Irland feiert den Juni-Bank-Holiday

“Schaut Jungs, da hinter den Bergen liegt unsere Heimat, das County Kerry,”  bedeutet dieser Vater seinen zwei Söhnen im grün-gelben Football-Shirt des Kingdoms. Es ist Bank-Holiday-Wochenende und die irischen Familien sind auf Tour. Gerne nutzen sie das verlängerte Wochenende für Kurzferien im eigenen Land.  

Juni Bank Holiday ist, wenn ganz Irland auf den Beinen und Rädern ist, wenn die kollektiv konsumierten Promille auf Jahreshöchststand klettern, wenn es auf den Straßen gefährlicher als sonst zugeht und überall im Land Feste, Feiern und Events stattfinden. June Bank Holiday, der erste Montag im Juni, ist ein gesetzlicher Feiertag – genauso wie der erste Montag im Mai und im August, sowie der letzte Montag im Oktober.

Irland am Feiertag

Diese vier wochenendverlängernden Montage bilden zusammen mit Ostermontag, dem Neujahrstag, den zwei Weihnachtsfeiertagen und dem Patrick´s Day am 17. März, das Grundgerüst für irische Ferien und Freizeit. Doch was hat das alles mit den Banken zu tun? Eigentlich nichts. Bank Holidays sind heute einfach gesetzliche Feiertage, auf die fast alle Arbeitnehmer einen Anspruch haben – auch die Bankangestellten. Historisch ging es dabei durchaus um die Bankens: In England schrieb der “Bank Holiday Act” von 1871 die ersten Montage im Mai und im August in den Feiertagskalender. Die Gesetzesvorlage stammte von Sir John Lubbock, einem fanatischen Cricket-Fan, und er begründete die Feiertagstermine unter anderem damit, dass auch die Bankanagestellten Zeit haben sollten, die traditionellen Cricket-Spiele zu verfolgen. Die Engländer bescherten den Iren neben einigem anderen auch die Feiertagsregelung.

In den USA führte Präsident Franklin D. Roosevelt 1933 während der Großen Depression per Gesetz die “Bank Holidays” ein. An diesen Tagen blieben die Banken tatsächlich geschlossen – Die Zwangsfeiertage wurden dazu genutzt, insolvente Banken vor dem Kundenzugriff zu schützen und sie zu reorganisieren, um sie vor dem endgültigen Zusammenbruch zu bewahren. Hoffen wir, dass Irland und Europa diese Auslegung der Bank Holidays erspart bleiben wird.

Warum essen Mary und Paddy so wenig Fisch?

Irland FischEine der beliebten Dauer-Diskussionen, die Deutsche über Irland führen, wurde jetzt auch von der Irish Times aufgegriffen: “Warum essen Iren so wenig Fisch?“. Irland ist vom Meer umgeben, Fisch als Nahrungsquelle ist leicht, in großer Vielfalt und in großen Mengen zugänglich, das Land verfügt sogar über große Fischereiflotten, exportiert allerdings den überwiegenden Teil des Fangs — die Irinnen und Iren konsumieren weit weniger Fisch als die meisten Europäer, man fährt auf der Insel oft weit, bis man ein gutes Fisch-Restaurant oder einen gut sortierten Fischladen findet. Um es kurz zu machen: Die Irish Times bleibt die Antwort heute schuldig, sie lässt eine Food-Bloggerin wolkig darüber faseln, dass es an einem Mangel an Wissen und Erziehung liegen muss.

Das Verhältnis der Iren zum Meer ist ein kompliziertes. Das Wasser gilt traditionell als feindlich, gefährlich und unberechenbar. Ein Volk von Fischern macht noch kein Volk von Fischliebhabern. Die Senior-Chefin eines Fischereibetriebs an der Südküste fragte ich einmal, wie oft sie ihren selber gefangenen Hummer isst. Die Frau schaute mich zunächst fassunglos an, wechselte dann in den Modus “angewidert” und antwortete knapp: “Nie, wir essen keinen Fisch und kein Meereszeug”. Warum ist das so? Warum essen Mary und Paddy so wenig Fisch? Wer weiß es?

Auf dem Speiseplan von Mammie Irish steht an oberster Stelle der Rinderbraten mit Sauce und Kartoffeln. Der Fisch kommt selten bis gar nicht vor. Ausnahmen: Fish & Chips und Räucherlachs, und im Sommer auch mal eine selber gefangene Makrele. In Kochbüchern der traditionellen irischen Küche gibt es meist auch ein (1) Fischgericht, damit hat es sich dann aber. In Zeiten der englischen Vorherrschaft mussten die Iren den gefangenen Fisch bei den Herrschaften abliefern, zeitweise war es ihnen sogar verboten, ein Boot zu besitzen. Vielleicht sind es die tiefen Spuren der Verwüstung, die die englische Herrschaft und vor allem die englische Küche auf Irlands Speisekarte hinterlassen haben . . .

Dass eine große irische Zeitung das Thema Fischkonsum überhaupt diskutiert, ist allerdings auch ein Anzeichen dafür, dass die Fischküche in den vergangenen zehn Jahren vermehrt auf der Insel Einzug hält. In Spanien, Italien oder Frankreich haben viele Urlaubsiren mit Fischgerichten Bekanntschaft gemacht und integrieren neu gewonnene Einsichten zunehmend auch in ihren Alltag. Andernorts rollt derweil eine mächtige Vegetarismus-Welle gegen alte Essgewohnheiten an, Fleisch- und Fischverzicht sind angesagt, und die aufkommende Anti-Lachs-Bewegung punktet mit neuen Erkenntnissen über die katastrophale Öko-Bilanz und die gesundheitlichen Risiken von Zuchtlachs. Das Leben ist kompliziert. Auch in Irland.

Der Artikel in der Irish Times: Hier

 

Loop Head ist Irlands “bester Ferienort”

Ferien in IrlandWelches ist Irlands bester Ferienort? Diese Frage stellte die Tageszeitung Irish Times in den vergangenen Wochen Ihren Leserinnen und Lesern beim Wettbewerb “Best Place to Holiday in Ireland”. Die um ihre Meinung gefragten Irinnen und Iren ließen sich nicht lange bitten und nominierten sage und schreibe 1400 Favoriten. Damit wurde so ziemlich jeder Ort auf der Insel für den Wettbewerb genannt und eine Jury aus sogenannten Tourismus-Experten musste die schwere Entscheidung treffen.

Das Rennen machte die Küstenlandschaft am Loop Head im County Clare. Die Loop Head-Region am nördlichen Shannon-Ufer zwischen dem Städtchen Kilkee und dem Loop Head-Leuchtturm galt traditionell als verschlafener, schwer zugänglicher und doch wunderschöner Landstrich an der Westküste Irlands. Der Neubau der Autobahn bei Ennis vor fünf Jahren hat auch den Loop Head näher an die Zivilisation geholt, und die Gemeinden in West Clare versuchen nun, einen bodenständigen Tourismus aufzubauen, von dem möglichst viele Einwohner profitieren können.

Die Jury suchte insbesondere nach neuen aufstrebenden Ferienorten, die einen nachhaltigen und verantwortungsvollen Tourismusstrategie verfolgen. Die Bedeutung des Inlands-Tourismus hat in den vergangenen Jahren in der Wirtschaftskrise stark zugenommen. 57 Prozent aller Ferienreisen machten die Iren im Jahr 2011 laut Eurostat im eigenen Land und gaben dabei 1,3 Milliarden Euro aus.

Die Irish Times-Jury kürte neben dem Gewinner Loop Head auch vier zweite Sieger:

Die beste Ferienstadt ist Killarney im County Kerry.

Die beste Ferien-Großstadt ist Derry in Nordirland, das in diesem Jahr auch Kulturhauptstadt im Vereinigten Königreich ist.

Zur besten Ferien-Insel wurde Inishbofin gekürt.

Der beste Ferienort im Inland heißt The Glen of Aherlow im County Tipperary.

In die erweiterte Endauswahl, die sogenannte Longlist, waren 25 Orte gekommen.

Die Longlist: Die 25 besten Ferienorte in Irland (in alphabetischer Reihenfolge):

ACHILL ISLAND, CO MAYO

BALLYVAUGHAN, CO CLARE

BEARA PENINSULA, CO CORK

BOYLE, CO ROSCOMMON

CAHERDANIEL & DERRYNANE, CO KERRY

CORK CITY

CUSHENDALL, CO ANTRIM

DERRY CITY

DINGLE, CO KERRY

DUBLIN CITY

DUNMORE EAST, CO WATERFORD

GOUGANE BARRA, CO CORK

GWEEDORE, CO DONEGAL

INIS MEAIN, CO GALWAY

INISHBOFIN, CO GALWAY

KILLARNEY, CO KERRY

KINSALE, CO CORK

THE LAKELANDS OF CO FERMANAGH

LOOP HEAD PENINSULA, CO CLARE

LOUISBURGH, CO MAYO

RIVER SHANNON  

ROSSLARE STRAND, CO WEXFORD

STRANDHILL, CO SLIGO

THE GLEN OF AHERLOW, CO TIPPERARY

VALENTIA ISLAND, CO KERRY

 

Photo: Loop Head; Tourism Ireland / Nutan

Irland auf Irlandnews und demnächst als Buch

Irland Buch Markus Baeuchle

Es ging in den vergangenen Monaten hier auf Irlandnews.com etwas ruhiger zu als üblich. Allen Lesern deshalb vielen Dank für die Geduld und dass Ihr dabei geblieben seid. Ich hatte wenig Zeit zum Schreiben, weil ich mit Schreiben beschäftigt war: Langstrecke statt Sprint, ein Buch statt kurzer Blog-Beiträge. Jetzt ist es geschafft: Das Manuskript für mein Buch “Irland. Ein Länderporträt” ist fertig. Das Buch wird Ende August im Berliner Ch. Links Verlag erscheinen. Das Thema Irland beschäftigt mich seit den späten 70-er Jahren und intensiv seit dem Jahr 2000, seit wir hierher in den Südwesten der Insel gezogen sind. Irland ist mein Lieblingsthema und wird es auch künftig bleiben — nun auch wieder verstärkt hier auf Irlandnews.com .

“Mein” Verlag Ch. Links hat gerade diese Ankündigung für das Buch herausgegeben:

Mehr als grüne Wiesen, Schafe und Whiskey. “Grüne Wiesen, Schafe, Whiskey, bunte Cottages und freundliche, redselige Menschen mit viel Zeit. Kein Land in Europa provozierte so viele Wohlfühl-Klischees wie Irland, die grüne Insel im Atlantik. Dann kamen der ungeheuere ökonomische Aufstieg des »keltischen Tigers«, der Wohlstand und der Absturz in die Wirtschaftskrise. Markus Bäuchle kennt das kleine Land mit der bewegten Geschichte seit den 1970er Jahren. Seit dem Jahr 2000 lebt und arbeitet er auf der Insel. Er hat das traditionelle Irland, den rasanten Aufstieg in den Wirtschaftswunderjahren und den tiefen Fall nach dem Platzen der Immobilienblase miterlebt. Er beschreibt den Alltag und den Facettenreichtum des amerikanischsten Landes Europas auf seiner Achterbahnfahrt der Selbstfindung. Ein informatives und spannendes Buch über eines der widersprüchlichsten und zugleich dynamischsten Länder der Gegenwart – und eine Liebeserklärung.

Irland. Ein Länderporträt

ca. 200 Seiten

Klappenbroschur  12,5 x 20,5 cm

ISBN 978-3-86153-741-0

Preis: 16,90 € (D) 17,40 € (A).

Erscheint Ende August 2013. Bei Amazon vorbestellen.

Der Autor: Markus Bäuchle, Jahrgang 1959, Journalist, Autor und passionierter Wanderer; Studium der Sozialwissenschaften, anschließend journalistische Tätigkeiten bei Tageszeitungen und Zeitschriften; im Jahr 2000 Umzug mit der Familie an den Atlantik im Südwesten Irlands; Betreiber des Irland- Webmagazins www.irlandnews.com und Veranstalter von Wanderreisen (www.irland-wandern.de).

Schon mal vom Wild Atlantic Way gehört?

Schöne Tage in IrlandIrland arbeitet an einem neuen großen Tourismusprojekt: der 2400 Kilometer langen Küstenfernstraße Wild Atlantic Way entlang der Westküste von West Cork im Süden nach Donegal im Norden. Was haltet Ihr vom neuen Wilden Westen Irlands? Nur eine weitere Marketingmasche oder doch eine gute Idee? Hier ein Video zum Wild Atlantic Way:

Foto: Markus Bäuchle / Video: Failte Ireland

Ein Geist spukt im Haus des Bürgermeisters

Dublin Bürgermeister Wohnung Irland ist eben anders: Viele Iren halten die Existenz von Feen, Geistern und paranormalen Erscheinungen für einen ganz normalen Teil der Realität. Sie zweifeln nicht daran und haben keine Scheu, sich öffentlich dazu zu bekennen. Als Dublins Bürgermeister Naoise ÓMuirí gestern in einer Pressekonferenz die vier Millionen Euro teure Erneuerung von Dublins Geschäftsstraße Grafton Street vorstellte, ging es sehr bald nicht mehr um den künftigen Straßenbelag sondern um einen Geist in der Amtswohnung des Bürgermeisters: Der Fine-Gael-Politiker erzählte frei von der Leber, was er tags zuvor bereits einer britischen Boulevardzeitung anvertraut hatte: Im Mansion House in der Dawson Street treiben Geister ihr Unwesen, in der Amtswohnung der Bürgermeister von Dublin spukt es.

Um 3 Uhr nachts im vergangenen Februar hatte ÓMuirís vierjährige Tochter Bríona demnach ein fremdes Mädchen mit dunklen lockigen Haaren fernsehend im Wohnzimmer der Residenz angetroffen. Spätestens dann war der Bürgermeister überzeugt: In diesem Haus “geht es nicht mit rechten Dingen zu”.  Auch in einem Zimmer im obersten Stock soll es laut Naioise spuken: Dort sei vor einigen hundert Jahren jemand gestorben und wenn man im Raum sei, werde man vom Geist dieser Person beobachtet. Der Bürgermeister ist von den Vorkommnissen nicht sonderlich beunruhigt, er hält die Geister für eher ungefährlich und nimmt die Sache schon deshalb gelassen, weil seine Amtszeit im Juni ausläuft. Er zieht mit seiner Familie in die eigene Wohnung zurück. Dann soll sich sein Nachfolger mit den Untoten im Mansion House auseinandersetzen.

Nun fragen sich die Superrealisten: Hat Naoise ÓMuiri vielleicht eine Meise? Doch wer weiß das schon. Zumindest ist Naoise nicht der erste und nicht der einzige, der über Geister in dem 1710 gebauten Gebäude in der Dawson Street berichtet. Schon wiederholt wurde dort von merkwürdigen Mitbewohnern berichtet, die keinen Pass besitzen und keine Miete zahlen. Das Mansion House ist seit dem Jahr 1715 Sitz der Bürgermeister von Dublin.

Foto: Wikipedia

 

 

 

 

“Up the mountain” mit Schaf-Farmer John Bán

Irland FarmDer Sommer hält Einzug in Irland. Wir gehen “up the mountain” — hoch hinaus auf den Berg — mit John Bán, dem Schaf-Farmer. Wir sind gut ausgerüstet, John hält dem Erfahrung und Behendigkeit entgegen. Er geht wie immer schon in Gummistiefeln und benutzt einen alten selbst geschnittenen Holzstock. Manchmal im Sommer geht John barfuß in die Berge. Seit seiner Kindheit hat er die wilde Landschaft auf der Suche nach seinen Schafen ungezählte Male durchstreift. Er weiß, wie und wo er gehen muss. John hält 200 Mutterschafe und hat auf Lämmer in diesem Frühjahr weitgehend verzichtet — als hätte er die Graskrise vorausgeahnt. Noch immer kämpfen die Bauern Irlands mit dem Ausbleiben des Graswuchses. 9000 Rinder sollen an Hunger gestorben, tausende Lämmer in der Kälte erforen sein. Der Wuchs der Vegetation verspätete sich aufgrund der ungewöhnlichen Kälte des Frühjahrs um sechs Wochen.

Nun zeigt sich die Sonne endlich in ihrer ganzen Kraft. Hoch oben in den Bergen dominieren noch immer die Farben des Winters: Das alte Gras liegt braun über dem neuen Grün, der Ginster im Tal steht noch immer in voller gelber Blüte und leuchtet von weit her.

John sitzt auf dem höchsten Punkt seines Farmlands (Foto) und sucht das Gelände mit dem Fernglas nach Schafen ab. Er ist mit seinem Land und seinen Tieren eng verbunden. Er mag seine Arbeit, er liebt es, die Berge zu durchwandern. Berufskollegen, die auf das Quadbike angewiesen sind, um in die Berge zu gelangen, belächelt er genauso wie die Bauern, die ihre Tiere nur anhand der Farbmarkierungen auf dem Rücken identifizieren. Er erkennt all seine Schafe auf Anhieb am Gesicht.

Foto: © 2013 Markus Bäuchle / Wanderlust

Das Kleine Volk: Das Ungeheuer von Gowlaun

Irland FeenIrland produziert Klischees zum Wohlfühlen und wohligen Erschaudern wie kein anderes Land in Europa. Zu Gast auf der Grünen Insel schärfen Gäste den Blick für das Übernatürliche und fahnden nach den Feen und Kobolden, den rätselhaften Wesen vom Kleinen Volk, die sich dem gemeinen Blick gerne entziehen. Unserem Leser Günther Sieper ist es nun gelungen, einen der scheuen Einzelgänger der irischen Mythenwelt  im Foto festzuhalten ;-)  Dieter schreibt uns: “Am Beach von Gowlaun in Connemara, auf dem Weg zum Killary Harbour habe ich nach einem heftigen Sturm im April dieses Bild geschossen. Beweist es doch, dass in Irland doch Ungeheuer oder Fabelwesen existieren. Viele Grüsse, Günter Sieper”.

Wenn das keine Aufforderung an Euch da draußen im Land ist, mal selber in Euren Fotoalben zu kramen und  nach seltenen Aufnahmen vom Kleinen Volk zu suchen? Wer hat die kleinen Leute unter der Erde, die Leprechauns am Wegesrand, die Sidhe unterm Weißdorn in Pixeln festgehalten? Das beste Foto soll gewinnen. Mehr dazu demnächst.

Ungeheuer von Gowlaun

 

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