Das Pony-Leben in Irland ist kein Ponyhof

Ponies_in_Irland“Das Leben ist kein Ponyhof”, sagen coole Sprücheklopfer gerne. Weiß jemand, woher dieser Spruch stammt? Das Leben jedenfalls ist selbst auf dem Ponyhof oft kein Ponyhof: Da wird gebissen, getreten, gehuft und geschoben. Und warum das Ganze? Na, wie so oft, wegen der Mädels. Auch kleine Pony-Hengste machen sich ganz groß, wenn es um die Gunst der Pony-Damen geht.

Ponies in Irlands Südwesten

Die beiden Hengste auf der Beara-Peninsula im Südwesten Irlands machen jedenfalls gerade unter sich aus, wer später mit den beiden hübschen brünetten Pony-Mädels (Bildmitte) galoppieren gehen darf.

Ponies_in Irland_3

Fotos (3): © Markus Bäuchle / Wanderlust 2012

Irland in den globalen Top Ten der Umweltsünder

Der Living Planet Report 2012 des WWF ist alarmierend: Die Menschheit verbraucht derzeit die Kapazitäten von eineinhalb Erden, hat aber nur eine zur Verfügung. “Der Mensch beutet die natürlichen Ressourcen der Erde gnadenlos aus. Immer mehr verdrängt er Tiere und Pflanzen und breitet sich in ihren Lebensräumen aus. Die Folgen: Artensterben, Umweltkatastrophen, Überfischung Wasserknappheit und Extremwetter. Lebt die Menschheit weiter wie bisher, benötigen wir bis zum Jahr 2030 zwei Planeten, um unseren Bedarf an Nahrung, Wasser und Energie zu decken. Bis zum Jahr 2050 wären es knapp drei.” Das sind die Erkenntnisse des „Living Planet Report 2012“, einer alle zwei Jahre erscheinenden Studie zum Gesundheitszustand der Welt, die der WWF diese Woche vorgelegt hat.

Der Report misst den Ressourcen-Verbrauch anhand des Konzepts des Ökologischen Fußabdrucks. Der Ökologische Fußbadruck ist die Fläche, die ein Mensch verbraucht, um sich zu ernähren, zu kleiden, sich mit Energie zu versorgen und seinen Müll zu entsorgen. Experten haben errechnet gehen, dass zur Versorgung der Menschheit pro Person 1,8 Globale Hektar (Gha) Erdoberfläche notwendig sind. Im weltweiten Durchschnitt wurden dem WWF zufolge 2008 jedoch 2,7 Gha pro Person verbraucht. Das bedeutet, es wird mehr genutzt, als die Biokapazität der Erde hergibt.

Überraschend: Irland, die Grüne Insel, rangiert im Ressourcenverbrauch weltweit auf Platz 10. Die Iren leben auf großem Fuß, verbrauchen pro Kopf 6,2 Globale Hektar Land, fast zweieinhalb mal soviel wie die Menschen weltweit im Durchschnitt. Einziger Trost: Irland hat im Gegensatz zu vielen anderen Ländern noch ein hohes Maß an Bio-Kapazitäten, also noch viel zu zerstören. Die Bio-Kapazität liegt weltweit bei 1,8 Hektar pro Kopf, in Deutschland bei 2,0, im EU-Durchschnitt bei 2,2 und in Irland immerhin bei 3,4 Hektar (Gha).

Übrigens: Zum ressourcenverschwendenden Lebensstil in Irland passt eine traditionell allzu lässige Umweltpolitik der Regierung: Derzeit drohen Irland Strafen der EU in Höhe von vier Millionen Euro und 35.000 Euro pro jedem weiterem Tag, an dem die vielen Umwelt-Direktiven der Europäischen Union nicht umgesetzt sind. Irland ist führend bei der Mißachtung der europäischen Umweltstandards. 15 EU-Direktiven sind derzeit auf der Insel nicht einmal das Papier wert, auf dem sie veröffentlicht sind. Versäumnisse bei der Abwasserreinigung, dem Vogelschutz, dem Wasserschutz oder der Regulierung von Landwirtschaftsbetrieben und Fischfarmen sind chronisch.

Den Report des WWF gibt es hier zum kostenlosen Download: Living Planet Report 2012

Irland in den Top Ten der Umweltsünder weltweit

Der Ökologische Fußabdruck ausgewählter Staaten 2012. Quelle: WWF

Die Top Ten der Staaten mit dem größten Ökologischen Fußbadruck von 149 bewerteten Staaten:

1. Katar 11,7 Gha,
2. Kuweit 9,7 Gha
3. Vereinte Arabische Emirate 8,4 Gha
4. Dänemark 8,3 Gha
5. USA 7,2 Gha
6. Belgien 7,1 Gha
7. Australien 6,7 Gha
8. Kanada 6,4 Gha
9. Niederlande 6,3 Gha
10. Irland 6,2 Gha

Für Deutschland liegt der Ökologische Fußabdruck bei 4,6 Gha

Das Gaelic Multi-Kulti hört an der Taxi-Tür auf

Taxi in IrlandSind die Iren fremdenfeindlich und rassistisch? Das nicht. Sind manche Iren, vieleicht sogar mehr als manche lren rassistisch? Ja, wohl. Trotz der millionenfach gemachten Emigrations-Erfahrung, selber plötzlich im fremden Land ein Fremder zu sein, sind dem gerne als gastfreundlich und offenherzig beschriebenen Iren-Volk (“Cead mille Failte”) Fremdenangst und Fremdenhass vertraute Gefühlslagen und -eruptionen. Tätliche Übergriffe auf Chinesen, Pöbelrunden gegen “arbeitsplatzfressende” Polen, Hasstiraden gegen Schwarzafrikaner — das ist unschöner Teil des jüngeren Alltags auf der Insel.

Schwarzafrikaner spielen im öffentlichen Transportwesen in Irlands Städten heute eine sichtbare Rolle. Zahlreiche Taxi-Fahrer in Dublin und Cork kommen aus Schwarzafrika und machen mit ihrer Hautfarbe das unfreiwillige Statement: “I´m Non-Irish”. Schön, das ist Gaelic Multi-Kulti,  denkt der arglose Optimist. Doch in Zeiten leerer Geldbeutel und rarer Jobs sind auch auf der Grünen Insel Blitzableiter gefragt; und so bekommt “der schwarze Taxi-Fahrer” die volle Breitseite von jenen Paddies ab, die sich anders gegen ihre dumpfen Ängste wohl nicht wehren können.

Reichweitenheischende Radiosendungen wie die David Harvey Show auf Classic Hits 4FM wirken dabei gerne als Verstärker und verbreiten Volkes rohe Stimme nahezu ungefiltert, allenfalls milde moderiert in die Wohnstuben. Schon skandalös, welche wüsten Beschimpfungen einzelne Menschengruppen im Rundfunk eines sogenannten Rechtsstaats über sich ergehen lassen müssen: Schwarze Taxi-Fahrer seien Lügner, Betrüger, Stümper, Falschfahrer, Vergewaltiger und Abzocker, hörte man gestern aus irischem Mund bei David Harvey zur Lunch Time.

Und warum die ganze pöbelige Aufregung? Offensichtlich gibt es an den Taxiständen der Insel-Republik mittlerweile eine ethnische Zweiklassengesellschaft. Irischen Taxlern wird nachgesagt, sie machten ihre Droschken mit Irland-Fahnen, Irland-Stickern, mit grünen Lichtern auf dem Dach und – ganz pikant – mit Dauerlicht in der Fahrgastzelle kenntlich: als von Iren gefahrene Taxis.  Irische Taxifahrer wollen wohl die Gunst der Zeit nutzen und spielen die widerwärtige Rassenkarte: Die Menschen in Irland, vor allem Frauen und Senioren, verlangten nach einheimischen Fahren, denen sie vertrauen könnten, so die vorgeschobene Begründung von irischen Taxifahrern und Fahrgästen bei “4FM”.

Endlich ein Grund zum Schwarzfahren.  Full Irish? Auf dem Teller gerne ab und zu. Im Taxi? Nein, danke. 

Und täglich grüßt der Gabhal Mhór

Wandern in Irland mit Wanderlust

Das ist Gabhal Mhór, auch bekannt als Sugarloaf, der Berg vor unserer Haustür über der Bucht in West Cork, Irland. Er inspiriert jeden Tag neu dazu, angeschaut und bestaunt zu werden. Tag für Tag, Jahr für Jahr thront er da oben, knapp unter dem sich ewig bewegenden Himmel. Er sieht immer gleich und doch immer anders aus. Von oben bietet er eine anrührende 360-Grad-Panorama-Aussicht, von unten lockt die Aussicht auf die Aussicht. 350 Millionen Jahre alt ist die Gebirgsformation aus altem roten Sandstein, und doch: Sie widersetzt sich der Wiederholung, der Routine, der Abnutzung durch Betrachtung. Natur wird nie langweilig.

Euch eine gute, inspirierende und inspirierte Woche!

PS: In gut zwei Wochen werden wir den Berg mit einer Wandergruppe besteigen und ein paar Fotos von dort oben zeigen.

 

Irland-News am Sonntag: Die Sanierungswelle rollt

News aus Irland immer aktuellDie insolvente ehemalige Staats-Telekom “Eircom” soll saniert werden, der marode Shannon Airport ebenfalls, das Verhältnis zwischen Sinn Fein und dem britischen Königshaus offenbar auch. Und Sinead ‘Connors Musik-Karriere sowieso. Die Sonnntags-News aus Irland heute wieder kurz und knapp in unserem Wochenrückblick von Tom Brütting.

 

Sanierungspläne für Telefon-Company Eircom

Ende März musste Eircom, der größte irische Anbieter für Festnetz-Telefonie, Insolvenz anmelden. Jetzt liegen Pläne zur Sanierung des von Spekulanten ausgeplünderten ehemaligen Staats-Unternehmens vor, über die in der kommenden Woche entschieden werden soll. Danach bietet Hutchison Whampoa rund zwei Milliarden Euro für den irischen Telefonanbieter, dessen Pleite die größte Insolvenz der irischen Wirtschaftsgeschichte darstelle. Ebenfalls Interesse an dem angeschlagenen Konzern, der sich mit 3,8 Milliarden Euro Schulden in den Gläubigerschutz begeben hatte, zeigte mit “3 Ireland” der größte Konkurrent von Eircom. Dessen Offerte wurde allerdings aufgrund der zahlreichen Bedingungen abgelehnt. Wie es mit dem Telefonanbieter weitergehen wird, soll am 18. Mai bei einem Treffen in Dublin vorgestellt werden. (Quelle: Irish Times)

Masterplan gegen Shannon-Bruchlandung

Mit einem Masterplan soll dem wirtschaftlich strauchelnden Shannon Airport wieder Beine gemacht  – Verzeihung – Flügel verliehen werden.  Demzufolge soll das derzeit agierende Unternehmen Shannon Development in Enterprise Ireland und Tourism Ireland aufgehen und für den Betrieb des Flughafens eine eigene, von den Flughäfen Dublin und Cork unabhängige Betreibergesellschaft gegründet werden. Unter den Gewerbetreibenden im Westen Irlands gibt es die Hoffnung, dass dieses Betreibermodell die binnen fünf Jahren um rund 60 Prozent gefallenen Passagierzahlen wieder steigern kann. Doch bevor es soweit ist, muss erst der Masterplan entwickelt werden, eine entsprechende Steuerungsgruppe soll demnächst ernannt werden. (Quelle: Belfast Telegraph) 

Frankreichwahl – eitel Freude auf der grünen Insel

Die Parteichefs beider Lager haben Anfang dieser Woche die Wahl Francois Hollandes zum neuen französischen Präsidenten begrüßt. Taoiseach Enda Kenny gratulierte Hollande zu seinem Erfolg und sagte, er freue sich auf die Zusammenarbeit, um die Herausforderungen, vor denen Europa im Moment steht, zu meistern. Kenny lobte Hollandes Augenmerk auf Beschäftigungspolitik und Wachstum. Auch Tánaiste Eamon Gilmore gratulierte dem frischgebackenen Präsidenten bei einem Aufenthalt diese Woche in Paris.  Auch Fianna Fáil-Chef Micheál Martin freute sich über Francois Hollandes Agenda: “Wir von Fianna Fáil haben schon immer nach einer Wachstumsinitiative der EU gerufen. (Quelle: Irish Independent)

Killarneys einzige lebende Ehrenbürgerin ist eine Deutsche

Killarney ist sparsam mit der Vergabe der Ehrenbürgerwürde. Zuletzt war 2008 Monsignore Hugh O’Flaherty, der im zweiten Weltkrieg in Rom tausende Juden und alliierte Gefangene gerettet hatte, posthum zum Ehrenbürger derStadt in Kerry ernannt worden. Diese Woche wurde nun einer Frau diese Ehre zuteil, einer Deutschen. Isolde Liebherr, Miteigentümerin des deutschen Kranbau- und Hotelkonzerns Liebherr wurde für ihre Verdienste um die Region Killarney geehrt, wo Liebherr eine Kranfabrik und drei Luxushotels unterhält und 800 Menschen beschäftigt. Die 63-jährige betonte in ihrer Dankesrede ihre enge Verbindung zu Killarney und unterstrich, dass sich das Unternehmen auch in Zukunft dort engagieren wolle. (Quelle: Irish Examiner)

Kein Aufschub für’s Referendum

Taoiseach Enda Kenny hat Forderungen nach einer Verschiebung des Referendums über den EU-Fiskalpakt eine Absage erteilt. Die Volksabstimmung werde wie geplant durchgeführt, betonte der irische Regierungschef und verwies auf den wegweisenden Charakter des Plebiszits im Hinblick auf das Vertrauen potenzieller Investoren in den Wirtschaftsraum Irland. Außerdem gebe ein frühzeitiges „Ja“ der Iren der Regierung die Möglichkeit, sich in Europa klar für mehr Wachstum einzusetzen. Was er wirklich brauche sei ein deutliches “Ja”-Votum, das eine Botschaft der Sicherheit aussendet und Irland auf diesen Wachstumskurs vorbereitet, sagte Kenny. (Quelle: Irish Examiner)

McGuinness wartet auf Queen Elisabeth

Man kann das Verhältnis zwischen der Republikaner-Partei Sinn Fein und dem englischen Königshaus guten Gewissens als “vorbelastet” bezeichnen. Erst kürzlich trat Belfasts Sinn Fein-Bürgermeister zurück, um im Falle eines Falles der Queen nicht die Hand schütteln müsse, sollte sie Nordirland im Rahmen der Feierlichkeiten ihres Thronjubiläums einen Besuch abstatten. Doch nun meldete sich Martin McGuinness, stellvertretender First Minister und Galionsfigur von Sinn Fein zu Wort und erklärte, man warte auf die genauen Reisepläne der Queen, er wäre für ein Treffen mit der Queen bereit, vorausgesetzt seine Partei könnte einem solchen Treffen zustimmen. Eine theoretische Möglichkeit für ein solches epochales Treffen  besteht, immerhin hat sich Guinness’ IRA-nahe Partei  bisher noch nicht, wie früher üblich, gegen einen Besuch der Queen ausgesprochen. (Quelle: Belfast Telegraph)

Sinead O’Connor will doch weiter Musik machen

Erstmals nach dem plötzlichen Ende ihrer Karriere vor einem Monat hat sich Sinead O’Connor jetzt zu den Gründen ihres Tourabbruchs und ihren Plänen für die Zukunft geäußert. Die Promotion-Tour zu ihrem aktuellen Album “How About I Be Me (And You Be You)?” habe sie überfordert, sagte O’Connor, die unter einer bipolaren Störung leidet und die Tour schließlich auf Anraten ihres Arztes abbrach. Ließ die Sängerin noch vor einem Monat verlauten, sie suche nun einen Job außerhalb des Showbiz, will sie nun doch wieder Musik machen. Ändern soll sich allerdings der Stil. Künftig will die 45-jährige Mutter von vier Kindern in die christlich-spirituelle Richtung gehen. Bei allen neuen Karriereplänen soll ihre Gesundheit künftig Priorität haben. Die aktuelle CD der Sängerin ist übrigens ein Highlight. (Quelle: Belfast Telegraph)

Irlandnews.com

Irlandnews.com

 

Der Autor: Tom Brütting ist in Augsburg als freiberuflicher Journalist und PR-Berater tätig. Seit einer Schulexkursion auf die grüne Insel im Jahr 1991 ist er Irland hoffnungslos verfallen und hat das Land seitdem rund zehnmal besucht – zwei Auslandssemester an der National University of Ireland Galway inklusive. Im Herbst 2010 setzte er mit der Website www.gaelnet.de eine lange gehegte Idee in die Tat um. Gaelnet wertet irische Nachrichten für deutschsprachige Leser aus.

Fotos: eircom; privat.

Heute in Patricks Music Corner: Battlefield Band

Zama Zama: Heute stellt Patrick Steinbach im Irish Music Corner die Battlefield Band und deren vermutlich zeitlose CD Zama Zama vor. Die Schotten spielen das Lied von Gold, Geld und Gier. Hört mal rein.

BATTLEFIELD BAND

Beim Hören von traditionellen Instrumenten wie Dudelsack, Akkordeon oder Fiddle wird die Fantasie meistens in die Vergangenheit gelenkt. So auch beim Titelsong Zama Zama der aktuellen CD der schottischen Gruppe Battlefield Band, dessen Instrumentierung lediglich aus Dudelsack und Fiddle besteht. Die wehmütige Stimme von Allan MacDonald transportiert den Text in schottischem Gälisch, was den Eindruck noch verstärkt. Und doch handeln alle Lieder von einem mehr als aktuellen Thema.

Die Band wollte ursprünglich eine CD zum Thema Gold aufnehmen, wurde aber während der Produktion von der Bankenkrise eingeholt. Für die Profis aus den Highlands kein Problem, konnte man doch mühelos die Texte um Gold durch welche von der Gier erweitern. Alleine dafür hätten die Batties, wie sie von ihren Fans genannt werden,  schon den Ritterschlag verdient, verbinden sie gekonnt Tradition und Gegenwart, und das mit den klanglichen Möglichkeiten von heute. Wir hören also keine Rentner, die an den Spinnweben ihrer Bärte zupfen, sondern jung gebliebene Folkrebellen mit einer Botschaft, die man gerne unterschreibt.

Die Stücke beginnen oft mit einem winzig kleinen melodischen oder rhythmischen Motiv, welches sich dann durch Schichtungen und Umspielungen zu einem großen modalen Klanggemälde aufbaut. Dieses klangliche Konzept stammt definitiv nicht aus der Folkmusik, die immer in A- und B-Teil gegliedert ist. Oft ist es der raue Strich der Fiddle, der getragen von Gitarre und Bouzouki die rhythmischen  Akzente setzt. Immer wieder auffallend sind die kernigen Klänge, die das E-Piano zwischen die Melodien streut und mit seinen stets nach unten laufenden Walking Bässen für genügend Vortrieb sorgt. Selbst in den leisen Passagen grooven die Stücke, die von den vier Jungs aus Schottland spannend und ideenreich arrangiert wurden. Diese CD wird sich auch in zehn Jahren noch frisch und neu anhören.

Das sehenswerte Video:


Die Website der Band: http://www.battlefieldband.co.uk/

Die CD Zama Zama gibt es hier: Kauf mich

Der Autor von Patricks Music Corner: Patrick Steinbach (*1964) arbeitet als Dozent für Gitarre, er ist Herausgeber zahlreicher Lehrwerke zur irischen Musik und schreibt seit 2001 für das Musikfachmagazin AKUSTIK GITARRE. Dort stellt er alle zwei Monate ein neues Stück aus Irland vor, das er für Gitarre bearbeitet hat. Neben Konzertberichten veröffentlicht er regelmäßig CD-Rezensionen zu Bands aus dem irischen Kulturfeld. Für sein Engagement erhielt er 2005 den Deutschen Musikeditionspreis. Patrick lebt in Neu-Isenburg. Mehr über Patrick gibt es auf seiner Website zu lesen:  www.patrick-steinbach.de

 

Wahre Geschichten: 40 Kühe und ein Banjo

Kühe in IrlandEine irische Geschichte von Marie-Louise Lagger*

Es war ein sonniger Sonntagmorgen. Johnnie ging gemächlichen Schrittes auf der Landstrasse, sein Banjo auf dem Rücken. Musik rieselte durch seine Gedanken. Es war eine schöne Session gewesen gestern abend. Nun war er auf dem Weg nach Westport, Connemara. Bis kurz vor Shrule hatte er es per Autostopp geschafft. Doch leider war nun weit und breit kein Auto mehr zu sehen. Da blieb nur der beruehmte Schuster’s Rappen.

Geschichten aus dem Glen, IrlandNach einer Weile traf Johnnie auf eine grosse Kuhherde, die herrenlos mitten auf der Strasse stand. Es handelte sich um etwa vierzig Tiere. Die Strasse war eng und die Kühe zeigten keine grosse Begeisterung, sich zu bewegen. Da stand er nun mit seinem Banjo inmitten der Herde. “Just great”, dachte er sich. Soll ich vielleicht für sie spielen? Wer weiss, vielleicht würde dies ja eine Bewegung bewirken?

Andererseits, dachte sich Johnnie, könnte sein Banjospiel die armen Tiere erschrecken und ein Szenario mit vierzig wild gewordenen Kühen mochte er sich gar nicht vorstellen. Nun ja, dann halt eben. Mit sanftem Puffen, Stossen und Gutzureden schaffte er es, an den Kühen vorbeizukommen. Es war allerdings kein leichtes Unterfangen. Er atmete tief durch und ging dann seines Weges.

Da hatte er jedoch die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Die gesamte Herde folgte ihm. Er drehte sich um und begann wild zu fuchteln. Die Kühe blieben einfach stehen und glotzten ihn verwundert an. Als er weitergehen wollte, setzte sich die gesamte Herde wieder in Bewegung. Das gibt es doch nicht! Er begann laut zu rufen. Die Herde blieb verdattert stehen, doch sobald er weiter ging, trabte sie brav hinterher. Langsam wurde ihm die Sache zuviel. Johnnie versuchte jetzt, sich mit seinem Banjo Eindruck bei den Tieren zu verschaffen. Die Rindvicher sahen ihm interessiert zu und harrten der Dinge, die da kommen sollten.

Johnnie wirbelte sein Banjo drohend über seinem Kopf und sprang im Kreise. Doch es half nichts. Nur ein 40-faches unverständliches Glotzen war die Antwort. Wegrennen wäre doch auch noch eine Loesung? Er rannte plötzlich los, was das Zeug hielt. Die Herde, nun etwas aus dem Konzept gebracht, rannte hinterher. “O Mother of God”, murmelte Johnnie irritiert. So verfiel er wieder in Schrittempo und die Herde tat es ihm nach. Es half alles nichts.

Als er in Shrule eintraf, war die Sonntagsmesse gerade zu Ende und die Kirchentüre öffnete sich. Die Menschen traten heraus und erfreuten sich am schönen Wetter. Sie staunten jedoch nicht schlecht, als Johnnie an der Kirche vorbeimarschierte — mit vierzig Kühen im Schlepptau. Es war ihm sehr mulmig zu Mute. Viehdiebstahl wurde auf dem Land als Kardinaldelikt gehandhabt. Er hob verzweifelt seine Arme und fragte, ob jemand den Besitzer dieser Herde kennen würde. Da kam ein Bauer auf ihn zu und schlug im freundschaftlich auf die Schulter. “Thanks for bringing them home. Shall we go for a drink?” Na sowas: Der Bauer bedankte sich, dass Johnnie die Herde heimgebracht hatte und lud ihn auf einen Drink ein.

Doch Johnnie lehnte dankend ab, wanderte erleichtert weiter seines Weges, das Banjo auf dem Rücken — und Musik rieselte durch seine Gedanken.

* Marie Louise Lagger lebt seit dem Jahr 2006 im County Mayo in der Nähe von Westport, Irland. Die Schweizerin kennt Irland seit ihrem ersten Besuch im Jahr 1980. Seitdem ging ihr die Grüne Insel nicht mehr aus dem Kopf. Heute trotzt sie der massiven Rezession in der Wahlheimat mit  Optimismus.

Foto: Markus Bäuchle

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