichterungen für diejenigen, die während der Hochphase des Booms gekauft haben und nun straucheln.

Interessant wird es Ende nächsten Jahres. Im nächsten Haushaltsentwurf müssen noch einmal etwa vier Milliarden Euro erzielt werden. Da die Wirtschaft auch im nächsten Jahr kaum großartig wachsen wird und der Regierung unverhoffte Einnahmen beschert, wird die Regierung wohl nicht umhin kommen, beim nächsten Haushalt auch bei der Einkommensteuer und anderen Bereichen anzusetzen, die im Budget 2012 verschont wurden.

Gestatten: Bond. Seamus Bond.

Ein unscheinbarer Posten in Brendan Howlins Budget-Zuteilung für 2012 machte neugierig: Der irische Geheimdienst darf im nächsten Jahr über ein Budget von einer Million Euro verfügen. Der irische Geheimdienst? Ganz recht. Über den ist allerdings so wenig bekannt, dass gemunkelt wird, er existiert gar nicht, sondern ist nur eine buchhalterische Kostenstelle für Gemeinschaftsaktionen zwischen der Polizei und dem Nachrichtendienst des Militärs. Aber vielleicht braucht der streng geheime irische Secret Service das Geld, um sich im nächsten Jahr um eine Aufgabe von höchstem nationalen Interesse kümmern zu können: Das Ausspionieren der gegnerischen Mannschafts-Aufstellungen bei der EM in Polen … (Quelle: TheJournal.ie)

Olympische Fackel kommt nach Dublin

Auf ihrem Staffellauf durch England zu den Olympischen Sommerspielen 2012 in London wird die Olympische Fackel auch einen Abstecher nach Dublin einlegen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) bestätigte diese Woche eine entsprechende Ausnahmeregelung. Den Regeln des IOC gemäß darf die Route der Fackel eigentlich nur durch das Gastgeberland führen. Man erkannte jedoch an, dass Irlands Olympia-Team alle 32 Grafschaften auf der Insel repräsentiert, und nicht nur die 26 der Republik Irland. Auf ihrer Vier-Tage-Tour durch Nordirland darf die Fackel deshalb auch in Dublin vorbeischauen. Pat Hickey, Präsident des Olympischen Komitees Irlands, begrüßte die Entscheidung des IOC. “Es ist die Erfüllung eines Traums”, sagte er. Nord und Süd vereint unter dem Olympischen Feuer. (Quelle: TheJournal.ie)

Studie: Krebs-Risiko in der Republik höher als in Nordirland

Cancer Map IrelandInteressante Fakten präsentierte das National Cancer Registry Ireland (NCRI) in dieser Woche: Das Risiko, an Krebs zu erkranken, ist auf dem Gebiet der Republik Irland auffallend höher als in Nordirland. Dies ist das Fazit aus dem jetzt veröffentlichten All-Ireland Cancer Atlas, der achtzehn Formen von Krebserkrankungen aus dem Zeitraum 1995 bis 2007 ihrer geografischen Verteilung nach aufschlüsselt. So finden sich Hautkrebserkrankungen häufiger in städtischen und küstennahen Regionen, Magenkrebs häufiger in einem Streifen von Dublin nach Donegal und Darmkrebs häufiger in der Region um Cork City sowie im Norden der Insel. Nur für Lungenkrebs zeigte sich eine höhere Konzentration der Fälle in Nordirland als in der Republik. (Quelle: Irish Times)

Sinéad O’Connor: Hochzeit Nummer vier in Las Vegas

Das ging fix. Im Sommer noch hatte Sinéad O’Connor (45) öffentlich ihr Pech in der Liebe beklagt. Die exzentrische Sängerin (“Nothing Compares To You”) wollte gar die Dienste einer Partnervermittlung in Anspruch nehmen, nahm es dann aber selbst in die Hand mit dem offensiven Aufruf: “Ich suche einen Mann.” Aber nicht irgendeinen. Sexhungrig sollte er sein, schließlich sei sie in der Blüte ihres Lebens und wolle nicht wie eine Nonne leben. Mit dem 38-jährigen Barry Herridge scheint sie fündig geworden zu sein. Diese Woche düsten Frau O’Connor und ihr Barry, nach eigenem Bekunden ein großer Fan der Sängerin, nach Las Vegas, um dort den Bund der Ehe einzugehen. Drive-Through-Hochzeit in Las Vegas mit Ehemann Nummer vier, der passenderweise ein Therapeut ist: Was soll da schon schiefgehen? (Quelle: Irish Independent)

Peinlich: Freier tappen Undercover-Polizistinnen in die Falle

Im Mittelalter gab es den Pranger, heute gibt es die Zeitung. Einundzwanzig Männer im Alter von Mitte zwanzig bis Mitte sechzig bekannten sich diese Woche vor dem Gericht in Limerick für schuldig, zwischen dem 11. November und 4. Dezember mit Prostituierten Kontakt aufgenommen und um entsprechende Dienste nachgefragt zu haben. Pech für die Herren, dass es sich bei den vermeintlichen Prostituierten um verdeckt operierende Polizeibeamtinnen gehandelt hatte. Zur Strafe fanden die Freier nun ihre Namen in der Zeitung wieder, samt Angabe des Alters und des Wohnortes. Peinlich, peinlich. Da waren die 470 Euro, die sie zusätzlich zur Strafe an eine wohltätige Einrichtung zahlen mussten, das geringste Übel. Einer der Männer bat vor Gericht um einen Pflichtverteidiger. Er sei Sozialhilfeempfänger und könne sich einen Anwalt nicht leisten, erklärte er. Der Richter hatte kein Einsehen: Wer sich eine Prostituierte leisten kann, entschied er, kann sich auch einen Anwalt leisten. (Quelle: Irish Times).

Und noch ein Nachschlag aus eigener Quelle (Irland ist ein kleines Land) für die Englischprofis: Einer der ertappten Männer ist zufällig der Direktor einer Schule in Ennis. Jetzt nennt man ihn den “Vice Principal” . . .

Der Autor: Dirk Huck berichtet aus Dublin.

 

Wir wünschen allen Lesern und Irland-Fans eine gute Woche.

PS: Mehr von Dirk Huck gibt es auf seinem eigenen (derzeit ruhenden) Blog www.blog-for-ireland.blogspot.com zu lesen.

 

 

Fotos: merrionstreet.ie (1)

News am Sonntag: Hasch Top, Wirtschaft Flop

News aus Irland immer aktuellDas Geld ist knapp und das Haschisch stark in Irland.  Irlands Wirtschaft wird wohl 2012 weiter schwächeln. Die Iren sind mit ihrer neuen Regierung nicht sonderlich zufrieden und das Leben auf der Insel wird wohl noch härter. Hilft da die Nachricht, dass sich irischer Whiskey verkauft wie geschnitten Brot und dass in Irland angebauter Hanf  extrem starkes Haschisch produziert? Lesen Sie die Irland-News vom Sonntag. Dirk Huck berichtet aktuell aus Dublin.

 

Düstere Aussichten: Wachstumsprognose für Irland wird gesenkt

Irland Nachrichten Irlands Wirtschaftsforschungsinstitut ESRI warnte diese Woche, dass eine anhaltende Euro-Krise einen negativen Effekt auf Irlands Wirtschaft haben wird. Irlands Export sei auf eine starke Nachfrage innerhalb der EU angewiesen. Doch nun sehe alles danach aus, dass die gesamte Euro-Zone erneut in eine Rezession abdriftet, so das Institut in seinem Bericht zur Einschätzung der Situation. Für das kommende Jahr korrigierte das bislang meist verhalten optimistisch gestimmte Institut seine Wachstumsprognose nach unten. Statt 2,3 Prozent erwartet es im nächsten Jahr allenfalls 1 Prozent Wachstum in Irland. Die Arbeitslosenquote werde auch 2012 deutlich über 14 Prozent liegen, mit einem weiter wachsenden Anteil an Langzeitarbeitslosen. Geschätzte 75.000 werden im nächsten Jahr das Land verlassen. Eine Genesung der irischen Wirtschafte hänge stark davon ab, wie sich die globale Wirtschaft entwickelt. (Quelle: Irish Independent)

Ein Jahr Bailout – 45 Prozent mit der Regierung unzufrieden

Am 28. November jährte sich der Tag, an dem Irland unter den Rettungsschirm von EU und IWF schlüpfte und Finanzhilfen im Umfang von 85 Milliarden Euro akzeptierte. Ein Jahr Bailout – wie schätzt das Volk die Situation heute ein? Der “Irish Examiner” gab hierzu eine Umfrage in Auftrag: Fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) ist der Ansicht, Irland solle weiterhin den von EU und IWF auferlegten Bedingungen des Rettungsschirms nachkommen, 30 Prozent war gegenteiliger Ansicht, 22 Prozent hatte keine Meinung. Befragt über ihre Einschätzung, wie die neue Regierung die Situation bislang handhabte, zeigten sich nur 29 Prozent zufrieden, 45 Prozent unzufrieden, 26 Prozent hatten keine Meinung. In letzterem Ergebnis mag sich die Unzufriedenheit vieler darüber widerspiegeln, dass die Regierung zwar eine Zinssenkung für den Rettungskredit aushandeln konnte, die Anteilseigner der mit Milliarden gestützten Banken bislang aber unbehelligt ließ. (Quelle. Irish Examiner)

Dublin will Feuerwehr-Einsätze in Rechnung stellen

In ihrem Bemühen, ihre Ausgaben mit dem Budget in Einklang zu bringen, kommen die Städte und Gemeinden auf recht abstruse Ideen. Die Stadt Dublin erwägt, Einsätze der Feuerwehr künftig in Rechnung zu stellen. Bei einem Hausbrand zum Beispiel soll die erste Stunde Einsatz künftig pauschal 500 Euro kosten, danach wird je weitere Stunde und je benötigtem Löschfahrzeug abgerechnet. Dublin Fire Brigade hält von dem Vorschlag wenig. Ihre Sorge: Die zu erwartenden hohen Kosten für das Anfordern eines Löschzugs könnten Betroffene ohne eine entsprechende Versicherung dazu verleiten, einen Brand zunächst auf eigene Faust zu bekämpfen, was die Sache womöglich noch schlimmer machen würde. (Quelle: Irish Times)

Irischer Cannabis stärker und gefährlicher

Cannabis ist die am meisten verwendete illegale Droge in Irland. Der Großteil wird aus dem Ausland bezogen. In zunehmendem Maße wird Cannabis aber auch direkt in Irland angebaut. Das National Advisory Committee on Drugs (NACD) warnte diese Woche, dass der heimische Cannabis ein größeres gesundheitliches Risiko darstelle. Proben aus illegalen Anbauten in Limerick, Cork, Tipperary, Dublin und anderen zeigten, dass der Anteil an Tetrahydrocannabinol (THC), der Hauptwirkstoff der Droge, besonders hoch sei. Zugleich sei der Anteil an Cannabidiol (CBD), das die Wirkung von THC mildert, geringer. Die Folge: Irischer Cannabis ist wesentlich stärker als importierter, der speziell für den Export angebaut werde und weniger stark sei. Frühere Studien in England ergaben, dass Konsumenten von zu starkem Cannabis häufig Psychosen entwickeln. (Quelle: Irish Times)

Irischer Whiskey ist weltweit gefragt

3,4 Millionen Fässer Jameson Whiskey wurden in den zwölf Monaten bis Ende Juli weltweit abgesetzt. Irlands flüssiger Exportschlager ist beliebt wie nie zuvor. Der Getränke-Multi Irish Distillers Pernot Ricard (IDPR), der auch  die Marke Jameson vertreibt, gab diese Woche bekannt, dass aufgrund der großen Nachfrage alle Produktionskapazitäten ausgeschöpft seien. Nun will man 100 Millionen Euro in den Ausbau der Destillerie in Midleton, Co. Cork, investieren. Dabei sollen 60 neue Arbeitsplätze entstehen. Na, darauf kann man doch einen trinken: Sláinte. (Quelle: The Journal)

Initiator von Knock Airport soll Denkmal erhalten

Als 1981 auf einer einsamen Hochebene unweit des Pilgerorts Knock die Bagger anrollten, zeigte er sich begeistert wie ein kleines Kind. “Wir bauen einen Flughafen”, sagte Monsignore James Horan den verdutzten Journalisten. In einer Zeit von Massenarbeitslosigkeit und Auswanderung ausgerechnet im trostlosen Westen Irlands einen internationalen Flughafen bauen zu wollen, konnte nur eine wahnwitzige Idee sein, zumal ein Geistlicher der Initiator war. Doch der Monsignore setzte sich durch, auch ohne Planungsgenehmigung und gesicherte finanzielle Mittel. Leider verstarb Monsignore Horan nur zwei Monate nach Eröffnung des Flughafens 1986. Doch mit der Umsetzung seiner Vision hatte er der Region seinen Stempel aufgedrückt. Im kommenden Jahr will Ryanair ins Drehkreuz Knock einige hunderttausend Touristen einfliegen. Und der Rat der Grafschaft Mayo möchte dem weitsichtigen Geistlichen ein Denkmal stiften. Das Geld ist knapp, mehr als 70.000 Euro darf die Statue nicht kosten. Unklar ist deshalb noch, ob der Steuerzahler dafür aufkommen darf, oder ob sich private Stifter finden. (Quelle: Irish Independent)

Zum Schmunzeln: Cloud Computing in Irland . . .

Wie lässt sich aus den Standortvorteilen einiger Regionen wirtschaftliches Kapital schlagen? Councillor Seamus Tiernan im Grafschaftsrat von Galway hat sich da so seine Gedanken gemacht. Seiner Ansicht nach würde sich das windgepeitschte und von Bergketten geprägte Connemara im Nordwesten Irlands als idealer Standort in Sachen Windenergie und Cloud Computing anbieten. Seine Begründung: “Connemara in particular could become a centre of excellence for wind energy harnessing, as it is open to the Atlantic. Also in terms of cloud computing, we have dense thick fog for nine months of the year, because of the mountain heights and the ability to harness this cloud power, there is tremendous scope for cloud computing to become a major employer in this region.” – Eine nette Story, aber leider eine Ente (einen Councillor Seamus Tiernan gibt es in Galway nicht). Die Story kursierte in diversen Internet-Foren und schaffte es diese Woche sogar auf die Webseite des englischen “Daily Telegraph” (wurde dort allerdings nach kurzer Zeit wieder gelöscht). Aber so weit hergeholt ist die Geschichte vielleicht gar nicht. Über die Ansichten und Äußerungen mancher irischer Politiker kann man tatsächlich nur mit dem Kopf schütteln.

Weitere Kurz-Meldungen dieser Woche

∗ Giovanni Trapattoni hat noch nicht fertig. Der 72-Jährige verlängerte diese Woche seinen Vertrag als Trainer der irischen Fußball-Nationalmannschaft um weitere zwei Jahre. Ziel: WM 2014 …

∗ Mieten statt kaufen. Angesichts eines nach wie vor auf Talfahrt befindlichen Immobilienmarktes ist dies die derzeitige Empfehlung der Banken an junge Paare, die um einen Immobilienkredit anfragen.

Irland Nachrichten∗ Am Priory-Hall-Komplex in Dublin herrscht derzeit Stillstand, bautechnisch wie auch juristisch. Die vertriebenen Bewohner befinden sich in einem rechtlichen Niemandsland: Sie dürfen aus Sicherheitsgründen nicht in ihre Apartments und das verantwortliche Bauunternehmen hat kein Geld für die erforderliche Renovierung des Komplexes.

∗ Sean Quinn muss tatsächlich zwei Milliarden Euro zurückzahlen. Das Commercial Court in Dublin erklärte diese Woche die Forderungen an den bankrotten Großunternehmer für rechtens. Quinn wurde seine Verstrickung in die Geschäfte der inzwischen verstaatlichten Pleite-Bank Anglo Irish zum Verhängnis.

∗ Es sollte eine der größten Touristenattraktionen Dublins werden. Doch aufgrund sinkender Besucherzahlen wurde Dublins Riesenrad (Foto), das in den Docklands neben der “O2″-Halle stand, nach nur eineinhalb Jahren abgebaut und nach England zurück transportiert.

∗ 36 Millionen Euro – so viel kosteten offiziell die Besuche der Queen von England und des amerikanischen Präsidenten im Mai dieses Jahres.

Und was bringt die kommde Woche?

Die Nation rüstet sich für B-Day, die Verkündung des Haushalts (Budget) für 2012. Am Montag wird zunächst Brendan Howlin, Minister für öffentliche Ausgaben, die Ausgabenkürzungen vorstellen. Am Dienstag wird Finanzminister Michael Noonan seine Rede zum Haushaltsentwurf halten. Die Stunde der Wahrheit ist gekommen. Am heutigen Sonntag will Premierminister Enda Kenny in einer TV-Ansprache die Nation auf harte Zeiten einstellen.

Der Autor: Dirk Huck berichtet aus Dublin.

 

Wir wünschen allen Lesern und Irland-Fans eine gute Woche.

PS: Mehr von Dirk Huck gibt es auf seinem eigenen (derzeit ruhenden) Blog www.blog-for-ireland.blogspot.com zu lesen.

 

 

Fotos: Dirk Huck (4)

Der schwimmende Shop auf dem Shannon

Wer Irlands Westküste bereist, kommt unter Umständen an diesem reizenden kleinen Kaufladen vorbei. Nicht zufällig allerdings, man muss schon vorher die Entscheidung treffen, den Umweg über Limerick zu meiden und den direkten Weg zwischen Kerry und West Clare über das Wasser zu nehmen. Der schwimmende Shop befindet sich auf der Shannon-Fähre, die die Orte Tarbert und Killimer über die Shannon-Mündung hinweg verbindet.

Die Fahrt dauert 20 Minuten, reicht für einen Snack und eine Tasse Kaffee und spart allen, die im Westen bleiben wollen, 135 Kilometer Landweg um den Shannon herum. Möglicherweise werden die Verkäufe in dem kleinen Shop zurückgehen, weil im Juli 2010 die N18-Umgehung der Stadt Limerick eröffnet wurde. Der Straßentunnel unter dem Shannon hindurch erspart nun in Nord-Süd-Richtung die Fahrt durch das Nadelöhr Limerick City.

Auswanderung: Irland verliert seine Zukunft

Junger Football-Spieler aus Cork

Die aktuelle Auswanderungswelle aus Irland hat skurrile Auswirkungen. Selbst Irlands Nationalsport leidet schon. Einem Artikel des britischen “Guardian” zufolge haben Irlands Gaelic-Football-Vereine mittlerweile massive Probleme, noch genug Spieler für ihre Mannschaften zu rekrutieren. Wenn in der GAA-Liga auch sportlich auf professioneller Ebene gespielt wird, so sind die Spieler doch alles Amateure – und die brauchen ganz normale Arbeitsstellen, um sich und ihre Familien zu ernähren.

Autorin Lisa O’Carroll zitiert Jimmy Bambury, der eines der fünf GAA-Teams auf der Dingle-Halbinsel betreut. “Die Möglichkeit, in Croke Park zu nationalen Football-Ehren zu kommen, finanziert einem leider nicht den Lebensunterhalt”, sagt der Experte. Normalerweise hat er kein Problem damit, gute Spieler zu rekrutieren – aber dieses Jahr sieht alles anders aus. “Acht unserer besten Spieler sind ausgewandert, und Anfang des Jahres werden noch weitere entweder nach Großbritannien oder nach Australien gehen.” Nur acht kleine Jungen würden dieses Mal in der Junior Infant-Stufe antreten, vor zehn Jahren seien es noch doppelt so viele gewesen. Der Grund für die Auswanderung liege unter anderem in Dingles Abhängigkeit vom Tourismus, und dessen Einbruch vertreibe gerade die jungen Familien. Das heißt wohl, dass in zehn Jahren auch der Nachwuchs für die Erwachsenen-Mannschaften fehlen wird.

Laut O’Carroll wird erwartet, dass die aktuelle Auswanderung selbst die letzte Welle in den Achtzigern des vorigen Jahrhunderts übertreffen wird. In 1989 belief sich der damalige Höhepunkt auf 44.000 Auswanderer, für 2011 und 2012 befürchtet das Economic and Social Research Institut (ESRI) jeweils 50.000 Hoffnungsvolle, die ihr Glück woanders finden wollen. Es ist die “Lost Generation” der jungen Leute zwischen 20 und 30, denen offenbar keine andere Chance bleibt, egal ob Handwerker oder Hochschulabsolventin.

Nähere Informationen gibt es aus Australien: Vor fünf Jahren gingen down under 12.500 der auf zwei Jahre verlängerbaren “working holiday visa” an Iren – in 2009 waren es schon 23.000. Speziell Einwanderer mit Berufen wie Schreiner, Elektriker, Krankenschwester (m/w) und mit anderen medizinischen Themen haben gute Chancen auf Dauervisa. Deren Anzahl stieg von 1.700 (in 2008) auf 3.000 (in 2010). Nur – ausgebildete Fachleute in diesen Berufen zu verlieren, das kann sich eigentlich kein Land leisten.

Viele der jungen Leute gehen trotzdem davon aus, dass sie nicht mehr nach Irland zurückkehren. Sie vermissen zwar ihre Familie und die Freunde, sehen ihre Zukunft aber definitiv nicht in der Heimat. Vielmehr zeichnet es sich ab, dass die Auswanderer – wie zur Zeit der Großen Hungersnot Mitte des 19. Jahrhunderts – wieder Geld an die daheim Verbliebenen schicken. Darüber hinaus wollen sie lieber nicht zu viel davon mitbekommen, wie zu Hause das Land herunter gewirtschaftet wird, das sei einfach zu deprimierend.

Auf der Pferderennbahn von Melbourne soll man sich mittlerweile wie bei den Punchestown Races fühlen – überall hört man den irischen Tonfall. 


Diesen Beitrag hat Irland-Blog-Autorin Nicola für Euch geschrieben. Den Artikel im Guardian kann man/frau hier lesen.

Cash rules – Weihnachtsgeschäft an Weihnachten

Das Tabu wurde vor zwei, drei Jahren erstmals in Frage gestellt: In Irland öffneten einige Geschäfte am Stefanstag und begannen, eine der letzten großen Ruhezonen im irischen Jahreskalender zu demolieren. In diesem Jahr nun trachteten die Händler auf der Insel auf breiter Front nach dem Weihnachtsgeld der Bevölkerung: In den großen Städten wurde der zweite Weihnachtstag zum verkaufsoffenen Sonntag erklärt, die traditionellen Jahres-Schlussverkaufs-Plakate mit Rabatt-Versprechen bis zu 70 Prozent wurden in Stellung gebracht, Zeitungen und Fernsehen informiert. Der Einzelhandel hat zwei starke Argumente, um die weihnachtliche Konsum-Pause endgültig aus dem Weg zu räumen: die tiefe Rezession und das frostig-eisige Winterwetter im Dezember. Beides ließ die vereinigte Käuferschaft 2010 spürbar schrumpfen, nun wollen die 7 Prozent Verlust gegenüber dem ebenfalls schon schlechten Vorjahr wieder eingespielt werden.

So wirkte die Innenstadt von Cork, der großen City im Süden der Insel, gestern wie an einem vorweihnachtlichen Samstag: Die Massen pilgerten kauffreudig zu den Konsumtempeln auf der Patrick Street und zur großen Shopping Mall von Mahon. Die Händler hatten die Rechnung jedoch ohne die Parkhausbetreiber der Stadt aufgemacht. Diese ließen sich in ihrer Weihnachtsruhe nicht stören und hielten die Rolltore geschlossen. Die hunderte Meter langen Schlangen vor den geschlossenen Parkhäusern wurden schließlich von der Polizei aufgelöst. So erlebte Cork am vermeintlich ruhigen Stefanstag, von der anglo-irischen Bevölkerung auch Boxing Day genannt,  unvermutet ein ansehnliches Verkehrschaos.

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