O´Carolan – Irish Folk meets Kammermusik

carolan-cover

Heute machen wir ein bisschen Werbung für einen musikalischen Freund. Der irisch-stämmige Musiker und Autor Patrick Steinbach, der Lesern von Irlandnews mit Patricks Music Corner in Erinnerung ist, hat sich mit Leib und Seele der irischen Musik verschrieben. Aufgewachsen in Deutschland als Sohn einer Irin und eines deutschen Jazzmusikers, hörte er schon früh Schallplatten, welche seine Mutter von der grünen Insel mitgebracht hatte. Vornehmlich irische Balladen, dargeboten von den Dubliners, waren die musikalischen Begleiter seiner Kinderstube.

Patrick Steinbach

Patrick Steinbach

Dass es da aber noch mehr geben musste, wurde Steinbach als Heranwachsendem klar, als er die Musik der Chieftains oder der Gruppe Planxty kennen lernte. Unweigerlich begegnete ihm dann bald der große, blinde irische Harfenspieler Turlough O´Carolan (1670-1738), der es ihm mit seiner filigranen Spielweise und der einmaligen Verbindung von Folk und Klassik besonders angetan hatte.

Nun ist Steinbachs erste eigene CD, Carolan´s Concerto, nach langer Zeit endlich wieder erhältlich. Patrick hat diese ur-irische Song-Sammlung frisch aufgelegt, digital remastered und mit einem neuen Cover versehen. Auch ein  informatives Booklet liegt der CD bei. Die Kompositionen Carolans hat Steinbach mit befreundeten Musikern stimmungsvoll in Szene gesetzt. Zu hören sind Gitarre, Mandoline, Geige, irische Holzquerflöte, Tin Whistle, irischer Dudelsack, Cello, Fagott und Bodhrán.

Carolan, Komponist der Extraklasse

Diese CD ist eine tiefe Verbeugung vor dem letzten großen Harfenisten Irlands und ein gelungener Ausflug in die keltische Klassik. Folk meets Kammermusik vom Feinsten.

O`Carolans Musik ist so zeitlos wie typisch irisch, und siehat in Patrick Steinbach einen würdigen Interpreten gefunden. Der Musiklehrer aus Neu-Isenburg macht seine Liebe zur irischen Musikmit Carolan´s Kompositionen auf schönste Weise hörbar. Patrick Steinbachs CD  Carolan´s Concerto kann man direkt beim Musiker bestellen: steinbach@fulltone.de

Sie kostet € 15  inkl. Porto und Verpackung. Auf Wunsch schreibt Patrick gerne eine persönliche Widmung.

Patrick Steinbachs Webseite: www.patrick-steinbach.de

Madeleines Woche: Mit Irlands Natur verbunden

Magical Skellig Sunset with Juni, County Kerry, Ireland

Magical Skellig Sunset mit Juni, County Kerry, Ireland

Madeleine Webers Foto-Woche:  Madeleine war in den vergangenen Wochen wegen des fabelhaften Wetters und des brillanten Lichts der tief stehenden Sonne viel in der Natur unterwegs. Sie hat sich mit ihr eng verbunden, um neue aussagekräftige Aufnahmen zu machen. Sie fotografierte und kreierte Time Lapse Videos.

 Madeleine WeberMadeleine Maria Weber (Foto) fotografiert mit Vorliebe die Wahlheimat am Atlantik in Kerry am Skellig-Ring. In diesen Tagen dachte sie unterwegs oft an ihre langjährige treue Begleiterin Juni, der das heutige Foto gewidmet ist. Madeleine schreibt dazu:

„Alle meine Abenteuer in der irischen Wildnis habe ich bis 2013 mit Juni an meiner Seite erlebt. Sie war mein Wegbegleiter, mein Beschützer. Sie liebte die Natur, sie mochte besonders die Schafe. Wann immer ich Fotos machte, legte sie sich entspannt irgendwo hin und beobachtete das Geschehen in der Landschaft. Sie war die Verkörperung der Lichtstrahlen im Hintergrund des heutigen Fotos.

Im Hintergrund sieht man die Skelligs, sehr beschäftigt mit dem Schattenwerfen und Aufleuchten, ständig im Dialog mit der Sonne. Natur wiederholt sich nie. Grob gesehen schon, doch Details bleiben einzigartig. Ich liebe das. Jeden Tag Geburtstag haben.“

Madeleine ist die Frau, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Weil sie warten kann. Auf den richtigen Zeitpunkt. Auf das perfekte Motiv. Fotografieren ist gutes Auge, gute Technik und viel, viel Geduld, Warten, Warten. Seit elf Jahren fotografiert Madeleine die einmalig schönen Landschaften Südwest-Irlands.

Wir begleiten Madeleine, die in Emlaghdrinagh, Waterville, im County Kerry lebt, bei der Arbeit, zeigen hier auf Irlandnews.com  regelmäßig ein Foto von ihrer Arbeit. Uns gefällt, dass in ihren Fotografien die Landschaft erkennbar bleibt, wie sie das Auge wahrnimmt, und dass sie in ihren Fotos dennoch eine ganz eigene unverkennbare künstlerische Ästhetik schafft.

Madeleine Weber Studio Irland Madeleine Weber FotografieÜbrigens: Madeleine Webers Fotos könnt Ihr vor Ort in Irland in ihrem Studio am Skellig-Ring im Original anschauen. Die Fotografin präsentiert ihre Landschafts- und  Meeres-Aufnahmen täglich von 11 bis 17 Uhr als hochwertige Kunstdrucke in verschiedenen Größen. Die Ausstellungsräume liegen an der R567 in Emlaghdrinagh zwischen Waterville und Ballinskelligs am Wild Atlantic Way (Telefon: +353 (0)85 780 3273). Sie versendet ihre Fotos weltweit: www.madeleinemariaweber.com.

 

Madeleines Foto-Woche erscheint regelmäßig hier auf Irlandnews.com. 

Ausblick 2017: So geht es weiter auf Irlandnews

Wanderlust Irland

Es war ungewohnt ruhig in den vergangenen Monaten hier auf Irlandnews.com. Sehr ruhig; und das hat mehrere Gründe. Der Wichtigste: Irlandnews zu machen ist für mich immer noch die schönste Nebensache der Welt, ein Hobby, das immer dann zu kurz kommt, wenn sich wichtigere Aufgaben in den Vordergrund drängen. Davon gab es einige in den vergangenen Monaten seit dem Sommer:

|:::| Wir sind mit unserem Irland-Veranstalter Wanderlust umgezogen: Wir sagen Bye-bye Ballylickey House und lassen uns einige Kilometer weiter südlich nieder: Ab der kommenden Saison wohnen die Gäste unserer Wander- und Natur-Ferien in einem schönen Park am Meer in Bantry: Die Pondlodge Cottages sind unser neues Domizil – mit Anschluss an das Westlodge Hotel und damit an Swimmingpool, Sauna, Fitness-Studio, Whirlpool, Dampfbad, Tennis-, Squash und Golf-Anlage. Und da Umziehen Arbeit macht, kam Irlandnews zu kurz.

|:::| Auch die Internet-Präsenz von Wanderlust ist umgezogen. Unter Anleitung der Augsburger Web-Agentur Betamodus und ihres Chef Boris Wollny haben wir www.wanderlust.de eine zeitgemäße Struktur und Ästhetik gegeben und unsere Website in allen Belangen aktualisisert – ohne sie den derzeitigen Internetmoden zu unterwerfen (Fotos). Wir bleiben klassisch, einfach, ehrlich, echt: so wie das Land, in dem wir leben und das wir lieben und unseren Gästen gerne vorstellen. Die Website ist allerdings übersichtlicher, benutzerfreundlicher und besser zugänglich geworden. Und das leicht zu bedienende Online-Anmeldeformular wird Ihnen vielleicht auch Freude bereiten. Zudem haben wir jede Menge guter eigener Fotos und einige Videos auf die neue Wanderlust-Website gepackt. Doch schauen sie selbst: www.wanderlust.de   –  und schreiben sie uns Ihre Meinung! Da aber Website-Relaunches viel Arbeit machen, kam Irlandnews zu kurz.

Irland Wandern

|:::| . . . und dann war da noch die sich stetig verschärfende Weltlage, die mich bisweilen sprachlos machte. Wie kann man über unsere Natur-Idylle am Atlantik schreiben, wenn die Welt zusehends den Bach runter geht, wenn die Demokratie sich abschafft, eine gefräßige Globalisierung die Welt immer ungerechter und ungleicher werden lässt und Natur-Ressourcen in bislang nicht gekanntem Ausmaß vernichtet werden, wenn Klimawandel, Naturvernichtung und Artensterben die Erde zu einem anderen Ort machen, den wir uns nicht ausgesucht haben. Ja, wie kann man?  Nach Wochen des Nachdenkens kam ich zum Schluss: Trotz alledem. Wir wollen uns noch stärker als bisher für den Schutz dessen einsetzen, was uns lieb und teuer ist. Mit Worten und Taten.

website-wanderlust_2017_3

|:::Womit wir bei Irlandnews.com sind: Hier in diesem Webmagazin soll es künftig wieder lebhafter zugehen. Unterstützt von Gast-Autoren und unserer Irland-TV-Beobachterin Antje Wendel werde ich mich stärker auf eigene Beiträge konzentrieren. Keine Freizeittips mehr für Dublin, keine News mehr aus Galway. Beiträge nicht mehr täglich, aber mehrfach in der Woche. Dafür mehr Schönes, Bemerkenswertes, Hintergründiges und auch mal Kritisches aus der irischen Provinz an der wilden Atlantikküste. Im Hintergrund bereiten wir gerade den Relaunch von Irlandnews vor. Auch diese Website wird aktualisiert, modernisiert und erscheint spätestens im Lauf des Januars in neuem Design. Vor allem aber wird Irlandnews neben den bekannten Irland-Themen künftig verstärkt das Verhältnis von Mensch und Natur thematisieren. „Natur & Wir“ wird der Frage nachgehen, warum wir Menschen so konsequent zerstören, was wir doch eigentlich lieben: Tiere, Pflanzen, Flüsse, Meere, Berge, Landschaften, Äcker und Weiden – unsere eigenen Lebensgrundlagen. Hinter allem steht die weitergehende Frage: Wie können wir das Verhältnis von Mensch („uns“) und Natur wieder in Ordnung bringen, können wir es heilen? Wir wollen Antworten mit Worten und Taten liefern: Worte hier auf irlandnews, Taten mit unserem Natur-Retreat-Projekt in Irlands Bergen: www.irland-natur.de .

In Zeiten, da viele Menschen sich gerne nur noch mit Likes auf Facebook äußern und damit lediglich ein gefräßiges und – wie wir zusehends merken – gefährliches Datenmonster füttern, sind wir hier auf Irlandnews.com mehr denn je auf aktive LeserInnen und NutzerInnen angewiesen, die sich einmischen, kommentieren, die uns wohlwollend begleiten und sich beteiligen. Versuchen wir es! Bis demnächst an dieser Stelle.

In diesem Sinne
Happy Nikolaus

Alle Fotos: Screenshots der neuen Wanderlust-Website www.wanderlust.de  (C) Markus Bäuchle

Irland-Wetter: Dauerhoch und goldener November

Winter in Glengarriff Harbour

Winter in Glengarriff Harbour

Irland im Dezember. Nun liegt Regen in der Luft, ein Wetterwechsel kündigt sich an. Das stabile Dauerhoch, das über sechs Wochen unser Wetter am Atlantik bestimmt hat, verabschiedet sich langsam. Wir genossen in diesem Jahr den schönsten November seit unserer Ankunft vor 16 Jahren.

Schaf unter Weißdorn am Sheeps Head

Schaf unter Weißdorn am Sheeps Head

Es war ein goldener November: windstill, trocken und sehr sonnig. Dieser November wird als einer der sonnenreichsten in die jüngste Wettergeschichte eingehen – und der Wintermonat mit den kurzen Tagen hatte mehr Sonnenstunden als der Juni, der Juli oder der August dieses Jahres.

Blaue Stunde in Trafrask

Blaue Stunde in Trafrask

Die tief stehende und doch intensiv scheinende Sonne bescherte uns seltene Lichtspiele . . .

Die Farben des Laubs im Naturschutzgebiet Glengarriff

Die Farben des Laubs im Naturschutzgebiet Glengarriff

Hier ein paar Eindrücke von einem Novembermonat, den wir auch schon anders kennen gelernt haben.

Wolke über Field Gate

Wolke über Field Gate

Fotos: Antje Wendel und Markus Baeuchle, 2016

ahakista_strand

In der Dunmanus Bay

 

Beara Stories: Die Friedhöfe von Castletownbere

glebe_4

The Glebe – der alte Friedhof von Castletownbere

Geschichten von der Beara-Halbinsel im Süd-Westen Irlands (Teil 14)

von Peter Bernhardt* 

Heute erzählt Peter Bernhardt im Geschichten-Zyklus über das ländliche Irland am Atlantik über die vier Friedhöfe von Castletownbere auf der Beara-Halbinsel. Sterben hat immer Konjunktur, doch in manchen Zeiten mehr als in anderen. Im 19. Jahrhundert fiel die Bevölkerung von Beara binnen zehn Jahren von 25.000 auf 6.000, Friedhöfe waren Mangelware. Aber lesen sie selbst . . . 

Die Friedhöfe auf der ganzen Welt zeigen auf regional unterschiedliche Weise eindrucksvoll, wie wir Menschen mit unseren Verstorbenen umgehen, welche Rituale und unterschiedliche Beerdigungsformen die Völker seit Jahrhunderten praktizieren. Ich liebe die irischen Friedhöfe, besonders die alten. Wie das Geboren-werden, Leben und Sterben, so verhält es sich auch mit einem traditionellen irischen Friedhof. Er wird angelegt, belegt und wenn er „voll“ ist, wird er (in den meisten Fällen) der Natur überlassen. Hier haben die Toten wirklich noch ungestörte Totenruhe garantiert. In Deutschland, zum Beispiel, gewährt das Friedhofsamt diese Totenruhe nur 20 bis 25 Jahre, dann wird in der Regel „abgeräumt“.

glebe_2

So hat Castletownbere, der Zentralort auf der Beara-Halbinsel, inzwischen vier Friedhöfe. Der älteste befindet sich etwas außerhalb der Stadt in Richtung Allihies: Killaconenagh Graveyard, auch The Glebe genannt. Es ist zwar historisch nicht gesichert, aber die eigentliche „Stadt“ muß in unmittelbarer Nähe gewesen sein, bevor sich Castletownbere an seinem jetzigen Ort ausbreitete. Als Carews Truppen im Jahre 1602 bei der Schlacht in Dunboy hier Stellungen bezogen, wurde von der Gegend eine Karte gezeichnet, die etliche Behausungen rund um den Friedhof zeigen. In Castletownbere stand einst das Castle Dermot, direkt am heutigen Hafen. Auch dieses Castle ist auf der alten Karte eingezeichnet.

glebe_7Killaconenagh ist der alte Gemeinde-Friedhof von Castletownbere. Der Name Killaconenagh hat verschiedene Übersetzungen. Der Volksmund übersetzte es mit: Der Wald der Hasen. Der Domherr meinte, es bedeute: „Die Kirche der fastenden Aiche“ (sie war die jungfräuliche Tochter des Darerea, St. Patricks Schwester). Und Bruder O’Halloran hat es als „Die Kirche des schönen Feldes“ übersetzt.  Es wird berichtet, daß im Jahre 1615 die Kirche repariert wurde, doch schon im Jahr 1700 beschreibt Bischhof Diva Downes: „…die Kirche sei nur noch eine Ruine, außerdem lebten hier eh nur noch 15 protestantische Familien…!“

glebe_3

Wenige Überreste dieser Kirche sind heute noch auszumachen, stark von Efeu überwachsen und umrundet von schönen, alten und verwitterten Grabsteinen. Hier findet man auch Grabstellen englischer Offiziere und von Soldaten und deren Ehefrauen, die auf Bere Island stationiert waren und dort ihren Dienst taten. Ebenso wurden die beiden Kinder (vier und 14 Jahre alt) von Captain Henry Pascoe, einem Manager der Kupfer-Minen in Allihies hier bestattet. Pascoe hatte das Komando über die Kupfermine im Jahre 1864 übernommen. Er war ein harter Verhandlungspartner und wußte seine Interessen durchzusetzen – mit der Macht von 16 Küstenwachmännern im Rücken und mit einer beachtlichen Anzahl von Special Police. Minenbesitzer Puxley soll von Pasco schwer beeindruckt gewesen sein und fand, dass dies der richtige Mann sei, die Minen-Geschäfte zu betreiben.

glebe_6Ein Grabstein hat die bewegende Inschrift:

Here lith the body of Johannah Power.
Who departed this life January 9th 1805. After 25 years.

Gefolgt von einem Vierzeiler:

Dear husband no my life is past.
My life to you so long did last.
Now for me no sorrow take.
But love the children for my sake.

Eine Teil der nördlichen Friedhofsmauer wurde zu einem Boot gestaltet. Hier beerdigte man ertrunkene Seeleute, die das Meer an Land spülte und von denen man in der Regel weder den Namen noch die Herkunft kannte. Im weiteren Verlauf der Nordmauer gibt es ein Massengrab, das in den Hungerjahren 1845-50 die vielen „namenlosen“ Verstorbenen aufgenommen hat. Dazu schrieb der örtliche Archaeologe und Lehrer Connie Murphy anläßlich der Enthüllung einer Gedenktafel im Jahr 1996:

Friedhöfe Irland

Gedenkstein für die Opfer der Hungersnot auf The Glebe in Castletownbere.

Die Volkszählung von 1841 verzeichnet eine Population auf der Beara Peninsula von über 25.000, sechs mal höher als die jetzige. Die Mehrheit der Bewohner war extrem arm und lebte in strohgedeckten Einraum-Häuschen mit Erdfußböden. Durchschnittlich lebten sechs Personen in solchen Häuschen. Allgegenwärtig war die Angst, vom Gutsherrn vertrieben zu werden. Wenige Kartoffelbeete sorgten für die einzige Nahrung. Für Abwechslung war kein Platz und auch kein Geld vorhanden.

Eine schlimme Kartoffelfäule traf Irland hart im Jahre 1845. Das Jahr 1846 fing vielversprechend an, doch plötzlich im Juli verfaulten erneut 90 Prozent der angebauten Kartoffeln. Recht bald waren die Vorräte verbraucht und die Menschen hungerten. Auf der Suche nach Nahrung wurden Brennessel, Löwenzahn, Beeren gesammelt, Hasen und Vögel gefangen. Die in der Nähe der Küste lebten, sammelten Seetang, Strandschnecken und Muscheln, um zu überleben. Durch ihren geschwächten Zustand grassierte die Ruhr, besonders unter den Kindern. Typhus und Fieber verbreitete sich und bald starben Jung und Alt in großen Zahlen. Oft fand man ganze Familien tot in ihren Häuschen. Bei der Volkszählung von 1851 lag die Zahl der Einwohner noch bei etwa 6000: Vermutlich ist die Hälfte gestorben, die andere Hälfte hat Irland verlassen.“

Wenn die Todesfälle stiegen und die Totengräber knapp wurden, dann legte man Massengräber an. Ein solches Massengrab hat man entlang der Nord-Mauer auf dem Killaconenagh Friedhof ausgehoben. Es gibt keine Aufzeichnungen, wieviele Opfer hier beerdigt wurden. Es gibt auch keine Aufzeichnung ihrer Namen. Es gibt keine Aufzeichnungen über Geburt- und Sterbedaten. Wir wissen nur, es waren Menschen. Ungeachtet des ärmlichen Zustandes, in dem sie gelebt haben: Auch diese heute anonymen Menschen haben einmal gelacht und geweint, haben gearbeitet und gespielt, haben gelitten und getanzt, haben gehaßt und geliebt, haben sich vor der Hölle gefürchtet und auf die Erlösung durch Gott gehofft, wenn sie starben. May their Souls have everlasting Peace!“

Mitte des vorletzten Jahrhunderts mußte man mit Erschrecken feststellen, daß die Gräber von frisch Beerdigtenauf The Glebe geschändet und die Leichname entwendetworden  waren. Und das Gerücht verbreitete sich, es handele sich um einen verwunschenen Aal, der aus einem nahe gelegenen See herüber geschwommen kam und die Leichname raubte. Einige, denen die Geschichte doch ein wenig zu weit ging, vermuteten im Fabelwesen ein Krokodil oder einen Aligator. Als man wieder nach einer Beerdigung feststellen mußte, einer oder etwas habe sich am Grab zu schaffen gemacht, fand man zwar keine Leiche mehr, aber der Deckel des Sarges, so viel war klar, konnte unmöglich von einem Tier geöffnet worden sein. Alle Spuren deuteten auf einen oder mehrere Zweibeiner. Und allmählich ging den Leuten ein Licht auf und sie fanden heraus, daß die Leichen Frischverstorbener von Grabräubern im Auftrag der Universität Cork entwendet wurden. Die Professoren brauchten dringend Leichen für ihre Anatomie-Vorlesungen. Die waren zu der Zeit nur schwerlich zu bekommen.

Angrenzend an den Friedhof befindet sich das protestantische Pfarrland. 1818 beantragte der diensthabende Vikar Cox Harris den Bau eines neuen Pfarrhauses. Das alte war in einem erbärmlichen Zustand, fast schon eine Ruine. 20 Jahre später, nach dem Tode von Harris, zog Pfarrer Thomas O’Grady hier ein. O’Grady kam von einer sehr alten talentierten Limerick-Familie. Aber das ist eine andere Geschichte . . . 

Nach der Schließung des alten Friedhofes The Glebe im Jahre 1851 bekam die Gemeinde von Lord Bantry zwei Acres Land in Foildarrig, an der Starße von Castletownbere nach Eyeries, gleich an der Stadtgrenze. Die jährliche Pachtsumme betrug drei Pfund. Die Wächter wurden angewiesen, um das neue Friedhofsareal einen fünf Fuß hohen Zaun zu errichten, der später durch eine gleichhohe Steinmauer ersetzt wurde. Der Friedhof,  der den Namen St. Finian’s bekam, wurde am 2. August 1886 eingeweiht und gesegnet. Zur gleichen Zeit brachte man am Eingang eine Gedenktafel an, mit der Inschrift:

St. Finian’s Cemetery, Land presented by the Lord of Bantry, to the Burial Board of Castletown Union, and consecrated on the 2nd August 1875, by Revd. D. Moriarty,. R.C.B.“!

Der zweitjüngste Friedhof von Castletownbere

Der zweitjüngste Friedhof von Castletownbere


Aber in Wirklichkeit war der Friedhof schon um einige Jahre älter – er existierte nämlich seit 1852. 
Die offizielle Einweihung verzögerte sich um einige Jahre, weil man befürchtete, Lord Bantry zu verärgern. Doch dann entschied der Bischof, die Zeremonie still und heimlich durchzuführen. Trotz dieser Vorsichtsmaßnahme bekam Lord Bantry Wind davon und war nun wirklich äußerst verärgert. Als er dann auch noch hörte, daß man am Eingang eine Gedenktafel angebracht hatte, ordnete er beim zuständigen Amtmann  die sofortige Entfernung an. Eines Nachts kamen sechs Männer mit Brechstangen, um die Tafel zu entfernen. Sie hatten aber nicht damit gerechnet, daß die Fenier (republikanische Iren) im Hinterhalt auf der Lauer lagen. Als die sechs Männer ihre Brecheisen ansetzten, wurden sie mit einem Steinhagel von ihrem Vorhaben abgehalten, nahmen ihre Füße unter die Arme und verschwanden schleunigst unter Zurücklassung der Brechstangen. Lord Bantry fügte sich, und die Tafel durfte bleiben.

2-friedhof_3

Als auch dieser Friedhof belegt war, eröffnete man direkt gegenüber auf der anderen Seite der Straße, den dritten Friedhof. Die beiden unteren Fotos zeigen diesen. Inzwischen hat Castletownbere schon den vierten Friedhof in Betrieb.

Peter BernhardtDer Autor: Peter Bernhardt lebt seit dem Jahr 2000 in Eyeries auf der Beara Peninsula in West Cork. Bis zu seinem Ausscheiden aus seinem Arbeits-Leben war er Art Direktor und Werbeleiter. Seine Liebe zu Irland hat er 1967 auf einer fünfwöchigen Fahrradtour durch den Süden entdeckt. Danach folgten mehrere Irland-Urlaube mit Familie, bis 1987 ein altes Cottage seine Aufmerksamkeit weckte und darum warb erworben zu werden. Peters Interessen sind unter anderem Archäologie, lokale Geschichte und Storytelling.

PS: Peters Geschichten von der Beara Peninsula erscheinen regelmäßig hier auf Irlandnews.

Alle Fotos: Peter Bernhardt

Am wilden irischen Atlantik zwischen hier und da

Irland Westküste

Manche mögen sie, manche nicht: Die Galgen am Wild Atlantic Way in Irland. Im vergangenen Winter hatten die Lokalverwaltungen im Auftrag der Tourismusbehörde Failte Ireland an 188 Orten an Irlands Atlantikküste 3,5 bis 5 Meter hohe Markierungspfähle samt Info-Hier IrlandDisplays aus Rohstahl aufgestellt. Die von weit her sichtbaren Masten tragen den Namen des Ortes und das Wild Atlantic Way Logo. Die Form der zwar rostenden und dennoch wetterfesten Masten, die von Designern der Paul Hogarth Company in Belfast entwickelt wurden, erinnert an einen Galgen und könnten auch in Corks Fußgängerzone stehen. Diese eisernen Photo Points an den 188 schönsten, markantesten, wichtigsten oder interessantesten Stellen der Westküste sollen Besucher des Wild Atlantic Way darauf hinweisen, wo es sich lohnt anzuhalten und ein Foto von der Landschaft zu machen. Der Markierungsmast soll selber Teil des Fotos werden, indem er dieses einrahmt. Ein Hilfsmittel für Besucher also. Zumindest so wollen es die Verantwortlichen.

Man darf annehmen, dass jeder Besucher von Irlands wildem Westen die Galgen mittlerweile kennt und eine Meinung dazu hat – zu den Diskussionen um den ästhetischen Gehalt der Rostständer aber gesellte sich diesen Sommer eine neue Debatte: Wie werden die Informations-Displays wohl aussehen, deren nacktes Gerüst jetzt vielerorts schon seit einem Jahr direkt neben dem Galgen steht? Vor allem aber: Wann werden die Informationen mit schön getexteten Werbe-Formeln für die Orte und Ausblicke am irischen Atlantik wohl in den Displays Einzug halten?

here-dooneen

Wir wissen es nicht. Wir haben jedenfalls noch keinen Eisenrahmen entdeckt, der bereits mit Informationen bestückt worden wäre. Schon macht das Gerücht an Irlands wilder Küste die Runde, die leere Fläche der Displays sei ein Raum für eigene Notizen der anhaltenden Landschaftsbetrachter. Und tatsächlich hat ein wacher Alltagsphilosoph das leere Display von Dooneen auf der Beara Halbinsel bei Allihies genau dafür benutzt. Er füllte es mit Sinn und der mit Kreide geschriebenen Bemerkung: „You are here“. Du bist hier. Stimmt genau, und macht sich auf hintersinnige Weise lustig über die 3,5 Millionen Euro teure informationsfreie Zone.

Mich erinnerte der Spaß an die häufigst gehörte Frage unserer Kinder, wenn wir früher von Ort zu Ort, damals noch galgen-frei, reisten: „Papa, wann sind wir da?“. Ich antwortete darauf jahrelang: „Wir sind nie da, wir sind immer hier“. Die Kinder haben es irgendwann, Jahre später, verstanden. Und irgendwann werden auch Informationen in die Displays am Wilden Atlantischen Weg Einzug halten – wenn die Displays bis dahin nicht längst weg gerostet sind . . .

Hier, Irland. Du.

Fotos: Markus Baeuchle. Mehr Informationen zu den Wild-Atlantic-Way-Galgen gibt es übrigens hier: Klick und hier: Klick

 

Die Schönheit des goldenen Oktobers in Irland

Der Sugar Loaf Mountain in Herbstfarben

Der Sugar Loaf Mountain in Herbstfarben

Irland im Oktober: Unser Freund und Nachbar Stefan, der Hobby-Metereologe, beobachtet den Himmel über Irland nun schon seit 30 Jahren täglich aufmerksam. Aus seinen Erfahrungen und seinem Wissen über das Wetter am irischen Atlantik drechselt Stefan seine Ein-Satz-Regeln – zum Beispiel die bei Wandergästen beliebte Formel: „Wenn das Wetter in Deutschland schlecht ist, ist es bei uns gut“. Das klingt etwas grob vereinfacht, trifft aber doch immer wieder zu. Wir hatten einen frühen guten Sommer mit leichter später Delle, und jetzt genießen wir einen wahrhaft goldenen Oktober. Der Monat war überwiegend trocken, die Lichtstimmungen wechseln zwischen faszinierend, dramatisch und romantisch – und die Sonnenuntergänge setzen fast jeden Abend einen herz-erfüllenden Schlusspunkt hinter den hellen Teil des Tages.

Der Oktober ist über die Jahre gesehen ein Klasse-Monat, um Irland zu besuchen. Genauso wie der April.  Auch wenn es viele Irland-Reisende nicht glauben wollen: Dies sind die besten Monate des Jahres. Sie liegen außerhalb der Saison, die Preise sind moderat, das Land ist im April noch ruhig und im Oktober schon zur Ruhe gekommen, die Tage sind lang genug, und eine tiefer stehende Sonne zaubert im Zusammenspiel mit den vielschichtigen Wolken genau das faszinierende intensive Licht, für das Irland berühmt ist. Die üppige Blüte im April und der leuchtende farbige Herbst im Oktober sind jedenfalls zwei meiner zwölf  irischen Lieblingsmonate. Zwei herausragende.

02oktoberlicht_bantry_bay

Oktober-Himmel über der Bantry Bay

Doch genug der Worte. Schauen wir Fotos. Unsere Freundin und Nachbarin Antje, LeserInnen von Irlandnews von den Irland-TV-Tipps bestens bekannt, die sie jeden Freitag hier für die Irland-Fangemeinde zusammenstellt, hat die Schönheiten dieses irischen Oktobers im Bild festgehalten. Hier ein paar Eindrücke. Danke, Antje!

Regenbogen am Sheeps Head

Regenbogen am Sheeps Head

Die Hügel bei Ballydehob im goldenen Herbstlicht

Die Hügel bei Ballydehob im goldenen Herbstlicht

Wildes Meer bei Crookhaven - Die Oktobersonne gibt dem Meer eine ganz besondere Farbe

Wildes Meer bei Crookhaven – Die Oktobersonne gibt dem Meer eine ganz besondere Farbe

Sonnenuntergang im Oktober über der Bantry Bay

Sonnenuntergang im Oktober über der Bantry Bay

Die Oktobersonne taucht den Strand vom Barley Cove in warmes Licht

Die Oktobersonne taucht den Strand vom Barley Cove in warmes Licht

"The Last Rose Of Summer" streckt sich der Oktobersonne entgegen

„The Last Rose Of Summer“ streckt sich der Oktobersonne entgegen

 

 

Alle Fotos: Antje Wendel

 

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Madeleine Webers Woche: Atlantik-Wellen

Atlantik Irland

Skellig Coast Storm, fotografiert von Madeleine Weber.

Madeleine Webers Foto-Woche:  Wir sind wieder mit der Profi-Fotografin Madeleine Maria Weber unterwegs. Wir fahren entlang der wild-romantischen Atlantik-Küste im County Kerry und halten Ausschau nach der schönsten Welle.

 Madeleine WeberMadeleine Maria Weber (Foto) fotografiert die tosenden Wellen des Atlantiks am Skelligs-Ring. Sie kommentiert:

„Stürme bieten eine gute Gelegenheit, um aufregende Wellenformationen zu fotografieren. Sicherheit steht dabei immer im Vordergrund, und ich kann nicht genug davor warnen, wie unberechenbar das Meer ist. Halten Sie also guten und sicheren Abstand zu Klippen und Stränden. Ich empfehle viele Aufnahmen zu machen um dann ein Bild herauszusuchen, welches kompositionell und farblich am attraktivsten erscheint.“

Madeleine ist die Frau, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Weil sie warten kann. Auf den richtigen Zeitpunkt. Auf das perfekte Motiv. Fotografieren ist gutes Auge, gute Technik und viel, viel Geduld, Warten, Warten. Seit elf Jahren fotografiert Madeleine die einmalig schönen Landschaften Südwest-Irlands.

Wir begleiten Madeleine, die in Emlaghdrinagh, Waterville, im County Kerry lebt, in diesen Monaten bei der Arbeit, zeigen hier auf Irlandnews.com  jede Woche ein Foto aus ihrer Arbeitswoche. Uns gefällt, dass in ihren Fotografien die Landschaft erkennbar bleibt, wie sie das Auge wahrnimmt, und dass sie in ihren Fotos dennoch eine ganz eigene unverkennbare künstlerische Ästhetik schafft.

Madeleine Weber Studio Irland Madeleine Weber FotografieÜbrigens: Madeleine Webers Fotos könnt Ihr vor Ort in Irland in ihrem Studio am Skellig-Ring im Original anschauen. Die Fotografin präsentiert ihre Landschafts- und  Meeres-Aufnahmen täglich von 11 bis 17 Uhr als hochwertige Kunstdrucke in verschiedenen Größen. Die Ausstellungsräume liegen an der R567 in Emlaghdrinagh zwischen Waterville und Ballinskelligs am Wild Atlantic Way (Telefon: +353 (0)85 780 3273). Sie versendet ihre Fotos weltweit: www.madeleinemariaweber.com.

 

Madeleines Foto-Woche erscheint (fast) jede Woche hier auf Irlandnews.com. 

Slider by webdesign