Irland und der Müll. Eine traurige Geschichte

Irland Müll

Irland und der Müll – das ist eine komplizierte Geschichte. Ein Drama mit Hang zur Tragödie. Eine traurige Geschichte.

Irland und der Müll. Auto-Wracks in den Bergen und Büschen, auf Feldern und in Hinterhöfen – das gehörte hier in Irland bis vor wenigen Jahren zur Folklore. So war das eben — und es ist noch immer nichts grundsätzlich anders. Noch immer finden wir an den interessantesten Orten ausgediente Karossen, die von ihren Eigentümern im Mülleimer Landschaft (für die Verursacher) preiswert entsorgt wurden.

Erinnern Sie sich an die 60-er Jahre in Deutschland? Es war ein wenig ähnlich. Wilde Müllkippen waren in der Vor-Plastik-Ära auch in unseren Gefilden keine Seltenheit. Und immerhin bemühen sich die irischen Lokalbehörden, die wild geparkten Wracks einzusammeln. Das Cork County Council etwa rühmt sich, in den vergangenen zehn Jahren viele hunderte Auto-Kadaver abgeräumt und verschrottet zu haben. Es tut sich also was.

Irland und der Müll – das ist eine komplizierte Geschichte. Ein Drama mit Hang zur Tragödie. Eine traurige Geschichte. Zwar bietet das Land jede Menge schöner unverbrauchter Landschaft, doch diese lädt zahlreiche Zeitgenossen ein, ihr seine Abfälle gedankenlos anzuvertrauen. Müllsäcke landen im Meer, in Straßengräben, im Wald. Müll wird weiterhin vergraben, verbrannt und in alle Himmelsrichtungen verstreut. In den Tagen vor der obszönen Ära des großen Massenkonsums gab es dieses Verhalten zwar auch schon. Es war allerdings angesichts der geringen Müllmengen mit hohem organischen Anteil kein großes Problem.

Muelltonne in IrlandNoch immer gibt es auf der Insel keine Pflicht zur Mülltonne. Das würden die ohnehin unter subjektiv wahrgenommenem Bevormundungs-Stress leidenden Inselbürger nach Einführung von Wassergebühren und Haussteuer wohl nicht auch noch verkraften. Immerhin, so vermute ich, könnten die Behörden aufgrund der jüngsten Daten-Initiativen (Erfassung aller Häuser zur Besteuerung, Einführung der Postleitzahlen) mittlerweile halbwegs zuverlässig jedem Hauseigentümer einen Bescheid zur Pflicht-Teilnahme an der Müllabfuhr zuzustellen – doch das würde wohl wieder Wähler ohne Ende verprellen.

So unterhält bis heute vor allem auf dem Land nur ein Teil der Bevölkerung eine Mülltonne der öffentlichen Müllentsorgung – wer sich einmal in den Hinterhöfen mancher Farmen umgesehen hat, kann sich ein Bild machen. Der Rest bringt seine Abfälle im besten Fall selber zu einer Sammelstelle, im weniger günstigen Fall betreibt er ein privates Müll-Loch oder setzt auf thermische Entsorgung in Eigenregie.

Die Behörden überschätzen sich dabei regelmäßig selber. Früh in den 2000-er Jahren führte das Cork County Council ein super-modernes Müllsystem ein: Gerade noch hatten die Menschen sich daran gewöhnt, die schwarzen Müllsäcke regelmäßig zur Abholung an den Straßenrand zu legen, da trumpfte die Verwaltung mit einem Abrechnungsmodus nach Verursacherprinzip auf: Sie hatte Tonne eingeführt und bat die Teilnehmer der Müllabfuhr nun um exakt gemessene Abrechnung per Kilo abgegebenem Müll.

Es endete im Debakel: Von den wenigen Tonnen-Inhabern verabschiedete sich ein Großteil von der Müllabfuhr und kehrte zu traditionellen Formen der Müllabfuhr zurück. Die County-Müllabfuhr ging pleite – weil kaum jemand teil nahm und das Council obendrein unfähig war, von den wenigen Gutwilligen die offenen Rechnungen einzutreiben.

Pay per Weight – das Bezahlen nach Gewicht wurde rasch abgemildert, eine private Müll-Firma übernahm das Geschäft. Nun kommt die nächste Welle: Die Regierung in Dublin hat per Gesetz verfügt, dass alle Müll-Entsorger ab dem 1. Juli nicht nur den Restmüll, sondern auch die organischen Abfälle und den Recycling-Müll kiloweise abrechnen und den Kunden in Rechnung stellen müssen . . .

Schon brodelt die Volksseele wieder und an den Tresen im Pub wird die Richtung vorgegeben. Sie führt eindeutig Richtung Hinterhof, Strand und Straßengraben. Tenor des Volkszorns: Ich bin doch nicht blöd . . .

Irland und der Müll . . .

 

Fotos: Markus Bäuchle

 

Madeleines Foto-Woche: Am Rossbeigh Beach

Rossbeigh Beach, Co. Kerry, Ireland

Rossbeigh Beach, Co. Kerry, Ireland

Madeleines Foto-Woche:  Wir sind wieder unterwegs im County Kerry mit der Profi-Fotografin Madeleine Maria Weber und werfen heute einen Blick auf den Strand von Rossbeigh (zum Vergrößern und Genießen das Foto bitte anklicken). Der Sandstrand im Nordosten der Iveragh-Halbinsel gilt als einer der schönsten Strände Irlands. Allerdings hat er unter den wilden Stürmen der letzten fünf Jahre stark gelitten und mehrere Millionen Tonnen Sand an das Meer verloren. Auch das Wahrzeichen, der Rossbeigh Strand Tower, hielt den Naturgewalten nicht mehr Stand.

 Madeleine WeberMadeleine Maria Weber (Foto) kam am späten Nachmittag im Örtchen Glenbeigh an, um den nahen Rossbeigh Beach im milden Abendlicht zu fotografieren. So entstand diese Aufnahme von einem typischen irischen Sonnenuntergang am Atlantik.

Madeleine Weber ist die Frau, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Weil sie warten kann. Auf den richtigen Zeitpunkt. Auf das perfekte Motiv. Fotografieren ist gutes Auge, gute Technik und viel, viel Geduld, Warten, Warten. Seit elf Jahren fotografiert Madeleine die einmalig schönen Landschaften Südwest-Irlands.

Wir begleiten Madeleine, die in Emlaghdrinagh, Waterville, im County Kerry lebt, in den kommenden Monaten bei der Arbeit, zeigen hier auf Irlandnews.com  jeden Samstag ein Foto aus ihrer Arbeitswoche. Uns gefällt, dass in ihren Fotografien die Landschaft erkennbar bleibt, wie sie das Auge wahrnimmt, und dass sie in ihren Fotos dennoch eine ganz eigene unverkennbare künstlerische Ästhetik schafft.

Madeleine Weber Studio Irland Madeleine Weber FotografieÜbrigens: Madeleine Webers Fotos könnt Ihr vor Ort in Irland in ihrem Studio am Skellig-Ring im Original anschauen. Die Fotografin präsentiert ihre Landschafts- und  Meeres-Aufnahmen täglich von 11 bis 17 Uhr als hochwertige Kunstdrucke in verschiedenen Größen. Die Ausstellungsräume liegen an der R567 in Emlaghdrinagh zwischen Waterville und Ballinskelligs am Wild Atlantic Way (Telefon: +353 (0)85 780 3273). Sie versendet ihre Fotos weltweit: www.madeleinemariaweber.com.

 

Madeleines Foto-Woche erscheint immer samstags hier auf Irlandnews.com

In der Natur finden wir Freiheit und Glück

Berg-Wandern in Irland

Berg-Wandern in Irland

Natur-Retreat in Irlands Bergen. Die Gedanken und Gefühle sind gut sortiert. Was braucht es zum Glück?  Manche meditieren, manche üben das Geben, nehmen Pillen oder gehen zum Therapeuten. Manche setzen einen Fuß vor den anderen und gehen in die Natur, bergwärts. Die Natur ist ein großer Transformator. C. G. Jung sagte einmal: „Die Natur ist ein unvergleichlicher Führer, wenn Du es verstehst, ihr zu folgen.“   Wer ihr folgt, findet Freiheit und Glück.

Irland Berge

Das mag pathetisch klingen, ist es aber nicht. Die Natur-Erfahrung zählt zu den denkbar einfachen Phänomenen, die umsonst und frei verfügbar sind und deswegen gerne achtlos übersehen oder sogar miss-achtet werden. In der Natur sind Freiheit und Glück für die, die sich ihr anvertrauen und führen lassen.


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2016  neu im Naturreisen-Programm von Wanderlust: Dem Himmel so nah. Bergwandern und Natur-Retreats in Irlands südwestlichen Gebirgen. Freiheit und Glück erleben.


Ich bin oft unterwegs mit Menschen, die in der Großstadt vom anspruchsvollen und vielschichtigen Alltag in Bann gehaltenen werden. Sie lassen sich ein auf die Erfahrung in den Bergen,  sie öffnen fernab der Tretmühle alle Sinne, leben im Augenblick, und kehren verändert zu ihren Lieben zurück.  Manchmal schreiben Mit-Wanderer später von lebensverändernden Erfahrungen.

Nartur-Wandern in den wilden Bergen Irlands

Natur-Retreat in den wilden Bergen Irlands

Die Zeitschrift natur & heilen scrieb kürzlich in einer Titelgeschichte über die Erfahrung in den höheren Regionen der Natur, den Bergen: Die Kraft der Berge. „Erhebt der Wanderer sich über den Alltag, begegnet er einer anderen Welt – und trifft in diesen Momenten auf das Glück.“

 

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So ist es.  So einfach. Der Beitrag stellt die Frage, was den Menschen an den Bergen fasziniert und was wir in ihnen suchen. Ein Zitat:

Was ist verloren gegangen? Vielleicht die Fähigkeit, vom Ich Abstand zu nehmen, um es aus einer anderen Warte wahrzunehmen? Rücken die Jahrmillionen alten Steinbuckel und ihre ‚Abgehobenheit‘ von der kleinen Menschenwelt nicht alles in ein anderes Maß? Wer die verrückten Größenverhältnisse von Zeit und Raum in Bezug auf den Menschen wahr nimmt, spürt die Sicherheit schwinden, über alles bestimmen zu können, alles im Griff zu haben. In den Bergen kann man über die Grenzen seiner Denkgewohnheiten hinaustreten. Für den, der es zulässt, ist dieses Erlebnis eine Entdeckung, manchmal eine Erschütterung.  

Irland Berg-WandernGenau dieser Abstand zu sich selbst aber, die eigene Entgrenzung in der Natur  ist die Quelle von Freiheit und Glück.

Berg-Wandern Irland

Unterwegs in Irlands Bergen

Alle Fotos: Markus Bäuchle / Wanderlust

 

Redheads: Das Klischee von den rothaarigen Iren

Photographer Jörg Köster has captured over 1,000 natural redheads in a five year project in collaboration with the Irish Redhead Convention. A selection of these stunning images will be on display in Cork Airport from 7 - 31 March 2016. Photo Jörg Köster

Photo Jörg Köster

Rothaarige Iren. Wie stellt man sich die typischen Irinnen und Iren vor? Natürlich sommersprossig, weißhäutig und rothaarig. Im wirklichen Leben wird man die rothaarigen Iren jedoch suchen müssen, denn nur jeder zehnte eingesessene Inselbewohner trägt tatsächlich einen roten Haarschopf, was bedeutet: neun von zehn tragen keinen. Das Image von den rothaarigen Iren hält sich dennoch hartnäckig – und zugegeben: Es ist nicht vollkommen falsch.

 

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Versammlung der rothaarigen Iren. Ausstellung des Fotografen Jörg Köster am Cork Airport

 

Der Anteil der rothaarigen Menschen weltweit beträgt ein bis zwei Prozent, Rot ist damit die seltenste Haarfarbe auf der Welt. In Europa gibt es vier Prozent Rothaarige, sie leben vor allem in Europas Norden und Westen. In Irland stellen sie immerhin zehn Prozent der Bevölkerung, und 30 Prozent der Iren tragen die rezessiven genetischen Anlagen in sich. Die mit Abstand meisten Redheads leben aber auf der anderen Seite der Irischen See, in Schottland: 14 Prozent tragen dort über dem Rock rot (und darunter auch). Was uns lehrt: Die Schotten sind die wahren Rotköpfe Europas.

 

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Wer viele, viele rothaarige Irinnen und Iren sehen will, hat dazu am Flughafen von Cork Gelegenheit. Dort wird in der Abflug- und Empfangshalle gerade die Ausstellung Redhead Portrait Exhibition gezeigt. Die Serie schöner großformatiger Porträts von Irinnen und Iren mit roten Haaren  ist sehenswert. Also: Gehn wir zum Airport, Fotos schauen . . .  Ausgerechnet ein Deutscher, der bei Blarney im County Cork lebende Fotograf Jörg Köster, pflegt dort das Klischee der rothaarigen Iren mit seinen gelungenen Porträtaufnahmen. Er tut das zusammen mit den Initiatoren der Irish Redhead Convention. Das große Treffen der Irischen Rothaarigen findet seit dem Jahr 2010 jeden Sommer in Crosshaven, County Cork statt. Was als Stammtisch-Idee der rothaarigen Geschwister Joleen and Denis Cronin begann, ist mittlerweile zum ansehnlichen Event herangewachsen. Und nicht nur irische Redheads werden dieses Jahr vom 21. bis 23. August in das Küstendorf östlich von Cork City pilgern. Denn immerhin gibt es längst eine Internationale der Rothaarigen.  Sie wurde schon vom Holländer Bart Rouwenhorst im Jahr 2005 ins Leben gerufen.

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Rothaarige Frau. Porträt von Jörg Köster

Der Künstler Rouwenhorst ist ein rothaariger Experte für alles Rothaarige. Bart hat den jährlichen „Internationalen Rothaarigentag“ im niederländischen Breda erfunden und kämpft selbstbewusst für die Rothaarigen, die allzu oft Zielscheibe für Angriff sind. Wir fragten Bart: “Werden Rothaarige diskriminiert?” Offensichtlich, so Bart, werden Rothaarige vor allem in Großbritannien gehänselt und gestichelt, was gut ins Bild passt. Dort werden Rothaarige als „Gingers“ oder „Carotheads“ (Karottenköpfe) verunglimpft, und es gab schon einige erfolgreiche Antidiskriminierungs-Klagen gegen britische Peiniger. Einer britischen Kellnerin wurden beispielsweise 18 000 Pfund Schmerzensgeld zugesprochen, weil Arbeitskollegen sie wegen ihrer roten Haare gehänselt hatten . . .

Warum gerade Rothaarige und rothaarige IrInnen oft Ziel von Angriffen und Verunglimpfungen waren und noch immer sind, habe ich in meinem Buch Irland. ein Länderporträt beschrieben. Das gibt es hier zum weiter lesen . . . 

Fotos Airport: Markus Bäuchle / Alle Porträts: Jörg Köster

 

 

 

Ostern in Irland: Death by Chocolate

Benoit Lorge

Ostern in Irland mit Benoit Lorge. Fotografiert von Peter Zoeller

Ostern in Irland — das ist eine Grenzerfahrung. Nein, heute schreibe ich nicht vom stolzen Alkoholgehalt eines irischen Oster-Wochenendes. Dafür von einem viel süßeren Gift: Schokolade. Ostern in Irland ist Schokolade satt. Death by Chocolate, der Name eines in Irland beliebten super-kalorischen Schokoladenkuchens, zeigt uns die Richtung.

Die Irish Times unterrichtete jetzt, dass die Irinnen und Iren — es gibt derzeit etwas über 4,5 Millionen – für das Osterfest 2016 fast 40 Millionen Euro zum Kauf von 17 Millionen Schokoladen-Ostereiern investierten. Von den ganz Großen natürlich, den aufwendig verpackten, die schon gar nicht mehr in die Handtasche passen. Jeder irische Haushalt verputzt demnach um die acht Schokoladeneier — und insgesamt produzieren die Eier essenden Iren 20.000 Tonnen Eier-Verpackungsmüll. Die Blister-Packungen der Schoko-Eier würden 161 Boeing 747-Langstrecken-Jumbos füllen. Doch Schluss damit. Das industrielle Massenei der Megakonzerne ist hier bei uns im tiefen irischen Südwesten Irlands keineswegs das Maß der Dinge . . .

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. . . Denn dort, wo einst der diebische Trunkenbold seinem Captain Farrell begegnete, in den Cork and Kerry Mountains, dort wartet auf wissende Schokoladen-Fans die süßeste Schokoladen-Versuchung – und das auch noch in Französisch. Im Dörfchen Bonane nämlich betreibt Benoit Lorge seit Jahren eine Chocolaterie. Zwischen Schaffarmen, der Kirche und alten Monumenten aus der Steinzeit betreibt Benoit mit seiner Partnerin Yolanda im ehemaligen Shop and Post der O´Connors seine Schokoladen-Manufaktur. Was er dort produziert, so verraten mir erfahrenste Freundinnen des kakaohaltigen Gaumenschmauses, ließe sich spielend auch auf den Boulevards von Paris verkaufen. Edle Schokoladen – von milchig bis dunkel – Pralinen, Täfelchen, Trüffelchen, Figürchen: Im Schokoladen-Shop verfällt die Schokoholikerin schon beim Schauen in wohliges Entzücken.

Irland Ostern

Ostern in Irland: Der Lorge-Shop glich in den Tagen vor dem Fest einem Taubenschlag. Denn die Schoko-Eier von Lorge sind beliebt. Da macht es gar nichts, dass ein straußenei-großes Massiv-Ei schon mal knapp 35 Euro absorbiert. Für den engen Geldbeutel und den enger geschnallten Gürtel gibt es auch kleinere, preiswertere und zudem hohle Versionen dieses wundervollen Symbols von Fruchtbarkeit und neuem Leben. Und alle handgemacht von Meister Lorge. Très délicieux! (sagt die Frau).

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Wie aber verschlägt es einen fabelhaften Konditor, einen erstklassigen Schokoladen-Bäcker ans Ende der Welt am Atlantik? Benoit Lorge sagt, er habe schon an vielen exotischen Orten gelebt und gearbeitet. Er hat also gewissermaßen einen Hang dazu — und er scheint die Gegend in Süd-Kerry wirklich zu mögen. Hierher gekommen war der Lothringer ursprünglich beruflich: Er arbeitete als Konditor (pastry chef) für das Sheen Falls Lodge Hotel ein paar Kilometer weiter in der Kenmare Bay. Die Inspirationen für seine Schokoladen holt sich Benoit nach eigenen Worten in den umliegenden Bergen –  wie auch immer dieser Qualitäts-Transfer funktionieren mag: Er gelingt. In diesem Sinne: Death by Chocolate . . .

PS: Dies ist keine Werbe-Anzeige, und ich werde auch nicht mit Schokoladen-Eiern bezahlt. Ich esse keine Schokolade (mehr). Aber die Courage, in einem entlegenen irischen Dorf „in the middle of nowhere“ eine qualitativ hochwertige Chocolaterie zu betreiben und damit erfolgreich zu sein, begeistert mich.  

Die Fotos von Lorge hat der Fotograf Peter Zoeller gemacht. Mehr von Peter, dem renommierten Irland-Landschaftsfotografen, gibt es hier: www.peterzoeller-photo.com

Irland feiert den Oster-Aufstand von 1916

Irische Flagge

Irland feiert. An diesem Wochenende hat das offizielle Irland einen Veranstaltungs-Marathon aufgelegt, der alle Feiern der Vergangenheit in den Schatten stellt. Das Land feiert den 100. Jahrestag des Osteraufstands von 1916 gegen die britische Besatzungsmacht. The Easter Rising vom 24. April 1916 gab die Startexplosion für Irlands Unabhängigkeit. Die Proclamation, die Erklärung der Unabhängigkeit durch den Schullehrer Padraig Pearse am Ostermontag vor Dublins Hauptpost,  gilt Vielen als Geburtsstunde eines freien Irlands. Doch so einfach ist es natürlich nicht mit der komplizierten irischen Geschichte, und deshalb verlaufen die Erinnerungsfeiern in Dublin und anderswo im Land auch überhaupt nicht spannungsfrei. Die radikalen Republikaner brummeln, viele Nordiren schauen mit Argwohn gegen Süden, die protestantischen Bürger von Irland fühlen sich gar nicht wohl mit den Jahrhundertfeiern. Man spürt sie noch immer, die alten Konflikte.

Auch 100 Jahre später gibt es einen Kampf um die Interpretationshoheit. Denn der Aufstand von 1916 war alles andere als eine gelungene Sache: Der feierlichen Verkündung der Proklamation eines damals nicht einzulösenden Versprechens folgten sechs Tage Kampf und das Scheitern. Hunderte Menschen, darunter viele Zivilisten starben. Die Rebellion von 1916 sollte eigentlich mit Hilfe deutscher Waffen eine Revolution werden, wurde dann aber am Ostersonntag kurzfristig per Zeitungsanzeige abgesagt, weil die versprochenen Waffen aus Deutschland nicht ankamen. Sie landeten versenkt auf dem Meeresgrund. Der Kern der Entschlossenen blies trotzdem zum Aufstand und startete am Montagmorgen fast unbeachtet von der großen Mehrheit im Land vor Dublins Hauptpost ein zum Scheitern verurteiltes Revolutiönchen,

Wie auch der Revolutionär Lenin damals urteilte: Die freiheitsbewegten Iren waren zu früh dran, sie hatten das Volk noch nicht auf ihrer Seite, und so nahm die blutige Geschichte von Dublin einen noch blutigeren Verlauf. Es folgten ein brutaler Unabhängigkeitskrieg (1919-21) gegen die Briten und ein noch verheerenderer Bürgerkrieg (1922): Nun kämpften Bruder gegen Bruder und Freund gegen Freund: Denn die den Briten im Jahr 1922 abgetrotzte Teil-Unabhängigkeit für einen eigenen Staat, den Irish Free State, bewirkte die Teilung des Landes und die Abtrennung der six counties, von Nordirland. An dieser Frage und der generellen, wie man es mit den Briten künftig halten sollte, schieden sich die Geister auch im Süden der Insel. Der kurze unmenschliche Bruderkampf hinterließ tiefe Wunden in Familien und Gemeinden.

Der Weg in die Zukunft führt über die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Deswegen zweifelt niemand am Sinn der Erinnerungsfeiern zur den Ereignissen vor 100 Jahren. Die extremen Republikaner allerdings fordern eine Ausweitung der Feiern auf das gesamte Irland mit dem Ziel der Wiedervereinigung mit dem Norden. Immer noch im Untergrund agierende Splittergruppen der IRA drohen gar mit Terror. Friedensbewegte und Priester warnen, die Gewalttat von 2016 zu verherrlichen, und manche Stimmen kritisieren den Stil der Feierlichkeiten: Man verkläre die gute alte Zeit, präsentiere die Geschichte wie ein Historiendrama im Fernsehen und pflege eine gefällige Version der Geschichte. Und es wird gewarnt: vor überschäumendem Patriotismus, vor engstirnigem Nationalismus.

Irland feiert. Das offizielle Dublin zelebriert einen weichgespülten Osteraufstand 1916. Die Reden der Regierenden werden es in moderatem Ton vermeiden, in den alten Wunden zu bohren oder Andersdenkende zu sehr zu provozieren. Mit Hilfe von Google wird 1916-2016 zur fühligen Multimedia-Show. Heute soll die Hauptstadt die größte Feier erleben, eine Parade, zu der eine Viertelmillion Menschen erwartet werden. In Gedenkstunden werden Kränze im Dutzend abgelegt — und es wird überall diskutiert: Über den Funken an der Lunte, über die Niederlage, die zum Sieg wurde, über die viele Opfer kostende symbolische Aktion Rising 1916, die — wenn sie nicht die Freiheit brachte – dann zumindest über Umwege zur Freiheit führte.

Erinnern statt Triumphieren. Nach vorne schauen statt sich in Nostalgie wohlig einrichten: Irlands Präsident Michael D. Higgins bleibt bei allen Debatten wie immer souverän. Der erste Mann im Staat, der manchmal wie die kleinste Minderheit im Lande wirkt, mahnte seine Mitbürger gestern, die Versprechen der Freiheitserklärung von 1916 auch 100 Jahre später wirklich ernst zu nehmen: Noch habe Irland viele dieser Versprechen nicht eingelöst. Er mahnte ein neues Irland an: Baut mit an einer Republik der vielen Stimmen, in der alle Platz und ein Auskommen haben — auch die Heimatlosen, die Migranten, the Benachteiligten und die Ausgegrenzten . . . Lasst uns gemeinschaftlich in die Zukunft gehen . . . 

Gemeinschcaftlich in die Zukunft. Hört. Hört. Als erstes könnten sich dazu die beiden große Parteien Irlands, die aus dem alten Konflikt vor 100 Jahren entstanden sind, einmal miteinander versöhnen: Fine Gael und Fianna Fail  bestimmen die Politik Irlands seit damals, sind aber nie eine Koalition miteinander eingegangen, weil sie sich bis heute spinnefeind sind. Politisch vertreten die beiden Parteien fast genau dieselben Inhalte — nur eben die Vergangenheit hält sie auch in diesen Tagen davon ab, eine gemeinsame Regierung zu bilden und das Land damit aus dem politischen Stillstand zu befreien.

Irland feiert. Die großen Erinnerungs-Inszenierungen werden fortgesetzt: Bis mindestens 2013. Die Hoffnung besteht, dass diese Phase im besten Falle entscheidend dazu beitragen wird, dass sich die Irinnen und Iren mit sich selbst, mit ihren alten Widersachern und mit ihrer komplizierten Vergangenheit aussöhnen können.

Madeleines Foto-Woche: Faszination Skelligs

Skelligs Irland

Die Skelligs bei Sonnenaufgang

Madeleines Foto-Woche:  Wir sind wieder unterwegs im County Kerry mit der Profi-Fotografin Madeleine Maria Weber und werfen heute einen Blick auf die Skelligs (Zum Vergrößern und Genießen das Foto bitte anklicken). Die beiden kleinen Felseninseln vor der Küste Kerrys sind sagenumwobene Orte. Skellig Michael, die größere Insel, beheimatete schon im 7. Jahrhundert ein christliches Kloster. Was war wohl davor? Heute grassiert der Hype um das Weltkulturerbe, seit es Drehort für die aktuelle Star Wars-Episode war.

 Madeleine WeberMadeleine Maria Weber kennt die Skelligs wie keine andere FotografIn. Skellig Michael stand lange im Zentrum ihres Schaffens und dabei hat die Fotografin Bilder von erhabener Schönheit geschaffen. Für diesen Tag hatte sich Madeleine vorgenommen, die Skelligs in einer besonders sanften Stimmung zu fotografieren. In einer windstillen Woche war sie rechtzeitig zum Sonnenaufgang vor Ort und schuf dieses herrliche Foto (oben).  Sie war nicht als einzige unterwegs in dieser frühen Stunde. Ein Fischerboot zieht an den Felsen vorüber.

Madeleine Weber ist die Frau, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Weil sie warten kann. Auf den richtigen Zeitpunkt. Auf das perfekte Motiv. Fotografieren ist gutes Auge, gute Technik und viel, viel Geduld, Warten, Warten. Seit elf Jahren fotografiert Madeleine die einmalig schönen Landschaften Südwest-Irlands.

Wir begleiten Madeleine, die in Emlaghdrinagh, Waterville, im County Kerry lebt, in den kommenden Monaten bei der Arbeit, zeigen hier auf Irlandnews.com  jeden Samstag ein Foto aus ihrer Arbeitswoche. Uns gefällt, dass in ihren Fotografien die Landschaft erkennbar bleibt, wie sie das Auge wahrnimmt, und dass sie in ihren Fotos dennoch eine ganz eigene unverkennbare künstlerische Ästhetik schafft.

Madeleine Weber Studio Irland Madeleine Weber FotografieÜbrigens: Madeleine Maria Webers Fotos könnt Ihr vor Ort in Irland in ihrem Studio am Skellig-Ring im Original anschauen. Die Fotografin präsentiert ihre Landschafts- und  Meeres-Aufnahmen täglich von 11 bis 17 Uhr als hochwertige Kunstdrucke in verschiedenen Größen. Die Ausstellungsräume liegen an der R567 in Emlaghdrinagh zwischen Waterville und Ballinskelligs am Wild Atlantic Way (Telefon: +353 (0)85 780 3273). Sie versendet ihre Fotos weltweit: www.madeleinemariaweber.com.

 

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Wilder Lachs und wilder Atlantik in Irland

Seebären als Gartenzwerge in Irland

Wilder Lachs und wilder Atlantik: Auch irische Kapitäne und Seebären können wie Gartenzwerge daher kommen. Eine trügerische maritime Gartengnom-Idylle findet man abseits der Landstraße auf einem Küstenfelsen am Aghabeg-Pier von Rossmackowen auf der Beara-Halbinsel in West Cork. Die beiden Seeleute am Leuchtturm blicken sorgenvoll in Richtung Meer.

Ob sie wohl ahnen, was sich dort draußen in der Bucht bald abspielen könnte, wenn hunderttausende Zuchtlache auf engstem Raum in der Rekordzeit von 18 Monaten ihrer Bestimmung als Chemikalien-Cocktail (den manche noch Lachs-Delikatessen nennen) entgegen wachsen, um in Scheiben geschnitten in Plastikfolie eingeschweißt ihre letzte Reise anzutreten? Unweit des Piers in der Bucht liegt die Roancarrig-Lachsfarm, die nun eine fette große Schwester acht Kilometer weiter östlich am Shot Head erhalten soll.

Irischer Lachs auf Eis

Irischer Lachs auf Eis

Ob sie wissen, wie exzessive maritime Massentierhaltung und das wunderschöne Konzept von einer Natur-Idylle namens Wild Atlantic Way so gar nicht zusammen passen? Wilder Atlantik und Wild-Lachs gehören seit Urzeiten zusammen. Doch die Käfige eines profitgierigen norwegischen Fisch-Konzerns mit dann über einer halben Million gefangener Zuchtlachse alleine in der Bantry Bay werden dafür sorgen, dass bald auch der letzte Wildlachs in der Bucht verschwunden sein wird.

Ob diese beiden Seebären schon wahrhaben, dass Zuchtlachs eines der ungesündesten, ja giftigsten Lebensmittel der Gegenwart ist?  Dass Lachsfarmen das Meer und die Strände ökologisch schwer beschädigen? Dass die Krankheiten der in Gefangenschaft siechenden Wildtiere die letzten wild lebenden Lachse ausrotten? Sie könnten es wissen, denn die Wissenschaft hat dies alles längst nachgewiesen. Aber das kümmerte die irische Regierung und deren Superminister Simon Coveney wenig. Er hat im vergangenen Sommer die Genehmigung für die Lachsfarm erteilt.

Vielleicht hoffen die beiden Seeleute am Pier von Rossmackowen auch, dass die Menschen in der Bucht von Galway ein Hoffnung stiftendes Signal gesetzt haben: Ihr Widerstand ließ die Politik im vergangenen Dezember einen Rückzieher machen: Die Pläne für eine gigantische Mega-Farm vor den Aran-Inseln wurden unter dem Druck einer protestierenden Bevölkerung vor Weihnachten und rechtzeitig vor den Parlamentswahlen zurück genommen. Die Mega-Lachsfarm ist gescheitert. Der Rückzieher könnte der Beginn eines Umdenkens gewesen sein und auch Auswirkungen auf zehn bis 15 andere Lachsfarm-Projekte entlang der irischen Atlantik-Küste haben.

Es wäre sinnvoll, denn dann bliebe der wilde Lachs dem wilden Atlantik vielleicht doch erhalten — und würde künftigen Generationen nicht nur als leblose Blechfigur oder als Name eines B&Bs (The Salmon Leap) am leblosen Fluss begegnen.

Mehr Informationen über das gesundheitliche, ethische und ökologische Problem Zuchtlachs finden Sie hier: Irlandnews über Lachsfarmen

Irischer Lachs

Lachs aus Blech

 

Alle Fotos: Markus Bäuchle

 

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