Eine Muschel: Die letzte Chance für die Bantry Bay

 

Die Bantry Bay im Südwesten Irlands, unsere Wahlheimat am Atlantik, ist eine der schönsten Buchten der Insel, eine viel besungene dazu. Und eine umstrittene. Ging es früher um Landbesitz, Clan-Einflusszonen, Sardinen, um Öl und um weissen Sand, so zankt man sich neuerdings, seit genau fünf Jahren, um Lachsfarmen. 

Im Herbst 2015 hat der ehrgeizige damalige Landwirtschafts- und Fischerei-Minister Simon Coveney eine Lizenz für eine Riesen-Lachsfarm in der Bantry Bay erteilt. Am Shot Head soll der Mega-Umweltverschmutzer Marine Harvest, ein norwegischer Fischereimulti mit unrühmlicher Vergangenheit, eine geplante 42 Hektar große Lachsfarm installieren dürfen. Doch noch gibt es einen kleinen Funken Hoffnung, dass das zerstörerische Projekt verhindert werden kann.

Seit gestern findet in Bantry eine zweitägige Anhörung der Widerspruchsführer im Kampf gegen die geplante Lachsfarm am Shot Head, einer weitgehend unberührten Küstenlandschaft, statt. Ein vom genehmigenden Minister ernanntes (!) sechsköpfiges Komittee will sich die Argumente der Farm-Gegner noch einmal anhören, bevor über Zulassung oder Ablehnung der Einsprüche entschieden wird. Ob dies mehr ist als eine Alibi-Veranstaltung, die etwas politischen Druck ablässt, obwohl die endgültige Entscheidung bereits gefallen ist? Pessimisten vermuten dies.
 
Shot_Head_Beara_Irland_by_Wanderlust

Idyllische unzerstörte Landschaft am Shot Head

 

Wir waren gestern dabei, in diesem Experten-Universum, in dem Juristerei und Prozeduren die bunte Lebenswirklichkeit in die Zweidimensionalität formaler Verfahren mit eigener Logik und eigenen Gesetzen mutieren lassen. Hier wird der gesunde Menschenverstand am Eingang abgegeben – und doch sind die allgemein verständlichen Fakten eindeutig:

 

:: Die über eine Million Lachse würden Fäkalien („Shit“) produzieren, die einer Stadt mit 60.000 Einwohnern entspräche. Der Gedanke ist skurril: 60.000 Menschen wird erlaubt, ihre tägliche Notdurft in die Meeresbucht zu verrichten – der Output gesellte sich dann zur Notdurft aus all den Anrainergemeinden, die bis heute keine Kläranlagen haben. Die Ausscheidungen der in unten offenen Containern gefangenen Lachse würden der doppelten Menge der Fäkalien aller Anrainer der Bantry Bay entsprechen. (Hier leben weniger als 30.000 Menschen und wenigstens einige Gemeinden haben inzwischen Kläranlagen.) Die Lachsfarm selber würde die ohnehin mäßige Wasserqualität und die Umweltbedingungen in der Bucht dramatisch verschlechtern. Zudem würde ein beachtlicher Teil das Lachsfutters, gepresste Pellets überwiegend aus Fischmehl, auf den Meeresboden sinken und unter den Käfigen in eine tote Mondlandschaft entstehen lassen.    

 

:: Der produzierte atlantische Zuchtlachs ist ein minderwertiges bis gefährliches Nahrungsmittel, das der Gesundheit der Menschen aufgrund der pharmazeutischen Behandlung der Tiere nicht förderlich ist. Der vorbei ziehende gesunde Wildlachs aber wird durch die Lachsfarmen und die in ihnen ständig wütenden Krankheiten weiter dramatisch dezimiert. Eine große Gefahr für Wildlachse stellen die in Lachsfarmen gehäuft auftretenden parasitären Seeläuse dar. Auch der Produktionsaufwand für Lachs ist angesichts der ökologischen Krise unserer Welt geradezu obszön: Für die „Herstellung“ von einem Kilogramm Zuchtlachs benötigt es fünf bis sieben Kilogramm Fisch.

 

:: Der Wildlachs ist in Irland in den vergangenen Jahrzehnten drastisch dezimiert worden: 93 der 147 Lachsflüsse im Land sind mittlerweile für Angler gesperrt, weil die Bestände sich erholen müssen, beziehungsweise bereits erschöpft sind.Der traditionelle Lachsangel-Tourismus sagt in Irland langsam und leise bye-bye.  

 

:: Die Einheimischen in der Bantry Bay haben von dem Deal keine erkennbaren Vorteile. Die Handvoll Arbeitsplätze, die man ihnen verspricht, gehen auf der anderen Seite bei den kleinen Fischern, die ihre Fischgründe verlieren, und im Tourismus verloren. Alles, was den Menschen in der Bucht bleibt, sind Zerstörung, Umweltschäden, Lärm, zusätzlicher Verkehr und wohlmöglich Krankheiten. Die Profite streichen sich die Aktionäre des Fischerei-Multis ein und die Lachse werden nach China geliefert. Wer also profitiert in Irland von diesem Deal? 

 

Dennoch könnte es sein, dass die Gegner zumindest einen deutlichen Aufschub des Projekts erreichen können. Sie argumentieren weder mit Gesundheitsgefahr noch mit Umweltschäden, ihre Waffen sind Verfahrenstechnik und spitzfindige juristische Argumentation. So könnte es sein, dass ein eher unansehnliches Kraut namens Schierlings-Wasserfenchel, der die Elbvertiefung bei Hamburg gerade ein Stück weiter in die Zukunft verbannt hat, seine irische Parallele findet. Die Hoffnung der Lachsfarm-Gegner in der Bantry Bay ist die Fluss-Perlmuschel.

 
Lachsfarmen in Irland

Lachs aus Käfigen: umstritten und noch begehrt. Foto: © Anaconda Film

 

Diese Süsswassermuschel, die älter als der Mensch werden kann, lebt noch immer in drei Flüssen, die in die Bantry Bay münden. Sie würde mit dem Wildlachs und der Seeforelle aussterben, weil sie von diesen abhängig ist. Und weil dies sein könnte, ist die Fluss-Perlmuschel laut Umweltrecht der EU nun die neue Heldin der Lachsfarmbekämpfer – zusammen mit dem ebenfalls schützenswerten Otter und mit dem Verfahrensfehlernachweis. Jener ist zwar kein Tier und keine Pflanze, dafür aber ein treuer Helfer der mutigen Kämpfer gegen die einseitigen Regierungsinteressen und zudem ein Freund der Gerichte. So versuchen die Zuchtlachs-Gegner der Regierung nun nachzuweisen, dass sie die Beteiligungsrechte der Öffentlichkeit unzulässig beschnitten hat, dass sie eine unzulängliche Umweltverträglichkeitsprüfung akzeptiert hat, dass sie aus parteiischen Gründen entschieden und missliebige Informationen bewusst unterdrückt hat.

 

Gekämpft wird im Saal. Kultiviert und mit sanfter Stimme. Und dabei doch unerbittlich. Schließlich geht es um Multimillionen-Profite für Wenige oder um unser aller Umwelt und Gesundheit.  

Lachsfarm in Bantry Bay Irland

Die Pläne für eine 42 Hektar große Lachsfarm in der Bantry Bay

Die Lizenzvergabe an Marine Harvest für die Bantry Bay könnte der Auftakt sein für eine ganze Sturmflut von Genehmigungen entlang der Atlantikküste. 46 Standorte für die Fischkäfige weist der irrwitzige Masterplan der irischen Regierung zur systematischen Ausbeutung der eigenen Meere aus. Die Konsequenzen des Big Deals, in dem Großaktionäre, Fischereikonzerne, die chinesische Regierung, einige nicht ganz selbstlose irische Politiker und eine manipulierte Öffentlichkeit die Hauptrollen spielen: Mehr billiger Zuchtlachs für die Welt. Auf dem Altar des Wachstums wird die Umwelt zerstört, werden Tiere gequält, wird minderwertige und gesundheitsgefährdende Nahrung produziert, wird der Wildlachs endgültig ausgerottet.  

Und ich bleibe doch dabei: In zehn Jahren wird kein halbwegs gesundheitsbewusster Mensch mehr Lachs aus Lachsfarmen essen. (Hier gibt es mehrere Beiträge über die umstrittenen Lachsfarmen in Irland).

 

Wilder Lachs und wilder Atlantik in Irland

Seebären als Gartenzwerge in Irland

Wilder Lachs und wilder Atlantik: Auch irische Kapitäne und Seebären können wie Gartenzwerge daher kommen. Eine trügerische maritime Gartengnom-Idylle findet man abseits der Landstraße auf einem Küstenfelsen am Aghabeg-Pier von Rossmackowen auf der Beara-Halbinsel in West Cork. Die beiden Seeleute am Leuchtturm blicken sorgenvoll in Richtung Meer.

Ob sie wohl ahnen, was sich dort draußen in der Bucht bald abspielen könnte, wenn hunderttausende Zuchtlache auf engstem Raum in der Rekordzeit von 18 Monaten ihrer Bestimmung als Chemikalien-Cocktail (den manche noch Lachs-Delikatessen nennen) entgegen wachsen, um in Scheiben geschnitten in Plastikfolie eingeschweißt ihre letzte Reise anzutreten? Unweit des Piers in der Bucht liegt die Roancarrig-Lachsfarm, die nun eine fette große Schwester acht Kilometer weiter östlich am Shot Head erhalten soll.

Irischer Lachs auf Eis

Irischer Lachs auf Eis

Ob sie wissen, wie exzessive maritime Massentierhaltung und das wunderschöne Konzept von einer Natur-Idylle namens Wild Atlantic Way so gar nicht zusammen passen? Wilder Atlantik und Wild-Lachs gehören seit Urzeiten zusammen. Doch die Käfige eines profitgierigen norwegischen Fisch-Konzerns mit dann über einer halben Million gefangener Zuchtlachse alleine in der Bantry Bay werden dafür sorgen, dass bald auch der letzte Wildlachs in der Bucht verschwunden sein wird.

Ob diese beiden Seebären schon wahrhaben, dass Zuchtlachs eines der ungesündesten, ja giftigsten Lebensmittel der Gegenwart ist?  Dass Lachsfarmen das Meer und die Strände ökologisch schwer beschädigen? Dass die Krankheiten der in Gefangenschaft siechenden Wildtiere die letzten wild lebenden Lachse ausrotten? Sie könnten es wissen, denn die Wissenschaft hat dies alles längst nachgewiesen. Aber das kümmerte die irische Regierung und deren Superminister Simon Coveney wenig. Er hat im vergangenen Sommer die Genehmigung für die Lachsfarm erteilt.

Vielleicht hoffen die beiden Seeleute am Pier von Rossmackowen auch, dass die Menschen in der Bucht von Galway ein Hoffnung stiftendes Signal gesetzt haben: Ihr Widerstand ließ die Politik im vergangenen Dezember einen Rückzieher machen: Die Pläne für eine gigantische Mega-Farm vor den Aran-Inseln wurden unter dem Druck einer protestierenden Bevölkerung vor Weihnachten und rechtzeitig vor den Parlamentswahlen zurück genommen. Die Mega-Lachsfarm ist gescheitert. Der Rückzieher könnte der Beginn eines Umdenkens gewesen sein und auch Auswirkungen auf zehn bis 15 andere Lachsfarm-Projekte entlang der irischen Atlantik-Küste haben.

Es wäre sinnvoll, denn dann bliebe der wilde Lachs dem wilden Atlantik vielleicht doch erhalten — und würde künftigen Generationen nicht nur als leblose Blechfigur oder als Name eines B&Bs (The Salmon Leap) am leblosen Fluss begegnen.

Mehr Informationen über das gesundheitliche, ethische und ökologische Problem Zuchtlachs finden Sie hier: Irlandnews über Lachsfarmen

Irischer Lachs

Lachs aus Blech

 

Alle Fotos: Markus Bäuchle

 

„In 40 Jahren gibt es keine Lachsfarmen mehr“

Don Staniford in Irland gegen Lachsfarmen

Don Staniford (2.v.links), Elena Edwards (2.v.r.), lokale Unterstützer, in Adrigole. Im Hintergrund das Roancarrig Lighthouse

Der Umwelt-Aktivist Don Staniford und die kanadische Wildlachs-Schützerin Elena Edwards sind heute in West Cork im Südwesten von Irland eingetroffen und haben die Bantry Bay besucht. Am Shot Head in der Bantry Bay soll nach dem Willen der irischen Regierung eine von 16 riesigen Lachsfarmen entstehen. Eine Entscheidung von Minister Simon Coveney, so ist nun zu hören, wird demnächst erwartet. (Einen aktuellen Beitrag zum Thema gibt es hier)

Don Staniford, der “Public Enemy Nummer 1″ der global agierenden norwegischen Lachs-Multis, kämpft seit 15 Jahren gegen die Fisch- und Lachszucht-Industrie. Er machte sich heute morgen ein Bild vor Ort, besuchte den Shot Head und Adrigole mit Blick auf die Roancarrig Lachsfarm des Multis Marine Harvest. Heute abend wird Don eine Rede in Bantry halten. Staniford arbeitet derzeit völlig auf sich alleine gestellt und ohne finanzielle Rückendeckung einer Organisation. Er bestreitet seinen Lebensunterhalt aus Spenden, Einladungen und der Unterstützung von Gleichgesinnten.

Müll abladen verboten: Don Staniford

Müll abladen verboten: Don Staniford vor einem einem Schild am Shot Head, Adrigole. Bürger dürfen nichts ins Meer werfen, Fischerkonzerne dagegen können zigtausend Tonnen Fäkalien einleiten, ohne Folgen befürchten zu müssen. This is politics.

Wir fragten Don: Wie geht es weiter im Power Play gegen eine mächtige Industrie? Wird die Lachsindustrie sich in Irland durchsetzen? Don sagt: „Schon möglich, dass sie kurzfristig Erfolge erringen. Man muss allerdings bedenken, dass diese Industrie erst seit 40 oder 50 Jahren existiert. Es ist eine typische Boom-Industrie, die eine zeitlang erfolgreich ist, riesigen Schaden anrichtet und dann wieder verschwindet. Ich bin sicher, dass es in 40 oder 50 Jahren keine Lachsindustrie mehr geben wird. Dieser Raubfisch ist völlig ungeeignet zur Zucht. Wir züchten ja auch keine Bären oder Löwen.“

Du siehst hier den Shot Head, ein Stück herrlicher, fast unberührte Natur. Was würde eine Lachsfarm hier anrichten? Don: „Sie würde das Wasser verschmutzen, Krankheiten verbreiten, die anderen Meeresbewohner anstecken, den wilden Lachs ausrotten. Irland ist wohl das ungeeignetste Land, das man sich für die Lachszucht vorstellen kann. Das Klima, das Wasser sind viel zu warm. Wie wir kürzlich gesehen haben, bereitet das riesige Probleme. Unter dem Einfluss der Algenblüte starben die Lachse auch hier in Bantry Bay massenweise.

Fotos: © 2012 www.irlandnews.com

Don Staniford in Irland: „Lachszucht tötet“

Irischer LAchs

Lachs – grün an den Kiemen

Irlands Regierung ist wild entschlossen, entlang der Westküste der Insel eine beträchtliche Anzahl von Lachsfarmen zu installieren — und damit dem Wildlachs endgültig den Garaus zu machen. Von 15 küstennahen Anlagen im Atlantik ist die Rede, am spektakulärsten kommt das geplante Mega-Projekt vor den Aran Inseln in der Galway Bay daher: Dort will eine regierungseigene Gesellschaft (BIM) die weltgrößte Lachsfarm hochziehen und die Lachs-Produktion Irlands auf einen Schlag verdoppeln. Die südlichste Lachsfarm soll in der Bantry Bay bei Adrigole entstehen.

Die auf 42 Hektar angelegte Lachszuchtanlage desw norwegischen Fischerei-Konzerns Marine Harvest würde in der Strömungs-schwachen Bucht immensen Schaden anrichten (Wir berichteten mehrfach, die wichtigsten Berichte finden Sie gesammelt hier): Mehr als eine halbe Million Lachse, gefangen auf engstem Raum in nach unten offenen Tanks, würden Fäkalien im Ausmaß einer Stadt mit 50.000 Einwohnern produzieren, die ungeklärt ins Meer gelangen würden. Das Wasser würde mit Chemikalien und Futterrückständen verschmutzt, Fischgründe zerstört und vorhandene Muschelzuchtanlagen bedroht, die Bucht verschandelt, ohne dass in nennenswertem Umfang neue Arbeitsplätze entstünden. Die Lachs-Industrie arbeitet hochgradig automatisiert und benötigt nur wenig menschliche Arbeitskraft.

Schlimmer noch: Der gezüchtete atlantische Lachs (Salmo salar) ist ein Raubfisch, der in Gefangenschaft nicht gut gedeiht. Er kann nur unter Einsatz zahlreiche giftiger Chemikalien am Leben gehalten werden, er ist gefährlicher Krankheitsträger und -Überträger (Parasiten, See-Läuse, ISA-Virus), er steckt die Wildlachs-Bestände mit den Krankheiten an und dezimiert diese dramatisch. Die geplante Farm in Bantry Bay liegt im Einzugsbereich von sechs Lachsflüssen.

 

Von Parasiten befallener Lachs

Von Parasiten befallener Lachs

Wer glaubt, sich mit einem „schönen Stück Lachs“ oder einem Lachs-Weihnachts-Menü etwas Gutes zu tun, könnte sich grundlegend irren. Der gesunde Wildlachs ist selten geworden, Bio-Zuchtlachs ist lediglich ein grober Etikettenschwindel und den atlantischen Zuchtlachs stufen informierte Mediziner wie Dr. Brendan O’Keeffe als eines der gefährlichsten und gesundheitsschädlichsten Lebensmittel überhaupt ein. Der „Gift-Cocktail“ Zuchtlachs sollte allenfalls alle paar Wochen oder Monate in kleinen Portionen gegessen werden, schwangere Frauen sollten ganz vom Zuchtlachs lassen. Dabei sind die Antibiotika, die Lachsen regelmäßig verabreicht werden, noch die harmlosesten Toxine. Im überdimensionierten Fettgewebe der Zuchtlachse lagern sich Gifte in besonders hohen Konzentrationen ein, während der Gehalt an den gesundheitsfördernden Omega-3-und-6-Fettsäuren (DHA und EPA) wesentlich niedriger ist als beim Wildlachs. Was man im Zuchtlachs alles an pharmazeutischen Rückständen finden kann, beschreibt diese fiktive Speisekarte. Lachsfarm-Gegner sprechen deshalb gerne vom  „Lachs-Pharming.“

Lachs Pharming

Nun wird oft argumentiert, auf Fischzucht kann nicht verzichtet werden, weil die Menschen ernährt werden müssen. Ironischerweise verschärft die rein profit-orientierte Lachs-Industrie, die von weltweit agierenden norwegischen Konzernen wie Marine Harvest dominiert wird, das Welternährungsproblem: Zur Fütterung der Lachse werden die Meere geplündert, für die Produktion von einem Kilo Lachs werden rund fünf Kilo Fisch benötigt. Zudem kommt bei der Lachsmast genmanipuliertes Soja zum Einsatz.

Lachsfarmen töten

Lachsfarmen töten

Die Proteste gegen die Lachsfarmen an Irlands Südwest- und Westküste sind deswegen begründet und haben in der Bevölkerung Zuspruch gefunden. Wie und wann die irische Regierung allerdings entscheiden wird, ist so offen wie das Entscheidungs-Verfahren intransparent ist. Niemand weiß genau, ob, wann und warum der entscheidungsbefugte Landwirtschafts- und Meeres-Minister Simon Coveney seinen Daumen über den Projekten heben oder senken wird. Substantielle bilaterale Verträge zwischen Irland und China über die Großabnahme von irischem Fleisch und Fisch durch die Chinesen lassen darauf schließen, dass das Lachsfarm-Projekt der Regierung Teil eines größeren Planes ist.

Don Staniford in Irland

Ruhe vor dem Sturm: In den vergangenen Monaten ist es ruhig geworden,  die Proteste gegen die Lachsfarm in der Bantry Bay liefen zuletzt eher auf Sparflamme. Nun allerdings kommt neuer Schwung in die Bewegung. Der Umwelt-Aktivist Don Staniford besucht morgen Adrigole, Glengarriff und Bantry. Am Feitagabend wird der „Public Enemy Nummer 1“ der norwegischen Lachsindustrie in Bantry ein Rede halten (19:30 Uhr im Maritime Hotel). Staniford ist Umweltwissenschaftler, der nichts vom akademischen Elfenbeinturm hält. Seit Jahren kämpft er für seine Überzeugungen und gilt neben der Kanadierin Alexandra Morton als profiliertester Aktivist gegen die lebensverachtende Fisch- und Lachszucht-Industrie. Für seine aggressive Kampagne im Stil der Warnhinweise für Zigaretten  (Salmon Farming Kills“ – „Lachszucht tötet“ ) wurde der Brite Staniford von der Lachs-Industrie in Kanada verklagt — und vor Gericht erst kürzlich freigesprochen. Don Staniford, der seit seiner Ausweisung aus Kanada im Frühjahr 2012 in Norwegen lebt, kämpft kompromisslos gegen Lachsfarmen jeglicher Art und für das Leben der Wildlachse. Hoffen wir, dass seine geradlinige Position auch in Bantry Bay möglichst viel Unterstützung findet.

 PS: Don Staniford wird auf seiner Irlandreise von der kanadischen Umwelt-Aktivistin Elena Edwards von Wild Salmon First begleitet.

Mehr Informationen über Don Stanifords Kampf gegen die Lachs-Industrie gibt es hier:

http://salmonfarmingkills.com/scotland-ireland-tour-november-2012

Don Stanifords Blog:

http://donstaniford.typepad.com

http://www.gaaia.org

Alexandra Morton´s Blog:

http://alexandramorton.typepad.com/alexandra_morton/2012/11/the-fish-farm-fight.html

 

Was ist noch Wasser, was schon feuchte Luft?

Wandern in irland mit WanderlustEin Nebelschleier liegt über der Bantry Bay und dem Naturhafen von Trafrask in West Cork, Irland. Er macht es schwer für das menschliche Auge zu erkennen: Was ist noch Wasser, was schon feuchte Luft. Dort unten im kleinen  Hafen versammeln sich im Sommer die Lachse. Seit dem Verbot der Treibnetzfischerei vor einigen Jahren erholen sich die Lachsbestände in den Flüssen, die zur Bantry Bay führen. Langsam zwar, aber zählbar. Die industrielle Lachs-Farm, die östlich von Trafrask Harbnour (also links im Foto) geplant ist, würde diese Fortschritte bei der Wiederansieldung des atlantischen Lachses (Salmo salar) zunichte machen, denn die Krankheiten der qualvoll eng in Konzentrations-Tanks gehaltenen Zuchtfische vernichten die Wildlachs-Bestände.

Foto: © 2012 Markus Bäuchle

Shot Head: Ein einsames Kap auf Beara. Noch?

Shot Head_Beara_Irland

Ein einsames Kap auf der Beara Halbinsel. Seine Spitze ragt weit  in die Bantry Bay hinein. Auf der Spitze Mauern, Teile einer alten Befestigung. Von hier aus wurde wahrscheinlich in früherer Zeit die Bucht verteidigt. Daher der Name: Shot Head — Shot bedeutet Schuss.

Shot_Head_Beara_Irland_by_WanderlustDer Shot Head ist eine abgelegene Gegend, wir  zwölf Jahre an ihr vorbei gefahren, haben sie quasi links liegen lassen.

Shot_Head_Beara_Irland_by_WanderlustJetzt rückt der Shot Head in die Schlagzeilen: Der Fischerei-Multi Marine Harvest will zwischen Shot und Mehal Head eine 42,5 Hektar große Lachsfarm  installieren — und stößt nun auf den Widerstand der Bevölkerung. Zu viel Zerstörung hat Big Fish weltweit schon hinterlassen. Es wäre traurig, wenn auch diese herrliche Natur-Landschaft den Profitinteressen von Big Business geopfert würde.

Shot Head by Wanderlust

Fotos: © 2012 Markus Bäuchle

Widerstand gegen Lachsfarm in der Bantry Bay

lachsfarm in Bantry Bay IrlandAm Samstagabend trafen sich über 100 Bürger von Adrigole, Glengarriff und der weiteren Bantry Bay im Südwesten Irlands zu einer ersten Diskussionsveranstaltung über die geplante Lachsfarm am Shot Head bei Adrigole. Örtliche Fischer, Anwohner, Lachsschützer, Umweltaktivisten und Wissenschaftler kritisierten das Projekt und forderten die fehlenden Partitipations-Rechte ein. Die 42 Hektar große Anlage soll alle 2  Jahre 3,5 Millionen Kilogramm Lachs produzieren, das sind über eine halbe Million Lachse. Der welt weit größte Betreiber von Lachsfarmen, dier norwegische Konzern Marine Harvest, greift derzeit nach der Bantry Bay und stellt weitere Millioneninvestitionen in Aussicht. Eine Bürgerbeteiligung in Form von Information und Anhörungen hat nicht stattgefunden, nun fordern die Menschen vor Ort einen Aufschub der Entscheidung und umfassende Informationen vom Meeresministerium. Marine Harvest hat in vielen Meeresanrainerstaaten der Welt eine Spur der Zerstörung hinterlassen. Lachsfarmen in Meeresbuchten gelten generell als massive Beeinträchtigung für die Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen. Ziel Nummer eins des Bürgerprotests gegen die geplante Lachsfarm ist erreicht: Marine Harvest wird keine schnelle Lizenz erhalten und wird sich mit den Argumenten der Anwohner auseinandersetzen müssen. Die Bürgerinitiative informiert aktuell auf der Website www.savebantrybay.org . Save-Bantry-Bay hat zudem eine eigene Facebook-Seite eingerichtet. (Eigene Nachricht www.irlandnews.com)

Ein umstrittenes Projekt verändert das Leben

Lachsfarmen in IrlandIm Bergwerk der Ja-Sager: Die vergangenen drei Tage verschwanden wir unversehens in einem sich auftürmenden Berg von Arbeit. Eine große Lachsfarm mit 500.000 Tieren zwischen der schönen Beara-Halbinsel und dem wilden Sheeps Head soll in letzter Minute verhindert werden. Deshalb heute noch einmal das Thema des Monats Februar: Lachs-Farm in Bantry Bay. Nein zur Farm. Ja zum Leben, zur Behutsamkeit, zu lokalen Fischgründen, zu sauberem Wasser und einem intakten Öko-System. Hier noch einmal die Vorgeschichte:

Der norwegische Fischerei-Konzern Marine Harvest will in Irlands südwestlicher Bucht Bantry Bay eine 42 Hektar große Lachs-Farm installieren. Der Multi, der ein Drittel des Zuchtlaches in der Welt herstellt, hat nach fast zwei Jahren Vorbereitung am 14. Januar einen offiziellen Antrag für den Bau der Anlage am Shot Head auf der nördlichen Seit der Bucht in West Cork gestellt. Der Fischerei-Gigant, der international für die von ihm verursachten Umweltschäden in der Kritik steht, ist der größte Zuchtlachsproduzent der Welt und hat weltweit eine Spur der Zerstörung hinterlassen. Der Versuch von Marine Harvest, in der Dunmanus Bay, einer Nachbarbucht der Bantry Bay, Fuß zu fassen (wir berichteten), scheiterte im vergangenen Jahr am entschlossenen Widerstand der Bewohner. Nun kartet Marine Harvest in der Bantry Bay nach und lockt die Bevölkerung mit neuen Arbeitsplätzen: Allerdings sollen langfristig gerade einmal zwei neue Arbeitsplätze entstehen. Die Bewohner der Bantry Bay befürchten dagegen eine massive Verschmutzung und Verunreinigung der Gewässer durch Chemikalien, Antibiotika und Krankheitserreger, sowie die Ausrottung der Wildlachs- und anderer Wildtierbestände. Soweit die bis zum vergangenen Wochenende bekannte Geschichte. Hier nun einige neue Erkenntnisse:

1. Die lokal vor allem mündlich verbreitete Einspruchsfrist hat sich als falsch erwiesen. Es ist nicht der 22. Februar, wie man dachte, sondern der 13. Februar, also schon der kommende Montag. Mangels einer funktionierenden lokalen Verwaltung bleiben auch die Planungs- und Genehmigungsverfahren in Irland Kinder der Dunkelheit. Klare Informationen zu Verfahren und Terminen gibt es, nur findet und kennt sie meist keiner. Die Einspruchsfrist gegen den Bau der Lachsfarm war in einer kleinen Notiz auf auf Seite 31 der Lokalzeitung „Southern Star“ versteckt.

2. Hinter den Kulissen war bis zum Wochenende viel gemurmelt und gemutmaßt worden. Eine öffentliche Diskussion über das Lachsfarmprojekt, das massive Auswirkungen auf die Region haben würde, gab es nicht. Mit Ausnahme eines Jubelartikels am 14. Januar in der Lokalzeitung, der die Entstehung neuer Arbeitsplätze feiert und die Politiker aufzählt, die das Begehren von Marine Harvest unterstützen. Kein Wort davon, dass die Region, abgesehen von zwei Arbeitsplätzen (die auf lange Sicht zahlreiche andere Arbeitsplätze vernichten) von dieser norwegischen Lachsfarm in keiner Weise profitieren wird und auf der anderen Seite alle negativen Auswirkungen zu tragen hätte.

3. Mit Hilfe der modernen Online-Medien schrumpfen Monate zu Tagen oder gar Stunden: Innerhalb kürzester Zeit fanden Menschen, Gruppen, Initiativen über E-Mail, Websites, Blogs und ja, Facebook, zusammen und organisierten sich. Die Blog-Website www.savebantrybay.org steht seit Dienstag im Netz und arbeitet für die Kommunikation und Koordination der Lachsfarmgegner. Man kann schon jetzt sagen: Der Plan einer geräuschlosen Genehmigung der Lachsfarm ist gescheitert. Die Leute in der gesamten Bay sind alarmiert, überall tauchen nun Poster auf : „No Salmon Farm“.  Übermorgen, am Samstag, dem 11. Februar, findet in Adrigole auf der Beara Peminsula, die erste öffentliche Veranstaltung zur Lachsfarm am Shot Head statt.

4. Die Betreiber des Projekts und ihre Unterstützer halten sich bislang noch zurück. Sie müssen sich umsortieren, weil sie mit einer öffentlichen Diskussion, zumal mit einer sich explosiv verstärkenden, nicht mehr gerechnet hatten. Die Bewegung gegen die Industrie-Anlage zur Massenproduktion von minderwertiger Nahrung wird offen unterstützt von örtlichen Fischerei-Koooperativen, Angelvereinen, Tourismusverbänden, von Anwohnern, örtlichen Unternehmen, besorgten Bürgern und einigen Politikern.

5. Die Frontlinien verlaufen quer zu den traditionellen Öko-Konflikten, die lokale Gemeinschaft lebt im Umbruch. Es gilt nicht mehr: bekannt gegen fremd, Local gegen Blow-in, Einheimische gegen Zugezogene. Der amerikanische Ferienhausbesitzer, der irische Fischer, die britische Umweltschützerin, die schweizer Wahl-Irin, der deutsche Autor und der irische Betreiber eines Bed & Breakfast arbeiten Hand in Hand, ziehen an einem Strang zum Schutz „ihrer“ Bucht.

6. Das Ergebnis ist offen. Das Etappenziel: Irlands Agrarminister Simon Coveney und das Meeres-Ministerium sollen zustimmen, dass vor einer Entscheidung für oder gegen die Lachsfarm am Shot Head eine offizielle öffentliche Informationsveranstaltung stattfindet. Es ist die Entscheidung: „Demokratie vs. Bananen-Republik“

Aktuelle Informationen zum Thema finden Sie auf: www.savebantrybay.org

Foto: Ausschnitt aus der Dokumentation „Lachsfieber“. Empfehlenswert. Zu beziehen bei Anaconda Film.

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