Wandern in Irland: Alle Termine für das Jahr 2017

Wandern in Irland mit Wanderlust 2017 - Killarney Nationalpark

Für Frühplaner und Frühbucher: Die Wandertermine von Wanderlust für 2017 stehen fest, die Übersicht im PDF-Format gibt es hier. Erleben Sie mit uns ganz besondere Ferien am Wild Atlantic Way, der grandiosen Küstenlandschaft auf der grünen Insel, wo sich Berge und Meer begegnen. Wanderlust ist Ihr deutschsprachiger Wander-Spezialist mit Sitz in Irland. Wir leben und arbeiten seit 16 Jahren in der Bantry Bay und zeigen Ihnen die landschaftlich schönsten Orte in Irlands Südwesten. Unsere Wanderungen erkunden die atlantischen Halbinseln und Berge in Irlands Südwesten in West Cork und Süd Kerry. Irland ist ein junges Wander-Land und reich an faszinierender intakter Landschaft weitab der ausgetretenen Wanderpfade. Das ist unser Programm für 2017:

Wandern in Irland 2017

Wandern und Erleben an Irlands Atlantikküste

Der Klassiker. Wandern und Natur genießen. Unsere beliebten einwöchigen Wanderferien mit sechs geführten Touren im Südwesten Irlands. Sie erleben Irland in kleinen Gruppen, lernen neue Freunde kennen, genießen die Köstlichkeiten unserer Küche im Ballylickey House & Cottages. Orts-verbundene deutschsprachige Wanderführer begleiten sie auf den Wanderungen in die Berge und die alten Eichenwälder und an die faszinierende Atlantik-Küste Irlands. Sie wandern auch abseits der bekannten Pfade und an Orten, die nicht allgemein zugänglich sind.

Die Termine 2017:

  • 29. April – 6. Mai
  • 20. Mai – 27. Mai
  • 3. Juni – 10. Juni
  • 24. Juni – 1. Juli
  • 8. Juli – 15. Juli
  • 29. Juli – 5. August
  • 19. August – 26. August
  • 9. September – 16. September
  • 30. September – 7. Oktober 

Berg-Wandern in Irland

Die Wanderferien für geübte Bergwanderer

Unser neues Angebot führt Sie in die faszinierenden südwestlichen Gebirge Irlands. Wir besteigen die höchsten und schönsten Gipfel in West Cork und Kerry, darunter den Carrauntoohil, Irlands höchsten Berg, in den MacGillicuddy´s Reeks, und den Hungry Hill, den König der Berge auf der Beara Halbinsel. Wir gehen fünf 5-7stündige Touren (Schwierigeitsgrad: 3 – 3,5 aus 4) mit bis zu 1000 Höhenmetern. Diese Wanderwoche richtet sich an geübte Bergwanderer, die sich im freien Gelände sicher fühlen, über gute Ausdauer verfügen und in einzelnen Passagen auch schon mal die Hände zur Hilfe nehmen können (wir kraxeln da und dort, aber wir klettern nicht).

Die Termine 2017:

  • 22. April – 29. April
  • 13. Mai – 20. Mai
  • 10. Juni – 17. Juni
  • 1. Juli – 8. Juli
  • 2. September – 9. September

Irland-Aktiv-Ferien

Unterwegs in Irland zu Fuß, mit dem Fahrrad und dem Kajak

Wandern und mehr. Wir sind vielseitig unterwegs: zu Fuß, mit dem Fahrrad und mit dem Kajak. Wir beobachten in Begleitung eines Meeresbiologen Wale und Delfine, besuchen geheimnisvolle alte Gärten und noch ältere rituelle und heilige Orte. Wir fahren Kajak in Meeresbuchten und Rad auf einer Insel. Wir zentrieren uns im Steinkreis und optional in der Zeremonie in der Schwitzhütte. Sie sind gesund, wander-fit und trittsicher, fahren Rad und setzen sich gerne in ein Boot (Kenntnisse sind nicht erforderlich), um an unserer Aktiv-Woche mit Rad- und Kajak-Tour und leichten bis mittelschweren Wanderungen teilzunehmen.

Die Termine 2017:

  • 5. August – 12. August
  • 26. August – 2. September
  • 16. September – 23. September

Unterwegs in Irlands herrlichen Gärten

Die besondere Gartenreise an Irlands Atlantikküste

Wandern und flanieren Sie auf unserer kleinen botanischen Weltreise durch die schönsten Gärten Südwest-Irlands. Englische Gärten, Palmen-, Nutz- und Skulpturengärten, Baum- und Landschaftsparks an der Golfstromküste: Erleben Sie die Pflanzen, die Düfte, die Kultur und die Geschichte der alten anglo-irischen Gärten. Eine abwechslungsreiche Ferienwoche für Gartenfreunde, Duft-Fans, Leichtwanderer und Spaziergänger. Wir besuchen die wichtigsten Gärten der Region, dazu eine Destillation und komponieren passend zu den vielfältigen Eindrücken ein individuelles Naturparfüm: Sie nehmen die Essenz dieser Gartenwoche im Flakon mit nach Hause.

Die Termine 2017:

  • 22. April – 29. April
  • 13. Mai – 20. Mai
  • 10. Juni – 17. Juni
  • 1. Juli – 8. Juli
  • 26. August – 2. September

Retreat in Irland: Sich in der Natur erleben

Erden und zentrieren in der Stille der irischen Berge

Weniger ist mehr: Sieben Tage einfach leben unter dem hohen Himmel Irlands. Wilde, weite, unberührte Natur. Im Einklang sein, Harmonie fühlen. Zu sich kommen. In dieser Woche ziehen wir uns in die Berge Irlands zurück. Ohne Uhr, ohne Telefon, ohne Internet, ohne Strom und ohne Geld. Ein altes Cottage in den Bergen gewährt uns Schutz. Wir leben einfach, baden im Fluss, sitzen am Feuer. Im Einklang mit der Natur und mit uns selbst. Wir wandern und kehren der Zivilisation eine Woche lang den Rücken, um uns neu zu orientieren, zu erden und zu zentrieren. Um Kraft und Inspiration in der unberührten Natur zu schöpfen. Wir sprechen über das Verhältnis von Mensch und Natur und über die wichtigen Fragen unseres Lebens: Wer bin ich? Was liebe ich? Was ist meine Aufgabe? Was will ich hinter mir lassen? Was möchte ich erreichen? Wir stehen mit der Sonne auf und gehen mit den Sternen ins Bett. Wir nehmen einen natürlichen Lebens-Rhythmus auf und folgen keinem starren Programm. Die Sonne und unsere Bedürfnisse, allem voran die Ernährung, geben den Takt der Tage vor. Wir beginnen und beenden die Woche mit einer reinigenden und erdenden Schwitzhütten-Zeremonie. Der erfahrene Schwitzhütten-Leiter führt uns durch die Zeremonie. Ein Video, um einen Eindruck von bzw. ein Gefühl für diese besondere Woche in der Stille der Natur zu bekommen, finden Sie auf unserer Website www.irland-natur.de.

Die Termine 2017:

  • 20. Mai – 27. Mai
  • 5. August – 12. August
  • 16. September – 23. September

Kräuter-Wandern am Atlantik

Heilpflanzen, Duftpflanzen und Wildkräuter an Irlands Atlantikküste

Leicht-Wandern und Spaziergänge zwischen subtropischen und heimischen Heilpflanzen und Wildkräutern. In Irlands pflanzenreichster Region am Atlantik lernen Sie zahlreiche Heil- und Wildpflanzen kennen, erfahren das Wichtigste über deren Wirkungen und Anwendungen und haben Gelegenheit zum Fotografieren. Aromatherapeutin und Autorin Eliane Zimmermann nimmt Sie mit auf eine kleine botanische Weltreise zu Fuß. Sie stellen Rezepturen her, rühren Mischungen für Ihre Natur-Hausapotheke und bereiten kleine Speisen mit den Naturschätzen zu. Eine Ferienwoche, die Naturerlebnis, Naturheilkunde, Gesundheit und Aromatherapie gewidmet ist. Die Materialien für Ihre Mischungen sind im Kurspreis enthalten, Sie erhalten zudem ein Skript mit weiteren Rezepten und Erläuterungen.

Die Termine 2017:

  • 6. Mai – 13. Mai
  • 17. Juni – 24. Juni
  • 12. August – 19. August

Wohnen Sie bei uns am Meer am Wild Atlantic Way. Unsere Gäste wohnen im Ballylickey Manor House. Das komfortable Country House mit Meerblick und die Garten-Cottages am Pool liegen in einem gepflegten Park mit Zugang zum Meer. Die großzügig geschnittenen Zimmer bieten Platz und verfügen alle über ein eigenes Badezimmer. Das Wanderhaus ist der ideale Ausgangspunkt für unsere Tageswanderungen und ein gemütlicher Ort, um die Abende nach den Erlebnissen des Tages mit einem guten Abendessen und einem Guinness ausklingen zu lassen. Unsere Köchinnen kochen frisches, gesundes Essen – gerne auch vegetarisch, vegan, gluten- oder laktosefrei für Sie. 

Voranmeldungen für 2017 sind ab sofort möglich ( Klick! ). Bis zum 20. Dezember 2016 erhalten Sie den Frühbucher-Rabatt.

 Wir würden uns freuen, mit Ihnen im nächsten Jahr in unserer schönen Wahlheimat Irland wandern zu gehen. Wenn Sie Fragen haben: Auf Ihre E-Mail freuen wir uns. Oder rufen Sie uns an: Auf unserem Deutschland-Service-Telefon 089 8962 3290 (kostenlose Weiterleitung nach Irland), oder direkt: 00353 27 63609.

Vielleicht bis bald in Irland
Markus Bäuchle & Eliane Zimmermann
WANDERLUST

Wandern und Wohnen am Wild Atlantic Way: www.wanderlust.de

Hier das PDF mit allen Terminen 2017: Die Termine 2017

 

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Sláinte! Das Pint muss beim Wegtragen tropfen

Irland Pint

Wann ist ein Pint ein Pint? Foto: Peter Zoeller

Wer zum ersten Mal Irland besucht, mag die Iren für großzügig und spendabel halten. Er mag damit recht haben und dennoch falsche Schlüsse gezogen haben. Wer etwa denkt, das Bier-Glas im Pub sei immer über die Maßen ordentlich gefüllt, weil es fast überläuft, der verkennt: In das traditionelle Pint-Glas passt bis zum Rand genau ein Pint, das sind 20 flüssige imperiale Unzen, was genau 0,568 Litern entspricht.

Wer also in Irland ein Pint trinkt, trinkt meist aus einem bis zum Rand gefüllten Halbliterglas — und er trinkt über zehn Prozent mehr als bei einer bayrischen „Halbe“ (dafür hat das irische Dunkelbier Stout mit 4,2 Prozent deutlich weniger Alkohol als das deutsche Export-Bier mit über fünf Prozent). Ist das Pint-Glas (Foto unten) normal eingeschenkt, wie man es aus deutschen Wirtshäusern kennt, dann enthält es allenfalls einen halben Liter — was jeden biertrinkenden Iren empören würde  — im Gegensatz zum Bayern, der sich in vielen Brauhäusern schaumige 45o Mililiter unwidersprochen als halben Liter andrehen lässt. Deshalb: Das Pint Guinness oder Murphy’s muss im Zweifelsfall beim Wegtragen tropfen, sonst ist es keines. Zumindest kein Pint.

Pint Glas in Irland

Es sei denn, es kommt im feschen Import-Glas daher, wie es neuerdings in den Pubs auftaucht: etwa im etxtra-großen Weißbierglas von Paulaner (Foto oben), das deutlich unter dem Rand voll ist und das nur bis zum Eichstrich eingeschenkt wird. Am Strich ist zu lesen: „Pint to Line“. Sinngemäß:  Wenn Strich erreicht, dann Pint!

Das wäre also geklärt. Und übrigens: Wenn Sie von einem Iren im Pub aus heiterem Himmel zum Pint eingeladen werden, dann ist das auch kein Zeichen von Großzügigkeit. Er wartet dann darauf, dass Sie ihm das zweite Pint bezahlen, während er das dritte wieder übernehmen würde. So trinkt man sich gemeinschaftlich per Wechselzahlung in einer berauschenden Nacht der Sperrstunde entgegen.

In diesem Sinne: Sláinte. Prost. Zum Wohl.

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Ausbau der LUAS Dublin: Großprojekt mit Tücken

 

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Nadine* hier, Gruß aus Dublin. Heute berichte ich über den LUAS-Ausbau, ein Großprojekt, dass zur Zeit hohe Wellen schlägt: Die neuen Straßenbahnlinie, bekannt als LUAS Cross City, wird ab Ende 2017 vom Zentrum in den Norden fahren.  Außerdem: Meine Dublin-Veranstaltungstipps für die kommende Woche.

Die LUAS soll erwachsen werden. Die LUAS, Dublins Tram-Bahn, ist ein immens wichtiges öffentliches Verkehrsmittel in der Stadt.Verkehrstechnisch hat Dublin mit LUAS Cross City bis Ende 2017 Großes vor. Nach der Errichtung  von 13 neuen Haltestellen, davon allein acht im Stadtzentrum, werden in naher Zukunft jährlich mehr als zehn Millionen zusätzliche Passagiere erwartet. In Dublin verkehrt die LUAS (es ist das irische Wort für Geschwindigkeit) bislang auf zwei Linien, der  Red Line und der Green Line. Die beiden Streckennetze verlaufen völlig unabhängig voneinander und fahren wichtige Knotenpunkte der Stadt an.

Mit dem Ausbau der 5,6 km langen LUAS-Tram sollen nun beide Strecken miteinander verbunden und das Tram-Netz dichter gestrickt werden. Der Start der künftigen Cross City erfolgt beim existierenden Halt St. Stephen´s Green und endet in Nord-Dublin an der Haltestelle Broombridge, von der aus man dann direkte Anbindung zum nationalen Zugverkehr haben wird. Auch Studierende sollen durch die bessere Verbindung der Hochschulen der Stadt profitieren.

Der Streckenausbau beschränkt sich zunächst auf die Grüne Linie. Die Bauarbeiten dauern bereits vier Jahre, alles nahm seinen Anfang im Juni 2013. Das Motto des Projekts: Bringing the City together. Die Kosten beliefen sich ursprünglich auf 368 Millionen Euro. Diese Grenze ist nun, wie bei Großprojekten meistens so üblich, schon lange weit überschritten. Damit ist LUAS Cross City eines der größten Bauvorhaben der irischen Regierung – und  eine enorme Herausforderung für Verwaltung, Bauträger und Bürger.

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Ein Übersichtsplan der neuen LUAS-Route

Auf der Internetseite des Projektes erfahren Interessierte viele Details, Neuigkeiten und über den Streckenausbau. Für jeden einzelnen zusätzlichen Halt werden ausführliche Informationen gegeben und Beispiel-Fotos der neuen Haltestellen gezeigt. Da zeigt sich die Stadt Dublin präsent, und wohl ist dieses Projekt auch eine Prestigesache, die gut gelingen muss — auch wenn man im Moment von den Dublinern überwiegend negative Meinungen zu hören bekommt. Schön sehen die vielen animierten Fotomontagen und Werbefotos aus, doch in der Wirklichkeit ist davon noch nicht viel zu sehen. Statt dessen leidet der Verkehr und müssen die Menschen in der Stadt lange Wartezeiten in kauf nehmen.

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Viele Straßen sind durch die Bauarbeiten nicht mehr befahrbar

Geht man durch die Großbaustelle Dublin, ist von dem ursprünglichen Stadtbild gerade nicht viel zu erkennen: Vom Trinity College bis hin zum Parnell Square reihen sich weiß-rote Absperrungen, riesige Metallzäune, tiefe Gräben und jede Menge Bagger aneinander. Jeden Tag von früh bis spät schuften die Bauarbeiter für den Ausbau der neuen Straßenbahnlinie. Montags bis freitags ist ab 6 Uhr morgens der Lärm von den Baustellen wahrzunehmen – und das zum Ärger von vielen Anwohnern. Ganz zu schweigen von den riesigen Verkehrsstaus, das wichtige Hauptstraßen lahmgelegt sind. Viele Wege können nicht mehr wie ursprünglich befahren werden und in den Hauptverkehrszeiten kommt es zu Verzögerungen von bis zu einer Stunde. Kein wunder, dass die Dubliner gerade jede Menge Luft ablassen über ihre LUAS, die sie ansonsten sehr ins Herz geschlossen haben.

Manche Dubliner schimpfen über pures Chaos. Es ereignen sich derzeit besonders viele Unfälle in der Innenstadt. Wieso, fragen die Leute und haben auch eine Antwort: wegen falscher und teilweise sehr unübersichtlicher Verkehrsführung, aber auch wegen unachtsamen Autofahrern und risikofreudigen Fußgängern. Leider werden einige Verkehrsbehinderungen auch bestehen bleiben, wenn der erste LUAS-Zug im Jahr 2017 seine Fahrt auf der neuen Strecke aufnimmt. Durch die neu entstehenden Gleise können Autos nicht mehr wie gewohnt auf den Straßen verkehren. Die Dubliner Autofahrer werden sich dann wohl auf noch mehr Ausfälle und Staus im täglichen Verkehr einstellen müssen.

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Viele Bauzäune und Bagger stören aktuell das Stadtbild

Vergangene Woche bewegte ein „neuer Aufreger“ die Bewohner. Aufgrund der Festlichkeiten rund um den St. Patrick´s Day wurde ein Großteil der Bauarbeiten unterbrochen. Am Spire und am GPO (General Post Office) wurde die gesamte Straße  extra wieder zugeteert, damit die Parade wie gewohnt stattfinden kann. Anfang April sollen die Ausbauten nun wieder aufgenommen und damit die gerade neu geteerte Straße wieder geöffnet werden: Eine gewaltige Zusatz-Ausgabe von 100.000 Euro wird deshalb fällig. Aber hunderttausende Besucher, die zum Paddys Day und zur Osteraufstands-Parade ins Zentrum kamen, sollten schließlich nicht in Baugruben fallen . . .

Und dann gab es auch noch Streik. Am  Ostermontag  legten Mitarbeiter von Transdev, der LUAS-Gesellschaft, ihre Arbeit nieder. Viele Menschen mussten deshalb ihre Reisepläne ändern und reagierten zum Teil verärgert. Die Mitarbeiter, vor allem Fahrer und Sicherheitspersonal, fordern mehr Gehalt und bessere Arbeitsbedingungen. Dabei wäre gerade am vergangenen Wochenende, mit den über 400 Veranstalungen zum „1916 Rising“ in Dublin, ein funktionierender Straßenbahnverkehr sehr wichtig gewesen. Das sieht der Minister für Transport, Paschal Donohoe, genauso und will laut aktuellen Presseberichten alles dafür tun, dass die irischen Steuerzahler diese Einbuße nicht auch noch bezahlen müssen. Das Unternehmen kündigte an, dass es in den kommenden Wochen zu weiteren Streiks kommen kann, dabei sind konkret das kommende Wochenende und weitere Tage im späten April genannt worden.

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Die zukünftigen Schienen des LUAS sind bereits zu erkennen

Trotz dieser  negativen Diskussionen: der Ausbau der LUAS ist wichtig für die Stadt. Einer der wichtigsten Punkte ist, dass sich viele Dubliner mehr Sicherheit und eine Veränderung des Stadtbildes erhoffen. Teile des Dubliner Nordens sind in den letzten Jahrzehnten zunehmend heruntergekommen und in gewisser Weise verwahrlost. Verfallende Häuser, Alkoholismus, Obdachlose, Drogenmissbrauch und Drogenkriminalität gehören hier zum Alltag. Die Anbindung an die LUAS könnte verschiedenen Stadtteilen neue Impulse geben und sie langfristig aufleben lassen.

Fest steht: Bis zum Start der Cross City Ende 2017 hat Dublin noch Großes vor, viel zu tun und viele offene Fragen zu beantworten. Die Zeit läuft…

 

Und hier  meine Tipps und Termine für die irische Hauptstadt für die kommende Woche. Im Mittelpunkt steht das Gedenken an den Osteraufstand von 1916, des „1916 Rising“. Ich wünsche Euch viel Vergnügen:

1. „Imagine Home – Into Europe“: Mittwoch (30. März), 20:00 Uhr, National Concert Hall, Dublin 2; Als Erinnerung an die Proklamation und die Unabhängigkeitserklärung Irlands wird ein Teil der damaligen Geschehnisse aufgenommen und in der Konzerthalle von verschiedenen Künstlern präsentiert. Ein tolles Event – es ist wirklich sehenswert.

2. „Easter 1916“, Abbey Theatre Dublin: Montag (28. März), 12:00 Uhr, Abbey Theatre Dublin, Dublin 1; Der Historiker Fearghal McGarry (Queen’s University Belfast) hält eine Vorlesung zum Thema der Woche: 1916 Rising. Historische Fakten werden auf den Punkt gebracht und eine offene Fragerunde lädt dann zum Nachdenken ein…

3. Ein Ausflug in die umliegenden Orte Dublins ist immer eine Besonderheit. Wie wäre es mit einem Tagestrip nach Bray? Der Küstenort liegt nur eine halbe Stunde DART-Fahrtzeit von der Hauptstadt entfernt und bietet vor allem für Naturbegeisterte viele Attraktionen.

4. Golf Ireland – Promotion Day: Samstag (2. April), ab 14:00 Uhr, Crowne Plaza, Dublin Airport, Santry; Irland hat insgesamt 40 Golfclubs und damit vieles zu bieten. Golf-Neulinge und Interessierte sollten dieses Event nicht verpassen: Hier gibt es Ratschläge, Tipps und Tricks von Experten. Außerdem kann der nächste Golftrip in Irland geplant werden.

5. Chloë Hanslip and Danny Driver: Sonntag (3. April), 20:00 Uhr, Freemason´s Hall, Dublin 2; Besucher erwartet ein tolles Konzert aus Geigen- und Klaviermusik. Die beiden gefeierten Starts der klassischen Musikszene sind in dieser Woche zu Gast in Dublin.

 

Nadine Eckmann* Die Autorin: Nadine Eckmann hat Theologie und Medienwissenschaften studiert. Sie lebt seit September 2015 in Dublin und absolviert einen Europäischen Freiwilligendienst bei der Organisation „Friends of the Elderly Ireland“. Mit ihrem plüschigen Reisebegleiter „Zoe“ erkundet sie die Insel und vor allem die Hauptstadt Dublin.

Fotos: Nadine Eckmann; William Murphy/Wikipedia (Titelfoto)

Informationsseiten: LUAS CROSS CITY; LUAS STRIKE

Wildnis-Burger mit Selfie an Galgen 47

Irland Westküste

Was ist wild am Wild Atlantic Way in Irland? Vorgestern hatten wir hier auf Irlandnews ein paar Fotos von den neuen Wegweisern entlang der irischen Westküste gezeigt und dazu bemerkt:

Ja was ist denn das? Es ist rostig, es ist 5 Meter hoch, es steht mitten in der schönen Aussicht, und es sieht aus wie ein Galgen. Über den Winter wuchsen an 188 Orten an der irischen Westküste seltsame Gebilde aus rohem Eisen aus dem Boden. Sie stehen eindeutig an den landschaftlich schönsten Orte an der Atlantikküste, die jeder Fußkranke mit dem Auto erreichen kann. Besucher von Irlands wildem Westen werden sie nicht verfehlen.

Die Fakten: In den vergangenen Monaten haben die Lokalverwaltungen im Auftrag der Tourismusbehörde Failte Ireland an 188 Orten an Irlands Atlantikküste 3,5 bis 5 Meter hohe Markierungspfähle samt Info-Displays aus Rohstahl aufgestellt. Die von weit her sichtbaren Masten tragen den Namen des Ortes und das Wild Atlantic Way Logo. Die Form der zwar rostenden und dennoch wetterfesten Masten, die von Designern der Paul Hogarth Company in Belfast entwickelt wurden, erinnert an einen Galgen ud könnten auch in Corks Fußgängerzone stehen. Diese eisernen Photo Points an den 188 schönsten, markantesten, wichtigsten oder interessantesten Stellen der Westküste sollen Besucher des Wild Atlantic Way darauf hinweisen, wo es sich lohnt anzuhalten und ein Foto von der Landschaft zu machen. Der Markierungsmast soll selber Teil des Fotos werden, indem er dieses einrahmt. Ein Hilfsmittel für Besucher also. (Zumindest so wollen es die Verantwortlichen).

WAW Pfeiler Donoeen

Wild Atlantic Way (Wilde Atlantik Straße) ist der vor drei Jahren kreierte Vermarktungs-Name für das, was immer schon existierte: Irlands Westküste am Atlantik. Irlands Regierung investierte in den vergangenen zwei Jahren zehn Millionen Euro, um die auf 2.500 Kilometer Länge addierten Straßen und Sträßchen an der Atlantikküste zwischen Donegal im Norden und Cork im Süden mit über 10.000 Hinweisschildern und Wegweisern als Wild Atlantic Way zu markieren — und die Natur der Atlantikküste somit als Marke zu kapitalisieren.

Die Reaktionen von Irlandnews-LeserInnen auf die Eisen-Masten: Von Oh no . . . über Gruselig und Grauenhaft bis Einfach nur schade . . .  Nur die seit vielen Jahren in Irland lebende Autorin Petra Dubilski will nicht in den Chor der Entrüsteten einstimmen. Sie kommentiert:

 

„Thank god for the tourists.“ Das höre ich überall von Leuten an der Westküste. Der Atlantic Way ist eine großartige Initiative des Tourist Board. Er führt Touristenlämmer in Gegenden, die dringend Touristen benötigen. Und leider brauchen Touristen Wegweiser und Initiativen (und Reiseführer), um ihre Tour zu finden. Das ist der moderne Tourismus. Und Tourismus ist nicht nur ein Geschäft, sondern auch Lebensunterhalt für Menschen auf der Strecke. 

Über die Kosten für die Schilder und die Promotion rege ich mich nicht auf. Ich kenne sie nicht („It could be worse“, wie man in Irland sagt). Aber wenn es darum geht, Irland als Touristenziel neu zu erfinden und damit das Einkommen der Leute zu erhöhen, halte ich eine gute Investition immer für lohnenswert.

Ich habe diese Wegweiser bislang nicht live gesehen, aber ehrlich, ich finde sie toll. Es ist Kunst im Gegensatz zu simplen Wegweisern. Und ich mag das Design. Es ist urban, corporate und doch themenbezogen und Irisch. Ein symbolischer Minimalismus, den ich auch als Kunst ins Wohnzimmer stellen würde.

Ich finde die Dinger passend zum modernen Irland. Und ich fände es passend, wenn Irlandromantiker auch mal an den Erhalt des touristischen Irland denken würden. Es sind Existenzen, die davon abhängen. Geht mit der Zeit. Irland ist doch kein Disney Park, oder?

 

Gute Sichtworte: Urban, Disney Park, Irlandromantiker. Man kann leicht die Nase rümpfen oder ein schnelles Oh no . . .  hinschreiben, wenn man seine Meinung nicht begründen muss, und vor allem: Wenn man nicht selber im Land lebt. (Interessant allerdings ist, dass der Protest gegen die Eisenpfeiler in Donegal oder Connemara bislang von Einheimischen kommt. Sie fühlen sich übergangen und von der urbanen Ästhetik brüskiert.) Wir neigen alle dazu, als Urlauber eine Pause von unserem Alltag zu nehmen und unsere Sehnsüchte auf die besuchte Region zu projizieren. Wir sehen dann, was wir sehen wollen und verteidigen, was wir sehen, als echt und authentisch.

Der Alpinist Reinhold Messner sagte kürzlich, die Urlauber strömten in den Vergnügungsraum Alpen, um dort eine Gegenwelt zu phantasieren und zu simulieren und dabei doch genau das Leben weiter zu leben, das ihnen von zuhause vertraut ist. Nur mit anderen Bildern. Natur-Tapete statt Natur-Erfahrung sozusagen. Was auch im Urlaub zählt, sind risikofreie Vergnügung und maximaler Komfort. Lifte mit Hintern-Heizung, Mega-Livekonzerte an der Skipiste, die sensationellsten super-sicheren Klettersteige für den Turnschuh-Touristen.

In den Alpen hat der Mensch längst die Oberhand über die Natur gewonnen und industrialisiert diesen einzigartigen Naturraum nun systematisch nach dem Rummelplatz-Konzept zugrunde. Das Gleichgewicht von Natur und Kultur ist aufgrund der entfesselten privaten Profitorientierung verloren gegangen. Genauso markiert die Vermarktung von Irlands Westküste als Wild Atlantic Way einen denkwürdigen Wendepunkt im Irland-Tourismus — und die 188 Eisenpfosten sind das Symbol dieser Wende.

:: Erstmals zielt das Land systematisch, professionell und hemmungslos auf den touristischen Massenmarkt: Umsatz, Zuwachs, Profit, Erfolg um fast jeden Preis. Eine neue Dimension.

::  Die Wildheit der irischen Westküste wird zum Vermarktungskonzept erhoben und gleichzeitig domestiziert. Wildnis als Kuschel-Erlebnis mit Sitzheizung. Noch ist Irlands Kapital, das es von vielen anderen Regionen unterscheidet, seine ursprüngliche Natürlichkeit. Man blickt über die unberührte Küstenlandschaft und erlebt das Gefühl, der erste Mensch jemals zu sein, der diese vermeintlich natürliche Landschaft betrachtet. Eine tiefe Erfahrung von Freiheit, Erhabenheit, Frieden. Die urbanen Eisen-Pfosten werden uns künftig daran erinnern, wo wir das Foto zu machen haben. Sie nehmen uns die Regie und die Verantwortung für das Erleben aus der Hand. Sie führen uns die Hand zum Zündschlüssel, zum Türöffner, zum Kamera-Auslöser.

:: Die 188 design-gestylten Photo-Pfosten, die Foto-Rahmen für Irland-Urlauber,  sehen wirklich nicht schlecht aus. Nur deplaziert. Sie sind ein urbanes Statement in der Naturlandschaft. Sie symbolisieren die Unterwerfung der Landschaft unter den Imperativ der kommerziellen Verwertung. Das Produkt heißt Wildnis in Tüten, leicht zu konsumieren wie eingedoster Zuchtlachs. Aus einem Vier-Gänge-Menü sinnlicher Erfahrung wird Fast Food: der Wildnis-Burger, inklusive Selfie an Wildnis-Galgen 47.

::  Tourismus neigt immer dazu, seine eigenen Grundlagen zu zerstören. Der Natur liebende Urlauber konsumiert und zerstört die Natur, je mehr er in Massen mit hohen Ansprüchen auftritt. Aber gerade, weil wir das wissen, können wir einen behutsamen Ansatz wählen, um die Balance zwischen Natur und Kultur, zwischen Natur und Geschäft zu bewahren. Was nichts anderes heißt, als auch unseren Kindern und Enkeln noch einen Teil des Kuchens zu gönnen und nicht gierig alles selber abzuräumen.

:: Irland ist noch kein Disney Park. Aber Irland ist auf dem Weg dort hin. Zugegeben: Was Irland-Fans bislang an diesem Land mochten und schätzten, muss nicht mit den Vorlieben der neuen Urlauber-Generationen überein stimmen. Und vielleicht hat Irland als Urlaubsland nur eine Zukunft, wenn es sich zum Themenpark „Wilde Natur am Atlantik“ wandelt. Und doch hat Irland die Chance, aus den gigantischen Fehlern anderer Regionen zu lernen. Zum Beispiel von den Alpen am Abgrund. Die Mittel sind: Augenmaß, Selbstbeschränkung, Gemeinschafts-Orientierung und Weitsicht.

Wild ist die Atlantikküste. Vom Vermarktungskonzept Wild Atlantic Way dagegen erwarten wir etwas Anderes: Besonnenheit und kluge Selbstbeschränkung. Was ist Deine Meinung? Wir bleiben dran am Thema. Demnächst mehr.

Viewpoint Lough Hyne

(c) Fotos: Irlandnews.com

188 Galgen für Irlands wilden Westen?

Irland Westküste

Wilde Zeiten am Wild Atlantic Way in Irland. Ja was ist denn das? Es ist rostig, es ist 5 Meter hoch, es steht mitten in der schönen Aussicht, und es sieht aus wie ein Galgen. Über den Winter wuchsen an 188 Orten an der irischen Westküste seltsame Gebilde aus rohem Eisen aus dem Boden.

Irland Atlantik

Middle of the view. Sie stehen eindeutig an den landschaftlich schönsten Orte an der Atlantikküste, die jeder Fußkranke mit dem Auto erreichen kann. Besucher von Irlands wildem Westen werden sie nicht verfehlen.

Was also ist das? Es sei verraten, dass die skurrilen Eisenständer 3,5 Millionen Euro kosteten, dass sie in den vergangenen Monaten mancherorts den Zorn der Einheimischen provozierten, dass Petitionen gegen sie unterwegs sind und dass die Rostständer die Reise-Gemeinde zutiefst polarisieren. Wir berichten am Sonntag an dieser Stelle ausführlich . . .

Wild Atlantic Way für Dummies

 

(c) Fotos: Irlandnews.com

Ein Grund weniger, in Irland zu lachen . . .

Verkehr Irland

Darf ich mich vorstellen: Ich bin das neue Verkehrsschild für kleine Landstraßen und Feldwege

Ein Grund weniger, in Irland lauthals zu lachen: Die berühmten 80 km/h-Tempolimit-Schilder an kleinen und kleinsten Landstraßen und Feldwegen verschwinden derzeit. Schon seit März werden sie zugunsten eines neuen Verkehrszeichens ausgetauscht: Ganz in schwarz-weiß mahnt es mit fünf Diagonalstreifen im Kreis: SLOW, und in irisch: go mall (Foto oben). Vorbei die Zeiten also, wo man mit Mühe versuchen konnte, auf dem ländlichen Boreen wenigstens die Hälfte der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern zu erreichen? Keineswegs. Für die Sträßchen gilt, auch wenn kein Schild es mehr verrät, auch künftig das 80 km/h-Limit. Der offensichtliche Unfug, der Urlaubern zuverlässig Lachsalven spendiert, wird allerdings bald abgeräumt sein.

Nun geben die neuen Schilder den Autofahrern in Irland ein Stück weit das zurück, was die sture und teilweise höchst unsinnige Umsetzung von EU-Richtlinien in irische Straßenmöblierung vollends unterdrückte: Selbstverantwortung, Umsicht und Rücksicht. Das Fahren im alten Irland kam weitgehend ohne Verkehrszeichen aus, und es funktionierte, weil es von den Menschen eigenverantwortliches Handeln forderte. Verkehrsminister Paschal Donohoe wies zur Einführung der neuen SLOW-Schilder darauf hin, wie wichtig umsichtiges Fahren sei, das der jeweiligen Situation und Örtlichkeit angepasst sei. Amen.

 Insgesamt stehen die Zeichen auch in Irland — und wie immer mit einiger Verspätung — auf Verkehrsberuhigung. Die Einrichtung von Tempo-30 und gar Tempo-20-Zonen in Wohngebieten wird gerade breit diskutiert. Und fast jeder nimmt an der Debatte teil, denn Verkehrsschilder sind ein Thema wie Wetter oder Football: Jeder ist Experte und jeder hat eine Meinung.

Verkehrsberuhigung auf Irisch_

80 km/h auf Feldwegen. Mancher Anwohner half sich mit dem Filzstift . . .

Eine in München lebende Irin wies kürzlich in der Irish Times auf die Tatsache hin, dass in München 70 Prozent aller städtischen Straßen Tempo-30-Zone seien — nur um süffisant nachzulegen, dass dies in Irland in etwa 500 Jahren der Fall sein wird, wenn die Politik im selben Tempo weiter arbeitet. Das Tempolimit für politische Entscheidungen steht jedenfalls derzeit nicht zur Debatte.

Fotos: Markus Bäuchle (2)

Mein Irland: Tory Island, County Donegal

Tory IslandEin Bericht von Sandra Böttcher

Irland und ich – eine Begegnung, aus der vom ersten Augenblick an eine feste Beziehung wurde. Heute erinnere ich mich gern zurück an Irlands Nordwestküste – und im Besonderen an den Besuch einer vorgelagerten Insel, die wie losgerissen ist vom Festland…

Tory Island liegt im Norden von Irland, 10,5 km vor der Küste von Donegal im Atlantik und ist der nordwestlichste (bewohnte) Punkt der Inselrepublik.

Markant und obligatorisch der Leuchtturm, die weißen Häuser von „East Town“ und „West Town“, das an der südlichen Hafenbucht, etwa in der Mitte der Insel liegt. „Oileán Thoraigh“, Tory Island, ist so „irisch“ wie es nur geht. Es wird munter gälisch gesprochen, der traditionelle irische Tanz Céilí noch kräftig praktiziert und mit Freude gepflegt.

Die irische Regierung wollte Mitte der 70-er Jahre des letzten Jahrhunderts Tory Island (wie auch viele Inseln überwiegend vor der Westküste, etwa die Blasket Islands) entvölkern, um nicht für die Schul- und sonstige Versorgung aufkommen zu müssen. Es gab weder Strom noch Kanalisation oder fließendes Wasser.

Die etwa 160 Bewohner von Tory blicken nun aber mit großem Stolz auf ihre Siedlungsgeschichte und die Mythen der Insel zurück.

Das hatten die hinter dem Meer sitzenden Verwaltungsfunktionäre einfach vergessen, als sie die Insulaner in den 1970er Jahren auf das Festland umsiedeln wollten. Der Widerstand war massiv und man ließ die Finger davon…

Ganz vorneweg im Geschichten erzählen ist übrigens „König“ Patsy Dan Rodgers. Der Regent der Insel ist hauptberuflich Künstler und dem Vernehmen nach ein ganz passabler Musiker. Zudem ist er eine lebende Legende und die Attraktion der Insel schlechthin. Er versucht nach wie vor, jeden Gast der Insel persönlich zu begrüßen, allerdings schafft er es so gut wie nie, rechtzeitig an der Fähre zu sein. Heute ist er mal in Schottland unterwegs… Schade!

Tory Island Irland

Als erstes Wanderziel steuere ich den Landzipfel an der Ostküste an. Es wird felsiger, kahl. Die Sonne setzt sich zunehmend durch, der Wind bläst ordentlich, zerrt an Jacke und Haaren.

Beherzt wage ich einen Blick über den Rand der steilen Felsenküste und auf die tiefen Buchten. Die Wogen schlagen hoch und zerschellen an dieser gigantischen, vor mir liegenden Felsenwand, die steil nach Norden ragt. Ein ungeheuerliches und faszinierendes Schauspiel, das man ewig anschauen könnte. Die Klippen ringsherum, durchfurcht von Rinnen und Kerbungen, beherbergen riesige Möwenkolonien, daneben gibt es etliche weitere Vogelarten zu bewundern. Ein Paradies für Ornithologen. Es ist einmalig, hier draußen die Kraft und Wildheit der Natur anzusehen. Unweigerlich kommt mir der Gedanke: Hier bin ich am Ende der Welt, hier geht es nicht weiter.

An solchen Plätzen und mit Blick über die Unendlichkeit des Meeres spüre ich förmlich, wie klein der einzelne Mensch ist. Zeit zum Genießen – und Nachdenken!

 

Felsen auf Tory Island

Wie es wohl ist, auf Tory Island zu leben, dieser Bastion gegen die Moderne? Nicht einfach, soviel steht fest – und entbehrungsreich allemal. Hier bestimmen Wetter und Fahrplan der Fähre über den Alltag und das Leben der Bewohner. So wurden beispielsweise im Winter 1974 die Menschen auf der sturmgepeitschten Insel auf eine besonders harte Probe gestellt. Ganze acht Wochen lang war die Insel durch einen Orkan vom Festland abgeschnitten. Nicht einmal Hubschrauber konnten landen. Es gab genug Einheimische, die den Atlantik damals wegen seiner Grausamkeit verfluchten. Zermürbt entschlossen sich zehn Familien nach dem Sturm, Tory Island den Rücken zu kehren. Doch inzwischen sind einige gebürtige Insulaner zurückgekehrt. Mit dem Leben auf dem Festland konnten sie sich nicht anfreunden!

Reisebericht Tory Island

Ein von Salzgischt gegerbtes Gesicht blickt mich an: Unterwegs treffe ich einen knorrigen Insulaner, wir kommen ins Gespräch und er berichtet gleich unverblümt, dass hin und wieder berüchtigte Stürme mit bis zu 200 Stundenkilometern über den Atlantik toben. „Dann kommen wir hier tagelang nicht weg. Der Orkan reißt Dächer ab und Türen aus der Verankerung“, erzählt der betagte Mann. Unermüdlich schöpft der redselige Einheimische weiter aus seinem Vorrat von Geschichten, baut Erinnerungen aus seinem Inselleben ein. Ich bin mir sicher: Hier leben Menschen ihre Traditionen weiter. Ich würde gern länger verweilen und den Erzählungen lauschen, auch wenn ich große Mühe habe, dem harten Dialekt zu folgen. Zu guter Letzt erwähnt der Inselmann, dass Bäume auf Tory nicht gepflanzt werden, zu groß sei die Gefahr, von einem entwurzelten Stamm getroffen zu werden. Dafür findet man knallrote Bänke zum Rasten und Schauen!

Bank auf Tory Island

Zurück zum Rauschen des Meeres und dem Ruf der Möwen, ich schlendere in Richtung Hafenbucht. Jetzt mal ganz bewusst und intensiv den Wind spüren, die Seeluft riechen. Der Blick auf das weite Meer hat eine seltsame Anziehungskraft, eine Verzauberung, der ich für längere Zeit erliegen könnte. Es liegt ein Frieden in der Landschaft, der mich beim Betrachten tief berührt. Eine wunderbare Gelegenheit, im Hier und Jetzt zu unendlicher Ruhe zu finden. Zeit nehmen zum Staunen. Das sind Momente von enormer Intensität. Ich bin froh, diese Augenblicke nun in meinen Erinnerungen zu haben!

Boot auf Tory Island

Weiter geht es zum westlichen Teil von Tory Island. Die Insel ist übrigens sehr klein – von Ost nach West sind es etwa vier Kilometer, breit ist das Eiland teilweise nur einige hundert Meter. Der etwas lieblichere Westen mit Wiesen und Wollgrasfeldern lädt noch einmal ein zum Innehalten und Träumen. Hier kommt beides auf: Das Gefühl von Heimat und Fernweh, die Sehnsucht, sich anderswo neu zu erleben, aber auch machtvolle Einsamkeit. Es hat etwas von vollkommener Freiheit – und dennoch überkommt in mir das befremdliche Gefühl von ungewohnter Abgeschiedenheit und Isolation.

Wollgras am Atlantik

Was machen die Insulaner nun, wenn im Spätherbst die letzten Touristen abreisen, wenn sie wieder unter sich sind? Viel bleibt dann nicht zu tun. Aber genau das ist differenziert zu betrachten. Man widmet sich der Malerei und der Musik, veranstaltet kulturelle Zusammenkünfte. Mir wird klar: Vieles wird hier sicher nicht so persönlich genommen, nicht so gerannt wie andernorts. Begriffe wie Leistungsgesellschaft und Hektik oder Konsumproblematik finden keinen Gebrauch. Bei den Inselbewohnern kommt es auf Zusammenhalt, Bescheidenheit und die Beschränkung auf das Lebensnotwendige an. Man lebt die Verbundenheit und Gemeinschaft auf eigene Art und Weise.

Die Inseln Irlands

Am späten Nachmittag auf der Fähre kommt ein wenig Wehmut auf, wohl auch deshalb, weil der „Monarch“ des Inselvolkes an diesem Tag nicht hier war – und ich auf den traditionellen Begrüßungskuss verzichten musste! Ich bin nicht sicher, ob das entlegene Inselleben etwas für mich wäre, weit weg vom (zugegebenermaßen) gewohnten Komfort. Vermutlich muss man dafür und dort geboren sein…

Was bleibt, ist eine tiefe Bewunderung für die Menschen, die sich für diese Lebensweise entschieden haben – oder keine Wahl hatten. Ich verneige mich still vor ihnen.

Fähre Tory Island Irland

Beim Schreiben dieser Zeilen erinnere ich mich an ein Buch, das alsbald gelesen werden möchte:

Thomas O`Crohan
„The Islandman“
von Tomas O’Crohan (1857-1937, Fotos), ins Deutsche übersetzt von Annemarie und Heinrich Böll: „Die Boote fahren nicht mehr aus“.

Der Bauer und Fischer von der Großen Blasket-Insel am äußersten Westrand Irlands erzählt von gewagten Meeresfahrten und Jagden, von Festen mit Spiel und Trunk, von bitterem Hunger, wenn der Fischfang missglückt. O’Crohan wollte der Nachwelt den Charakter der knapp 150 Inselbewohner schildern, „denn Leute wie uns wird es nie mehr geben“.

Tomas O'CrohanNatürlich frage ich mich, wie es wohl damals war, als es nur um Elementares ging, um Brot und Fische, um Kartoffeln und Torf, um Leben und Tod. Wenn die Männer, meist Nichtschwimmer, in ihren offenen Booten durch die schwere Brandung zu den Fels-Höhlen der Großen Blasket-Insel ruderten, um Robben zu fangen. Nur mit Knüppeln bewaffnet…

Ich werde es nachlesen. Gut, dass mit diesen Aufzeichnungen den nachfolgenden Generationen ein Ausschnitt irischer Sozial- und Kulturgeschichte erhalten bleibt.

 

Alle Fotos: © Sandra Böttcher 

 

 

 

 

Nachgereicht (3): Trampen in Irland

Glengarriff

Sonja Hanskes „Base Camp“ war Glengarriff, County Cork

Irlandnews-Inventur 2014: Wir durchforsten in den Tagen zwischen den Jahren, die manche die Raunächte nennen, die digitalen Regale von Irlandnews nach Unerledigtem, Liegengebliebenem, Vergessenem und Verdrängten — und dabei kommt eine ganze Menge Material zutage. All jene, die sich oder ihre Arbeit im Jahr 2014 zu unrecht nicht auf Irlandnews wiederfanden, obwohl es versprochen war, die sich vergessen und übergangen fühlten, bitten wir hiermit um Entschuldigung und um die Jahres-End-Absolution. Irlandnews, das wissen die regelmäßigen Leserinnen und Leser, ist Hobby, Tagesrandbeschäftigung, für die es weder ein Finanz- noch ein Zeit-Budget gibt. Irlandnews entsteht nebenbei.

Sonja Hanske

Sonja Hanske

Auch 2014 blieben deshalb neben vielen neuen Beiträgen, die es online geschafft haben, wieder einige Dutzend Artikel-in-spe auf der Strecke — halbfertig, viertelfertig, geplant, vorübergehend vergessen, oder sie verkümmerten im flüchtigen Aggregatszustand der guten Idee. Lesen Sie heute Teil 3 unserer Jahresend-Trostrunde — einen weiteren Beitrag, der es trotz unserer Unzulänglichkeit verdient hat, das Zwielicht des Internets zu erblicken. Heute ein Beitrag, der ungerechterweise seit 13 Monaten in der digitalen Klappe lagerte. Sonja Hanske aus dem sächsischen Großschirma schickte uns ihren Reisebericht von einem fünfmonatigen Aufenthalt in Irland, ihrem Traumland und ihrer „zweiten Heimat“. Manche basteln auf Reisen ein Fotoalbum, manche schreiben Reisetagebuch, andere schicken Postkarten oder posten mit Whatsapp in die Heimat. Sonja verfasste von ihren Erlebnissen einen Bericht mit dem Umfang eines kleinen Buches. Ich könnte viele Stellen zitieren und habe mich für eine Passage entschieden, in der Sonja eine Art der Fortbewegung beschreibt, die mich auch immer fasziniert hat: das Trampen. Ich bin selber oft per Anhalter durch Irland „gehitcht“ und fragte mich in den vergangenen Jahren öfter einmal: Geht das noch? Es geht gut, wenn man/frau mit ein wenig Mut, Offenheit, Spontaneität und Zeit unterwegs ist. Hier Sonjas Bericht — und übrigens: Ihr Base Camp in Irland war Glengarriff, County Cork. Sie kennt die Gegend und die Leute hier so gut wie ich 😉

Als ich durch Irland trampte“ sollte der Titel dieser Reisebeschreibung anfänglich heißen. Das wäre allerdings ziemlich übertrieben gewesen. Über die Counties Cork und Kerry bin ich nicht wesentlich hinausgekommen. Meine „Basisstation“ in Glengarriff ermöglichte mir, dass ich bei meinen Unternehmungen nicht ständig mein Hab und Gut mit mir herumzutragen hatte. Ein Überlebensrucksack reichte in der Regel aus. Dafür musste ich aber auch immer wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren. Diesen „Nachteil“ nahm ich aber gern in Kauf.

„To hitchhike“ war für mich das größte Erlebnis, obwohl ich es erst lernen musste. Unter Nichtbeachtung des Linksverkehrs und dass der Beifahrer links einzusteigen hat, stand ich ungünstig an der falschen Straßenseite. Mein anfänglich schüchternes Handzeichen wurde als Hinweis gewertet, die Geschwindigkeit zu reduzieren. Ein Fahrer, der nicht auf das Wedeln reagiert hatte und den ich etwas später noch einmal traf, wies mich darauf hin.

Die schönste Erfahrung war für mich, dass mich sofort jeder, egal ob männlich oder weiblich, ob jung oder alt, ob Einheimische oder Urlauber, in ein Gespräch verwickelte. Nach der einleitenden Wetterfloskel wurde nach der Herkunft gefragt, ob ich das erste Mal in Irland sei, wie mir das Land gefällt und schon plauderte ich angeregt mit den sich häufig namentlich vorstellenden Fahrern. Oft erzählten mir die Älteren von sich. Manchmal kannte ich nach längeren Fahrten einen großen Teil ihrer Lebensgeschichte. Paddy lernte ich einige Tage vor meiner Heimreise kennen, als er mich von Glengarriff nach Kenmare brachte. Er erzählte mir, er sei 66 Jahre alt und fünffacher Vater. Sein schweres Arbeitsleben als Fischer hätte seine Gesundheit ruiniert. Er wäre froh, seine erwachsenen Kinder und Enkel in einem besseren Leben aufwachsen zu sehen. Das erstaunliche Angebot, mir bei Bedarf Geld für die Heimreise zu geben, lehnte ich dankend ab. Trotzdem ließ es sich Paddy nicht nehmen, mir vor der Abreise eine Flasche Rotwein zu bringen, die ich zu Hause gemeinsam mit meinem Freund trinken sollte.

Reisebricht Irland

Sonjas Reisebericht

 

In den ersten Wochen hielten fast nur Frauen an. Zwei Schwestern, um die 60, unterhielten sich über meinen „Mut“. Sie sagten kichernd, sie würden niemals auf diese Art reisen, fänden es aber gut. Seitdem jede Familie mindestens ein Auto besitzt, wäre es im Gegensatz zu früheren Zeiten nicht mehr üblich, per Anhalter zu fahren. Ich glaube, ich war für viele so etwas wie eine Erinnerung an diese Zeit, als sie selbst am Straßenrand standen.

Eine streng blickende, elegant gekleidete Dame sagte mir, sie hätte nur wegen meiner freundlichen und offenen Ausstrahlung angehalten. Normalerweise würde sie das nicht tun. Bevor sie mir Fragen stellte, erfuhr ich, dass sie sich nach ihrer Pensionierung als Lehrerin mit dem schnellen Luxusauto ihren Traum erfüllt hätte. Joan Mattenci, eine mit einem italienischen Geschäftsmann verheiratete attraktive Frau, lud mich sogar in ihr Ferienhaus ein. Sie sagte, sie wolle es nun auch wagen, alleine losziehen. Ihr erwachsener Sohn sei ebenso wie sein beschäftigter Vater kaum noch zu Hause. Auch Hazel wurde mir eine liebe Gesprächspartnerin. Mehrmals sah sie mich am Straßenrand stehen und hielt für mich an. Sie wohnte in Bantry und arbeitete im Parkhotel Glengarriff an der Rezeption. Hin und wieder besuchte ich sie dort für einen kurzen Schwatz. Bei einem zufälligen Treffen in Bantry gingen wir dazu in ein Café.

Ein Herr, der auf dem Beifahrersitz sein „Büro“ eingerichtet hatte, hielt öfters an. Jedes Mal war der Stapel von Unterlagen, auf dem ich saß, etwas kleiner. Er scherzte über sein fahrendes „office“ und sagte, er hätte schon von der Gegenfahrtrichtung nach mir Ausschau gehalten. Von den jährlich mehreren Millionen ausländischen Besuchern sollen mehr als die Hälfte Briten sein. Ihre Höflichkeit und Herzlichkeit sind mir besonders in Erinnerung. Mit einigen von ihnen verband mich schon nach kurzer Zeit ein freundschaftliches Gefühl. Manchmal wurde ich gefragt, ob ich Französin sei. Mein Äußeres und meine „personality“ wären nicht typisch deutsch, ebensowenig wie die weiche englische Aussprache. Ich glaube, die hängt mit meinem sächsischen Dialekt zusammen. Ohne Ausnahme wurde mir von allen versichert, sie mögen die Deutschen und ich sei herzlich willkommen. Die vielen netten Worte, die ich als ehrlich empfand, waren für mich sehr ungewohnt.

Nicht immer hatte ich einen Plan, wohin es gehen sollte. Dann ließ ich den Zufall entscheiden, welche Gegend ich erkunden würde. Da mir alles unbekannt war, fuhr ich anfangs einfach mit den mir sympathischen Fahrern bis zu deren Ziel mit. Dieser Spontanität verdankte ich zum Beispiel am 24. August meinen Ausflug mit einem etwa 70-jährigen Engländer nach Co. Kerry. Eigentlich sollte es nur ein kurzer Trip werden, denn es war bereits Mittagszeit. Er war der Erste der anhielt und ich nutzte nach einem kurzen Gespräch die Chance, nonstop bis zum etwa 100 Kilometer entfernten Ort Tralee zu gelangen. Gleich beim Einsteigen hatte ich das Gefühl, einen lieben alten Bekannten wiederzusehen. Während der zweistündigen Fahrt unterhielten wir uns angeregt. Als wir uns mit einer Umarmung voneinander verabschiedeten, wusste ich, dass er jedes Jahr einmal in seinen Geburtsort auf der Beara-Halbinsel fährt, um dort mit seinem Schulfreund Golf zu spielen. Seine Frau war an Krebs gestorben, aber seine Kinder, Enkel und Urenkel, die in Großbritannien leben, würden ihm viel Freude bereiten.

Einige meiner Zufallsbekanntschaften sorgten sich um mich. So hielt eine Mutti, die mit ihren beiden kleinen frisch geimpften Kindern unterwegs war, eine halbe Stunde später nochmals an. Sie war mit ihrem Mann auf dem Rückweg und traf mich an einem anderen Platz an, als eigentlich vorgesehen. Ebenso konnte ich einen Mann beruhigen, der mich fürsorglich fragte, ob alles in Ordnung sei. Ich saß lediglich am Straßenrand, um mich etwas auszuruhen. Diese kleinen Begegnungen hinterließen bei mir ein Gefühl des Glücks und Wohlfühlens. Es war schön, wieder wahrgenommen und ab und zu mit einem Hupen gegrüßt zu werden.

Ein sehr großer sympathischer Mann mit kurzem grau-blonden Haar nahm mich zweimal mit unterschiedlichen Autos von Bantry nach Glengarriff mit. Nachdem er mich nach meinem Namen gefragt hatte, rief er eines abends bei Ann an. Mein Flyer war ihm in der Bücherei aufgefallen. So lernte ich Paul kennen, der mir ein guter Freund wurde.

Etwa zehn Jahre zuvor hatte er nach einem Zelturlaub beschlossen, von London in den Süd-Westen Irlands zu ziehen. Zuerst wohnte er in seinem ausgebauten Bus am Strand. Nachdem er eines Morgens während der Flut mitten im Ozean erwacht war, suchte er sich in dem kleinen schönen Ort Allihies eine neue Bleibe. Amira, die Deutschland verlassen hatte, gab ihm diese Möglichkeit. Er brauchte viel Platz für seine Leidenschaft, alte Autos und Motorräder aufzubauen. Für mich war es immer eine Überraschung, womit er mich mitnehmen würde.

Hin und wieder wurde ich gewarnt, vorsichtig und nicht zu vertrauensselig zu sein. Diesen Ratschlag befolgte ich, als ein mit vier Männern fast voll beladenes Auto anhielt. Nachdem ich dankend abgelehnt hatte, wurde ich von einer jungen Frau bis Castletownbere mitgenommen. Am Zielort angekommen, winkten mir bei einem Stadtbummel die vier Herren freundlich zu. Ich versuchte, immer vor dem Dunkelwerden zu Hause zu sein. Falls es eine heikle Situation gab, stieg ich baldmöglichst wieder aus. So ein „Erlebnis“ hatte ich glücklicherweise nur einmal. Ein alter Mann in einem klapprigen Auto teilte mir als Deutsche seine Verehrung für „Gitler“ mit. Diese mir vollkommen unverständliche Einstellung habe ich nach dem Lesen des Buches „Die Asche meiner Mutter“ überdacht und mögliche Gründe für diese Meinung gefunden. Ich hätte mich bereits vor meiner Reise mit der Irischen Geschichte befassen sollen. Jedenfalls stieg ich sofort wieder aus und befand mich an der Kreuzung nach Ballydehob. So kam ich das erste Mal in diesen später von mir noch oft besuchten Ort.

Viele Erlebnisse und Erfahrungen verdanke ich nur meinem „Mut“, mich auf Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen einzulassen. Ann nannte es „open minded“. Einige der späteren Mitbewohnerinnen in den Hostels waren erstaunt über meine Schilderungen. Sie waren entweder mit dem eigenen Auto oder Bussen unterwegs und hatten so wesentlich weniger Kontaktmöglichkeiten. Während dieser Reisen spürte ich eine gewisse Seelenverwandtschaft mit den irischen Menschen. Mir war von Anfang an so, als ob ich nach Hause gekommen wäre.“

PS: Trampt mal wieder! Und wer sich für den kompletten Reisebericht interessiert: Wie stellen gerne den Kontakt zu Sonja her. Email an markus@irlandnews.com genügt.

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