Der Traum von Irland: Berge, Meer und Bäume

Der Traum von Irland. Fast wären wir irgendwann auf eine Insel vor der Insel gezogen. In Phantasien sahen wir uns schon auf Inishman oder auf Cape Clear. Dann fiel uns auf, dass dort etwas fehlte: Bäume, Sträucher, Hecken, oder gar Wald. Jahre später landeten wir eher zufällig in der Bantry Bay, und der Ort hatte alles, was wir wünschten: Die Berge im Norden, das Meer im Süden, Bäume, Wald und Gärten im Osten und Westen.

Die Berge: Vom Hausberg im Westen über dem Wasser, dem An Gabhal More oder Sugarloaf, könnte ich – so denke ich seit Jahren – jeden Tag Fotos machen. Seit einigen Monaten nun gibt es jemanden, der das tatsächlich tut: Antje Wendel fotografiert den ikonischen Berg über der Bantry Bay jeden Tag von derselben Position in ihrem Garten aus — egal, ob man den pyramidalen Sandsteinfelsen nun gerade sehen kann oder nicht, egal ob er gerade in blauem, gelbem, rotem Licht oder gar nicht leuchtet.

Heute eine kleine Kostprobe. 16 mal der An Gabhal More an 16 Tagen in den Jahren 2014 und 2015.

Berge in Irland

Alle Fotos: © Antje Wendel / Wanderlust

Wanderers Lust: Irlands Berge im Winter

Irland Wandern Winter

Auf dem Gipfel von Knock Bui. Mit ein wenig Mühe zum Panoramablick

Irlands Berge im Winter – Wanderers Lust: Das Winterwandern in den irischen Höhen hat seinen ganz eigenen Reiz. Die Hügel und Hänge kleiden sich in gelb und braun, manchmal leuchten sie goldbraun: Der Boden steht in der Nässe —  tief und manchmal rutschig bis glitschig. Es quietscht, schmatzt und schlürft unter den Schuhsolen: Wasser.  Man muss jetzt besonders aufmerksam gehen. Andererseits liegt die Vegetation im Wortsinne am Boden — das Terrain zeigt sich in den Wintermonaten kurz frisiert und besonders übersichtlich. Ein leichter Frost kann die Bedingungen schnell ändern: Der Schritt federt dann kräftesparend über den harten Boden.

Knock Bui, County Cork

Knock Bui, County Cork

Das Winterwandern jedenfalls macht auf seine ganz eigene Weise Laune — und wer in Irland vom Trekking-Virus infiziert ist, zieht vor allem in den Wintermonaten in die Berge. Das ist hier Tradition, zumindest bei den wenigen Einheimischen, die gerne in die Berge gehen. Am Wochenende wanderte ich mit einer irischen Gruppe zum Knock Bui, dem höchsten Berg in County Cork. Wir hatten jede Menge Spaß, es war anstrengend, es war für manche herausfordernd und es war beglückend — wie immer dort draußen. Ich erinnerte mich unterwegs plötzlich wieder an einen Beitrag, den ich vor zwei Jahren in einem damaligen Irland-Magazin geschrieben hatte.

Edna Butler am Wasserspeicher von Durraduff

Die irische Wanderführerin Edna Butler am Wasserspeicher von Derryduff

Unglaublich aber wahr — dessen Aussage ist weiterhin gültig: Weil die Images dazu nicht existieren, weil “man” im Winter Ski Fahren in den Alpen oder Rücken Rösten im Süden geht, weil es nicht in die gängigen Denk- und Gefühls-Schablonen passt, gibt kein Kontinental-Europäer eine Woche Zeit dran, um im Dezember oder Januar in Irland wandern zu gehen. Oder doch? Ich gebe nicht auf . . .  Deshalb hier der Beitrag noch einmal:

Wie sind denn eigentlich die Winter in Irland?

Ich werde manchmal von Gästen gefragt, wie denn die Winter in Irland so sind? Was wir dann machen, wenn alle Gäste weg sind, ob es dann nicht einsam wird auf der Insel und ganz besonders in den abgelegenen Feriengebieten an der atlantischen Westküste?

Wenn die Saison vorbei ist, wenn die Gäste zurück in die Heimat reisen, wenn die Hotels und Restaurants ihre Mitarbeiter in die verdiente Erholungspause schicken und ihre Pforten für einige Wochen schließen, dann kehrt tatsächlich große Ruhe ein in ländlichen Regionen wie West Cork. Die Straßen leer, die Bürgersteige wie hoch geklappt, die Dörfer wie ausgestorben. Es ist eine fast heilige Ruhe, die wir wie viele andere Einwohner nach einem so schönen wie anstrengenden Sommer schätzen und genießen.

Dennoch frage ich unsere interessierten Gäste manchmal zurück, warum eigentlich niemand auf die Idee kommt, Irland auch im Winter einen Besuch abzustatten. Warum gilt die Insel als ein typisches Frühjahr- bis Herbstziel? Warum werden die vier Monate von November bis Februar so gut wie immer ausgeklammert?

Weil Irland ein Nordland ist? Weil das Wetter dann schlechter wäre? Die Antwort ist: Mancher November in den vergangenen paar Jahren geriet fast wonniger als der berühmte Wonnemonat Mai. Zumindest aber trockener.

Weil die Tage dann kürzer sind und sich das Licht der Sonne rarer macht? Das muss man gelten lassen und kann doch entgegnen: Der Winterhimmel in Irland hat seine ganz eigenen Qualitäten. Und die schönsten . . .

Sundown über dem irischen Atlantik. Februar 2015

Sundown über dem Atlantik. West Cork Februar 2015.

 

. . . gibt es zweifellos im Winter. 

Weil viele Hotels, Gaststätten und Sehenswürdigkeiten dann geschlossen haben? Das stimmt am ehesten. Denn auch die Tourismuswerber Irlands, die regelmäßig über die zu kurze Saison jammern, scheuen vollkommen davor zurück, Irland als attraktives Winterziel bekannt zu machen und zu bewerben.

Es ist im Ausland wenig bekannt, dass für die eingefleischten irischen Wanderer die Bergsaison erst im späten Herbst beginnt und dass sich Irlands Berge gerade im Winter einiger Beliebtheit erfreuen. „Winter Hill Walking“, das Bergwandern im Winter gehört für einheimische Naturfreunden genauso zum Jahr wie das Weihnachtsschwimmen oder der Patricks Day.  

Auch ich bin gerne im Winter in den Bergen und an der Küste Irlands unterwegs. Die wunderbare Funktionskleidung, die uns Merinoschaf und Gore-Tex heute bescheren, macht es uns leicht, bei fast jedem Wetter draußen zu sein und die Bewegung zu genießen. Ob Schnee, Eis, Regen oder einfach nur tiefer Boden und Matsch: Die richtige Kleidung und die richtigen Stiefel halten uns viele Stunden trocken, warm und behaglich, selbst wenn das Wetter wirklich anspruchsvoll sein sollte.

Im Winter sitze ich oft und lange am Schreibtisch und widme mich umfangreicher Schreibarbeit. In einem der kommenden Winter will ich mich aber mit ein paar Gleichgesinnten zusammen tun, um mit ihnen eine Woche lang alle Wetter des irischen Winters und die anschließenden Freuden eines Hot Whiskeys am knisternden Kaminfeuer auszukosten. Wer wissen will, wie der Winter in Irland wirklich ist, und wer denkt, dass Winterwandern für Wetter-Unempfindliche ein großer Spaß ist, kann gerne Kontakt aufnehmen. Ich freue mich drauf.

Unglaublich: Auf diesen Beitrag habe ich im Winter 2013 keine einzige Rückmeldung erhalten. Keine. Das ist selten. Dabei sind die Sonnenuntergänge am Atlantik und über dem Atlantik im Winter wirklich am Schönsten ;-)  und der Winter 2015/16 kommt bestimmt. . . : markus@wanderlust.de (Mein kleiner Traum ist es, mit acht wetterfesten und natur-erfahrenen Leuten eine Woche lang los zu ziehen).

PS: Wer lieber im Frühjahr und im Sommer mit uns wandern geht: Unsere erste von sieben Irland-Wanderwochen dieses Jahres findet ab dem 25. April statt, die erste Irland-Aktiv-Woche ab dem 27. Juni, und die erste Wildnis-Woche des Jahres in Irlands Bergen – darüber demnächst mehr an dieser Stelle – startet am 6. Juni. Alle Termine gibt es auf www.wanderlust.de und www.irland-wildnis.de 

 

Die irischen Berge im Winter: braun bis gold-braun

Die irischen Berge im Winter: gelb, braun, gold-braun

 

Alle Fotos:  © Markus Bäuchle / Wanderlust 2015

 

Irland ganz privat: Neue Suche nach alten Wegen

Das alte IrlandThe map ist not the territory, sagt der Ire: Die Karte ist nicht das Gebiet. Wir alle tragen eine Vorstellung von unserer physischen Umgebung in uns. Wir benutzen innere Landkarten, die uns Orientierung in unserer Straße, unserem Dorf, unserem Stadtteil geben. Jeder Mensch liest diese inneren Landkarten – und immer sind sie subjektiv, manchmal falsch, veraltet oder zumindest mit dem Gebiet, der physischen Realität, nicht in Einklang zu bringen. Ist das der Fall, neigen wir zum Verlaufen, Verirren und uns Verlieren.

Unser Nachbar P.J. – die Abkürzung steht für Patrick John – ist Farmer aus Leidenschaft. Während andere Menschen seines Alters mit 70 Jahren der Muse frönen oder die Rest-Gesundheit tagesfüllend verwalten, treibt P.J. munter seinen kleinen Bauernhof um. Er arbeitet gerne und viel. P.J. ist ein irischer Farmer alter Schule. Er liebt das Land, die Felder, die Tiere, die Offenheit der Landschaft. P.J.s innere Landkarten wurden zu einer Zeit angelegt, als Irland ein anderes Land war.

Wir gingen kürzlich zusammen über Land (Foto). Es war ein Mittwoch. Im Sonntagsaufzug zeigte mir P.J. seine Ländereien. Die knöcheltief nassen Kuhpfade, auf denen wir uns bewegten, konnten der Krawatte nichts anhaben. Die gut gedüngten Wiesen ziehen sich bis hinunter ans Meer. Ist das Gras erst einmal nachgewachsen, werden hier schon bald wieder Rinder weiden.  Der Ortschafts-Name Ardaturrish (Ard a Turris) weist auf eine frühere Bedeutung hin: Die Höhe der Pilgerschaft. Und tatsächlich lassen sich hinter Weißdornhecken, unter Brombeergestrüpp und inmitten kleiner Baumgruppen zahlreiche Spuren verschwundenen Lebens erkennen: Die einst als heilig verehrte Quelle, die die Menschen der Gegend an festgelegten Tagen im Jahr betend umrundeten. Hausruinen aus der Zeit der Famine Mitte des 19. Jahrhunderts, als der große Hunger die Ortschaft Ardaturrish und vor allem das angrenzende Ardnamanagh fast vollständig ausradierte.

PJs Land

Unten im Feld ein Killeeen, ein Grabfeld aus jener Zeit, wo die Opfer des Hungers und der Seuchen in einem Massengrab liegen. Der Landbesitzer, P.J.s Nachbar, fährt beim Mähen immer schon einen großen Bogen um die Markierungen aus Stein, die entfernt an heutige Grabsteine erinnern. Dort unten am Meer die letzten Reste eines Forts, daneben das Sailor´s Grave: Dort hat es vor langer Zeit, genaue Angaben gibt es nicht, die Überreste eines fremden Matrosen angeschwemmt. Und schließlich, dort drüben, zwischen den Bäumen, die Überreste eines kleinen Klosters. Hier haben einmal Mönche gelebt — nahe am Meer und vielleicht nahe bei Gott.  P.J. erinnert sich gut, wie die Leute der Gegend die Steine der Kloster-Ruine abtrugen, um sie für den Bau ihrer Häuser zu verwenden.  Wann das war? Vor langer Zeit.

Wir suchen die alten Wege zwischen den alten Häusern, die Straße, die parallel zur Küste die Ortschaften miteinander verband. Sie alle existieren auf PJs inneren Landkarten noch immer. Doch jenseits seiner Wiesen ist Irland ein anderes Land geworden. Hermetisch, verriegelt, abgeschottet. Die alten Wege und Sträßchen sind verschwunden, die Verbindungen sind durch Zäune, Hecken und Tore gekappt. Irland ist kein offenes Land mehr, in dem das ungeschriebene Gesetz der freie Zugang zum Land war: You cannot stop a man from walking your land . Du kannst einen Mann nicht davon abhalten, über Dein Land zu gehen. 

Auf unserer Suche nach dem alten Gebiet, das zu den inneren Karten passt, begegnen wir hinter hohen Zäunen einem stolzen Ferienhaus-Besitzer. Der Mann macht uns schnell klar, dass wir völlig am falschen Platz sind. Gemäß seiner inneren Karte ist das alleine sein Revier. Hunde heben in solchen Situationen das Bein — der neue Nachbar kläfft nur. P.J. lässt sich von der Ärgerlichkeit nicht anstecken, er wirkt allenfalls irritiert: Heute wollen viele Menschen ungestört sein, sie verlangen nach ihrem Privatbereich. Nein, er mag das nicht, diese Privacy, die Abschottung, die Zäune, die neuen inneren Karten, die vom Haben-Müssen gezeichnet wurden: Meins. Privat. Bleib draußen. Alles innerhalb des Zaunes gehört nur mir. Privat-Eigentum. Keep out. Bye-bye Gemeinde.

PS: P.J.s innere Landkarten wurden zu einer Zeit angelegt, als Irland ein anderes Land war. Das heißt nicht, dass seine Karten unzeitgemäß oder veraltet wären. Sie enthalten wahrscheinlich mehr Informationen über eine lebenswerte Zukunft, als es manchem Besetzer-Besitzer, Zaunbauer und Torwächter lieb ist.  

Orte in Irland: Der Stein und das Blut

Berge Irland
Es gibt Zeiten, da möchte ich aus der Menschheit austreten und mich einem großen wogenden Wald anschließen, oder einer Tierherde, die mehr oder minder friedlich durch die Savanne streift.
 Mit den Wildgänsen ziehen, oder mit dem Atlantischen Lachs. Gerade ist eine solche Zeit. Mit diesen Gedanken bin ich aufgewacht. Ukraine, Minsk, Athen, Brüssel, Nigeria, Irak, Syrien, Washington, Moskau, München, Frankfurt am Main. Irgendeinen Krisenherd vergessen? Keine Spezies tut sich schwerer mit dem friedlichen Zusammenleben als wir Menschen. Mein Gott, was hättest Du besser gemacht, wenn es Dich gäbe? (Version für den gläubigen Menschen: Mein Gott, warum ist Dir dein “Meisterwerk” beim Schöpfen, am Nachmittag des sechsten Tages muss es gewesen sein, so aus dem Ruder gelaufen?)

Dann richten sich die Gedanken in Richtung der nahen Berge, der Blick gleitet langsam über den weiten Atlantik — und ich beschließe wieder einmal, zu bleiben. Mensch, das Leben ist wunderbar. Trotzdem. Erste Male sind besondere Erlebnisse. Vorgestern bestieg ich zum ersten Mal einen Berg, den ich seit 15 Jahre kenne. Ich bin so oft an ihm vorbeigefahren, er lag stets vor mir als immer währende Möglichkeit — ein großer rundlicher Klotz aus zerfurchtem altem Sandstein — über der Bucht auf der Beara Halbinsel. Nur 350 Meter hoch und doch ein solider Brocken: der Mountain. Still grüßt er die Autofahrer, die Richtung Lands End unterwegs sind oder über den Pass kurven. Er liegt dort seit Ewigkeiten, er hat viel mit gemacht, ist weit gereist, war schwer unter Druck, hat tief eingewirkte Falten und Furchen, ist gar ein wenig herunter gekommen im Vergleich zu früheren majestätischen Höhen — und doch liegt der steinalte Solitär gelassen, souverän und im Frieden mit seinen Nachbarn in der Landschaft der Cahas.

Fisch Vogel Schaf

Man sieht es auf der Küstenstraße: Hoch oben, unterhalb der 300-Meter-Linie, leuchtet ein mächtiger Kiesel im Fels in den Farben rot-weiß und irritiert  Touristenaugen. Seit einigen  Generationen steigen jedes Jahr Menschen mit Farb-Eimern auf den Berg. Sie gehen im nassen Moor und kraxeln über Sandstein-Kaskaden, steuern zielstrebig den mächtigen Findling an, der wie ein archaisches Tier, mal  Fisch, mal Vogel, mal Säuger-Schädel auf einer Felskante ruht — zur Weiterreise bereit, aber seit einem Wimpern-Schlag der Erdgeschichte ohne Mitfahrgelegenheit. Der letzte große Gletscher hatte den erratischen Block vor zehntausend Jahren dort hingeworfen, ihn bei seinem tränenreichen Rückzug am Ende der Eiszeit liegen lassen. Der Findling verbindet uns mit der Zeit, als die Meeresbucht dort unten noch ein Tal war, eine grüne Talaue mit einem Süßwassersee in der Mitte, dem Bantry Lough.

Was motiviert Menschen, einen einzelnen Steinblock hoch oben in der Einsamkeit einer bizarren Felslandschaft mit roter und weißer Farbe zu bemalen? Sind das archaische Riten, vorchristliche Bräuche? Wussten und wissen sie um eine tiefere Bedeutung des Ortes?

Der Mensch ist nicht nur feindseliger Krieger. Wenn er friedlich kämpft, wird er zum Spieler. Homo ludens. Sport ist deshalb so etwas wie die Weiterführung des Krieges mit friedlichen Mitteln. Die Menschen mit den Farbeimern waren, sie sind Anhänger des Spiels. Der Berg grüßt in den Farben der Mannschaften von Cork: rot und weiß. Die Krone des Gaelic Football für die Kämpfer von Cork. Up the Rebels. Rot-weiß vor grün-gelb. Der All Ireland Pokal will nach Hause geholt werden, Jedes Jahr aufs Neue. Noch herrscht Ruhe auf den knöcheltief nassen Football-Feldern Irlands. Doch bald steigen die Kellys von Beara wieder hoch hinauf, um das steinerne Urtier zum Leuchten zu bringen. Weithin sichtbar die Farben der Unschuld und des Blutes. Lasst uns spielen.

Wandern und Fotografieren in Irland mit dem Profi

Ethereal Dawn

Dämmerung am Loop Head, County Clare

Wanderlust Irland und der bekannte Landschafts-Fotograf Carsten Krieger veranstalten in diesem Jahr zwei Foto-Wanderwochen im Südwesten Irlands. Vom 4. bis 11. April und 12. bis 19. September haben wandernde Fotografen und fotografierende Wanderer Gelegenheit, die schönsten Orte des irischen Südwestens zu Fuß zu erkunden, ihre Fotografie-Kenntnisse zu verbessern und bleibende Erinnerungen in Form guter Fotos mit nach Hause zu nehmen. Wir sprachen mit Carsten Krieger, der seit zwölf Jahren in Irland lebt und arbeitet, über diese beiden ganz besonderen Ferienwochen — und zeigen einige seiner Fotos.

Carsten Krieger

Carsten Krieger

Hallo Carsten, bevor wir los legen, darf ich Dich bitten, Dich kurz vorzustellen?

Ich bin 1971 in der Nähe von Nürnberg geboren und dort aufgewachsen. Seit 2002 lebe ich mit meiner Familie in Kilbaha, einem kleinen Dorf am Ende der Loop Head Halbinsel im County Clare.

Du bist heute einer der besten und bekanntesten Landschafts-Fotografen in Irland. Du lebst in Irland.  Wie kam es dazu? Gezielte Lebensplanung oder auch Glück und Zufall?

Beides denke ich. Ich fotografiere seit meinem 8. Lebensjahr und Fotograf war schon immer mein Traumberuf. Meine Eltern wollten allerdings, dass ich einen “anständigen” Beruf lerne und nach dem Zivildienst wurde ich erstmal zum Kinderkrankenpfleger ausgebildet und habe dann zehn Jahre auf einer Station für Knochenmarktransplantation gearbeitet.

Irland kam während dieser Zeit in mein Leben: Ich war ein grosser Fan von JRR Tolkien und in einer seiner Biografien wurde erwähnt, dass Irland einen großen Einfluss bei der Erschaffung von Mittelerde spielte. Das war der Grund für meine erste Irlandreise. Der Rest ist, wie man so sagt, Geschichte. Es war Liebe auf den ersten Blick und ich habe mich in Irland sehr schnell weitaus mehr zuhause gefühlt als in Deutschland. Meine Frau teilte dieses Gefuehl glücklicherweise und 2002 haben wir dann einfach den Sprung gewagt, haben unsere Zelte in Deutschland abgebrochen und sind nach Irland umgezogen.

Ich habe die Gunst der Stunde dann auch noch dazu genutzt, mich als Fotograf selbstständig zu machen. Das ist nicht ganz einfach, wenn man im wilden Westen wohnt wie sich heraus stellte, aber ich hatte wohl das “Luck of the Irish” und habe sehr bald einen Vertrag für mein erstes Buch bekommen.

Glengarriff Harnour

Glengarriff Harbour, County Cork

Welche Bereiche der Fotografie interessieren Dich am meisten?

Naturfotografie war immer der Bereich, in dem ich arbeiten wollte: Tiere, Pflanzen, Landschaften. In einem Land wie Irland ist das fast eine selbstverständliche Wahl. Ausserdem bin ich gerne draussen unterwegs, und die notwendige Computerarbeit ist für mich nur ein notwendiges Übel. Allerdings hat sich im Laufe der Jahre herausgestellt, dass man als Fotograf im Westen Irlands etwas flexibel sein muss um zu überleben, und so arbeite ich seit einigen Jahren in so ziemlich allen Bereichen von der Portrait- bis zur Food-Fotografie.

Am Anfang war ich alles andere als glücklich darüber, aber inzwischen denke ich, dass diese Vielseitigkeit sich positiv auf meine Fotografie auswirkt. Ich bin weitaus offener geworden, Neues auszuprobieren und das resultiert in besseren Bildern.

Timoleague

Die Kathedrale in Timoleague, County Cork

Welches Deiner acht Foto-Bücher gefällt Dir eigentlich selber am besten?

Bisher würde ich keines als perfekt bezeichnen, sobald ein Buch gedruckt ist und ich es in Händen halte, finde ich Dinge, die ich anders hätte machen sollen. Aber mein Buch  Ireland’s Coast kommt dem, was ich erreichen wollte, schon sehr nahe.

 Wie hast Du Deine Liebe zu Irland entdeckt?

Meine erste Erinnerung an Irland ist der Geruch eines Torffeuers, Nieselregen und die dunklen Strassen von Dingle nach einem langen Tag auf dem Fahrrad. Ich kann nicht erklären warum, aber dieser Moment war für mich als wäre ich zuhause angekommen. Ich denke, ich war vermutlich nie ein guter Deutscher und der etwas lockerere Lebensstil der Iren, nicht alles so ernst nehmen und eine leicht rebellische Grundeinstellung, liegt mir mehr. Und dann ist da natürlich die Landschaft. Den Atlantik vor der Haustür zu haben, das hat schon was.

Sturm am Atlantik

Sturm am Atlantik

Warum lieben Fotografen die grüne Insel mehr als andere Destinationen?

Irland ist unter Fotografen leider etwas in Vergessenheit geraten, Island und Skandinavien sind gerade “in”… Was mir an Irland gefällt, ist die Vielseitigkeit der Landschaft: Klippen, Strände, Berge, Seen, Flüsse, … und alles nur wenige Autominuten voneinander entfernt. Ich kann einen Sonnenaufgang mit Wald und Feldern aufnehmen, danach den Tag in den Bergen verbringen und am Abend einen Sonnenuntergang am Strand fotografieren. Um von einem Platz zum anderen zu kommen brauche ich nur Minuten. Ich denke das gibt es nur in Irland.

Im April schon leitest Du die erste unserer Foto-Wanderwoche in diesem Jahr. Was dürfen die Gäste erwarten?

Klippen, Strände, Wälder, Seen, Flüsse, … und ein Irisches Frühlingserwachen. Da Irland sehr milde Winter hat, fängt der Frühling hier meistens schon im Februar an. Irland ist als die Grüne Insel bekannt, aber die meisten Besucher kennen nur das etwas abgestandene Grün des Sommers. Im Frühling ist hier alles frischer und farbenfroher, und das werden wir hautnah (im wahrsten Sinne) erfahren. Je nach Wetter des Tages – statistisch und aus eigener Erfahrung sind März, April und Mai eher trockene Monate – werden wir uns in die Berge und Wälder oder an der Küste entlang schlagen. Neben der Landschaft gibt es auch Möglichkeiten, die Flora und Fauna der Gegend kennen zu lernen und die geschichtlich Interessierten werden auch nicht zu kurz kommen: Steinkreise, alte Kirchen und Friedhöfe stehen auch auf dem Programm. Das und natürlich jede Menge Zeit, Tips und Tricks zum Fotografieren.

Gougan Barra im County Cork

Gougan Barra im County Cork

Kann das der Gast das Alles nicht auch alleine sehen und erleben?

Es gibt zwei Versionen von Irland: Zum einen gibt es da das Touristen-Irland mit den “wichtigen” Sehenswürdigkeiten. Das ist zwar auch sehr schön, aber dieses Irland muss man sich mit vielen anderen Besuchern teilen und oft bekommt man auch nur eine gestylte Postkartenversion der Insel. Das andere Irland, das wahre Irland, versteckt sich meist an kleinen Straßen und Feldwegen, weit weg vom Touristen-Irland, und erfordert etwas Fußarbeit. Das ist das Irland, das wir während der Foto -Wanderwoche entdecken werden.

Burren

The Burren, County Clare

Was macht eigentlich den Unterschied zwischen einem guten und einem mittelmäßigen Foto aus?

Zum einen ist da der technische Aspekt, richtige Belichtung, Tiefenschärfe,Perspektive und Bildaufbau. Das sind alles Dinge, die man beherrschen sollte und die, wenn man sie beherrscht, sehr oft schon einen großen Unterschied und aus einem mittelmäßigen Bild ein klasse Bild machen.

Themenwahl und Komposition sind allerdings eine ganz andere Geschichte. Ob ein Bild gut oder schlecht ist, liegt oft im Auge des Betrachters. Es gibt zwar eine ganze Reihe von Regeln, die wir uns alle waehrend der Woche ankucken werden, aber am Ende geht es darum, ein Gefühl und einen besonderen Moment einzufangen. Wenn ein Bild eine positve emotionale Resonanz hervorruft, dann ist es in der Regel ein gutes Bild. Im Prinzip geht es darum, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und mit etwas Wissen, Einsatz und Erfahrung kann fast jeder Weltklasse-Bilder machen.

Sonnenuntergang am Sheeps Head, County Cork

Sonnenuntergang am Sheeps Head, County Cork

Für wen ist diese Fotowander-Reise das Richtige – also wer sollte dabei sein?

Wie der Name schon sagt, ist die Foto-Wander-Reise das richtige für Leute, die gerne wandern und fotografieren. Leute die gerne draussen sind, sich gerne bewegen, aber noch etwas mehr als müde Füße und tiefe Zufriedenheit mit nach Hause nehmen wollen, und für die, die sich gerne  eingehender mit ihrer Umgebung beschäftigen möchten.

Ich danke Dir für das Gespräch!

Alle Fotos dieses Beitrags stammen von Carsten Krieger.

Wenn Sie an der Foto-Wanderwoche in Irland interessiert sind: Hier gibt es alle Informationen: www.foto-wandern.de 

Mehr über Carsten Krieger finden Sie hier : www.carstenkrieger.com

Canrooska River, County Cork

In Irland leben. Nicht zur Nachahmung empfohlen?

Irland Meer

14 Gründe, warum ich Irland liebe und hier lebe. Der Beitrag vom Wochenende (hier nachzulesen) warf bei Lesern die Frage auf, warum ich den eigenen Schritt, von Deutschland ins ländliche Irland umzuziehen, nicht unbedingt zur Nachahmung empfehle. Um mich nicht der fahrlässigen Schwärmerei verdächtig zu machen, heute ein Blick auf die dunkle Seite der grünen Wiese. Und die Einschränkung: Ich rede vom Leben auf dem Land, die Rede ist nicht von Arbeitsmigration in den urbanen Großraum Dublin. Meine generelle Antwort:

:: Weil die Menschen verschieden sind: Was für den einen passt, kann für den anderen höchst unpassend sein.

:: Weil man immer auch Glück braucht: Grenzüberschreitende Umzüge bergen mehr Risiken als Binnenumzüge. Schön, wenn alles klappt, doch Garantien dafür gibt es natürlich nicht. 

:: Nur weil man “die Iren” lustig und nett findet, gehört man nicht automatisch schon dazu. Jenseits der kommunikativen Freundlichkeiten im Pub oder beim Schwatz auf der Straße hört die Verbindlichkeit schnell auf. Manche reden vom Closed Family Shop. Isolation kann die Folge sein. 

:: Weil die irischen Winter lang, dunkel und meistens nass sind. Nicht Jeder erträgt dieses Klima.

:: Weil nicht Jeder gut mit sich allein sein kann und nicht Jede das Fehlen von Zerstreuung als Bereicherung empfindet.

:: Oder deswegen: Weil Träume hier enden.

All das spricht nicht gegen den Schritt. Es spricht aber nicht automatisch dafür. Träumen muss erlaubt sein, die Realität sieht dann meist ganz anders aus. Auch im landschaftlich wunderschönen Irland gibt es einen Alltag zu leben, gibt es viele Dinge, die nerven, gibt es Nachbarn, TÜV, Zeitdruck, Stress und überfüllte Krankenhäuser — und gibt es für die meisten Menschen den Zwang, ihren Lebensunterhalt zu verdienen (wenn man nicht gerade zu dem einen Prozent der Weltbevölkerung gehört, das mittlerweile 50 Prozent des weltweiten Wohlstands besitzt — und damit mehr als alle anderen zusammen*.) Das habe ich versucht, im Grund 9 positiv auszudrücken:

Weil hier zu leben eine Herausforderung ist: Vollkasko-versichertes Leben geht anders. Ohne eigene Initiative geht nicht viel. Trotz der vielen schönen Natur. Das spornt stets  an.

Den einen spornt es an, es kann aber auch lähmen. Die Zahl sicherer Arbeitsplätze an der Atlantikküste im ländlichen Irland ist sehr überschaubar, die Zahl prekärer Lebensverhältnisse umso größer. Während viele Iren gut geschulte Überlebenskünstler sind und im Zweifelsfall, wenn es eng wird, sich ins Flugzeug setzen und dorthin reisen, wo sie Verwandte, Arbeit und eine bessere Zukunft vermuten, gehen Kontinental-Europäer lieber erst mal aufs Arbeitsamt.

Viele Umsiedler und Einwanderer machten die Erfahrung: Wenn das Feriengefühl erst einmal aufgebraucht ist, beginnt das wirkliche Leben in der Wahlheimat, und das kann ganz schön ent-täuschend im besten Wortsinne sein.  Das wäre zu bedenken, bevor man/frau die Koffer packt und die Umzugsampel auf grün springt.

Wer hat Erfahrung? Eure Meinung ist gefragt. 

* Spiegel Online vom 19. Januar 2015: http://www.spiegel.de/wirtschaft/ungleichheit-superreiche-besitzen-mehr-als-die-anderen-99-prozent-a-1013655.html

 

Nach Irland zum Wandern? Go Wanderlust.

irland Wandern WanderlustLiebe Irland- und Wanderfreunde,

Irland ist faszinierend anders. Irland ist intakte Natur, Raum und Weite, Irland ist Ruhe und Frieden, das ewige Spiel des Lichts und der Wellen am Atlantik. Wanderlust, der kleine irisch-deutsche Wanderspezialist in West Cork zeigt Ihnen Irland am “Wild Atlantic Way” von seiner schönsten Seite.

Zwischen April und September 2015 veranstaltet Wanderlust 20 Wander-, Erlebnis und Aktiv-Wochen für Sie. Ferien mit Wanderlust an Irlands Atlantik-Küste: Sie wohnen elegant im Country House in der Bantry Bay direkt am Meer. Wir wandern in den Grafschaften Cork und Kerry, dort wo die grüne Insel am schönsten ist. Wo sich uralte Berge, Pflanzen-Paradiese und der weite Atlantik begegnen.

Wanderlust- Gäste sagen: Ferien mit Wanderlust sind so faszinierend anders wie Irland es ist. Wanderlust-Gründer Markus Bäuchle sagt: “Wir möchten Ihnen gerne Irland vorstellen, wie wir es lieben.”

Heute sind die Wanderlust News 1-2015 mit allen Informationen und Neuigkeiten für die kommende Wandersaison erschienen, die im April beginnt. Den Newsletter gibt es hier   

Sie können sich auch hier ausführlich informieren: www.wanderlust.de.

14 Gründe, warum ich Irland liebe und hier lebe

Am Wild Atlantic Way
Winter 2015. Vor fast 15 Jahren
 sind wir aus München aufgebrochen und nach Irland umgezogen. Es war keine Auswanderung, kein Neuanfang im vermeintlichen Paradies. Es war ein Umzug innerhalb Europas, in die Naturlandschaft eines besonders schönen Ortes: die ländliche Gegend am Atlantik in Irlands Südwesten. Immer mal wieder versuche ich, mir über die Verschiebung von Prioritäten klar zu werden und zu beschreiben, ob und warum ich mich in der Heimat unserer Wahl besonders wohl fühle: 14 Gründe, warum ich Irland liebe — und hier lebe. (Mehr Gründe gibt es übrigens noch in diesem Jahr als neues Irland-Buch von mir und Eliane Zimmermann)

1. Weil es noch viel unverbrauchte Natur gibt: Die Schönheit der Berge, der Strände, des Meeres, der Wiesen und Wälder geht zu Herzen. Weil ich hier die ersten Adler in freier Wildbahn beobachten durfte.

2. Weil es in Irland noch Vieles zu entdecken gibt. Nicht jeder Stein ist schon dreimal umgedreht, nicht jeder Berg für Freizeitvergnügte erschlossen. In Irland gibt es noch Geheimnisse.

3. Weil die Luft in Irland so frisch und sauber ist. Die irische Atlantikküste ist Europas Reinluftgebiet Nummer 1. Kein Sommer-Smog, kein Winter-Smog. Immer Zeit zum Durchatmen.

4. Weil Irland das Land des Lichts ist. Das ewig wechselnde atlantische Wetter bedingt das ewige Spiel des Lichts, das Sonne, Wolken und Meer miteinander austragen.

5. Weil das Land hier weit ist. Weil es Raum bietet für die Augen und die Seele.

6. Weil Irlands Musik-Kultur lebt. Damien Rice, Mick Flannery, Christy Moore, Jimmy McCarthy oder Luka Bloom — Live im Pub oder Hotel gleich um die Ecke, das ist Kultur — und weil auch Rory Gallagher ein Ire war.

7. Weil die Iren die besten Verlierer der Welt sind — und Niederlagen wie Siege feiern können.

Jobs:  Wir suchen eine selbständige Köchin für unser kleines Unternehmen in Irland: Hier bewerben

8. Weil die Iren überwiegend liebenswürdige und stets interessante Leute sind: Sies sind freundlich, redegewandt, schlitzohrig, anarchisch, gerne einmal feige und unaufrichtig, dazu stur, gesellig, feierfreudig, unkompliziert, und stets interessant.

9. Weil hier zu leben eine Herausforderung ist: Vollkasko-versichertes Leben geht anders. Ohne eigene Initiative geht nicht viel. Trotz der vielen schönen Natur. Das spornt stets  an.

10. Weil das Wetter in Irland immer beachtenswert und ein wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens ist. Regen, Sonne, Wind und Sturm sind die nahen und ständigen Begleiter.

11. Weil es in Irland noch einsame und wilde Orte gibt. Und dies nicht nur im Schilderwald “Wild Atlantic Way”.

12. Weil die Stille hier eine Erfahrung ist. Man kann sie hören, die Stille, diese völlige Abwesenheit von Zivilisationslärm.

13. Weil wir in Parallelwelten leben: Das Irland der Gegenwart ist ein modernes Land mit allen Annehmlichkeiten, die man braucht oder auch nicht. Auch das alte, traditionelle Irland lebt in Geschichten, Traditionen, in Liedern, in Nischen und in einzelnen Menschen weiter.

14. Weil Autor & Wanderer als Deutscher in Irland für mich ein schöner Beruf ist.

Fotos: Glengarriff Harbour, Co. Cork (u.), Dunlough Bay, Co. Cork (o.) / © 2015 Markus Bäuchle – Wanderlust

Leben in Irland

 

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