Buch-Tipp: Hugo Hamilton “Jede einzelne Minute”

Jede einzelne Minute von Hugo HamiltonDas Buch:  Hugo Hamilton, Jede einzelne Minute, erschienen bei Luchterhand im September 2014, € 18,99. Vorgestellt von Susanne Kardel. Das Buch gibt es hier.

Die irische Schriftstellerin Nuala O’Faolain („Ein alter Traum von Liebe“) erkrankte 2008 an Krebs. Eine das Leben verlängernde Chemotherapie lehnte sie ab. Was würden Sie tun, wenn Sie wüssten, dass Sie nur noch eine kurze Zeit zu leben hätten? Sie wusste es. Sie wollte eine Reise unternehmen, eine letzte Reise, zusammen mit ihrem deutsch-irischen Freund und Schriftstellerkollegen Hugo Hamilton („Der irische Freund“). Sie reisten zusammen im Mai 2008 für zwei Tage nach Berlin.

Sie wollte nach Berlin. Und ich begleitete sie. Das Reisen war ihr Lebenselixier, und sie wollte unbedingt noch ein letztes Mal wegfahren. Ganz egal wohin, sagte sie. Weg. Einfach weg. Wie wäre es mit Berlin?, schlug ich vor, und sie antwortete: Ja, warum nicht? Sie hatte oft mit Berlin geliebäugelt, die Reise aber immer wieder aufgeschoben, und nun befürchtete sie, es nie mehr dorthin zu schaffen. Ich finde es toll, wie man in Deutschland Kartoffeln zubereitet, sagte sie. Ich möchte das Pergamon-Museum sehen. Den Botanischen Garten. Und die Kirche, die man nach dem Krieg als Ruine stehen ließ.

Hugo Hamilton hat über diese Reise einen Roman geschrieben. „Jede einzelne Minute“ – erschienen im Herbst 2014 im Luchterhand-Verlag. Die Protagonisten: Ùna und Liam. Vielleicht brauchte er es, aus diesem Abstand heraus zu erzählen, was er selber erlebte. Für mich bleibt es jedoch mehr Biographie/Autobiographie als Roman. Die eigentlichen Hauptakteure – Nuala und Hugo – waren mir beim Lesen stets gegenwärtig. Es sind schlichte und doch so gewichtige Worte, die dieses Buch ausmachen, es fast kurz-weilig erscheinen lassen.

Dieses Mal ist es anders, sagte sie mehrmals während des Fluges von Dublin nach Berlin. Als die Stewardess ein Foto von uns machte, musste sie weinen. Sie lächelte und weinte gleichzeitig, und sie sagte: Dieses Mal ist es anders, Liam. Dieses Mal ist es anders. Vielleicht hatte sie Angst, so fotografiert zu werden. Denn das Foto hielt sie fest. Einerseits hielt es sie fest, andererseits ließ es sie stehen.

Eine Frau im warmen, schwarzen Mantel, einem grauen Cappy, das die kahle Kopfhaut bedeckt, an den Füßen rote Segeltuchschuhe mit weißer Sohle und weißen Schnürsenkeln, eine durchsichtige Plastiktasche mit Habseligkeiten auf dem Schoß. Im Rollstuhl sitzend – Ùna. Nuala? Ein deutlich jüngerer Mann, der den Rollstuhl schiebt, an ihrer Seite – Liam. Hugo?

Ihre Reiselust war ungebrochen, und die Reise nach Berlin gab ihr neuen Auftrieb. Sie war sozusagen ein Zugewinn an Zeit. Überzählige Zeit. Ja, ich sterbe, sagte sie, aber davon abgesehen geht es mir doch prima! Sie versuchte immer wieder, ihr Los mit Humor zu nehmen, bemühte sich, die Realität auszublenden. Verständlicherweise. Sie war voller Energie und wollte alles sehen. Alle Galerien. Alle Museen, alle Parks, alle Orte, die sie noch nicht kannte. Sie wollte mehr über die Geschichte erfahren, wollte wissen, wie sich die Stadt nach dem Fall der Mauer verändert hatte und wie sie jetzt aussah, in diesem Moment, lebendig, atmend und voller Erinnerung. Alles, was für mich noch möglich ist, sagte sie. Auf dem Briefpapier des Hotels hatte sie eine Liste geschrieben, einen Terminplan, wenn man so will.

Der Botanische Garten, die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, die Berliner Mauer, das Pergamon-Museum, das Holocaust-Mahnmal, die Berliner Staatsoper, die Paris Bar, das Hotel Adlon – Schauplätze dieser Reise und doch erscheinen sie nebensächlich.

Vielmehr geht es ums Reden. Sie reden miteinander. Sie reden viel. Und sie schweigen miteinander. Schonungslos ehrlich, an manchen Stellen verbittert und doch lebensbejahend erzählen die Beiden einander ihre Geschichten. Szenen der Vergangenheit leuchten auf, die ihr Leben geprägt haben: ganz zentral der für Ùna unverarbeitete Tod ihres jüngeren Bruders Jimmy und immer wieder geht es um die schwierige Beziehung zu ihren Eltern. Liams zerbrechliche Geschichte seiner Ehe, seiner Vater-Tochter-Beziehung. Vielleicht nie Ausgesprochenes wird ausgesprochen, nie Gedachtes gedacht.

Demütig und voller Fürsorge begleitet Liam Ùna in diesen Tagen. Szenen, wie er im Taxi ihre Fußnägel schneidet, gemeinsam mit ihr einen Bettbezug aussucht für ihren letzten Schlaf oder sie völlig verzweifelt im Hotel sucht, nachdem sie sich verlaufen hat, ihr Hände und Füße reibt, um sie zu wärmen, berühren zutiefst. Man spürt eine tiefe Vertrautheit der Beiden, ein stilles Zugeneigt sein, unvergleichliche Freundschaft.

Es ist eine außergewöhnliche Reise, eine Abschiedsreise, still, aber voller Bewegung – innerlich und äußerlich. Zerbrechlichkeit und Tod vor Augen und doch jede einzelne Minute des noch verbleibenden Lebens aufsaugend.

Wir hätten die schönste Zeit unseres Lebens haben können, sagte sie, wenn wir gemeinsam um die Welt gereist wären, zigmal über den Äquator, zu den Galapagos-Inseln und dem Indischen Ozean, bis nach Sri Lanka und Tibet, in jeden Winkel der Welt, an fremde Orte, egal in welcher Reihenfolge. Ach, all die Menschen, denen wir begegnet wären, die überfüllten Züge, überall Koffer, Leute, die auf der Gepäckablage schlafen, bis nach Afrika, wo das Leben auf Erden seinen Anfang nahm, und Gott allein weiß, wohin wir von dort gereist wären, vielleicht bis ans Ende der Welt. Ja, ich hätte für Jimmy bis ans Ende der Welt gehen müssen.
Alles egal, Hauptsache, wir wären unterwegs gewesen, sagte sie. Alles egal, Hauptsache, wir wären gereist.

Wenige Tage nach ihrer Rückkehr aus Berlin verstarb Nuala O’Faolain.

 

Hugo Hamilton, Jede einzelne Minute, erschienen bei Luchterhand im September 2014, € 18,99. Vorgestellt von Susanne Kardel. Das Buch gibt es hier.

Irland im TV: Tomi Ungerer im Porträt

Irland im TIrland-im-TVV in den Mitte Dezember: Der Irland-TV-Überblick auf Irlandnews. In den kommenden Tagen kommt der eigenbrötlerische Pathologe Quirke noch einmal finsteren Machenschaften im Irland der 1950er Jahre auf die Spur, die Französin Frédérique Pichard und der Niederländer Jan Ploeg unterhalten enge Freundschaften zu Delfinen und der Bayerische Rundfunk zeigt einen preisgekrönten Dokumentarfilm über Tomi Ungerer.

 

Samstag, 13. Dezember 2014, EinsFestival 3:35 Uhr: Der Pathloge – Mörderisches Dublin – Der silberne Schwan

Irland TV-Tipp, Der Pathologe - Der silberne Schwan

“An den jungen Billy Hunt (Branwell Donaghey) kann Quirke (Gabriel Byrne) sich nicht mehr erinnern. Sein ehemaliger Student, inzwischen gut situierter Pharmavertreter, war schon immer ein unscheinbarer Typ. Umso überraschter ist Quirke, als dieser ihm seine charmante Gattin vorstellt. Die auffallend hübsche Deirdre (Charlie Murphy) betreibt mit dem Geld ihres Mannes einen Schönheitssalon. Die grazile Lady hat offenbar dunkle Geheimnisse, denn schon bald landet sie auf Quirkes Seziertisch.

In ihrem Magen finden sich neben diversen Schlafmitteln Rückstände derselben Droge, die der Pathologe bereits bei der an einer Überdosis verstorbenen Gattin eines hochrangigen Politikers entdeckt hatte. Quirke beginnt zu ermitteln. Dabei findet er heraus, dass Deirdre das Rauschgift von ihrem heimlichen Liebhaber bezog, Leslie White (Lee Ingleby), dem Geschäftsführer ihres Salons. Als nächstes Opfer hat der zwielichtige Herzensbrecher die wohlhabende, junge Phoebe (Aisling Franciosi) auserkoren.

Bei Quirke schrillen sämtliche Alarmglocken, denn Phoebe ist seine Tochter. Allerdings hat er sich erst kürzlich zu ihr bekannt, weswegen die junge Frau keinen gesteigerten Wert auf den gut gemeinten Rat ihres Rabenvaters legt. Um Schlimmeres zu verhindern, bittet Quirke seinen Stiefvater, den mächtigen Richter Griffin (Michael Gambon), um nicht ganz legale Hilfe. Als dieser einige Schläger organisiert und auf Leslie White ansetzt, beginnt ein Wettlauf mit der Zeit.” (Senderinformation)

 

Sonntag, 14. Dezember 2014, EinsFestival 20:15 Uhr: Der Pathologe – Mörderisches Dublin – Eine Frau verschwindet

Irland TV-Tipp, Der Pathologe“Nach einer Entziehungskur versucht der Pathologe Quirke (Gabriel Byrne) wieder Fuß zu fassen. Der trockene Alkoholiker kämpft tapfer dagegen, wieder rückfällig zu werden, als überraschend seine Tochter Phoebe (Aisling Franciosi) bei ihm anklopft. Seit zehn Tagen hat sie nichts von ihrer Kommilitonin April gehört und ist beunruhigt.

Quirke kennt zufällig Aprils Bruder Oscar Latimer (Aidan McArdle), doch der namhafte Gynäkologe hat keinen Kontakt mehr zu seiner Schwester. Ihr Verbleib scheint ihn zudem nicht sonderlich zu interessieren. Auch Aprils Mutter Celia (Dearbhla Molloy) und ihr Onkel, ein hochrangiger Minister (Ian McElhinney), reden nur ungern über sie. Das schwarze Schaf der Familie brachte die vornehmen Latimers schon öfter in Verruf. In der Wohnung der Vermissten entdeckt Quirke Blutspuren, die darauf hindeuten, dass April abgetrieben hat. Trotz der Mauer des Schweigens, die ihm bei ihrer Familie entgegenschlägt, ermittelt er mithilfe von Inspector Hackett (Stanley Townsend) weiter. Was seine Recherchen ans Tageslicht zerren, hat weitreichende Konsequenzen – bis in die Dubliner High Society hinein.” (Senderinformation)

Wiederholung: Mittwoch, 17. Dezember 2014, EinsFestival 23:30 Uhr

 

Dienstag, 16. Dezember 2014, arte 11:20 Uhr: Die mit den Tieren leben – Wie ein Delfin im Wasser

Irland TV-Tipp, Die mit den Tieren leben“Fünf einzigartige Freundschaften, die von der außergewöhnlichen Beziehung zwischen Mensch und Tier erzählen. Die vierte Folge stellt zwei unterschiedliche Delfinfreunde vor. Die Französin Frédérique Pichard rettete einem Delfin das Leben, während dem Niederländer Jan Ploeg ein Delfin zu Hilfe kam.

 

 

 

Demo in Dublin: Ein heißer Tag im irischen Winter

Irland im Sturm by Markus Bäuchle

Die Zeichen in Irland stehen auf Sturm

Ein kalter stürmischer Mittwochmorgen in Irland dürfte sich zu einem heißen Tag für das irische Polit-Establishment entwickeln. Vorgestern noch überstand Premier Enda Kenny im Parlament ein Misstrauensvotum, heute wird das Volk mit den Füßen über die Regierungspolitik abstimmen: Es ist der Tag ein weiteren Groß-Demonstration in Dublin gegen die landesweite Einführung von Wassergebühren.

Zwar hat die Fine-Gael-Labour-Regierung unter dem massiven Druck der Water-Tax-Gegner ihre politischen Ziele bis zur Unkenntlichkeit verwässert — doch den Leuten geht es nach 7 Jahren Austeritätspolitik, Abstrafung, Ausbeutung und Ausnutzung durch die eigenen Eliten lämgst nicht mehr um die Wassergebühren. Die aktuellen Umfragen zeigen: Es geht schlicht ums Ganze — zumindest für Irlands etablierte Parteien.

Die Regierungsparteien haben schlechte Werte wie nie zuvor und die Wähler vollziehen gerade einen für Irland bislang einmaligen Linksruck: Fast jeder dritte Ire würde heute eine linke oder lingsgerichtete Partei oder unabhängige Kandidaten wählen. Der Ruf nach einer neuen Partei ertönt laut wie nie zuvor —  die Monate der Regierung scheinen gezählt. Kein Wunder: Die Irinnen und Iren müssen seit Jahren wie niemand sonst in Europa für die Schulden der amerikanischen und europäischen Zocker-Banken geradestehen, sie haben  — aufgrund einer der Ex-Regierung von der EU im September 2008 abgerungenen totalen Bankbürgschaft — einen Großteil der europäischen Schuldenlast aus der Finanzkrise zu tragen.

Die Profiteure des irischen Trauerspiels findet man vor allem in in Banketagen und Unternehmeszentralen in Frankreich und Deutschland. Die Menschen auf der Insel fühlen sich deshalb von ihrer politischen Führung verraten und verkauft und fordern vehement wie selten zuvor einen Neuanfang. In Deutschland schlummern die vom materiellen Wohlstand eingelullten Bürgerinnen und Bürger derweil sanft weiter . . .

PS: Während das politische Klima Hitze im Winter bringt, sorgt das Wetter heute auch für einige Abwechslung: Ein schwerer Tornado auf dem Nordatlantik schickt seit gestern heftige Winde und Rekord-Wellen in Richtung der irischen Westküste. An der nördlichen Atlantikküste in den Counties Donegal, Mayo, Sligo und Clare werden heute an den Stränden Monsterwellen mit einer Höhe von weit über 20 Metern erwartet. Weil die Windgeschwindigkeiten aber voraussichtlich  nicht über 130 Stundenkilometer hinausgehen werden, muss nicht das Allerschlimmste befürchtet werden: Wetterwarnung orange!

Irlands Wetter: Hammer-Winter oder nur Stürme?

Roaringwater Bay_2_

Irlands Wetter: Reden auch wir davon: Heute wird es kalt, windig und nass in Irlands Südwesten. Willkommen im irischen Winter. Irischer Winter? Wie der angesichts des fortschreitenden Klimawandels in Zukunft aussehen soll, darüber streiten sich die Experten auf der Insel — und so wie in Deutschland jeder ein Bundestrainer oder zumindest ein Loddar Matthäus ist, so ist jeder Ire ein höchst qualifizierter Alltags-Meterologe. In dieser Vorweihnachtszeit jedenfalls schießen die Spekulationen über das bevorstehende Wetter besonders wild ins immer noch wuchernde Kraut (bis gerade eben war es sehr mild, was dazu führte, dass vorgestern noch die Rasenmäher dröhnten, um das wuchernde Gras zurückzustutzen). Die Rede ist von einem grausamen, immerhin trockenen aber bitter kalten Winter, wie ihn die Insel “seit 1000″, in seiner milderen Form “seit 100 Jahren” nicht gesehen hat.

Die Wetterpropheten aus Donegal, aus Kerry, Kealnine oder Neuseeland bemühen die Verlagerung des Jetstreams südwärts, die Farbe der Ilex-Beere, das Fell des Fuchses oder die Wetteraufzeichnungen der letzten Jahre, um sich “absolut sicher” zu sein: Uns steht ein Hammer-Winter bevor. Schlimmer noch als die kontinentalen Winter 2009 und 2010, die sich ohne jegliche Warnung mit wochenlangem Frost, mit Eis und Schnee über die Insel legten und das Leben hier weitgehend lahm legten. So rein vorsichtshalber haben wir deshalb die Wasserleitung doch einmal isoliert. Das Wasser aus dem Bach zu schöpfen, weil die Leitung eingefroren ist, war eine schöne Erfahrung wert, man muss sie aber nicht ständig wieder machen müssen (sollte der Jahrtausendwinter tatsächlich zuschlagen). Auch Schneeketten gibt es mittlerweile im Angebot lokaler Geschäfte — der Winter-Straßendienst bleibt allerdings in weiten Teilen des Landes eine unaussprechbare Vokabel und ein exotisches Ordnungskonzept.

Es gibt allerdings auch Widerrede: Unser Nachbar und Freizeit-Metereologe Stefan etwa hält streng dagegen und nennt die Mär vom bevorstehenden strengen Winter “Gerede”. Seine eigenen Wetterbeobachtungen der vergangenen 25 Jahre lassen ihn Gegenposition beziehen: Es wird, so Stefan, nicht sonderlich kalt werden. Dafür gibt es wieder viel Wind und Regen. Oha, wieder ein Winter wie den vergangenen, mit zwölf heftigen und zerstörerischen Stürmen? Hammer-Winter oder Hammer-Stürme also? Wir werden sehen.

Fakt ist: Die Tage sind nun kurz,  die Lichtspiele in den dunklen Nuancen hellgrau bis anthrazit betören. Die Wahrheit über das Winterwetter 2014/15 werden wir erfahren. Bald. Sehr bald.

Irland Winter

 

Fotos: Roaringwater Bay im Dezember 2014 / © Markus Baeuchle / Wanderlust

 

Warum die Iren ständig über das Wetter reden

Wetterfahne Cork IrlandDas Wetter bestimmt nicht nur das ländliche Leben in Irland, es dominiert auch die täglichen Gespräche, den Smalltalk. Die eher rhetorische Gruß-Frage: “Wie geht es?” (How are you?”), wird meist kurz beantwortet mit “Good” oder “Not too bad” und dann mit einem Kommentar zum Wetter gekontert: “Nice morning”. Der Konter widerum wird erwidert mit einer Bestätigung des Wetterkommentars, etwa mit “Glorious morning”. Danach wird dann das Wetter im Detail diskutiert, und so geht das eine ganze Weile hin und her, bis man endlich zur Sache kommt.

Warum eigentlich reden die Iren so gerne, so oft, so leidenschaftlich und ständig über das Wetter?
Weil das Wetter in Irland so vielfältig ist (“Vier Jahreszeiten an einem Tag”), dass ihnen nie der Gesprächsstoff ausgeht.
Weil Menschen in einer (post-)agrarischen Gesellschaft immer noch stark vom Wetter abhängig sind (oder glauben, vom Wetter abhängig zu sein.)
Weil das Wetter so selten den eigenen Erwartungen entspricht.
Weil es ein so herrlich unverfängliches Thema ist, über das sie sich sogar streiten können, ohne in Streit zu geraten.
Weil sie dann nicht über die neuesten Untaten des Pfarrers reden müssen.
Weil es kein besseres Thema für eine formale und unverdächtige Unterhaltung gibt.
Weil sich der nächste Pub-Besuch mit einem Hinweis auf das Wetter bestens rechtfertigen lässt (“Im Pub ist das Wetter immer dasselbe”).

Your man Andrew O’Shea, the Shopkeeper, sagt dazu: “Because the weather always had such an impact on our lives in rural Ireland”.

Oder warum sonst?

 

 

Edit 1: 21. Juli 2011

Best of Irland Wandern (15): Irland lieben lernen

Best of Wandern in Irland: Wir bei Wanderlust in Irland bereiten in diesen Herbst-Wochen die neue Wander-Saison 2015 vor — und blicken zurück auf ein abwechslungsreiches und schönes Wanderjahr 2014. In einer kleinen Foto-Serie zeigen wir Aufnahmen von unseren Gästen, mit denen sie Momente ihrer Wander- und Erlebniswochen festgehalten haben. Best of Irland Wandern 2014.

Best of Wandern 2014, Mizen Peninsula

Irland bietet Natur pur und weites grünes Land – wie hier auf der Mizen Halbinsel

Wandern in Irland – Irland lieben lernen:  Christian war im Sommer bei einer Wanderwoche von Wanderlust dabei und das Land hat ihn begeistert:

“Die Wanderwoche brachte uns ein sehr facettenreiches Land näher und wir haben es lieben gelernt. Natur pur, weites grünes Land, spektakuläre Klippen, wildromantische Strände, das alles wird auf den gut organisierten Wandertouren erkundet. Dazu gibt es Blütenzauber in herrlichen Gartenlandschaften und historische Plätze und Ruinen, hier ist für jeden etwas dabei. Bereits in den ersten Tagen schaltet man ab und lässt den Stress des Alltags hinter sich, beglückt von den Natureindrücken und dem Erlebten. Sehr freundliche Gastgeber und eine gute Küche runden das Bild ab. Unsere erste Reise nach Irland hat uns begeistert und war sicher nicht unsere Letzte!”

Danke, Christian!

Wandern und Erleben in Irland. Die Wanderlust-Reisetermine 2015 stehen fest: Alle Infos gibt es hier. Der Wander-Reiseplan 2015 ist online und kann hier als PDF heruntergeladen werden.

Wanderlust Reisebeschreibung 2015

Die Wanderlust-Reisebeschreibung 2015

Best of Irland Wandern (14): Wohltat für Herz und Seele

Best of Wandern in Irland: Wir von Wanderlust in Irland bereiten in diesen Herbst-Wochen die neue Wander-Saison 2015 vor — und blicken zurück auf ein abwechslungsreiches und schönes Wanderjahr 2014. In dieser kleinen Foto-Serie zeigen wir Fotos von unseren Gästen, mit denen sie Momente ihrer Wander- und Erlebniswochen festgehalten haben. Best of Irland Wandern 2014.

Best of Wandern 2014, Sandra Böttcher Three Castle Head

Aussicht am Three Castle Head auf der Mizen Halbinsel

 

Wandern in Irland – eine Wohltat: Sandra Böttcher aus Rosengarten war im September bei einer Foto-Wanderwoche von Wanderlust dabei, an die sie auch jetzt immer wieder gerne denkt:

“Liebes Team ‚Wanderlust’, herzlichen Dank für eine wundervolle Foto-Wanderwoche im September mit Euch – entlang schönster Wanderrouten, auf fast immer einsamen Wegen, inmitten herrlich abwechslungsreicher Natur – mit toller Verpflegung und Unterkunft in der idyllisch gelegenen Ardnagashel Lodge – und mit ganz viel Zeit zum Fotografieren unter fachkundiger Anleitung! Die Woche war eine wahre Wohltat für Herz und Seele, die vielen schönen Eindrücke lasse ich noch oft Revue passieren und ich komme sehr gerne einmal wieder!  

Danke, Sandra!

Hier noch ein paar Fotos von Sandra, die während dieser Fotowoche entstanden sind.

Best of Wandern 2014, Sandra Böttcher Healy Pass

Schafe und tiefhängende Wolken am Healy Pass

Best of Wandern 2014, Kirche Barley Cove

Auf einem kleinen Friedhof in der Nähe vom Barley Cove Strand

Best of Wandern 2014, Sandra Böttcher Blick nach Bere Island

Blick auf den Leuchtturm von Bere Island

Best of Wandern 2014, Beara

Immer wieder faszinierende Ausblicke auf der Beara Halbinsel

Best of Wandern 2014, Sandra Böttcher Dzogchen Beara

Stille und Ausblicke genießen am Dzogchen Beara Retreat Centre

Wandern und Erleben in Irland. Die Wanderlust-Reisetermine 2015 stehen fest: Alle Infos gibt es hier. Der Wander-Reiseplan 2015 ist online und kann hier als PDF heruntergeladen werden.

Wanderlust Reisebeschreibung 2015

Die Wanderlust-Reisebeschreibung 2015

Friedensmauern: Zwischen Belfast und Berlin

Belfast

Belfast. Foto: NITB

9. November 1989. Zum Tag des Mauerfalls stellt die Autorin Petra Dubilski ihren ganz persönlichen Zusammenhang zwischen einer irischen und einer deutschen Stadt her: Belfast und Berlin. Die Berlinerin zog im Jahr 1997 von Berlin nach Belfast und lebt heute im ländlichen County Clare im Westen Irlands.

“Als ich im April 1997 von Berlin nach Belfast zog, fragte mich so mancher meiner alten Freunde (Berlin) und neuen Bekannten (Belfast): Warum Belfast? Warum von einer (ehemals) geteilten Stadt in die nächste noch geteilte?

So ganz genau wusste ich das auch nicht, außer dass ich damals Belfast nach insgesamt über zweimonatiger Recherche-Reise auf der grünen Insel für den spannendsten Ort in Irland hielt – und noch halte. Aber um nicht weiter von solchen Fragen genervt zu werden – und als Party-Lacher – und auch um psychologischen Tiefgang zu vermeiden, antwortete ich stets: „Ach wisst ihr, ich vermisse die Mauer in Berlin.“ Das hat die Diskussion dann schön abgewürgt.

Seither habe ich hin und wieder in meine schwarze Seele geschaut, um herauszufinden, warum Belfast für mich die logische Konsequenz zu Berlin war.

Vor genau 25 Jahren, am 9. November 1989, saß ich abends nach Redaktionsschluss mit Kolleginnen und der Chefredakteurin unserer kleinen linken Zeitung im Café Adler direkt am Checkpoint Charlie. Wir tranken Wein und diskutierten über journalistische Frauenpower oder dergleichen. Einer unserer Fotoreporter trabte rein, und verkündete trocken: „War gerade auf der Pressekonferenz im Osten, die wollen die Mauer öffnen.“ Und trottete wieder vondannen, um seine Fotos zu entwickeln.

Wir schüttelten nur den Kopf. Männer! Müssen auch alles übertreiben.

Dann geschah es. Menschen auf der anderen Seite des Schlagbaums wurden immer mehr und immer lauter, auf unserer Seite (Westen) sammelte sich nach und nach auch immer mehr Volk an, wir natürlich gleich voran, wir waren ja schließlich Journalistinnen. Es lag eine Elektrizität in der Luft, die bis heute unbeschreiblich ist, Grenzsoldaten der DDR hinterm Schlagbaum waren verwirrt und wussten nicht was tun, politische Miesepeter (Westen) kündigten an, dass das alles in einer Katastrophe enden würde, andere meinten, dass der Kommunismus tot sei. Wir alle tranken vor dem Schlagbaum unseren Wein weiter und diskutierten Theorien – wie es Westberliner eben taten.

Den Menschen jenseits der Grenze war jede Ideologie egal: Und dann öffneten sich die Schlagbäume – und der Rest ist Geschichte. Es war die in jeder Beziehung aufregendste Nacht meines Lebens, einschließlich der folgenden Wochen. Mittendrin in einem historischen Moment zu stecken ist berauschend, macht einen klein und sprachlos und doch stark und zugehörig zu einem größeren Ganzen, was immer das sein mag.

Über die nächsten Jahre kehrte ein westdeutscher Alltag in Berlin ein. Eine Ernüchterung, dass unsere kleine Widerstandswelt, die Insel im „roten“ Umland, das Paradies der Aussteiger und Alternativen, die Stadt der 1000 Möglichkeiten, weil sie nicht den Regeln des geordneten westdeutschen Daseins unterworfen war, nun wirklich perdü war. Der ganz normale Kapitalismus und die ganz normale westdeutsche Kleingeistigkeit zog ein.

Vermisste ich die Mauer? Natürlich nicht. Aber ich vermisste den Ausnahmezustand, den Westberlin vor dem Mauerfall hatte. Ich vermisste das Verbotene, das Fremde in der eigenen Stadt, die unterschwellige Gefahr, das Subversive, wenn man, wie ich, Verwandte in Ostberlin hatte und das erleichterte Gefühl, von Westdeutschland nach Hause über die Autobahn ab Helmstedt zu fahren und kurz vor meiner Stadt den Abzweig „Westberlin“, nicht West-Berlin, zu sehen. Nicht zu vergessen diesen Turm unterwegs mit der Neonschrift „Plaste und Elaste aus Schkopau“, ein Zeichen, dass es bald bis in den „Westen“ geschafft war.

Berlin also wurde für uns Westberliner Alt-Spontis langweilig, auch wenn die Wiedervereinigung einer geteilten Stadt eine zeitlang unglaublich spannend gewesen war. Irgendwie.

Und dann kam Belfast. Als ich das erste Mal in die Stadt kam, fühlte ich mich sofort zu Hause. Nicht, weil ich irgendeine Mauer zu sehen bekam – die sind in Belfast ja eher diskret und mit der Berliner Mauer nun gar nicht zu vergleichen –, sondern weil hier genau das prickelnde Gefühl herrschte, im Ausnahmezustand zu leben.

Nirgends begegnete ich so vielen oddballs, Menschen, die gleichermaßen beschädigt, wie auch lebensfroh und einfallsreich waren, auf jeden Fall nicht ins bürgerlich saturierte Schema passten. Die Belfaster waren meine neuen irischen Mittänzer auf dem Vulkan, meine Ersatz-Berliner.

Und wieder landete ich in einem historischen Moment. Es war die Zeit der stillen Friedensdemos vor dem prachtvollen viktorianischen Rathaus, über die die Weltpresse nicht berichten mochte. Belfast ist ja noch immer eher beliebt für Kriegsberichterstattung – schön sicher und schön romantisch für Schreibtischjournalisten. Wer kann schon Artikel über Friedenswünsche verkaufen?

Es war die Zeit, als hinter den Kulissen die Friedensverhandlungen liefen, als ganz Belfast den Atem anhielt, die Zeit, als die letzten britischen Soldaten auch durch meine Straße liefen, als niemand wusste, wie die Verhandlungen ausgehen würden: Es könnte, wie einst an der Berliner Mauer, zu neuen Gewaltausbrüchen kommen, es könnte aber auch zu einem dauerhaften Frieden führen.

Eine spannende Zeit, und ich erinnere mich auch sehr gut, dass ich ein Jahr nach meinem Umzug nach Belfast in jener Nacht des Karfreitags-Abkommens in Belfast vor dem Rathaus stand und auf einen Freund wartete, der dort beschäftigt war. Es dauerte Stunden, bis er auftauchte (und kein Café Adler weit und breit), aber anders als in Berlin, gab es keine große Party, nur einen tiefen Seufzer der Erleichterung durch die ganze Stadt.

Berlin ist befriedet, Bundeshauptstadt, durch und durch kapitalistisch und gecapuccinot und gelattet. Eine Art preußische Mischung aus München und Bonn. Finde ich gut, aber ist nicht mein Berlin.

Belfast hingegen ist noch immer Belfast. Es gibt noch eine Mauer, im irischen Bestreben nach historischer Größe und in Verkennung historischer Tatsachen oft als „Berlin Wall“ bezeichnet, aber eher ein Lattenzaun mit Durchgängen, über den Berliner nur schmunzeln können.

Aber ähnlich wie vielleicht auch noch in Berlin steckt die „Mauer“ in Belfast noch sehr stark in den Köpfen. Es ist trotz all des Glanzes, der schicken Einkaufszentren, der gläsernen Vergnügungs- und Bürotürme, der spannenden Restaurantszene, des nach wie vor großartigen Nachtlebens eine Stadt, in der die Menschen noch immer auf Eierschalen tanzen – und daher vielleicht sensibler sind für seismische zwischenmenschliche Feinheiten als Berliner es je waren oder sein können.

Ich wünsche den Belfastern eine ebenso „normale“ Entwicklung, wie sie Berlin erfahren hat. Aber ich wünsche mir auch, dass mein geliebtes Belfast dieses Gefühl beibehält, das mit Kapital und Geld nicht korrumpierbar ist, dass diese Stadt zwar nicht mehr mordet, aber aus der Spannung gleicher und doch unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen eine Energie und Kreativität zieht, die Berlin aus meiner Sicht verloren hat.

Warum ich Belfast letztlich verlassen habe? Aus sehr privaten Gründen ;-) Bereue ich es? Jein …”

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