Porträt: “Markus Bäuchle – Der Wandervogel”

Bäuchle IrlandSeit ich 17 Jahre alt war, habe ich begeistert und engagiert als Journalist gearbeitet. Ich liebe den Beruf bis heute, das sich Erschließen der Welt durch Fragen, Beobachten und Recherchieren. Allerdings verstand ich den Journalisten-Beruf  lange zu sehr in seiner handwerklichen Dimension. Ich konnte über fast alles schreiben und für jede Branche ein Blatt machen, solange das Ergebnis professionell gelungen war. So schrieb und konzipierte ich auch mehre Jahre lang über Themen, die mir inhaltlich gar nicht nahe lagen: Werbung, Marketing und E-Commerce.

An meine Berufsjahre bei w&v werben und verkaufen und bei <e>market im Süddeutschen Verlag hat die Journalistin Ingeborg Trampe jetzt in einem Beitrag für das Konkurrenzblatt Horizont erinnert. In ihrer Serie “Ach Mensch” porträtiert Ingeborg Menschen “der Werbeszene jenseits von aktuellen Etat- und Personalmeldungen” und beschreibt meinen Lifestyle-Wandel zum Autoren und Wanderer und unser Leben in Irland. Sie tut das mit viel Einfühlungsvermögen und  formuliert die Quintessenz dieser Jahre, wie ich es besser nicht könnte:

“Über seine alte Branche denkt Bäuchle ab und an noch nach, denn er ist gut vernetzt und dank Internet bestens informiert. “Die Branchenpresse betreibt zu sehr Nabelschau und ist zu wenig selbstkritisch. Die intellektuelle Enge hat mir damals die Lust verdorben”, lautet sein kritisches Urteil. Sein grüblerischer Moment hält aber nicht lange an. Denn über ihm reißt der Himmel auf und die Sonne lässt die grünen Wiesen und Hügel noch ein bisschen satter leuchten als sonst. Am Ende ist die Weite der Natur eben doch wichtiger als ein paar Fachartikel.”

Tatsächlich beeindruckt mich das Erleben der Natur um so vieles mehr als der beeindruckendste Fachartikel. Meine lange ungestellten Fragen waren: Wofür brenne ich wirklich, was stiftet wirklich Sinn und was hat den Moment überdauernde Bedeutung? Heute denke ich: Je früher man sich diese Fragen ehrlich beantwortet, umso weniger Leben vergeudet man, umso mehr kann man das Abenteuer Leben auskosten — in seinen hellsten wie in seinen dunkelsten Dimensionen.

Hier geht es zu Ingeborg Trampes Porträt:  Ach Mensch: Markus Bäuchle – Der Wandervogel

PS: Meine Frau und Wanderesse Eliane Zimmermann layoutete Horizont in den Gründerjahren der deutschen Ausgabe als junge Grafik-Designerin. Unser “Matchmaker” war der Publizist Bernd-Jürgen Martini, der als Medienredakteur bei Horizont und später als Chefredakteur bei w&v gearbeitet hatte ( (und der leider schon 2003 allzu früh starb.)

 

 

Der Border Collie: Der Kluge aus dem Grenzland

Border Collie TommyDer Border Collie: Er ist äußerst klug, verständig, freundlich und fleißig, arbeitet ruhig, effektiv und nimmermüde. Der klassische Hütehund Irlands wird auf der Insel nur als “Sheep Dog”, als Schaf-Hund” bezeichnet, was ihn auf seine Bestimmung reduziert. Der Border Collie hat für den Farmer zu arbeiten, er treibt die Schafe zusammen, holt sie vom Berg hinunter zur Farm, drängt sie in jede vom Bauern gewünschte Richtung und reagiert zuverlässig wie eine Fernbedienung auf die Lautsignale und Gesten des Menschen.

Die fast sanfte, ruhige und wenig aggressive Art, mit der der Border Collie die Schafe dirigiert,  macht ihn zum idealen Arbeitshund — doch wehe, er arbeitet nicht: Im ländlichen Milieu Irlands muss ein Hund immer noch nützlich sein, sonst hat er vom Leben nicht allzu viel zu erwarten. Zum Haus- und Familienhund wie andernorts hat es der Border deshalb auf der Insel noch nicht geschafft. Für einen gut arbeitenden Schäferhund zahlen die Farmer andererseits stolze Summen bis zu 5000 Euro.

Wie so vieles in Irland kommt auch der Border Collie, den viele Besucher für den typischen irischen Hund halten, aus England. Der Stammvater der Borders hieß Old Hemp  und stammte aus Northumberland, dem Grenzland zwischen England und Schottland — von der geographischen Herkunft im Grenzland hat er offensichtlich auch seinen Namen. Das Schafe hütende Naturtalent Old Hemp lebte im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts und zeugte über 200 Nachkommen.

Der Stammvater war übrigens dreifarbig, schwarz-weiß-braun. Bis heute wird der Border Collie aufgrund seiner Arbeitsleistung definiert und identifiziert und nicht aufgrund seines Aussehens. Dennoch hat sich die schwarz-weiße Variation dieses Hundes weitgehend durchgesetzt.

Unser Foto zeigt den Border Collie Tommy, einen würdigen Vertreter seiner Rasse.

F***! Wie idiotensicher ist das denn?

Straße IrlandDer männliche irische Landmensch verleiht seinem gesprochenen Wort gerne mit Kraft- und Schimpfwörtern Nachdruck. In der Beliebtheitsskala der Verbal-Booster ganz oben steht auch heute noch das gute alte F mit den drei Sternchen ***, auch bekannt als FUCK. Es wird ebenso gerne in den Variationen FECK oder FOCK ausgestoßen. Einige komplett sprachbehinderten Zeitgenossen bringen es auf eine erzählerische FUCK-Dichte von bis zu 33% Satz-Sättigung: “What the f*** is this f***ing f***er doin here!” — jedes dritte Wort ein F-Wort. F***ing great, man!

Greift das an? Steckt das an? Muss man da auf Dauer einfach mitfluchen? Wird man unter diesem Einfluss selber zum Ordinärius? Ich bin ja immer bemüht, meine f***** (steht für “feine”) Ausdrucksweise nicht verkommen zu lassen und mache deshalb einen kleinen Bogen um Vulgarismen. Sofern ich es bemerke jedenfalls.

Borlin Cork

Vor einigen Tagen fuhr ich gemütlich die enge Bergstraße von Kilgarvan im County Kerry hinauf in Richtung Borlin Valley nach West Cork — und was sehen meine müden Augen da? Massive Betonklötze, wie Legosteine auf dem Kinderzimmerboden über die Landschaft gestreut. Ich ertappe mich, wie ein Mantra in mir murmelt: “Who  the f*** . . . ” — und dann taucht der Begriff “idiotensicher” vor dem geistigen Auge auf. Ich sehe, wie ich ihn drehe und wende: Ist das die Sicherung von Idioten, sind die Idioten jetzt endlich sicher (vor Strafverfolgung)? Oder ist diese Vorstellung von Sicherheit einfach nur idiotisch?

Jedenfalls: Irlands Hauptabteilung für “Health und Safety” in Kombination mit Versicherunswahn und Lebensangst hat wieder kräftig zugeschlagen.  Ein weiteres Stück ehemals intakte und harmonische Landschaft wird im Namen der vermeintlichen Sicherheit von Leuten und Organen ohne jeglichen Sinn für Ästhetik beschädigt. F***! F***! F***!

 

“Traumland” Irland: Auswandern und Umziehen

Auswandern Irland

Mein Blick aus dem Fenster. Große Ruhe, traumhaft, Scottie . . .

Wenn Menschen ihre angestammte Heimat verlassen, um in einem anderen Land zu leben, wird das reflexartig mit dem Wort “Auswandern” beschrieben. Der Traum vom Auswandern hat längst Massenmedienreife erlangt, mit ihm lässt sich heute sogar Trash-TV, billigstes Unterhaltungsfernsehen produzieren. Dabei ist das Konzept kein Neues: Wenn nicht schon die große Wanderungsbewegung der “Ostsiedlung” im Mittelalter denselben Motiven folgte, so doch spätestens die großen Auswanderungswellen des 18. und 19. Jahrhunderts.

Wikipedia beschreibt die Auswanderung oder Emigration als “das Verlassen eines Heimatlandes auf Dauer. Emigranten oder Auswanderer verlassen ihre Heimat entweder freiwillig oder gezwungenermaßen aus wirtschaftlichenreligiösenpolitischen oder persönlichen Gründen. Auf die Auswanderung aus einem Land folgt die Einwanderung in ein anderes.

Die Autorin Petra Dubilski macht sich in ihrem lesenswerten neuen Buch, dem “Fettnäpfchenführer Irland” zwar gekonnt über die Haltung lustig, dass Leute so wie ich nicht traditionell auswandern sondern einfach nur umziehen – und doch irrt sie: Als wir vor genau 14 Jahren Deutschland verließen, um in Irland zu leben, veränderten wir unseren Wohn- und Lebensort eben nicht im Bewußstein, “auszuwandern”. Es war ein Umzug innerhalb Europas und es fühlt sich bis heute kein bisschen anders an. Das Identifikations-Projekt “Europa” ist tatsächlich stark genug, um unsere Gefühlslage und Befindlichkeit über die Jahre hinweg zu nähren.

Im Zeitalter der von Digitalisierung getriebenen Globalisierung wurden viele einst elitäre Privilegien geschleift und demokratisiert. Der linkischste Laie darf sich heute als Fotograf, Journalist, Grafiker, als Filmemacher, digitaler Entrepreneur oder komponierender Musiker fühlen. Langstreckenflugzeuge sind Massentransportmittel geworden, das weltweite Reisen (“Ich mach mal ab nach China”) ist längst kein Privileg von wenigen Wohlhabenden mehr — und “ausgewandert” wird massenhaft, selbst unter Medienbeobachtung per Fernseh-Projekt auf Pro 7.  Jeder Mitteleuropäer mit Durchschnitts-IQ kann sich heute morgen aus den Federn erheben und beschließen: “Ich kehre morgen Deutschland, der Schweiz, Österreich den Rücken und wandere aus nach Malle, in die Toscana, nach Irland”.  Und kann den Worten Taten folgen lassen, ohne um Leib und Leben fürchten zu müssen.

Freunde und Bekannte haben unseren Schritt zur “Auswanderung” projektiv immer wieder als “mutig” oder “couragiert” beschrieben. Dabei hätte es nach eigener Befindlichkeit genauso viel Mut gebraucht, im überzivilisierten Südwesten von “Schland” zu bleiben. Schon der Umstand der leichten Verfügbarkeit, der niedrigen Hürden und des geringen Risikos nahm unserem Ortswechsel von Deutschland nach Irland jede Dringlichkeit und Dramatik, die sich mit dem Projekt einer Auswanderung verbinden mag. Deshalb: Es war ein Umzug innerhalb Europas an einen Ort unserer Wahl. Zugegeben: An einen Ort mit viel Natur, wenigen Menschen und einer mehr oder weniger permanenten Verbindung mit dem großen Netz, dem alten Lebensstil und den bestehenden sozialen Bezügen. Auswandern bedeutet Bruch und Neuanfang, Umziehen erlaubt Kontinuität und  sanfte Veränderung.

Allen Ortswechslern ist wohl gemeinsam, dass sie sich von ihrem Ortswechsel ein besseres Leben versprechen, dass sie ihren Traum leben können, dass alles traumhaft, oder doch wenigstens gut wird. Und ja: Viele Träume platzen, viele Umzugs- oder Auswanderungsprojekte scheitern. Doch Umziehende scheitern genauso wie Verharrende und Bleibende. Am Ende scheitern wir alle auf unsere eigene Art und so gut wir eben können. Hier, dort. Irgendwo.

Große Ruhe. Während ich diese Gedanken denke, sitze ich am Fenster und schaue aufs Meer. “Eine große Ruhe”, kommentiert Barbara in Brasilien das Foto vom Blick aus dem Fenster, das ich in Echtzeit auf Facebook gepostet habe, Dana entlockt das Bild ein “Traumhaft”. Kerstin ruft nach Scottie und möchte gleich hierher gebeamt werden. Ich sitze am Fenster in Irland am Meer und empfinde tatsächlich große Ruhe. Meine alte Freundin aus Frankfurt lässt sich von dieser  großen Ruhe, dieser “unheimlichen Stille”, dieser “öden Langeweile” nach spätestens drei Tagen vertreiben — zurück in die Stadt, in die bunte Kulisse, zu den vielen Menschen, in die alte urbane Vertrautheit.

Seid vorsichtig, was und wovon ihr träumt. Es könnte wahr werden. ( Nie war umziehen leichter als heute . . . )

 

7 Tage 7 Inseln: Eine Woche irischer Inselalltag

Musik Irland

Auf Inseltour: Wir hatten tolle Musiker dabei. Christoph mit Fiddle.

7 Tage – 7 Inseln in Irland: Unter diesem Motto stand jetzt eine besondere  Wanderwoche von Wanderlust. Die Teilnehmer erkundeten Landschaft und Kultur auf den faszinierenden Inseln von West Cork in Irlands Südwesten. Sie trafen die Menschen, die auf den Inseln daheim sind, und tauchten tief in den Inselalltag ein. Hier der Bericht unserer Wanderführerin Birthe de Vries. Die zweite Insel-Wanderwoche des Jahres findet vom 16. bis 23. August statt.  Infos gibt es hier. Es sind noch ein paar Plätze frei.

Während des siebentägigen Aufenthaltes haben wir drei Inseln in der Bantry Bay und vier in der Roaringwater Bay erkundet. Heimische Führer zeigten und erklärten uns ihre Inseln abseits der gekennzeichneten Wege und gaben uns einen Einblick in die Geschichte und den Alltag  

Auf Whiddy Island Irland

Auf Whiddy Island

Erste Station am Sonntagmorgen war Whiddy Island, eine Insel am Kopf der Bantry Bay, die 1979 traurige Berühmtheit erlangte, als ein Öltanker beim Andocken an die Entladestation explodierte und 50 Menschen mit in den Tod riss. Noch heute stehen 12 Öltanks am westlichen Ende der Insel, die weiter im Gebrauch sind, auch wenn die Pumpstation nun sicherheitshalber aufs Meer hinaus verlegt wurde. Das Wetter präsentierte sich auch an diesem Tag von seiner besten Seite: blauer Himmel, azurblaues Wasser, grüne Wiesen, warmer Wind. Ein Tag wie gemacht für eine Inselwanderung und ein wenig Landeskunde („a shortcut through our Island’s history“). Die Wanderleiterin, die ihre gesamte Kindheit und Jugendzeit auf der Insel verbracht hat, führte uns auf nicht gekennzeichneten Wegen, scheinbar wahllos über Felder, durch Ginster hindurch, über Zäune hinweg, am Steinstrand entlang, einmal um die Insel herum.

Auf Whiddy erlebt der Wanderer ein emotionales Dilemma, ein Hin- und Hergerissen sein zwischen alten Zeiten und Moderne, zwischen damals und heute, zwischen menschlichem Können und Versagen. Auf der einen Seite sieht man das Öl-Lager mit seinen großen Öltanks und weiß um das Unglück, welches auf menschliches Versagen zurückzuführen war. Dagegen stehen heilige Quellen, Ruinen alter Klöster und Friedhöfe mit keltischen Hochkreuzen, deren Bauweise und Detailgenauigkeit nach wie vor faszinieren und Zeichen menschlichen Könnens sind.

Den Sonntagnachmittag verbrachten wir auf Garinish Island (Nahe Insel) oder auch Ilnacullin (Insel der Stechpalme), einer ehemals kahlen Felseninsel, die 1910 in den Besitz einer englischen Familie überging. Diese ließ etliche Tonnen von Muttererde auf die Insel schaffen und verwandelte sie in einen botanischen Garten mit einer erstaunlichen Vielfalt an Blumen, Sträuchern und Bäumen aus aller Welt, ein Mekka für Pflanzenkenner und -liebhaber. Magnolien, Rhododendren, Myrten, Dahlien, Kamelien und viele mehr präsentierten sich in allen Farben, Formen und Größen. Der Martello Tower am nordwestlichen Rand der Insel erlaubt einen wunderschönen Rundblick über die Bantry Bay mit Blick auf Glengarriff und dem Sugar Loaf.

 

Bere Island, West Cork

Bere Island, West Cork

Bei der Fährfahrt nach Bere Island ließ sich ein Wetterumschwung erahnen, dunkle Wolken zogen auf und die See begann unruhiger zu werden. Und so verbrachten wir den Montag im „Liquid Sunshine“, wie die Iren manche Formen des Regens nennen. Ein perfektes Wetter, um die raue, felsige Insel kennenzulernen.

Bere Island Wandern

Tolle Wander-Insel: Im Wind auf Bere Island.

Wir wanderten an der Küste entlang zum westlichen Leuchtturm und über den Bergwanderweg zu einer alten verfallenen Kirche, während uns der Wind um die Ohren pfiff und uns durch seine ständigen Richtungswechsel aus dem Gleichgewicht brachte. Jetzt konnten endlich die neuen Regenhosen und -jacken eingeweiht werden doch die Gefahr, dass Irland der Name „Emerald Isle“ (Smaragd Insel) aberkannt würde, wurde alsbald von besserem Wetter erfolgreich abgewehrt. Der letzte Teil der Wanderung verlief auf dem Military Trail, einem Pfad, der an allen wichtigen Militärposten vom Ersten Weltkrieg vorbeiführte. Alte Schützengräben und Bunker sind Überbleibsel dieser Zeit, als Bere Island ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt war.

 Da der Wind zum Dienstag hin abflaute, stand der Überquerung des Dursey Sounds mit der einzigen Seilbahn Irlands nichts im Weg. Die Spalten zwischen den Holzbrettern im Boden der Seilbahn geben den Blick auf eine aufgewühlte, schäumende Meerenge frei. Zum Schutz der Übersetzenden sind der Psalm 91 und eine Plastikflasche Weihwasser an die Kabinenwand gepinnt. Auf Dursey zeigte uns Penny Durell  „ihre“ Insel, die nur noch von zwei Männern das ganze Jahr über bewohnt ist. Sie kennt jeden Stein und Strauch beim Namen, jedes Feld mit seiner ganz eigenen Geschichte, sie hat immerhin das Buch über die Insel geschrieben.

Cape Clear, Irland

Cape Clear. Immer für eine meditative Pause gut

Die Weiterfahrt vom Dursey Sound nach Cape Clear verzögerte sich, denn an der Seilbahn besteht die ungeschriebene Regel, dass Inselbewohner bevorzugt vor Touristen transportiert werden. Und da nur sechs Personen oder eine Kuh und eine Person gleichzeitig transportiert werden, führt das häufig zu Stau. Wir hatten dennoch Glück, es war keine Kuh sondern nur drei Inselbewohner, die vor uns transportiert werden sollten.

Der nächste Stop auf unserer Reise war Cape Clear, die südlichste Insel Irlands, an der der Golfstrom direkt vorbei fließt und die nur aus Bergen zu bestehen scheint. Den Fastnet Rock sahen wir am folgenden Tag nur von Weitem. Bei einer Wellenhöhe von 3 Metern fährt kein Boot mehr dort hinaus. Der Leuchtturm-Felsen wird auch „Träneninsel“ genannt, denn es ist der letzte Fleck Irlands, den die irischen Emigranten von ihrem Land sahen. In Sichtweite dieser Insel und im Schutz von Cape Clear tranken wir unseren 5-Uhr-Tee, eine besondere Herausforderung, denn der Wellengang ließ den Tee immer wieder aus der Tasse herausschwappen und die Milch von backbord nach steuerbord rollen. Auch wenn wir den Fastnet Rock nicht betreten konnten, erhielten wit doch einen guten  Einblick in den Bau des Leuchtturms und das einsame Leben der einstigen Leuchtturmwärter auf dem Rock. Das Heritage Center von Cape Clear bietet diese Möglichkeit mit seltenen Aufnahmen  und einer interessanten Ausstellung. Die  Wanderungen auf Cape mit den Inselführern Seamus O`Driscoll und  Chuck Kruger führten uns an die schönsten Orte, etwa auf den Klippen entlang zu einem natürlichen Felsenbogen hoch über der schäumenden Brandung des Atlantiks.

Kaffepause an Bord

Teepause an Bord

Ein besonderer Höhepunkt der Woche war der Session-Abend im Club Cléire auf Cape Clear. Versierte heimische Musiker spielten irische Traditionals. Auch wir Deutschen konnten gute Musiker und einige Lieder beisteuern und so traf „Wir lagen vor Madagaskar“ (zweistimmig gesungen!!) auf „The Star of the County Down“. 

Sherkin Island Strand

Herrliche Strände auf Sherkin Island

Den letzten Tag verbachten wir auf Sherkin Island, einer Insel mit herrlichen Sandstränden in Sichtweite des Städtchens Baltimores. Die Tour mit dem Vogelkundler Julian Wylie kommentierte dieser selber als relativ „birdless“. Auch wenn es für ihn, der schon viele seltene und besondere Vögel auf Sherkin entdeckt hat, enttäuschend gewesen sein muss, „nur“ vier verschiedene Möwenarten, fünf Singvogelarten und viele Wasservögel zeigen zu können, war die Vielfalt der Vogelwelt von Sherkin für uns durchaus beeindruckend. Auf Sherkin gibt es einige bedeutende Standing Stones und Grabstätten. Mehrere alte Denkmäler hat jedoch der Jahrhundertsturm im Februar zerstört. Einer der Standing Stones, dessen Alter auf über 3500 Jahre geschätzt wird, steht nun nicht mehr gerade und dort, wo gestern noch ein Grab war, ist heute nur noch ein Teich zu finden, in dem sich kleine Fische tummeln.

 Wir verabschiedeten uns nach einer an schönen Erfahrungen reichen Woche im Sturm. Es war eine wunderbare, abwechslungsreiche Woche mit viel „Craic“, vielen lehrreichen und unterhaltsamen Geschichten und interessanten Leuten. Go raibh mile maith agat und Slán abhaile.

Die zweite Wanderlust-Insel-Wanderwoche des Jahres findet vom 16. bis 23. August statt.  Infos gibt es hier.

Teilnehmerin Elisabeth Firsching sandte uns folgendes Feedback zur Inselwanderwoche:

Hallo, liebe Freunde in Irland, die Inselwanderwoche war super organisiert! Es tut auch mal gut einfach nur mitzumachen und sich um nichts weiter kümmern zu müssen! Birthe hat ihre Sache wirklich gut gemacht und wir konnten uns von Anfang an entspannen und die Zeit auf den Inseln genießen.

Besonders beeindruckt war ich von John auf Bere Island. Nach unserer Wanderung lud er uns am Ostermontag zu sich nach Hause ein. Das Kaffeehaus war wegen des Feiertags geschlossen, es hatte geregnet und wir waren alle ziemlich nass. Bei ihm rein mitten ins Wohnzimmer, alle mit nassen Klamotten, die Kinder saßen grade feiertagsgemütlich vor dem Fernseher und mussten uns dann Platz machen. Johns Frau kochte für alle Tee und wir konnten unser Lunch beim plaudern mit den beiden im Trockenen genießen. Das halbe Zimmer war mit unseren nassen Schuhen und Regenzeug vollgelegt und sie beide blieben ganz entspannt. Während wir aßen und Tee tranken spazierten ihre Hühner am Küchenfenster vorbei und machten auf Laufsteg-Beautys. John erzählte uns aus seinem Leben und über die Gründe, warum er mit seiner Familie aus der Stadt zurück auf die Insel gezogen ist.

Seamus auf Cape Clear legte sich unglaublich ins Zeug, erzählte Geschichten und hatte den Ehrgeiz uns Lieder so beizubringen, dass wir am Abend ohne Texte mitsingen konnten (naja, zumindest ungefähr).

Karen auf Sherkin Island machte mit uns eine große Runde und entschudigte sich öfter dafür, dass sie nicht viel erzählte. Sie ging recht schnell und wie sich später herausstellte, wusste sie schon, dass es bis 4 Uhr nachmittags trocken bleiben würde. Ein paar Minuten nach unserer Rückkehr ins Hotel fing es heftig zu regnen an, dazu kam starker Wind. Sie zeigte uns einen Standing Stone, der sich bei dem starken Wintersturm im Februar zur Seite geneigt hatte. Bis dahin war er über mehrere Jahrtausende gerade gestanden. Auch ein Megalithic Tomb in der Nähe (eher am Ende der Insel) wurde zur selben Zeit zerstört, komplett ausgewaschen, die Decksteine sind eingestürzt.

Alle Local Guides hatten große Sachkenntnis, eine große Freude an der Sache und wir konnten jede Menge Fragen stellen, die sie uns gerne beantworteten. Es war toll mit all diesen Menschen zu reden und auch bei ihnen zu wohnen.

Das B&B auf Cape Clear war wunderschön, auch das auf Bere Island. Geräumige Zimmer, hatte ich so gar nicht erwartet. Mit dem Wetter hatten wir wirklich viel Glück. Bei keiner Fährfahrt regnete es, was sehr angenehm war, denn die Möglichkeiten, das Gepäck trocken einzustellen sind auf den Booten nicht sehr groß.

 Vielen Dank nochmal für diese wunderschöne Woche!!  Ich wünsche euch allen eine gute Wandersaison, viel Erfolg und viel Spaß und auch ein bisschen gutes Wetter ;-)

 Liebe Grüße an alle, Elisabeth

 Hier ein paar Eindrücke, die ich bisher in meinem Blog veröffentlicht habe: http://kleinefreude.blogspot.co.at/search/label/wandern%20in%20Irland

 

Mensch und Natur: Herrscher, Partner, Teil?

 

 
Irland Bäume

The death of a tree is beautiful in its ending, unlike man’s. A dead tree in the desert, stripped of its bark, polished by the sun and the wind, all its naked branches open to the heavens, is a wondrous sight. A great redwood, many, many hundreds of years old, is cut down in a few minutes to make fences, seats, and build houses or enrich the soil in the garden. The marvellous giant is gone. Man is pushing deeper and deeper into the forests, destroying them for pasture and houses.

The wilds are disappearing. There is a valley, whose surrounding hills are perhaps the oldest on earth, where cheetahs, bears and the deer one once saw have entirely disappeared, for man is everywhere. The beauty of the earth is slowly being destroyed and polluted. Cars and tall buildings are appearing in the most unexpected places. When you lose your relationship with nature and the vast heavens, you lose your relationship with man.

Wildes IrlandDiese Zeilen hat der Weisheitslehrer Krishnamurti im Jahr 1989 geschrieben. Schon in den 70-er Jahren benannte der indische Philosoph das schockierende Ausmaß der Natur-Zerstörung, das Verschwinden der Wildnis und auch den engen Zusammenhang zwischen unserem Verhältnis zur Natur und zu uns selbst. Krishnamurti sah unsere Menschlichkeit tief in der Beziehung des Menschen zur Natur verwurzelt.

Der niederländische Natur-Philosoph und Ökologe Matthijs Schouten beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Verhältnis der Menschen zur Natur. Er erkennt in den westlichen Gesellschaften einen Wandel  vom traditionellen Bild des Menschen als Herrscher über die Natur oder vom Verwalter der Natur hin zu einem vom Partner oder Mitwirkenden am Naturgeschehen. Der Professor, der auch am UCC in Cork lehrt und als wichtiger Anwalt der bedrohten irischen Moore gilt, sieht allerdings schon wieder eine Gegenbewegung am Werk. Nicht nur, dass sich unsere positivere Einstellung zur Natur nur unwesentlich in naturschonendem Verhalten ausdrücken würde — es ist vielmehr die Generation unserer Kinder, die den Kontakt zur Natur gänzlich zu verlieren droht: Daheim in den Städten, unterwegs in virtuellen Welten, gebannt vor Bildschirmen, haben laut Schouten zwei von drei holländischen Kindern keinerlei Verhältnis zur Natur mehr — und wer wollte schützen, was er gar nicht kennt.

Matthijs Schouten appelliert deshalb an die natur-bewussten Erwachsenen: “Denkt an die Kinder, an unsere Zukunft und bringt sie in Kontakt mit der Natur, wann immer es geht. Lasst sie an der Begeisterung für das Lebendige teilhaben.”

Mit unserer Arbeit in Irland ermöglichen wir unseren Gästen, sich tief mit der Natur zu verbinden. Kinder sind immer willkommen. Wir ziehen uns regelmäßig in die unberührten Berge Irlands zurück. Im Juni 2014 nehmen wir  zwölf Menschen mit auf den Wildnis-Trail (21. – 28. Juni 2014 in Südwest-Irland). Interessenten können sich hier auf unserer Website erkundigen. Rückzug in die Berge.  Tage der Klausur unter dem hohen Himmel Irlands. Zentrierung. Erdung. Fels, Wasser, Gras, Luft, Wind, Sonne, Regen. Intensive und respektvolle Verbindung mit der Natur. Wandern. Sitzen, Wandern. Ruhen. Übernachtung hoch in den Bergen in einem alten Cottage. Kein Strom, keine Dusche. Trocken und geborgen vor dem großen Kaminfeuer. Waschen am Fluss. Das Essen: einfach, schmackhaft. Die Attribute des modernen Alltags — Uhr, Telefon, Brieftasche, iPod — abgelegt, ausgeschaltet, abgegeben. Die Sinne wach und offen. www.irland-wildnis.de

Natur ist, wenn die Sonne scheint?

Irland NaturWarum ist die Welt in dem erbärmlichen Zustand, in dem sie ist? Warum werden täglich Arten ausgerottet, Tiere gequält und getötet, Wälder gerodet, die Luft, Flüsse und Seen vergiftet? Warum schreitet die Umweltzerstörung unvermindert und ungehindert voran und warum können wir (trotz aller Symbol-Handlungen wie Mülltrennen oder Eier von freilaufenden Hühnern kaufen) stur so tun, als ob gar nichts sei — solange wir nur unser komfortables Konsumentenleben mit garantierten Wachstumsraten in vermeintlicher Sicherheit weiter führen können? Alles normal? Der Gang der Dinge? Für uns reichts noch? Was können wir schon ausrichten? Sch…egal, solange es mir gut geht? Nach mir die Sintflut?

Ich will heute morgen nicht mit einem neuen Buch beginnen, nur soviel: Wir könnten über die große Kluft zwischen uns selbst und der Natur nachdenken. Menschengenerationen vor uns standen in enger respektvoller Verbindung mit der Erde. Sie hielten die Natur für beseelt, sie wähnten die Götter in den Flüssen und die Geistwesen an den Bächen, sie sahen in den Bergen die Brüste der fruchtbaren Göttin, sie ehrten die Bäume als Heimstätten der Anderswesen.

MaibaumIn einer aufgeklärten Welt fehlen uns diese Sichtweisen. Wir glauben, ohne die Natur klar zu kommen, wir haben uns von ihr weit entfernt und verstehen sie, ihre Zeichen und ihre Sprache, nicht. Wir haben sie uns im biblischen Auftrag vermeintlich untertan gemacht. Im besten Falle ist sie die wärmende Kulisse für unser Freizeitvergnügen.

Natur ist, wenn die Sonne scheint? Wenn wir am Strand träumen? Wenn wir entlang der neuen S-Bahntrasse ein “Streifenbiotop” einrichten?

Nebel Irlands WildnisAus welchen Quellen könnten Respekt, Rücksicht und tiefes Verständnis für die Natur künftig genährt werden?

Wann hast Du zuletzt in einem Fluss gebadet? Wann bist Du zuletzt barfuß auf einen Berg gegangen? Wann hast Du zuletzt in einem Wald eine lange innere Einkehr gehalten?  Wann tropfte der Regen zuletzt auf Deine nackte Haut? Wann warst Du eins mit dem Wind, dem Regen, dem Sturm?

Unser Nachdenken beginnt mit Demut ( . . . welch ein alt-modisches Wort . . . )

Blütezeit: Irland ganz in Blau

Irland BlumenIrland ganz in Blau: Jetzt ist die hohe Blütezeit der Bluebells, des Atlantischen Hasenglöckchens, das ganze Landstriche in ein blaues Blumenmeer verwandelt.

Irland BluebellsWer in diesen Tagen in den Wäldern von Killarney (Co. Kerry) oder Glengarriff (County Cork) oder in einem der vielen Landschaftsparks Irlands unterwegs ist, kann den Spaziergang durch die Bluebells, die Blauglocken, genießen.

Irland_Blumen_Bluebell_32Am Wochenende wurde in Irland Holy Communion gefeiert. Viele Familien machten nach einem üppigen Festessen einen Spaziergang im Wald. Unser Foto vom Communion-Girl im weißen Festkleid enstand im Killarney National Park.

Bluebells Irland

Alle Fotos: © Antje Wendel 2014

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