Die Erleuchtung in Newgrange bleibt aus

Newgrange Irland

Newgrange am 21. Dezember 2011 um 9 Uhr

Es werde Licht! Die archaeologisch interessierte Welt blickte heute morgen zum Sonnenaufgang in eine kleine unteriridische Kammer auf einem Hügel in Irlands County Meath: Newgrange. Das 5100 Jahre alte Hügelgrab aus der Jungsteinzeit ist Irlands bekanntestes Monument: Älter als Stonehenge, älter als die ägyptischen Pyramiden, gilt die 70 Meter durchmessende Grabanlage am Ufer des Flusses Boyne als der erste menschengemachte Kalender auf der Insel: Einmal im Jahr, am Morgen des 21. oder 22. Dezembers, dem Tag der Wintersonnenwende, fällt das Licht der aufgehenden Sonne für 15 Minuten durch eine Luke über dem Eingang in das Innere des Ganggrabes, durchflutet den 22 langen Gang und erleuchtet an dessen Ende die Grabkammer. Wenn die Sonne scheint. Heute morgen machte sich die Sonne rar. Ein milder und heller Morgen in Newgrange. Doch die Strahlen der aufgehenden Sonne versteckten sich hinter der dichten Wolkendecke. Der Effekt blieb aus. Doch keine Bange, er wird sich wieder einstellen. Ein andermal wieder. Vielleicht schon morgen, am wirklich kürzesten Tag des Jahres 2011.

Newgrange Irland

Der Eingang von Newgrange

An insgesamt 13 Tagen im Jahr kann das Licht der Morgensonne durch die Öffnung oberhalb des Grabeingangs scheinen, an fünf Tagen, vom 19. bis zum 23. Dezember, erreicht es die Kammer am Ende des Ganges in der Tiefe des Hügels — wenn die Wolken mitspielen. Doch nur an einem Tag des Jahres steht Newgrange im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Auch heute morgen versammelten sich einige hundert Schaulustige auf dem Hügel von Brú na Bóinne, das irische Fernsehen RTE übertrug die entscheidenden 17 Minuten  – ungeachtet der Tatsache, dass die Wintersonnenwende 2011 und der kürzeste Tag des Jahres auf den morgigen 22. Dezember fallen.

Genau genommen strahlt die Sonne auch im besten Fall derzeit einen Meter kürzer als zu Zeiten des Baus vor 5100 Jahren in das Innere des Hügelgrabs von Newgrange. Verantwortlich dafür ist die Präzession, die Richtungsänderung der Erdachse. Erst in etwa 25.000 Jahren wird die Erdachse wieder so stehen wie damals in der Jungsteinzeit, als die frühen Siedler am Boyne mit riesigem Aufwand und einer beeindruckenden sozialen Organisation eine der beeindruckendsten Grabanlagen der Welt schufen.

Eine kleine Gruppe Besucher, die per Losentscheid ermittelt werden, darf das Licht-Ereignis jedes Jahr kurz vor Weihnachten in der Grabkammer mit verfolgen.Die teilrestaurierte Grabanlage, wie sie heute existiert, ist unter Historikern und Archaeologen umstritten. Vor allem die in den 70-er Jahren gebaute Fassade und die Betonstützen im Inneren des Grabes wurden kritisiert.

Fotos: RTE (oben), Markus Bäuchle (unten)

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