Irland im TV: Retter an Irlands Küsten

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Irland im TIrland-im-TVV Anfang Juli: Der Irland-TV-Überblick auf Irlandnews. In den kommenden Tagen gibt es eine weitere Folge der Zeichentrick-Serie „Kein Keks für Kobolde“ und der zweiten Staffel von Ripper Street. Die Irish Coast Guard ist an Irlands Küsten unterwegs und Reporter Ross Kemp gerät während einer protestantischen Parade mit seinem Team zwischen die Fronten.

 

 

Samstag, 27. Juni 2015, ZDF 6:50 Uhr: Kein Keks für Kobolde – Die Wette

Irland TV-Tipp, Kein Keks für Kobolde„Mia glaubt, dass sie von den Kobolden erfahren kann, was sie für ihr Schulreferat „Nahrungsmittel aus dem Wald“ braucht. Doch Feuerauge bockt und will sein Wissen nicht preisgeben.

Er, dem die Menschen sowieso ein Dorn im Auge sind, ist nicht bereit, auch nur etwas von seinem Wissen an Mia zu verraten. Was aber ist mit Neunauge und Siebenpunkt? Werden sie Mia, die heute Nacht alleine im Wald verbringen will, helfen können?“ (Senderinformation)

 

Dienstag, 30. Juni 2015, NDR 15:15 Uhr: Retter an Irlands Küsten

Irland TV-Tipp, Irish Coast Guard„County Kerry im Westen Irlands gehört zu den ursprünglichsten und für viele Menschen auch schönsten Regionen der Britischen Inseln. Doch die raue Küste fordert jedes Jahr ihre Opfer: Freizeitsegler, Surfer und Schwimmer unterschätzen die Kraft des Ozeans. Fischer riskieren in der tosenden See zu viel und geraten in Seenot. An Land verleiten die spektakulären Klippen manchen Wanderer, zu nah an die Felskante zu treten. Bei einem Notfall rücken die Freiwilligen der traditionsreichen irischen Küstenwache aus. Per Rettungsboot, Hubschrauber und mit Spürhunden suchen die Helfer nach Verletzten und Verschollenen. Im Film werden die Lebensretter der Dingle Coast Guard begleitet.

Ein Mann ist von den Klippen gestürzt und liegt leblos auf den umspülten Felsen. Ein anderer Mann seilt sich langsam die steile Wand hinunter, um den Verletzten zu bergen. Er wird von seinen Kollegen gehalten, die das Seil Stück für Stück nachreichen. 21 Lebensretter umfasst das Team der Dingle Coast Guard. Mindestens einmal in der Woche treffen sie sich zum Training. Diesmal hat Einsatzleiter Frank Heidtke eine Kletterübung an den Klippen von Dingle angesetzt. Die Gegend um die Klippen an der Westküste Irlands ist rau. Sturmböen vom Atlantik fegen mit ungebrochener Kraft über das Festland, Regen peitscht auf den nackten Fels. Bis zu 200 Meter ragen die Klippen an einigen Stellen fast senkrecht aus dem Atlantik.

Diese wilde Küste ist das Einsatzgebiet der Irish Coast Guard. Und die Lebensretter haben an diesem kleinen Küstenort viel zu tun. Neugierige Touristen, risikofreudige Abenteurer, aber auch sorglose Einheimische unterschätzen die Gefahren der gewaltigen Klippen und wagen sich oft zu dicht an den Abgrund. Schon ein unachtsamer Schritt, eine heftige Windböe kann die leichtsinnigen Menschen auf dem rutschigen Fels ins Straucheln bringen und in die Tiefe stürzen lassen. In solchen Fällen sind die Lifeguards die letzte Hoffnung für die Betroffenen. Deshalb müssen die Männer auch rund um die Uhr einsatzbereit sein.

Während der deutschstämmige Einsatzleiter Frank Heidtke seit Jahren im Team ist, muss sich Neuling Seamus Murphy erst noch bewähren. Er hat seine Ausbildung zum Kletterer gerade abgeschlossen. Nun wartet er auf seine Chance, darauf, dass ihm die Verantwortung für eine Rettungsaktion übergeben wird. Bei über 20 Einsätzen im Jahr dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis es so weit ist.

 

Donnerstag, 2. Juli 2015, N24 16:05 Uhr: Extreme World – Nordirland

Irland TV-Tipp, Extreme World Nordirland„Am „Good Friday“ 1998 schlossen die katholischen Republikaner und die protestantischen Loyalisten in Nordirland nach Jahren blutiger Kämpfe Frieden. Trotzdem ist in Nordirland Gewalt auch heute noch an der Tagesordnung. Immer wieder gibt es Auseinandersetzungen zwischen den verfeindeten Lagern und der Polizei. Ross Kemp will herausfinden wie beide Seiten über diesen instabilen Frieden denken. Während einer protestantischen Parade geraten er und sein Team zwischen die Fronten.“ (Senderinformation)

 

Freitag, 3. Juli 2015, ZDF 0:45 Uhr: Ripper Street – Der Tod ist der Preis

Irland TV-Tipp, Ripper Street - Der Tod ist der PreisMehrere einflussreiche Männer werden von einer Frauenbande entführt. Alle Opfer scheinen sich Frauen gegenüber schuldig gemacht zu haben. Eine gewisse Raine, charismatische Leiterin eines Hauses für misshandelte Frauen, hält sie nun gefangen.

Raine lässt Susan zu sich bringen und scheint eine Partnerin in ihr zu suchen. Doch Susan mimt die selbstbewusste Frau und fürsorgliche Chefin. Nach zahlreichen Auseinandersetzungen der beiden kommen sich die Frauen dann doch näher. Susan gesteht sich und Raine ein, dass auch sie ein Opfer der Männerwelt ist. Schließlich kommt es zu einem dramatischen Showdown.(Senderinformation)

Ripper Street wurde fast ausschließlich in Dublin gedreht. Als Kulisse für East London fungierten unter anderem das Dublin Castle und das Kilmainham Goal (ehemaliges Gefängnis).

 

Lúnasa – Seele der irischen Trad Music

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Irish Trad, die irische traditionelle Musik, Traditional Music, wird auf der Insel nicht von allen geliebt — genauso wenig wie die Volksmusik in Deutschland. Sie wird gerne als piefig verunglimpft, als altmodisch und provinziell abgetan. Und sie kann auch dem deutschen Gemüt aufgrund ihrer Eintönigkeit den letzten Nerv rauben — wenn sie geografisch aus den einschlägig bekannten Ecken kommt (West Cork ist so eine Ecke, wo Tunes wie Bantry Bay Hornpipe oder Coomhola-Borlin irgendwann nach der dritten Wiederholung die Nerven-Enden brach liegen lassen).

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Aber dann: Trad-Konzert im ehrwürdigen Eccles Hotel von Glengarriff. Zu Ehren des vor einigen Jahren früh verstorbenen Campingsplatz-Betreibers und Dudelsack-Spielers Jim Dowling haben Leute im Dorf im Lauf von drei Jahren ein Trad-Festival etabliert, das sich sehen und hören lassen kann. Der Höhepunkt 2015: Lúnasa spielt live im Eccles.

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Die als „heißeste irische Akkustik-Band auf dem Planeten“ beworbene Formation tritt mit der genialen Stimme Karan Casey auf — deren Tochter neben der Bühne aus lauter Langeweile Rad schlägt.

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Lúnasa ist Trad. Intelligenter Trad. Und international bewanderter Trad. Dudelsack, Flöten, Gitarre, Kontrabass, Geige, Stimmen. Lúnasa kennen Lieder aus den Regionen Irlands, aus Schottland, aus der Brètagne, aus der halben Welt. Viele Menschen weinen, wenn sie Lúnasa hören. Tränen als Kompliment. Irish Trad lebt.

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Alle Fotos: Antje Wendel 

Natur und Mensch: Wir sind die Aliens

Adler in Irland

Natur. Mensch. Meine Gedanken kreisen seit Monaten um das Thema Natur. Genauer: das Thema Natur und Mensch. Einer der tröstlicheren Gedanken: Ich bin damit nicht alleine. Es mag sogar eine Zeitgeistmode sein. Sogar der Papst hat seinen Schäfchen — und nicht nur diesen — nun gehörig die Leviten gelesen. Kehrt um! Der Heilige Franz II kanns.

Einige Assoziationen zu meiner Natur-und-Mensch-Lektüre der vergangenen Tage:

Klimawandel. Klima-Klemme. Warum unser Kampf gegen den Klimawandel gescheitert ist.

Macht uns die Sehnsucht nach der Natur und nach dem einfachen Leben zu Helden oder Clowns?

Einfach leben. Zurück zur Natur. Mit allem Luxus und dem Rohkost-Mixer für 900 Euro. 

Einfacher leben. Einfach noch bequemer.

Die Deutschen, Weltmeister der peniblen Mülltrennung, machen mit den meisten Müll aller Europäer. 

Die Rückkehr der Wildnis. Rückkehr zur Wildnis. Leben wie in der Steinzeit. Dinieren im neuen Paläo-Restaurant.

Die Natur will Dich zurück. Die Wildnis beginnt vor der Haustür. Oder mit der Wildnis-Sendung vor dem Fernseher.

Laudato si: Über die Sorge für das gemeinsame Haus. Macht Euch die Erde nun doch nicht untertan.

Die Zerstörung ist allgegenwärtig. Tiere, Pflanzen, Lebensräume verschwinden in nie gekannter Geschwindigkeit. Im Namen des „Wachstums“. Amen.

Den kaum zu verstehenden Grundwiderspruch zwischen Natur und Mensch formuliert der Guardian-Kolumnist George Monbiot  so: Eigentlich will kein Mensch die Natur zerstören oder unsere natürliche Welt zugrunde richten. Und doch tobt vor unser aller Augen die Naturzerstörung gigantischen Ausmaßes*.

Warum lassen wir das alles zu, obwohl wir es doch gar nicht wollen: die wüste Plünderung unseres gemeinsamen Hauses durch unsere Institutionen und Korporationen, die alleine von uns Menschen geschaffen wurden und die von uns betrieben werden: Die endlos gierigen Multinationals, die gefräßigen Banken, die Internet-Monster des neuen Turbo-Kapitalismus. Die süchtigen Hyperkonsumenten, die niemals genug bekommen können: Das alles sind wir. Menschen. Wenn irgendwo in irgendwelchen Chef-Etagen oder Verschwörungszirkeln Aliens im Spiel sein sollten, dann sind wir diese Aliens. Keine Entschuldigung also.

Wir müssen uns fragen: Warum hat die Natur so wenig mächtige Fürsprecher? Warum kämpfen wir nicht kompromisslos für das, was wir lieben? Warum gibt es keinen Aufstand der Naturschützer, keine Revolution für den Schutz unserer gemeinsamen Hauses? Warum engagieren sich Menschen für jeden Kehricht, aber nicht für den Schutz ihrer ureigenen Lebensgrundlagen? Sind wir zu feige? Wissen wir nicht, wo anfangen? Oder sind wir einfach nur gleichgültig?

George Monbiot spricht von Ecological Boredom (Ökologischer Langeweile), die uns Zeitgenossen quält. Kann es sein, dass wir die Verbindung zur Natur und damit zu unserer ureigenen Natur verloren haben und dass wir nur hilflos versuchen, dieses existentielle Vakuum, das tief in unserem kollektiven Unbewussten gründet, mit materiellem und immateriellem Konsum zu füllen? Wie können wir heilen, was zerbrochen ist?

 

Wir wollen versuchen, die Fragen zu beantworten. Ihnen nachsinnen und nachspüren. Darüber fühlen und denken. Wir ziehen uns dazu im August und im September jeweils eine Woche gemeinsam in die Natur der irischen Berge zurück. Wer mitkommen will, findet die Informationen hier in diesem Blog-Eintrag. Wer Probleme mit dem Teilnahmepreis hat, der sollte kein Problem sein: Bitte Mail an markus@wanderlust.ie

* Lesetipp: www.monbiot.com

Fotos: Gold Eagle Trust (oben), Markus Bäuchle (unten)

Irland Natur

111 und Elisabeths Gründe, Irland zu lieben

Irland lieben111 Gründe, Irland zu lieben: Heute gingen die letzten Korrekturen für unser neues Irland-Buch an den Schwarzkopf & Schwarzkopf-Verlag. Die effektiv arbeitende Lektorin Ulrike Thams hatte noch so interessante Fragen parat wie: Wie gefährlich ist die Plutoniumschleuder Sellafield am anderen Ufer der Irish Sea für Irland denn wirklich? Woher stammt C.G. Jungs berühmter Satz „Das einzig lebenswerte Abenteuer kann für den modernen Menschen nur noch innen zu finden sein“? Und wo genau in der New York Times hat Eric Weiner das Konzept der dünnen Plätze beschrieben? Was hat das bloß alles mit Irland zu tun . . .

Seit acht Jahren beschreibe ich hier auf unserem Webmagazin Irlandnews regelmäßig die Gründe, warum wir Irland lieben und hier leben. Mal sind es zehn, mal zwölf, mal 13 Gründe. Als der Verlagsagent Martin Brinkmann sich mit dem Angebot meldete, ein Buch mit dem Titel 111 Gründe, Irland zu lieben zu schreiben, klang das deshalb wie ein Heimspiel:  Die 111 Gründe, Irland zu lieben sind mittlerweile geschrieben und korrigiert, in drei Wochen wird das Buch der Co-Autoren Eliane Zimmermann und Markus Bäuchle, die als  [e] & [m] firmieren, in die Buchläden kommen.

Als kleine Einstimmung ins Irland-Lieben heute ein Blog-Beitrag unserer Freundin Elisabeth Firsching aus Wien. Sie hat sich Gedanken gemacht, was sie als notorische Irland-Fahrerin an diesem kleinen grünen Land wirklich liebt. Ihr Beitrag erscheint sofort, das Buch mit einem Umfang von 256 Seiten am 15. Juli. Bei Schwarzkopf & Schwarzkopf Berlin und zum Preis wie beim Discounter: für € 9,99.

111 Gründe, Irland zu lieben. Eine Liebeserklärung an das schönste Land der Welt, so der ganze Titel, kann hier bei Amazon vorbestellt werden.

 

Und nun Elisabeth Firschings Beitrag „Meine kleine Auswahl an Gründen, Irland zu lieben“. Danke, Elisabeth.

Natürlich ist es auch der Zauber der Landschaft, der häufige Wechsel des Lichts, die weiten Ausblicke und das fahren in engen grünen Röhren, in denen just inmitten unübersichtlicher Kurven Einheimische die Fahrbahnmitte schneiden und damit auch für ein bisschen Adrenalin sorgen (wer hat gesagt, dass es in Irland immer entspannt zugeht?); natürlich auch Wiesen voller Bluebells oder pinkfarbene Wände aus Hunderten Rhododendronblüten in verwilderten Gärten; Schafe mit deren Porträts ich ganze Zimmer tapezieren könnte. Sie sehen immer zu mir her, ich kann einfach nicht aufhören sie zu fotografieren.

Schaf in IrlandDie Seele Irlands traf ich allerdings von Anfang an bei den Frauen, die mir Herberge gaben. Ein altmodisches Wort, aber es trifft die Erfahrung, das Gefühl willkommen und auf eine besondere Weise versorgt zu werden. In keinem anderen Land, das ich bisher bereiste, fühlte ich mich so geborgen, von „guten Geistern“ betreut wie in den B&B´s der Grünen Insel, mit Tee und Scones versorgt, mit meinem Vornamen angesprochen, sobald ich bei der Türe hereingekommen war. Mit einer „Milk and Honey“-Liebenswürdigkeit holt die Vermieterin – welch ein unpassend trockenes Wort – den Gast ins irische Haus und in die irische Lebenart. Aus Mitteleuropa kommend, noch mit dem Tempo der Großstadt in den Beinen, hat man sich mit dem ersten Frühstück innerhalb einer Stunde auf den Takt der Insel heruntergebeamt, der eigene Körper dankt schnell mit Wohlgefühl. Mit den Jahren habe ich die Nuancen in den Antworten zu deuten gelernt, wenn ich Frühstück VOR halb neun bestellt hatte und die Herbergmammis lehrten mich ganz nebenbei, was es heißt den Augenblick zu genießen und das eigene Tempo runterzufahren.

Auch anderswo übrigens: An der Kasse in Joe´s winzigem Laden bekam ich einmal ein entspanntes „take it easy“, als ich meine Einkäufe nach dem Zahlen schnell schnell zusammensuchte. Es scheint auf eine Art unhöflich zu wirken, wenn man es eilig hat. Ich mochte das immer. Die Iren tratschen erstmal eine Weile, bis sie dann doch auch noch ein Anliegen formulieren, „by the way“, es sollten (hier) ein paar Sätze werden, aber ich kann mich doch nicht kurz fassen!

In den Jahren vor 2008, als die irische Wirtschaftswelt noch in Ordnung gewesen war und viele AmerikanerInnen das Land bereisten, bekam ich in Pubs oder an touristischen Orten eine Ahnung davon, wie groß der Sehnsuchtssog in dieses Land ist. Vielleicht klinken wir uns alle darin ein, sobald wir den ersten Schritt auf die Insel setzen. Wellen über Wellen an Auswanderern der vergangenen Jahrhunderte spülen ihre Nachkommen auf der Suche nach deren Wurzeln auf irischen Boden. Mild erstaunt übergehen diese den Kulturschock von ganz groß auf ganz klein: Zimmer, Autos, Straßen, Pubs, Läden, Boote, Berge, HÄUSER, Badezimmer. Willkommen in der Spielzeugwelt, alles niedlich, maximal entschleunigt und wenn es regnet, rein ins Pub auf einen Irish Coffee.

Die Iren nehmen scheinbar gelassen hin, was wir alle in ihrem Land zu finden suchen, wie eigenartig es sich für sie auch anfühlen mag. Immerhin, es bringt Abwechslung auf die Dorfstraße.

Mit Männern am Pier oder im Pub zu reden mochte ich immer gerne, sobald ich meine Angst, als Frau alleine da reinzugehen verloren hatte. Irisch-englische Mischwörter konnte ich irgendwann in etwa verstehen, allerdings eher der Körpersprache sei Dank. Dabei weiß man nie genau, wie man dran ist. Ein angedeutetes, leicht belustigt wirkendes Lächeln sah ich oft, ist auch schwer nachvollziehbar, was an nassen Wiesen und Weiden, schlechten Straßen, Moor, Ginstergestrüpp, alten windschiefen Steinen und Schafen so anziehend sein kann, dass man stundenlang da durchläuft oder fährt, mal vom Guinness abgesehen.

Ich kenne Irland nur als Urlaubsland zwischen März und September, und doch haben dieses Land und seine Menschen mich viel gelehrt. Über das Leben, das Jetzt und das Morgen, über mich selbst, was wichtig und weniger wichtig ist. Könnte es mehr sein? Vielleicht so etwas wie: Wetter ist Wetter und wird das auch immer bleiben…

Elisabeth FirschingWer mehr von Elisabeth Firsching (Foto) lesen will: Hier schreibt sie ihren eigenen Blog Kleine Freude.

Kraft schöpfen in der Natur der irischen Berge

Irland NaturwandernDer Weg zu uns und zur Natur. Die neuen einwöchigen Wildnis-Wandertouren von Wanderlust führen in die Einsamkeit und Weite der irischen Berge im Südwesten der Insel und zu uns selbst Was können die Teilnehmer der Wildnis-Wanderwoche in den Bergen erwarten? Eliane Zimmermann im Gespräch mit Markus Bäuchle, der die Wildnis-Touren leitet.

Was ist das, Wildnis-Wandern in Irland, kurz und knapp in einem Satz ausgedrückt?
Die Wildnis-Wanderwoche ist eine Reise zu Fuß zu uns selbst als einem Teil der Natur.

Klingt spannend. Das hat mit Survival und Würmern essen zu tun?
Nein, wir machen kein Survival und wir essen keine Insekten und Würmer. Wir wollen kein primitives Leben. Wir kochen uns gutes gesundes Essen und wir lassen uns intensiv auf unsere natürliche Umgebung ein. Wir erfahren die Sonne, den Mond, die Wolken, das Wasser, die reine atantische Luft, die Tiere und Pflanzen der Bergwelt. Es geht um das bewusste Leben und nicht um Überlebenstechniken oder Überlebenstrainings. Wir erlegen auch keine wilden Tiere. Es kann aber gut sein, dass wir sie fotografieren.

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Wie sieht das dann genau aus in den Bergen?
Wir ziehen uns als kleine Gruppe eine Woche lang in die Berge zurück. Ohne Uhr, ohne Telefon, ohne Internet, ohne Strom und ohne Geld. Wir verzichten auf Alkohol. Und doch haben wir alles, was wir zum Leben benötigen: Wir leben einfach in einem alten Cottage, das uns Schutz bietet. Wir baden im Fluss, sitzen am Feuer. Wir streben an, in Einklang mit der Natur und mit uns selbst zu kommen. Wir wandern abseits der Zivilisation und spüren nach, was das mit uns macht. Wir schöpfen Kraft und Inspiration in der unberührten Natur. Die Wertsachen werden während der Woche sicher aufbewahrt, und klar: Es gibt eine Telefonnummer, unter der die Teilnehmer im Notfall erreichbar sind.

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Wie läuft eine Woche ab?
Wir stehen mit der Sonne auf und gehen mit den Sternen ins Bett. Wir nehmen einen natürlichen Lebens-Rhythmus auf und folgen keinem starren Programm. Die Sonne und unsere Bedürfnisse, allem voran die Ernährung, geben den Takt der Tage vor. Wir beginnen und beenden die Woche mit einer reinigenden und erdenden Schwitzhütten-Zeremonie. Der erfahrene Schwitzhütten-Leiter führt uns durch die Zeremonie. Wir erkunden die Berge auf geführten Wanderungen im Einklang mit der Natur. Wir hinterlassen keinerlei Spuren. Der Schwierigkeitsgrad der Wanderungen liegt zwischen leicht und mittelschwer (1 bis 2,5 von 4). Höhenmeter: 100 bis maximal 600 pro Wanderung.

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Wo schlafen die Teilnehmer?
Ein einfaches Cottage hoch in den Bergen abseits der Straßen bietet uns Schutz und Unterkunft. Es gibt keinen Strom, wir schlafen auf Matrazen, es gibt alles, was wir benötigen: Fließendes kaltes Trinkwasser, ein großes Kaminfeuer, Kerzen- und Solar-Licht, eine Kochstelle, einfaches gesundes Essen (auf Wunsch vegetarisch, vegan, weizenfrei etc.), eine Toilette, einen kleinen Fluss und Seen zum Säubern und Baden. Dazu Ruhe, Sonne, Wind, Regen, die Lichter des irischen Himmels und der Blick hinunter auf das nahe Meer. Wir kehren jeden Abend zu unserem Cottage zurück. Es wird unser Lebensmittelpunkt sein. Und wer Lust hat, schläft auf der Wiese unter dem Sternenhimmel.

Nartur-Wandern in den wilden Bergen Irlands

Was heißt das eigentlich alles: Zu sich kommen, zentrieren, sich erden?
Den Alltag einmal systematisch hinter sich zu lassen, auf Internet, Zeitdruck, Fernsehen, Telefon, auf Autofahren, Arbeit und Haushalt zu verzichten und sich unbeschwert in der Natur zu bewegen, ermöglicht sehr grundlegende Erfahrungen. Die Natur harmonisiert uns Menschen, wenn wir es zulassen. Sie öffnet unsere Herzen und ermöglicht uns eine klare Sicht auf das Leben: Wir verstehen besser, wer wir sind und was in unserem Leben wirklich wichtig ist. Man kann sagen: Die Prioritäten sortieren sich neu.

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Ist bei der Wildnis-Wanderwoche jeder für sich oder ist es ein Gruppen-Erlebnis?
Es ist beides. Wir sind zum einen ganz mit uns selbst, dann zu zweit oder zu dritt, und schließlich Teil der ganzen Gruppe. Die Gemeinschaft der Individuen gibt Raum für beides, was uns ausmacht: Wir alle sind einzigartig und gleichzeitig Teil der Gemeinschaft. Wir hören tief und vorbehaltlos zu und wir sprechen aus dem Herzen.
Wir genießen diese Tage in einer Atmosphäre der Sicherheit und des Vertrauens, die tiefes Denken, Fühlen und Sprechen ermöglicht. Wir beschäftigen uns mit den wichtigen Fragen des Lebens: Wer bin ich? Was liebe ich? Was macht mein Glück aus? Was ist meine Aufgabe? Was will ich hinter mir lassen? Was möchte ich künftig erreichen?

Wie ernähren sich die Wildnis-Wanderer?
Wir ernähren uns einfach und gesund, mit frischen Lebensmitteln, vielen Früchten und Gemüse, die teils Bio-Qualität haben und teils lokal hergestellt werden. Der Lebensmittelvorrat für die Woche steht im Cottage bereit. Wir gehen weder Jagen noch Sammeln. Wir kochen selbst auf einer einfachen Kochstelle. Es gibt einen Teller, eine Tasse, eine Schüssel und ein Besteck-Set für Jede(n). Ich kann Dir verischern: Das Essen schmeckt nach einem Tag im Freien ganz besonders gut.

On Top_Die Packliste für die Wildnis-Wanderwoche ist ziemlich umfangreich. Ist das nicht ein Widerspruch zum einfachen Leben?
Du hast recht, es ist nicht gänzlich wiederspruchsfrei. Aber weil wir kein Überlebenstraining machen, und weil wir wollen, dass sich die Teilnehmer sicher, warm, trocken, wohl und geborgen fühlen, bedarf es einer guten Ausrüstung. Ich rate jedoch dazu, das Ausrüsten nicht zu übertreiben, sich auf das Wesentliche zu beschränken und vor allem, sich Dinge wie Schlafsack, Rucksack oder aufblasbare Matraze auszuleihen, wenn frau/man keine eigene hat.
Es ist angesichts unserer Bemühungen, den ökologischen Fußabdruck zu veringern, auch widersprüchlich, nach Irland zu fliegen. Immerhin aber ist es ein kurzer Flug von weniger als 2 Stunden und kein Langstreckenflug. Wer auch das nicht verantworten will, kann im Auto oder mit Bus/Zug und Fähre reisen oder auch per Mitfahrgelegenheit und Anhalter, wie ich das früher auch immer gemacht habe.

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Warum bietest Du diese Wildnis-Touren an?
Ich habe mir vor Jahren vorgenommen, nur noch das zu arbeiten, was ich wirklich gerne mache und was mir unter die Haut geht. Das ist nicht leicht – wenn ich zum Beispiel an die Steuererklärung denke, vor der ich mich gerade in diesem Moment erfolgreich drücke. Das Wildnis-Wandern jedenfalls ist mir jenseits des Broterwerbs ein Herzens-Anliegen. Die Frage, wie wir Menschen unser gestörtes Verhältnis zur Natur wieder in Ordnung bringen können, beschäftigt mich seit Jahren. Die Wildnis-Wanderungen sind eine Anstrengung, gemeinsam Antworten zu finden und wichtige neue Erfahrungen zu machen. Bald schon werden wir uns auch für Rewilding-Projekte, für eine Rückkehr der Wildnis in unsere überzivilisierte und ökologisch ausgezehrte Welt engagieren.

Wann findet die Wildnis-Wanderwoche statt?
Die  nächsten Termine sind: 1. bis 8.August und 19. bis 26. September. Wir sprechen deutsch und freuen uns auf nette, aufgeschlossene Leute. Fragen Sie nach Plätzen zu reduzierten Preisen im Aktionsmonat Juni.

Detaillierte Informationen inklusive der erwähnten Packliste gibt es hier auf www.irland-wildnis.de oder direkt bei Wanderlust Irland, Markus Bäuchle, Telefon D +49 89 89623290, markus@wanderlust.de

 

 

Der Seeadler kreist wieder in Irlands Lüften

Seeadler Glengarriff IrlandAdler in Irland. Wir Menschen sind schon reichlich merkwürdige Wesen. Erst zerstören wir unsere Erde nach Kräften, dann versuchen wir mit großem Aufwand, wenn es (fast) zu spät ist, die Scherben zusammen zu kehren und zu retten, was zu retten ist. Erst rotten wir die Adler aus, dann setzen wir alles daran, sie wieder einzuführen. Dies in einer Zeit, wo die Wildnis nur noch in den Abgründen unserer Seelen zu existieren scheint.

Immerhin: Nach mehr als 100 Jahren wird in wenigen Tagen erstmals ein im Land geborener junger Seeadler seinen Horst verlassen und über das County Cork schweben. Der acht Wochen alte und 4,3 Kilogramm schwere Seeadler-Junge wurde von Glengarriffs Ranger Clare Heardman* vor wenigen Tagen mit einem kleinen Satelliten-Sender ausgestattet. In weniger als zwei Wochen dürfte der neue Prinz der irischen Lüfte den Horst hoch oben auf einem Baum auf Garinish Island bei Glengarriff in West Cork verlassen.

Die Adler-Eltern, 2009 und 2010 in Norwegen zur Welt gekommen und im Rahmen des Wiedereinführungs-Projekts zusammen mit 100 anderen Tieren im Killarney National Park eingesetzt, sorgen für Freude in Glengarriff. Das Adlerpaar hatte sich im Jahr 2012 auf der Insel im Glengarriff Harbour niedergelassen.  Letztes Jahr war der erste geschlüpfte Jungvogel aufgrund des schlechten Wetters bald nach der Geburt gestorben, in diesem Jahr sollte die Flug-Premiere endlich klappen.

Hoffnung für das Seeadler-Projekt machen – nach vielen Rückschlägen seit dem Start 2007 – in diesem Jahr  gleich fünf Seeadler-Paare im Land: Auch in den Counties Clare, Galway und Kerry gibt es derzeit gefiederten Nachwuchs. Nach über 100 Jahren schwang sich im Sommer 2013 erstmals in Mountshannon im County Clare ein in Irland geborener Seeadler wieder in die Lüfte. Der Erfolg des Wiedereinführungs-Programms wird davon abhängen, ob die nun in Irland geborene Adler-Generation sich ebenfalls vermehren wird. Die Chancen stehen jedenfalls nicht schlecht, dass der majestätische Vogel mit einer Flügelspannweite von 2,5 Metern auf der grünen Insel eine Zukunft hat. 

* Hier geht es zur Twitter Page vom Naturschutzgebiet Glengarriff Woods: Twitter Glengarriff Woods

Foto: Clare Heardman, Ranger im Glengarriff Woods Nature Reserve 

Wanderlust-Schnäppchen: Die Restplätze 2015

Wanderlust gibt die Preise für die Restplätze der Irland-Wandersaison bekannt.

Wandern in Irland mit Wanderlust

Wandern in Irland mit Wanderlust

Zusatz-Termin Wandern
29. August – 5. September 2015
4 Plätze € 920

Wandern in Irland
5. September – 12. September
3 Plätze € 940
19. September – 26. September
2 Plätze € 940

Wandern in Irlands herrlichen Gärten
4. Juli – 11. Juli
3 Plätze € 1080

Irland Aktiv-Woche – Wandern und Erleben
27. Juni – 4. Juli
3 Plätze € 1090

Foto-Wanderwoche
12. September – 19. September
4 Plätze € 1090

Wildnis-Woche in den Caha Mountains
1. August – 8. August
3 Plätze € 890
19. September – 26. September
3 Plätze € 890

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Bitte bei der Anmeldung hier auf der Wanderlust-Website den Aktions-Code RP1015 angeben.

Alle Infos gibt es hier:
www.wanderlust.de
Tel. (+49) 089 896 232 90
info@wanderlust.ie
Irland erleben mit Wanderlust

Wandern und Wohnen am Wild Atlantic Way

Natur, Meer, Erholung, Spaß: Wandern & Erleben an Irlands Atlantik-Küste, dort wo die grüne Insel am schönsten ist. Natur pur. Stille. Raum. Erholung. Wohnen am Meer. Führung in deutscher Sprache. Kleine Gruppen. Jetzt auch Aktiv-Wochen, Insel-Wandern, Foto-Wandern, Wildnis-Wochen.

Ein Grund weniger, in Irland zu lachen . . .

Verkehr Irland

Darf ich mich vorstellen: Ich bin das neue Verkehrsschild für kleine Landstraßen und Feldwege

Ein Grund weniger, in Irland lauthals zu lachen: Die berühmten 80 km/h-Tempolimit-Schilder an kleinen und kleinsten Landstraßen und Feldwegen verschwinden derzeit. Schon seit März werden sie zugunsten eines neuen Verkehrszeichens ausgetauscht: Ganz in schwarz-weiß mahnt es mit fünf Diagonalstreifen im Kreis: SLOW, und in irisch: go mall (Foto oben). Vorbei die Zeiten also, wo man mit Mühe versuchen konnte, auf dem ländlichen Boreen wenigstens die Hälfte der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern zu erreichen? Keineswegs. Für die Sträßchen gilt, auch wenn kein Schild es mehr verrät, auch künftig das 80 km/h-Limit. Der offensichtliche Unfug, der Urlaubern zuverlässig Lachsalven spendiert, wird allerdings bald abgeräumt sein.

Nun geben die neuen Schilder den Autofahrern in Irland ein Stück weit das zurück, was die sture und teilweise höchst unsinnige Umsetzung von EU-Richtlinien in irische Straßenmöblierung vollends unterdrückte: Selbstverantwortung, Umsicht und Rücksicht. Das Fahren im alten Irland kam weitgehend ohne Verkehrszeichen aus, und es funktionierte, weil es von den Menschen eigenverantwortliches Handeln forderte. Verkehrsminister Paschal Donohoe wies zur Einführung der neuen SLOW-Schilder darauf hin, wie wichtig umsichtiges Fahren sei, das der jeweiligen Situation und Örtlichkeit angepasst sei. Amen.

 Insgesamt stehen die Zeichen auch in Irland — und wie immer mit einiger Verspätung — auf Verkehrsberuhigung. Die Einrichtung von Tempo-30 und gar Tempo-20-Zonen in Wohngebieten wird gerade breit diskutiert. Und fast jeder nimmt an der Debatte teil, denn Verkehrsschilder sind ein Thema wie Wetter oder Football: Jeder ist Experte und jeder hat eine Meinung.

Verkehrsberuhigung auf Irisch_

80 km/h auf Feldwegen. Mancher Anwohner half sich mit dem Filzstift . . .

Eine in München lebende Irin wies kürzlich in der Irish Times auf die Tatsache hin, dass in München 70 Prozent aller städtischen Straßen Tempo-30-Zone seien — nur um süffisant nachzulegen, dass dies in Irland in etwa 500 Jahren der Fall sein wird, wenn die Politik im selben Tempo weiter arbeitet. Das Tempolimit für politische Entscheidungen steht jedenfalls derzeit nicht zur Debatte.

Fotos: Markus Bäuchle (2)

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