Geht das? Ohne Geld und Druck im Grün-Paradies

Paradies Irland

Das Paradies als Welt des Friedens von Lucas Cranach dem Älteren (1536)

Live long and prosper: Einen wunderschönen guten Morgen Euch allen da draußen in den unendlichen Weiten des Internets. Hier schreibt das Büro für virtuelle, ideelle und sonstige Wohlstands-Migration, Abteilung Grüne Sehnsuchts-Insel. Heute schon in Gedanken ausgewandert?

Eine Leserin aus Berlin schrieb uns vor kurzem: „Wie oft höre ich uns gerade in dieser unsicheren Zeit sagen: Wenn Europa weiter so aus den Fugen gerät – dann wird Irland mehr denn je Zuflucht.“ Da ist sie wieder, die German Angst. Sie geht angesichts vieler Krisen in Europa und der Welt munter um. Die Angst vor einem Zerfall Europas und einem Krieg aufgrund der eskalierenden Ukraine-Krise lässt  viele Menschen nach Aus-Wegen suchen. Fluchtpunkt westlicher Rand.

Ein deutscher Hotelbesitzer in Großbritannien beschwerte sich zur gleichen Zeit, dass er hier an dieser Stelle nicht die perfekten Informationen für seine neue Geschäfts-Idee findet: Nach Irland zu kommen und hier ein Hotel zu kaufen und zu betreiben. Da müsste doch einfach mehr Information über die wirtschaftlichen und geschäftlichen Basics im Land geboten werden. Schade eigentlich, verpasste Chance. Wir werden einen Runden Tisch einberufen. Heile grüne Hotel-Welt.

Suche Wohnort in der Cork-Gegend: Grüezi Herr Bäuche ich bin pensioniert und habe die Freiheit, wohin zu gehen wo ich will. Da ich Irland liebe möchte ich hierhin auswandern – in die Gegend von Cork. Wo empfehlen Sie mir eine Wohnung / Haus zu suchen ? Herzlichen Dank für Ihre Hilfe.”  Das Beratungsgespräch mit dem lieben Peter aus der schönen Schweiz wurde im Oktober vergangenen Jahres hier ausführlich dokumentiert. Peter, was hat Dir das Universum bislang angeboten? Prosper.

Gestern der B aus D: “Ich möchte mich . . . aus dem mentalen Arbeitsdruck zurückziehen – bzw. habe das seit Januar 2014 bereits getan. . . . Mein Gedanke:
Kann man ohne Geld zu investieren in Irland „probeweise“ ein Teil-Selbstversorgerleben führen ? Also z.B. Mietfrei wohnen (als Gegenleistung Mithilfe bei anfallenden Arbeiten), sporadisch bei Bedarf gegen Taschengeld arbeiten, ect… Und dann selber im Bereich Obst, Gemüse und Kräuteranbau – und evtl. Kleintierhaltung den Eigenbedarf decken.”  — “Faszinierend.”

Wir werden in uns gehen. Und schweigen. Vielleicht noch dies:

LLAPIrland ist nicht das Paradies auf Erden.

“Das Leben ist wie ein Garten” (LN)

Jedes Leben ist das Schwerste. Vor allem das eigene.

Follow your heart (und hör ihm halt gut zu).

 

Der Rest ist tatsächlich Schweigen. Weitere Auskünfte nur an dieser Stelle:

Se Tschermans

 

Schönes Wochenende! Der (Ein- und Aus-)Wanderer.

 

 

Irland im TV: Tage oder Stunden

Irland im TIrland-im-TVV Anfang März: Der Irland-TV-Überblick auf Irlandnews. In den kommenden Tagen gibt es eine weitere Folge der irisch-australisch-deutschen Kinder-Serie “Kein Keks für Kobolde” und noch einmal zwei Folgen der zweiten Staffel von Ripper Street. Es wird nach dem Gewissen der Superreichen gesucht, in dem französischen Film “Tage oder Stunden” will Antoine eine alte Rechnung auf der grünen Insel begleichen und Jessica Fletcher ermittelt einmal mehr in Irland.

 

Samstag, 28. Februar 2015, ZDF 6:45 Uhr: Kein Keks für Kobolde – Ungebetene Gäste

Irland TV-Tipp, Kein Keks für Kobolde - Ungebetene Gäste

Es ist Winter. Während sich die Kobolde auf dem verlassenen Campingplatz herumtreiben und die Abfalltonnen durchstöbern, nisten sich ein paar von den Sumpfratten, den fiesen Spießgesellen des weißen Kobolds, im Bau von Neunauge, Feuerkopf und Siebenpunkt ein. Ehe sich die Kobolde versehen, stehen sie ohne Behausung und ohne ihre Nahrungsvorräte da.

Der Wind bläst eiskalt, und der Schnee fällt in schweren Flocken. Müssen sie nun erfrieren und verhungern? Den Freunden kommt eine Idee: In der Festung des verbrecherischen weißen Kobolds – weit jenseits des Sumpfes – brennt sicher ein warmes Feuer, und etwas zu essen wird es dort gewiss auch geben. Wie wäre es also, sich dorthin auf den Weg zu machen und dem Weißen und seinen Leuten eine Komödie vorzuspielen?

Neunauge, Feuerkopf und Siebenpunkt verkleiden sich bis zur Unkenntlichkeit und mischen in der Rolle von ein paar alten, weisen Sehern das Lager der Bösewichte so gründlich auf, dass dort schnell nichts mehr ist, wie es vorher war.

 

Samstag, 28. Februar 2015, EinsFestival 11:05 Uhr: Das Gewissen der Superreichen

Irland TV-Tipp, Das Gewissen der Superreichen

“Warren Buffett und Bill Gates, zwei der reichsten Männer der Welt, starteten vor zwei Jahren eine ungewöhnliche Kampagne: Der Investmentguru und der Microsoft-Milliardär sagten zu, die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden. “The Giving Pledge” heißt diese philanthropische Initiative, der sich inzwischen rund 70 US-Milliardäre angeschlossen haben. “The Giving Pledge” bringt mittlerweile die unfassbare Summe von rund 200 Milliarden US-Dollar zusammen. Seit der Verkündung ist weltweit eine Diskussion über Fluch und Segen des geschenkten Geldes entbrannt. Denn die Initiative trifft auf eine Öffentlichkeit, die dem Kapitalismus zunehmend skeptisch gegenüber steht. Banken gingen Pleite oder konnten nur mit Steuergeldern gerettet werden. Länder wie Griechenland, Irland oder Portugal stehen vor dem finanziellen Kollaps. In Italien, Spanien und Griechenland demonstrieren Hunderttausende gegen die Macht der Wirtschaft. In den USA und der übrigen westlichen Welt verschwindet die Mittelklasse. Reicht es da aus, wenn einige Reiche einen Teil ihres Geldes nach ihrem Gusto spenden? Welches ist ihre persönliche Motivation hinter dem Spendenversprechen? Welcher Verantwortung wollen die Milliardäre gerecht werden? Welcher moralische Anspruch steckt dahinter?

Der Dokumentarfilm “Das Gewissen der Superreichen” gibt Innenansichten in die Welt reicher Philanthropen. Entlang der spektakulären US-Initiative entfacht sich eine Auseinandersetzung über Chancen und Grenzen der Philanthropie in einem kapitalistischen System und die Verantwortung der Reichen in unserer Gesellschaft. 18 Monate lang begleiteten die Filmemacher den Multimilliardär Warren Buffett, erforschten seine Beweggründe, sprachen mit Befürwortern und Gegnern seiner Initiative, wie Bill und Melinda Gates, Karstadt-Retter Nicolas Berggruen, der französischen Baroness Ariane de Rothschild, dem Reeder Peter Krämer sowie dem SAP-Gründer Hasso Plattner, der sich stark in Brandenburg engagiert. Und mit den Menschen der weltweiten Occupy-Bewegung, die ohnehin der Meinung sind: Zurückgeben ist nicht genug.” (Senderinformation)

Wiederholung: Montag, 2. März 2015, EinsFestival 10:00 Uhr

 

Montag, 2. März 2015, ZDFneo 1:20 Uhr: Ripper Street – Verraten und verkauft – Teil 1

Irland TV-Tipp, Ripper Street - Verraten und verkauft Teil 1

Die H Division droht auseinander zu brechen: Nach dem Selbstmord seiner Frau ist Seargent Drake verzweifelt und ausgebrannt, weswegen er den Polizeidienst quittiert. Als er spurlos verschwindet, setzt seine alte Liebe Rose alles daran, ihn aufzuspüren. Doch ihre Suche verläuft erfolglos. Sie wendet sich an Inspector Reid, der ihr ein Foto beschaffen kann. So bekommt sie schließlich von einer befreundeten Prostituierten den Tipp, wo sie nach Drake Ausschau halten kann.

Mit Schmuckhehlerei muss sich auch Constable Flight herumschlagen. Er soll für einen Händler gestohlene Waren finden. Als er den Täter stellen kann, verschont er ihn jedoch, als klar wird, dass dieser für den korrupten Inspector Shine arbeitet. Flight offenbart sich als Spitzel für Reids Erzfeind, der die H Division ausspionieren soll, damit Shine seinem kriminellen Treiben ungestört nachgehen kann.” (Senderinformation)

 

Montag, 2. März 2015, ZDFneo 2:10 Uhr: Ripper Street – Verraten und verkauft – Teil 2

Irland TV-Tipp, Ripper Street - Verraten und verkauft Teil 2“Im Armenviertel Londons werden bei Renovierungsarbeiten drei Leichen in einem zugenagelten Haus gefunden. Sie wurden auf die gleiche Art ermordet wie kürzlich Nathaniel Hinchcliff. Constable Flight weiß, dass es sich bei Hinchcliff um ein Opfer von Inspector Jedediah Shine handelt. Er schließt daraus, dass dieser auch die drei anderen Toten zu verantworten hat. Daher gesteht er Inspector Reid seine Spitzeltätigkeiten für den korrupten Shine, sodass Reid auf die Organisation Obsidian Estate stößt, für die Inspector Shine sein Unwesen treibt.

Das Oberhaupt der verbrecherischen Gruppe ist der reiche Barbier Silas Duggan, der mehr und mehr in den Fokus aller Handlungen rückt: Reid und seine H Division beginnen gegen ihn zu ermitteln, doch der aalglatte Unternehmer ist schwieriger zu belangen als gedacht.” (Senderinformation)

Ripper Street wurde fast ausschließlich in Dublin gedreht. Als Kulisse für East London fungierten unter anderem das Dublin Castle und das Kilmainham Goal (ehemaliges Gefängnis).

 

Montag, 2. März 2015, ARD 2:50 Uhr: Tage oder Stunden

Irland TV-Tipp, Tage oder Stunden

“Antoine ist ein Erfolgsmensch, wie er im Buche steht. Schon als 42-Jähriger besitzt er Anteile einer großen Pariser Marketingagentur, ist mit einer reizenden Frau verheiratet und hat selbstredend ein tolles Haus. Doch von einem Tag auf den anderen scheint er dieser arrivierten Existenz völlig überdrüssig zu sein. Zunächst vergrault er einen seiner besten Kunden mit der offenherzigen Bemerkung, sein Produkt sei so langweilig, dass ihm dazu kein Slogan einfalle. Hals über Kopf verschleudert Antoine darauf seine Agentur-Anteile, und seiner Frau gibt er zu verstehen, dass er sie betrügt und verlassen wird. Doch Cécile lässt sich nicht so schnell entmutigen und organisiert anlässlich seines Geburtstages heimlich eine Party – die in der Tat eine Überraschung wird: allerdings nur für die verdutzten Gäste. Reihum brüskiert der Hausherr seine langjährigen Freunde mit gnadenlos präzisen verbalen Giftpfeilen. Der Abend gipfelt in einer handfesten Schlägerei, doch Antoines Motive werden dabei immer rätselhafter. Auf dem Weg nach Irland, wo sein Vater seit 30 Jahren als kauziger Aussteiger lebt, wird klar, dass Antoine nichts mehr zu verlieren hat. In der paradiesisch erscheinenden Wiesenlandschaft der grünen Insel gibt es noch eine offene Rechnung zu begleichen.” (Senderinformation)

 

Dienstag, 3. März 2015, Sat 1 Gold, 17:00 Uhr: Mord ist ihr Hobby  Mord im Land der Feen

Irland TV-Tipp, Mord ist ihr Hobby

“Jessica besucht in Irland ihre Freundin Bridget Griffith, die vor wenigen Monaten ihren Ehemann verloren hat. Seit seinem Tod leitet Bridgets Sohn Sean die familieneigenen Großwebereien. Doch sein amerikanischer Cousin Ambrose ist plötzlich in Irland aufgetaucht und droht, ihn aus dem Unternehmen zu drängen. – Als Ambrose ermordet im Kirchtum gefunden wird, hält man zunächst Seans älteren Bruder Patrick für den Mörder. Aber Jessica weiß es wie immer besser und macht sich auf die Suche nach dem wahren Täter. Dabei findet sie auch heraus, was wirklich mit Bridgets Ehemann geschah.” (Senderinformation)

Wiederholung: 4. März 2015, Sat 1 Gold 12:50 Uhr

 

Zusammenstellung: Antje Wendel

 

 

Die kurze Geschichte von Leoney und Wesley

Broken Red HeartSchräges erstes Rendezvous in Dublin: Leoney und Wesley lernten sich — wie das heute oft geschieht — über das Internet kennen. Genauer über die Online-Dating-Website Plenty of Fish. Sie verabredeten sich bald zu einem First Date in der wirklichen Welt, einem Chinesen in der Stadt. Das Übliche.

Doch dann nahm die Geschichte von Leoney und Wesley, noch bevor sie wirklich begann, einen überraschenden und jähen Verlauf: Der 28-jährige Wesley beschimpfte seine Internet-Bekannte für ihren Fahrstil, er schrie, sie solle ihn gefälligst ans Steuer lassen. Schließlich forderte Wesley die junge Frau auf, ihm das Fahren zu überlassen, und als Leoney verängstigt ausstieg, warf er ihr die Handtasche hinterher und brauste mit dem Honda Accord davon.

Leoney konnte es nicht fassen: First Date kaputt, Verehrer weg, Auto auch weg, 550o Euro futsch. Das war kein schöner Anfang. Der Honda wurde später ausgeschlachtet bei einem Schrotthändler in Ashbourne im County Meath gefunden. Wesley war als Täter schnell ermittelt, er hatte genügend Spuren hinterlassen.

In dieser Woche wurde Wesley von einem Richter in Dublin zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt*. Für Leoney stellte sich heraus: Ihre Internet-Bekanntschaft war drogensüchtig, hatte die Wohnung verloren und 2.500 Euro Schulden im Drogenmilieu, die er mit dem Diebstahl des Wagens offensichtlich zurückzahlen wollte.

Dumm gelaufen. Für Wesley und für Leoney. Keine Love Story. Kein Happy Beginning. Der Anfang war auch das Ende.

 

Quelle: Irish Times vom 26. Februar 2015

 

Dämmerung: Irland zwischen Tag und Nacht

Irland Foto

Dämmerung in der Bantry Bay

Wie sieht eigentlich “mein Irland” aus? Gestern zeigten wir auf hier Irlandnews Fotos und einige Gedanken zum Irland-Bild von Britta, die aus Fotos ausdrucksstarke kleine Kunstwerke irgendwo zwischen Realismus und Phantasie, zwischen Fotografie und Gemälde macht. Wer die Beiträge hier regelmäßig verfolgt, kennt natürlich meine Vorlieben: Ich zeige gerne Motive von den Bergen, der Küste, dem Meer und den Gärten in unserer Wahlheimat. Oder von Stränden und alten Steinen, von Monumenten aus der Steinzeit.

Irland Foto

Brandungstore am Meer

Um Irland realistisch und in allen Facetten zu zeigen, gibt es viele weitere bislang ungenutzte Möglichkeiten: Das städtische Irland, das Leben in den Housing Estates, das pseudo-elitäre Dublin-4-Irland, das Shopping- und Konsum-Irland, das Arbeits-Irland in den großen Bürozentren und Gewerbegebieten, und all  die hässlichen Seiten der Insel. Oder das Irland der Jahres- und der Tageszeiten.

Irland Foto

Aufziehender Mond über Garinish West

Die Tageszeiten: Ich liebe die Zeiten zwischen Tag und Nacht, zwischen Nacht und Tag: die Dämmerung. Wenn die Sonne untergegangen ist, wenn sie unter dem Horizont steht, bleibt es am Atlantik zwischen Sonnenuntergang und völliger Dunkelheit noch bis zu zwei Stunden hell, dass man im streuenden Restlicht noch immer draußen lesen und später zumindest noch genug sehen kann, um sich zu orientieren.

Irland Foto

Straße nach dem Sturm in der Dämmerung

In Breitengraden näher am Äquator schrumpft die Dämmerungszeit auf eine Stunde zusammen. Man kennt es aus den Tropen, wenn die Sonne fast eilig ins Meer fällt und verschwindet. Ende Juni, in den weißen Sommernächten überschneiden sich Abend- und Morgendämmerung am frühen morgen fast und lassen die Nacht auf ein Minimum schrumpfen.

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Dämmerung_3

When night falls over Bantry Bay

An dieser Schnittstelle zwischen Tag und Nacht begegnen wir einem anderen Bild der Landschaft als am Tag. Es kann die Blaue Stunde sein, es kann eine Stunde sein, in der sich die Streuung des Sonnenlichts mit dem Licht des Mondes mischt, es kann eine Zeit der klaren scharfen Konturen und der kontrastreichen Scherenschnitte sein.

Horizont Irland

Blick nach Westen

Das Licht kann jetzt aber auch besonders weich oder matt sein. Fotografisch ist diese Tageszeit oft besonders interessant. Heute also ein paar Fotos: Dämmerung: Irland zwischen Tag und Nacht.

Irland Foto

Palme im irischen Zwielicht

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Alle Fotos: Markus Bäuchle & Eliane Zimmermann / Wanderlust

“Mein Irland sieht irgendwie ganz anders aus”

Irland Foto

A Distant Call. Irland — gesehen von Britta Kerinnes.

“Mein Irland sieht irgendwie anders aus”, sagt Britta. Wir diskutierten über die Fotos der bekannten Irland-Fotografin Madeleine Weber. Madeleine pflegt einen unverkennbaren Stil und zeigt Irland in ihrer ganz persönlichen Bildsprache (Hier eine kleine Auswahl von Madeleines Fotos). Brittas Reaktion: “Die Fotos sind großartig, vor allem sehr farbenfroh und äusserst brillant. Für mich geben Sie keine typisch irische Stimmung wieder – ‘mein’ Irland sieht irgendwie anders aus, verkörpert eine andere Stimmung.”  Interessant.

Irland Foto

Hidden from the World

Es gibt ein typisches, teils zum Klischee verkommenes Irland-Bild, das uns die Tourismus-Werber gerne vor Augen halten. Es gibt aber auch ein ganz persönliches Irland-Bild, das wir individuell pflegen. Wie also sieht Irland aus, wie sollte es aussehen, was ist der Kern der Abbilder von diesem interessanten, vielschichtig schillernden und viel-zeitigen kleinen Inselland?

Irland Foto

A Walk in Autumn

Britta Kerinnes* meint: “Ich fotografiere in Irland unter anderem deshalb, weil ich gern dem Geheimnis auf die Schliche kommen möchte, was die besondere Anziehung von Irland ausmacht. Natürlich ist die vom Grundsatz her für viele Menschen eine andere – aber ich habe das Gefühl, dass es da etwas Gemeinsames gibt, diesen Faktor, wo viele anfangen zu stammeln, manche entscheiden, ‘ich muss es nicht definieren oder benennen – es ist halt Liebe’ und ich eben immer wieder versuche, es festzuhalten, wenn ich spüre, hier ist was besonderes, das hab ich in Deutschland oder auf Mallorca nicht.”

Irland Foto

Welcoming

Ich bat Britta, uns “ihr Irland” einmal in eigenen Fotos zu zeigen und es in Worten zu beschreiben. Sie hat geliefert, hier Brittas Irland:

Irland, mit meinen Augen

Ich habe immer schon fotografiert, seit ich ungefähr zehn war, zeitweilig mit einem gewissen Anspruch, analog, selbst entwickelt und vergrößert, zu anderen Zeiten relativ wahllos, einfach als eine Art Fototagebuch alles Mögliche festgehalten.

Im Moment fotografiere ich digital. Die Fotos, die ich am Ende zeige, sind fast nie ‚Straight out of Camera‘ (SOOC), sondern oftmals ziemlich stark bearbeitet. Ich lege meistens einige Texturen (zum Beispiel Fotos von altem Papier, alten, rissigen Mauern oder Ähnliches – eigene oder auch welche von anderen Fotografen) über das Bild, manchmal nur eine oder zwei, können aber auch manchmal acht oder neun sein. Einzelne Bereiche des Bildes werden dann in Photoshop auch wieder stärker „freigelegt“, also hervorgehoben. Insgesamt bekommt so ein Bild dann meinem Empfinden nach mehr „Tiefe“, mehrere Dimensionen. Manchmal lege ich Texte oder Teile davon über ein Bild, gern alte Handschriften, manchmal alte Landkarten, oft aber am Ende kaum sichtbar – für Eingeweihte sind es manchmal auch Suchbilder…

Fotos Irland

The Mystery of the Lady of the Lake

Letzten Endes geht es darum, das, was ich von Anfang an in einer Szene gesehen habe, für andere sichtbar zu machen – durchaus wie beim Malen, wo es weniger darum geht, die objektive Realität darzustellen, sondern darum, wie man in einem bestimmten Moment eine bestimmte Szene empfindet.

Irland hat für mich viel Undefinierbares und auch Widersprüchliches, was ich in Worten überhaupt nicht wiedergeben kann und versuche, in Fotos zu fassen.

Wie viele andere genieße ich hier mehr noch als anderswo, in der Natur zu sein, fühle mich dann in der Balance, Spannungen fallen von mir ab. Auch ich fühle mich „den Ursprüngen näher“, entweder in einer ausgedehnten Landschaft, die nicht oder kaum von Menschen geformt wurde oder auch an Orten, die vor hunderten von Jahren für zum Teil hunderte von Jahren geistige Zentren waren. Auch ich bin fasziniert von diesen besonderen Qualitäten des Lichts – unglaublich subtil eindrucksvoll und ganz schwer in Worte zu fassen.

Aber wirklich definieren kann ich meine Faszination für dieses Land nicht. Muss ich ja auch nicht. Aber ein Teil von mir wird vermutlich immer wieder versuchen, das Besondere daran auszumachen.”

Changeable_Weather

Changeable Weather

 

Britta Kerinnes

* Zur Person: Britta Kerinnes ist eine Amateurfotografin aus Norddeutschland mit besonderem Hag zu Irland. Derzeit bereitet sie die Anfang April anstehende Umsiedlung nach Irland vor. Foto: In Brittas Bay, Wicklow, Ireland, by Dominic Moriarty.

Alle Fotos auf dieser Seite stammen von Britta. Sie können durch einen Klick auf das jeweilige Bild zum Ansehen vergrößert werden. Viel Spaß beim Anschauen.

Wer Vorschläge in Bild und Wort hat, wie sein/ihr Irland aussieht, einfach eine Mail an: markus@irlandnews.com . Ich freue mich drauf. Der Wanderer.

Irischer Sonntag: Wir retten die Welt und uns

In der wilden Natur Irlands

In der wilden Natur Irlands

Irlandnews.comKennen Sie diese kleinen Wunder im Alltag? Zum Beispiel, welchen Unterschied 500 Meter Höhe und zehn Kilometer zu Fuß machen. Es ist der Unterschied zwischen besorgt und sorgenfrei, zwischen blockiert und befreit, zwischen bedrückt und glücklich sein — und auch der zwischen ratlos sein und verstehen. Was soll das, fragen Sie? Der Reihe nach.

Seit wir das Vergnügen einer neuen SPIEGEL-Chefredaktion und des neuen Erscheinungstags Samstag haben, schaue ich wieder öfter in das Magazin, das neuerdings mit dem Claim Keine Angst vor der Wahrheit für sich wirbt. Die Titelgeschichte lässt aufhorchen: Noch neun Monate bis zur nächsten Weltklima-Konferenz und der SPIEGEL schickt schon jetzt wie aus dem Nichts zwischen Europakrise, Ukraine-Krieg und dem Kampf der Kulturen einen Beitrag über den desolaten Zustand unseres Planeten ans Licht der Öffentlichkeit: Der verheizte Planet. Wie die Gier nach Wachstum unser Klima zerstört.  Mich verwundert seit langem, dass das mit Abstand größte Problem, mit dem wir Menschen konfrontiert sind, nicht jede Woche an erster Stelle der politischen und medialen Tagesordnung steht — in Wahrheit aber können wir froh sein, ganz ab und zu wieder einmal erinnert zu werden, dass die  Menschheit weiterhin ungebremst auf eine dramatische ökologische Katastrophe zusteuert, dass wir mit unserem Wachstumswahn gerade die Lebensgrundlagen unserer Kinder und Enkel zerstören — und dabei so tun, als würden wir mit  Mülltrennung und Ökostromkonsum diese Welt retten.

Irlands Wildnis

Die Titelgeschichte im SPIEGEL ist im übrigens wenig lesenswert, da die Autoren offensichtlich doch Angst vor der Wahrheit haben, der Rettung durch Technik das Wort reden und ihre Klientel nicht allzu sehr mit der Wahrheit erschrecken wollen, dass der irre gewordene Kapitalismus, die destruktiv marodierende Wirtschaft, unser aller Konsum-Sucht, die weiterhin vorherrschende Ideologie des Neoliberalismus und unser pseudo-religiöser Gottes-Ersatz namens Wachstum die Ursachen für die fortgeschrittene Zerstörung des Planeten sind (Nebenbei: Wir tun immer so, als würde bald einmal etwas Schlimmes passieren, dabei geschieht die Katastrophe längst schleichend vor unser aller Augen: gigantische Umweltzerstörung, Ausrottung von Tieren und Pflanzen, Anstieg der Temperatur und der Meere).

Hungry Hill von Derryclancey

NKDer neue SPIEGEL ist dennoch lesenswert, denn es gab tatsächlich einen rein formalen Anlass für die Umwelt-Titelstory: Anfang März erscheint Naomi Kleins neues Buch in Deutsch: Die Entscheidung – Kapitalismus vs.Klima heißt es und rechnet mit der gescheiterten Klimaschutzpolitik der letzten Jahrzehnte ab. Im Interview wirbt die kanadische Globalisierungs-Kritikerin für eine Revolution von unten gegen den Kapitalismus und die zerstörerischen Kräfte des freien Marktes. Von der in Systemzwängen gefangenen Politik erwartet Klein gar nichts. Die besorgten Menschen müssen deshalb ihre Politiker zum Jagen tragen. Der Weg: Revolution durch eine Massenbewegung. Die Ziele: Beschränkung, Verzicht, Überwindung der Wachstums-Ideologie und  eine drastische Regulierung der Märkte.  Naomi Klein im Interview:

“Jahrzehntelang hat die grüne Bewegung die Menschen dazu erzogen, Komposthaufen anzulegen, Müll zu trennen, Fahrrad zu fahren. Sehen Sie sich an,was in diesen Jahrzehnten aus dem Klima geworden ist.

Weil die Strategie, sich auf sparsame Glühbirnen und Emissionshandel zu konzentrieren, trostlos gescheitert ist. Erstens, die Umweltbewegung war in den meisten Ländern zweieinhalb Jahrzehnte lang elitär, technokratisch und scheinbar politisch neutral. Wir sehen heute das Ergebnis: Die Richtung ist falsch, die Emissionen steigen, der Klimawandel ist da. Zweitens, in den USA waren alle großen juristischen und gesellschaftlichen Veränderungen der letzten 150 Jahre die Folge sozialer Massenbewegungen, ob für Frauen, gegen die Sklaverei oder für die Bürgerrechte. Diese Kraft brauchen wir wieder, schnell, denn die Ursache des Klimawandels ist das politische und wirtschaftliche System selbst.

Wir brauchen eine ökonomische und politische Transformation, basierend auf stärkeren Gemeinden, nachhaltigen Arbeitsplätzen, einer gerechten Wirtschaft, mehr Regulierung, einem Abschied vom Wachstumswahn. Das ist die gute Nachricht: Wir haben die echte Chance, viele Probleme zugleich zu lösen.”

Irland Wildnis Winter 6Doch zurück zum Alltags-Wunder. Mit einem Kopf voller sorgenvoller Gedanken zur Rettung der Welt packe ich den Rucksack und mache mich mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter auf den Weg in die Berge vor unserer Haustür. Wir gehen bergauf. Ziel ist der Hungry Hill, auch Angry Hill, Ccoc Daod, Berg der zwei Götter,  im Zentrum der Beara Peninsula in Irlands Südwesten. Wir setzen Fuß vor Fuß. Schritt für Schritt lassen wir die Sorgen des Alltags hinter uns, bald bewegen wir uns oberhalb der Sorgengrenze — gehen gegen starken Wind, atmen die atlantische Luft, steigen über Felsplatten und versinken knöchteltief im Moor, erreichen schließlich die ersten Schneefelder unterhalb des Doppelgipfels dieses mächtigen Sandsteinfelsens. Der Körper arbeitet schwer, doch das Sein ist jetzt leicht. Wir sind Teil dieser Natur und ergeben uns, übergeben das Denken, das Sorgen, das Planen und Wollen einfach für ein paar Stunden dem Wind.

Im FelsMir wird beim Gehen vollends klar, warum wir Menschen die Natur unseres Planeten nicht für genügend schützenswert halten, um ganz entschieden für deren Gesundheit einzutreten. Wir haben ein kulturell verkorkstes Verhältnis zur Natur (“Machet Euch die Erde untertan”), schlimmer noch: Wir haben — viele von uns haben — gar kein Verhältnis zu dieser Natur mehr. Wir leben in den Kunstwelten der Zivilisation, unsere Gedanken und Gefühle vagabundieren in virtuellen Online-Welten. Wir kennen die Natur nicht mehr, wissen nicht viel über sie. Dabei ist sie die große transformative Kraft: Es sind nur ein paar Schritte, ein paar Stunden in Wind, Sonne, Regen, und sie verändert uns, lässt uns zu Ruhe und Klarheit kommen. Es ist ganz einfach, man/frau muss nur die ersten Schritte ins Alltagswunder wagen. Der Rest geht wie von selbst. Hier ein paar Fragen, die mir unterwegs ins Bewusstsein kommen:

Wann bist Du zum letzten Mal über einen Bach gehüpft?

Wann hast Du zum letzten Mal im Fluss gebadet?

Wann bist Du zum letzten Mal barfuß über eine Wiese gelaufen?

Irland Wildnis Winter_3

Wann hast Du zuletzt den warmen Regen auf Deiner Haut gespürt?

Wann bis Du zum letzten Mal auf einen Felsen gekraxelt?

Wann hast Du zuletzt dort oben auf dem Gipfel den Himmel geküsst?

Wann hast Du zuletzt Dein Herz geöffnet?

Heute ist der erste Tag vom Rest unseres Lebens. Vielleicht ein Tag, um etwas zu tun, was wir lange nicht getan haben: Die Natur* neu kennen und schätzen zu lernen.

Irland Wildnis_Im Fels_Ich beschäftige mich im Rahmen unserer Wildnis-Arbeit mit der existentiellen Frage, wie wir unser Verhältnis zur Natur besser verstehen und neu begründen können. Wir gehen mehrmals im Jahr mit einer kleinen Gruppe Menschen für eine Woche zum Wildnis-Wandern in die Abgeschiedenheit der irischen Berge, um gemeinsame Antworten zu erfahren. Wer Interesse hat: www.irland-wildnis.de

Irland Wildnis winter_4

* Und klar: Natur ist nicht nur, wenn die Sonne scheint und uns angenehm wärmt. Natur ist auch herausfordernd, angreifend, zerstörerisch und mahnt uns, uns gut zu schützen.

Alle Fotos stammen von unserer Wanderung am 21. Februar 2015 auf den Hungry Hill. Fotos: © 2015 Markus Bäuchle / Wanderlust

Irland Wildnis Winter_2

 

“Muster-Patient” Irland ist nicht Griechenland

Sparland Irland. Banken gerettet, Bevölkerung verarmt .

Sparland Irland. Banken gerettet, Bevölkerung verarmt .

Irland ist nicht Griechenland — und Enda Kenny schon gar nicht Alexis Zypras. Beide Länder standen im Jahr 2010 vor der Pleite. Irland, genauer die irische Regierung, hatte sich deshalb flugs dem Spardiktat der Troika — der neuen Herren im Land von EU, Europäischer Zentralbank EZB und Internationalem Währungsfond IWF – bedingungslos unterworfen, die Souveränität zeitweise abgegeben und sich mit einer ferngesteuerten Austeritäts-Politik vom restlichen Europa als Spar-Weltmeister feiern lassen. Griechenland fügte sich dagegen eher vermeintlich bis halbherzig und sucht nun seit einigen Wochen den offenen Konflikt mit einer EU-Politik, die Banken rettet und Menschen finanziell und gesundheitlich bedroht und zerstört.

Natürlich sind beide Länder nicht zu vergleichen: Irland hat das nachweislich solidere Wirtschafts- und Verwaltungsssystem, ist strukturell besser augestellt – und doch fällt auf, wie wenig zuletzt, angesichts des Dramas um Griechenland, in Brüssel, Berlin oder Paris die alte Erfolgsstory vom sogenannten Musterpatienten Irland erzählt wird. Irland kommt als Referenz (Bittere Medizin geschluckt und deshalb am Gesunden) derzeit nicht vor, und die Gründe liegen auf der Hand.

Proteste in Irland: Die Troika war kaum ein Grund, das Wasser ist es.

Zahlreiche Menschen auf der Insel leben aufgrund der strengen Sparpolitik der vergangenen sieben Jahre in Armut oder am Rande der Armut. In diesem Land hungern längst wieder Kinder, Menschen leben auf der Straße, kleine Geschäftsleute haben ihre Existenz verloren, andere ihren Job, viele Iren wissen nicht, wie es finanziell und beruflich weitergehen soll. Die beiden irischen Post-Celtic-Tiger-Regierungen zeigten sich servil bis zum Gehtnichtmehr und muteten ihren Bürgern heftige Belastungen zu —nachweislich zugunsten der großen europäischen Banken, der Finanzmärkte und der sogenannten Wirtschaft. Heute lebt die Mehrheit der Iren wesentlich bis empfindlich schlechter als vor fünf Jahren, und wenn die Rede von einem spürbaren Aufwärtstrend der Wirtschaft im Land ist, reagieren viele Insulaner nur mit Zynismus.

Der Druck des Sparens, Weniger-Verdienens und Mehr-Bezahlens wurde im vergangenen Jahr so groß, dass auch den geduldigsten Menschen in Europa dann doch noch massenweise der Kragen platzte: Ausgerechnet am Thema Wasser und mit teilweise dümmlichen Parolen (Warum Wassergebühren zahlen in einem Land, wo es so viel regnet) entlud sich der Zorn auf die devote Regierung und die Absahner-Elite in deren Dunstkreis in Massenprotesten gegen die neuen Wassergebühren. Die etablierten Parteien in Irland verlieren rasend schnell an Zustimmung, unabhängige und linke Gruppierungen sind auf dem Vormarsch.

Die Lage ist auch im neuen Jahr unterschwellig explosiv – und deshalb will man sich im offiziellen Europa nicht mehr zu weit mit dem vermeintlichen Gesundspar-Musterbeispiel Irland aus dem Fenster hängen. Die Fine-Gael-Labour-Regierung sucht derweil mit der Behauptung zu punkten, ihre beispiellose Rosskur ebne gerade den Weg in eine glänzende Zukunft, während die armen Griechen dem totalen Niedergang entgegen sähen. Aber ob Mary und Paddy das auch glauben wollen? Diese Frage wird die nächsten Parlamentswahlen spätestens im kommenden Frühjahr entscheiden. In Vorbereitung des politischen Showdowns blicken deshalb alle politischen Lager in diesen Wochen auf Griechenland – manche beschämt, andere trotzig, dritte bestärkt. 

 Derweil muss sich auch die neue nationale Wasserversorgung die Herzen der Bevölkerung erobern. Gänzlich ungeschickt aufgesetzt als auf den ersten Blick erkennbarer Selbstbedienungsladen für das Management und ausgestattet mit der Option zur Bereicherung für die Mächtigen im Land  (Privatisierung der Wasser-Resourcen), wird die halbstaatliche Irish Water  beweisen müssen, dass sie – auch als Gegenleistung für die neuen Wassergebühren – die gewaltigen Infrastrukturprobleme lösen kann. Heute morgen wurde bekannt, dass das marode Wasserversorgunsgnetz durch Lecks genauso viel Wasser verliert wie es am Ende liefert. Die Abwasser-Reinigung könnte gemessen an europäischen Standards vorsintflutlicher nicht sein, und vielerorts ist die Wasserqualität so schlecht, dass vom Trinken aus dem Wasserhahn heftigst abgeraten werden muss. Und nicht zu glauben: Im regenreichen Irland droht stets die Wasserknappheit: Ein paar Wochen ohne Regen, und viele Städte — vor allem der Großraum Dublin ist betroffen – wähnen sich wasserversorgungstechnisch am Rande der Sahel-Zone.

Die Wut der Iren: Es scheint unverständlich, warum die Iren ausgerechnet beim Thema Wasser auf die Barrikaden gehen — es sei denn, man bleibt im Bild und bemüht den berühmten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Es könnte aber auch die Wut darauf gewesen sein, dass es die Regierung des einst “reichsten Landes in Europa” noch nicht einmal geschafft hat, in den fetten Jahren nach dem Millenium den eigenen Bürgern ein Lebens-Minimum zu garantieren. Denn Wasser ist, nach der Luft zum Atmen, unser wichtigstes Gut, das uns am Leben hält. Sláinte, Bertie und Co!   

Der Graureiher: Ein Meister der Geduld?


Graureiher IrlandIrlands Wildtiere:
Wenn der Graureiher im Garten landet, kann man sicher sein: Die Frösche sind unterwegs. Jedes Jahr im Januar und Februar ist Frösche-Volksmarsch, dann tauchen die glubschäugigen Glitschtiere mit dem breiten Maul  (Rana temporaria) in Mannschaftsstärke wie aus dem Nichts im Gartenteich auf und sorgen dort für Nachwuchs. Der Reiher (Ardea cinerea) weiß das genau und ist immer pünktlich zur Stelle. Sollte er keinen Frosch erwischen, tut es auch eine Schnabelschippe proteinhaltiger Laich.

Nachwuchs vor: In diesem Jahr kommt nicht der alte Zausel vom Vorjahr vorbei, stattdessen steht sich ein junger, etwa einjähriger Graureiher die langen Beine in den Bauch. Sein Deckgefieder schimmert noch bläulich und sein Schnabel leuchtet noch nicht gelb. Von diesen großen Vögeln können wir Geduld lernen: Oft stehen sie stundenlang völlig unbeweglich mit eingezogenem Hals auf einer Stelle und warten auf den Fang. Sie sind die Meister der Geduld. Oder kann nur geduldig sein, wer ein Bewusstsein für die zerrinnende Zeit hat?

Foto: Markus Bäuchle

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