Der Adler kreist wieder im Himmel über Irland

Adler in Irland

Glengarriffs Adler-Küken aus dem Jahr 2015: Es erstickte kurz vor dem Flüggewerden.

Seeadler in Irland. Wir Menschen sind schon reichlich merkwürdige Wesen. Erst zerstören wir unsere Erde nach Kräften, dann versuchen wir mit großem Aufwand, wenn es (fast) zu spät ist, die Scherben zusammen zu kehren und zu retten, was zu retten ist. Erst rotten wir die Adler aus, dann setzen wir alles daran, sie wieder einzuführen. Dies in einer Zeit, wo die Wildnis nur noch in den Abgründen unserer Seelen zu existieren scheint. Die Wiedereinführung der Seeadler in Irland kostete bislang 1,5 Millionen Euro und könnte gelingen. Denn es gibt gute Nachrichten: Im Jahr 2016 schwangen sich immerhin sechs junge in Irland geborene Seeadler in die Lüfte.  

 

Irland Adler

Eddie the Eagle. (Foto: Alan McCarthy/Golden Eagle Trust) He made it!

Die frühe Flug-Karriere von Seeadler Eddie the Eagle konnten wir in Glengarriff Harbour vor unserer Haustür in West Cork mit verfolgen. Eddie war ein Spätstarter und etwas tollpatschig dazu. Deswegen erhielt der Raubvogel den Spitznamen des einst so erfolglosen wie berühmten britischen Skispringers Michael Edwards. Doch Eddie packte es und ist nun alleine mit einem Mini-Sender unterwegs, der den Rangers diskret verrät, wo er sich gerade herumtreibt.    

Eddies Adler-Eltern sind 2009 und 2010 in Norwegen zur Welt gekommen und im Rahmen des Wiedereinführungs-Projekts zusammen mit 100 anderen Tieren im Killarney National Park eingesetzt, sorgen für Freude in Glengarriff. Das Adlerpaar hatte sich im Jahr 2012 auf der Insel im Glengarriff Harbour niedergelassen.  Im Jahr 2014 war der erste in Glengarriff geschlüpfte Jungvogel aufgrund des schlechten Wetters bald nach der Geburt gestorben, im Jahr 2015 erstickte das Hoffnung weckende Adler-Junge nur wenige Tage vor dem ersten Abflug an Krähenfedern, die in seinem Schlund stecken geblieben waren. Doch 2016, nach harten Lehrjahren, haben Glengarriff Adler endlich das erste Küken in die Lüfte gebracht. Eddie war seit 120 Jahren der erste im County Cork geborene Adler, der flügge wurde und erfolgreich abhob. Nun muss er sich beweisen, ein Revier und eine Partnerin suchen.

Seeadler. Seit 2007 läuft das Wiederansiedlungs-Projekt in Irland. (Foto: Christine Lamontain)

Hoffnung für das Seeadler-Projekt machen – nach vielen Rückschlägen und über 30 toten Tieren seit dem Start 2007 – mehrere brütende Seeadler-Paare und knapp 20 überlebende Jungvögel: Mittlerweile gab es in den Counties Clare, Galway, Cork und Kerry gefiederten Nachwuchs. Nach über 100 Jahren schwang sich im Sommer 2013 erstmals in Mountshannon im County Clare ein in Irland geborener Seeadler wieder in die Lüfte. Der Erfolg des Wiedereinführungs-Programms wird davon abhängen, ob die nun in Irland geborene Adler-Generation sich ebenfalls vermehren wird. Die Chancen stehen jedenfalls nicht schlecht, dass der majestätische Vogel mit einer Flügelspannweite von 2,5 Metern auf der grünen Insel eine Zukunft hat. Nicht ganz so gut sieht es leider für den Steinadler aus. Das Projekt im Norden der Insel, im County Donegal droht zu scheitern, weil der König der Lüfte nicht genügend natürliche Nahrung finden könnte.

Irlands Atlantik– Heimat der Wale und Delfine

Delfinbeobachtung mit Wanderlust

Delfine schwimmen und springen gerne in den Bugwellen der Boote.

Wale und Delfine in Irland beobachten. Irland ist eines der kleinsten Länder Europas, berücksichtigt man allerdings Irlands Meeresfläche, ist es eines der zehn größten Länder Europas. Der irische Atlantik ist eine Welt für sich, die wir ebenso gerne entdecken und erleben wie die grünen Wiesen und die einsamen Berge an Land.

So sind wir während der Wanderlust Aktiv-Ferien auf dem Atlantik unterwegs, um nach Walen und Delfinen Ausschau zu halten. Regelmäßig begleiten wir Nic Slocum von Whale Watch West Cork auf seinen Delfin- und Wal-Beobachtungs-Touren, die in Baltimore starten. Anschaulich erklärt Nic am Anfang jeder Tour die Sicherheitsvorkehrungen – und auch zur Erwartungshaltung der Besucher weiß er etwas zu sagen. Wir sind in freier Natur unterwegs und nicht in einem Zoo oder gar in SeaWorld. Es gibt also keine Sicht-Garantie. Aber zu sehen gibt es immer etwas.

Delfintour mit Wanderlust

Delfine begleiteten unser Boot bis kurz vor die Hafeneinfahrt von Baltimore.

Unterwegs mit unseren Gästen ließen wir uns auf dem Wasser weder von frühen Morgenstunden noch vom Wellengang besonders beeindrucken. Das schaffen viel eher die Gewöhnlichen Delfine (Delphinus delphis), die uns auf unseren Fahrten regelmäßig begleiten und für große Begeisterung an Bord sorgen. Es ist jedes Mal aufs Neue ein Erlebnis, wenn die flinken Säugetiere plötzlich auftauchen und in der Bugwelle des Katamarans schwimmen oder daneben aus dem Wasser springen. Es scheint manchmal, die Delfine hätten am „Touristen gucken“ genauso viel Spaß wie wir Menschen beim Delfine beobachten.

Finnwal mit Delfinen und Möwen

Delfine und Möwen begleiten den Finnwal auf Futtertour.

Ein ganz besonderes Erlebnis ist die Beobachtung von Finnwalen (Balaenoptera physalus) nahe an der Küste vor Baltimore. Anfangs sahen wir nur die Fontänen, die beim Ausatmen der Finnwale entstehen. Dann war es, als würde ein dunkler Schatten durchs Wasser gleiten und es war das erste Mal eine Rückenflosse zu erkennen.

Finnwal vor Baltimore

Wie ein Schatten gleitet der Finnwal durchs Wasser.

Finnwal vor Baltimore

Finnwal ganz nah an der Küste vor Baltimore.

Kurze Zeit später liefern zwei Finnwale ein richtiges Spektakel, während sie immer wieder Fischschwärme zusammentreiben und dann mit geöffnetem Maul aus dem Wasser auftaucten bei dem Versuch, sich die zusammengetriebenen Fische einzuverleiben. Die vielen umher schwirrenden Möwen und Delfine versuchen ebenfalls, ihren Anteil abzubekommen.

Finnwale beim lunge feeding

Zwei Finnwale beim sogenannten Lunge Feeding

Finnwale beim lunge feeding

Die Möwen versuchen, auch ihren Anteil zu bekommen, während der Finnwal ein Maul voll Wasser und kleinen Fischen schluckt.

Finnwale sind nach den Blauwalen die zweitgrößten Säugetiere auf der Erde und können bis zu 27 Meter lang werden. Wir beobachteten ein ausgewachsenes Tier von gut 20 Metern und ein Jungtier. Wahrscheinlich hat das größere und ältere Tier dem Jungtier das Jagen gezeigt. Es ist mehr als beeindruckend, wenn sich die Meeres-Riesen an der Oberfläche zeigen und das Wasser aufwühlen.

Finnwal vor Baltimore

Meistens sieht man wie hier nur einen kleinen Teil der bis zu 27 Meter langen Finnwale.

Finnwal vor Baltimore

Ein letztes Auftauchen des Finnwals zum Abschied.

Solche Begegnungen sind für viele  Menschen sehr ergreifend und zu Herzen gehend. In jedem Fall sind sie etwas Besonderes und Unvergessliches. Wer uns begleiten will oder sich für Natur-Ferien in Irland interessiert: Hier gibt es mehr Informationen 

Delfine vor Cape Clear

Ein Delfin begleitet das Boot in der Nähe von Cape Clear.

 

Alle Fotos: Antje Wendel / Wanderlust 2016

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Ohne Wälder keine Chance für Irlands Steinadler

Der Steinadler. Die Wiedereinführung in Irland steht auf der Kippe.

Der Steinadler. Die Wiedereinführung in Irland steht auf der Kippe.

Der Steinadler, König der Lüfte Irlands. Es ist ein lange gehegter Traum von Tierschützern, der wieder Wirklichkeit werden soll: Der Steinadler (Aquila chrysaetos) soll wieder seine Kreise in den Lüften über Irland ziehen und dabei nicht auf die Hilfe und den Nachschub von Menschen angewiesen sein. Doch allen Anstrengungen der vergangenen Jahre zum Trotz: Der Traum wird wohl fürs Erste ein Traum bleiben. Das irische Steinadler-Projekt steht vor dem Scheitern. Die eingesetzte Population in den Bergen des County Donegal kommt nicht auf die Beine: Die mächtigen Tiere, bis zu ein Meter groß und mit einer Spannweite von 2,30 Metern die größten lebenden Adler, ziehen nicht genügend Nachwuchs groß.

Der Grund für das drohende Scheitern ist simpel: Die Adler finden in den Bergen von Donegal nicht genügend Nahrung. Während die schottischen Adler sich in den Highlands überwiegend von Hasen und Moorhühnern ernähren können, fehlt diese Beute in den ausgeräumten Bergen Irlands weitgehend. Die Greifvögel müssen hier auf Krähen und junge Dachse ausweichen und finden nicht genügend natürliche Nahrung.

Die irischen Berge – schön anzusehen und in ihrer Kargheit durchaus beeindruckend – sind eine ökologische Wüste: Von Schafen kahl gefressen und von Farmern regelmäßig abgebrannt, gedeiht in den Höhenlagen der grünen Insel nicht viel: Die Artenvielfalt ist durch das einst nach Irland importierte Schaf auf ein Minimum reduziert wordent. Der Golden Eagle Trust, der die Wiedereinführung des Steinadlers in Irland betreibt, macht eine verfehlte Agrarpolitik für die Verwüstung der Bergwelt verantwortlich: Die von der EU lange geförderte Überweidung durch zu viele Schafe ist der Hauptgrund.

Schafzucht in den Bergen lohnt sich nicht mehr: Mittlerweile arbeiten die meisten Berg-Schaffarmer defizitär und überleben nur durch Agrarsubventionen aus Brüssel und Dublin. Der Golden Eagle Trust, eine Stiftung die seit dem Jahr 1999 die Wiedereinführung des Steinadlers und das Comeback des Seeadlers und des Roten Milan in Irland betreibt, fordert deshalb eine radikale Änderung der Landnutzung in den irischen Bergen: Ohne die Rückkehr heimischer Wälder auf den kahl gefressenen und erodierten Flächen wird die ökologische Wiedergeburt der Berge und die Rückkehr des Königs der Raubvögel und vieler anderer Arten nicht gelingen.

Quelle: Irish Mountain Log , Ausgabe 118 vom Sommer 2016, S. 20
Foto: Tony Hisgett from Birmingham, UK via Wikimedia Commons

 

Wilder Lachs und wilder Atlantik in Irland

Seebären als Gartenzwerge in Irland

Wilder Lachs und wilder Atlantik: Auch irische Kapitäne und Seebären können wie Gartenzwerge daher kommen. Eine trügerische maritime Gartengnom-Idylle findet man abseits der Landstraße auf einem Küstenfelsen am Aghabeg-Pier von Rossmackowen auf der Beara-Halbinsel in West Cork. Die beiden Seeleute am Leuchtturm blicken sorgenvoll in Richtung Meer.

Ob sie wohl ahnen, was sich dort draußen in der Bucht bald abspielen könnte, wenn hunderttausende Zuchtlache auf engstem Raum in der Rekordzeit von 18 Monaten ihrer Bestimmung als Chemikalien-Cocktail (den manche noch Lachs-Delikatessen nennen) entgegen wachsen, um in Scheiben geschnitten in Plastikfolie eingeschweißt ihre letzte Reise anzutreten? Unweit des Piers in der Bucht liegt die Roancarrig-Lachsfarm, die nun eine fette große Schwester acht Kilometer weiter östlich am Shot Head erhalten soll.

Irischer Lachs auf Eis

Irischer Lachs auf Eis

Ob sie wissen, wie exzessive maritime Massentierhaltung und das wunderschöne Konzept von einer Natur-Idylle namens Wild Atlantic Way so gar nicht zusammen passen? Wilder Atlantik und Wild-Lachs gehören seit Urzeiten zusammen. Doch die Käfige eines profitgierigen norwegischen Fisch-Konzerns mit dann über einer halben Million gefangener Zuchtlachse alleine in der Bantry Bay werden dafür sorgen, dass bald auch der letzte Wildlachs in der Bucht verschwunden sein wird.

Ob diese beiden Seebären schon wahrhaben, dass Zuchtlachs eines der ungesündesten, ja giftigsten Lebensmittel der Gegenwart ist?  Dass Lachsfarmen das Meer und die Strände ökologisch schwer beschädigen? Dass die Krankheiten der in Gefangenschaft siechenden Wildtiere die letzten wild lebenden Lachse ausrotten? Sie könnten es wissen, denn die Wissenschaft hat dies alles längst nachgewiesen. Aber das kümmerte die irische Regierung und deren Superminister Simon Coveney wenig. Er hat im vergangenen Sommer die Genehmigung für die Lachsfarm erteilt.

Vielleicht hoffen die beiden Seeleute am Pier von Rossmackowen auch, dass die Menschen in der Bucht von Galway ein Hoffnung stiftendes Signal gesetzt haben: Ihr Widerstand ließ die Politik im vergangenen Dezember einen Rückzieher machen: Die Pläne für eine gigantische Mega-Farm vor den Aran-Inseln wurden unter dem Druck einer protestierenden Bevölkerung vor Weihnachten und rechtzeitig vor den Parlamentswahlen zurück genommen. Die Mega-Lachsfarm ist gescheitert. Der Rückzieher könnte der Beginn eines Umdenkens gewesen sein und auch Auswirkungen auf zehn bis 15 andere Lachsfarm-Projekte entlang der irischen Atlantik-Küste haben.

Es wäre sinnvoll, denn dann bliebe der wilde Lachs dem wilden Atlantik vielleicht doch erhalten — und würde künftigen Generationen nicht nur als leblose Blechfigur oder als Name eines B&Bs (The Salmon Leap) am leblosen Fluss begegnen.

Mehr Informationen über das gesundheitliche, ethische und ökologische Problem Zuchtlachs finden Sie hier: Irlandnews über Lachsfarmen

Irischer Lachs

Lachs aus Blech

 

Alle Fotos: Markus Bäuchle

 

Der Seeadler kreist wieder in Irlands Lüften

Seeadler Glengarriff IrlandAdler in Irland. Wir Menschen sind schon reichlich merkwürdige Wesen. Erst zerstören wir unsere Erde nach Kräften, dann versuchen wir mit großem Aufwand, wenn es (fast) zu spät ist, die Scherben zusammen zu kehren und zu retten, was zu retten ist. Erst rotten wir die Adler aus, dann setzen wir alles daran, sie wieder einzuführen. Dies in einer Zeit, wo die Wildnis nur noch in den Abgründen unserer Seelen zu existieren scheint.

Immerhin: Nach mehr als 100 Jahren wird in wenigen Tagen erstmals ein im Land geborener junger Seeadler seinen Horst verlassen und über das County Cork schweben. Der acht Wochen alte und 4,3 Kilogramm schwere Seeadler-Junge wurde von Glengarriffs Ranger Clare Heardman* vor wenigen Tagen mit einem kleinen Satelliten-Sender ausgestattet. In weniger als zwei Wochen dürfte der neue Prinz der irischen Lüfte den Horst hoch oben auf einem Baum auf Garinish Island bei Glengarriff in West Cork verlassen.

Die Adler-Eltern, 2009 und 2010 in Norwegen zur Welt gekommen und im Rahmen des Wiedereinführungs-Projekts zusammen mit 100 anderen Tieren im Killarney National Park eingesetzt, sorgen für Freude in Glengarriff. Das Adlerpaar hatte sich im Jahr 2012 auf der Insel im Glengarriff Harbour niedergelassen.  Letztes Jahr war der erste geschlüpfte Jungvogel aufgrund des schlechten Wetters bald nach der Geburt gestorben, in diesem Jahr sollte die Flug-Premiere endlich klappen.

Hoffnung für das Seeadler-Projekt machen – nach vielen Rückschlägen seit dem Start 2007 – in diesem Jahr  gleich fünf Seeadler-Paare im Land: Auch in den Counties Clare, Galway und Kerry gibt es derzeit gefiederten Nachwuchs. Nach über 100 Jahren schwang sich im Sommer 2013 erstmals in Mountshannon im County Clare ein in Irland geborener Seeadler wieder in die Lüfte. Der Erfolg des Wiedereinführungs-Programms wird davon abhängen, ob die nun in Irland geborene Adler-Generation sich ebenfalls vermehren wird. Die Chancen stehen jedenfalls nicht schlecht, dass der majestätische Vogel mit einer Flügelspannweite von 2,5 Metern auf der grünen Insel eine Zukunft hat. 

* Hier geht es zur Twitter Page vom Naturschutzgebiet Glengarriff Woods: Twitter Glengarriff Woods

Foto: Clare Heardman, Ranger im Glengarriff Woods Nature Reserve 

Der Graureiher: Ein Meister der Geduld?


Graureiher IrlandIrlands Wildtiere:
Wenn der Graureiher im Garten landet, kann man sicher sein: Die Frösche sind unterwegs. Jedes Jahr im Januar und Februar ist Frösche-Volksmarsch, dann tauchen die glubschäugigen Glitschtiere mit dem breiten Maul  (Rana temporaria) in Mannschaftsstärke wie aus dem Nichts im Gartenteich auf und sorgen dort für Nachwuchs. Der Reiher (Ardea cinerea) weiß das genau und ist immer pünktlich zur Stelle. Sollte er keinen Frosch erwischen, tut es auch eine Schnabelschippe proteinhaltiger Laich.

Nachwuchs vor: In diesem Jahr kommt nicht der alte Zausel vom Vorjahr vorbei, stattdessen steht sich ein junger, etwa einjähriger Graureiher die langen Beine in den Bauch. Sein Deckgefieder schimmert noch bläulich und sein Schnabel leuchtet noch nicht gelb. Von diesen großen Vögeln können wir Geduld lernen: Oft stehen sie stundenlang völlig unbeweglich mit eingezogenem Hals auf einer Stelle und warten auf den Fang. Sie sind die Meister der Geduld. Oder kann nur geduldig sein, wer ein Bewusstsein für die zerrinnende Zeit hat?

Foto: Markus Bäuchle

Auf ein Neues: Irland und der Esel

Zunächst: Ein gutes vorsatz-freies Jahr 2015! Und dann: Gleich mitten hinein in das Irland-Jahr 2015 — mit einer Würdigung unseres irischen Lieblingstiers . . .

 

Irland Esel

 

Irland Schafland? Ach wo. Der Esel, das ewige Langohr ist für mich das heimliche Nationaltier der Insel – auch wenn Besucher immer Schafe sehen wollen, auch wenn viele Iren pferdenärrisch und viele „kleine Leute“ sich windhund-besessen zeigen. Und selbst, obwohl die nationale Buslinie Bus Eireann an ihrem irischen Setter als Maskottchen festhält. Es lebe der Esel (und die Eselei)!

 

Irische Esel

 

Der Esel erzählt wie kein anderes Tier die Reise Irlands aus der Armut in den Hochmut und zurück. Noch vor 20 Jahren schickten entzückte Irlandromantiker die Postkarte mit dem Farmer auf der Eselskarre nach Hause, galt der Typus des aus der Zeit gefallenen Landmannes doch als geradezu ikonisch für die Insel, auf der die Zeit stehen geblieben schien. Trafen sich zwei Eselskarren postkartengerecht auf einer engen Landstraße, unterschrieb man den Gruß von der Insel gerne mit „Rush Hour Ireland“. Dann kamen die stürmischen Jahren des keltischen Tigers.

 

Esel in Irland

 

Die Landwirtschaft trat Hand in Hand mit der Armut den Rückzug an, aus Farmern wurden Großgrundbesitzer, die Karren wurden von Traktoren und Quadbikes ersetzt – und aus dem ehedem überlebensnotwendigen Arbeitstier und Transportmittel Esel wurde ein nutzloses Anhängsel. Bald sah man die typischen einachsigen Eselskarren hinter den Ställen verrotten, und überall im Land standen Esel auf den zuwachsenden Wiesen herum – zurückgelassen, arbeitslos, nutzlos, verwahrlost, zu langsam, zu eigensinnig und zu unschick für die große Party- und Immobiliensause, die nun anhob zwischen Waterford und Letterkenny.

 

Irish Donkies Back 120x110 cm (640x493)

 

Der irische Esel hatte seine Schuldigkeit getan – und ausgedient. Als Verlierer im großen Wohlstandspiel starben tausende ausgemusterte Langohren frühzeitig an Hunger, Krankheiten, manche auch an direkter Misshandlung. Der irische Esel war zum lebenden Symbol des Unzeitgemäßen geworden.

 

Goldesel III (516x640)

 

Das tragische Eselleid rief immerhin vereinzelt Tierfreunde auf den Plan, die sogenannte „Donkey Sanctuaries“ gründeten, verwahrloste Esel einsammelten, sie medizinisch versorgen und ihnen im Esels-Asyl das Gnadenbrot geben. Im großen Vergessen lebte derweil auch das kleine Erinnern fort: Während viele Bauern der vierbeinigen Nutzlosigkeit nicht auch noch teuren Hafer hinterherwerfen wollten, begannen Romantiker, die die alten Zeiten gar nicht so schlecht gefunden hatten, oder zu Wohlstand gekommene Iren, sich zum Spaß Esel zu halten. So wurde der Esel zum neuen Status-Symbol in der Wohlstandsnische der Neureichen und der Nostalgiker.

 

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Ich liebe die Esel und teile diese Begeisterung mit einer Künstlerin aus dem niedersächsischen Soltau: Steffi Klymant hat die Esel Irlands mit einem Bilder-Zyklus gewürdigt. Einige Bilder zeigen wir an dieser Stelle. Die bildende Künstlerin beschäftigt sich in der Malerei seit Jahren mit den vom Aussterben bedrohten Nutztier-Rassen und anderen Schönheiten der Natur. Die Esel-Gemälde waren in deR Lüneburger Heide bereits in der Ausstellung  „Der Doktor und das liebe Vieh“ über  das englische und irische Landleben zu sehen. Einige der Bilder begleiteten Steffi im vergangenen Jahr an Bord des Kreuzfahrtschiffs MS Europa. Sie war als Künstlerin an Bord und kreuzte rund um die Britischen Inseln inklusive Stopp in Dublin. Ihre Bilder wurden an Bord als reisebezogene Ausstellung gezeigt.

 

Steffi Klymant

Steffi Klymant: Bildende Künstlerin aus Soltau mit einer Leidenschaft für Esel

 

Wer sich wie Steffi für vom Aussterben bedrohte Nutztiere interessiert: Der Rare Breed Survival Trust, der in Deutschland als GEH firmiert) kümmert sich um den Erhalt der Genressourcen, um  die schönen alten Schweinesorten, die lustig-eigenwilligen Esel, die schön-äugigen Rinder und nicht zuletzt die exentrischen Hühner und Hähnchen. Mehr über Steffi und ihre Arbeit kann man auf ihrer Website erfahren: www.steffisart.de.

 

Danke Steffi, für Deine wundervollen Eseleien!

Peadar, der verrückte Buchfink, klopft wieder an

Irland Vögel

Peadar der Buchfink klopft die Osterbotschaft ans Küchenfenster.

Irland. Ostern. Buchfink-Alarm. Das ist Peadar, der verrückte Buchfink mit der Oster-Botschaft. Seit vier Tagen fliegt er jetzt schon seine vergeblichen Angriffe gegen unser Küchenfenster. Klopft, pickt und flattert. Droht, landet Sturzflug-Attacken. Scheitert. An sich selbst.

Peadar ist der wütende Bruder des schönen Narziss: Der Buchfink hasst sein Spiegelbild. Er bekämpft die Spiegelung in der Fensterscheibe und versucht unermüdlich, den eingebildeten Konkurrenten um seine eingebildete schöne Braut in die Flucht zu schlagen und sein Revier zu behaupten. Das Fenster ist seine Windmühle.

Peadar überträgt seinen inneren Kampf auf das Spiegelbild in der Scheibe und hält sich in seinem wilden Reigen bis zur Erschöpfung selber gefangen. Oder wollen wir das bloß so sehen? Doch, doch, der verrückte Buchfink ist auch nur ein Mensch. Unsere Spiegel und Fensterscheiben sind die anderen Menschen, in denen wir uns bekämpfen und in die wir unsere eigenen Ängste und Wünsche übertragen. Sind wir nicht alle eine wenig Buchfink? Freud-iges Ostern!

Irland Vögel

Peadar, der irische Buchfink.

PS: Der Versuch, Peadar im eigenen Interesse zur Aufgabe zu bringen, scheitert systematisch. Der kleine Singvogelmann weiß noch nicht einmal, wie die Silhouhette eines gefährlichen Raubvogels aussieht und ignoriert die Adler-Attrappe konsequent. Weiß jemand von Euch Vogel-Experten da draußen im weiten Internet Rat? 

Fotos: Markus Bäuchle 2014

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