Beara Stories: Die Hugenotten in Irland

Hier in Rossmacowen lebte einst der Hugenotte Fontaine.

Hier in Rossmacowen lebte einst der Hugenotte Fontaine.

Geschichten von der Beara-Halbinsel im Süd-Westen Irlands (Teil 7)

von Peter Bernhardt* 

Heute setzen wir auf Irlandnews den Geschichten-Zyklus über das ländliche Irland an der Atlantikküste fort. Geschrieben von unserem Freund Peter Bernhardt. Er forscht gern in der Vergangenheit und lässt ein Stück „altes Irland“ lebendig werden. Heute erzählt uns Peter die Geschichte der Hugenotten in Irland und auf der Beara Halbinsel.

Die Hugenottenkriege von 1562 bis 1598 waren eine Reihe von acht Bürgerkriegen in Frankreich. Höhepunkt war das Massaker an den französischen Protestanten oder genauer den Calvinisten, den sogenannten Hugenotten, in der Bartholomäusnacht. Im Laufe dieser Auseinandersetzungen flohen zwischen 200 000 bis 250 000 Hugenotten in die benachbarten Staaten. Viele flüchteten nach England und etwa 5000 machten sich weiter auf den Weg nach Irland.

Geschätzt 300 Hugenotten hatten die Stadt Cork zum Ziel, wo sie sich um 1700 herum niederließen und wo manche französische Neuankömmlinge mit viel Geschick ihr eigenes Geschäft aufmachten. Auf den Gebieten der Textil-Industrie, des Handwerk und im Immobilien-Geschäft waren sie schnell im Wirtschaftsleben integriert.

Hugenotten in Irland

Jacques Fontaine

Einer von Ihnen war der Pastor Jacques (James) Fontaine (Foto). Auch er war bereit sich zunächst in Cork ein neues Leben aufzubauen. Er versuchte in die Woll-Manufaktur einzusteigen, was ihm anfänglich auch recht erfolgreich gelang, bis ein Auslieferungs-Verbot für irische Wollware erlassen wurde. Eine Weile hielt er sich als Lehrer und Pfarrer der Hugenottischen Gemeinde über Wasser. Dann lernte er Oberst Beecher aus Baltimore kennen, der sich stark im Fischfang-Geschäft engagierte. Er ermutigte Fontaine das Gleiche zu tun und verkaufte ihm Boote und Netze zu einem günstigen Preis.

Fontaine entschloß sich, auf Beara in der Nähe von Berehaven, in Rossmacowen, ein Grundstück zu kaufen (Foto oben). Darauf errichtete er ein Wohnhaus für seine Familie und einige Gebäude für die Verarbeitung der Fische und für die Vorbereitung zum Export. Das Verhältnis zu seinen irischen Nachbarn war anfangs recht gut, doch das änderte sich allmählich. Um diese Zeit war die Küste in der Bantry Bay „voll“ von französischen Piraten, die mit Hilfe von irischen Verbündeten operierten. Immerhin blühte zu dieser Zeit auch der Schmuggel. Und der Clan der O’Sullivans war darin sehr erfolgreich. Fontaine war aber auch Friedensrichter und von Beginn an bemüht, das Verhältnis zwischen Piraten und Schmugglern zu unterbinden, was denen ganz-und-gar nicht behagte. Und so sah sich Fontaine gezwungen, sein Anwesen mit einer Verteidigungsmauer und mit Wachtürmen zu versehen.

Der Start in diesem Business war nicht gerade vielversprechend, denn ein Kapitän machte sich aus dem Staub mit dem Schiff und dem ganzen Geld auf den Wege nach Spanien. Auch das Geschäft mit dem Fisch war nicht sofort erfolgreich. Immerhin mußte Fontaine für sechs Schiffe und 45 Mann, die er eingestellt hatte, bezahlen. Als Alternative schickte er ein Schiff, beladen mit Rindfleisch, Butter, Käse und Kerzen zunächst nach Madeira. Er verkaufte dort die Ladung und erwarb dafür Zucker, Rum und Sirup, die er nach Virginia brachte, um dort eine Ladung Tabak aufzunehmen. Das brachte Fortaine einen guten Profit ein. Dieses Dreieck-Geschäft funktionierte ein paar Jahre recht gut. Dann brach der Markt in Madeira zusammen. Für den Preis, den er in Madeira erzielte, konnte er kein gutes Geschäft mehr in Virginia machen, da war der Preis für Tabak zu hoch. Doch der Kapitän war ein cleverer Mann, der herausfand, daß man weiter im Inland Tabak für einen deutlich günstigeren Preis erstehen konnte. Und so kam das Schiff vollbeladen mit Tabak im August 1701 in Berehaven an und wurde sogleich weiter nach London beordert, wo der Eigentümer einen enormen Gewinn machen konnte.

In der Zwischenzeit war Fontaine nicht untätig gewesen. Er hatte 200.000 Heringe gepökelt und gepresst, genug um 200 „Hogsheads“ zu füllen (Anmerkung: 1 hogshead = 950 Liter) und auch noch 200 Fässer eingelegte Heringe, 12 „tierces“ Lachs (Anmerkung: 1 tierce = 42 gallons = 159 Liter)  und jede Menge getrockneten Kabeljau. Alles zusammen hatte einen Wert von 1.200 Pfund, den er erhoffte in London erzielen zu können. Sein Geschäftspartner hatte aber eine andere Idee und meinte, man solle die Fische nach Spanien bringen und von dort mit Wein wieder zurückkommen. Es versprach einen besseren Gewinn. Doch das ganze Hin und Her der Planungen dauerte zu lange, zumal die Seeleute auch noch versuchten zu desertieren. Und so verrottete die gesamte Ladung und war am ende keinen Pfifferling mehr wert. Das beendete natürlich die dreijährige Partnerschaft Fontaines mit dem Londoner Geschäftsmann.

Von diesem kleinen Hafen aus operierte Jacques Fontaine

Von diesem kleinen Hafen auf Beara operierte Jacques Fontaine

Am frühen Morgen des 1. Juni 1704 legte ein französisches Piratenschiff vor Fontaines Hafen bei mit ca. 80 Mann an Bord und vier irischen Nachbarn, die den Piraten als Führer dienten. Fontaine bemerkte dazu: „Ich ließ alle meine verfügbaren Männer antreten, es waren exakt zwanzig, und gab allen Protestanten Musketen und allen Papisten Prügel, die sie wie Gewehre zu schultern hatten, damit es so aussah, als wären sie auch bewaffnet.“ Die Attacken dauerten von morgens acht, bis zum späten Nachmittag, dann zogen sich die Piraten zurück auf ihr Schiff und segelten unverrichteter Dinge davon.

Im Oktober 1708 ging ein weiterer Angriff auf Fontaines Anwesen auf Beara leider nicht so glimpflich vonstatten. Die Piraten kamen in der Dunkelheit wieder mit 80 Mann, diesmal in drei Booten, und stürmten das Anwesen, setzten die Gebäude in Brand und nahmen alle gefangen. Nach der Plünderung nahmen die Piraten Fontaine, zwei seiner ältesten Söhne und zwei Bedienstete als Geiseln mit. Am nächsten Tag wurden die Jungs und die Bediensteten freigegeben, aber Fontaine nahmen sie mit zur Insel Dursey. Frau Fontaine erwartete sie dort und feilschte mit den Piraten um das Lösegeld. Man einigte sich auf 100 Pfund.

Fontaine beendete darauf hin sein Engagement auf Beara und verließ Irland, ging nach London, wo er erfolgreich das County Cork verklagte und für die Zerstörung und den Verlust seines Anwesens eine Summe von 800 Pfund bekam. Eine stattliche Summe in dieser Zeit. Letztendlich wanderte er mit seiner Familie aus nach Amerika und „lived happily ever after“! Dort schrieb er auch seine bewegende Biografie über seine Abenteuer nach der Flucht aus Frankreich. Von seiner „Festung“ ist nichts mehr geblieben, lediglich ein paar Spuren von der „Fisch-Presse“ und von den Teichen finden Eingeweihte noch.

Die Hugenotten waren aber nicht die einzigen Flüchtlinge, die nach Irland kamen. 1709 kamen schätzungsweise 3000 Pfälzer aus Deutschland auf die grüne Insel. Aber das ist eine andere Geschichte.

Peter in Clogher 2013_IMG_1710Der Autor: Peter Bernhardt lebt seit dem Jahr 2000 in Eyeries auf der Beara Peninsula in West Cork. Bis zu seinem Ausscheiden aus seinem Arbeits-Leben war er Art Direktor und Werbeleiter. Seine Liebe zu Irland hat er 1967 auf einer 5-wöchigen Fahrradtour durch den Süden entdeckt. Danach folgten mehrere Irland-Urlaube mit Familie, bis 1987 ein altes Cottage seine Aufmerksamkeit weckte und darum warb erworben zu werden. Peters Interessen sind unter anderem Archäologie, lokale Geschichte und Storytelling

Peters Geschichten von der Beara Peninsula erscheinen regelmäßig hier auf Irlandnews.

Fotos: Peter Bernhardt

Beara Stories: Ekel-Duschen gegen den Sheriff

Eviction auf der Beara Halbinsel in Irland

Geschichten von der Beara-Halbinsel im Süd-Westen Irlands (Teil 6)

von Peter Bernhardt* 

Heute setzen wir auf Irlandnews den Geschichten-Zyklus über das ländliche Irland an der Atlantikküste fort. Geschrieben von unserem Freund Peter Bernhardt. Er forscht gern in der Vergangenheit und lässt ein Stück „altes Irland“ lebendig werden. Heute erzählt uns Peter eine Episode aus der tragischen Geschichte der Zwangsräumungen und Vertreibungen von Iren durch die englischen Landlords. 

Noch Anfang 1900 mußten die Bewohner Irlands befürchten, von ihrem Grund und Boden vertrieben zu werden, wenn sie die Pacht an ihre Landlords nicht bezahlen konnten. Und so waren die Goulaner, die Menschen im Townland auf Beara, in dem ich heute wohne, in heller Aufregung, als an einem Maimorgen im Jahr 1907 gegen 8 Uhr morgens der Sheriff Mr. J. Gale in Begleitung von vierzehn zivilen Beamten und Gerichtsvollziehern, geschützt von 300 Polizisten sich in Castletown auf den Weg machten, um die fälligen Steuern in Kilmacowen und Goulane einzutreiben. Man kann sich gut vorstellen, wie auf beiden Seiten der Straße die Bewohner von Castletownbere Spalier standen, um diesen „Zug“ mit Hohn und Spott zu begleiten. Unter ihnen auch ein Journalist,  der das Geschehen in der Ausgabe des „Cork Examiner“ vom 29. Mai 1907 beschrieb.

Eviction Irland

Zeitgenössische Darstellung der Vertreibung einer irischen Familie durch einen englischen Landlord aus ihrem Haus.

Hier ein paar frei übersetzte Auszüge aus seinem Bericht, der vor allem Eines zeigt: Die irische Landbevölkerung wusste sich an diesem Tag trotz gravierender Waffenungleichheit zu helfen und gegen die bewaffnete Obrigkeit zu behaupten: 

Der „Zug“ erreichte das erste Haus in Kilmacowen, und als der Sheriff ins Haus trat, präsentierte ihm der Vorstand des Hauses ein medizinisches Attest, daß eines seiner Kinder sich in einem gefährlichen Gesundheitszustand befinde und auch seine Frau bettlägerig sei und in einem schwachen Zustand.

Während der Sheriff und der Agent des Grundbesitzers sich im Haus ein Bild von der Situation machten, gab es draußen zwischen den Polizisten und den Anwohnern heftige Auseinandersetzungen. Die Frauen begannen die Polizei mit Dung zu bewerfen, die Polizisten hatten keine rechte Handhabe gegen Frauen.

Im Hause verständigte man sich darauf, daß man die Zwangsräumung verschiebe, bis die Patienten gesund seien – im der Hoffnung, dass die Pacht noch bezahlt würde.

Danach zog man weiter zum nächsten Pächter. Während der Sheriff und der Agent mit dem Pächter verhandelten, rückten ein paar junge Frauen aus der Umgebung den Gerichtsvollziehern auf die Pelle, mit der Absicht sie mit Schlamm und anderen üblen Sachen zu „verputzen“! Als dann die Polizei brutal eingriff, um die Frauen von ihrem Tun abzuhalten, begann erst recht eine wahre Schlammschlacht. Nachdem sich die Polizei entschloß, sich zurück zu ziehen, begann man die Möbel aus dem Haus zu tragen, bis auch in diesem Falle ein Gesundheits-Attest vorgelegt wurde. Die alte Mutter des Pächters wurde erst kürzlich „gesalbt“! Und so verschob man auch hier den „Rauswurf“ auf einen späteren Termin.

Mit den nächsten drei Pächtern einigte man sich auf eine Art Ratenzahlung. Und so marschierte der „Zug“ unter Spott und Gejohle weiter nach Goulane, wo weitere Zwangsräumungen anstanden.

Der Zugang zu diesem kleinen Dörfchen war nur über einen schlechten, schmalen Feldweg zu erreichen und die Polizei hatte alle Hände voll zu tun, um die „Offiziellen“ von den Attacken der Landbevölkerung zu schützen, die auf beiden Seiten des Weges auf den Wällen standen. Auf halber Strecke fand man den  Weg durch große Steine blockiert. Jetzt mußte erst der Karren mit Werkzeug nachgeholt werden, um den Zugang frei zu bekommen.

Schließlich erreichte man das nächste Haus und begab sich in Verhandlungen mit dem Pächter. Nach einer schier endlosen Zeit ordnete der Gerichtsvollzieher an, die Möbel aus dem Hause zu tragen. Das wiederum führte zu einer vertrackten Situation. Wieder flogen Unrat und Steine und verfehlten nur knapp die Gerichtsvollzieher, die bei ihrer widerlichen Pflicht waren. Doch die Ladies trafen besser mit ihren „weichen“ Geschossen. Als sich die Polizisten wieder grob der Frauen annahmen, entstand eine handfeste Rauferei, während sich der Sheriff, der Agent und der Pächter gütlich einigten.

Bei den nächsten Pächtern handelte es sich um zwei Häuser unter einem gemeinsamen Dach. Die Verhandlungen dauerten recht lange, bevor man sich einigen konnte. Die Pächter konnte in ihren Häusern verbleiben. Auch bei diesem Haus empfingen die Frauen die Polizei mit einer ekelhaften „Dusche“ aus den oberen Fenstern.

Wir können uns wohl vorstellen, was das war.

Im nächsten und letzten Haus wohnten die Murphys. Als der Sheriff Mr. Murphy aufforderte, seine Pacht zu zahlen oder man würde ihn vor die Türe setzten, blieb dieser standhaft und verweigerte beides. Daraufhin trat Mr. Muphy vors Haus und verkündete mit lauter Stimme, wenn das Gesetz in diesem Lande noch etwas gilt, dann kann man ihn und seine Familie nicht vor die Türe setzen, denn er habe ein mündliches Versprechen vom alten Landlord, daß ihn niemand mehr in seinem Haus stören würde und dies sei auch in schriftlicher Form vom jetzigen Landlord bestätigt worden. Doch der Gerichtsvollzieher ignorierte das und veranlasste umgehend die Räumung des Hauses. Während dessen stapfte Mr. Jerry Murphy wütend vor dem Haus auf und ab. Die Menge unterstütze ihn mit aufmunternden Worten: Don’t pay the rent, Jerry, we will stick by you!“ Einer der Söhne warf einen Stock in Richtung Sheriff, verfehlte ihn aber, traf dafür ein Fenster, das zu Bruch ging!

Während einer kurzen Lunch-Pause warf ein weiterer Sohn des Pächters einen Stein auf einen Gerichtsvollzieher. Der Stein traf den Mann direkt hinters Ohr und verletzte ihn leicht. Sofort griffen die Polizisten zu und führten den Jungen in Handschellen ab. Da sitzt er nun in Castletownbere im Gefängnis.

Das waren harte Zeiten für die irische Bevölkerung, die sich aber nicht kleinkriegen ließ. Was aus dem Jungen geworden ist, das könnte eine andere Geschichte werden . . . 

Peter in Clogher 2013_IMG_1710Der Autor: Peter Bernhardt lebt seit dem Jahr 2000 in Eyeries auf der Beara Peninsula in West Cork. Bis zu seinem Ausscheiden aus seinem Arbeits-Leben war er Art Direktor und Werbeleiter. Seine Liebe zu Irland hat er 1967 auf einer 5-wöchigen Fahrradtour durch den Süden entdeckt. Danach folgten mehrere Irland-Urlaube mit Familie, bis 1987 ein altes Cottage seine Aufmerksamkeit weckte und darum warb erworben zu werden. Peters Interessen sind unter anderem Archäologie, lokale Geschichte und Storytelling

Peters Geschichten von der Beara Peninsula erscheinen regelmäßig hier auf Irlandnews.

Fotos: Peter Bernhardt

Moderner Luxus: Der Reiz des irischen Landlebens

Was ist wahrer Luxus? Man kann ihn nicht im Duty Free Shop, aber auf dem irischen Land finden . . .

Was ist wahrer Luxus? Man kann ihn nicht im Duty Free Shop, aber auf dem irischen Land finden . . .

Meine Mutter ist eine in sich ruhende, zufriedene Frau. Selbst dem Altwerden gewinnt sie positive Seiten ab. Warum sich mühen und wehren gegen etwas, das frau sowieso nicht ändern kann? Nur ganz selten lässt sich die 82-jährige aus der Ruhe bringen. Ich erinnere mich an wenige Ausnahmesituationen, etwa an diese. Sie hatte mit einer alten Freundin telefoniert und danach irritiert festgestellt: „Stell Dir vor, sie hat 25 Minuten nur geklagt und sich beschwert.“

Lebensweisheit, die innehalten lässt. Denn es gibt jeden Tag einen Grund, dankbar zu sein und Danke zu sagen. Man muss ihn nur finden wollen. Ich danke heute morgen all den Menschen, die meine Beiträge aus und über Irland lesenswert genug finden, um sie zu lesen, weiter zu empfehlen, und sogar in Buchform zu kaufen. Danke! So ging mein erstes Irland-Buch Irland. Ein Länderporträt * sogar auf die Langstrecke. Es wird so gerne gekauft, dass es bereits in der dritten, aktualisierten Auflage unterwegs ist. Ein Dank an alle, die das ermöglicht haben.

Zum Dank heute morgen ein (kostenloser) Auszug aus der 3. Auflage, ein paar Anmerkungen über unser Leben auf dem irischen Land, zu denen mich ein Essay von Hans Magnus Enzensberger inspiriert hat.

Exkurs. Moderner Luxus: Vom Reiz des irischen Landlebens

Irland Buch Bäuchle„Für Stadtmenschen erscheint das Leben in der vielerorts menschenarmen Landschaft, in der zivilisatorisch reizarmen Umgebung fern der kontinentaleuropäischen Metropolen langweilig bis unerträglich. Andere, und der Autor schließt sich hier mit ein, erkennen darin ein großes Stück Luxus, wie es der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger schon 1996 für den Spiegel in einem Essay über den Luxus der Zukunft beschrieb. Enzensberger schrieb: »Der Luxus der Zukunft verabschiedet sich vom Überflüssigen und strebt nach dem Notwendigen, von dem zu befürchten ist, dass es nur noch den Wenigsten zu Gebote stehen wird. Das, worauf es ankommt, hat kein Duty Free Shop zu bieten.« Er zählte dann die sechs zukunftsfähigen Luxusgüter auf:

»1. Die Zeit. Sie ist das wichtigste aller Luxusgüter. Bizarrer weise sind es gerade die Funktionseliten, die über ihre eigene Lebenszeit am wenigsten frei verfügen können. […] Unter solchen Bedingungen lebt luxuriös, wer stets Zeit hat, aber nur für das, womit er sich beschäftigen will, und wer selber darüber entscheiden kann, was er mit seiner Zeit tut, wieviel er tut, wann und wo er es tut.

2. Die Aufmerksamkeit. Auch sie ist ein knappes Gut, um dessen Verteilung sämtliche Medien erbittert kämpfen. Im Gerangel von Geld und Politik, Sport und Kunst, Technik und Werbung bleibt wenig von ihr übrig. Nur wer sich diesen Zumutungen entzieht und das Rauschen der Kanäle abschaltet, kann selbst darüber entscheiden, was Aufmerksamkeit verdient und was nicht. Unter dem Trommelfeuer arbiträrer Informationen nehmen unsere sinnlichen und kognitiven Fähigkeiten ab; sie wachsen mit der Reduktion auf das und nur das, was wir selber sehen, hören, fühlen und wissen wollen. Auch darin kann man ein Moment von Luxus sehen.

3. Der Raum. Was für die Ökonomie der Zeit der Terminkalender, ist für die des Raumes der Stau. Im übertragenen Sinn ist er allgegenwärtig. Steigende Mieten, Wohnungsnot, überfüllte Verkehrsmittel, Gedränge in den Fußgängerzonen, Freibädern, Diskotheken, Touristenzonen zeigen eine Verdichtung der Lebensverhältnisse an, die an Freiheitsberaubung grenzt. Wer sich dieser Käfighaltung entziehen kann, lebt luxuriös. Dazu gehört auch die Bereitschaft, sich aus dem Warenberg freizuschaufeln. Meist ist die ohnehin viel zu kleine Wohnung mit Möbeln, Geräten, Nippes und Klamotten verbarrikadiert. Was fehlt, ist jener Überfluß an Platz, der die freie Bewegung überhaupt erst möglich macht. Heute wirkt ein Zimmer luxuriös, wenn es leer ist.

4. Die Ruhe. Auch sie ist ein Grundbedürfnis, das immer schwerer zu stillen ist. Wer den allgegenwärtigen Krach vermeiden will, muß einen hohen Aufwand treiben. […] Der tobende Verkehr, das Heulen der Sirenen, das Knattern der Hubschrauber, die dröhnende Stereoanlage des Nachbarn, die monatelang wummernden Straßenfeste – Luxus genießt, wer sich alledem entziehen kann.

5. Die Umwelt. Daß man die Luft atmen und das Wasser trinken kann, daß es nicht qualmt und nicht stinkt, ist bekanntermaßen keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Privileg, an dem immer weniger Menschen teilhaben. Wer sie nicht selbst erzeugt, muß Lebensmittel, die nicht vergiftet sind, teuer bezahlen. Den Risiken für Leib und Leben am Arbeitsplatz, im Verkehr und im gemeingefährlichen Freizeitrummel aus dem Weg zu gehen dürfte den meisten schwerfallen. Auch in dieser Hinsicht sind es die Möglichkeiten des Rückzugs, die immer knapper werden.

6. Die Sicherheit. Sie ist wahrscheinlich das prekärste aller Luxusgüter. In dem Maß, in dem der Staat sie nicht mehr garantieren kann, steigt die private Nachfrage und treibt die Preise in die Höhe.«

Kluge Gedanken von Hans Magnus Enzensberger, der schon 1996 mutmaßte, dass die Zukunft des Luxus »nicht wie bisher in der Vermehrung, sondern in der Verminderung, nicht in der Anhäufung, sondern in der Vermeidung liegt«. Raum, Ruhe, Umwelt und Sicherheit: Vielerorts im ländlichen irischen Westen gibt es Orte, die diesen immateriellen Luxus im Sinne Enzensbergers in sich bergen und als Erfahrung ermöglichen. Wer sich dann noch die Zeit nehmen kann, sich dies zu vergegenwärtigen, und die Aufmerksamkeit für das Wesentliche aufbringt, genießt die Privilegien eines Luxuslebens. Doch nun Schluss mit der Naturschwärmerei . . .“

So weit der Auszug aus der 3. Auflage. Ein Jahr nach der Aktualisierung möchte ich ergänzen: Die Güter Sicherheit und Echtheit werden in diesen unruhigen, gewalttätigen, diesen virtuellen und flüchtigen Zeiten zu einer wahrhaft raren und äußerst wertvollen Ressource.

Das Buch kostet 18 Euro. Und es hat ein neues Cover (Abbildung oben). Es kann auch hier online gekauft werden: Mein Link zu Amazon.de  Ich freue mich derweil, dass ich einen Beruf neben dem Bücherschreiben ausübe, mit dem sich auch unser Lebensunterhalt verdienen lässt, und der genauso viel Spaß macht wie das Schreiben (www.wanderlust.de)

 Hier der Waschzettel meines Verlags, des Ch. Links Verlags Berlin, zum Buch:

Markus Bäuchle  
Irland
Ein Länderporträt
Erschienen: Juni 2015
Auflage: 3.
Erstveröffentlichung: Juni 2015
Ausstattung: Klappenbroschur
Format: 12,5 x 20,5 cm
Seitenzahl: 208
Karten: 1
ISBN: 978-3-86153-741-0
Reihe / Kategorie: Länderporträts
Grüne Wiesen, Schafe, Whiskey, bunte Cottages und freundliche, redselige Menschen mit viel Zeit. Kein Land in Europa provozierte so viele Wohlfühl-Klischees wie Irland, die grüne Insel im Atlantik.
Markus Bäuchle kennt das kleine Land mit der bewegten Geschichte seit Ende der 1970er Jahre. Er hat das traditionelle Irland, den rasanten Aufstieg in den Wirtschaftswunderjahren und den tiefen Fall nach dem Platzen der Immobilienblase miterlebt. Er beschreibt den Alltag und den Facettenreichtum des amerikanischsten Landes Europas auf seiner Achterbahnfahrt der Selbstfindung.
Ein informatives und spannendes Buch über eines der widersprüchlichsten und zugleich dynamischsten Länder der Gegenwart – und eine Liebeserklärung.
 Pressestimmen

Der Autor des brandaktuellen Irland-Buches hat nicht etwa im Sinn, das verklärte Inselbild vieler Deutscher mit noch mehr grünen Tupfern zu versehen. Stattdessen räumt er entlang harter Fakten, entlang launiger Ankdoten und historischer Ausdeutungen mit Klischees über das Land und seine Leute auf – ohne je seine Liebe zu beiden zu leugnen.
Martin Hatzius, Neues Deutschland

Markus Bäuchle widmet sich der Landeskunde, der Historie, der Wirtschaft, dem komplizierten Verhältnis zu Großbritannien und der Nähe zu Amerika und der Freizeitgestaltung der Iren. Liebevoll beschreibt er die einzigartige Naturlandschaft und klärt den Leser über Feen und Naturgeister auf. Ein guter Tipp für Irland-Fans.
Ute Köhler, abenteuer und reisen

ed23072015

 

Madeleine Webers Foto-Woche: Auf dem Geokaun

Geokaum Valentia Island

Sonnenaufgang über Kerry, fotografiert auf dem Geokaun Mountain, Valentia Island, von Madeleine Weber

Madeleine Webers Foto-Woche:  Wir sind mit der Profi-Fotografin Madeleine Maria Weber unterwegs im County Kerry und machen heute Halt auf dem Geokaun, einem bekannten Aussichtsberg auf  Valentia Island.

 Madeleine WeberMadeleine Maria Weber (Foto) fuhr nach Valentia, um geduldig und am Ende erfolgreich auf einen „Goldenen Moment“ zu warten. Sie sagt dazu:

„Ein magischer Sonnenaufgang, wie man ihn vom Geokaun-Berg auf Valentia Island bestaunen kann. Als ich ankam, sah es nicht sehr vielversprechend aus. Manchmal zahlen sich Geduld und Hoffnung aus. Ich habe eine Menge “Goldener Momente” eingefangen, weil ich entschied zu warten, obwohl alle sichtbaren Anzeichen dagegen sprechen. Natur ist sehr überraschend, und obwohl man einige Wetterfaktoren analysieren kann, bleibt ein grosser Anteil Unberechenbarkeit für spontane Kreationen durch Natur übrig. Ich habe schon so viele Situationen erlebt, wo ich mein Equipment zusammenpackte und sich plötzlich die öde Landschaft in ein Lichterspiel verwandelte. Das ist jedesmal, als ob man ein Überraschungsgeschenk von der Natur bekommt.“

Madeleine ist die Frau, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Weil sie warten kann. Auf den richtigen Zeitpunkt. Auf das perfekte Motiv. Fotografieren ist gutes Auge, gute Technik und viel, viel Geduld, Warten, Warten. Seit elf Jahren fotografiert Madeleine die einmalig schönen Landschaften Südwest-Irlands.

Wir begleiten Madeleine, die in Emlaghdrinagh, Waterville, im County Kerry lebt, in diesen Monaten bei der Arbeit, zeigen hier auf Irlandnews.com  jede Woche ein Foto aus ihrer Arbeitswoche. Uns gefällt, dass in ihren Fotografien die Landschaft erkennbar bleibt, wie sie das Auge wahrnimmt, und dass sie in ihren Fotos dennoch eine ganz eigene unverkennbare künstlerische Ästhetik schafft.

Madeleine Weber Studio Irland Madeleine Weber FotografieÜbrigens: Madeleine Webers Fotos könnt Ihr vor Ort in Irland in ihrem Studio am Skellig-Ring im Original anschauen. Die Fotografin präsentiert ihre Landschafts- und  Meeres-Aufnahmen täglich von 11 bis 17 Uhr als hochwertige Kunstdrucke in verschiedenen Größen. Die Ausstellungsräume liegen an der R567 in Emlaghdrinagh zwischen Waterville und Ballinskelligs am Wild Atlantic Way (Telefon: +353 (0)85 780 3273). Sie versendet ihre Fotos weltweit: www.madeleinemariaweber.com.

 

Madeleines Foto-Woche erscheint jede Woche hier auf Irlandnews.com. 

Irland-Idylle of the Day: Mitmachen und gewinnen!

Irland Idylle

Schäfer mit Hunden. Päuschen am Weißdorn. Foto: Markus Bäuchle

Irland-Idylle of the Day: Welches sind eigentlich die idealen Zutaten für ein gelungenes Irland-Foto? Wie sieht die perfekte Idylle aus, die Irland-Reisende und Irland-Bleibende immer wieder gerne suchen, finden, genießen und beschwören? Was müssen wir andererseits Störendes aus dem Bildausschnitt ausblenden oder gar entfernen, damit ein idyllisches Foto gelingt?

Ich habe in den vergangenen acht Jahren zahlreiche Irland-Fotos hier auf Irlandnews und in den sogenannten sozialen Medien veröffentlicht. Sie zeigen überwiegend Landschaften. Zu manchen Fotos, die ich für wirklich gute Landschafts-Aufnahmen hielt, blieben die Reaktionen aus, manche andere Bilder lösten breites Entzücken aus. Wie schön! Ich werde einige davon in den kommenden Wochen hier zeigen. Doch wichtiger die Frage an Euch:

Irland liebenWas braucht es zur perfekten Irland-Idylle? Sanfte grüne Hügel? Den Sonnenuntergang über dem Atlantik? Schafe, Schafe, Schafe? Zeigt uns Euer bestes und meist geliebtes Irland-Foto, schickt es mit Eurem Namen, dem Ort und dem Zeitpunkt der Aufnahme an markus@irlandnews.com. Und gewinnt: Wir verlosen unter allen Einsendungen fünf mal unser aktuelles Irland Buch „111 Gründe Irland zu lieben“ (erschienen im Jahr 2015, von Markus Bäuchle und Eliane Zimmermann). Infos zum Buch gibt es hier. Unser Idyllen-Wettbewerb dauert bis Ende August.

Doch nun zu den Idyllen, die manchmal bei genauerem hinsehen gar keine sind. Das heutige Foto vom Schäfer, der mit seinen Hunden am Weissdorn ein Päuschen einlegt, könnte die Norm für die Irland-Idylle des Tages erfüllen. Es löste auf Facebook diese Reaktionen aus:

Madeleine: great pic Markus
Anice: Very beautiful nature
Brigitte: Irgendwie eine tolle Stimmung auf dem Foto. 😀
Ralf: · Mein Traumberuf… ;^)
Trevor: What a romantic scene.. Here in NZ some of the shepherds still ride on horseback with their dogs accompanying them.NZ has millions of sheep.
Heinke: Will auch mal dahin!! Manno!…Tolles Foto!
Andrea: Die Atmosphäre hast Du wunderbar eingefangen😉👍🏼

Der Farmer im Bild, ein Mann namens Connie Murt, hatte übrigens mit seinen Border Collies im bergigen Gelände gerade 200 Schafe zum Scheren zusammen getrieben und japste wie seine Vierbeiner leicht nach Luft. Hinter ihm lag bereits schwere Laufarbeit, vor ihm ein Tag Knochenarbeit an der Elektroschere . . .

Madeleine Webers Irland: Wie im Traum . . .

Im Frühling explodiert die Vegetation auf Skellig Michael. Sea Campions wachsen zu Fuelle auf der Klosteranlage. Dieses Bild fotografierte ich während eines meiner Besuche auf dieser heiligen Insel. Obwohl diese Bergspitze völlig isoliert vor der Küste der Iveragh Peninsula ruht, ist sie eine fruchtbare Oase für viele Wildpflanzen. Dieses Bild zeigt im Hintergrund Little Skellig welche eine der Größten Basstölpelkolonien weltweit beherbergt. Dieses Bild ist Teil meiner 28 Grusskarten Reihe “like a dream”.

Blühende Vegetation auf Skellig Michael. Das Strand-Leimkraut wächst füllig auf der Klosteranlage. Das Bild zeigt im Hintergrund Little Skellig, Heimat für eine der größten Basstölpel-Kolonien weltweit. Das Foto ist Teil der Grusskarten-Reihe like a dream von Madeleine Weber.

Heute mal ein bisschen Werbung für gute Fotografie. Eigentlich ist Irlandnews eine werbefreie Oase im großen Kauf-Mich-Sofort-Internet. Ausnahme: Die Eigenwerbung für unsere Wander-Ferien (www.wanderlust.de). Und heute eine weitere Ausnahme: Werbung für Fotos von Madeleine Weber. Qualität auf Grußkarten. Kunstvoll und mit Sorgfalt hergestellt, wunderschön anzusehen und deshalb empfohlen. Die Serie heißt like a dream – wie im Traum. Hier hat Madeleine das Wort:

„Sie sind endlich da. Darf ich vorstellen: Meine “like a dream…” – Greeting Cards (Wie ein Traum…). Die Grußkarten-Serie, welche aus 28 meiner besten Bilder vom Ring of Kerry, dem Wild Atlantic Way, dem Skellig Ring und dem UNESCO Weltkulturerbe und Star Wars Drehort Skellig Michael besteht. Sie sind eine Kombination von Landschaften und Meereslandschaften, historischen Gebäuden  und Tourismus-Attraktionen.

Juni habe ich als Welpe in einem Zirkus gefunden in Hamburg gefunden. Nachdem ich sie auf die Insel brachte, lebten wir für 11 Jahre zusammen. Sie kam überall mit, war Teil jedes Landschaftsbildes das ich jemals aufgenommen habe. Wenn ich mit dem Stativ und der Kamera beschäftigt war, lag sie entspannt neben mir und bestaunte die Landschaft. Dieses Bild habe ich St. Finian’s Bay aufgenommen. Sie sass neben mir auf der Klippe, wartete geduldig auf mich während sie das Meer bestaunte. Der Wind spielte mit ihren Haaren und sie erinnerte mich an Fuchur von “Die Unendliche Geschichte”. Ich beobachtete sie für einen Moment, fotografierte sie “heimlich” und könnte mir ein Lächeln nicht verkneifen. Ihr ganzes Wesen steckt in diesem Bild. Man kann sagen, dass sie ein grosser Irland Fan war.

Juni habe ich als Welpe in einem Zirkus in Hamburg gefunden. Nachdem ich sie auf die Insel brachte, lebten wir elf Jahre zusammen. Sie kam überall hin mit, war Teil jedes Landschaftsbildes, das ich aufgenommen habe. Ihr ganzes Wesen steckt in diesem Bild. Man kann sagen, dass sie ein grosser Irland Fan war

Ich habe viel Zeit damit verbracht, die höchstmögliche Druckqualität zu garantieren. Auf der Rückseite habe ich eine Landkarte von der Iveragh Peninsula gestaltet,  welche den Standort aufzeigt. Ebenfalls befindet sich eine Übersetzung des Motives in Irisch da ich die ursprüngliche Muttersprache ehren wollte. Die Innenseiten sind leer. Jede Karte kommt mit einem Umschlag verpackt in einer Klarsichtschutzhülle. Alle Karten wurden in County Kerry gedruckt.  Die Außenmaße der gefalteten Karte sind 21 x 14.8 cm (A5). Jede Karte kostet €5.50, Porto inklusive. Die Mindest-Bestellmenge sind 6 Karten (gleiches Motiv oder frei kombiniert). 

Die Südwest-Küste von Irland, an der ich seit zwölf Jahren lebe, erscheint mir  so schön “wie ein Traum..” (“like a dream…”). Ich wünsche mir, dass die Grußkarten ein Mittel sind, um einen persönlichen Gedanken an einen Freund zu transportieren oder einen flüchtigen Moment der Inspiration und Freude in das Leben des “Empfängers” zu bringen. Ein Moment der Aufmerksamkeit ist das größte Geschenk, das man einem anderen Menschen geben kann; handgeschriebene Gedanken in der hektischen, digitalen Welt sind kostbar, und die Schönheit der Natur berührt die Seele. So drückt eine empfangene Grusskarte viel Wertschätzung aus. Deshalb habe ich meine Bilder in diese Form umgewandelt. Viel Spass und Freude damit.

Blessings, Madeleine

Ich hoffe, dass die Karten viel Freude zu denen bringen, die sie erhalten. Vielleicht wird der eine oder andere sie auch rahmen.“

Die “Old Barracks” befindet sich in Cahersiveen und beherbergt seid 2015 eine Ausstellung über Daniel O’Connell. Ich hatte das Glück sie in diesem wunderschönen Morgenlicht zu fotografieren. Das ist die Blaue Stunde bevor der farbenfrohe Sonnenaufgang erscheint. Ein riesiger Sturm zog in der Nacht über Irland daher und verschwand in den frühen Morgenstunden. Es war absolute windstille und die Wolken bewegten sich in Zeitlupe. Ein guter Moment um spiegelnde Wasseroberflächen zu fotografieren. Dieses Bild ist Teil meiner 28 Grusskarten Reihe “like a dream”.

Die “Old Barracks” in Cahersiveen. in der Blauen Stunde, bevor der farbenfrohe Sonnenaufgang erscheint. Dieses Bild ist ebenfalls Teil der Grusskarten-Reihe like a dream.

  Madeleine Weber Studio Irland
Madeleine Webers Fotos
könnt Ihr vor Ort in Irland in ihrem Studio am Skellig-Ring im Original anschauen. Die Fotografin präsentiert ihre Landschafts- und  Meeres-Aufnahmen täglich von 11 bis 17 Uhr als hochwertige Kunstdrucke in verschiedenen Größen. Die Ausstellungsräume liegen an der R567 in Emlaghdrinagh zwischen Waterville und Ballinskelligs am Wild Atlantic Way (Telefon: +353 (0)85 780 3273).

Mehr Infos zu den Grußkarten gibt es hier: www.madeleinemariaweber.com.

Bestellungen für die Grußkarten bitte nur direkt an izense@gmail.com schicken.

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Beara Stories: Der Calf-Rock-Leuchtturm

Calf Rock

Vor Dursey Island sind die drei Rocks zu sehen (von links nach rechts): the Calf, the Cow und the Bull. Unsere Geschichte erzählt von der Ruine auf der kleinen Felseninsel . . .

Geschichten von der Beara-Halbinsel im Süd-Westen Irlands (Teil 5)

von Peter Bernhardt* 

Heute setzen wir auf Irlandnews den Geschichten-Zyklus über das ländliche Irland an der Atlantikküste fort. Geschrieben von unserem Freund Peter Bernhardt. Er forscht gern in der Vergangenheit und lässt ein Stück „altes Irland“ lebendig werden. Heute erzählt uns Peter die Geschichte des Leuchtturms auf dem Calf Rock, einem Felsen vor Dursey Island. 

Irland zählt zu den kleinen Ländern in Europa, hat aber dafür enorm viel Küste. Eine Küste, die gerade wieder von der Reise-Branche neu entdeckt wurde. Kein Aprilscherz: Am 1. April 2014 wurde der Wild Atlantic Way offiziell eröffnet! Über 2500 fleißig zusammengerechnete Kilometer erstreckt sich eine der längsten Küstenstraßen der Welt. Auf gut ausgeschilderten und meist sicheren Straßen erlebt der Tourist die abwechslungsreiche und atemberaubende Landschaft – von Landseite her.

Calf Rock

Die Überreste des Leuchtturms auf Calf Rock. Gesehen von Dursey Island. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 2003.

Von Seeseite betrachtet hat die Küste ein anderes, wechselseitiges Gesicht. Bei ruhiger See kann man die spektakulären, meist felsigen Abschnitte genießen. Doch wenn die Stürme von Westen über den Ozean heranbrausen und das Meer aufwühlen, dann sollte man froh sein, an Land und im Trockenen zu sitzen.

Seit Menschen Gedenken sind an diesen Küsten Menschen umgekommen, Schiffe an Felsen zerbrochen und gesunken. Die Liste der Wracks vor der Küste Irlands ist lang. Auch die unbesiegbare spanische Armada wurde weniger durch die englische Seemacht geschlagen, als durch den zwei Wochen tobenden Sturm vor der irischen und schottischen Küste. Von den 130 stolzen Schiffen trafen noch 68 Wracks im spanischen Hafen Santander ein.

Für die Schiff-Fahrt wurden die Fahrten an der irischen Küste immer zu einem Abenteuer. Und so wurde der Ruf der Schiffseigner, Kaufleute und lokalen Obrigkeit bald laut nach Leuchttürmen, die den Seeleuten in schwerer See wenigstens einen Anhaltspunkt geben konnten, auf welchem „Weg“ sie sich befanden.

Das westliche Ende von Dursey Island an der Spitze der Beara Halbinsel

Das westliche Ende von Dursey Island an der Spitze der Beara Halbinsel.

1858 legte der Architekt Georg Halpin einen Entwurf vor, für den Bau eines Leuchtturmes auf dem Calf Rock, einem Felsen vor Dursey Island, der auch genehmigt wurde. Vor Baubeginn musste allerdings das Eigentumsverhältnis dieses Felsens geklärt werden. Eine Anfrage dazu ergab: Eigentümerin war die Queen Victoria. Erbaut wurde der Turm von in den Jahren 1861 bis 1864. Die Lampen, die Optik und die Rotations-Maschine wurde 1865 eingebaut. In Betrieb genommen wurde der Leuchtturm 1866.

Freitagmorgen, 12. Februar 1869. Sturm und schwere See. Beobachter auf Dursey sahen eine Notflagge vom Turm flattern. Richard Howard, der Assistent des Leuchtturm-Wärters, traf eine schwierige und tapfere Entscheidung mit sechs weiteren Männern, alle kraftvolle Ruderer und erfahrene Seeleute, zum Leuchtturm zu rudern. Ihr Boot war beladen mit Proviant und Wasser. Ironischerweise war dieser „Ausflug“ unnötig. Wie sich herausstellte gab es ein Missverständnis über die Deutung der Notflagge. Denn die Besatzung des Leuchtturms war ganz sicher uns gesund. Plötzlich stark einsetzender Regen verhinderte dagegen auf dem Meer für ein paar Minuten die Sicht. Das Heck des „Rettung“-Bootes verfing sich am Anlegesteg und eine heftige Welle ließ das Boot umkippen. Alle sieben Seeleute kamen ums Leben, ihre Körper wurden nie gefunden. Die Ertrunkenen hinterließen sieben junge Witwen, 19 Kinder – der älteste 13 – und zwei ungeborene Babies. Drei Monate nach diesem Unglück wurde der Turm generalüberholt.

Nur zwölf Jahre später, im Winter 1881, sah der Calf Rock wieder ein Ereignis von unvergesslicher Dramatik. Wieder zog ein gewaltiger Sturm aus Südwest über Irland und England. Es war der 27. November. Zu dieser Zeit teilten die drei Leuchtturm-Wärter ihr schmales Quartier mit drei Arbeitern, die zu Ausbesserungsarbeiten auf dem Felsen weilten. Die Ehefrau eines Arbeiters war gerade von ihrem sechsten Kind entbunden worden, war gar nicht angetan, daß ihr Mann bei einem solchen Wetter zum Leuchtturm mußte. Das konnte jeder gut verstehen, der wusste, daß sie ihren ersten Ehemann im Sturm von 1869 verloren hatte.

An jenem Abend steigerte sich der Wind zum Orkan. Das Barometer fiel und pausenlos blitzte und donnerte es, als die sechs Eingeschlossenen einen ohrenbetäubenden Krach über sich hörten. Der Leuchtturm-Wärter rief sofort seine Leute, um nachzusehen, wo und was man reparieren müßte. Doch als er die Türe zu den oberen Stockwerken öffnete, sah er nur das Schwarz des Himmels. Der gesamte obere Teil des Turmes war durch Riesenwellen ins Meer gespült worden. Die sechs Männer kämpften sich durch Wind und Wellen zum geschützten, betonierten Vorratsraum, gerade noch rechtzeitig, bevor die nächsten Wellen auch noch den letzten Rest des Turmes in die See spülten.

Als am nächsten Morgen die Menschen von Dursey und dem Festland erkannten, daß es keinen Leuchtturm mehr gab, kann man sich leicht vorstellen, wie groß das Geschrei und Gejammer gewesen sein mußte. Natürlich mussten sie annehmen, daß alle Männer im Turm umgekommen waren.

Es war aber auch nicht möglich überzusetzen, um zu sehen, was wirklich auf dem Calf Rock geschehen war, denn der Sturm wütete weiter ohne Unterlass. Erst am nächsten Tag konnten sich die auf dem Felsen Gefangenen bemerkbar machen. Das Aufatmen der Angehörigen war deutlich! Die Rettung allerdings konnte erst am zwölften Tage vollzogen werden. Es heißt in alten Originaldokumenten: „Auf Dursey und dem Festland gaben Trübsal und Mutlosigkeit der letzten 12 Tage den Weg frei für Jubel, mit viel Tanz und Feierlichkeit!“

Der Sturm von 1881 brachte aber nicht nur den Leuchtturm zum Einsturz, sondern richtete auch auf dem Festland heftige Schäden an. Die Dächer von hunderten Häusern wurden schwer beschädigt. Der Anlegesteg auf Dursey wurde komplett demoliert. Zwei Häuser nahe am Strand wurden weggespült und mit ihnen ein Junge, der glücklicherweise mit der nächsten Welle wieder an den Strand geworfen wurde. Er hatte Glück, verlor dabei nur ein Auge.

Jetzt mußte ein neuer Leuchtturm her. Aber das ist eine andere Geschichte . . .

Peter in Clogher 2013_IMG_1710Der Autor: Peter Bernhardt lebt seit dem Jahr 2000 in Eyeries auf der Beara Peninsula in West Cork. Bis zu seinem Ausscheiden aus seinem Arbeits-Leben war er Art Direktor und Werbeleiter. Seine Liebe zu Irland hat er 1967 auf einer 5-wöchigen Fahrradtour durch den Süden entdeckt. Danach folgten mehrere Irland-Urlaube mit Familie, bis 1987 ein altes Cottage seine Aufmerksamkeit weckte und darum warb erworben zu werden. Peters Interessen sind unter anderem Archäologie, lokale Geschichte und Storytelling

Peters Geschichten von der Beara Peninsula erscheinen regelmäßig hier auf Irlandnews.

Fotos: André Bernhardt

Ohne Wälder keine Chance für Irlands Steinadler

Der Steinadler. Die Wiedereinführung in Irland steht auf der Kippe.

Der Steinadler. Die Wiedereinführung in Irland steht auf der Kippe.

Der Steinadler, König der Lüfte Irlands. Es ist ein lange gehegter Traum von Tierschützern, der wieder Wirklichkeit werden soll: Der Steinadler (Aquila chrysaetos) soll wieder seine Kreise in den Lüften über Irland ziehen und dabei nicht auf die Hilfe und den Nachschub von Menschen angewiesen sein. Doch allen Anstrengungen der vergangenen Jahre zum Trotz: Der Traum wird wohl fürs Erste ein Traum bleiben. Das irische Steinadler-Projekt steht vor dem Scheitern. Die eingesetzte Population in den Bergen des County Donegal kommt nicht auf die Beine: Die mächtigen Tiere, bis zu ein Meter groß und mit einer Spannweite von 2,30 Metern die größten lebenden Adler, ziehen nicht genügend Nachwuchs groß.

Der Grund für das drohende Scheitern ist simpel: Die Adler finden in den Bergen von Donegal nicht genügend Nahrung. Während die schottischen Adler sich in den Highlands überwiegend von Hasen und Moorhühnern ernähren können, fehlt diese Beute in den ausgeräumten Bergen Irlands weitgehend. Die Greifvögel müssen hier auf Krähen und junge Dachse ausweichen und finden nicht genügend natürliche Nahrung.

Die irischen Berge – schön anzusehen und in ihrer Kargheit durchaus beeindruckend – sind eine ökologische Wüste: Von Schafen kahl gefressen und von Farmern regelmäßig abgebrannt, gedeiht in den Höhenlagen der grünen Insel nicht viel: Die Artenvielfalt ist durch das einst nach Irland importierte Schaf auf ein Minimum reduziert wordent. Der Golden Eagle Trust, der die Wiedereinführung des Steinadlers in Irland betreibt, macht eine verfehlte Agrarpolitik für die Verwüstung der Bergwelt verantwortlich: Die von der EU lange geförderte Überweidung durch zu viele Schafe ist der Hauptgrund.

Schafzucht in den Bergen lohnt sich nicht mehr: Mittlerweile arbeiten die meisten Berg-Schaffarmer defizitär und überleben nur durch Agrarsubventionen aus Brüssel und Dublin. Der Golden Eagle Trust, eine Stiftung die seit dem Jahr 1999 die Wiedereinführung des Steinadlers und das Comeback des Seeadlers und des Roten Milan in Irland betreibt, fordert deshalb eine radikale Änderung der Landnutzung in den irischen Bergen: Ohne die Rückkehr heimischer Wälder auf den kahl gefressenen und erodierten Flächen wird die ökologische Wiedergeburt der Berge und die Rückkehr des Königs der Raubvögel und vieler anderer Arten nicht gelingen.

Quelle: Irish Mountain Log , Ausgabe 118 vom Sommer 2016, S. 20
Foto: Tony Hisgett from Birmingham, UK via Wikimedia Commons

 

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