Patrick´s Day 2012: Farbrausch in Grün und Braun

St. Patrick´s Festival in Dublin 2012Beim heiligen Kleeblatt, übermorgen ist St. Patrick´s Day. Dann erlebt die Welt einen Farbrausch in Grün und einen alkoholischen in Braun.* Was oder wen feiern wir da eigentlich an Paddys Day? Eine kleine Umfrage der Irlandnews-Redaktion ergab: Wir wissen es nicht, aber wir feiern ihn trotzdem, den Heiligen Patrick, den Nationalheiligen der Iren. Die allgemeine populäre Unkenntnis über den Heiligen Patrizius hat übrigens eine ganz seriöse Verwandte: die wissenschaftliche Unkenntnis. Bernd Biege beschreibt in seinem Irland-Blog die Dimensionen des Nicht-Wissens über die Figur des heiligen Helden: Wir wissen eigentlich nur, dass wir nicht wissen, wer und selbst wie viele Patrick wirklich war. Wir wissen auch, dass nicht er es war, der die Fackel für das Christentum von Rom nach Irland trug und dass er nicht die Schlangen von der Insel vertrieben hat. Aber sonst?

Egal, eigentlich. Übermorgen ist St. Patrick´s Day, da wird eben gefeiert. Zum 250. mal dort, wo die Feiertagsparade einst erfunden wurde, in New York. Aber auch in Kealkil, West Cork, in Nordenham, Niedersachsen, und im Epizentrum Dublin. In der gtrünen Hauptstadt tobt das St. Patrick´s Festival ab morgen vier Tage lang (Das Programm gibt es hier). Die Menschen feiern Irland, die Iren, die Irishness, sie feiern das Grün, das Kleeblatt, die Leprechauns, das Bier, vor allem aber feiern sie sich selbst. Der historische Sinn von Feiertagen ist längst unwichtig geworden, jeder zimmert sich seinen eigenen Feiertags-Sinn, und sei es den der Sinnfreiheit. Jeezzus? Ostern oder Weihnachten sind für den Zeitgenossen einfach Familienfeiern, Geschenkabwurfs-Termine oder Ausschlafperioden. Was braucht es da Sinn oder gar historischen Bezug? Es lebe der Patrick´s Day – auch ohne Patrick.

Also, raus mit dem kleinen Grünen und dem Lepri-Hut, hoch die Tassen, runter mit der braunen Plürre, Ceili-tanzend die Straße lang. Oder warum feiert Ihr den Patrick´s Day? Ja, feiert Ihr den Patrick´s Day?

PS: * “Guinness = Irland = Gute Laune”. Der Getränke-Mulit Diageo gibt sich ganz irisch und saugt aus dem Paddys-Day-Rummel ebenfalls Nektar: Der Guinness-Konzern pumpt zu diesem Zweck mächtig braune Sauce in die “größte Party der Welt”. Unter dem Motto “The Friendliest Day Of The Year – Der freundlichste Tag des Jahres” propagiert die Brauerei einen neuen Weltrekord-Versuch: Rund um den Globus soll die größte Party zu Ehren des irischen National-Bieres, Verzeihung, des irischen National-Heiligen mit National-Bier gefeiert werden — und so ins Guinness-Buch der Rekorde gelangen. Na, wenn das kein Werbe-Sccop ist: Ab übermorgen wird Freundlichkeit in Pints und die Länge des 17. März in Hektoliter gemessen.

Fotos: © St. Patrick´s Day Festival 2012. Kinder-Ceili in der Luas, Dublins Straßenbahn.

St. Patrick´s Festival in Dublin

St. Patrick´s Festival in Dublin 2012

In Irland und in München gehen die Uhren anders

St. Patrick´s Day in München

Wenn in Irland ein Konzert auf 20 Uhr angesetzt ist, dann treffen sich um 20 Uhr meist die deutschen Besucher, um sich gemeinsam über die Unpünktlichkeit der Gastgeber zu wundern. Das Publikum wird ab 21 Uhr einlaufen und das Konzert wird mutmaßlich um 21. 30 Uhr beginnen. Jeder weiß das, außer den “Feckin German” Pünktlichkeitsfanatikern.

St. Patrick´s Day in München 2012Die Deutschen haben in Irland den Ruf der Überpünktlichkeit, und das trifft bisweilen sogar zu, wenn man deutsche Maßstäbe zugrunde legt. Genau deshalb ist jetzt Eile geboten: Holt die grünen Gewänder raus, segnet den Klee und färbt das Brunnenwasser grün — der 17. März findet in München nämlich schon am 11. März statt. St. Patrick´s Day: Mit einer “Mords-Gaudi” feiern am kommenden Sonntag die Münchner Iren, die Freunde der Münchner Iren und die Freunde der Freunde der Münchner Iren ihren St. Patrick´s Day und laufen zur großen Parade auf: Blau-Weiß trägt Grün und marschiert von der Münchener Freiheit zum Odeonsplatz. Die Veranstalter, der Deutsche-Irische Freundeskreis Bayern, rechnen mit über 30.000 Teilnehmern und beanspruchen damit den Titel “Größte Patrick´s Day Veranstaltung östlich von Dublin.

Dass die Bayern und die Iren  wesensverwandt sind, wird schon lange und gerne behauptet. Geübt in den gemeinsamen Traditionen des Katholizismus, des fröhlichen Fastenunterbrechens, der freudigen Doppelmoral und der sündigen Unschuld sind die Bayern eigentlich die Iren Deutschlands. So passt der Paddys Day nach München wie sonst nur nach Dublin.

In Dublin wird der irische Nationalfeiertag 17. März 2012 übrigens mit einem Festival vom 16. bis zum 19. März  gefeiert, und New York, wo die Parade im 18. Jahrhundert von irischen Auswanderern erfunden wurde, marschiert pünktlich am 17. März. Es lebe Irland, es lebe die Irishness, es lebe St. Patrick, ähhmm, wer? Wir haben uns einmal umgehört, wer am Patrick´s Day eigentlich gefeiert wird. Die Antworten waren erheiternd bis erschütternd. Aber davon ein andermal.

Fotos und alle Infos zum Münchner P´Day: www.patricksday.de

 

Zur Geisterstunde durch Dublins Totenstadt

Die Engel von Glasnevin

Die Engel von Glasnevin. Foto ©: Eliane Zimmermann

In Irland pflegt man einen etwas anderen Umgang mit den Toten. Vorbei ist halt vorbei, möge er oder sie in Frieden ruhen (R.I.P.), hoffentlich ist das Leben im Himmel weniger hart als auf Erden. Beerdigungen sind – zumindest in ländlichen Teilen der Insel – eher ein willkommener Anlass, alte Bekannte zu treffen und ein paar Glas ‘Wasser des Lebens’ (Whiskey) auf den oder die Verschiedene zu heben. Nicht selten geht es neben dem offenen Sarg ganz schön lustig zu. Und Friedhöfe gleichen nicht den ästhetischen und wohlgeordneten deutschen Parks und werden nicht für Spaziergänge genutzt.

So verwundert kaum, dass in den Tagen vor dem Gedenktag an die Toten – Halloween am 31. Oktober und Allerheiligen am 1. November – zu echten Geisterstunden auf der größten Nekropole des Landes eingeladen wird: Im Glasnevin Cemetery in Dublin führt Totengräber Jim zweimal täglich durch die langen, von finsteren Eiben gesäumten Gassen der Totenstadt von Glasnevin. Es ist gut einen Kenner dabei zu haben, denn man kann sich zwischen den vielen grauen Monumenten, von denen viele mit übernatürlich großen Heiligen und Engeln bestückt sind, gerade in der Dämmerung schnellen verirren. Unter den über eine Million auf Glasnevin beerdigten Menschen befinden sich auch die iridischen Überreste zahlreicher prominenter Iren.

Ein Familienticket für die Geisterstunde (26. bis 31. Oktober) kostet ab 15 Euro und bietet fast schon eine Garantie zum Gruseln. Wem die Nervenkapazität für die Friedhofstour nicht ausreicht, kann stattdessen einen Kürbisschnitz-Workshop und einen Abend mit ‘Samhain Supper & Storytelling’ sowie eine zu Halloween passende Ausstellung im Glasnevin Museum besuchen.

Die Friedhofstiftung von Glasnevin hat die Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit Faílte Ireland konzipiert. Das Programm gibt es hier.

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