Ein Denkmal aus Papier für die Irland-Blogs

Irland Buch

Irland Buch Markus BäuchleEs ist nicht allzu lange her, drei Jahre vielleicht, da waren Irland-Blogs und Irland-Diskussionsforen im Internet äußerst populär. Auf den Blogs wurde diskutiert, gestritten und um die Deutungshohheit gerangelt: Was ist dieses Irland, wie ist es, warum ist es anders, als das was wir von zuhause kennen, warum fasziniert es uns, warum sind manche negativ und andere positiv davon fasziniert? Warum berührt uns dieses Land? Die Zeiten haben sich geändert.

Von der munteren Diskussion ist nicht viel geblieben, sie ist dem schnellen Facebook-Like, der Trägheit der Autoren und dem Hang zu bequemer Selbstreferenzialität gewichen. Der oberlehrerhafte Irland-Chefblogger Bernd Biege in Cavan betreibt heute auf dem Berndlog.com bevorzugt Nabelschau und erzählt sich selber Geschichten aus dem Gemüsegarten und von den Wunden des letzten Krieges.

Die tapferen Nachrichten-Übersetzer und – Abschreiber vom Gaelnet.de sind längst serviceorientiert in anderen Berufen unterwegs und  Nenad, der alte Irland-Hasser, der Irland nur mit “zwei R” zu buchstabieren wusste,  sitzt längst wieder im geliebten Deutschland und wird langsam altersmilde. Er schrieb uns diese Woche: “Man wird es mir nicht glauben, aber … ich vermisse Irrland so ein bisschen. Ist wahrscheinlich nur ein sentimentaler Moment …” .

Nur auf Haralds Irlandlive.com und auf Dirks Blog-for-Ireland scheint ganz dann und wann noch ein heller grüner Geistesblitz auf. Ich selber will mich nicht ausnehmen: Meine Quintessenz, wie ich Irland sehe, warum ich gerne hier lebe, was es bedeutet, hier statt in Deutschland zu arbeiten, habe ich in meinem Buch “Irland. Ein Länderporträt.” ( Foto oben, zu kaufen hier) beschrieben und zusammengefasst. Das Buch ist im August vergangenen Jahres erschienen und hat sich seitdem zu meiner Freude bislang sehr gut verkauft (Ein Dank an die  Leser . . .). Doch damit war auch erst mal Vieles gesagt . . .

Und warum schreibe ich das? Bin ich vielleicht auch schon lange genug in Irland-Dingen unterwegs, um die Freuden und Schrecken der frühen Jahre in milder Erinnerung als das Goldene Zeitalter verkaufen zu müssen? Nein, es gibt einen anderen Grund, und der ist fleißig, klug, schreibfreudig und lebt seit 17 Jahren im County Clare: Petra Dubilski (Foto), seit langem bekannt als Autorin diverser Irland-Reiseführer (“Dumont”), mischte in der Blog- und Foren-Szene als “pema” heftig mit und positionierte sich gerne als freiheitsliebende Gälen-Emanze mit Tendenz zum Linksverkehr.

Dubilski IrlandPetra hat nun in einem semi-literarischen Sidestep der alten Irland-Bloggerszene ein kleines Denkmal gesetzt. Es ist 256 Seiten lang, ganz aus Papier und heißt: “Fettnäpfchenführer Irland. Alles im grünen Bereich“. Das Buch ist gerade im Conbook Verlag erschienen, kostet 11,95 Euro und macht sich geschickt die Vorzüge von Internet-Diskussionen zu nutze. Petra beschreibt eine Dauer-Diskussion  im Blog-Stil zwischen fünf Freunden, die alle auf ihre Art mit Irland verbunden sind. Die geschickt gewählte Struktur erlaubt der Autorin, vor uns ein gepflegtes Einerseits-Anderseits über diesen insularen Ort der Begierde auszubreiten. Da diskutiert die Irland-Realistin mit dem Grünbebrillten, da kommentieren der gemäßigte Irland-Romantiker und der Irland-Experte qua Geburt: der Ire selbst.

Irland Petra DubilskiMit diesem cleveren Konzept kann  sich Petra schreibend einem Land wieder annähern, das sie eigentlich schon viel zu gut kennt und dessen Wahrnehmung bei Besuchern und Urlaubern je nach Standort extrem unterschiedlich ausfällt. Der eine oder andere Blogger mag sich in den Figuren Dubilskis vielleicht wieder erkennen, doch rein fürsorglich gilt für das gelungene Büchlein: “Etwaige Ähnlichkeiten mit lebenden Personen . . . sind rein zufällig”. Wir räsonieren über die Milde Pemas und empfehlen das unter schweren inneren Schmerzen entstandene und gut gereifte Blogbuch:

“Fettnäpchenführer Irland”. Lesenswert. Unbedingt kaufen. Hier. 

Fotos: Ch Links Verlag (1, oben links); Conbook Verlag (2), privat (1, rechts unten)

Irland, das wunderbare kleine Land, feiert sich


Irland, dieses wunderbare kleine Land am westlichen Rand Europas ist schon wieder groß da. Zumindest wenn man der Eigenwerbung des irischen Außenministeriums Glauben schenken darf, die zum Saint Patricks Day 2014 bei allen offiziellen Empfängen in den irischen Botschaften weltweit gezeigt werden wird. Die “animierte Postkarte”, ein Drei-Minuten-Filmchen, das das Ministerium zusammen mit der Tourismus-Agentur Fáilte Ireland produziert hat, macht einen auf breite Brust, auf Selbstvertrauen und Optimismus: Es feiert Irland als den Ort, an dem sich nach der Krise wieder bestens leben und arbeiten lässt, an dem man geradezu sein muss, um nicht das Beste vom Besten zu verpassen.

Das in Bildern und Statements formulierte offizielle Selbstverständnis und die inszenierte Selbstdarstellung Irlands zum Paddys Day 2014 kommen sympathisch und liebenswert daher, aber wie das mit der Werbung halt so ist: Sie ist im schlimmsten Fall eine glatte Lüge, im besten eine liebenswerte einseitige Schönfärberei. Wir haben es hier zumindest mit dem besten Fall zu tun. “Ireland inspires“. Irland inspiriert. Wen? Die ganze Welt natürlich. Cheerio! Alles Grün!

Was meint ihr? Wofür steht Irland 2014 wirklich?

St. Patricks Day: Irland malt die Welt grün an

GizehNoch sechs Tage bis zum grünsten aller Tage: Am kommenden Montag ist St. Patricks Day. Zum irischen Nationalfeiertag am 17. März werden überall in der westlichen Welt berühmte Gebäude und Sehenswürdigkeiten in Grün beleuchtet. “The Global Greening” macht auch vor den Pyramiden von Gizeh (rechts) dem Syndey Opera House, der Christus-Statue von Rio (links), dem Schiefen Turm von Pisa, dem Empire State Building in New York, dem London Eye, den Niagarafällen an der amerikanisch-kanadischen Grenze (unten), dem Berliner Olympiaturm und dem Fußballstadion des FC Bayern München nicht halt.

Niagara-Fälle in GrünNur eine kleine alte Dame mit Hut widersetzte sich bislang erfolgreich der Grünen Welle: Queen Elisabeth II hat dem Ansinnen der irischen Tourismus-Agentur Tourism Ireland, den Buckingham Palace grün zu beleuchten, bis heute nicht nachgegeben. Sie schickte im vergangenen Jahr eine freundliche Absage, während sich der Rest der westlichen Welt gerne vor den grünen Promotions-Karren spannen lässt.

RioMan stelle sich vor, eine andere Nation würde wagen, die Welt zu fragen, ob sie sie einen Abend lang in rot (China),  rot-grün (Libanon), weiß-blau (Israel) oder schwarz-rot-gold tauchen darf. Warum dürfen die Iren, was man den meisten anderen niemals zugestehen würde? Weil sie so niedlich, so friedlich, so freundlich sind? Die grüne Brille wird zum globalen Phänomen.

Das ist die offizielle Liste der Gebäude, Monumente, Denkmäler, Sehenswürdigkeiten und Landschaften, die in diesem Jahr in Grün erstrahlen werden.  Es fehlt Russland, es fehlt China, es fehlt ein Ort in der Ukraine und auf der Krim. Vielleicht weil Grün mehr die Farbe der Hoffnung als die des Friedens ist:

 

TEILNEHMER DES  ‘GLOBAL GREENING’ AM ST PATRICK’S DAY 2014

(2014 erstmals dabei sind die mit einem * markierten Orte)

Deutschland

  • TV tower in Berlin’s Alexanderplatz
  • Allianz Arena, Munich
  • ‘Lighthouse’ building in Düsseldorf
  • Odeonsplatz in central Munich
  • Neumünster church (built over the tomb of St Kilian), Würzburg
  • Town Hall, Würzburg
  • Olympic Tower in the Olympic Park, Munich *
  • Town Hall, Hannover *
  • Irish consulate, Munich *
  • Aer Lingus check-in desks at Frankfurt, Berlin, Hamburg and Munich Airports *
  • AVIAREPS building, Frankfurt *
  • Irish pubs network

Nordamerika

- USA

  • Niagara Falls (on both the Canadian and US sides)
  • ‘Welcome’ sign, Las Vegas
  • Empire State Building, New York
  • City Hall, San Francisco
  • Chicago River
  • Chicago MYSTERY GREENING on 17 March *
  • Chicago “Taking it to the Streets” on 10 March
    - Congress Parkway *
    - State Street *
  • Chicago “Tall Buildings and Chicago Icons” on 11 March
    - 311 South Wacker Drive “White Castle Building” (65-storey skyscraper) *
    - Blue Cross Blue Shield Tower *
    - Chicago Board of Trade *
    - Millennium Park /Jay Pritzker Pavilion *
    - Soldier Field stadium (home to the famous Chicago Bears team) *
    - Trump International Hotel & Tower *
    - Wrigley Building *
  • Chicago “Eating Green Around the City” on 12 March *
  • Chicago “Broadway in Chicago Goes Green” on 13 March
    - Auditorium Theatre of Roosevelt University *
    - Bank of America Theatre *
    - Broadway Playhouse at Water Tower Place *
    - Cadillac Palace Theatre *
    - Oriental Theatre *
  • Chicago “Northside Goes Green” on 14 March
    - State Bank of Countryside *
  • Four iconic buildings in Philadelphia including
    - Cira Center (29-storey skyscraper in west Philadelphia)
    - One Liberty Place (61-storey skyscraper) and Two Liberty Place (58-storey skyscraper)
    - BNY Mellon Center (54-storey skyscraper)

- Kanada

  • Whistler, Canada’s premier ski destination in British Columbia
  • City Hall, Toronto
  • Cabot Tower on Signal Hill, St John’s, Newfoundland and Labrador *
  • Canadian Museum of Nature, Ottawa

Europa

Großbritannien

  • London Eye
  • Clyde Auditorium, affectionately known as the ‘Armadillo’ (SECC), Glasgow
  • Manchester Town Hall
  • The SSE Hydro, Glasgow *

- Österreich

  • Burgtheater (City Hall), Vienna
  • Kaprun Castle, Zell-am-See region *
  • Skiwelt Söll (ski resort) *

- Benelux

  • Manneken Pis statue, Belgium (“dressed” in Irish costume)

- Tschechische Republik

  • Petřín Lookout Tower, Prague *
  • City Hall Viewing Tower, Ostrava *

- Frankreich

  • Sleeping Beauty’s castle at Disneyland® Paris *

- Italien

  • Leaning Tower of Pisa
  • Porta San Giacomo, Bergamo (the imposing entrance to the Città Alta) *
  • Fountain of Piazza dei Martiri, Reggio Emilia *
  • Virgin Fitness Centres in Milan will green their spinning classes *

- Monaco

  • Prince’s Palace

-  Niederlande

  • Evoluon Eindhoven *

- Norwegen

  • Holmenkollen Ski Jump, Oslo *

- Spanien

  • Cibeles Fountain and Palace, Madrid
  • Palacio de Communiaciones, Madrid

- Schweiz

  • Rhine Falls, in Neuhausen near Zurich (one of the highest waterfalls in Europe) *

Australien and Neuseeland

  • Sydney Opera House
  • Sky Tower, Auckland, New Zealand

Schwellenländer

  • The Treasury in the ancient city of Petra, Jordan *
  • Pyramids and the Sphinx, Egypt
  • Taj Mahal Palace hotel in Mumbai, India *
  • Table Mountain, South Africa

 

Feiert Ihr den St. Patricks Day?  Wenn ja, wo und wie?

Fotos: Tourism Ireland

Frühlings-frei: Heute gibt es keine Story

Irischer FrühlingHeute gibt es keine Story auf Irlandnews. Das Wetter ist zu schön! Grüße von der endlich wieder sonnigen Insel. Ein stabiles Hochdruckgebiet wird uns bis Ende der Woche alle Erinnerungen an die Wettergräuel, die Stürme und die Nässe des vergangenen Winters aus dem Gehirn geblasen haben.

Der Frühling ist hier. Das Leben ist schön. Irland ist wunderschön.

Irischer Frühling

Foto: Blick auf die Bantry Bay und die Caha Mountains bei Glengarriff in West Cork.  © 2014 Antje Wendel

 

Irland und Nymphomaniac: Ja er läuft, aber.

Nymphomaniac

Filmplakat von Nymphomaniac

Wie ist das eigentlich mit dem Sex in Irland, werde ich immer mal wieder gefragt. Ist das moderne Irland noch immer eher das züchtig-verklemmte Land, wie es allzu lange unter der strengen Knute der katholischen Kirche bestand oder ist es heute so freizügig, liberal und hemmungslos, wie manche Mitternachtsgeschichten aus  Temple Bar, dem vermeintlichen Sodom und Gomorra der Insel glauben machen wollen? Die Antwort unter Bezugnahme auf die Stichworte gesellschaftlicher Wandel, Liberalisierung, Lebensstile, Werte und Gesetze, ist wahrscheinlich ein Sowohl-als Auch — und soll heute an dieser Stelle nicht gegeben werden. Stattdessen eine interessante Einzel-Beobachtung:

Nymphomaniac, der in ganz Europa seit Wochen erregt diskutierte sogenannte “Skandal-Film” des dänischen Regisseurs Lars von Trier, läuft tatsächlich auch in Irland. Die noch immer existierende Zensurbehörde (die kurz vor der Auflösung steht) hat ihn trotz seiner gehäuften expliziten Sex-Szenen nicht einkassiert, und das Film-Klassifizierungbüro IFCO gab den Film mit einigen verbalen Warnhinweisen für Zuschauer ab 18 Jahren frei. Interessant allerdings: Wer in Cork oder Ballyshannon lebt, muss sich den Filmabend im Kino er-fahren: Nymphomaniac läuft seit anfang März gerade einmal in zwei (!) Kinos landesweit, beide in Dublin — während die großen Zeitungen des Landes so tun, als würde jeder zweite Insulaner den Film sehen wollen.

Gleichzeitig aber kann sich in der Inselrepublik jeder mit einem Internetanschluss und 7,95 € Guthaben den Film online anschauen — und das ohne Verzögerung seit der Irland-Premiere anfang März, und auch nicht auf einer der illegalen Downloadseiten, nein: ganz legal und autorisiert bei www.volta.ie, einem Video-on-Demand-Service für Autoren und Arthouse-Filme. Volta ist Teil des von der EU geförderten europäischen Arthouse-Film-Projekts EuroVoD. Der deutsche EuroVoD-Pertner www.goodmovies.de hat Lars von Triers neuen Film derweil noch nicht im Online-Angebot, er läuft wohl zu gut in den Kinos.

“Nymphomaniac” ist im übrigen alles andere als ein Porno, wie manche Kritiker wüteten, sondern eher “eine wilde, intellektuelle, psychologische, kulturelle Diskussion über Sex ohne Liebe” (Zitat AZ München) — ein guter Film für eine diskursive liberale und offene Gesellschaft, die sich stets aufs Neue verständigen muss, wie es um sie steht.

Jack Taylor DVD: Claudia hat gewonnen

Jack Taylor

Jack Taylor (gespielt von Iain Reed): Irischer Ex-Bulle, Alkoholiker, Frauenschwarm

The line it is drawn
The curse it is cast
The slow one now
Will later be fast
As the present now
Will later be past
The order is
Rapidly fadin’.
And the first one now
Will later be last
For the times they are a-changin’.

Galway Jack TaylorDie Letzte wird die Erste sein. Die Bibel sagt es, unser Haus-Poet Dylan (siehe Zitat) weiß es schon lange, und wir wissen es auch: Heute morgen haben wir unter allen Teilnehmern des Irland-Literatur-Quiz die PreisträgerIn ausgelost. Gewonnen hat die, die sich zuletzt zur Teilnahme entschloss: Claudia Shepherd. Claudia schickte uns gestern nacht quasi in letzter Stunde ein Zitat von James Joyce und hat nun prompt Glück bei der Verlosung gehabt. Glückwunsch, Claudia, das ist dein Preis:

“Jack Taylor” — Die DVDs. Vol. 1, eine 6-DVD-Box inklusive Bonusmaterial.

Claudia schrieb: “Hallo Markus,

also, es war nicht einfach, aus der Fülle von literarischen Werken DAS perfekte Zitat zu finden. Nun habe ich mich aber für Eines entschieden, welches mir aus verschiedensten Gründen sehr gut gefällt: Patriotismus gepaart mit der bekannten Religiosität, der bewiesene Pragmatismus, als auch der ausgesprochene Sinn für Humor, dann noch geschrieben von einem Literaten diese Geschichte über das Copyright in seiner “frühesten Form” finde ich, alles zusammengenommen schon dermaßen Irisch, dass es besser nicht passen könnte.

Meine Schwägerin ist eine Verehrerin von St.Patrick und hat auf einem Kamin eine Statue von ihm stehen. Sie hat mir einen in Form eines Schildes geschnittenen Brustharnisch im Taschenformat in den neuen irischen Farben mit einem Teil seines berühmten Gebets darauf gegeben. Oben ist ein Kreuz, und unten stehen die Worte: Alle Rechte vorbehalten. Dies muss der erste Fall von Copyright in der Geschichte der Menschheit sein.”

aus: James Joyce, Briefe II  (gefunden in “James Joyce für Boshafte”)

Viele Grüße, Claudia

*****

Hier der Pressetext zu “Jack Taylor”:

Irland gilt hierzulande in erster Linie als sogenannte „grüne Insel“ mit idyllischen Landschaften, fluffigen Weideschafen, im Mondenschein tanzenden Elfen & Feen, stets fröhlich Traditionals trällernden rothaarigen, sommersprossigen Menschen – aber vor allem auch trinkfesten Ureinwohnern mit Zweitwohnsitz im ortsansässigen Pub… Die irische Krimireihe Jack Taylor widerlegt alle gängigen Irland-Klischees – bis auf eines. Die TV-Adaption, deren erste sechs Folgen im Winter 2013 vom ZDF gesendet wurden, basiert auf den gleichnamigen preisgekrönten Bestseller-Romanen des Autors Ken Bruen (u. a. Shamus Awards, Grand Prix De Littérature Policière oder Deutscher Krimipreis) der in seiner Geburtsstadt Galway an der Westküste Irlands lebt, wo auch die Handlung der Jack Taylor-Krimis angesiedelt ist (www.kenbruen.com). Charismatischer Titelheld dieses „Irish Noir“-Krimis ist der belesene und moralische, aber bisweilen auch ziemlich aufbrausende Privatdetektiv Jack Taylor. Er ist nicht nur der Damenwelt sondern leider auch dem Alkohol äußerst zugetan, was ihn oftmals in große Schwierigkeiten bringt. So wurde Jack aus dem Polizeidienst gefeuert, weil er einen korrupten Minister bei einer Verkehrskontrolle allzu heftig ins Gesicht schlägt. Fortan ermittelt Jack als Privatschnüffler in bester marlowe‘scher Old School-Manier, der mit seinen unorthodoxen Recherchemethoden und mit Hilfe seiner Mitstreiter Kate Noonan und Cody Farraher die Fälle bearbeitet, die von der irischen Polizei längst als erledigt oder unlösbar ad acta gelegt wurden. Wirtschaftskrise, Selbstjustiz, Drogenvergehen, sexueller Missbrauch von Messdienern, Vorurteile gegenüber Minderheiten – all das sind reale Themen, die in die Geschichten einfließen. Wer könnte einen melancholischen, saufenden und marodierenden Iren besser darstellen als ein waschechter Schotte? Der 52-jährige mehrfach ausgezeichnete Iain Glen brillierte bereits in zahlreichen Film- und TV-Produktionen wie Game Of Thrones, Tomb Raider, Resident Evil, Downton Abbey oder Borgia und verleiht durch virilen Charme der Hauptfigur Jack Taylor die nötige Authentizität und Tiefe.

Irland-Literatur-Zitat 05-03: “. . . dass Godot käme”

Theater von Samuel Beckett

Wladimir und Estragon warten in Erlangen im Markgrafentheater auf Godot (Aufführung 2012, Foto: Jochen Quast)

Wladimir: Morgen hängen wir uns auf. (Pause.) Es sei denn, dass Godot käme.

Estragon: Und wenn er kommt?

Wladimir: Sind wir gerettet.

Samuel Beckett, Warten auf Godot (1952). Das Buch gibt es hier.

Mit diesem Zitat aus dem berühmten absurden Theaterstück  von Samuel Beckett beenden wir heute das Irland-Literatur-Zitate-Quiz auf Irlandnews. Vielen Dank an Alle, die mitgemacht haben und ein Zitat beigesteuert haben. Bliebe noch die Frage an Sabine, die gestern ihren Lieblingsspruch von James Joyce gepostet hat: “Liebe, lüge und sei hübsch. Denn morgen müssen wir sterben.” Wo hat Joyce diesen Satz geschrieben, oder stammt er nicht doch von Dorothy Parker? Und schließlich ein allerletztes Zitat, das Antje Wendel herausgesucht hat. Es stammt aus dem Buch “Falling for a Dancer” von Deidre Purcell:

“Zum ersten Mal in ihrem Leben merkte Elizabeth, wie farbenfroh der Nachthimmel war. Die Gestirne leuchteten nicht nur in dem von ihr erwarteten, eisigen Weiß, sondern sie strahlten in zartem Rosa, Rot und Gelb, ja sogar Grün. Einige Sterne schienen beständig wie Glühbirnen, andere kamen und gingen, wieder andere pulsierten, zitterten und tanzten gar. In Ihem Zustand der Glückseligkeit kam es ihr vor, als hätte irgendein kosmischer Juwelier einen Schatz lebendiger Diamanten auf einem Tuch aus blauem Samt verstreut.”

Wer noch teilnehmen will, hat Gelegenheit bis heute nacht um 24 Uhr. Morgen ziehen wir den Gewinner: Er /sie gewinnt die erste Staffel des Irland-Krimis Jack Taylor auf 6 DVDs. 

Galway Jack TaylorMitmachen und gewinnen: Wer will noch mit-zitieren? Es geht darum, dass Ihr bei Irlandnews selber ein wenig in die Tasten greift: Schreibt uns Eure Lieblings-Passage aus dem Lieblingsbuch Eures irischen Lieblings-Schriftstellers, oder einfach nur Euer liebstes irisches Literatur-Zitat. Englisch oder Deutsch: egal. Irisch bitte übersetzen. Mitmachen ist ganz einfach: Schreibt Euren Beitrag einfach unten in das Kommentarfeld und vergesst Namen und Email-Adresse nicht.

Aus allen Einsendungen verlosen wir diesen Preis: “Jack Taylor” — Die DVDs. Vol. 1, eine 6-DVD-Box inklusive Bonusmaterial.

Und klar: Es gibt keinen Rechtsweg; Teilnahme für alle Menschen ab 16 Jahren; Einsendeschluss ist der 5. März 2014.

*****

Hier der Pressetext der DVD-Vertreiber Edel Motion zu “Jack Taylor”:

Irland gilt hierzulande in erster Linie als sogenannte „grüne Insel“ mit idyllischen Landschaften, fluffigen Weideschafen, im Mondenschein tanzenden Elfen & Feen, stets fröhlich Traditionals trällernden rothaarigen, sommersprossigen Menschen – aber vor allem auch trinkfesten Ureinwohnern mit Zweitwohnsitz im ortsansässigen Pub… Die irische Krimireihe Jack Taylor widerlegt alle gängigen Irland-Klischees – bis auf eines.

Die TV-Adaption, deren erste sechs Folgen im Winter 2013 vom ZDF gesendet wurden, basiert auf den gleichnamigen preisgekrönten Bestseller-Romanen des Autors Ken Bruen (u. a. Shamus Awards, Grand Prix De Littérature Policière oder Deutscher Krimipreis) der in seiner Geburtsstadt Galway an der Westküste Irlands lebt, wo auch die Handlung der Jack Taylor-Krimis angesiedelt ist (www.kenbruen.com).

Charismatischer Titelheld dieses „Irish Noir“-Krimis ist der belesene und moralische, aber bisweilen auch ziemlich aufbrausende Privatdetektiv Jack Taylor. Er ist nicht nur der Damenwelt sondern leider auch dem Alkohol äußerst zugetan, was ihn oftmals in große Schwierigkeiten bringt. So wurde Jack aus dem Polizeidienst gefeuert, weil er einen korrupten Minister bei einer Verkehrskontrolle allzu heftig ins Gesicht schlägt. Fortan ermittelt Jack als Privatschnüffler in bester marlowe‘scher Old School-Manier, der mit seinen unorthodoxen Recherchemethoden und mit Hilfe seiner Mitstreiter Kate Noonan und Cody Farraher die Fälle bearbeitet, die von der irischen Polizei längst als erledigt oder unlösbar ad acta gelegt wurden. Wirtschaftskrise, Selbstjustiz, Drogenvergehen, sexueller Missbrauch von Messdienern, Vorurteile gegenüber Minderheiten – all das sind reale Themen, die in die Geschichten einfließen. Wer könnte einen melancholischen, saufenden und marodierenden Iren besser darstellen als ein waschechter Schotte? Der 52-jährige mehrfach ausgezeichnete Iain Glen brillierte bereits in zahlreichen Film- und TV-Produktionen wie Game Of Thrones, Tomb Raider, Resident Evil, Downton Abbey oder Borgia und verleiht durch virilen Charme der Hauptfigur Jack Taylor die nötige Authentizität und Tiefe.

David McSavage: Der satirische Blick auf Irland

Das halbstaatliche irische Fernsehen RTE gilt als ein wenig verschnarcht, ein wenig altmodisch und behäbig, manche sagen ein wenig gestrig. Die witzigen Momente sind oft die eher unfreiwilligen. Gestern abend in der Polit-Sendung “Prime Time” über die Krim-Krise sorgte zum Beispiel ein technischer Fehler dafür, dass die Tonspur hängen blieb und man den russischen Botschafter in Dublin, Maxim Peshkov, zehn Minuten lang – genau genommen einige hundert Mal — sagen hörte: “Irish Ukrainians, not Russians”. Selbst die eingeblendete Werbung wurde mit dem Satzfetzen unterlegt. Und heute diskutiert die irische Öffentlichkeit wieder einmal erregt über “red-faced RTE”, die “Technik-Deppen” von Donnybrook.

The Savage Eye

David McSavage

Dass auch RTE unterhaltsame, zeitgemäße und gute Programme produziert, soll aber an dieser Stelle nicht in Abrede gestellt werden. Am 19. März etwa startet auf RTE 2 die dritte Staffel von David McSavage´s “The Savage Eye” (frei übersetzt: Der böse Blick), eine so scharfsinnige wie bitterböse Satire über die irische Gesellschaft, die die Defizite, Neurosen und Unzulänglichkeiten der Irinnen und Iren im postmodernen Inselstaat klug, frech und offensiv seziert. The Savage Eye kommt im Stil einer britischen Dokumentation daher, die Irland aus einem vermeintlich anthropologisch-soziologischen Blickwinkel erklärt. Institutionen wie die Garda, Irlands Polizei, die Katholische Kirche, die Familie oder der irische Mann kommen dabei gar nicht gut weg.

Gestern trommelte der Standup-Comedian, Autor und Schauspieler David McSavage (48) mit einem an Bösartigkeiten und Einsichten reichen Beitrag in der Irish Times für seine Fernseh-Serie. In der vierten Staffel wird McSavage Irlands Männer und Frauen aufs Korn nehmen. Auftreten wird Angry Emer, eine sehr professionelle und sehr zornige Karrierefrau. McSavage sagt dazu: “Weenn ich eine Frau im heutigen Irland wäre, ich wäre f…ing zornig”. Allzu lange von den Männern unterdrückt, wolle die moderne irische Frau endlich gleiche Rechte — und tickt dabei regelmäßig aus.

McSavage macht die Männer und die irische Mammy für die Tragödie der Frauen verantwortlich: Irische Mütter verziehen ihre Söhne tradtionell zu unselbständigen und lebensunfähigen Lappen. Aber auch die Frauen bekommen ihr Fett weg: Der Feminismus wird sich nicht gänzlich durchsetzen, weil die Frauen zu uneins und zu sehr miteinander in Konkurrenz stünden. Viele irische Frauen, so der dunkle Komödiant McSavage, führten einen sublimen unterschwelligen Krieg gegeneinander. Das ist starker Tobak. Wir freuen uns auf die neuen Folgen von “The Savage Eye”.

Das Youtube-Video aus dem Jahr 2011 veralbert auf drastische Weise die irische Tourismus-Werbung und die Diskrepanz zwischen Image und Realität. Dublin, so der Slogan, sei “London with Balls”.

Den Beitrag in der Irish Times, in dem McSavage auch ganz gut gegen sich selbst austeilt, gibt es in ganzer Länge hier. Das Foto von McSavage stammt von dessen Facebook-Seite.

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