Patrick´s Irish Jukebox: Luka Bloom

It´s weekend in the small country. It´s Irish Theme Music Moment with your host Patrick Steinbach: Der deutsch-irische Musiker und Autor Patrick Steinbach* wird ab heute auf Irlandnews immer samstags eine seiner irischen Lieblingsbands oder einen angesagten Solokünstler aus dem irischen Kulturraum vorstellen und dazu ein entsprechendes Video empfehlen. Wir freuen uns auf seine Beiträge. (Mehr über Patrick am Ende des Beitrags).

LUKA BLOOM

Luka Bloom Natural MysticAls 19-jähriger durfte ich diesen damals noch recht unbekannten jungen Gitarristen in einer Jugendherberge in Dublin bei einem Konzert besuchen. In jeder Ecke roch es süßlich, und die wenigen Zuhörer waren wahrscheinlich ähnlich benebelt wie der langhaarige Musiker auf der Bühne, der seine Performance stehend, beziehungsweise tanzend absolvierte.

Es war ein besonderes Erlebnis, denn dieser Gitarrist zupfte und schlug seine Gitarre, er kratzte, klopfte, ja er lebte und litt mit ihr. Erst später erfuhr ich, dass es sich bei dem Musiker um den Bruder Christy Moores handelte. Barry Moore legte sich später den Künstlernamen Luka Bloom zu, wahrscheinlich auch, um sich gegen seinen immer eine Spur erfolgreicheren Bruder abzusetzen.

Luka Blooms Gitarrenspiel ist sehr essentiell, überaus rhythmisch und dient mit seinen einprägsamen Motiven stets dem Gesang und seinen persönlichen Botschaften. Während man den Wechsel in die Kopfstimme bei vielen männlichen Sängern als Testosteron getränktes Gegockel empfindet, so nimmt man Luka Blooms Stimmausbrüche als authentischen Ausdruck wahr, ja als flehenden Aufschrei, als Zeugnis eines tiefen Erlebnisses.

Aus welch tiefem Seelengrunde muss da einer schöpfen, um solch intensive Musik zu machen? Luka Bloom ist ein Lyriker und ein kompromissloser Botschafter des in jedweder Art gelebten Gefühls. Seine Reflektionen über die Irrungen und Wirrungen des Lebens, seine schonungslose Art von Abgründen zu berichten, finden auf hohem Niveau statt, machen Mut und lassen staunen.

Empfohlene CD: Dreams in America

Sehenswertes Video: Natural Mystic

Homepage des Künstlers: http://www.lukabloom.com/

 

Patrick Steinbach Musiker*Der Autor unserer Irish Jukebox: Patrick Steinbach (*1964) arbeitet als Dozent für Gitarre, er ist Herausgeber zahlreicher Lehrwerke zur irischen Musik und schreibt seit 2001 für das Musikfachmagazin AKUSTIK GITARRE. Dort stellt er alle zwei Monate ein neues Stück aus Irland vor, das er für Gitarre bearbeitet hat. Neben Konzertberichten veröffentlicht er regelmäßig CD-Rezensionen zu Bands aus dem irischen Kulturfeld. Für sein Engagement erhielt er 2005 den Deutschen Musikeditionspreis. Patrick lebt in Neu-Isenburg. Mehr über Patrick gibt es auf seiner Website zu lesen:  www.patrick-steinbach.de

Typisch irisch? Über den Berg mit der Kelly Family

Die Kelly FamilyErinnern Sie sich an die Kelly Family? 1994, Over The Hump? Die singende Familie vom Kölner Hausboot, von manchen verächtlich als “singende Altkleidersammlung” herab gewürdigt,  galt in den 80-er und 90-er Jahren in Deutschland als “typisch irisch“. Rote Haare, Wollpullover, lange Wollröcke, und eine Musik, die manchmal irgendwie auch an Irland erinnerte. Heute kehren die amerikanisch-irischen Kellys als Familie noch einmal kurz ins Rampenlicht der Öffentlichkeit zurück: Ihr Ex-Familiensitz, das ehemalige Gästehaus der Bundesregierung, Schloss Gymnich bei Köln, wird zwangsversteigert. Vater Daniel weilt mittlerweile längst über dem Jordan, die meisten Kinder derweil über dem Berg. Mehrere Kelly-Künstler-Kinder-Schicksale auf den Straßen und Bühnen Europas mündeten in Deutschland in erfolgreiche Erwachsenen-Karrieren.

Temple Bar feiert die Traditional Irish Music

Temple_Bar_Trad_Fest_2012“Trad” sagt der Ire kurz und knapp, manchmal auch abschätzig “Diddlyi”, wenn er “Traditional Irish Music” meint. So wie wir bisweilen mit besonderen Ausprägungen der Volksmusik auf Kriegsfuß stehen, so lehnen viele Iren die traditionelle Musik ihres Landes als altmodisch, ohrwurmig oder trügerisch-idealisierend ab. Im eigenen Land gilt der Volksmusiker oft nichts, dafür aber jenseits der Grenzen um so mehr. Das schöne Irland-Image in der Welt ist nicht unwesentlich auf dem Fundament der traditionellen Kultur der Musik, des Tanzes und des Geschichtenerzählens gebaut: Traditional Irish Music — das ist in den USA und vor allem in der deutschsprachigen Welt Europas ein Renner, ein Kassenschlager und Hallenfüller.

Temple Bar Trad Fest 2012: Zum langen Trad-Wochenende vom 25. bis 29. Januar in Dublins Amüsierzentrum Temple Bar reisten geschätzte  12.000 Kultur-Touristen (mit reichlich Touristen-Euros) aus Deutschland, der Schweiz und aus Skandinavien an, um zu schauen, wie die Dubliners nach 50 Jahren Bühnenarbeit aussehen, zu  hören, wie Moya Brennans Stimme daheim klingt, und wie sich Ralph McTell (“Streets of London”) nach 40 Jahren Karriere so macht — zudem, um Spaß zu haben, zu reden, zu lauschen, zu trinken. Die Deutschen, so sagen die Iren gerne, lieben Irish Music. Stimmt. Und sie hört bei den Dubliners nicht auf.

 

Foto: Temple Bar Trad Fest 

Das größte Musik-Festival 2012 fällt aus

Oxegen 2012 findet nicht stattSchlechte Nachrichten für Irlands Musik-Fans: Das Oxegen-Festival wird 2012 nicht stattfinden. Das größte Rock- und Pop-Festival des Landes, mit dem Anspruch das größte, das grünste und das beste Festival in ganz Europa zu sein, fand seit 2004 im Juli in Punchestown, County Kildare, statt. Der dreitägige Großevent lockte mit den populärsten Bands der Welt täglich bis zu 90.000 Besucher an — und dies torz sagenhjaft hoher Eintrittspreise. Nun ziehen die Organisatoren die Reißleine für 2012 — und stellen zumindest in Aussicht, dass es 2013 wieder ein Oxegen geben wird. Noch ein Opfer der Rezession?

Das war das Line-up des Oxegen-Festivals 2011: The Black Eyed Peas, The Script, My Chemical Romance, Weezer, All Time Low, The Blackout, Fun Lovin’ Criminals, Foo Fighters, Arctic Monkeys, Beady Eye, Plan B, Two Door Cinema Club, Jessie J**, Big Country, Coldplay, Beyoncé, Slash, Manic Street Preachers, Kesha, Ryan Sheridan, The Rubberbandits, The Strokes, Swedish House Mafia, Tinie Tempah, The Saw Doctors, House of Pain, The Original Rude Boys, The Plea, Glen Call, Deadmau5, Paolo Nutini, Imelda May, Bruno Mars, Hurts, British Sea Power, The Minutes, Alice Gold, Pendulum, The National, Jimmy Eat World, Friendly Fires, Fight Like Apes, Royseven, The Kanyu Tree und viele unbekanntere Bands mehr.

Oh Van! Zehn Millionen “Brown Eyed Girls”

Vor 44 Jahren veröffentlichte der 22-jährige Van Morrison sein “Brown Eyed Girl”. Gestern wurde der nordirirische Sänger in London geehrt, weil sein Longseller im US-Radio mittlerweile zehn Millionen mal gespielt wurde. Das Lametta gabs von der Rechteverwertungsgesellschaft BMI, der amerikanischen GEMA. Van The Man erklärte zwar einmal, dass “Brown Eyed Girl” eher ein schwacher Song sei, dass er gut 300 bessere Lieder geschrieben habe. Dennoch dürfte den Altstar aus Belfast gefreut haben, dass der Titel in den USA nun zum ganz kleinen Club der “10-Millionen-plus-Radio-Kracher” gehört.

Nur zehn Songs haben diese Schallmauer in US-Radiomarkt jemals durchbrochen. Ganz an der Spitze steht übrigens “You´ve Lost that Lovin´Feeling” (Phil Spector) in zahlreichen Versionen, unter anderem von den Righteous Brothers, Cilla BLack, Dionne Warwick und Elvis, mit insgesamt 13 Millionen Ausstrahlungen. “Stand By Me” (Ben E. King) und “Take It Easy” (The Eagles) liegen bei über elf Millionen. Ebenfalls mehr als zehn Millionen Mal im Radio gespielt wurden Stings “Every Breath You Take”,”Oh, Pretty Woman” von Roy Orbison, “I Heard It Through The Grapevine” (Smokey Robinson, Marvin Gaye), “When A Man Loves A Woman” (Percy Sledge), “Sitting On The Dock of The Bay” (Otis Reading und STeve Cropper) und “Proud Mary” (John Fogerty, Creedence Clearwater Revival).

Castrol-Blues auf Dublins Grafton Street

Busker in Dublin, IrlandNot macht erfinderisch, oder: Erfinder haben in Irland keine Not. Irgendwas geht immer auf Dublins Einkaufsstraße Grafton Street. “Busker” heißen die Straßenmusiker in Irland; dass man aus einem Kanister Motorenöl eine voll funktionsfähige E-Gitarre basteln kann, beweist dieser Busker, der sich für seine Originalität (und die gute Blues-Musik) von Passanten auf Dublins Luxus-Meile gerne belohnen lässt. Der eine spielt ne Fender, der andere ne Gibson, unser Mann hier spielt eine Original Castrol – und das wie geschmiert.

 

Mike Scott trifft William Butler Yeats

Die WaterboysZum Wochenende ein Musiktipp: Wer erinnerert sich an den fabelhaften Song “A Girl Called Johnny”?  Der wurde 1983, vor 28 Jahren, veröffentlicht, verehrte die Musikerin Patti Smith und stammt von der schottisch-irischen Folkrock-Band The Waterboys, war deren erste Single. Mike Scott und seine Wasserbuben haben seitdem viel gute Musik gemacht. Jetzt, im reifen Alter,legt der Multi-Instrumentalist Scott noch einmal ein Album voller Poesie und Schönheit vor: “An Appointment with Mr. Yeats”.  15 Songs nach Gedichten von Irlands legendärem Lyriker William Butler Yeats (1865 – 1939). Mike Scott (* 1958, Foto oben) hat schon seit seiner Jugend ein Faible für die Vertonung von Literatur. Dass er dieses starke Album nach all den zerstörerischen Drogenjahren noch in sich tragen würde, das hatte allerdings kaum noch jemand zu hoffen gewagt.

Mike did it, er adaptierte Butler Yeats dunkel-mystische Verse und setzte sie in Musik. Die Renaissance von Irlands Nationaldichter WBY (hier ein Foto vom Krankenlager in seinem letzten Lebensjahr) ist zugleich auch eine Wiederauferstehung von Mike Scott, dem verrückten Genie aus Edinburgh. Mein Liebingslied: Politics.

 

 

 

 

Hier eine kleine lyrische Kostprobe:

THE FAERY’S LAST SONG

Man has the fields of heaven
but soulless a faery dies
as a leaf that is old and withered and cold
when the winter winds arise
Soon shall our wings be stilled
and our laughter over and done
So let us dance on the waves
Let us dance in the sun
Soon shall our wings be stilled
and our laughter over and done
So let us dance on the waves
Let us dance in the sun.

(Adapted from the play The Island Of Statues, 1885)

Das Album “An Appointment with Mt. Yeats”, dessen Lieder die Waterboys seit 2010 auch live aufführen, unter anderem im Abbey Theatre in Dublin, gibt es hier: The Waterboys_An Appointment with Mr. Yeats

David Syme meets Christy Moore im Wohnzimmer

David Syme Pianist Irland

David Syme in seinem Wohnzimmer am Flügel

Ahabeg, Beara Peninsula, Irland, Sonntagnachmittag um 16 Uhr. Im Wohnzimmer von David Syme, Weltklasse-Pianist. Der Gershwin-Spezialist Syme spielt vor 50 Zuhörern Christy Moore´s Folk-Klassiker “Ride on” von Christy Moore an. Der stattliche ältere Herr neben mir fängt ungeniert an zu singen: “You ride the horse so well . . .” . Unpassend, oder? Aber: Der Mann im braunen T-Shirt kanns, der klingt ja fast wie Christy persönlich. Oh Jeesaaz, es ist Christy Moore. Die Folk-Legende singt, David spielt, wir hören zu. Selig.

Christy Moore, Sänger in Irland

Christy Moore singt im Wohnzimmer von David Syme

Wer sich im äußersten Südwesten Irlands auf der Beara Peninsula an anderen Genüssen als der großartigen Landschaft erfreuen möchte, der sollte auf keinen Fall die Hauskonzerte des bekannten amerikanischen Pianisten David Syme verpassen. Jeden Sommer und Winter in den Konzertpausen gibt der Tastenvirtuose sonntags Kostproben seines Könnens im Rahmen seiner Wohnzimmerkonzert–Reihe.

Wer den verschlungenen Weg hinunter zu seinem Haus in Ahabeg, Rossmacowen, in der Nähe von Castletowne Berehaven bewältigt hat, wird mit einem unvergesslichen Nachmittag in gemütlicher Atmosphäre im Wohnzimmer der Symes belohnt. Das Publikum nimmt auf Sesseln, Sofas und Klappstühlen Platz und kann den sympathischen  Musiker auf Augenhöhe erleben.

Davis Syme Irland

David Syme

Ein buntes Programm mit Evergreens aus allen Epochen und Stilrichtungen sorgt für gute Unterhaltung. Humorige und selbstironische Anekdoten des Künstlers und erfrischende „Announcements“ zwischen ihm, seiner Frau und dem Publikum lockern die Stimmung zwischen den Stücken auf. Ein Blick ins Publikum kann leicht zu Überraschungen führen, so kann sich der Mann im braunen T – Shirt rechts neben einem schon mal als Christy Bloom herausstellen, oder die rothaarige Dame als Hollywoodlegende Maureen O’Hara.

Äußerst empfehlenswert übrigens ist das „mouthwatery“ Kuchenbuffet, das Frau Syme in der Pause eröffnet. Die Cottage-Terrasse mit Meerblick lädt derweil zum Plausch mit anderen Besuchern oder zu einem in Ruhe genossenen Tässchen Kaffee ein. Bei Interesse sollte man sich möglichst früh für die gewünschten Termine per E-Mail anmelden. Es lohnt sich auch, mehrere Konzerte in einer Reihe zu besuchen, das Programm variiert jede Woche.

Weitere Informationen gibt es hier: http://www.symepiano.com.

Autorin dieses Beitrags: Elena Wilkens, derzeit Glengarriff, West Cork (im Foto rechts)

David Syme Pianist Irland

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