Der Adler kreist wieder im Himmel über Irland

Adler in Irland

Glengarriffs Adler-Küken aus dem Jahr 2015: Es erstickte kurz vor dem Flüggewerden.

Seeadler in Irland. Wir Menschen sind schon reichlich merkwürdige Wesen. Erst zerstören wir unsere Erde nach Kräften, dann versuchen wir mit großem Aufwand, wenn es (fast) zu spät ist, die Scherben zusammen zu kehren und zu retten, was zu retten ist. Erst rotten wir die Adler aus, dann setzen wir alles daran, sie wieder einzuführen. Dies in einer Zeit, wo die Wildnis nur noch in den Abgründen unserer Seelen zu existieren scheint. Die Wiedereinführung der Seeadler in Irland kostete bislang 1,5 Millionen Euro und könnte gelingen. Denn es gibt gute Nachrichten: Im Jahr 2016 schwangen sich immerhin sechs junge in Irland geborene Seeadler in die Lüfte.  

 

Irland Adler

Eddie the Eagle. (Foto: Alan McCarthy/Golden Eagle Trust) He made it!

Die frühe Flug-Karriere von Seeadler Eddie the Eagle konnten wir in Glengarriff Harbour vor unserer Haustür in West Cork mit verfolgen. Eddie war ein Spätstarter und etwas tollpatschig dazu. Deswegen erhielt der Raubvogel den Spitznamen des einst so erfolglosen wie berühmten britischen Skispringers Michael Edwards. Doch Eddie packte es und ist nun alleine mit einem Mini-Sender unterwegs, der den Rangers diskret verrät, wo er sich gerade herumtreibt.    

Eddies Adler-Eltern sind 2009 und 2010 in Norwegen zur Welt gekommen und im Rahmen des Wiedereinführungs-Projekts zusammen mit 100 anderen Tieren im Killarney National Park eingesetzt, sorgen für Freude in Glengarriff. Das Adlerpaar hatte sich im Jahr 2012 auf der Insel im Glengarriff Harbour niedergelassen.  Im Jahr 2014 war der erste in Glengarriff geschlüpfte Jungvogel aufgrund des schlechten Wetters bald nach der Geburt gestorben, im Jahr 2015 erstickte das Hoffnung weckende Adler-Junge nur wenige Tage vor dem ersten Abflug an Krähenfedern, die in seinem Schlund stecken geblieben waren. Doch 2016, nach harten Lehrjahren, haben Glengarriff Adler endlich das erste Küken in die Lüfte gebracht. Eddie war seit 120 Jahren der erste im County Cork geborene Adler, der flügge wurde und erfolgreich abhob. Nun muss er sich beweisen, ein Revier und eine Partnerin suchen.

Seeadler. Seit 2007 läuft das Wiederansiedlungs-Projekt in Irland. (Foto: Christine Lamontain)

Hoffnung für das Seeadler-Projekt machen – nach vielen Rückschlägen und über 30 toten Tieren seit dem Start 2007 – mehrere brütende Seeadler-Paare und knapp 20 überlebende Jungvögel: Mittlerweile gab es in den Counties Clare, Galway, Cork und Kerry gefiederten Nachwuchs. Nach über 100 Jahren schwang sich im Sommer 2013 erstmals in Mountshannon im County Clare ein in Irland geborener Seeadler wieder in die Lüfte. Der Erfolg des Wiedereinführungs-Programms wird davon abhängen, ob die nun in Irland geborene Adler-Generation sich ebenfalls vermehren wird. Die Chancen stehen jedenfalls nicht schlecht, dass der majestätische Vogel mit einer Flügelspannweite von 2,5 Metern auf der grünen Insel eine Zukunft hat. Nicht ganz so gut sieht es leider für den Steinadler aus. Das Projekt im Norden der Insel, im County Donegal droht zu scheitern, weil der König der Lüfte nicht genügend natürliche Nahrung finden könnte.

Irlands Atlantik– Heimat der Wale und Delfine

Delfinbeobachtung mit Wanderlust

Delfine schwimmen und springen gerne in den Bugwellen der Boote.

Wale und Delfine in Irland beobachten. Irland ist eines der kleinsten Länder Europas, berücksichtigt man allerdings Irlands Meeresfläche, ist es eines der zehn größten Länder Europas. Der irische Atlantik ist eine Welt für sich, die wir ebenso gerne entdecken und erleben wie die grünen Wiesen und die einsamen Berge an Land.

So sind wir während der Wanderlust Aktiv-Ferien auf dem Atlantik unterwegs, um nach Walen und Delfinen Ausschau zu halten. Regelmäßig begleiten wir Nic Slocum von Whale Watch West Cork auf seinen Delfin- und Wal-Beobachtungs-Touren, die in Baltimore starten. Anschaulich erklärt Nic am Anfang jeder Tour die Sicherheitsvorkehrungen – und auch zur Erwartungshaltung der Besucher weiß er etwas zu sagen. Wir sind in freier Natur unterwegs und nicht in einem Zoo oder gar in SeaWorld. Es gibt also keine Sicht-Garantie. Aber zu sehen gibt es immer etwas.

Delfintour mit Wanderlust

Delfine begleiteten unser Boot bis kurz vor die Hafeneinfahrt von Baltimore.

Unterwegs mit unseren Gästen ließen wir uns auf dem Wasser weder von frühen Morgenstunden noch vom Wellengang besonders beeindrucken. Das schaffen viel eher die Gewöhnlichen Delfine (Delphinus delphis), die uns auf unseren Fahrten regelmäßig begleiten und für große Begeisterung an Bord sorgen. Es ist jedes Mal aufs Neue ein Erlebnis, wenn die flinken Säugetiere plötzlich auftauchen und in der Bugwelle des Katamarans schwimmen oder daneben aus dem Wasser springen. Es scheint manchmal, die Delfine hätten am „Touristen gucken“ genauso viel Spaß wie wir Menschen beim Delfine beobachten.

Finnwal mit Delfinen und Möwen

Delfine und Möwen begleiten den Finnwal auf Futtertour.

Ein ganz besonderes Erlebnis ist die Beobachtung von Finnwalen (Balaenoptera physalus) nahe an der Küste vor Baltimore. Anfangs sahen wir nur die Fontänen, die beim Ausatmen der Finnwale entstehen. Dann war es, als würde ein dunkler Schatten durchs Wasser gleiten und es war das erste Mal eine Rückenflosse zu erkennen.

Finnwal vor Baltimore

Wie ein Schatten gleitet der Finnwal durchs Wasser.

Finnwal vor Baltimore

Finnwal ganz nah an der Küste vor Baltimore.

Kurze Zeit später liefern zwei Finnwale ein richtiges Spektakel, während sie immer wieder Fischschwärme zusammentreiben und dann mit geöffnetem Maul aus dem Wasser auftaucten bei dem Versuch, sich die zusammengetriebenen Fische einzuverleiben. Die vielen umher schwirrenden Möwen und Delfine versuchen ebenfalls, ihren Anteil abzubekommen.

Finnwale beim lunge feeding

Zwei Finnwale beim sogenannten Lunge Feeding

Finnwale beim lunge feeding

Die Möwen versuchen, auch ihren Anteil zu bekommen, während der Finnwal ein Maul voll Wasser und kleinen Fischen schluckt.

Finnwale sind nach den Blauwalen die zweitgrößten Säugetiere auf der Erde und können bis zu 27 Meter lang werden. Wir beobachteten ein ausgewachsenes Tier von gut 20 Metern und ein Jungtier. Wahrscheinlich hat das größere und ältere Tier dem Jungtier das Jagen gezeigt. Es ist mehr als beeindruckend, wenn sich die Meeres-Riesen an der Oberfläche zeigen und das Wasser aufwühlen.

Finnwal vor Baltimore

Meistens sieht man wie hier nur einen kleinen Teil der bis zu 27 Meter langen Finnwale.

Finnwal vor Baltimore

Ein letztes Auftauchen des Finnwals zum Abschied.

Solche Begegnungen sind für viele  Menschen sehr ergreifend und zu Herzen gehend. In jedem Fall sind sie etwas Besonderes und Unvergessliches. Wer uns begleiten will oder sich für Natur-Ferien in Irland interessiert: Hier gibt es mehr Informationen 

Delfine vor Cape Clear

Ein Delfin begleitet das Boot in der Nähe von Cape Clear.

 

Alle Fotos: Antje Wendel / Wanderlust 2016

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Ohne Wälder keine Chance für Irlands Steinadler

Der Steinadler. Die Wiedereinführung in Irland steht auf der Kippe.

Der Steinadler. Die Wiedereinführung in Irland steht auf der Kippe.

Der Steinadler, König der Lüfte Irlands. Es ist ein lange gehegter Traum von Tierschützern, der wieder Wirklichkeit werden soll: Der Steinadler (Aquila chrysaetos) soll wieder seine Kreise in den Lüften über Irland ziehen und dabei nicht auf die Hilfe und den Nachschub von Menschen angewiesen sein. Doch allen Anstrengungen der vergangenen Jahre zum Trotz: Der Traum wird wohl fürs Erste ein Traum bleiben. Das irische Steinadler-Projekt steht vor dem Scheitern. Die eingesetzte Population in den Bergen des County Donegal kommt nicht auf die Beine: Die mächtigen Tiere, bis zu ein Meter groß und mit einer Spannweite von 2,30 Metern die größten lebenden Adler, ziehen nicht genügend Nachwuchs groß.

Der Grund für das drohende Scheitern ist simpel: Die Adler finden in den Bergen von Donegal nicht genügend Nahrung. Während die schottischen Adler sich in den Highlands überwiegend von Hasen und Moorhühnern ernähren können, fehlt diese Beute in den ausgeräumten Bergen Irlands weitgehend. Die Greifvögel müssen hier auf Krähen und junge Dachse ausweichen und finden nicht genügend natürliche Nahrung.

Die irischen Berge – schön anzusehen und in ihrer Kargheit durchaus beeindruckend – sind eine ökologische Wüste: Von Schafen kahl gefressen und von Farmern regelmäßig abgebrannt, gedeiht in den Höhenlagen der grünen Insel nicht viel: Die Artenvielfalt ist durch das einst nach Irland importierte Schaf auf ein Minimum reduziert wordent. Der Golden Eagle Trust, der die Wiedereinführung des Steinadlers in Irland betreibt, macht eine verfehlte Agrarpolitik für die Verwüstung der Bergwelt verantwortlich: Die von der EU lange geförderte Überweidung durch zu viele Schafe ist der Hauptgrund.

Schafzucht in den Bergen lohnt sich nicht mehr: Mittlerweile arbeiten die meisten Berg-Schaffarmer defizitär und überleben nur durch Agrarsubventionen aus Brüssel und Dublin. Der Golden Eagle Trust, eine Stiftung die seit dem Jahr 1999 die Wiedereinführung des Steinadlers und das Comeback des Seeadlers und des Roten Milan in Irland betreibt, fordert deshalb eine radikale Änderung der Landnutzung in den irischen Bergen: Ohne die Rückkehr heimischer Wälder auf den kahl gefressenen und erodierten Flächen wird die ökologische Wiedergeburt der Berge und die Rückkehr des Königs der Raubvögel und vieler anderer Arten nicht gelingen.

Quelle: Irish Mountain Log , Ausgabe 118 vom Sommer 2016, S. 20
Foto: Tony Hisgett from Birmingham, UK via Wikimedia Commons

 

Irland grün-weiß: Der Weißdorn blüht

Hawthorn Road

Hawthorn Road

Der Weißdorn blüht. Irland weiß-grün. Die Vegetation ließ sich in diesem Jahr Zeit. Der Weißdorn steht erst jetzt in voller Blüte, drei bis vier Wochen später als in einem normalen Jahr. Die Ursache dürften der monatelange Winterregen und die eklatante Staunässe im Boden sein, die das Wachstum im Frühjahr verzögert haben. Jetzt allerdings blüht der auch als Maibaum und als Feenbaum bezeichnete Weißdorn so intensiv wie seit Jahren nicht. Der grün-weiße Farbrausch zieht die Menschen in seinen Bann. Heute auf Irlandnews ein paar aktuelle Fotos von der Weißdornblüte und ein Auszug aus einem Text von Elisabeth Firsching, die den Crataegus und alle anderen Bäume des Keltischen Baumkreises hier auf Irlandnews auf einfühlsame Weise beschrieben hat.*

Der Weißdorn (Crataegus, Hawthorn) zählte zu den heiligsten Bäumen der Kelten und verzaubert die Menschen mit seiner Blütenpracht in der Zeit, die ihm im Keltischen Baumkreis zugeordnet wurde: vom 13. Mai bis 9. Juni. Der Weißdorn verkörpert im Ogham Alphabet das H, sein keltischer Name ist UATH. Nüchtern betrachtet qualifizierte sich dieses strauch- bis baumartig wachsende Gehölz zunächst als natürlicher Zaun für kleine Siedlungen und einzelne Gehöfte. Zusammen mit anderen dornigen Pflanzen bildet der Weißdorn dichte Abgrenzungen am Rande der Weiden. Vor dem Einzug modernerer Einrichtungen wie dem Stacheldraht und der Alarmanlage bot er Schutz für Menschen und Nutztiere vor wilden Tieren und plündernden Vaganten.

Weißdornblüte IrlandAuch heute ist der Weißdorn ein wichtiger Bestandteil der Hecken in Irland. Zur Blütezeit im Mai verwandelt sich dieser je nach Unterart mitunter sparrig wachsende Strauch, der zur Familie der Rosengewächse gehört, in eine Art Brautstrauß der Natur, an dem man sich kaum satt sehen kann. Das Holz konnte aufgrund seiner Härte sehr gut für Alltags-Gegenstände, wie Spindeln, Dreschflegel, Holznägel oder Wanderstöcke verwendet werden. Die Früchte, kleine rote, mehlige Beeren, wurden roh gegessen und zu Mus verkocht oder in Brot eingebacken.

Durch viele Jahrhunderte war der Weißdorn der weißen Göttin geweiht, später wurde er als Wohnstatt der Feen angesehen und bis in unsere Zeit mit Distanz und Ehrfurcht verehrt. Wo er wuchs, gab es Pforten zur Anderswelt. In seinem Umkreis erschloss sich dem Kundigen die Möglichkeit, Rat und Hilfe zu bekommen. Nach der Zeit der Druiden versuchten die Menschen die Feen mit auf Zweige gebundenen Stofffetzen sanft zu stimmen. Solche über und über behängten Büsche gibt es immer noch an manchen heiligen Plätzen in Irland und der Glaube, dass das Fällen eines solchen heiligen Baumes tödliches Unheil nach sich ziehen würde, hält sich in der Bevölkerung hartnäckig.


Gerade in unserer Zeit kommt dieser Heilpflanze besondere Bedeutung zu, Erkrankungen des Herzens gelten in der westliche Welt als häufigste Todesursache. Unsere von der Natur in weiten Teilen abgekoppelte und hektische Lebensweise belastet das Herz ganz allgemein. Die Bereitschaft, dem Stärkeren Recht zu geben, den eigenen Vorteil als Richtschnur zu nehmen und Mitgefühl als entbehrlichen Luxus zu betrachten, lässt uns in einer herz-losen Gesellschaft zurück, die auf Geld und Macht und den Erhalt davon setzt. Vielleicht sollten wir uns auf die wunderbar unterstützenden Eigenschaften dieser alten Heilpflanze besinnen und uns öfter unter ihren Schutz begeben.

Weißdorn-Blüte

Andererseits besteht im Volksglauben nach wie vor eine ambivalente Haltung diesem Baum gegenüber. Er soll auch Menschen und Tieren Unheil gebracht haben, wofür allerdings die Ursachen stets in einem Fehlverhalten der Betroffenen zu suchen gewesen sein sollen.

Ich muss zugeben, dass ich beim Weißdorn eine geheimnisvolle Aura stärker als bei anderen heiligen Bäumen empfinde. Wie eine Art Tor in andere Welten zieht es mich in seine Nähe. Nach einer Weile eingestimmt, begegne ich mir in einem unbekannten Teil meines Selbst, ein kleiner Zipfel lüftet Farben, die bekannt und doch fremd erscheinen. Eine Ahnung von den Tiefen der Seele tut sich auf . . . 

Hier gibt es weitere Beiträge von Elisabeth Firsching zu den Bäumen Irlands und über den Keltischen Baumkreis: Irlands BäumeAuf den Garten-Reisen von Wanderlust können Sie die Bäume, Sträucher, die Wildpflanzen und Heilkräuter Irlands auf intensive Weise kennen lernen: Garten-Reisen Irland

Der Weißdorn blüht im Rabach, County Kerry

Der Weißdorn blüht im Rabach, County Kerry

 

Fotos: Markus Bäuchle / Wanderlust (4)

Irland und seine Bäume: Eine Tragödie

Bäume Irland

Bäume in Irland. Eine Tragödie.

Irland und seine Bäume: Eine Tragödie. In den vergangenen 24 Monaten sind im baumarmen Irland schätzungsweise so viele Bäume zerstört worden wie von den zehn brachialen Stürmen des Winters 2013/14 davor. Die Winter-Orkane vor zweieinhalb Jahren, so war zu lesen, entwurzelten bis zu eine Million Bäume. Dann aber kam der Mensch gründlich hinterher. Wohin man blickte: Das große Baumsterben ging mithilfe von Kettensägen, Baggern und Traktoren einfach weiter. Alleine entlang der Straßen im äußersten Westen von West Cork sind in jüngster Zeit hunderte, wenn nicht tausende Bäume gefällt worden. Oft erkennt man das Fehlen der Eschen, Weiden und Ahorns, der Kiefern, Birken und Erlen, weil sie bequemlichkeitshalber auf einer Höhe von einem oder anderthalb Metern umgesägt wurden.

Was ist hier los auf der vermeintlich grünen Insel? Wir sind auf Spurensuche gegangen und fanden diese Ursachen für das große Baumsterben: Angst, Nichtwissenwollen und ein versagender Staat. Dass Bäume und Wälder für das ökologische Gleichgewicht, für die Artenvielfalt und für die Gesundheit von Mensch und Tier wichtig sind — völlig egal. Der Reihe nach:

Buche:: Vor der Wirtschaftskrise, als die Staatskassen noch besser gefüllt waren, pflegten die Lokalverwaltungen die Straßen und Sträßchen im Land — auch die Straßenränder.  Hier und dort wurden die öffentlichen Arbeitstrupps für die brachiale Zerstörung der ökologisch wertvollen Hecken entlang der Straßen kritisiert. Dann mussten die Banken mit öffentlichem Geld gerettet werden und die County Councils gingen pleite. Sie zogen sich aus vielen Aufgaben zurück, unterließen unter anderem den Landbesitzern die Aufgabe, die Vegetation entlang der Verkehrswege unter Kontrolle zu halten. Die große Wirtschaftskrise soll ja vorbei sein, die Councils aber beschränken sich weiter auf das Versenden von Warnhinweisen: Die Bäume entlang der Straßen spielen darin meist die Rolle der Gefahrenquelle.

:: Aus Angst vor Strafen und davor, von einem eventuell geschädigten Verkehrsteilnehmer auf Schadensersatz, Schmerzensgeld und Co. verklagt zu werden, machen viele Landeigentümer ganze Arbeit und „befreien“ ihre Grundstücke von Bäumen. Ein radikaler Eingriff hält zudem Jahre länger und erübrigt die regelmäßige Pflege.

:: Die Änderung der Förderrichtlinien für Farmer hat katastrophale Auswirkungen: Neuerdings erhalten die Bauern für ihre mit Bäumen bewachsene Flächen keine staatliche Förderung mehr. Um die Subventionen aus Dublin und Brüssel nicht zu gefährden, räumen die Bauern seit Monaten ihre Felder leer und reduzieren den Baumbestand im Namen der Farm Payments drastisch. Die Farmer im Land und eine fehl geleitete Agrar-Politik behaupten Hand in Hand ihre Spitzenstellung im Kampf gegen Natur und Umwelt.

:: Es wird gerne behauptet, die bösen Engländer seien verantwortlich für den weitgehend kahlen Zustand der Insel, für das großflächige Abholzen, Roden und Zerstören von Wäldern und Bäumen. Irlandfreunde kennen das Bild der baumfreundlichen Kelten, des in den Wipfeln ausladender Eichen vorsichtig Mistelzweige schneidenden Druiden. Wahr ist, wie der Privat-Gelehrte Nigel Everett in seiner Geschichte der Wälder Irlands detailversessen nachweist: Die Iren, die sich in der Tradition der Kelten sehen, waren schon im Mittelalter und vor der Zeit der systematischen Besiedlung Irlands mit Engländern und Schotten keine Freunde des Waldes und der Bäume: Sie standen für das Roden und nicht für das Bewahren. Die Landschaft wurde seit Jahrhunderten frei geräumt für Schafe, Rinder und Menschen — und das zieht sich bis in de jüngste Vergangenheit: Ein Gutteil der verbliebenen atlantischen Eichenwälder wurde im jungen Staat von der irischen Forstbehörde zerstört: Heimische Laub- und Mischwälder mussten schnell wachsenden Holzplantagen und Monokulturen weichen, die sich innerhalb einer halben Menschengeneration zu Geld machen lassen.

Buch Sauerstoff

:: Der wichtigste Grund für das kühle Verhältnis von Mensch und Baum auf der Insel ist ein kollektives Unbehagen. Viele Irinnen und Iren erleben den Wald als feindlich, unheimlich und bedrohlich. Der Wald ist bis heute Teil der feindlichen Natur, nicht Inhalt eines Generationenvertrags wie in Deutschland und schon gar nicht romantischer Seelenraum oder Gegenwelt zum Moloch Zivilisation. Die Einschätzung einer erfahrenen Umweltschützerin und Ökologin, die schon viele Schlachten für die Bäume Irlands geschlagen hat, passt in dieses Bild. Sie sagt: „Der größte Feind der Bäume in Irland sind die Farmer, die die Bäume nicht mögen. Irische Bauern haben keine Wertschätzung für Bäume.“  So sind die Landmänner und Landfrauen, denen man gerne eine Nähe zur Natur nachsagt und die als Hüter der Landes und der Landschaft verklärt werden, heute die wahren Zerstörer.

 

PS: Stichwort Kluges Regieren. Der Mann im Video ist Danny Healy Rae. Er sitzt für Kerry im neu gewählten irischen Parlament in Dublin. Danny ist überzeugter Lobbyist für Alkohol am Steuer und lautstarker Vertreter der Klimalüge. Für ihn steht fest: Gott macht unser Wetter — niemand sonst . . .

 

Irland und der Müll. Eine traurige Geschichte

Irland Müll

Irland und der Müll – das ist eine komplizierte Geschichte. Ein Drama mit Hang zur Tragödie. Eine traurige Geschichte.

Irland und der Müll. Auto-Wracks in den Bergen und Büschen, auf Feldern und in Hinterhöfen – das gehörte hier in Irland bis vor wenigen Jahren zur Folklore. So war das eben — und es ist noch immer nichts grundsätzlich anders. Noch immer finden wir an den interessantesten Orten ausgediente Karossen, die von ihren Eigentümern im Mülleimer Landschaft (für die Verursacher) preiswert entsorgt wurden.

Erinnern Sie sich an die 60-er Jahre in Deutschland? Es war ein wenig ähnlich. Wilde Müllkippen waren in der Vor-Plastik-Ära auch in unseren Gefilden keine Seltenheit. Und immerhin bemühen sich die irischen Lokalbehörden, die wild geparkten Wracks einzusammeln. Das Cork County Council etwa rühmt sich, in den vergangenen zehn Jahren viele hunderte Auto-Kadaver abgeräumt und verschrottet zu haben. Es tut sich also was.

Irland und der Müll – das ist eine komplizierte Geschichte. Ein Drama mit Hang zur Tragödie. Eine traurige Geschichte. Zwar bietet das Land jede Menge schöner unverbrauchter Landschaft, doch diese lädt zahlreiche Zeitgenossen ein, ihr seine Abfälle gedankenlos anzuvertrauen. Müllsäcke landen im Meer, in Straßengräben, im Wald. Müll wird weiterhin vergraben, verbrannt und in alle Himmelsrichtungen verstreut. In den Tagen vor der obszönen Ära des großen Massenkonsums gab es dieses Verhalten zwar auch schon. Es war allerdings angesichts der geringen Müllmengen mit hohem organischen Anteil kein großes Problem.

Muelltonne in IrlandNoch immer gibt es auf der Insel keine Pflicht zur Mülltonne. Das würden die ohnehin unter subjektiv wahrgenommenem Bevormundungs-Stress leidenden Inselbürger nach Einführung von Wassergebühren und Haussteuer wohl nicht auch noch verkraften. Immerhin, so vermute ich, könnten die Behörden aufgrund der jüngsten Daten-Initiativen (Erfassung aller Häuser zur Besteuerung, Einführung der Postleitzahlen) mittlerweile halbwegs zuverlässig jedem Hauseigentümer einen Bescheid zur Pflicht-Teilnahme an der Müllabfuhr zuzustellen – doch das würde wohl wieder Wähler ohne Ende verprellen.

So unterhält bis heute vor allem auf dem Land nur ein Teil der Bevölkerung eine Mülltonne der öffentlichen Müllentsorgung – wer sich einmal in den Hinterhöfen mancher Farmen umgesehen hat, kann sich ein Bild machen. Der Rest bringt seine Abfälle im besten Fall selber zu einer Sammelstelle, im weniger günstigen Fall betreibt er ein privates Müll-Loch oder setzt auf thermische Entsorgung in Eigenregie.

Die Behörden überschätzen sich dabei regelmäßig selber. Früh in den 2000-er Jahren führte das Cork County Council ein super-modernes Müllsystem ein: Gerade noch hatten die Menschen sich daran gewöhnt, die schwarzen Müllsäcke regelmäßig zur Abholung an den Straßenrand zu legen, da trumpfte die Verwaltung mit einem Abrechnungsmodus nach Verursacherprinzip auf: Sie hatte Tonne eingeführt und bat die Teilnehmer der Müllabfuhr nun um exakt gemessene Abrechnung per Kilo abgegebenem Müll.

Es endete im Debakel: Von den wenigen Tonnen-Inhabern verabschiedete sich ein Großteil von der Müllabfuhr und kehrte zu traditionellen Formen der Müllabfuhr zurück. Die County-Müllabfuhr ging pleite – weil kaum jemand teil nahm und das Council obendrein unfähig war, von den wenigen Gutwilligen die offenen Rechnungen einzutreiben.

Pay per Weight – das Bezahlen nach Gewicht wurde rasch abgemildert, eine private Müll-Firma übernahm das Geschäft. Nun kommt die nächste Welle: Die Regierung in Dublin hat per Gesetz verfügt, dass alle Müll-Entsorger ab dem 1. Juli nicht nur den Restmüll, sondern auch die organischen Abfälle und den Recycling-Müll kiloweise abrechnen und den Kunden in Rechnung stellen müssen . . .

Schon brodelt die Volksseele wieder und an den Tresen im Pub wird die Richtung vorgegeben. Sie führt eindeutig Richtung Hinterhof, Strand und Straßengraben. Tenor des Volkszorns: Ich bin doch nicht blöd . . .

Irland und der Müll . . .

 

Fotos: Markus Bäuchle

 

Wilder Lachs und wilder Atlantik in Irland

Seebären als Gartenzwerge in Irland

Wilder Lachs und wilder Atlantik: Auch irische Kapitäne und Seebären können wie Gartenzwerge daher kommen. Eine trügerische maritime Gartengnom-Idylle findet man abseits der Landstraße auf einem Küstenfelsen am Aghabeg-Pier von Rossmackowen auf der Beara-Halbinsel in West Cork. Die beiden Seeleute am Leuchtturm blicken sorgenvoll in Richtung Meer.

Ob sie wohl ahnen, was sich dort draußen in der Bucht bald abspielen könnte, wenn hunderttausende Zuchtlache auf engstem Raum in der Rekordzeit von 18 Monaten ihrer Bestimmung als Chemikalien-Cocktail (den manche noch Lachs-Delikatessen nennen) entgegen wachsen, um in Scheiben geschnitten in Plastikfolie eingeschweißt ihre letzte Reise anzutreten? Unweit des Piers in der Bucht liegt die Roancarrig-Lachsfarm, die nun eine fette große Schwester acht Kilometer weiter östlich am Shot Head erhalten soll.

Irischer Lachs auf Eis

Irischer Lachs auf Eis

Ob sie wissen, wie exzessive maritime Massentierhaltung und das wunderschöne Konzept von einer Natur-Idylle namens Wild Atlantic Way so gar nicht zusammen passen? Wilder Atlantik und Wild-Lachs gehören seit Urzeiten zusammen. Doch die Käfige eines profitgierigen norwegischen Fisch-Konzerns mit dann über einer halben Million gefangener Zuchtlachse alleine in der Bantry Bay werden dafür sorgen, dass bald auch der letzte Wildlachs in der Bucht verschwunden sein wird.

Ob diese beiden Seebären schon wahrhaben, dass Zuchtlachs eines der ungesündesten, ja giftigsten Lebensmittel der Gegenwart ist?  Dass Lachsfarmen das Meer und die Strände ökologisch schwer beschädigen? Dass die Krankheiten der in Gefangenschaft siechenden Wildtiere die letzten wild lebenden Lachse ausrotten? Sie könnten es wissen, denn die Wissenschaft hat dies alles längst nachgewiesen. Aber das kümmerte die irische Regierung und deren Superminister Simon Coveney wenig. Er hat im vergangenen Sommer die Genehmigung für die Lachsfarm erteilt.

Vielleicht hoffen die beiden Seeleute am Pier von Rossmackowen auch, dass die Menschen in der Bucht von Galway ein Hoffnung stiftendes Signal gesetzt haben: Ihr Widerstand ließ die Politik im vergangenen Dezember einen Rückzieher machen: Die Pläne für eine gigantische Mega-Farm vor den Aran-Inseln wurden unter dem Druck einer protestierenden Bevölkerung vor Weihnachten und rechtzeitig vor den Parlamentswahlen zurück genommen. Die Mega-Lachsfarm ist gescheitert. Der Rückzieher könnte der Beginn eines Umdenkens gewesen sein und auch Auswirkungen auf zehn bis 15 andere Lachsfarm-Projekte entlang der irischen Atlantik-Küste haben.

Es wäre sinnvoll, denn dann bliebe der wilde Lachs dem wilden Atlantik vielleicht doch erhalten — und würde künftigen Generationen nicht nur als leblose Blechfigur oder als Name eines B&Bs (The Salmon Leap) am leblosen Fluss begegnen.

Mehr Informationen über das gesundheitliche, ethische und ökologische Problem Zuchtlachs finden Sie hier: Irlandnews über Lachsfarmen

Irischer Lachs

Lachs aus Blech

 

Alle Fotos: Markus Bäuchle

 

Regierung bekämpft Hochwasser mit Geldregen

Flut Irland 2015

Das Hochwasser in Irland steigt vielerorts noch immer, die Flut-Krise am Shannon bleibt äußerst bedrohlich, und nun merkt endlich auch die Regierung in Dublin, dass ihr das Wasser bis zum Hals steht. Denn die Menschen in den überfluteten Regionen sind nicht nur traurig, erschöpft und ratlos, sie haben auch eine große Wut auf die Regierenden, die sich gerade wieder übertrumpfen im Ankündigen von Plänen und im Gründen neuer Kommissionen und Expertenrunden. Die allgemeine Wahrnehmung in den Hochwassergebieten ist bedrohlich für Enda Kennys Kabinett: Die Ankündigungs-Weltmeister liefern einfach nicht und quasseln nur.

Flood 2009Keine Frage: Das Hochwasser 2015 hat seine primäre Ursache in der Regenmenge. Der Dezember brachte weiten Teilen Irlands in einem Monat soviel Regen wie in einem durchschnittlichen Winter in einem Vierteljahr fällt. Ob der ganz offensichtlich vom Klimawandel verursachte Dauerregen im Winter 2015/16 aber nun die schlimmsten Überflutungen seit Menschengedenken verursacht hat, wie Regierungspolitiker gerne behaupten, ist zumindest in der vorgebrachten Verallgemeinerung fraglich. Das aktuelle Wetter in immer neuen Rekord-Dimensionen zu beschreiben, ist irischer Volkssport und hat mit den Fakten nicht immer viel zu tun. Für einzelne Regionen am Shannon stimmt der Superlativ wahrscheinlich sogar — und doch ist nicht vergessen, dass weite Teile Irlands im Jahr 2009 unter einer Hochwasserkatastrophe litten, deren Ausmaße bis heute nicht erreicht sind; und auch in den Jahren danach gab es schlimme Überflutungen.

Wer die Menschen in der Hauptstraße von Bandon im County Cork fragt, bekommt eine gute Vorstellung von der Hochwasser-Historie der vergangenen Jahre, während die Politik so tut, als wäre das Problem gerade vor wenigen Wochen aufgetaucht. Auch im Winter 2009 gab es große Reden und viele Ankündigungen. Sehr viel ist seitdem in Sachen Hochwasser-Prävention und Katastrophenschutz allerdings nicht passiert.

Dem irischen Regierungspräsidenten Enda Kenny wurde vor zwei Wochen schon vorgeworfen, er lasse sich in den überluteten Gebieten nicht blicken, weil ihn die Hochwasserkrise am Shannon wenig interessiere. Er ließ darauf hin ausrichten, er habe sehr wohl Hochwassergebiete besucht —  wahrscheinlich beim Sonntags-Spaziergang daheim im County Mayo.

Hochwasser_2015_P1100252

Gefahr droht. Inzwischen haben die Regierenden die Gefahr für die eigenen Interessen erkannt. Denn demnächst wählt Irland ein neues Parlament. Der Wahltermin ist aus taktischen Gründen noch nicht bekannt gegeben worden, muss aber auf alle Fälle vor dem 8. April liegen. Spekuliert wird auf eine Wahl im März, sehr bald also haben die Bürger das Wort — und nun, da das Wasser einfach nicht abfließen will, sorgen sich die Regierungspolitiker in Dublin um ihre Pfründe und fluten das Land mit Geld: 100 Millionen Euro sollen verteilt werden: zur Reparatur von kaputten Straßen und Brücken, für Soforthilfe, für Flutopfer und für geschädigte Geschäfte, für die Verbesserung der Stimmung im Land.

Die Ankündigung der Geldorgie wird orchestriert mit der Bekanntgabe von allerlei Plänen. Aktionismus ist das Gebot der Stunde — und vieles klingt nach schnellen Lösungen, die man auf dem Kontinent nach vielen leidvollen Erfahrungen schon vor einem Jahrzehnt für gescheitert erklärt hat. Das Ausbaggern und Vertiefen von Flüssen etwa klingt wie eine Patentlösung — ist es aber nicht. Es lässt die Hochwasserprobleme auf lange Sicht sogar eskalieren und zerstört zudem wertvolle Lebensräume von Tieren und Pflanzen.

Wütend: Der Sheen River bei Kenmare

Die traurige Wahrheit ist: Neben dem Klimawandel sind Profitgier und Planlosigkeit die Hauptursachen für die aktuelle irische Hochwasserkrise. Viele nun unter Wasser stehende Häuser wurden in den letzten 15 Jahren an Orten gebaut, an denen noch vor 30 Jahren kein vernünftiger Mensch hingebaut hätte, weil diese Flächen als Überflutungszonen bekannt waren. Doch die Aussicht auf schnelles Geld machte und macht blind und vergesslich.

Diese Erkenntnis wird die Regierung allerdings nicht davon abhalten, die Flut in den kommenden Wochen mit einem Geld-Starkregen zu bekämpfen, um sich selber über Wasser zu halten . . .

Fotos: Markus Bäuchle; Google (oben)

 

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