Bizarre Felsformationen am Mehal Head

Mehal Head Irland by WanderlustKennen Sie den Unterschied zwischen einer Safari und einer Foto-Safari? 

Heute bin ich unterwegs an der einsamen Küste zwischen Mehal Head und Shot Head auf der Südseite der Beara Peninsula im Südwesten Irlands. Ruhe, Wellenrauschen, weiter Blick aufs Meer. Dort, wo schon bald eine riesige industrielle Lachsfarm installiert werden könnte. Bizarre Felsformationen von beeindruckender Schönheit, geformt in hunderttausenden von Jahren. Eine Küstenlandschaft aus uralter Zeit.

Hier gibt es nicht viel außer Natur. Bald soll es anders sein?  In zwei, drei Jahren wäre der ursprüngliche Ort geopfert auf dem Altar des Profits. Ein Gedanke, vorbeigezogen im Moment des Einsseins mit einem schönen Ort: Bisherige Generationen werden daran gemessen, was sie geleistet, produziert, in die Welt gesetzt haben. Künftige Generatonen daran, was sie unterlassen. Was vermag die Leistung, einem beliebigen Ort auf diesem Planeten mit einem neuen Haus seinen Besitzstempel aufzudrücken, gegen die Leistung, diesen Ort in seiner Ursprünglickeit zu bewahren?  Was vermag die Vita activa gegen die Radikalität der Vita contemplativa?

Am Ende der Safari ist das Objekt der Begierde tot. 

Mehal_Head_Irland_by_Wanderlust
Fotos: Markus Bäuchle © 2012

Schaf trägt Ohrring. Beidseitig. Beiläufig modisch.

Schafe in IrlandSchaf trägt Ohrring. Ohne Willen. Weil der Schafhalter es will. Die Jugend in Irland trägt auch wieder Ohrring — aus freien Stücken. Selbst junge Männer. Beidseitig. Modisch. Unschuldig.

Schweigen ist Gold: Der Wetterbericht

Aus dem Wetterbericht von Met Eireann für Irland für die kommende Woche:

Most places will be frost free for the first half of next week, but there will be a widespread severe frost

next Wednesday night as temperatures fall close to freezing.

Sinngemäß: Starker Frost, weil sich die Temperaturen dem Gefriepunkt nähern . . .

Schweigen ist Gold: Bin ich vielleicht spirituell?

Fragt der Bernd den Biege: “Bin ich selbst spirituell?” Antwortet der Biege dem Bernd: “Ja und nein”. Da fällt mir der wahre Witz ein von der sprachlich ungelenken irischen Reiseführerin, die versuchte, ihren deutschen Gästen die Dreifaltigkeit zu erklären: “Das sind der Vater, der Sohn und der Heilige Spiritus”. Holy Spirit, Börnd. Einigt Euch einfach mit Matthäus 5,37. “Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.” Und alles, was darunter ist, sowieso.

Zwei Ansichten zum Jahreswechsel 2011…..12

Irland im Sturm 2011 by Markus BäuchleBye 2011: Unterwegs in Irland habe ich auch im zu Ende gehenden Jahr 2011 oft, vielleicht allzu oft den Auslöser der Digitalkamera gedrückt, um die betörende Landschaft, liebe BegleiterInnen, oder auch das eine und andere “Eyesore” zu fotografieren. Mein eigenes Lieblings-Foto 2011 machte ich an einem stürmischen Montagnachmittag, am 12. September, auf der Mizen-Halbinsel im County Cork. Es zeigt drei FreundInnen, die sich im Sturm das aufgewühlte Meer ansehen. Im wilden, peitschenden Wind war es kaum möglich, sich auf den Beinen zu halten, und doch geriet dieser Tag im Sturm zu den bewegendsten Erlebnissen 2011.

Hello 2012: Es gäbe Vieles zu befürchten in diesem anbrechenden neuen Jahr 2012. Lassen wir es sein und sind optimistisch. Pfeifen wir auf die Mayas und auf den Euro. Versuchen wir zu ändern, was zu ändern ist. Und genießen wir die Welt der wahren Dinge. Lassen wir das Internet, diesen mächtigen Zeit- und Energiesauger einfach auch mal aus oder links liegen. Schauen wir uns wieder einmal in die Augen anstatt ins Facebook-Profil.

Alles Gute für 2012! Markus Bäuchle / Wanderer.

Familie 2012

Das “Familien-Idyll 2012″ hat unser Freund Oh Weh aus Süddeutschland arrangiert: Cocooning mit Compi auf Couch. 

Essen — die natürlichste Sache der Welt?

KEKS KINDDer alte Mann in Rom, der mit der komischen Mütze und den roten Schuhen, hat gestern abend wieder kräftig augeteilt. Er mahnte, die Material-Schlacht unterm Weihnachtsbaum einzustellen (“Weihnachten wird unterm Baum entschieden”) und “durch die glänzenden Fassaden dieser Zeit hindurchzuschauen bis zu dem Kind im Stall von Bethlehem, um so die wahre Freude und das wirkliche Licht zu erkennen”,

Gut. Oder wir verstehen die materialistische Weihnachtsschlacht zumindest auch als Umverteilungs-Instrument: Wenn schon schenken, dann auch mal selbstlos, ohne Tauschfunktion, ohne Payback und ohne eigene Gratifikation. In Ordnung, vielleicht gegen Spendenquittung und fürs gute Gewissen. Das muss drin sein. Ende der Vorrede.

Eliane, hier in den Irland News als Autorin und Mitbetreiberin bekannt, war in diesem Dezember 24 Tage lang “für die gute Sache” unterwegs, hat in ihrer ureigenen Disziplin Aromatherapie einen gehaltvollen Adventskalender der Hydrolate, das sind natürliche Pflanzenwasser,  erarbeitet und kostenlos ins Netz gestellt. Dss Ergebnis der freiwilligen 40-Stunden-Woche ist auf Elianes Blog www.blog.aromapraxis.de nachzulesen. Sie verbindet das Charity-Projekt mit der Bitte, Geld an KEKS, eine Selbsthilfeorganisation für Menschen mit kranker Spreiseröhre, zu spenden. Also, wer jetzt zu Weihnachten noch ein Scheinchen übrig hat und von der Maßnahme überzeugt ist, ist eingeladen zu helfen. Hier schreibt Eliane, warum sie um Geld für KEKS bittet:

“K.E.K.S. Ich schrieb im ersten Hydrolate-Beitrag, dass mich eine mögliche Spende meiner LeserInnen motiviert hat, diesen Adventskalender der anderen Art zu verfassen. Auch wenn es inzwischen 18 Jahre her ist, ich kann mich so gut an die leidvollen Stunden nach der Entbindung erinnern, als Ärzte mit dem Wort ‘Oesophagusatresie’ um sich warfen. Keine Zeit für Erklärungen hatten. Schon gar keine Zeit für Trost und das Spenden von Zuversicht. Später die endlosen Monate, in denen wir uns vorkamen wie die letzten Idioten, weil wir nicht wussten, ob und wie unser Kind jemals würde essen können. Die vielen Infekte, die vielen Ärzte, die vielen Antibiotika, die Krankenhausaufenthalte. Wenn uns damals jemand nur ganz kurz, jedoch überzeugend erklärt hätte, wie man mit den jeweiligen Episoden am besten umgeht und dass so ein Kind ein ganz (oder in manchen Fällen fast ganz) normales Leben führen kann, wäre vieles einfacher gewesen. Und dieser JEMAND sitzt heute bei K.E.K.S. – in Form von Krankenschwester, Sozialpädagoge, Ärztin und Arzt, betroffenen Eltern. Fast alle blicken auf inzwischen 25 Jahre Erfahrungen in der Beratung von Betroffenen mit angeborener  Oesophagusatresie und erworbenen Speiseröhrenschäden zurück.

Was immer fehlt, ist GELD. Da KEKS von Spenden lebt. Das alte KEKS-Haus in Stuttgart war marode und musste abgerissen werden, ein neues Gebäude wurde im Dezember fertig und eingeweiht. So dass betroffene Familien eine Anlaufstelle in der realen Welt finden, wo sie beraten werden, wo sie perfekt aufgehoben sind, wo sie auch mal übernachten und abschalten können. Wenn jede(r) meiner täglich einige hundert Blog-LeserInnen pro Hydrolate-Beitrag einen Euro (oder auch nur 50 Cent) spenden würde, käme eine stattliche Summe zusammen.

Spenden bitte mit dem Stichwort ‘Aromatherapie’ versehen, bitte an:  

KEKS, Stuttgarter Volksbank, Konto-Nr.: 300 000 006, BLZ: 600 901 00, BIC: VOBADESS, IBAN: DE88 6009 0100 0300 0000 06).

Essen ist die natürlichste Sache der Welt – jedoch nicht für Keks-Kinder, sie brauchen dafür ganz viel Unterstützung. Vielen Dank und schöne Festtage!”

PS: Wer mehr über KEKS erfahren möchte: www.keks.org

 Foto: KEKS

Schöne Feiertage. In Irisch und Alemannisch

Alemannischer Eingeborener vor Weihnachtsbaum

Junger alemannischer Eingeborener vor Weihnachtsbaum

Im Sommer 1969 beendete ich die Grundschule im Schwarzwald im schönen Südbaden. Ich hatte Vieles mitbekommen in meinen ersten zehn Lebensjahren, keinesfalls aber Hochdeutsch. Der Baden-Württemberg-Werbespruch “Wir können alles außer Hochdeutsch” war damals noch nicht kreiert, er lag aber gewissermaßen in der Luft.

Wir hatten Einiges gelernt in den drei Grundschuljahren, außer Hochdeutsch eben; das alemannische Idiom hatte seine kulturelle Oberhoheit behauptet und so warteten wir kleinen Wiesentäler Eingeborenen auf die heranziehenden Horden linker 68-er-Lehrer aus dem Norden, die sich auf den Weg durch die Institutionen gemacht hatten. Und schon nach der Sommerpause, im ersten Jahr im Gymnasium sollten wir explizite Nachhilfe für sprachlich Zurückgebliebene erhalten: Hochdeutsch für Eingeborene. Deutsch für Deutsche. Eingepaukt von den jungen Wilden an der Pädagogenfront. Für meinen Fall kann ich sagen : Es ist gerade noch mal gut gegangen. Der Alemanne hat das Hochdeutsche doch noch einigermaßen gelernt. Warum ich das erwähne?

Nach zehn Jahren in Irland spreche ich noch immer Alemanisch, auch Deutsch und Englisch, aber leider kein Irish. Wenn nun die Kollegen in anderen Irland-Blogs mit ihren gälischen Weihnachtswünschen glänzen, dann kann ich nur bereuen, dass meine Irisch-Kenntnise über das Niveau von “Guten-Tag-rot-gelb-schwarz-Fels-Berg-Insel-Stadt-und-Gesundheit-zum-Wohl” nicht hinaus reichen. Die geschilderten Spracherfahrungen in jungen Jahren machen mir in den Zeiten lebenslangen Lernens allerdings Mut — und das allwissende Internet spendet mir Trost. Schlag nach bei Google, denn Wissen heißt wissen, wo es steht.

Allen, denen es geht wie mir, und die doch gerne einen Festtagsgruß in Irish abesetzen wollen, habe ich hier die gaelischen Grußformeln zum Rauskopieren einmal reinkopiert:

Beannachtaí na Nollag (Christmas Greetings / Weihnachtsgrüße)
Beannachtaí an tSéasúir (Season’s Greetings / Feiertagsgrüße)
Athbhliain faoi mhaise duit/daoibh (Prosperous New Year / Neujahrsgruß)

Schöni Weinachde und e gueds neus Johr (Das ist Alemannisch).

In diesem Sinne: Schöne Feiertage, Und übrigens: Wir machen weiter. Wir haben ein paar schöne Geschichten und Fotos vobereitet und behalten den Gang der Dinge auf der Insel für Euch/Sie im Auge, sodass es auch über die Weihnachtstage bis in den Januar hinein etwas zu lesen gibt. Der Wanderer.

PS: Das folgende Foto mit Boot und Schnee entstand vor einem Jahr. In diesem Jahr feiern wir in Irland ein durch und durch grünes Fest.

Winter in Irland

Nachdenken über Irland

Irland 2012Nachdenken über Irland nach einem manischen Jahrzehnt. Wenn wir an dieser Stelle von Irland reden oder schreiben, dann beschreiben wir zumeist das ländliche Irland, die Gegend in der wir leben. Im äußersten Südwesten der Insel gelegen, fernab der Städte, weit draußen an der Peripherie, am westlichen Rand Europas, existiert diese auf den ersten und zweiten Blick idyllische Parallelwelt, die Besucher so gerne an das alte Irland erinnert.

Hier sind die Kirchen am Sonntag noch immer voll (was wir an der Zahl der Autos vor der Kirche erkennen), während der Priester in Dublin längst vor gähnend leerem Haus predigt. Hier hat der Keltische Tiger weniger gewütet als in den Metropolen und Speckgürteln der Insel. Hier gibt es weniger Emporkömmlinge und weniger gefallene Ex-Reiche. Hier liegt die Quote der Frauen mit Implantat unter der Bluse und Schnitt hinterm Ohr um Längen hinter der von Dublin. Hier ist man/frau noch ein bisschen gleicher, was manche Zeitgenossen mit “zurückgeblieben” verwechseln. Hier hat man oft Zeit für eine Tasse Tee und ein Schwätzchen.

Hier halten sich die Bausünden eines manischen Jahrzehnts in Grenzen, hier prägt noch immer die Landschaft das Bild vom Ort. Eine reizend-reizvolle Landschaft, die uns auch nach über einem Jahrzehnt stets aufs Neue lockt, sie wahrzunehmen, zu schätzen, zu ehren, zu genießen. Und zu fotografieren natürlich.

Die Beschreibung dieser Welt, des ländlichen Südwestens Irlands zwischen Bergen und Atlantik trägt uns immer mal wieder den Vorwurf der Schönfärberei ein,  der idealisierten Betrachtung Irlands durch die rosarote, in diesem Fall die grüne Brille.  Die Krittler und Nörgler missverstehen: Wir haben nicht Tisch, Bett und Schreibtisch 2000 Kilometer westwärts bewegt, um auf den nächsten Hinterhof zu starren, um uns an den zivilisatorischen Verwüstungen der großen Städte zu reiben, um schlechte Luft einzuatmen, um über die Abwesenheit von Pflanzen und Bäumen zu lamentieren, um vor so viel Schönheit schamhaft die Augen zu verschließen.

Ich habe nach einigen Jahren wieder einmal die alte Wahl-Heimat München besucht. Auf der Schäferwiese wächst unter Stahlbertonfundamenten längst kein Gras mehr, der Hirschgarten ist der Name eines Wohngebiets, an der Hackerbrücke Richtung Westen ist die offene Gleis-Landschaft unter hunderten neuer Wohnungen verschwunden. Ein schmaler eingekiester Streifen zwischen S-Bahn-Trasse und Wohnblocks wurde von den Erschaffern dieser modernen Wohnwelten fast entschuldigend mit Schildchen versehen: “Biotop-Fläche”. Mir kamen fast die Tränen. Fast.

Hier in Irland gibt es auch keine Schäferwiese, dafür aber reichlich Schafswiesen, es gibt die Hirschgärten, es gibt die offene, unverbaute und weite Landschaft. Was fehlt sind die “Biotop-Flächen”. Das ist gut so. Und nein, es ist kein Luxus hier zu leben, Das Leben hier lässt sich billiger leben als in München oder in Frankfurt oder in Hamburg. Wenn man denn will. Es ist allerdings ein Privileg, hier zu leben, so zu leben. Das schätzen wir. Tag für Tag aufs Neue.

Und ja, es gibt auch das andere Irland. Das moderne, schnelle, urbane, stylische und elitäre. Das hässliche, das verkommene, das verschandelte und ausgebeutete. Die aus den Fugen geratene moderne Gesellschaft mit all ihren Schattenseiten: Eitelkeit, Gier, Arbeitslosigkeit, Armut, Drogenabhängigkeit, Fettleibigkeit, Rassismus, Entsolidarisierung und Dummheit. Auch davon soll  die Rede sein. Immer wieder hier in den Irland News in den “Ballymann-Chronicles” und vor allem an ganz anderer Stelle. Doch davon ein andermal mehr. Schöne Einstimmung aufs Fest!

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