Raus aus dem Alltag und die Natur intensiv erleben

Blick aus dem Cottage-Fenster:Der Natur Retreat in Irlands Bergen: Im Jahr 2017 im Mai, August und September.

Der Weg zu uns und zur Natur. Die einwöchigen Irland-Natur-Retreats von Wanderlust führen in die Stille und Weite der irischen Berge im Südwesten der Insel  – und zu uns selbst. Was finden die Teilnehmer der Natur Retreats in den Bergen hoch über dem Atlantik?  Antworten von Markus Bäuchle, der die irischen Natur Retreats 2017 leitet.

Was ist das, ein Natur Retreat in Irland, kurz und knapp in einem Satz ausgedrückt?
Der Natur Retreat ist eine Reise zu Fuß zu uns selbst als einem Teil der Natur; wir konzentrieren uns dabei auf das Einfache und erleben das Wesentliche.

Irland Retreat

Klingt spannend. Hat das mit Survival und Entsagung zu tun?
Nein, wir machen kein Survival und verzichten auch nur auf das Überflüssige. Wir wollen kein primitives Leben. Wir kochen uns gutes gesundes Essen und wir lassen uns intensiv auf unsere natürliche Umgebung ein. Wir erfahren die Sonne, den Mond, die Wolken, das Wasser, die reine atlantische Luft, die Tiere und Pflanzen der Bergwelt. Es geht um das bewusste Leben, und wir lassen dafür unsere Alltags-Accessoirs einmal für ein paar Tage hinter uns.

 

Wie sieht das dann genau aus in den Bergen?
Wir ziehen uns als kleine Gruppe eine Woche lang in die Berge zurück. Ohne Uhr, ohne Telefon, ohne Internet, ohne Strom und ohne Geld. Wir verzichten auf Alkohol. Und doch haben wir alles, was wir zum Leben benötigen: Wir leben einfach in einem alten Cottage, das uns Schutz bietet. Wir baden im Fluss, sitzen am Feuer. Wir streben an, in Einklang mit der Natur und mit uns selbst zu kommen. Wir wandern abseits der Zivilisation und spüren nach, was das mit uns macht. Wir schöpfen Kraft und Inspiration in der unberührten Natur. Die Wertsachen werden während der Woche sicher aufbewahrt, und klar: Es gibt eine Telefonnummer, unter der die Teilnehmer im Notfall erreichbar sind.

Am Feuer_

Woher kommt die Idee, die äußere Natur und die Natur in uns intensiv zu suchen?
Beides hängt natürlich eng miteinander zusammen: Innen ist wie außen. Die Zerstörung der äußeren Natur hat ihre Entsprechung in unserem Inneren. Mein Bedürfnis zu dieser Suche stammt noch aus der Zeit, als ich in meinem deutschen Alltag Tag für Tag intensiv spürte, wie verletzt und zerbrochen unser Verhältnis zur Natur ist. In Irland dauerte es dann einige Jahre, bis der Wunsch mit Hilfe meines holländischen Freunds, des Unternehmensberaters und Jung-Psychologen Ben Tomesen Wirklichkeit wurde. Wir führten zusammen erstmals Menschen in die irische Natur und zu sich. Daraus entwickelte sich in den vergangenen drei Jahren ein eigener Natur Retreat. Inspirieren lasse ich mich von der grandiosen, weitgehend intakten Naturlandschaft am irischen Atlantik und von den Arbeiten und Erfahrungen des Schweizer Psychologen Carl Gustav Jung.

C.G. Jung, der Gründer der analytischen Psychologie, hat sich in den Jahren ab 1923 mit eigenen Händen am oberen Zürichsee ein abgeschiedenes Natur-Refugium gebaut, in dem er Pausen vom Alltag einlegte, um die Natur und sich intensiv zu ergründen und zu erleben. Ich hatte das Glück, den Turm in Bollingen im vergangenen Herbst zu besuchen, und mir wurde dabei klar, dass wir heute genau das tun, was Jung schon vor fast 100 Jahren tat. Der Universalgelehrte ist für mich der erste Naturschützer der westlichen Kulturgeschichte. In seinen Erinnerungen schreibt C. G. Jung über seine Erfahrungen im Turm:

„Zuzeiten bin ich wie ausgebreitet in die Landschaft und in die Dinge und lebe selber in jedem Baum, im Plätschern der Wellen, in den Wolken, den Tieren, die kommen und gehen, und in den Dingen. Es gibt nichts im Turm, das nicht im Laufe der Jahrzehnte geworden und gewachsen ist und mit dem ich nicht verbunden bin. Alles hat seine und meine Geschichte, und hier ist Raum für das raumlose Reich des Hintergrunds.

Ich habe auf Elektrizität verzichtet und heize selber Herd und Ofen. Abends zünde ich die alten Lampen an. Es gibt auch kein fließendes Wasser, ich muß das Wasser selber pumpen. Ich hacke das Holz und koche das Essen. Diese einfachen Dinge machen den Menschen einfach; und wie schwer ist es, einfach zu sein! In Bollingen umgibt mich Stille, und man lebt «in modest harmony with nature». Gedanken tauchen auf, die in die Jahrhunderte zurückreichen und dementsprechend ferne Zukunft antizipieren. Hier mindert sich die Qual des Schaffens; das Schöpferische und das Spielerische sind nahe beisammen.“  (aus: Erinnerungen, Träume, Gedanken.)

C.G. Jungs Turm in Bollingen am Zuerichsee

C.G. Jungs Turm in Bollingen am Zuerichsee

Heute kommt übrigens eine trendige Version des Natur Retreats aus dem globalen Zentrum des technologischen Fortschritts, dem Silicon Valley. Dort befreien sich hoch spezialisierte Computer-Freaks wochenendweise von den Abhängigkeiten des Internets, der sozialen Medien und  der gesamten elektronischen Parallelwelt. Sie nennen das Digital Detox –  Entgiftung vom digitalen Alltag. Wir alle kennen heute die Macht von Smartphone, Facebook und Whatsapp über unser Leben – und davon einmal ein paar Tage Abstand zu nehmen, tut uns außerordentlich gut. C.G. Jung hatte auch zum sogenannten technologischen Fortschritt schon vor Jahrzehnten eine fast hellsichtige Einstellung. Er sagte, diesen „Fortschritt“ müssten wir teuer bezahlen. Alles Bessere würde durch ein Schlechteres erkauft. (Dazu demnächst mehr an dieser Stelle.)

Unser Cottage liegt in diesem Hochtal

Unser Cottage liegt in diesem Hochtal

Zurück zum Irland-Retreat. Wie läuft eine Woche in Irlands Bergen ab?
Wir stehen mit der Sonne auf und gehen mit den Sternen ins Bett. Wir nehmen einen natürlichen Lebens-Rhythmus auf und folgen keinem starren Programm. Die Sonne und unsere Bedürfnisse, allem voran der wechsel von Aktivität und Ruhe, und die Ernährung geben den Takt der Tage vor. Wir erkunden die Berge auf geführten Wanderungen im Einklang mit der Natur. Wir hinterlassen keinerlei Spuren. Der Schwierigkeitsgrad der Wanderungen liegt zwischen leicht und mittelschwer (1 bis 2,5 von 4). Höhenmeter: 100 bis maximal 600 pro Wanderung.

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Das Cottage in den Bergen, geschützt von Bäumen

Wo schlafen die Teilnehmer?
Ein einfaches altes Cottage hoch in den Bergen abseits der Straßen bietet uns Schutz und Unterkunft. Es gibt keinen Strom, wir schlafen auf Matratzen, es gibt alles, was wir benötigen: Fließendes kaltes Trinkwasser, ein schönes großes Kaminfeuer, Kerzen- und Solar-Licht, eine Kochstelle, einfaches gesundes Essen (auf Wunsch vegetarisch, vegan, weizenfrei etc.), ein Waschbecken unter freiem Himmel, eine Toilette, einen kleinen Fluss und Seen zum Säubern, Baden und Erfrischen. Dazu Ruhe, Sonne, Wind, Regen, die Lichter des irischen Himmels und der Blick hinunter auf das nahe Meer. Wir kehren jeden Abend zu unserem Cottage zurück. Es wird unser Lebensmittelpunkt sein. Und wer Lust hat, schläft draußen auf der Wiese unter dem Sternenhimmel.

Nartur-Wandern in den wilden Bergen Irlands

Wir haben viel Raum für uns und einen weiten freien Blick

Was heißt das eigentlich alles: Zu sich kommen, zentrieren, sich erden?
Den Alltag einmal systematisch hinter sich zu lassen, auf Internet, Zeitdruck, Fernsehen, Telefon, auf Autofahren, Arbeit und Haushalt zu verzichten und sich unbeschwert in der Natur zu bewegen, ermöglicht sehr grundlegende Erfahrungen. Die Natur harmonisiert uns Menschen, wenn wir es zulassen. Sie öffnet unsere Herzen und ermöglicht uns eine klare Sicht auf das Leben: Wir verstehen besser, wer wir sind und was in unserem Leben wirklich wichtig ist. Man kann sagen: Die Prioritäten sortieren sich auf wundervolle Weise neu.

Am Bergbach

Am Bergbach

Ist beim Natur Retreat jeder für sich, oder ist es ein Gruppen-Erlebnis?
Es ist beides. Wir sind zum einen ganz mit uns selbst, dann zu zweit oder zu dritt, und schließlich Teil der ganzen Gruppe. Die Gemeinschaft der Individuen gibt Raum für beides, was uns ausmacht: Wir alle sind einzigartig und gleichzeitig Teil der Gemeinschaft. Wir hören tief und vorbehaltlos zu und wir sprechen aus dem Herzen.
Wir genießen diese Tage in einer Atmosphäre der Sicherheit und des Vertrauens, die tiefes Denken, Fühlen und Sprechen ermöglicht. Wir beschäftigen uns auch mit den wichtigen Fragen des Lebens: Wer bin ich? Was liebe ich? Was macht mein Glück aus? Was ist meine Aufgabe? Was will ich hinter mir lassen? Was möchte ich künftig erreichen? Aber was wichtig ist, bestimmen die Teilnehmer für sich: Jede(r) kann seine eigenen Themen mitbringen und in der Ruhe der Berge Antworten suchen. Und wer einfach nur die Natur sucht, ist auch richtig.

Geborgen in den irischen Bergen

Geborgen in den irischen Bergen

Wie ernähren sich die Natur-Wanderer?
Wir ernähren uns einfach und gesund, mit frischen Lebensmitteln, vielen Früchten und Gemüse, die möglichst Bio-Qualität haben und teils lokal hergestellt werden. Der Lebensmittelvorrat für die Woche steht im Cottage bereit. Wir gehen weder Jagen noch Sammeln. Wir kochen selbst auf einer einfachen Kochstelle. Es gibt einen Teller, eine Tasse, eine Schüssel und ein Besteck-Set für Jede(n). Ich kann versichern: Das Essen schmeckt nach einem Tag im Freien ganz besonders gut.

On Top_

Von ganz oben sieht man/frau vieles klarer

Die Packliste für den Natur Retreat ist ziemlich umfangreich. Ist das nicht ein Widerspruch zum einfachen Leben?
Du hast recht, es ist nicht völlig widerspruchsfrei. Aber weil wir kein Überlebenstraining machen, und weil wir wollen, dass sich die Teilnehmer sicher, warm, trocken, wohl und geborgen fühlen, bedarf es einer guten Ausrüstung. Ich rate jedoch dazu, das Ausrüsten nicht zu übertreiben, sich auf das Wesentliche zu beschränken und vor allem, sich Dinge wie Schlafsack, Rucksack oder aufblasbare Matratze auszuleihen, wenn frau/man keine eigene hat.  Es ist angesichts unserer Bemühungen, den ökologischen Fußabdruck zu verringern, sicher auch widersprüchlich, nach Irland zu fliegen. Immerhin aber ist es ein kurzer Flug von weniger als zwei Stunden und kein Langstreckenflug. Wer auch das nicht verantworten will, kann im Auto oder mit Bus/Zug und Fähre reisen oder auch per Mitfahrgelegenheit und Anhalter, wie ich das früher auch immer gemacht habe. Dazu braucht man nur eines: mehr Zeit.

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Hoch über dem Meer

Warum bieten wir die Natur Retreats an?
Ich habe mir vor Jahren vorgenommen, nur noch das zu arbeiten, was ich wirklich gerne mache und was mir selber wirklich wichtig ist. Das ist nicht immer leicht, klappt aber im Großen und Ganzen. Die Natur Retreats jedenfalls sind mir jenseits des Broterwerbs ein Herzens-Anliegen. Die Frage, wie wir Menschen unser gestörtes Verhältnis zur Natur wieder in Ordnung bringen können, beschäftigt mich wie schon gesagt seit vielen Jahren. Die Wanderungen in der Weite unberührter Natur in den Bergen sind auch ein Versuch, gemeinsam Antworten zu finden und wichtige neue Erfahrungen zu machen. Wie können wir wieder Teil der Natur werden, anstatt deren herrische Zerstörer, wie können wir ein Stück Wildnis in unsere überzivilisierte und ökologisch ausgezehrte Welt zurückkehren lassen?

Natur Retreat Gruppe macht ein PäuschenWann finden die nächsten Natur Retreats statt?
Im kommenden Jahr gehen wir auf drei Retreats: vom 20. bis 27. Mai, vom 5. bis 12. August und vom 16. bis 23. September 2017. Es gibt für jede Woche zwei Retreat-Leiter. Die Mai-Gruppe leite ich zusammen mit der Medizinerin Maria Walder aus Wesel, die August-Gruppe mit der Heilpraktikerin und Körper-Therapeutin Gisela Cordes aus München und den September-Retreat mit dem Schwitzhütten-Guide und Ritual-Experten Uwe Backhaus aus Paris. Wir sprechen deutsch und freuen uns auf nette, aufgeschlossene Leute. Wer sich den Reisepreis aus rein finanziellen Gründen nicht leisten kann, soll uns einfach ansprechen.

Detaillierte Informationen inklusive der erwähnten Packliste gibt es hier auf www.irland-natur.de oder direkt bei Wanderlust Irland, Markus Bäuchle, Telefon D +49 89 89623290, markus@wanderlust.de

Alle Fotos: Markus Bäuchle / Wanderlust (2015/16/17)

Irland im TV: Jack Taylor und gefallene Mädchen

Irland TV-Tipp, Jack Taylor Gefallene Mädchen

Irland iIrland TV-Tipp von irlandnewsm TV bis Anfang März: Der Irland-TV-Überblick auf Irlandnews. In den kommenden Tagen geht in Bezug auf Irland sehr ruhig zu im deutschen TV. Einzig Jack Taylor ermittelt wieder in Galway und versucht, der Tochter einer früheren Insassin der dubiosen Magdalenen-Wäschereien zu helfen.

 

 

Freitag, 3. März 2017, ZDF 0:45 Uhr: Jack Taylor – Gefallene Mädchen

Irland TV-Tipp, Jack Taylor„Jack Taylor (Iain Glen) wird von der Tochter einer früheren Insassin der dubiosen Magdalenen-Wäschereien beauftragt, die Identität einer ehemaligen Nonne herauszufinden. Jeder nannte sie damals nur „Lucifer“. Jack erhält das Tagebuch der verstorbenen Mutter seiner Auftraggeberin und beginnt, sich auf die Suche nach der so geheimnisvollen wie grausamen Lucifer zu machen. Magdalenen-Wäschereien waren – bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein – Heime für „gefallene Mädchen“. Die jungen Frauen waren stigmatisiert als Sünderinnen, mussten unter strenger Führung katholischer Nonnen Buße tun und ohne Lohn in der Wäscherei arbeiten.

Die Magdalenen-Heime waren aber auch Schauplätze schlimmster Misshandlungen und Demütigungen durch die Nonnen. Lucifer soll die böseste Nonne von allen gewesen sein und quälte die Mädchen auf sadistische Weise. Im Tagebuch liest Jack über brutale Missstände und Erniedrigungen. Kaum hat Jack mit den Ermittlungen begonnen, wird er von Bill Cassell (Liam Carney), dem Unterweltboss Galways, unmissverständlich gewarnt: Er soll den Fall niederlegen, das Tagebuch aushändigen – oder er stirbt. Cassell meint es ernst und spielt russisches Roulette mit Jack. Der entgeht dabei nur knapp dem Tod.

Cody schleicht sich währenddessen heimlich ins Kirchenarchiv und findet heraus, dass alle Unterlagen, die auf Lucifers Identität hinweisen könnten, verschwunden sind. Alles sieht nach einer bewussten Verschleierung aus, an der Father Malachy (Paraic Breathnach), der engste Vertraute von Jacks Mutter, wesentlich beteiligt ist. Und dann macht Jack in dem alten Tagebuch eine Entdeckung, die ihn mehr als alles andere beunruhigt. Offenbar zählte auch seine eigene Mutter, zu der er seit jeher ein eher gespanntes Verhältnis unterhält, damals als Heiminsassin zu den „Gefallenen Mädchen“. Jacks Recherche wird so ungewollt zu einer Reise in die Vergangenheit der eigenen Familie.

Was als scheinbar simple Personenrecherche begonnen hat, entwickelt sich, ohne dass sich zunächst ein Zusammenhang dazu herstellen lässt, zu einer blutigen Mordserie. Zwei junge Männer wurden kaltblütig und auf offener Straße hingerichtet. Sie waren Brüder. Ein dritter Bruder steht danach unter Polizeischutz. Als Jack einen Schergen von Bill Cassel, der ihm das Tagebuch stehlen will, in Notwehr zu Tode bringt, spitzt sich die Situation weiter zu. Jack ahnt, dass die beiden Morde an den jungen Männern mit dem Tagebuch und der geheimnisvollen Lucifer zusammenhängen. Und er ahnt auch, dass es noch mindestens einen weiteren Toten geben könnte, wenn es ihm nicht bald gelingen sollte, hinter Lucifers Geheimnis zu kommen.“ (Senderinformation)

 

Zusammenstellung: Antje Wendel

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Der Adler kreist wieder im Himmel über Irland

Adler in Irland

Glengarriffs Adler-Küken aus dem Jahr 2015: Es erstickte kurz vor dem Flüggewerden.

Seeadler in Irland. Wir Menschen sind schon reichlich merkwürdige Wesen. Erst zerstören wir unsere Erde nach Kräften, dann versuchen wir mit großem Aufwand, wenn es (fast) zu spät ist, die Scherben zusammen zu kehren und zu retten, was zu retten ist. Erst rotten wir die Adler aus, dann setzen wir alles daran, sie wieder einzuführen. Dies in einer Zeit, wo die Wildnis nur noch in den Abgründen unserer Seelen zu existieren scheint. Die Wiedereinführung der Seeadler in Irland kostete bislang 1,5 Millionen Euro und könnte gelingen. Denn es gibt gute Nachrichten: Im Jahr 2016 schwangen sich immerhin sechs junge in Irland geborene Seeadler in die Lüfte.  

 

Irland Adler

Eddie the Eagle. (Foto: Alan McCarthy/Golden Eagle Trust) He made it!

Die frühe Flug-Karriere von Seeadler Eddie the Eagle konnten wir in Glengarriff Harbour vor unserer Haustür in West Cork mit verfolgen. Eddie war ein Spätstarter und etwas tollpatschig dazu. Deswegen erhielt der Raubvogel den Spitznamen des einst so erfolglosen wie berühmten britischen Skispringers Michael Edwards. Doch Eddie packte es und ist nun alleine mit einem Mini-Sender unterwegs, der den Rangers diskret verrät, wo er sich gerade herumtreibt.    

Eddies Adler-Eltern sind 2009 und 2010 in Norwegen zur Welt gekommen und im Rahmen des Wiedereinführungs-Projekts zusammen mit 100 anderen Tieren im Killarney National Park eingesetzt, sorgen für Freude in Glengarriff. Das Adlerpaar hatte sich im Jahr 2012 auf der Insel im Glengarriff Harbour niedergelassen.  Im Jahr 2014 war der erste in Glengarriff geschlüpfte Jungvogel aufgrund des schlechten Wetters bald nach der Geburt gestorben, im Jahr 2015 erstickte das Hoffnung weckende Adler-Junge nur wenige Tage vor dem ersten Abflug an Krähenfedern, die in seinem Schlund stecken geblieben waren. Doch 2016, nach harten Lehrjahren, haben Glengarriff Adler endlich das erste Küken in die Lüfte gebracht. Eddie war seit 120 Jahren der erste im County Cork geborene Adler, der flügge wurde und erfolgreich abhob. Nun muss er sich beweisen, ein Revier und eine Partnerin suchen.

Seeadler. Seit 2007 läuft das Wiederansiedlungs-Projekt in Irland. (Foto: Christine Lamontain)

Hoffnung für das Seeadler-Projekt machen – nach vielen Rückschlägen und über 30 toten Tieren seit dem Start 2007 – mehrere brütende Seeadler-Paare und knapp 20 überlebende Jungvögel: Mittlerweile gab es in den Counties Clare, Galway, Cork und Kerry gefiederten Nachwuchs. Nach über 100 Jahren schwang sich im Sommer 2013 erstmals in Mountshannon im County Clare ein in Irland geborener Seeadler wieder in die Lüfte. Der Erfolg des Wiedereinführungs-Programms wird davon abhängen, ob die nun in Irland geborene Adler-Generation sich ebenfalls vermehren wird. Die Chancen stehen jedenfalls nicht schlecht, dass der majestätische Vogel mit einer Flügelspannweite von 2,5 Metern auf der grünen Insel eine Zukunft hat. Nicht ganz so gut sieht es leider für den Steinadler aus. Das Projekt im Norden der Insel, im County Donegal droht zu scheitern, weil der König der Lüfte nicht genügend natürliche Nahrung finden könnte.

Sturm Doris kündigt sich für Donnerstag an

Irland Orkan

Sturm Doris kündigt sich an

Da braut sich etwas zusammen über dem Nord-Atlantik: Nach einem fast sturmfreien und recht milden Winter will uns der irische Wetter-Gott Torann doch noch einen windigen Gruß schicken. Noch liegt das anthrazit-farbene Meer ruhig vor unserer Haustür, doch erste Windböen und das Räuspern der Zweige kündigen den vierten Wintersturm des Jahres an: Doris heißt er, und trägt den vierten Buchstaben des Alphabets. In stürmischen Jahren haben wir hier an der Atlantikküste bereits das halbe Alphabet durchbuchstabiert.

Irland Meer

Noch liegt das anthrazit-farbene Meer ruhig vor unserer Haustür

Doris, so lassen uns die Meteorologen von MET Eireann wissen, wird mit Vorsicht zu genießen sein. Die Wetter-Deuter von Glasnevin haben eine gelbe Sturmwarnung ausgesprochen und rechnen mit orkanartigen Sturmböen bis zu 110 Kilometern pro Stunde. Das bedeutet Windstärke 11 auf der 14-stufigen Beaufort-Skala. Über Irland soll sich Doris zwischen Mitternacht und Donnerstagmittag austoben. Wir wappnen uns und räumen alles Weg, was im Wind Flügel bekommen könnte.

Sturm Doris wird danach auch den Kontinent besuchen. Legt die Ohren an . . .      

Wir sehen uns als Teil des Großen Unbekannten

Irland Sterne

Der Sternenhimmel in Kerry am irischen Atlantik (zum Vergößern Bild anklicken).

Madeleine Webers Foto-Woche:  Madeleine fotografiert immer auch wieder nachts – und dabei bevorzugt den Sternenhimmel über Irland. Weil sich die Lichtverschmutzung im westlichen Teil der Insel noch immer sehr in Grenzen hält, genießen wir hier bei wolkenfreiem klaren Wetter die schönsten Nachthimmel in Europa.  

 Madeleine WeberMadeleine Maria Weber (Foto) fotografiert mit Vorliebe die Wahlheimat am Atlantik in Kerry am Skellig-Ring. Für das heutige Foto musste sie nur hinter das Haus in ihren Garten gehen. Madeleine schreibt dazu:

„Dieses Bild nahm ich neulich im Garten meiner Fotografie-Galerie im Internationalen Kerry Dark-Sky Reserve auf. Die Lichtverschmutzung ist so gering, dass man jeden einzelnen Stern funkeln sehen kann. Wenn man sich etwas Zeit nimmt, damit die Augen sich anpassen, tauchen immer noch mehr Sterne auf.

Sterne im Nachthimmel erwecken in uns Menschen eine tiefe Sehnsucht. Ich will es hier nicht weiter definieren, da es ein individuelles Gefühl für jeden darstellt. Wenn man sich mal etwas uninspiriert oder gelangweilt vom Leben fühlt, empfehle ich, sich mit einem Stuhl und einer Decke nachts in den Garten zu setzen und Sterne zu bewundern. Obwohl man sich dabei sehr klein fühlt, verbindet uns dieser grandiose Blick mit dem Grossen Unbekanntem – und man erkennt sich als integralen Teil davon. Das kann eine tiefe spirituelle und magische Erfahrung sein.“

Madeleine ist die Frau, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Weil sie warten kann. Auf den richtigen Zeitpunkt. Auf das perfekte Motiv. Fotografieren ist gutes Auge, gute Technik und viel, viel Geduld, Warten, Warten. Seit elf Jahren fotografiert Madeleine die einmalig schönen Landschaften Südwest-Irlands.

Wir begleiten Madeleine, die in Emlaghdrinagh, Waterville, im County Kerry lebt, bei der Arbeit, zeigen hier auf Irlandnews.com  regelmäßig Fotos ihrer Arbeit. Uns gefällt, dass in ihren Fotografien die Landschaft erkennbar bleibt, wie sie das Auge wahrnimmt, und dass sie in ihren Fotos dennoch eine ganz eigene unverkennbare künstlerische Ästhetik schafft.

Madeleine Weber Studio Irland Madeleine Weber FotografieÜbrigens: Madeleine Webers Fotos könnt Ihr vor Ort in Irland in ihrem Studio am Skellig-Ring im Original anschauen. Die Fotografin präsentiert ihre Landschafts- und  Meeres-Aufnahmen täglich von 11 bis 17 Uhr als hochwertige Kunstdrucke in verschiedenen Größen. Die Ausstellungsräume liegen an der R567 in Emlaghdrinagh zwischen Waterville und Ballinskelligs am Wild Atlantic Way (Telefon: +353 (0)85 780 3273). Sie versendet ihre Fotos weltweit: www.madeleinemariaweber.com.

 

Madeleines Foto-Woche erscheint regelmäßig hier auf Irlandnews.com. 

Das Highlight: Unterwegs auf Irlands Atlantik-Inseln

 

 

Insel-Wandern in Irland. Wer ein paar Tage in Irland weilt, hat schnell vergessen, dass er sich auf einer Insel befindet. Angesichts der relativen Größe der Grünen Insel kommt uns diese bald wie das Festland vor, und als Inseln betrachten wir die kleinen Inseln vor der großen Insel. Richten wir deshalb unseren Blick heute einmal auf die Inseln um die Hauptinsel herum.

Die meisten Angebote an Wanderer konzentrieren sich in Irland auf die traditionellen Touren auf der großen Hauptinsel. Ganz anders geht es es auf den kleinen Inseln zu. Hier ist Irland am ursprünglichsten. Wir wandern  auf den magischen Inseln in Südwest-Irland. Hierzu gehören Sherkin Island, Cape Clear, Bere Island, Dursey Island, Whiddy Island und Garinish Island. Auf den Inseln zu wandern ist wie eine Zeitreise in das traditionelle Irland. Weit weg von der Hektik, dem Verkehr, dem Lärm und der Betriebsamkeit des Alltags tauchen wir ein in die herrliche Natur der Inseln, genießen die frische Luft, treffen die Insulaner und wandern von allen Seiten umgeben vom Atlantik.

 
Zweimal wird Wanderlust im kommenden Sommer Wandergruppen auf einer einwöchigen Tour über die irischen Inseln  begleiten. Die Insel-Zeitreise findet vom 17. bis 24. Juni und vom 12. bis 19 August 2017 statt. Unsere Insel-Wanderleiterin Sandra Böttcher hat zur Einstimmung ein Video gedreht. Schauen Sie mal rein, Leinen los . . . Und wenn es ihnen gefällt: Hier erfahren Sie mehr: Insel-Wandern in Irland
 
 

Irland im TV: Irland in einem Zug entdecken

Irland TV-Tipp, Irland in einem Zug

In einem Zug durch Irland mit Eisenbahn Romantik

Irland iIrland TV-Tipp von irlandnewsm TV Mitte Februar: Der Irland-TV-Überblick auf Irlandnews. In den kommenden Tagen geht es mit Eisenbahn-Romantik durch Irland in einem Zug. Anschließend entlang Irlands Küsten nach Belfast und in den Norden und zum Abschluss der Woche ermittelt der Ex-Bulle Jack Tayloer wieder Auge um Auge in Galway.

 

 

Montag, 20. Februar 2017, SWR 14:15 Uhr: Eisenbahn Romantik – Irland in einem Zug

Irland TV-Tipp, Eisenbahn-Romantik Irland in einem Zug„Irland ist ein klassisches Reiseziel mit sanften Hügeln, fruchtbaren grünen Wiesen, zerklüfteten Küsten, malerischen Städtchen – und einem perfekten Schienennetz, auf dem sowohl historische Dampfzüge als auch moderne Bahnen verkehren. Was also liegt näher, als Irland im Zug zu entdecken?

Ausgehend von Dublin führt unsere Reise im Uhrzeigersinn durch das Herz Irlands. Entlang der Ostküste kommen wir in ein kleines Dorf in den Wicklow Mountains. In Waterford besteigen wir einen Dampfzug und lassen uns Irlands Bahngeschichte um die Nase wehen. Die Reise führt uns weiter in den Süden Irlands. Wir fahren weiter nach Galway, einer Studentenstadt, die neben einer ausgeprägten Pubkultur, auch ein anderes Erbe pflegt: Hier soll James Lynch seinen Sohn erhängt haben. Vorbei an riesigen Torffeldern kommen wir in die Mitte der grünen Insel. Nun ist es nur noch ein Katzensprung nach Dublin – hier trinken wir unser letztes Pint – Cheers!“ (Senderinformation)

 

Donnerstag, 23. Februar 2017, 3sat 5:30 Uhr: Irlands Küsten – Belfast und der Norden

Irland TV-Tipps, Irlands Küsten. Belfast und der Norden„Irland ist eine geteilte Insel. Das protestantische Nordirland ist von der katholischen Republik getrennt. Der Konflikt zwischen den Anhängern Großbritanniens und der gälischstämmigen Bevölkerung prägt die Geschichte des Landes. Und in Nordirland ist er noch immer gegenwärtig. An den Häusern erinnern Wandmalereien an die „Troubles“ genannten Auseinandersetzungen und Straßenschlachten, zu denen jeder Bewohner Nordirlands eine persönliche Beziehung hat. Inzwischen verstehen die Menschen, dass sie aus der Vergangenheit lernen müssen, um die Wunden heilen zu lassen. Tom Kelly und Kevin Hasson restaurieren in Derry/Londonderry die Wandmalereien an den Hauswänden. Die beiden Künstler begannen in den 90er Jahren ihre Bilder zu malen, begleitend zum Friedensprozess. Sie möchten die Malereien für die nachfolgenden Generationen erhalten und ihren Beitrag zur Versöhnung leisten.

Von Derry/Londonderry im äußersten Norden Irlands geht es die schroffe Küste entlang. Sie bietet einzigartige Felsformationen. Sechseckige Steilsäulen ragen am Giant’s Causeway aus dem Wasser. Der Legende nach wurden die bis zu zwölf Meter hohen Basaltsäulen von einem Riesen geformt, heute weiß man von ihrem vulkanischen Ursprung. Die Küste bietet Lebensraum für unzählige Seevögel. Papageientaucher nisten in riesigen Kolonien auf den Felsen nahe der Brandung. Selbst Alpenkrähen kann man hier beobachten. Die seltenen Vögel waren lange Zeit aus Nordirland verschwunden. Dank der Bemühungen von Vogelwart Liam McFaul brüten sie wieder auf der Insel Rathlin. Zum Schluss der Reise steht Nordirlands Hauptstadt Belfast auf dem Programm. Hier sind große Schiffe kein seltener Anblick. Vor mehr als hundert Jahren wurde hier die „Titanic“ gebaut, das größte Schiff seiner Zeit. In der Werft von Ingenieur James Stevenson gibt es ein ganz besonderes Projekt – die Restauration der „SS Nomadic“, dem letzten existierenden Schwesterschiff der „Titanic“.“ (Senderinformation)

 

Freitag, 24. Februar 2017, ZDF 0:45 Uhr: Jack Taylor – Auge um Auge

Irland TV-Tipp, Jack Taylor Auge um Auge„Nach einem Jahr in London kehrt Jack Taylor (Iain Glen) nach Galway zurück, erholt und erstaunlich nüchtern. Er hat den Sauftouren und der schmutzigen Detektivarbeit abgeschworen, die ihn in einen düsteren Strudel aus Tod und Gewalt gezogen hatten. Doch er wird auf eine harte Probe gestellt, als der Vater eines Freundes aus Kindertagen ihn um Hilfe bittet. Dessen Sohn Niall sei unter mysteriösen Umständen gestorben. Die Polizei geht von Suizid aus, aber der Vater zweifelt und spricht von Mord. Jack nimmt den Fall an.

Jede Straße Galways hält für Jack Erinnerungen parat, er trifft auch seine große Liebe Anne (Tara Breathnach) wieder. Sie fasziniert ihn immer noch, ist aber inzwischen mit dem ebenso erfolgreichen wie dubiosen Bauunternehmer Tim Caffrey (Stuart Graham) liiert. Jack entdeckt, dass Anne von Caffrey geschlagen wird und legt sich mit seinem Nebenbuhler an. Auf einer Party in Caffreys noblem Haus droht Jack dem Hausherrn an, ihm im unerwarteten Moment aufzulauern. Für diese recht eindeutige Ankündigung gibt es viele Zeugen, unter anderem Superintendent Clancy (Frank O’Sullivan). Jack wird von einem etwas aufdringlichen, jungen Mann namens Cody (Killian Scott) verfolgt, der Jack seit Langem als Idol verehrt. Cody will unbedingt als Partner in die Detektei einsteigen, Jack nimmt ihn aber nicht ernst. Doch Cody lässt nicht locker und mischt sich nicht ungeschickt in die Ermittlungen ein.

Dabei kommt Jack einer Bürgerwehr auf die Spur, die als Reaktion auf die rapide steigende Verbrechensrate in Galway offenbar Selbstjustiz übt. Vieles spricht dafür, dass auch Niall ihr Opfer geworden sein könnte. Deren Mitglieder nennen sich „Pikemen“ und beziehen sich auf bäuerliche Freiheitskämpfer aus Zeiten der britischen Herrschaft. Von den kämpfenden Bauern haben sie nicht nur den Namen, sondern auch die spezielle Waffe, die Pikes, eine Art Speer, übernommen. Die „Pikemen“ haben nichts gegen Jack, sie sehen ihn als unabhängigen Kämpfer für Recht und Ordnung, der sich über die Justiz hinwegsetzt und für ein sicheres Galway einsteht. Jack lehnt eine Mitgliedschaft dankend ab. Dann wird Tim Caffrey erschlagen auf einer seiner Baustellen gefunden. Jack ist Hauptverdächtiger und wird von Superintendent Clancy festgenommen. Niemand glaubt mehr an Jacks Unschuld, nicht einmal seine beste Freundin, die Polizistin Kate (Nora Jane Noone). Jack gelingt die Flucht aus der Haft, und er findet einen einzigen, treuen Verbündeten: Cody. Es ist ein Kampf gegen die Zeit, sie müssen den wahren Mörder finden, bevor Jack geschnappt wird. Und wieder steht Jack am Abgrund. Er begreift, dass die richtige Spur über die „Pikemen“ führt. Zum Schein lässt er sich auf einen lebensgefährlichen Deal ein.“ (Senderinformation)

 

Zusammenstellung: Antje Wendel

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Timothy Healy und der berühmte Healy Pass

Der Healy Pass auf der Cork-Seite. Foto: Peter Zoeller

Geschichten von der Beara-Halbinsel im Süd-Westen Irlands (Teil 17)

von Peter Bernhardt* 

Heute erzählt Peter Bernhardt im Geschichten-Zyklus über das ländliche Irland am Atlantik, warum der berühmte Healy Pass so heißt, wie er heißt. Es ist die Geschichte des irischen Politikers Tim Healy.

Timothy „Tim“ Michael Healy wurde am * 17. Mai 1855 in Bantry, County Cork, geboren. Sein Vater Maurice war Beamter in der Poor Law Union in Bantry. Seine Mutter Elizabeth war ein Mitglied des Murty Oge O’Sullivan Clans, der auf der Beara Penisula eine große Rolle spielte. Bantry war eines der gebeutelsten Bezirke in Irland während der Jahre der Hungersnot in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Und so wuchs Timothy schon früh mit dem Gefühl auf, wie ungerecht es unter falscher Führung in Irland zuging. Er erinnerte sich gut daran, wie die Lippen seines Vaters zitterten, wenn er von den schrecklichen Zeiten und Zuständen der Hungersnot berichtete. Und auch seine Großmutter berichtete von der Farm ihrer Schwester nahe Skibbereen, dass jegliches Leben dort endete, selbst Vieh und Federvieh elendig verendeten.

Das prägt natürlich einen jungen Menschen. Timothy und sein Bruder Maurice ließen später zum Gedenken der vielen Opfer in der Abbey von Bantry ein Denkmal in Form eines keltischen Kreuzes errichten. Die Inschrift lautet: „To mark the Famine-Pits of 1846-8. May God give Rest to the Souls of the faithful Departed.“

Tim Healy begann seine Ausbildung bei den Christian Brothers in Fermoy, brachte sich aber sein Wissen weitgehend autodidaktisch bei. So verließ er die Schule schon im Alter von 13 Jahren, um sich in Dublin nach einem Job umzuschauen. Er blieb dort zwei Jahre bei T.D. Sullivan, dem Ehemann seiner Tante. Healy heiratete 1882 T.D.s Tochter Erina , seine Cousine ersten Grades. Mit ihr hatte er drei Söhne und drei Töchter.

1872 ging Tim nach England und arbeitete dort als Stenograf im Büro der North Eastern Railway Companie. Dort in Newcastle wurde er auch Sekretär der Home Rule Vereinigung. Nebenbei widmete er sich dem Studium der Literatur. Sein außerordentlich gutes Gedächtnis befähigte ihn, Shakespeare nur vom gehört haben zu zitieren und auch sein Französisch und Deutsch war gut genug, um Literatur in diesen Sprachen zu genießen. Es wird von ihm berichtet, daß er während seines Gefängnis-Aufenthaltes die Bibel auswendig lernte.

1878 wurde Tim Healy Journalist bei der Tageszeitung „The Nation“ in London und schrieb eine wöchentliche Kolumne über das Wirken der Nationalist Party unter Charles Stewart Parnell im britischen Unterhaus. Über Healy wurde in diesen Jahren gesagt, er sei der loyalste Diener von Parnell gewesen.

Blick vom Healy Pass hinunter auf den Glanmore Lake in Kerry

Nach seiner Haftentlassung wegen Teilnahme an gewalttätigen Aktionen der Irish Land League wurde er 1880 als Vertreter der Nationalist Party zum Abgeordneten des Unterhauses gewählt, er vertat den Wahlkreis Wexford. Als brillanter Redner und aufgrund seiner umfangreichen Kenntnisse der Gesetzgebung im Parlament, machte er sich schnell einen Namen. Healy war auch ein anerkannter Fachmann in Fragen zur Lage Irlands und Namensgeber der „Healy-Klausel“ im Land Act von 1881, in dem die Pächter von Farmen vor der Erhöhung des Pachtzinses durch die Grundbesitzer geschützt werden sollten.

Tim Healys Geburtshaus in Bantry – heute die Bank of Ireland – und die am Gebäude angebrachte Gedenktafel

Tim Healy

Das von Healy errichtete Gedenkkreuz in Bantry

Durch seine politischen Aktivitäten wurde er sogar in Nordirland populär. Das führte dazu, daß seine Partei auch Stimmengewinne in der protestantischen Provinz Ulster verzeichnen konnte. 1886 kam es allerdings zum Bruch mit Parnell. Er blieb jedoch der Irish Nationalist Party verbunden. Nach seiner Enttäuschung über die Ziele der Liberalen und der irischen Nationalisten nach dem Osteraufstand 1916 wurde Healy nach 1917 zum Unterstützer der 1905 von Arthur Griffith gegründeten Sinn Féin. Er verzichtete im Jahr 1918 auf eine erneute Kandidatur zum Parlament zugunsten eines Sinn Féin-Kandidaten.

Sein Ruf als „verdienter Staatsmann“ veranlaßte 1922 sowohl Großbritannien als auch Irland, Healy zum ersten Generalgouverneur des Irish Free State zu ernennen. Dieses Amt hatte er bis zu seinem Rücktritt 1928 inne. Drei Jahre nach seiner Pensionierung starb er am 26. März 1931, im Alter von 75 Jahren, in seinem Haus in Dublin. Er wurde auf dem Friedhof Glasnevin, dem irischen Nationalfriedhof* in Dublin beerdigt, wo auch Parnell 40 Jahre zuvor seine letzte Ruhe gefunden hatte.

Im Rückblick darf die Frage aufgeworfen werden: War Tim Healy ein großer Patriot oder hat er Parnell und Irland an die Briten verraten? Die Frage bleibt offen. Healy war ein Leben lang eine furchteinflößende Persönlichkeit, weil er schrecklich schlagfertig und geistesgegenwärtig war, weil er völlig unbekümmert sozialen und politischen Konventionen gegenüber war und weil er keine Partei-Disziplin kannte. Gegen Ende seines Lebens wurde er allerdings „altersmilde“ und diplomatisch.

Timothy Healy ist jedem auf der Beara-Peninsula und darüber hinaus ein Begriff. Er hat sich nach den Hungerjahren dafür stark gemacht, daß der ehemalige „Eselspfad“ zwischen Adrigole (Co. Cork) und Lauragh (Co. Kerry), zu einer ordentlichen, befahrbaren Straße ausgebaut werden konnte. Der ursprüngliche Name dieses „Eselswegs“ war Bealach Scairt – The way of the Sheltered Caves. Der Ausbau brachte den Menschen auf Beara Arbeit und ein Einkommen – nicht gerade üppig viel, aber immerhin soviel, daß die Familien ein Grundauskommen hatten. Die 1931 fertig gestellte Straße ist genau 12,9 km lang und wurde ihm zu Ehren „The Tim Healy Pass“ genannt. Die offizielle Einweihung am 21. April 1931 hat er leider nicht mehr miterlebt.

Der Pass-Übergang, Grenze zwischen Cork und Kerry

Tipp: Ich fahre diese Strecke am liebsten von Adrigole aus. Da kann man sich auf die engen Serpentinen bis hinauf zum Pass konzentrieren. Auf der Passhöhe ist die Grenze zwischen Cork und Kerry und man hat bei fast jedem Wetter einen grandiosen Blick auf die Bantry Bay zur einen und auf die Kenmare Bay auf der anderen Seite. Die Abfahrt nach Lauragh ist dann nicht mehr so kurvig und man darf schon mal einen Blick auf die vor einem liegende Landschaft riskieren.

In den vergangenen Jahrhunderten hatte dieser Pass, wo sich Cork und Kerry treffen, noch eine andere Bedeutung. Es „konnte vorkommen“, daß sich Paare von beiden Seiten verliebten und heirateten. Wenn dann ein Partner starb, der ursprünglich aus dem „ungeliebten“ Nachbars-County stammte, brachte ihn der Trauerzug an die Grenze und übergab den Sarg den Verwandten auf der Gegenseite. Diese Stelle wird noch heute The famous Flat Rock genannt und befindet sich nur wenige Schritte vom jetzigen Pass-Durchgang entfernt.

 

 Peter BernhardtDer Autor: Peter Bernhardt lebt seit dem Jahr 2000 in Eyeries auf der Beara Peninsula in West Cork. Bis zu seinem Ausscheiden aus seinem Arbeits-Leben war er Art Direktor und Werbeleiter. Seine Liebe zu Irland hat er 1967 auf einer fünfwöchigen Fahrradtour durch den Süden entdeckt. Danach folgten mehrere Irland-Urlaube mit Familie, bis 1987 ein altes Cottage seine Aufmerksamkeit weckte und darum warb erworben zu werden. Peters Interessen sind unter anderem Archäologie, lokale Geschichte und Storytelling.

PS: Peters Geschichten von der Beara Peninsula erscheinen regelmäßig hier auf Irlandnews.

 

Fotos: Peter Bernhardt, außer: Titelfoto: Peter Zoeller, Glanmore Lake: Markus Baeuchle

* Wer daran interessiert ist, welch irische Persönlichkeiten dort noch ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, kann sich hier informieren.

 

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