Dublin Tipps: Wettschwimmen in der Liffey

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Das berühmte Wettschwimmen in Dublins Fluss Liffey findet an diesem Samstag statt

 

In dieser Woche ist wieder so Einiges los in Dublin. Ein abwechslungsreiches Programm wartet auf die Besucher:

:: GAZE Festival, (Montag, 01. August), 12:00 Uhr bis 23:00 Uhr, Market Square, Smithfield; In diesem Sommer kehrt das GAZE International Filmfestival zurück nach Dublin. Dieser Tag ist der letzte des Festivals und bietet Besuchern einen Einblick in das aktuelle Filmgeschehen und die neuesten Produktions-Trends. Fokus in diesem Jahr bilden Filme rund um das 1916 Rising. Mehr Informationen gibt es hier.

:: The Church Bar, (Dienstag, 02. August), täglich von 10:30 Uhr bis 24:00 Uhr, Jervis Street, Dublin 1; Dieses Restaurant mit angeschlossener Bar ist etwas ganz Besonderes in Dublins kulinarischer Szene: Die historischen Mauern der alten Kirche bieten der The Church Bar eine gemütliche Atmosphäre. Im unteren Geschoss befindet sich eine große Bar mit Theke und eine Etage höher ist das Restaurant untergebracht. Sowohl Bar als auch Restaurant bieten ein gutes und abwechslungsreiches Menü.IMG_0668

:: Ari Shaffir, (Mittwoch, 03. August), 18:45 Uhr bis 20:00 Uhr, International Bar Dublin, 23 Wicklow Street; Ari Shaffir ist ein US-amerikanischer Komiker, Schauspieler, Autor und Produzent. Er ist der Moderator des Podcast Skeptic Tank, die ihn populär gemacht hat. Mit seiner Comedy-Show ist Ari Shaffir nun zum ersten Mal zu Gast im irischen Dublin.

:: Once – The Musical, (Donnerstag, 04. August), 19:00 Uhr bis 22:00 Uhr, Olympia Theatre Dublin; Das mehrfach preisgekrönte Musical ist ein Fest der Musik, der Liebe und der Stadt Dublin: Ein Straßenmusiker trifft in der irischen Hauptstadt auf eine junge tschechische Immigrantin, die als Blumenverkäuferin arbeitet. Die beiden freunden sich an und entdecken ihre gemeinsame Begeisterung für die Musik. Der gleichnamige Film aus dem Jahr 2007 ist Vorbild für diese Inszenirung, die im historischen Olympia Theatre noch bis Ende August zu sehen ist.

:: Jumping in the City, (Freitag, 05. August), 17:00 Uhr bis 23:00 Uhr, South Lotts Road; Diese Veranstaltung gewann den Preis für die „beste Innovation im Sport“ bei den Irish Sport Federation Awards 2015 und in diesem Jahr kehrt es für einen weiteren Abend voller Action und Unterhaltung zurück: Jumping in the City. Besucher genießen Weltklasse-Springreiten und eine schöne Atmosphäre im Shelbourne Park. Mehr Informationen und Tickets gibt es hier.

:: Dublin City Liffey Swim, (Samstag, 06. August), 13:30 Uhr bis 17:30 Uhr, Startpunkt: Watling Street; Das Dublin City Liffey Swim ist, laut der eigenen Website, einer der bekanntesten Schwimmen dieser Art. Das erste Rennen fand im Jahr 1920 statt, seitdem hält sich diese Tradition in der irischen Metropole. Hunderte von Männern und Frauen konkurrieren in diesem Wettschwimmen jährlich und damit locken die Veranstalter Schwimmfreunde aus aller Welt an. Mehr Informationen gibt es auf deren Website.

:: Dublin Mountains Walk, (Sonntag, 07. August), 11:00 Uhr bis 13:00 Uhr, Startpunkt: Barnaslingan Wood; Mit diesem Sonntagmorgen-Spaziergang erleben Besucher die verschiedensten Blickwinkel auf die Stadt Dublin. Abwechslungsreiche Zwischenstopps markieren jeweils schöne Aussichtspunkte. Der Wanderweg führt durch die Natur, die die Stadt Dublin umgibt. Zu dieser Führung erhält man freien Eintritt. Mehr Informationen gibt es hier.

 

Mit diesen Dublin-Tipps wünsche ich Euch eine schöne Woche in der irischen Hauptstadt, Eure Nadine

 

Nadine EckmannDie Autorin: Nadine Eckmann hat Theologie und Medienwissenschaften studiert. Sie lebt seit September 2015 in Dublin und absolviert einen Europäischen Freiwilligen-Dienst bei der Organisation „Friends of the Elderly Ireland“. Mit ihrem plüschigen Reisebegleiter „Zoe“ erkundet sie die Insel und vor allem die Hauptstadt Dublin. 

Alle Fotos: Nadine Eckmann

Dublin Tipps: Ein Ausflug nach Glendalough

Glendalough

Glendalough ist nicht weit von Dublins City entfernt und  immer ein Besuch wert 

Was ist in dieser Woche in Irland Haupstadt Dublin los? Hier wieder unsere Tipps: Filmvorführungen, Tagesausflüge, Workshops – es gibt viel zu erleben. Und wer der Stadt einmal entfliehen will: Glendalough ist nicht weit.

:: Sing Street, (Montag, 11. Juli), 17:00 Uhr bis 19:00 Uhr und 20:00 Uhr bis 22:00 Uhr, Marine Road, Dún Laoghaire; Der Film Sing Street spielt in den 1980er Jahren in Dublin. Eine schlechte wirtschaftliche Lage hat das Land ergriffen und zwingt den 15 Jahre alten Connor von seiner komfortablen jesuitischen Privatschule zu einer öffentlichen Schule zu wechseln – der Christian Brothers School. Dieser Film, gedreht von Regisseur John Carney Anfang diesen Jahres, ist voller Nostalgie und Charme. Zuschauer entdecken, wie Musik ein Leben verändern kann. Das bekannte Pavillon Theatre, das im Jahr 1903 eröffnet wurde, bietet ein schönes Ambiente für diesen Filmabend.

:: Silk Worm Summer Club, (Dienstag, 12. Juli), 11:00 Uhr bis 12:30 Uhr, Chester Beatty Library, Dublin Castle, Dublin 2; Besucher genießen in der Chester Beatty Library eine Woche voller kreativer Workshops, die von der persischen Kunst und der Ausstellung Lapis und Gold inspiriert wurden. Erzählt wird die Geschichte des Ruzbihan Qur’an. Im 6. Jahrhundert vor Christus erstreckte sich das persische Reich von Nordgriechenland und Zentralasien nach Indien. In der Mitte des 16. Jahrhunderts wurden dort zudem Kopien des Heiligen Korans produziert, die man unter dem Volk verbreiten wollte. In dieser Woche erfahren die Besucher der Chester Beatty Library alles über die Ausstellung und über die bedeutenden Kunstwerke der damaligen Zeit. Verschiedene Workshops (siehe auch weiter unten) und Führungen lassen den Besucher tiefer in die persische Welt eintauchen.

IMG_0668:: Ausflug nach Glendalough, (Mittwoch, 13. Juli), ganztägig; Glendalough ist ein Tal in den Wicklow Mountains, das in etwa einer Stunde Fahrtzeit von Dublin aus zu erreichen ist. Es ist berühmt für seine Klostersiedlung. Das wohl bekannteste Monument der Klosteranlage ist der etwa 30 Meter hohe Rundturm, der errichtet wurde, um religiöse Reliquien zu schützen. Das Glendalough Visitor Center bietet Besuchern umfangreiche Informationen zur Geschichte des Ortes. Neben den historischen Sehenswürdigkeiten gibt es mehrere gut ausgeschilderte Wanderwege verschiedener Schwierigkeitsgrade. Mit einem Linienbus direkt von der Innenstadt oder auch einer gebuchten Tour ist dieser Ort von Dublin aus schnell erreichbar.

:: Ireland: A Survivor´s Guide, (Donnerstag, 14. Juli), 13:00 Uhr bis 14:00 Uhr, 23 Wicklow Street, Dublin 2; Für alle Freunde des Humors empfiehlt sich diese Veranstaltung. Die zentrale Frage des Comedy-Abends lautet: Wie überlebt man (einen Besuch in) Irland? Wenn man einen Iren auf der Straße fragt könnte dieser vorschlagen, dass man am besten immer einen Regenschirm dabei haben sollte. High Rock Productions haben gründlich recherchiert was man braucht, um in Irland eine gute Zeit zu verbringen – und sie haben eine erfolgreiche Comedy-Show daraus gemacht. Gerade für Neulinge auf der Grünen Insel bietet das Event viel Witz und gleichzeitig wichtige Fakten zur Kultur und Historie des Landes.

:: The Happy Pear Restaurant, (Freitag, 15. Juli), 9:00 Uhr bis 21:00 Uhr, Church Road, Greystones; Es nennt sich „The Happy Pear“ und ist eine der Top-Restaurant-Adressen des Landes. Die Zwillingsbrüder David und Stephen Flynn entschieden, sich vor einigen Jahren ein Restaurant bzw. Café zu eröffnen, das sich auf Bio-Produkte und eine gesunde Lebensweise ausrichtet. Nach der Eröffnung des ersten Cafés folgte aufgrund des großen Erfolgs bald die Veröffentlichung eines Kochbuches der Brüder – es wurde zu einem Bestseller. Unter dem Motto „Simple, exciting, delicious food for a happier, healthier you!“ verkaufen die beiden Flynns Kochbücher und eigene Produkte. Das Restaurant bietet eine ausgefallene Küche mit bunten Rezepten und einladendem Ambiente.

:: The Cove, (Samstag, 16. Juli), 19:15 Uhr bis 22:15 Uhr, 41 Fenian Street, Dublin 2; Ric O’Barry, in den 60er-Jahren der Trainer von Flipper, kämpft seit einem tragischen Vorfall mit ganzer Leidenschaft gegen die Industrie, die diese intelligenten Tiere gnadenlos ausbeutet: Mit Delfinarien, Delfin-Shows und Delfintauchgängen entstand ein global florierendes Geschäft. Weltweit engagiert er sich gegen den Fang von Delfinen und macht politische Interessen öffentlich, die oft hinter dem Geschäft mit den Meeressäugern stehen. Im O’Callaghan Alexander Hotel wird an diesem Abend der berührende Film The Cove mit dem Tierschutzaktivisten Ric O’Barry gezeigt. Sam Lipman von Orca Aware und Samantha Goddard von der Born Free Foundation werden für Fragen und eine Diskussionsrunde zur Verfügung stehen. Eine Tombola, Live-Musik und Getränke von der Bar runden den Abend ab.

:: Arabic Calligraphy Workshop, (Sonntag, 17. Juli), 14:00 Uhr bis 16:00 Uhr, Chester Beatty Library, Dublin Castle, Dublin 2; Gemäß islamischer Lehre übergab Allah den Koran an Mohammed in arabischer Sprache und Schrift. Im Laufe der Zeit ergaben sich hieraus Änderungen des Korans – Abwandlungen in der Form, aber keine Veränderungen an Inhalt und Bedeutung. Die arabische Kalligraphie entstand. Heute ist diese eine Kunst, die erlernt werden kann. In diesem Workshop in der Chester Beatty Library können unter Anleitung erste Zeichnungen angefertigt werden. Der Workshop ist Teil des einwöchigen Aktionsprogramms in diesem Muesum (siehe weiter oben). Eine vorherige Buchung für diesen Nachmittag ist empfehlenswert. Alle benötigten Materialien werden gegen eine kleine Gebühr vor Ort bereitgestellt.

In diesem Sinne wünsche ich Euch wieder viel Spaß in der irischen Hauptstadt, Eure Nadine

 

Nadine EckmannDie Autorin: Nadine Eckmann hat Theologie und Medienwissenschaften studiert. Sie lebt seit September 2015 in Dublin und absolviert einen Europäischen Freiwilligen-Dienst bei der Organisation „Friends of the Elderly Ireland“. Mit ihrem plüschigen Reisebegleiter „Zoe“ erkundet sie die Insel und vor allem die Hauptstadt Dublin.

Alle Fotos: Nadine Eckmann

Dublin-Tipps: Riverdance und Beyoncé live

Riverdfance - diese Woche live daheim in Dublin.

Riverdance – diese Woche live daheim in Dublin.

Es ist Juli. Hier unsere Veranstaltungs-Tipps für Irlands Hauptstadt Dublin in der neuen Woche. 

:: Einkaufen im Powerscourt Centre, (Montag, 04. Juli), 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr, 59 South William Street, Dublin 2; Das Powerscourt Townhouse Centre ist nur wenige Schritte von der Grafton Street im Stadtzentrum entfernt. Es ist ein historisches Gebäude, das schon allein wegen der Innen- und Außenarchitektur einen Besuch wert ist. Heute beherbergt es ein Einkaufszentrum mit Restaurants, Bars, Kunst- und Antiquitätengalerien, Schmuck und Geschenkläden, Haar- und Beauty- Salons und Shops mit aktueller Mode und Accessoires. Viele Geschäfte verkaufen in Irland hergestellte Ware.

:: Sightseeing-Tour mit dem Fahrrad, (Dienstag, 05. Juli), mehrmals täglich, Fade Street, Dublin 2; Mit den Dublin City Bike Tours können Besucher die Hauptstadt und ihre Sehenswürdigkeiten auf dem Rad erkunden. Es ist eine gute Gelegenheit, viele Informationen zur Vergangenheit und Gegenwart der Stadt zu erfahren. Die Bike-Touren bieten, fernab von den Sightseeing-Bussen, eine informative Möglichkeit, die City und ihre Umgebung kennen zu lernen. Mehr Infos gibt es hier.

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:: Photo Ireland Festival 2016, (Mittwoch, 06. Juli), 10:00 Uhr bis 23:00 Uhr, 4 Temple Bar, Dublin 2; Das Festival konzentriert sich auf die Vielfalt der irischen Fotografie und Bildkultur. Arbeiten von geschätzten Fotografen und die von jungen und lokalen Newcomern werden an mehreren Standorten präsentiert, zum Beispiel in den National Botanic Gardens oder am Dún Laoghaire Pier.

:: The Statics, (Donnerstag, 07. Juli), 20:00 Uhr bis 21:30 Uhr, 25 Wexford Street, Dublin 2; The Statics sind eine Indie-Band aus Dublin, die mit ihrer energiegeladenen Musik punkten. Seit der Gründung im Jahr 2010 begeistern sie ihre Zuschauer. Das Trio mit Liam Gardner als Sänger und Gitarrist, Daragh O’Connell als Sänger und Bassist und Jacqueline Campion am Schlagzeug präsentiert am Donnerstag ihr neues Studio-Album.

:: Tunes in the Church, (Freitag, 08. Juli), 19:30 Uhr bis 21:30 Uhr, Dublin Unitarian Church 112 St. Stephen´s Green West, Dublin 2; Die erfolgreiche Konzertserie, zunächst in Galway gegründet, kommt in diesem Jahr erstmals nach Dublin. Traditionelle irische Musik und Möglichkeiten zum persönlichen Gespräch mit den Musikern bieten eine besondere Abendunterhaltung.

:: Beyoncé, (Samstag, 09. Juli), 17:00 Uhr bis 21:00 Uhr, Croke Park, Jones Road, Dublin 3; Beyoncé ist eine der erfolgreichsten Künstlerinnen aller Zeiten. Sie verkaufte mehr als 160 Millionen Tonträger und wurde mit 20 Grammys, mehreren BRIT Awards und MTV Music Awards ausgezeichnet. 2003 veröffentlichte sie ihr erstes Soloalbum, das direkt auf die Top-Position der Charts schoss. Die Singles „Crazy in Love“ und „Baby Boy“ schafften es ebenfalls auf Platz 1. Am Samstag ist die Künstlerin, die mit der gekonnten musikalischen Abrechnung mit ihrem Gatten gerade für Furore sorgte, zu Gast in Dublin.

:: Riverdance, (Sonntag, 10. Juli), 17:00 Uhr bis 19:00 Uhr, Gaiety Theatre, South King Street, Dublin 2; 1994 erstmals im Rahmen des Eurovision Song Contests in Dublin aufgetreten, hat die erste irische Tanzshow der Welt, Riverdance, mittlerweile Geschichte geschrieben. Über 11.000 Auftritte in 46 Ländern mit mehr als 25 Millionen Zuschauern kann das Tanzspektakel vorweisen. Anhand unterschiedlicher Choreografien und kleinen Gesangsparts erzählt Riverdance die Geschichte Irlands. Zusammen mit der live gespielten, traditionellen Musik wird die Seele Irlands in den perfekt abgestimmten, rasend schnellen Bewegungen des Ensembles greifbar. Nun ist Riverdance nach einer Deutschland-Tournee zurück in ihrer Heimat – und live zu sehen im Gaiety Theatre in Dublin.

In diesem Sinne wünsche ich Euch viel Spaß in der irischen Hauptstadt, Eure Nadine

 

Nadine EckmannDie Autorin: Nadine Eckmann hat Theologie und Medienwissenschaften studiert. Sie lebt seit September 2015 in Dublin und absolviert einen Europäischen Freiwilligen-Dienst bei der Organisation „Friends of the Elderly Ireland“. Mit ihrem plüschigen Reisebegleiter „Zoe“ erkundet sie die Insel und vor allem die Hauptstadt Dublin. 

Fotos: Riverdance (oben); Nadine Eckmann

The Grudge: Die irische Kunst des Übelnehmens

The Grudge

Petra Dubilski über die irischen Parade-Disziplinen Übelnehmen und Missgunst.

Es gibt eine (un)schöne Tradition im freundlichen Irland, nämlich das ewige Grummeln über Generationen hinweg. Es gibt Familien, vor allem auf dem Land, die können sich seit Generationen nicht ausstehen. Man möchte gerne sagen, dass keiner mehr weiß warum. Aber dem ist nicht so. Der Ire an sich und für sich hat ein sehr langes Gedächtnis für Feindseligkeiten – genannt The Grudge.

Grudge 2Das sollten vor allem fröhliche Zuwanderer bedenken, bevor sie irgendeine Meinung äußern. Nicht umsonst drehen sich Gespräche hauptsächlich um das harmlose Thema Wetter – obwohl auch das für Ausländer eine Falle sein kann, wenn sie über den ewigen Regen auf dieser verdammten Insel schimpfen, während der Ire von einem “soft day” spricht, heißt: Es pisst nicht aus dem Himmel, es ist halt nur ein bisschen feucht. Und von wegen verdammte Insel! Irland an sich zu beleidigen kann zu was führen? Genau. The Grudge.

Aber Blow-Ins, Hereingewehte, wie die Zugezogenen hier bekanntermaßen heißen, wird eigentlich eine Menge verziehen. Sie wissen es halt nicht besser und eigentlich sind sie auch nicht wirklich wichtig – solange sie sich nicht in Dinge einmischen, die sie nichts angehen, und niemals einem Iren widersprechen. Wie mir mal durchaus freundlich gesagt wurde: “You are part of the village, but not part of the parish.”

Zurück zum Grudge. Es gibt Familien, die führen ihre gegenseitige Aversion bis auf den Bürgerkrieg 1922/23 zurück, als die Vorfahren auf jeweils feindlichen Seiten standen (für oder gegen den anglo-irischen Vertrag, der letztlich zur Abspaltung Nordirlands führte und bis heute in gewissen Kreisen, nun ja, umstritten ist). Da passiert es schon, dass heutigen Kindern eingeredet wird, nicht mit gewissen anderen Kindern zu spielen, weil der Ururgroßvater auf der falschen Seite stand. Was den Kindern meist schnurz ist, aber den Grudge nicht aus der Welt schafft. Es zeigt sich bis heute im Wahlverhalten für die Parteien, die damals für oder gegen den Vertrag waren und noch heute existieren. Grudge!, wenn die falsche Partei gewählt wird.

The Grudge kann aber auch aus ganz banalen Dingen entstehen, sei es ein falsches Wort nach dem fünften Pint im Pub oder sei es die Auseinandersetzung um Land oder auch nur um einen gefällten Baum. The Grudge kann auch einen Dorfpriester befallen, wenn er altgedienten Damen die Aufgabe des kirchlichen Blumenschmucks entzieht, um sie jemand anderem zu übertragen. Das wird nie und nimmer verziehen und kann zum Wechsel in eine andere Kirchengemeinde führen. Eine wie auch immer falsche Predigt übrigens auch.

Die Auflösung des Grudge wäre nach vernünftigem Ermessen, sich einfach mal zu treffen und seinen Ärger zu diskutieren. Dann erfährt vielleicht auch der Betroffene, warum ihn keiner mehr lieb hat und man kann das Problem lösen. Im besten Fall natürlich nur.

Aber Iren kennen das linke deutsch-urbane Prinzip des “Zusammensetzens, um sich auseinanderzusetzen” nicht. Dörfliche Iren sind außerordentlich diskussionsscheu, wenn es um Auseinandersetzungen geht. Da geht man lieber zum Anwalt oder noch besser: Man hält The Grudge. Dauert länger, kostet nichts und gibt Gesprächsstoff für Jahre, ach was sage ich, Generationen! Im schlimmsten Fall greift der Farmer zum Gewehr. Auch schon wegen eines Grudge vorgekommen.

Wird man als Blow-In Opfer eines Grudge, bedeutet es, dass man wirklich angekommen ist, also nix da von wegen “gehört nicht dazu”. Kann man als Ehre sehen oder auch nicht. Aber dann kommen auch, meist weil bessere Argumente fehlen, die ausländerfeindlichen Bemerkungen. Ist aber Teil des Grudge und sollte Ausländer nicht kratzen. Wirklich. Es könnten genauso gut frauenfeindliche Spitzen sein oder Aversionen gegen Haarfarbe, Tierliebe/-hass, Essensgewohnheiten (“feckin vegetarians!”) oder religiöse Vorlieben (“effin Protestant/Buddhist/Atheist!”) und hat im Prinzip nichts mit den wahren Gefühlen zu tun, sondern schlicht und ergreifend mit The Grudge.

Und wo wir schon mal beim Grudge sind: Es gibt da noch die Variante des Begrudgery. Das ist das grünäugige Monster der Missgunst, geht oft Hand in Hand mit dem Grudge und trifft in der Regel Leute, die aus dem alten Trott ausbrechen oder ganz neue Ideen vermitteln wollen.

Dieses Monster taucht immer dann auf, wenn sich jemand für “etwas Besseres” hält. Die Tochter des Farmers studiert? Stuck-up bitch, was denkt sie denn wer sie ist. Der Pubbesitzer versucht, halbwegs gute Küche einzuführen? Ja was glaubt er denn, wer er ist! Gordon-fecking-Ramsey?

Jeder persönliche Erfolg anderer Zeitgenossen ist eine Beleidigung für jene, die erfolglos vor sich hinwurschteln. Und das wird übelgenommen. Und kann zum lebenslangen Grudge führen.

Ah, The Grudge! Was wäre das Dorfleben ohne ihn!

 

Die Autorin: Petra Dubilski, geboren und aufgewachsen in Berlin, mit längeren Zwischenstationen in Baden und Schwaben, studierte an der Uni Freiburg und der FU Berlin alles mögliche, was die Welt und den Menschen erklären könnte, mit Abschluss in Soziologie. Nach Jahren in meist sozialen oder kreativen Berufen arbeitete sie als Redakteurin bei einer überregionalen Tageszeitung, machte sich anschließend selbstständig und schrieb Reisebücher. Heute lebt sie als freie Autorin und Übersetzerin in Irland, wo sie sich seither mit Realitäten auseinandersetzt, die sie seit über 18 Jahren auf der grünen Insel noch immer verblüffen – und faszinieren.

Eine Auswahl von Petras Büchern gibt es hier.

 

Fotos: Google Search; privat.

Sláinte! Das Pint muss beim Wegtragen tropfen

Irland Pint

Wann ist ein Pint ein Pint? Foto: Peter Zoeller

Wer zum ersten Mal Irland besucht, mag die Iren für großzügig und spendabel halten. Er mag damit recht haben und dennoch falsche Schlüsse gezogen haben. Wer etwa denkt, das Bier-Glas im Pub sei immer über die Maßen ordentlich gefüllt, weil es fast überläuft, der verkennt: In das traditionelle Pint-Glas passt bis zum Rand genau ein Pint, das sind 20 flüssige imperiale Unzen, was genau 0,568 Litern entspricht.

Wer also in Irland ein Pint trinkt, trinkt meist aus einem bis zum Rand gefüllten Halbliterglas — und er trinkt über zehn Prozent mehr als bei einer bayrischen „Halbe“ (dafür hat das irische Dunkelbier Stout mit 4,2 Prozent deutlich weniger Alkohol als das deutsche Export-Bier mit über fünf Prozent). Ist das Pint-Glas (Foto unten) normal eingeschenkt, wie man es aus deutschen Wirtshäusern kennt, dann enthält es allenfalls einen halben Liter — was jeden biertrinkenden Iren empören würde  — im Gegensatz zum Bayern, der sich in vielen Brauhäusern schaumige 45o Mililiter unwidersprochen als halben Liter andrehen lässt. Deshalb: Das Pint Guinness oder Murphy’s muss im Zweifelsfall beim Wegtragen tropfen, sonst ist es keines. Zumindest kein Pint.

Pint Glas in Irland

Es sei denn, es kommt im feschen Import-Glas daher, wie es neuerdings in den Pubs auftaucht: etwa im etxtra-großen Weißbierglas von Paulaner (Foto oben), das deutlich unter dem Rand voll ist und das nur bis zum Eichstrich eingeschenkt wird. Am Strich ist zu lesen: „Pint to Line“. Sinngemäß:  Wenn Strich erreicht, dann Pint!

Das wäre also geklärt. Und übrigens: Wenn Sie von einem Iren im Pub aus heiterem Himmel zum Pint eingeladen werden, dann ist das auch kein Zeichen von Großzügigkeit. Er wartet dann darauf, dass Sie ihm das zweite Pint bezahlen, während er das dritte wieder übernehmen würde. So trinkt man sich gemeinschaftlich per Wechselzahlung in einer berauschenden Nacht der Sperrstunde entgegen.

In diesem Sinne: Sláinte. Prost. Zum Wohl.

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Was ist eigentlich das Wahrzeichen von Dublin?

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Die alte Bibliothek, Old Library, im Trinity College in Dublin

Das Wahrzeichen von Dublin. Die irische Hauptstadt Dublin ist eine impulsive und moderne Metropole, die sich ihre historisch gewachsene Eigenheit in Teilen bewahren konnte. Zu jedem Dublin-Besuch gehört die Erkundung der typischen Sehenswürdigkeiten. Da sollte das Wahrzeichen der Stadt nicht fehlen. Paris kann den Eiffelturm sein eigen nennen, Pisa schmückt sich mit dem schiefen Turm, Londons Big Ben läutet täglich für die vielen Besucher — und Dublin, was steht eigentlich typischerweise für Dublin? Das eine Wahrzeichen, das für Dublin steht, gibt es das? Dublin hat viel Geschichte und viel Kultur, dennoch begeben sich Reiseführer wie Einheimische bisher auf eine eher unsichere Suche nach dem Wahrzeichen der irischen Hauptstadt.

Ein Wahrzeichen – was ist das? Lexika definieren ein Wahrzeichen als ein typisches Merkmal, Erkennungszeichen oder Symbol, durch das geografische Objekte jeglicher Art, insbesondere auch bewohnte Orte und Städte, charakterisiert werden. So weit, so gut. Die Suche nach Dublins typischem Kennzeichen kann beginnen.

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„The Spire“ auf der O´Connell Street

Eine Nadel als Navigationssystem. Viele Touristen steuern nach ihrer Ankunft in der Hauptstadt die „Spitze“ oder „Nadel“ an, unter den Einwohnern auch Needle genannt. Ganz offiziell wird die große Skulptur, die auf Dublins O´Connell Street steht, als Monument of Light bezeichnet. Das „Denkmal des Lichts“ sollte zum neuen Millennium anfang 2000 fertig sein, das aber klappte nicht. Es ragt knapp 120 Meter gen Himmel, ist 126 Tonnen Stahl schwer und steht seit dem Jahr 2003 in Dublins Zentrum, dort wo sich zwei Hauptverkehrsachsen kreuzen.

Eine Bombe der IRA zerstörte im Jahr 1966 Nelson´s Pillar, das ursprüngliche Denkmal für Lord Nelson, das an gleicher Stelle stand. Die neue Konstruktion sollte das Wahrzeichen der Stadt werden. Ob sie das geschafft hat? The Spire hat sich bisher  zumindest als Orientierungspunkt behaupten können. Von fast jedem Ort der Stadt ist das riesige Denkmal zu sehen. Aber ein wirkliches Wahrzeichen ist es bis heute wohl nicht geworden. Besuchern des überdimensionalen Metallkonstrukts wird schnell klar, dass „The Needle“ heute, besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, eher als Treffpunkt und weniger als ein „Must-See“ der Stadt gilt.

 

Die schöne Molly Malone. In der Nähe der Grafton Street lässt sich ein weiteres oft fotografiertes Denkmal bestaunen: Die Statue der Molly Malone. Molly Malones gab es in Irland vermutlich viele, doch eine Fischhändlerin aus Dublin machte ihren Namen in aller Welt bekannt.

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Die Statue von Molly Malone, zu sehen in der Suffolk Street

Ob Molly tatsächlich existiert hat, wird immer noch diskutiert. Obwohl viele irische Geschichten – auch die von Molly Malone – oft ein wehmütiges Ende haben, sind die Iren nicht als lange trauerndes Volk bekannt. Weltberühmt wurde Molly Malone durch das irische Volkslied „Cockles and Mussels“, das als die inoffizielle Hymne von Dublin gilt. Regelmäßig wird das Lied, direkt vor ihrer Statue, von Einheimischen und Touristen angestimmt. Molly Malone ist zwar traditionsreich genug, um als Bronzestatue ein echtes Erkennungszeichen zu sein, dennoch fehlt ihr das „gewisse Etwas“. Sie ist für die Stadt lediglich eine Möglichkeit, viele Touristen in die Innenstadt und die naheliegenden Einkaufsstraßen zu locken. 

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Die beeindruckende Innenarchitektur der Bibliothek im Trinity College

Eine Bibliothek mit großer Tradition. Die Trinity College Library Dublin zählt zu den bedeutendsten Forschungsbibliotheken der Welt und besitzt die größte Sammlung von Handschriften und Büchern in Irland. Die Bibliothek hat einen Bestand von fast drei Millionen Büchern, die in acht Gebäuden untergebracht sind. Diese besteht, seit das Trinity College 1592 von der Königin Elizabeth I. gegründet wurde. Das älteste erhaltene Gebäude ist die Old Library. Die Hauptkammer, der Long Room, ist fast 65 Meter lang und beherbergt rund 200.000 der ältesten Bücher der Bibliothek. Er ist die Hauptattraktion für Besucher des Trinity College. Das Bauwerk beherbergt auch viele wichtige Dokumente der irischen Geschichte. Die dort ausgestellte Proklamation der Irischen Republik aus dem Jahre 1916 ist eine von ungefähr zwölf noch erhaltenen Kopien. Durch ihre Architektur und ihr Design ist sie definitiv ein historisches Highlight Dublins, aber für ein Wahrzeichen zu schwer zugänglich, da sie sich hinter den grauen Mauern der Universität verbirgt.

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Dublins Ha´Penny Bridge

Eine Brücke, die es den Dublinern angetan hat. Bis heute ist die Half Penny Bridge (Ha´Penny Bridge) einer der wichtigsten „Sightseeing-Spots“ der Stadt und genießt deshalb bei den Besuchern Reisenden großes Interesse. Für die Stadt selbst ist sie eines der wohl wichtigsten und ältesten Bauwerke. Die Half Penny Bridge verbindet die Südseite der City, Temple Bar, mit den Einkaufsstraßen die sich rund um die Henry Street, am anderen Flussufer, befinden. Die Iren sind sicher, dass auf dieser Brücke immer ein Bekannter getroffen werden kann – ganz gleich zu welcher Tageszeit diese betreten wird. Heute ist ihr Geländer mit vielen sogenannten „Liebesschlössern“ geschmückt. Tausende dieser Liebesbeweise prägen das Aussehen der weißen Metallverstrebungen. Die Brücke, einst eine wichtige Verbindung zwischen den Stadtteilen und in vielen Romanen verewigt, ist ein ernstzunehmender Anwärter auf den Titel des Wahrzeichens Dublins. 

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James Joyce auf der North Earl Street

Auf den Spuren der irischen Schriftsteller. James Joyce war einer der bedeutenden Schriftsteller Irlands. Besonders seine wegweisenden Werke Dubliners, Ulysses und Finnegans Wake verhalfen ihm zu großer Bekanntheit auf der ganzen Welt. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der literarischen Moderne. Seine Statue steht auf der North Earl Street, im Herzen Dublins. Die Dubliner haben ihm damit ein Monument gewidmet, das von zahlreichen Besuchern auf verschiedenste Art und Weise das ganze Jahr über abgelichtet wird. Musiker versammeln sich regelmäßig vor der Statue und geben kleine Konzerte. Auch in jedem Reiseführer findet Joyce breite Erwähnung. James Joyce ist zwar Kult und ein wichtiger Teil Irland, doch er steht nicht gesamthaft für die Stadt Dublin. Ihn verband eine ausgeprägte Hassliebe mit der Stadt.

Also, was nun? Ein riesiges Monument, zwei Statuen, eine Brücke und eine Bibliothek wollen nicht so recht überzeugen. Besuchern wird nach einigen Tagen Dublin-Urlaub klar, dass sie in der irischen Hauptstadt das eine Wahrzeichen nicht finden können. Die traditionelle Idee eines Erkennungsmerkmals einer Metropole, wie sie in den Köpfen der Menschen verankert ist, existiert hier nicht. Es zeigt sich: Wieder einmal ist Dublin anders als der Rest Europas. Fest steht: Wahrzeichen lassen sich nicht einfach festlegen oder bestimmen. Oft entscheiden Besucher und Einheimische über die Wirkungskraft einer künstlerischen Installation. Nur weil die Stadt Dublin und sämtliche Reiseführer The Spire oder Molly Malone als Must-See der City bezeichnen, heißt es noch lange nicht, dass sie es wirklich sind.

Ist es vielleicht dieser Ort? . . .

Regenschirme_Dublin

Bunte Regenschirme vor der Bar Zozimus

Eine Marketingidee wird zum heimlichen Wahrzeichen. Ein Dach aus Regenschirmen in der South Anne Street. Die Zozimus Bar eröffnete vor ein paar Monaten in der Innenstadt. Sie versteckt sich in einer kleinen Gasse in der Nähe der Grafton Street. Damit die Gäste möglichst schnell den Weg finden, haben sich die Inhaber der Bar eine Installation der besonderen Art ausgedacht. Ein bunter Wegweiser aus schwebenden Schirmen für die Gäste. Eine simple Marketingidee, die es in sich hat. Das zahlte sich aus: In sämtlichen sozialen Netzwerken und Zeitungen wurde von dieser bisher einzigartigen Idee berichtet. Schnell hatten die Regenschirme die Herzen der Menschen erobert: Bunt, frech, fröhlich, wandelbar und lebendig. Dieses Kunstwerk charakterisiert die Stadt Dublin und die Menschen, die in ihr leben. Die Idee soll noch für einige Zeit sichtbar bleiben, vielleicht sogar dauerhaft vor der Bar zu sehen sein. Gerade bei Dunkelheit sind die beleuchteten Regenschirme ein Hingucker. Und eines ist sicher: Dieser Anblick wird in Erinnerung bleiben und den Besucher immer wieder an Dublin zurückdenken lassen. Aber sind die Schirme in der South Anne Street deshalb schon ein Wahrzeichen?

Jetzt seid Ihr dran. Was ist für Euch das Wahrzeichen Dublins? Kommentare bitte unten im Kommentarfeld . . .

 

Nadine Eckmann

Die Autorin: Nadine Eckmann hat Theologie und Medienwissenschaften studiert. Sie lebt seit September 2015 in Dublin und absolviert einen Europäischen Freiwilligen-Dienst bei der Organisation „Friends of the Elderly Ireland“. Mit ihrem plüschigen Reisebegleiter „Zoe“ erkundet sie die Insel und vor allem die Hauptstadt Dublin.

Alle Fotos: Nadine Eckmann

Willkommen im 19. Jahrhundert: The Everyman

This is the Everyman

The location is the message. Wenn wir ins Theater gehen, dann üblicherweise wegen des Theaterstücks, ins Kino wegen des Films, ins Konzert wegen der Gruppe oder des Orchesters. Mancherorts lohnt es sich aber auch, wegen des Theaters ins Theater zu gehen. Der Ort macht´s. In Cork, der handlichen Metropole im Süden Irlands,  lohnt es sich, einfach einmal das Everyman Palace Theater in der MacCurtain Street zu besuchen. Wenn dann noch das richtige Programm geboten wird, umso besser.

Everyman Palace Theatre 2010Ein Besuch im Everyman („Jedermann“), wie die Leute in Cork ihr Theater nennen, ist eine Zeitreise zurück in das viktorianische Irland des 19. Jahrhunderts. Es ist ein ganz eigenes Erlebnis, in dem in rot und gold gestalteten Theater in einem Plüschsessel zu sitzen und den Hauch vergangener Zeiten zu spüren.

650 Zuschauer finden im Everyman Platz. Man sitzt entweder im Parkett oder auf dem Balkon, die vier Logen in Bühnennähe werden heute für die Beleuchtung benutzt. 15 MacCurtain Street wurde im Jahr 1840 erbaut, Theater gespielt wird dort seit dem Jahr 1897, als Dan Lowrey das luxuriöse Cork Palace Theater of Varieties eröffnete. Das Varieté-Theater sah viele große Abende und bedeutende Künstler, von Charlie Chaplin bis Laurel und Hardy.

Ab 1930 bis ins Jahr 1988 fungierte das Palace Theater als Kino, und nach einer gründlichen Renovierung übernahm ein Zusammenschluss von Corks Kulturschaffenden, organisiert als The Everyman Theater Company, im Jahr 1990 das Haus und führt es seitdem mit einem bunt gemischten Programm aus Theater, Kommödien, Konzerten, Tanz und Familienunterhaltung.

John Spillane. Jeden letzten Sonntag vor Weihnachten spielt er mit Gästen im Everyman in Cork

John Spillane. Jeden letzten Sonntag vor Weihnachten spielt er mit Gästen im Everyman in Cork

Ich hatte vor einigen Tagen das Glück, den Musiker John Spillane (Foto) mit Band im Everyman zu erleben. John ist einer der bekanntesten und besten Singer/Songwriter Irlands, ein brillanter Entertainer und ein großer Geschichtenerzähler. Seine Songs sind wundersame Storys aus dem irischen Alltag, oft singt der aus Cork stammende Musiker, der seit über 30 Jahren im Rampenlicht steht, in Irisch über Orte, die jeder kennt, der im Südwesten Irlands lebt. Seit 18 Jahren spielt Spillane immer am letzten Sonntag vor Weihnachten mit Gastmusikern im Everyman in Cork.

Meine Lieblingslieder von John Spillane: Gortataggart, eine Ballade über die Farm, auf der seine Mutter oberhalb von Bantry Kind war, und das Liebeslied Passage West.

John Spillane

John Spillane in der Alladin-Kulisse vor Weihnachten im Everyman

 

Fotos: The Everyman Palace Theater (2, oben), Markus Bäuchle (2, unten). 

Die Erleuchtung in Newgrange bleibt aus

Newgrange Irland

Newgrange an einem 21. Dezember kurz nach 9 Uhr. Licht ja, Sonnenstrahlen nein.

Es werde Licht! Die archäologisch interessierte Welt blickte heute morgen zum Sonnenaufgang am Tag vor der Wintersonnenwende in eine kleine unterirdische Kammer auf einem Hügel in Irlands County Meath: Newgrange. Das 5100 Jahre alte Hügelgrab aus der Jungsteinzeit ist Irlands bekanntestes Monument: Älter als Stonehenge, älter als die ägyptischen Pyramiden, gilt die 70 Meter durchmessende Grabanlage am Ufer des Flusses Boyne als der erste menschengemachte Kalender auf der Insel: Nur ein paar Mal im Jahr, am besten am Morgen des 21. oder des 22. Dezembers, dem Tag der Wintersonnenwende, fällt das Licht der aufgehenden Sonne für 15 Minuten durch eine Luke über dem Eingang in das Innere des Ganggrabes, durchflutet den 22 Meter langen Gang und erleuchtet an dessen Ende die Grabkammer. Wenn die Sonne scheint. Heute morgen machte sich die Sonne rar. Ein milder und einigermaßen heller Morgen in Newgrange. Doch die Strahlen der aufgehenden Sonne versteckten sich hinter einer Wolkendecke. Der Effekt blieb aus. Doch keine Bange, er wird sich wieder einstellen. Ein andermal wieder. Vielleicht schon morgen, am kürzesten Tag es Jahres, vielleicht erst in 20 Jahren . . .

Newgrange Irland

Der Eingang von Newgrange

An insgesamt 13 Tagen im Jahr kann das Licht der Morgensonne durch die Öffnung oberhalb des Grabeingangs scheinen, an fünf Tagen, vom 19. bis zum 23. Dezember, erreicht es die Kammer am Ende des Ganges in der Tiefe des Hügels — wenn die Wolken mitspielen. Doch nur an einem Tag des Jahres steht Newgrange im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Auch heute morgen versammelten sich Schaulustige auf dem Hügel von Brú na Bóinne, um die entscheidenden 15 Minuten nach dem Sonnenaufgang vor Ort zu erleben. Die nächste Chance ist morgen.

Genau genommen strahlt die Sonne auch im besten Fall derzeit einen Meter kürzer als zu Zeiten des Baus vor 5100 Jahren in das Innere des Hügelgrabs von Newgrange. Verantwortlich dafür ist die Präzession, die Richtungsänderung der Erdachse. Erst in etwa 25.000 Jahren wird die Erdachse wieder so stehen wie damals in der Jungsteinzeit, als die frühen Siedler am Boyne mit riesigem Aufwand und einer beeindruckenden sozialen Organisation eine der beeindruckendsten Grabanlagen der Welt schufen.

Eine kleine Gruppe von knapp 50 Besuchern, die per Losentscheid ermittelt werden, darf das Licht-Ereignis jedes Jahr kurz vor Weihnachten in der Grabkammer mit verfolgen. 30.000 Menschen hatten sich in diesem Jahr beworben, um an den kürzesten Tagen des Jahres in der Grabkammer auf das Licht am Ende des Tunnels zu warten.

Die teilrestaurierte Grabanlage, wie sie heute existiert, ist unter Historikern und Archaeologen übrigens umstritten. Vor allem die in den 70-er Jahren gebaute Fassade und die Betonstützen im Inneren des Grabes wurden kritisiert.

Fotos: RTE (oben), Markus Bäuchle (unten)

Die erste Version dieses Beitrags wurde am 21. Dezember 2011 an dieser Stelle veröffentlicht.

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