Heiliger Barnabas, es war “Big Fat Gipsy Wedding”

My Big Fat Gipsy Wedding in Bantry

Was bedeutet es, wenn geschätzte zwölf Meter lange pinkfarbene Hummer-Stretcher-Limousinen und fabelhafte Märchen-Kutschen vor dem örtlichen Hotel vorfahren, wenn Gentlemen in weißen Anzügen und Ladies mit Ganzkörper-Tönung und Minimal-Rüschen aussteigen? Die Aufregung war groß im verschlafenen Bantry in West Cork, Irland, als bekannt wurde, dass eine irische Traveller-Familie im Maritime Hotel Hochzeit halten würde. Wird Bantry nun zum Rathkeale des Südens, wie würden die 300 Fest-Gäste von den Sesshaften vor Ort aufgenommen werden? Wie wild würde die ausgelassene Feier werden?

Big Fat Gipsy Wedding in Bantry Irland

Wo die Travellers (korrekte Bezeichnung: Pavee, inkorrekt: Tinker, völlig inkorrekt: Knackers) vorbei kommen, liegt Spannung in der Luft. Zu unterschiedlich sind die Kulturen der sesshaften und der nomadisierenden Iren, der so normalen Mehrheit und der reisenden Minderheit. Nun, die Polizei hatte am Wochenende sicherheitshalber mal wieder Großeinsatz in Bantry, die Schaulustigen trieben sich massenhaft und verstohlen auf der Uferstraße vor dem Hotel herum, und die Festgmeinde der Reisenden enttäuschte sie nicht. In Bantry war “Big Fat Gipsy Wedding”, oberflächlich erinnernd an Szenen der viel gesehenen Fernseh-Doku-Soap “My Big Fat Gipsy Wedding”, die dem britischen Privatsender Channel 4 seit zwei Jahren Rekord-Quoten beschert. (Mehr zu der umstrittenen Serie in der Süddeutschen Zeitung).

Big Fat Gipsy Wedding in Bantry Irland

Mach mir die Angie: Doku-Soap "My Big Fat Gipsy Wedding". Foto: Channel 4

Der deutsche Zaungast, auch ein Wanderer und dem Umherziehen deshalb eng verbunden, sang derweil leise den alten Song von Reinhard Mey in sich hinein:

Leute, nehmt eure Wäsche weg, schließt die Gartentür zu:
Musikanten sind in der Stadt!
Bringt die Katz ins Versteck, die Wäscheleine dazu:
Musikanten sind in der Stadt!
Und was da nicht ganz niet- und nagelfest ist,
Und was keinen Riegel vor hat,
Das wird sofort geklaut und bleibt ewig vermißt:
Musikanten sind in der Stadt!
Erbarmen, Musikanten sind in der Stadt!

Wirte macht den Bierhahn dicht:
Sichert dreifach das Tor:
Musikanten sind in der Stadt!
Löscht im Fentser das Licht,
Nagelt Balken davor :
Musikanten sind in der Stadt!
Die singen und gröln bis der Morgen anbricht,
Die würfeln und fressen sich satt,
Die raufen und saufen und zahlen dann nicht:
Musikanten sind in der Stadt!
Erbarmen, Musikanten sind in der Stadt!

An den Gasthof schreibt Ruhetag,
Alle Betten belegt:
Musikanten sind in der Stadt!
Bevor es wie ein Schicksalsschlag
Durch die Herberge fegt:
Musikanten sind in der Stadt!
Die kneifen Eure Mägde mit frevelnder Hand,
Verwüsten die Stuben euch glatt.
Wer Lieder singt, steckt auch die Herberg in Brand:
Musikanten sind in der Stadt!
Erbarmen, Musikanten sind in der Stadt!

Krämer holt eure Habe rein,
Die Budiken schließt ab:
Musikanten sind in der Stadt!
Zählt die Flaschen Bier und Wein,
Laßt die Gitter herab:
Musikanten sind in der Stadt!
Die plündern den Keller, das Lager zerfällt,
Die feilschen und fordern Rabatt
Und zu guter Letzt samt der Kasse das Geld:
Musikanten sind in der Stadt!
Erbarmen, Musikanten sind in der Stadt!

Bürger, bringt euch in Sicherheit,
Legt die Schrotflinten an:
Musikanten sind in der Stadt!
Macht Schwefel und Pech bereit,
Und dann rette sich wer kann:
Musikanten sind in der Stadt!
Die schänden Eure Frauen und Töchter alsbald,
Doch nicht nur was Röcke an hat,
Die machen auch vor Greis und Haustier nicht halt!
Musikanten sind in der Stadt!
Erbarmen, Musikanten sind in der Stadt!

Oh, Heiliger Barnabas,
Schutzpatron dieser Stadt,
Musikanten sind vor dem Tor!
Zerschlag Geige und Kontrabaß,
Die Trompeten walz platt:
Musikanten sind vor dem Tor!
Oh, schütz uns vor Sturmesflut, Feuer und Wind,
Vor Pest und vor Epidemien
Und vor Musikanten, die auf Reisen sind,
Oder laß mich mit ihnen ziehn!

Ob sesshaft, reisend oder vorübergehend mobil: Euch allen eine gute neue Woche!

Über Markus Bäuchle

Journalist und Wanderer. Lebt in Glengarriff im Südwesten Irlands. Mit Markus kann man in Irland wandern gehen: www.irland-wandern.de
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Kommentare

  1. “her family traditions will always keep her in an unequal place”
    Mit einfachen Worten: nachdem sie geheiratet hat, ist Schluss mit lustig.
    Kinderkriegen am laufenden Band und Junkfood als taegliche Diaet ist angesagt.
    Innerhalb kuerzester Zeit quillt sie aus ihren Jeans, schwanger oder nicht.
    Fake-Tan verteilt sich dann ziemlich ungleichmaessig und die Schminke wird immer dicker.
    Die einzige Abwechslung in ihrem Leben: der Gang zum Sozialamt. Soviel zum Lebensstil … :D

  2. Der ganze Lebensstil wäre nichts für mich. Heiraten zu müssen ist eine Zumutung

  3. Stimmt. Den habe ich kurz beim Vorbeifahren im Bild festgehalten.

  4. Ich stelle mir diese Strechlimo garde auf den schmalen Landstrassen Irlands vor…………….ich mag gar nicht an ein eventuelles Wenden denken ;-)

    Gruß Tina

  5. Na aber an dem Hummer scheinst du nicht vorbei-“gewandert” zu sein. Das schließe ich zumindest aus dem Lüftungsgitter, das sich im zweiten Foto spiegelt ;-)

  6. Hier ein kleiner Auszug aus unserem Gypsy – Erlebnis im letzten August (Kenmare, Pferdemarkt im August)

    “Nehmt euch in Acht am Fünfzehnten; vor allem vor den Kleinen. Den Sechs-und Sieben- bis Zwölfjährigen. So schnell könnt ihr gar nicht gucken und reagieren, wie die euch beklauen. Kurzes, absolut professionelles Ablenkungsmanöver und schon sind sie verschwunden. Mit euren Waren!”

    Egal, mit wem auch immer wir gesprochen haben; mit Alain und Christine vom Wein-Shop gegenüber, mit Margret vom Antik-Shop oder Manuela aus der Bäckerei: die Warnung war stets sehr eindringlich und deutlich: Seid auf der Hut. Die klauen, was das Zeug hält. Pay attention!
    Alle hatten Einzelheiten zu erzählen. Auch Sarah aus dem “White Room” und John vom “Soundz of Music”. Von Begebenheiten, die authentisch und nicht übertrieben wirkten. Durchaus realistisch!

    …………

    Ob die Locals nicht vielleicht doch übertrieben haben? Kleinstädtisch – vorurteilsbehaftet gegenüber sozio-kulturellen Minderheiten. Konservativ-borniert, wie wir es ja auch von Zuhause aus kennen? Uns kommen Degenhardts “Schmuddelkinder” und Reinhard Meys “Musikanten sind in der Stadt” in den Sinn …… Reingefallen?

    Und warum die Locals mit Ihren Warnungen dann doch recht hatten: zu finden unter http://mano-aquamarine.blogspot.com/2011/08/pferdemarkt-in-kenmare-travellers-horse.html

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