Christy Moore: Where the Red Fuschia weeps

Christy Moore live in Bantry

Christy Moore live im Maritime in Bantry. Er ist nun fast 70 Jahre alt und eine sanfte Gewalt. Er füllt den Raum. Diese energiegeladene Mischung aus roher Milde, Witz, Weisheit und melancholischer Kampfbereitschaft, aus grober Zärtlichkeit und tiefem Verständnis der menschlichen Existenz kreiert die Raum greifende Aura der irischen Musiker-Legende.

Christy ruht in sich. Er ist mächtig präsent, wie von selbst holt er das Publikum ab und entführt es in diese Gegenwärtigkeit. Das Publikum wird Comunity, Christy und seine kongenialen Mitmusiker (Declan Sinnott guit/voc, Jimmy Higgins perc, Vicky Keane voc) berühren tief, schaffen Augenblicke voller Wahrheit und Menschlichkeit. Die Bar im Saal bleibt an diesem Abend geschlossen. Warum nur geht das Leben da draußen nach zwei Stunden Auszeit einfach so weiter. Warum nimmt es keinen anderen Lauf.

Ist Christy Moore ein Mann von gestern oder einer von morgen? Ich weiß es nicht. Weil niemand weiß, wohin dieses sturmgeplagte und im stillen Sturm schwankende Inselvölkchen treiben wird: zurück nach gestern, nach vorgestern, voraus in ein Morgen, das dem Vorgestern vielleicht mehr ähnelt als dem Gestern.? Gestern nacht war Christy der Mann der Stunde.

Meine Favoriten: Christy´s Cover von Pink Floyd´s Shine on You Crazy Diamond und das wunderbare Gortatagort von John Spillane, eine Ballade über die alte Farm von Spillane´s Mutter in Gortatagort, Colomane, hoch über Bantry Bay. Der Text von Gortatagort:

I Sing the Fields I sing the Farm
I Sing the House my Mother was Born
In Gortatagort, Colomane
A Green Jewel

Sewn in a Patchwork Quilt of Fields
Between the Mountain and the River
In this Time now, and in Another
Where I ran Free with my Brothers

Through the Long Meadow, the Cnocán Rua,
The Fort Field, the Páirc na Claise,
The New House Field, the Gallán Field,
The Clover Field, the Rushy Field

Where the Red Fuschia weeps in the Hen’s Garden
And the Angels bleed over Bantry Bay

I see the House I see the Yard
I see the Stall I see the Stable
I see the Haggard and the Hen’s garden
I see the Hill I see the Well

I Sing the Spring and the Well water
The Flat field, the Hilly field
The South Ray Grass, the North Ray Grass
The Brake, and the Páircín na hEornan

Where the Red Fuschia weeps in the Hen’s Garden
And where God goes to sleep in the Hills and Valleys
And the Moon rises over the Haggard
And Peace descends on Gortatagort
And the Angels bleed over Bantry Bay

Ah saddle up the old Gray Mare
Tim Big Danny, and Jackie Timmy
Are going to ride across the Mountains to Puck Fair

I Sing the Fields I sing the Farm
I Sing the House my Mother was Born
In Gortatagort, Colomane

* * *

Und hier eine Amateuraufnahme von Christy´s Shine on you Crazy Diamond, gesungen im November 2013 im Forum in Derry.

PS: Shine On von Christy Moore war natürlich auch große Klasse. Er widmete den Song dem verstorbenen Sohn von Maritime-Hotel-Manager Finbarr Walsh. Der junge Donal Walsh aus Kerry hatte mit Spenden-Kampagnen und mutigen Aufrufen an die Jugend in Irland für Aufsehen gesorgt. Der tapfere junge Mann kämpfte gegen das in Irland grassierende und noch immer tabuisierte Massenphänomen des Suizids junger Männer. Er mahnte die Jugendlichen Irlands, das Leben zu würdigen, zu genießen und nicht zu vergeuden. Donal starb im vergangenen Jahr nach langem Kampf im Alter von 16 Jahren an Krebs. Die letzte Reise Donals wird auf seiner Website geschildert:

On May 12 2013 Donal moved on to his final journey and reached “God’s Highest Mountain” climbing as he did with a great phrase to the priest that gave him his last rights with the following conversation:

Fr. Padraig: Gives Last Rights

Donal: “Father, Father Padraig what is it like on the other side?”

Fr. P “ Donal I’m not sure but I can tell you that it will be a much better place because you are there. Donal, why, are you afraid?”

Donal “No Father, just a little nervous!”

 

Foto Christy Moore: © 2014 Antje Wendel

Jimmy who? Jimmy MacCarthy. Ride on.

Ride on von Jimmy MacCaIrland & Musik. Das ist mir selten passiert, dass ich von einem Musik-Gig ohne Foto zurück gekommen bin. Gestern nacht schon. Wir hörten, sahen und erlebten Jimmy MacCarthy in der kuscheligen Carnegie Hall in Kenmare, gleich über dem Berg. Jimmy who?

Jimmy MacCarthy schrieb viele der größten irischen Songs der letzten 30 Jahre: Ride on, Missing You, Bright Blue Rose, Mystic Lipstick, No Frontiers, Katie, Adam at the Window, Diamond Days, Neidín, Shuffle of the Buckled, Another Day, Ancient Rain, The Contender und und und. Christy Moore, Mary Black, Mary Coughlan, The Corrs, Westlife oder Maura O`Connell haben Jimmy´s Songs berühmt gemacht, während er es sich in der zweiten Reihe gemütlich machte (“Ich habe mich eigentlich nie wirklich als Musiker begriffen“). Dabei ist der Mann ein großartiger Musiker, ein Vollblut, wie man über den Pferdeliebhaber sagen kann. Er erobert die Herzen der Menschen mühelos, fesselt sie live für Stunden, fasziniert, bezieht sie ein, sie singen, leiden, lieben und schwärmen mit.

Ein Gig wie früher: Drei Stunden und 10 Minuten lang. Spielfreude. Kein Mensch zieht sein Handy raus, um auch nur 1 Foto zu machen. Die Athmosphäre: vertraute Geborgenheit. Mann kennt sich. Jimmy und sein Neffe Christopher (Gitarre, Gesang, E-Piano) spielen eine Show vom Feinsten. Zwischen den Songs Geschichten und witzige, schnelle, Ping-Pong-Dialoge mit den 120 Leuten im Publikum. Jimmy MacCarthy kennt und liebt Kenmare seit den 70-er Jahren. Er kam oft nach “Neidin,”  spielte in Crowleys, lebte für Monate hier, überwand Krisen, schrieb Lieder, widmete Kenmare einen eigenen Song: Neidin eben.

Der Songwriter und Sänger aus Macroom, Co. Cork, ist ein großer Geschichtenerzähler. Während die Welt noch immer darüber rätselt, ob die irische Über-Ballade Ride on, die Christy Moore 1994 berühmt machte, ein Song über West-Belfast, die irische Nation, über Pferderennen oder über Drogen ist,  gibt der Autor des Lieds Auskunft über das Naheliegende: Es ist ein Song über die Angst vor Verlust, über Abschied, über diese elementare Erfahrung von Trennung und Abschied, um die kein Mensch der Welt herum kommt. Und “Ride on” riefen die Pferdeknechte auf dem Gestüt, wenn sie die Pferde im Auslaufgehege vor sich her trieben.

Der Running Gag des Abends zum Schluss als Empfehlung: “Ihr erwischt uns heute etwas müde und schlapp. Ihr solltet uns mal einem einem guten Abend erleben.” Versucht´s. Macht´s. Der Mann kann´s.

Ganz am Ende habe ich dann  doch noch versucht, ein schnelles Foto zu machen: kläglich, kläglich. Nicht vorzeigbar. Deshalb nur das offizielle Promotion-Foto (r.), den Link zur Website mit den Tournee-Terminen und ein Link zu einem lesenswerten Beitrag über den Songwriter, dessen Lieder so viele Menschen kennen und lieben aus dem Sunday Indo.

PS: Als Songwriter Jimmy MacCarthy den  Folksänger Christy Moore kennen lernte, war der leichtgewichtige Pferdenarr tatsächlich noch als Jockey tätig. Christy soll ihm damals anvertraut haben, er wäre auch gerne Jockey geworden — was Jimmy angesichts der beachtlichen Körperlichkeit Christy´s zu der Bemerkung veranlasste: “Es gab damals viele sehr nervöse Pferde im Korral”. MacCarthy´s Version von Ride on gestern nacht war übrigens klasse. Heute abend gehts zum Vergleichen: Christy Moore live im Maritime in Bantry.

Ireland, my love: Liebesgrüße aus der Schweiz

Ireland LoveIrlande, mon amour! Ireland, my love! Guten Morgen, Internet-Gemeinde. Und einen ganz besonderen guten Morgen, lieber Peter Stelzer.

Peter ist der Mann, der mich heute morgen heiter wach werden ließ. Er hat mir in die Kommentare von Irlandnews diese Nachricht geschickt:

Suche Wohnort in der Cork-Gegend: Grüezi Herr Bäuche ich bin pensioniert und habe die Freiheit, wohin zu gehen wo ich will. Da ich Irland liebe möchte ich hierhin auswandern – in die Gegend von Cork. Wo empfehlen Sie mir eine Wohnung / Haus zu suchen ? Herzlichen Dank für Ihre Hilfe. Grüsse Peter Stelzer  

Hier meine Antwort:

Lieber Peter Stezer, suche nach den richtigen Worten. Ich wachse der Pensionierung eines Tages auch entgegen und habe schon heute die Freiheit, zu bleiben, wo ich will. Das ist eines unserer wenigen Privilegien in dieser turbulenten Zeit der Umbrüche.

Mal angenommen, Sie lieben eine Frau. Müssen Sie dann auch überlegen, wen Sie heiraten?  Die Antwort liegt in Ihnen, lieber Peter. Für den kleinen Rest gibt es Makler und daft.ie. Ich hoffe, Ihnen eine Hilfe gewesen zu sein.

Vielleicht noch dieses: Ihre Geliebte ist eine Meisterin der Selbstdarstellung. Kennen Sie auch ihre Schattenseiten? Haben Sie sie schon in Ihrer dunklen Winterdepression erlebt, oder sie von ihrer aufbrausenden, stürmischen und kalten Seite ausgehalten? Kleiner Tipp: Gehen Sie doch auf Verlobungsreise. Das macht man heute so. Am besten im November, Dezember und Januar — und schreiben Sie mir eine Karte.     

Grüßli in die Schweiz, Ihr Markus Bäuchle

Sekretariat für Auswanderung und andere kleine Fluchten. 

 

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Verkehrs-Beruhigung auf Irisch

Verkehrs-Beruhigung auf Irisch. Irland-Besucher fotografieren sie immer wieder gerne: Die Tempolimit-Schilder an Sträßchen und Feldwegen, die dem Verkehrsteilnehmer bedeuten, dort nicht schneller als 80 km/h zu fahren wo schon 30 km/h halsbrecherisch wirken. Die sture, manche sagen gedankenlose Umsetzung einer EU-Straßenverkehrs-Richtlinie hat Irlands reich beschilderte Straßen kaum sicherer, dafür aber umso komischer gemacht.

Irland StraßenParadies für Raser: So ist es in vielen Straßendörfern der Insel weiterhin möglich, mit strammen 80 km/h oder gar 100 km/h durchzurauschen — und Bewohner, die sich für Tempo-Limits vor ihren Häusern einsetzen, geben oft frustriert auf, weil sie zu keinem positiven Ergebnis kommen. Weil die so abstrusen wie starren Geschwindigkeits-Regeln der Straßenbehörde für Anwohner oft  lästig bis gefährlich sind, greifen Bürger schon gerne mal zur Selbsthilfe. Mal werden Schilder einfach abmontiert, mal werden sie behutsam uminterpretiert. Hier bremste ein Anwohner eines Wegs bei Glengarriff den Verkehr eigenhändig mit wasserfestem Faserstift ganz flink von 80 auf 8 km/h herunter. Ob´s hilft?

Foto: Markus Bäuchle

Irischer Sonntag: “Dafür werden wir kräftig büßen”

Irischer Sonntag: Auch nach fast 15 Jahren in diesem großartigen kleinen Land höre ich den Menschen manchmal ungläubig staunend zu. Diese Woche gleich zweimal. Paul ruft an, Telefonverkäufer bei unserer Lieblings-Telekom Eircom. Paul kündigt ein Super-Angebot an, das unschlagbar sei und deshalb ein Muss für uns. Bevor wir ins Geschäft kommen, will sich Paul allerdings erst einmal über unsere aktuellen Konditionen beim Konkurrenz-Provider schlau machen. Nach fünf Minuten Wort-Ping-Pong gratuliert mir Eircom-Paul zu unserem Vertrag, der sei wirklich cool: “Du hast das Beste, was Du derzeit bekommen kannst, wir haben da nichts Besseres für Dich.” Schade eigentlich — mir wird wieder einmal klar, warum manche Iren gerne als Ankündigungs-Weltmeister beschrieben werden.

Mein irischer Sonntag: Zoom-verstärkter Blick aus dem Fenster.

Mein irischer Sonntag: Zoom-verstärkter Blick aus dem Fenster.

Wenn es Probleme mit der Wasserversorgung gibt, ist Mike der richtige Mann. Mike lacht gerne und viel. Manchmal weiß man nicht genau worüber. Mike wartet unseren Tiefbrunnen und die mittlerweile betagte Wasserpumpe auf sparsamste Weise. Seit einiger Zeit bereitet uns niedergeschlagenes oxidiertes Mangan in den Leitungen Kopfzerbechen. Unserer besorgte Frage, wie das Problem zu lösen sei, entgegnet Mike mit einem langen Lachen und dem vielsagenden Satz: “Woher soll ich das wissen?” , nur um nachzuschieben: “Das weiß ich genauso wenig wie Du”. Ich deute Mike an, dass ich ihn doch anrufe, weil er der Experte ist und mehr Erfahrung hat mit derlei Erscheinungen. Doch das lässt er nicht gelten. Der Tiefbrunnen sei nichts anderes als ein tiefes Loch im Boden, in dem Wasser zusammenläuft. Reinschauen könne da im Moment keiner von uns beiden. Stimmt irgendwie.

Mike macht sich also an die Arbeit und fragt im entscheidenden Moment, wie er die Reparatur denn nun angehen soll: Mit oder ohne (mehr Erfolg versprechendes) Risiko? Mein Hinweis, er sei der Experte, kontert Mike locker: “Aber es ist Deine Pumpe.” Nun denn, wir haben es zusammen ausgewürfelt, dabei noch viel gelacht und siehe: Das Ergebnis ist gut.

Irlandnews.comWir leben so tief in der irischen Pampa, dass uns der Anschluss an eine zentrale Wasserversorgung in diesem Leben wohl nicht gegönnt ist, manche sagen auch: nicht droht. Denn viele Iren stehen gerade mal wieder auf den Zinnen und wüten gegen die nächsten neuen Gebühren, die es im kontinentalen Europa seit Generationen gibt und die dort niemand ernsthaft in frage stellen würde: Die Water Tax wird eingeführt. Die Wassergebühren kommen. Bislang zahlen nur wenige Iren in städtischen Gebieten für die Wassserversorgung. Das soll sich nun — auch auf Druck der EU – ändern. Die neu formierte zentrale Wasserbehörde Irish Water hat gerade jeden erreichbaren Haushalt mit einem Aufnahmeantrag beglückt. Bis Ende Oktober sollen Mary und Paudy nun schon mal ihre Kontoverbindung durchgeben, damit ab anfang 2015 die ersten Wassergebühren abgebucht werden können. Die Rede ist von 278 € pro Jahr für einen Zweipersonenhaushalt oder einen Familienhaushalt mit zwei Kindern.

Das Protestgeschrei im Land gegen die Wassersteuer nimmt jedenfalls nicht ab: Nach drastischen Steuererhöhungen und der Einführung der Haus-Steuer (Household Charge) wehren sich viele Insulaner gegen weitere Abgaben und Belastungen — und das bisweilen mit kruden Argumenten: Warum für Wasser bezahlen, Wasser gebe es in Irland doch im Überfluss. Es werde kostenlos aus dem Himmel geliefert. Warum also bezahlen? Tatsächlich befindet sich die öffentliche Wasserversorgung in einem desolaten Zustand. Rohre und Überlandleitungen sind vielerorts leck, die Wasserversorung von eine Drittel der im Großraum Dublin lebenden Menschen ist latent bedroht und Wasserknappheit am Wasserhahn ein vertrautes Massenphänomen in diesem regenreichen Land. Nachbar Pat jedenfalls zeigte mir schon einmal die Richtung, in die sein Antrag auf Wassergebühren wandern wird: in die Mülltonne. Er sei die Tinte zum Ausfüllen nicht wert. Pat hat gut reden: Er wird wie wir so schnell nicht in den Genuss von “Irish Water” kommen und wird deshalb auch nicht zu Kasse gebeten. Wir bezahlen jedoch genug für die Instandhaltung unserer eigenen Brunnen. Und für Mike.

Und wie ist das Wetter in Irland? Prima. prima. Etwas mehr Regen jetzt als noch vor Tagen, etwas kühler, aber immer noch klasse. Mit den Worten von Nachbar John: “June, July, August, September —  four phantastic months in a row. Unbelievable”.  Und der Mai war auch ganz ordentlich. Nicht zu glauben. Aber der Blick nach vorne lässt John erschaudern: “Junge, Junge, dafür werden wir kräftig büßen müssen, und das sehr bald schon. Darauf kannst du Dich verlassen.” Oh Boy, da genießen wir doch diesen windstillen blau-grau-anthrazitfarbenen Sonntag umso mehr!

Ein schönes Rest-Wochenende wünscht der Wanderer.

Co Co Cocaine Coast Cork: 80-Mio-Fund!

Fastnet Rock CorkIrlands zwei Gesichter: West-Corks wild zerklüftete Küste am Atlantik, nunmehr bekannt als Wild Atlantic Way, gilt als Inbegriff der natürlichen Küstenlandschaft. Natur pur, nichts als die ewig anrollenden Wellen des Atlantik. Nichts anderes? Wohl, wohl:  County Corks Westküste ist bei Insidern auch als Irlands Cocaine Coast bekannt. Co. Cork´s Cocaine Coast machte gestern ihrem unrühmlichen Nickname wieder alle Ehre: Die irische Marine beschlagnahmte gestern 200 Kilometer vom bekannten Fastnet-Rock-Leuchtturm eine 18-Meter-Yacht, nahmen drei Briten fest und beschlagnahmten 40 Pakete Kokain im Wert von 80 Millionen Euro. Nun witzelt die Welt wieder, dass Co für Cocaine und nicht für County steht.

Die Drogen kamen mit der Makayabella über den Atlantik. Das Boot war Mitte August in Trinidad ausgelaufen, nahm das aus Kolumbien stammende Kokain offenbar vor der Küste Venezuelas auf und erreichte gestern die irischen Hoheitsgewässer, wo die Fahnder der irischen Marine sofort zuschlugen. Die Drogen-Transporteure hatten keine Ahnung, dass sie seit Beginn der Operation unter Beobachtung gestanden hatte. Nun freut sich Irland über den größten europäischen Kokain-Fund der letzten eineinhalb Jahre.

Die Beute der Drogenfischer vor der irischen Cocaine Coast war allerdings schon deutlich größer: Im Jahr 2007 wurde in der Dunlough Bay am Mizen Head Kokain im Wert von 440 Millionen Euro angeschwemmt.,  nachdem schlecht vorbereitete Drogenkuriere den Benzin-Motor ihres Bootes mit Diesel “gefüttert” hatten. Ein Jahr später, im November 2008, ergatterten irische Drogenfahnder an der Porcupine Bank südwestlich vom Mizen Head in einem Sturm der Stärke 7 eine Kokain-Ladung im Wert von 750 Millionen Euro.

Die Drogen aus Südamerika sind üblicherweise für den europäischen Markt und nur zum kleinsten Teil für den übersichtlichen irischen Konsumentenmarkt bestimmt. Interessantes Detail:Auf dem europäischen Festland wird Kokain üblicherweise in einer Reinheit von 55 bis 70 Prozent verkauft. In Irland wird Kokain wesentlich unreiner mit einem Gehalt von lediglich 40 Prozent verdealt. Deswegen leben irische Kokser allerdings nicht zwangsläufig gesünder.

PS: County Corks Cocaine Coast dient den Schmugglern schon seit Jahrhunderten: Vor 200 Jahren wurde in den kleinen felsigen Buchten bevorzugt französischer Cognac an Land gebracht — und das Risiko, in den stürmischen Gewässern Schiffbruch zu erleiden, war auch damals oft größer als das, entdeckt zu werden.

Foto: Markus Bäuchle;  Quelle: Irish Independent v. 25.9.14

Irland zwischen Heißhunger und Erbrechen

Rinder in Irland

Der Vergleich Ire-Kuh: Eine Beleidigung der tierischen Intelligenz?

Schlechte Nachrichten aus Irland? Ist die irische Gesellschaft zumindest so schlau wie eine Kuh? Die Kuh, so provoziert Leitartikler Fintan O`Toole in der Irish Times, lernt unter Schmerzen, den Elektrozaun zu meiden. Aber haben Mary und Paddy etwas aus dem desaströsen Niedergang des Keltischen Tigers gelernt? O`Toole fürchtet: Nein, sie werden die Fehler glatt wieder machen — getrieben von materiellem Wohlstandswunsch und Gier.

Ist es also schon wieder so weit? Steht der zerstörerische Kelten-Tiger 2.0 tatsächlich vor der Tür? Einige Anzeichen deuten darauf hin. Der Immobilien-Poker ist schon wieder in vollem Gange, die Hauspreis-Spirale surrt, es ist wieder von Steuersparmodellen die Rede, aus vielen Ecken ertönt Hurra-Geschrei — und O`Toole sieht die Irische Gesellschaft bereits erneut im “Selbstbeweiräucherungs-Modus”: Alles gut, alles richtig gemacht, alle Zeichen wieder auf Wachstum, Hausbau, Wohlstand. Keine Qualität, nirgends. Vergessen der finanzielle und wirtschaftliche Zusammenbruch,  das Platzen der Immobilienblase. Verdrängt der kollektive Rausch, auf geht´s in den neuen Taumel.

Dabei sind die Voraussetzungen für eine dauerhafte wirtschaftliche und gesellschaftliche Erholung angesichts massiver öffentlicher und privater Verschuldung gar nicht gegeben. Aber das tut nun nichts zur Sache, grenzt wahrscheinlich bald schon wieder an den Tatbestand der Nestbeschmutzung.

Fintan O´Toole sieht trotz einiger Verbesserungen vier Gründe, warum Irland demnächst schon in den nächsten gier-getriebenen Immobilien- und Konsumrausch stolpern dürfte — und er vergleicht das Verhalten seiner Landleute mit Bulimie-Kranken:

“So the chances are that we could very well do it all again. The fatal combination of impunity for shysters, malfunctioning democracy, closed inner circles of lavishly paid “experts” and a very narrow sense of what real national prosperity looks like is still in place.

If anything, having survived an existential crisis for the State, it is even stronger. The system is now in self-congratulatory mode, more convinced than ever of its righteousness. Who needs reforms now that happy days are here again? Yet, without them, unhappy days will return too, in endless cycles of national bulimia – binge and purge, binge and purge.*”

Sind wir wirklich schon im nächsten Zyklus von Heißhunger und Kotzen, röhrt der ordinäre Celtic Tiger tatsächlich erneut?  Die hohe Anfälligkeit Irlands für ungesühnte Wirtschaftskriminalität, das schlecht funktionierende demokratische System, die unkontrollierte Herrschaft der hochbezahlten Gutachter- und Expertenkaste und ein kranker Wohlstands- und Wohlseins-Begriff, der sich ausschließlich an Land- und Immobilienbesitz misst: Dies könnten die Gründe dafür sein, dass sich Irland bereits in den nächsten bulimischen Zyklus aufgemacht hat und dem nächsten Heißhunger abermals das große nationale Erbrechen folgen wird.  Slaínte!

Den kompletten Text von Fintan O´Toole gibt es hier.

Foto: Kühe am Cods Head. © Markus Bäuchle / Wanderlust

Irland Selfies: Kerstin geht Wandern in Irland

Irland Selfie

Sie gewinnt eine Wanderwoche in Irland: Kerstin Koring aus Seligenstadt — hier im Selfie mit Mann Heiko.

Irland Selfies — die Gewinner: Die Irland Selfie Show 2014 ist beendet. Wir haben am Wochenende die Lostrommel angeworfen und die Gewinner ermittelt. Vielen Dank all den vielen Menschen, die sich das Handy auf Armlänge vors Gesicht gehalten haben, um uns ihr Irland-Selfie zu schicken. Das sind die Gewinner:

Kerstin Koring aus Seligenstadt gewinnt eine Wanderreise mit Wanderlust im schönen Südwesten Irlands:  Teilnahme an einer Wander-Woche in Irland mit Wanderlust im April 2015 für 1 Person (im Wert von € 980).

Marcus Rausch aus Wedemark und Claudia Wylegalla aus Laufenburg gewinnen je ein Exemplar der neuen Auflage des Buches “Irland. Ein Länderporträt” von Markus Bäuchle (erschienen am 16. Juli 2014).

Corinne Buchta aus Sissach in der Schweiz gewinnt das neue Buch “Fettnäpfchenführer Irland” von Petra Dubilski.

Glückwunsch und Congratulations allen glücklichen Gewinnern — und eine Brise Trost allen anderen: Nächsten Sommer gibt es wieder ein Gewinnspiel auf Irlandnews.com.

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