Patricks Music Corner: Shane MacGowan

Heute stellt Patrick Steinbach  im Irish Music Corner einen Anti-Helden vor: Er ist hässlich, auf dem Selbstzerstörungstrip und unsensibel dazu. Und doch hat Shane MacGowan die irische Musikszene bereichert. 

SHANE MACGOWAN  

Shane MacGowanDer Sänger der legendären Folk-Punk-Gruppe The Pogues ist weder für seine atemberaubende Stimme, noch für sein übermäßig gutes Aussehen bekannt. Mit Segelohren ausgestattet, bei der wahrscheinlich nicht mal eine Afrofrisur helfen würde, und Zähnen, wo selbst Dracula neidisch werden müsste, ist Shane – gelinde gesagt – einer der am wenigsten gut aussehenden Männer der Musikbranche, den man je gesehen hat.

Seine Fähigkeit, pro Konzert mindestens eine Flasche Whiskey zu leeren, hat ihm einen etwas zweifelhaften, aber immerhin selbstverdienten Ruhm eingebracht. Kein Maskenbildner hätte das so hinbekommen wie er selber in den Jahren des exzessiven Tabak-, Alkohol- und was-weiß-man-noch-Konsums. Er ist die personifizierte Selbstzerstörung, der man ebenso fasziniert und erschrocken zuschaut, wie einem Feuerwehreinsatz in der Nachbarstraße. Das Kaputtsein, der Alkoholismus die Hässlichkeit werden stilisiert und zur Marke erhoben. Sicherlich: Punk und Polka haben ihren Charme.

Ein guter Musiker sollte aber eine gewisse Sensibilität mitbringen, ein Gespür für seine Mitmusiker, die Fähigkeit auf sie einzugehen und mit ihnen auf der Bühne zu kommunizieren. Bei einem gemeinsamen Auftritt von Shane MacGowan mit den Dubliners aus dem Jahr 1987 muss man genau diese Eigenschaften vergeblich suchen. Sie performen zusammen das Stück THE IRISH ROVER, ohne wirklich miteinander in Kontakt zu kommen. Ein musikalisches Daumenkino voller Klischees, das trotzdem irgendwie Spaß macht.

Seine Popularität verdankt Shane MacGowan auch dem Vergnügen, das sein Publikum beim Betrachten seiner unbeschreiblichen Originalität und seines offensichtlichen Zerfalls hat. Er hat mit seiner ganz eigenen, teils auch abstoßenden Art die irische Musikkultur um eine gewisse selbst- ironische Komponente bereichert. Danke, Shane. Aber gehe doch bitte bald einmal zum Zahnarzt.

Bemerkenswertes Video:

Die Website des Über-Lebens-Künstlers: http://www.shanemacgowan.com

Patrick Steinbach MusikerDer Autor von Patricks Music Corner: Patrick Steinbach (*1964) arbeitet als Dozent für Gitarre, er ist Herausgeber zahlreicher Lehrwerke zur irischen Musik und schreibt seit 2001 für das Musikfachmagazin AKUSTIK GITARRE. Dort stellt er alle zwei Monate ein neues Stück aus Irland vor, das er für Gitarre bearbeitet hat. Neben Konzertberichten veröffentlicht er regelmäßig CD-Rezensionen zu Bands aus dem irischen Kulturfeld. Für sein Engagement erhielt er 2005 den Deutschen Musikeditionspreis. Patrick lebt in Neu-Isenburg. Mehr über Patrick gibt es auf seiner Website zu lesen:  www.patrick-steinbach.de

 

Über Markus Bäuchle

Journalist und Wanderer. Lebt in Glengarriff im Südwesten Irlands. Mit Markus kann man in Irland wandern gehen: www.irland-wandern.de
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Kommentare

  1. Hallo Patrick, eine schöne Würdigung eine selbstzerstörerischen Genies. Eine Korrektur muss ich allerdings anfügen. Shane war schon vor einiger Zeit beim Zahnarzt und lächelt inzwischen wie die Blend-a-med Blondine – zum Beweis: http://www.dailymail.co.uk/tvshowbiz/article-1183171/Oh-bye-gum-Shane-MacGowan-FINALLY-gets-set-new-teeth.html

  2. Sieht aber auch jetzt irgendwie komisch aus. Unecht. Okay, ist es auch, aber auch unechte Zähne sollten echt aussehen. War jedenfalls sicher teuer.

  3. Wen interessiert es ob Shane jemals zum Zahnarzt geht oder das in Zukunft tut. Die Pogues wären ohne Shane, so wie er ist, niemals so bekannt und erfolgreich geworden.

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