Shot Head: Ein einsames Kap auf Beara. Noch?

Shot Head_Beara_Irland

Ein einsames Kap auf der Beara Halbinsel. Seine Spitze ragt weit  in die Bantry Bay hinein. Auf der Spitze Mauern, Teile einer alten Befestigung. Von hier aus wurde wahrscheinlich in früherer Zeit die Bucht verteidigt. Daher der Name: Shot Head — Shot bedeutet Schuss.

Shot_Head_Beara_Irland_by_WanderlustDer Shot Head ist eine abgelegene Gegend, wir  zwölf Jahre an ihr vorbei gefahren, haben sie quasi links liegen lassen.

Shot_Head_Beara_Irland_by_WanderlustJetzt rückt der Shot Head in die Schlagzeilen: Der Fischerei-Multi Marine Harvest will zwischen Shot und Mehal Head eine 42,5 Hektar große Lachsfarm  installieren — und stößt nun auf den Widerstand der Bevölkerung. Zu viel Zerstörung hat Big Fish weltweit schon hinterlassen. Es wäre traurig, wenn auch diese herrliche Natur-Landschaft den Profitinteressen von Big Business geopfert würde.

Shot Head by Wanderlust

Fotos: © 2012 Markus Bäuchle

Die Farben des Himmels am Atlantik in Irland

Sonnenuntergang in Irland by WanderlustDie Farben des irischen Himmels: Der Winter bringt an der Westküste Irlands die besten Sonnenuntergänge mit sich. In den vergangenen drei Monaten allerdings hatte “die irgendwo bei Amerika im Meer versinkende Sonne” ( wie ein Nachbar einmal sagte) kaum Chancen, sich farbenfroh in Szene zu setzen. Die Abende waren meist zu trüb, zu wolkenverhangen. In dieser Woche aber hat die Saison mitreißender Sonnenuntergänge an Irlands Atlantikküste dann doch noch begonnen. Irlandnews zeigt an den kommenden drei Abenden drei aktuelle Aufnahmen. Heute Foto eins, gestern abend entstanden in der Bantry Bay in West Cork (genauer gesagt in unserem Garten).

Foto: ©2012 Markus Bäuchle 

Bizarre Felsformationen am Mehal Head

Mehal Head Irland by WanderlustKennen Sie den Unterschied zwischen einer Safari und einer Foto-Safari? 

Heute bin ich unterwegs an der einsamen Küste zwischen Mehal Head und Shot Head auf der Südseite der Beara Peninsula im Südwesten Irlands. Ruhe, Wellenrauschen, weiter Blick aufs Meer. Dort, wo schon bald eine riesige industrielle Lachsfarm installiert werden könnte. Bizarre Felsformationen von beeindruckender Schönheit, geformt in hunderttausenden von Jahren. Eine Küstenlandschaft aus uralter Zeit.

Hier gibt es nicht viel außer Natur. Bald soll es anders sein?  In zwei, drei Jahren wäre der ursprüngliche Ort geopfert auf dem Altar des Profits. Ein Gedanke, vorbeigezogen im Moment des Einsseins mit einem schönen Ort: Bisherige Generationen werden daran gemessen, was sie geleistet, produziert, in die Welt gesetzt haben. Künftige Generatonen daran, was sie unterlassen. Was vermag die Leistung, einem beliebigen Ort auf diesem Planeten mit einem neuen Haus seinen Besitzstempel aufzudrücken, gegen die Leistung, diesen Ort in seiner Ursprünglickeit zu bewahren?  Was vermag die Vita activa gegen die Radikalität der Vita contemplativa?

Am Ende der Safari ist das Objekt der Begierde tot. 

Mehal_Head_Irland_by_Wanderlust
Fotos: Markus Bäuchle © 2012

Eine trügerische maritime Gartenzwerg-Idylle

Seebären als Gartenzwerge in IrlandAuch irische Kapitäne und Seebären können wie Gartenzwerge daher kommen. Eine (trügerische) maritime Gartengnomidylle findet man abseits der Landstraße auf einem Küstenfelsen am Aghabeg-Pier von Rossmackowen auf der Beara-Halbinsel in West Cork. Die beiden Seeleute am Leuchtturm blicken sorgenvoll in Richtung Meer.

Ob sie wohl ahnen, was sich dort draußen in der Bucht bald abspielen könnte, wenn hunderttausende Salme auf engstem Raum in der Rekordzeit von 18 Monaten ihrer Bestimmung als Lachs-Delikatessen entgegenwachsen, um in Scheiben geschnitten in Plastikfolie eingeschweißt ihre letzte Reise anzutreten? Unweit des Piers in der Bucht liegt die Roancarrig-Lachsfarm, die nun eine große Schwester acht Kilometer weiter östlich erhalten soll und künftig als Aufzuchtstation für die Salme eingesetzt werden soll.

Wer nun denkt, die Themenwahl in den Irlandnews seien in dieser Woche etwa lachslastig: Stimmt. Aus aktuellem Anlass. Doch Trost ist nah: Auch die Lachs-Woche wird zu Ende gehen. Wie esst Ihr eigentlich Euren Lachs — oder esst Ihr schon lange keinen mehr? Oder nur noch den wirklich wilden?

Temple Bar feiert die Traditional Irish Music

Temple_Bar_Trad_Fest_2012“Trad” sagt der Ire kurz und knapp, manchmal auch abschätzig “Diddlyi”, wenn er “Traditional Irish Music” meint. So wie wir bisweilen mit besonderen Ausprägungen der Volksmusik auf Kriegsfuß stehen, so lehnen viele Iren die traditionelle Musik ihres Landes als altmodisch, ohrwurmig oder trügerisch-idealisierend ab. Im eigenen Land gilt der Volksmusiker oft nichts, dafür aber jenseits der Grenzen um so mehr. Das schöne Irland-Image in der Welt ist nicht unwesentlich auf dem Fundament der traditionellen Kultur der Musik, des Tanzes und des Geschichtenerzählens gebaut: Traditional Irish Music — das ist in den USA und vor allem in der deutschsprachigen Welt Europas ein Renner, ein Kassenschlager und Hallenfüller.

Temple Bar Trad Fest 2012: Zum langen Trad-Wochenende vom 25. bis 29. Januar in Dublins Amüsierzentrum Temple Bar reisten geschätzte  12.000 Kultur-Touristen (mit reichlich Touristen-Euros) aus Deutschland, der Schweiz und aus Skandinavien an, um zu schauen, wie die Dubliners nach 50 Jahren Bühnenarbeit aussehen, zu  hören, wie Moya Brennans Stimme daheim klingt, und wie sich Ralph McTell (“Streets of London”) nach 40 Jahren Karriere so macht — zudem, um Spaß zu haben, zu reden, zu lauschen, zu trinken. Die Deutschen, so sagen die Iren gerne, lieben Irish Music. Stimmt. Und sie hört bei den Dubliners nicht auf.

 

Foto: Temple Bar Trad Fest 

Die kleinen Geheimnisse von Ardnagashel

Steineibe in Ardnagashel by Wanderlust

Das alte Ardnagashel Estate in der Bantry Bay birgt seine Geheimnisse. Im alten verwachsenen Baumpark der einstmals mächtigen anglo-irischen Familie Hutchins findet der Suchende  viele seltene Bäume aus vier Erdteilen. Das Arboretum wurde im frühen 19. Jahrhundert nach allen Regeln der Gartenkunst angelegt. Heute sind viele Bäume in ihrer Substanz bedroht, denn ohne Pflege können sie in dem fremden Biotop nicht dauerhaft überleben.

Im vergangenen Jahr fällte der Sturm einen in Irland besonders seltenen Baum: Die weidenblättrige Steineibe (Podocarpus salignus). Die Eibe stammt aus Chile und wächst dort zwischen dem 35. und dem 42. Breitengrad. Die Steineibe in Ardnagashel hat es auf dem 50. Breitengrad immerhin zum größten Exemplar seiner Art in ganz Irland gebracht. Stabil allerdings stand sie, dicht umwachsen von jungen Myrten, im nassen Boden des kleinen Tales schon lange nicht mehr.

Vor einigen Wochen wurde der gestürtzte Riese aufgesägt, um sein Holz zu nutzen. Dabei offenbarte der Baum sein Geheimnis: Interessante Verfärbungen im Zentrum, in den Ringen der frühen Jahre. Jeder sieht darin, was er/sie sehen mag.

Foto: Markus Bäuchle

Etwas geht immer: Schnäppchen, Ramsch, Billigplunder

Billigladen in Tralee, KerryDem Euro geht es schlecht, den Irinnen und Iren zunehmend schlechter, doch der Euro-Shop boomt. In Irlands Städten schießen Billigläden, a la “Rudis Reste-Rampe” wie Pilze aus dem Boden. Sie handeln Restposten, Ramsch, B-Ware, Re-Importe, ausgelistete Artikel, Schnäppchen und Billigplunder. Der “2-Euro-Shop” und der “Euro World”, beide Nachfolger des “One-Pound-Shops” verkaufen alle Artikel zum Preis von ” 2 Euro oder weniger und macht damit offensichtlich gute Geschäfte. Der Billigladen hat im rezessionsgeplagten Irland Konjunktur.

Beispiel Tralee im County Kerry: Im Zentrum der County-Haupstadt, am Square, haben gleich drei Billigstläden im Umkreis von 200 Metern geöffnet — und weitere 100 Meter die Straße runter residiert großflächig der Meister der Billig-Shops, Michael Guinees. Auch dies ein Rezessions-Indikator.

Billigladen in Tralee, Kerry, Irland

The Square, Tralee, County Kerry.

Ball & Nadel. Zeichen am Himmel, Wahrzeichen?

The Belfast BallThe Spire DublinSie nennen sie in der Haupstadt die Spitze, die Nadel, den Turm: Spire, Pin oder Needle. Offiziell heißt die 123 Meter hohe Skulptur auf Dublins O´Connell Street “Monument of Light”, Denkmal des Lichts. Die 126 Tonnen Stahl stehen seit dem Jahr 2003 in Dublins Zentrum, die “Spire” sollte das neue Wahrzeichen der Stadt werden und sein. Ist sie das geworden? Wahrzeichen lassen sich bekanntlich nicht verordnen, sie müssen sich ihren hervorragenden Platz in der Wahrnehmung eines Ortes durch Wirkungs- und Faszinationskraft selber “erobern”.

Auch Belfast, die Kapitale Nordirlands, hat seit dem Jahr 2007 ihren Spire, “The Spire of Hope”. Sehr viel mehr Chancen auf das Prädikat “Wahrzeichen” hat in Belfast aber wohl das neue Doppelkugel-Monument “The Rise” des Künstlers Wolfgang Buttress. Das am Broadway-Kreisel im Herbst mit großer Verspätung fertig gestellte Objekt ist 38 Meter hoch und ein klares Statement. Die derzeit größte Skulptur Belfasts, Der weithin sichtbare “Belfast Ball” , auch “Falls Ball” genannt, wird die Skyline und das Stadtbild wohl eindrücklicher prägen als eine hohe und schlanke Nadel.

Was ist für Euch das Wahrzeichen Dublins, und welches das von Belfast?

Fotos: The Spire by Allan Riedel 2011. Danke, Allan / The RISE: © Copyright Albert Bridge and licensed for reuse under Creative Commons Licence.

 

The Belfast Ball

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