Über Markus Bäuchle

Journalist und Wanderer. Lebt in Glengarriff im Südwesten Irlands. Mit Markus kann man in Irland wandern gehen: www.irland-wandern.de
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In eigener Sache: Alles neu bei Irlandnews

 

Frühjahrskur für unser Web-Magazin Irlandnews: Wir haben in den vergangenen Wochen gebastelt und mit Hilfe der Augsburger Web-Agentur Betamodus einen Relaunch für Irlandnews vorbereitet. Die Website wurde aktualisiert, modernisiert und erscheint noch in dieser Woche in neuem, zeitgemäßem Design. Das Web-Magazin gibt komplett freien Zugriff auf alle Texte seit dem Beginn im November 2008, wird dazu transparenter und vielfältiger. Neue Beiträge aus Irland und über Irland gibt es künftig mehrmals wöchentlich. Auch die Fotografie wird nicht zu kurz kommen. Wir zeigen regelmäßig bestechende Irland-Fotos und Timelapses von bekannten Fotografen, etwa von Madeleine Weber, die in Kerry lebt.

Markus Baeuchle

Irlandnews-Autor Markus Baeuchle

Wir bleiben einerseits beim bewährten Mix: Schönes, Bemerkenswertes, Wichtiges, Hintergründiges und auch mal Kritisches aus unserer Wahl-Heimat, der irischen Provinz an der wilden Atlantikküste, und dazwischen immer wieder der Blick ins Land, in den schönen Norden, an die Ostküste, das politische Irland, die Metropole Dublin. Unser Motto: Irland News. Nachrichten und Berichte aus Irland. Über Irland. Wichtiges, Nützliches oder auch nur Witziges über Natur und Kultur, Land und Leute, Politik und Geschichte. Für Reisende und Bleibende. 

Mensch und Natur: Irlandnews wird neben den bekannten Irland-Themen künftig verstärkt das Verhältnis von Mensch und Natur thematisieren. Wir wollen uns noch stärker als bisher für den Schutz dessen einsetzen, was uns lieb und wichtig ist. Der Blog Die Natur & Wir wird der Frage nachgehen, warum wir Menschen so konsequent zerstören, was wir doch eigentlich lieben: Tiere, Pflanzen, Flüsse, Meere, Berge, Landschaften, Äcker und Weiden – unsere eigenen Lebensgrundlagen. Hinter allem steht die weitergehende Frage: Wie können wir das Verhältnis von Mensch („uns“) und Natur wieder in Ordnung bringen, können wir es heilen? Wir wollen Antworten mit Worten und Taten liefern: Worte hier auf Irlandnews, Taten mit unserem Natur-Retreat-Projekt in Irlands Bergen: www.irland-natur.de.

In Zeiten, da viele Menschen sich gerne nur noch mit Likes auf Facebook äußern und damit lediglich ein gefräßiges und – wie wir zusehends merken – gefährliches Datenmonster füttern, sind wir hier auf Irlandnews.com mehr denn je auf aktive LeserInnen und NutzerInnen angewiesen, die sich einmischen, kommentieren, die uns wohlwollend begleiten und sich beteiligen. Versuchen wir es zusammen!

Wandern und Natur-Ferien. Zudem wird es Informationen zum Wandern und Natur-Erleben in Irland geben. Im Blog Wander-Lust berichten wir über naturnahes Wandern auf der Insel, über Natur-Ferien und ökologisch verantwortungsbewusstes Reisen auf der grünen Insel. Dabei erlauben wir uns auch die ein oder andere kenntlich gemachte Eigenwerbung für unseren Wander-Veranstalter Wanderlust  (www.irland-wandern.de). Denn wir schreiben nicht nur über das Erkunden unserer schönen Wahlheimat zu Fuß. Wir tun es auch – und wir zeigen unseren Gästen, was uns an unserer Wahl-Heimat selber lieb ist und besonders gut gefällt: unsere Lieblings-Orte im irischen Südwesten am Atlantik.

Irlandnews.com, das Web-Magazin, wird künftig also aus drei Haupt-Abteilungen (drei Blogs) bestehen:

  • Irland News für Irland-Fans und Interessierte, für hier Lebende und für Feriengäste. FürReisende und Bleibende.
  • Die Natur & Wir für alle, die an Natur und dem schwierigen Verhältnis von Mensch und Natur interessiert sind. 
  • Wander-Lust für Wanderer, Trekker, Berggänger, Outdoor-Fans, Garten-Liebhaber, für Fans der langsamen Fortbewegung und der behutsamen Erkundung dieses wundervollen kleinen Landes am Atlantik.

Da wir mit unserem Web-Magazin www.irlandnews.com gleichzeitig zu einem neuen Internet-Host umziehen, wird die Website in den kommenden Tagen vorübergehend stundenweise nicht zu erreichen sein. Wir bitten dies zu entschuldigen. Ab spätestens Freitag sollte der Umzug abgeschlossen sein und alles wieder seinen geordneten technischen Gang gehen.

Wir freuen uns auf Ihre Reaktionen und Eure Resonanz.  Markus Baeuchle, der Wanderer. 

 

(c) Foto: Brigitte Geiselhardt

Adrigole: Wo Pubs und Shops verschwanden

Adrigole Dorf

Adrigole von oben. Dorf am Hungry Hill

Geschichten von der Beara-Halbinsel im Süd-Westen Irlands (Teil 18)

von Peter Bernhardt* 

Heute bewegt sich Peter Bernhardt ostwärts und erzählt im Geschichten-Zyklus über das ländliche Irland am Atlantik über das Dorf Adrigole. Es ist kein Dorf wie jedes andere.

Die Geschichte(n) von Adrigole. Eigentlich wollte ich hier von weiteren Geschichten, die das Leben schrieb berichten, die sich in und um den Ort Adrigole abspielten. Doch dann fand ich heraus, daß ich zunächst etwas über dieses Dorf selbst schreiben müßte. Es ist nämlich ein Ort, der sich von dem unterscheidet, was wir unter Dorf verstehen. Adrigole, das soviel bedeutet wie Place between two rivers, ist kein Runddorf und ist auch kein Straßendorf im deutschen Sinne. Es ist mit etwa zwölf Kilometern Ausdehnung das wohl längste Dorf in Irland. Aber Adrigole hat, oder besser hatte, alles was ein Ort benötigt. Außerdem ist es reich an geschichtlichen und archäologischen Orten. Vor den Hungerjahren 1845-47 zählte die Bevölkerung in Tausenden, heute wohnen hier nur noch in einigen hundert Menschen.

Adrigole Post

Adrigole: Eínst Geschäft und Post

Am besten, ich nehme Euch auf einen Gang durch durch Adrigole mit, um zu zeigen, auf was man alles trifft, wenn man nur die Augen aufmacht. Wir starten von Glengariff kommend, wo sich das Ortseingangs-Schild befindet. Wenige hundert Meter von diesem Ortsschild stoßen wir als erstes auf ein verlassenes Haus. Hier befand sich einstens ein Geschäft und die Post. Doch schon seit vielen Jahren geht hier keiner mehr einkaufen und wie man sieht, ist es dem Verfall preisgegeben.

Adrigole Beara

Adrigole: Die Grundschule ostwärts

Etwas weiter auf der Straße liegt links eine von zwei Grundschulen , die Adrigole hat, erbaut im Jahre ca.1850.

Adrigole Pubs

Adrigole: Das Sugarloaf-Pub

Auf der gegenüber liegenden Straßenseite ist der Sugar Loaf Pub, der auch noch einen kleinen Lebensmittel-Laden hatte. In den letzten 30 Jahren erlebte dieser Pub allerhand Auf-und-Abs, die Besitzer-Familie mußte einige Schicksals-Schläge verkraften, so, als läge auf diesem Anwesen ein Fluch. Die neuen Eigentümer haben den Namen jetzt geändert in „The Wild Atlantic Bar“. Viel Erfolg damit!

Adrigole Kirche

Adrigole: Kirchenruine aus dem 10. Jahrhundert

Weiter auf der Hauptstraße kommt man an einigen Abzweigungen vorbei. Links hinunter zur Bantry Bay und rechts hinauf in die Berge. Auf der alten, oberen Bergstraße treffen wir auf die Ruine der „Mass Mount Church“ aus dem 10. Jahrhundert. Von hier hat man einen herrlichen Blick auf den Hafen von Adrigole und die Bantry Bay.

Adrigole Kirche

Adrigole: Die katholische Kirche aus dem Jahr 1840

Zurück zur Hauptstraße, bis zur nächsten kleinen Häuseransammlung kommt man an einigen alleinstehenden Cottages und neuen Häusern vorbei und sieht dann schon die katholische Kirche mit dem Namen St. Fachtna, erbaut im Jahre 1840. Hier ist auch einer von drei Friedhöfen. Und den Kirchen-Oberen zum Trotz, denen Musik, Tanz und Alkohol offiziell nicht immer geheuer war, gab es gleich zwei Pubs gegenüber der Kirche.

Adrigole Pub

Adrigole: Die Pubs sterben.

Einer davon hat schon seit Jahren aufgegeben und die Schanklizenz gut verkauft. Und die Besitzer des zweiten Pubs denken auch übers Aufgeben nach. Das Pub-Sterben auf dem Lande ist nicht aufzuhalten. Mit Aufkommen des Fernsehens und der strengen Promille-Grenze, hat das Public House seine frühere Funktion verloren.

Adrigole Tourismus

Adrigole: Kajak- und Segel-Schule

Im weiteren Verlauf der Straße kommen wir an einer Art Gallery vorbei. Hier können sich Touristen mit schönen Erinnerungs-Stücken eindecken. In der Gallerie hängen in sehr schönen Räumen sehr schöne Original-Gemälde (teilweise von recht bekannten Künstlern) und es gibt eine nette Möglichkeit, Tee und Kaffee zu genießen. Schräg gegenüber liegt der lokale Football Pitch mit dem angeschlossenen Caha-Centre. Weitere Center findet man in Ardgroom, Lauragh und in Tuosist. In diesen Gemeindezentren kümmert man sich um geografisch benachteiligte Personen und die Verbesserung in Familien-Haushalten. Hier finden auch diverse Veranstaltungen statt, wie beispielsweise Bingo-Abende und der Nachmittags-Kaffee-Klatsch. Neben dem Sportplatz geht ein Weg ab zum Meer hinunter, wo sich eine Kayak- und Segel-Schule niedergelassen hat.

Adrigole Geschäfssterben

Adrigole: Einst ein Gemischtwarenladen

Ein paar Schritte weiter kommen wir an einem zum Wohnhaus umgebauten Geschäft vorbei. Hier eröffnete Eugene Dunne im Jahre 1928 einen Gemischtwarenladen, wo er alles anbot, was die Menschen vor Ort brauchten, wie Anzüge, Schuhe und Stiefel, Holz und Lebensmittel. In den späten fünfziger Jahren kam dann auch das Post Office hinzu. Eugene bekam das erste batteriebetriebene Radio in Adrigole im Jahre 1940. Strom kam erst im Jahre 1952 auf die Beara Peninsula. Eugene war auch der Erste, der 1963 Fernsehen hatte und nebenbei war er ein Motor Cycle Enthusiast, ein Motorrad-FreakEugenes Neffe Finn übernahm das Geschäft 1960. Und Finns Sohn stieg 1999 ein, doch schon fünf Jahre später (2004) gaben er und seine Frau auf, weil der Laden die Familie nicht mehr ernähren konnte.

Adrigole Brücken

Adrigole: Eine von vielen Brücken

Wir wandern weiter und kommen zu einer engen Brücke über den Adrigole River, wo wir uns entscheiden müssen (8A). Nach rechts führt die Straße zum Healy Pass. Nach wenigen hundert Metern steht die zweite Grundschule von Adrigole und in etwa weiteren drei Kilometern zeigt ein Hinweisschild zum Kilcaskin-Friedhof (15) mit einem sehr alten und einem neuen Friedhofsteil.

Adrigole Friedhof

Adrigole: Noch ein Friedhof

Auf dem älteren Teil befindet sich eine Kirchenruine, ein paar schöne alte Grabsteine und einen Ogham Stone, dessen oberer Teil allerdings abgebrochen und verloren gegangen ist.

Adrigole Dance Hall

Adrigole: Die alte Dance Hall

Noch bevor wir über die Brücke gehen, befindet sich im Rücken die ehemalige Tanz-Halle, die Dance Hall, von denen es in den 40-er bis in die 60-er-Jahre  gleich zwei gegeben hat. Beide sind längst geschlossen. Die Musik machten in der Regel die Einheimischen selbst und sie spielten aus Vergnügen, nicht des Geldes wegen. Der Priester wachte streng über Regeln und Anstand – und wenn die Sperrstunde nahte, stand er an der Türe und drohte dem Besitzer der Tanzhalle mit Entzug der Lizenz, wenn er nicht dafür sorge, daß alle Besucher umgehend die Halle verlassen.

Adrigole Shops

Adrigole: Peg´s Shop

Wendet man sich nach der Brücke nach links, kommt man zu Peg’s Shop, dem einzigen noch existierenden Lebensmittelladen in Adrigole – und mit Poststelle. Peg O’Sullivan war eine Persönlichkeit in Adrigole. Peg wuchs bei ihren Großeltern auf. Mit elf Jahren kam sie wieder zurück ins Elternhaus und beendete mit vierzehn die Schule. In ihrem Elternhaus gab es genug Arbeit, auch für die sieben Geschwister. Trotzdem erinnerte sie sich gerne an ihre Kindheit: They were lovely days!

Mit 18 Jahren ging sie zu ihrer Tante ins Post Office. Nach drei Jahren zog sie weiter nach Banteer (North Cork), später nach Lixnaw und Ballyduff (Kerry) und arbeitete dort bei der Post. 1948 kehrte sie zurück zu ihrer Tante, die erkrankt war und dringend Hilfe brauchte. Nach dem Tode ihrer Tante übernahm sie die Post und erweiterte das Geschäft zu einem Lebensmittelladen, den sie Peg’s Shop nannte.

1950 heiratete Peg in St. Fachtna Church. Ihr Mann war Lehrer: ein großer, schwerer Mann mit einem weichen Herz! Peg starb im letzten Jahr kurz vor ihrem 100. Geburtstag. Ihre Enkelin führt jetzt das Geschäft weiter – und wie kann es anders sein: unter dem Namen: Peg’s Shop.

Adrigole Pubs

Adrigole: Noch ein geschlossenerPub

Ein kleines Stück weiter auf der Straße nach Castletownbere  gibts einen weiteren Pub, die Glenbrook Bar oder, wie ebenfalls über dem Eingang steht Doyle’s Bar mit einem Campingplatz nebenan. Auch dieser Pub ist inzwischen geschlossen. Nur 50 Meter weiter weist ein Hinweisschild auf den alten protestantischen Friedhof hin, auf dem Beara-Schlossherr Henry Puxleys junge Frau beerdigt liegt. Sie starb im Jahre 1872 im Alter von nur 36 Jahren. Puxley verließ gleich nach der Beerdigung Irland und kehrte nie mehr zurück zu seinem Castle in Dunboy.

Adrigole Geschäfte

Adrigole: Der Automachaniker

Im weiteren Verlauf der Straße, links das Meer, kommt man vorbei an einer Polizeistation, die in der Finanzkrise der Budget-Kürzung zum Opfer fiel. Schräg gegenüber hat ein Automechaniker seine kleine Auto-Werkstatt und wieder ein paar Meter weiter, waren einst auch Geschäfte – jetzt ebenfalls Geschichte.

Adrigole Polizei

Adrigole: Die Polizeistation. Auch geschlossen.

Im vermeintlich letzten Haus des Dorfes hat Jim Blake seine Schusterwerkstatt. Er ist der einzige noch lebende Schuster auf der Beara Peninsula. Jim ist 88 Jahre alt und freut sich über jeden Kunden, mit dem er ein Schwätzchen halten kann. Von ihm demnächst mehr . . . 

Das war unser Gang durch das heutige Adrigole. Eine Dorf-Tour noch vor 30, oder gar vor 50 oder 100 Jahren hätte ein deutlich anderes, lebhafteres und vielfältigeres Dorfleben gezeigt. Es gab Zeiten, da hatte Adrigole bis zu 20 Geschäfte, drei Schneider und eine Schneiderin, einen Korbmacher, einen Sargschreiner, Hufschmiede, Stellmacher und…und… und…! Und die meisten hatten ein einigermaßen zufrieden stellendes Auskommen, um in dieser kleinen Welt am Atlantik glücklich oder zumindest zufrieden zu sein.

 

 Peter BernhardtDer Autor: Peter Bernhardt lebt seit dem Jahr 2000 in Eyeries auf der Beara Peninsula in West Cork. Bis zu seinem Ausscheiden aus seinem Arbeits-Leben war er Art Direktor und Werbeleiter. Seine Liebe zu Irland hat er 1967 auf einer fünfwöchigen Fahrradtour durch den Süden entdeckt. Danach folgten mehrere Irland-Urlaube mit Familie, bis 1987 ein altes Cottage seine Aufmerksamkeit weckte und darum warb erworben zu werden. Peters Interessen sind unter anderem Archäologie, lokale Geschichte und Storytelling.

PS: Peters Geschichten von der Beara Peninsula erscheinen regelmäßig hier auf Irlandnews.

 Alle Fotos: Peter Bernhardt, außer: Dorf am Hungry Hill by Markus Baeuchle.

 

 

Patricks Day: Irlands grüner Werbekarren

Greening Irland

Greening 2017: Die Welt in unseren Händen. 

Der Countdown läuft für den grünsten aller Tage: Am kommenden Freitag ist wieder St. Patricks Day. Das ist das Weihnachten der Irland-Vermarkter, denn an diesem Tag lässt sich halbe Welt vor den niedlichen grünen Werbekarren der Irland-Verkäufer spannen. Der Tag in Grün und Schwarz (Kleeblatt und Bier) kann kommen. Ob auch Donald Trump am Freitag grün trägt? Die andere irische Nationalfarbe, Orange, kann er ja schon gut. Enda Kenny, Irlands Ministerpräsident auf Abschieds-Tournee, wird genau hinschauen, wenn er dem Twitter-Präsidenten in Washington eine Vase mit Weißklee, Irlands inoffiziellen Nationalsymbol, überreicht.

St. Patrick´s Day, die Feier zu Ehren des irischen Nationalheiligen, ist Weihnachten, Karneval, Fasching und Oktoberfest im März – und seit ein paar Jahren auch der Tag des um die Welt reisenden grünen Lichts. Zum irischen Nationalfeiertag am 17. März werden vielerorts in der Welt berühmte Gebäude und Sehenswürdigkeiten in Grün beleuchtet. The Global Greening macht auch vor den Pyramiden von Gizeh, dem Sydney Opera House, der Christus-Statue von Rio (unten), dem Schiefen Turm von Pisa, dem Empire State Building in New York, dem London Eye, den Niagarafällen an der amerikanisch-kanadischen Grenze (unten), dem Berliner Olympiaturm, dem Rheinfall von Schaffhausen und der Fußball-Arena des FC Bayern München nicht halt.

Münchener Parade (2016): Sankt Patrick und die deutsche Rose of Tralee

Die Irland-Vermarkter in Frankfurt verordnen auch dem deutschen Publikum den jährlichen irischen Frohsinns-Import. Da kann man sich einfach nicht wehren: „Zu Ehren ihres Nationalheiligen St. Patrick feiern die Iren am 17. März fröhlich und ausgelassen – und stecken mit ihrer Freude die ganze Welt an,“ schreiben die Insel-Vermarkter in Frankfurt. Der grüne Infekt. Da gibt es wohl kein Entkommen. In mehren deutschen Städten finden Patricks-Feiern statt, die größte, die Parade in München, fand bereits am Sonntag statt und lockte 20.000 Zuschauer an.  Weiß-blau ganz in Grün.

No Coke today: Das London Eye wirbt am Freitag für Irland

Irlands Marketingzunft ist es tatsächlich gelungen, eine der drei Grundfarben der menschlichen Wahrnehmung zu kapern, global für sich zu beanspruchen und für eigene Zwecke auszubeuten: Grün ist Irland, grün ist irisch – und sonst gar nichts? Grün ist auch Äthiopien, Afghanistan, Italien, Ungarn oder Brasilien. Grün steht für Kurdistan – und grün ist der Islam. Aber wen interessierts? 

Grün ist auch die Farbe des Tags danach: Manche Partygäste sind am Morgen nach dem Patrick´s Day grün im Gesicht. Doch das vergeht, Grün ist schließlich die Farbe der Hoffnung. Nicht zuletzt: Grün steht vor allem für Natur und Ökologie. Wieviel Irlands Grün noch mit Natur und schon mit Ökologie zu tun hat, weiß man gerade nicht. Aber wie erwähnt: Grün ist die Hoffnung . . . 

Diese Gebäude jedenfalls werden am Freitag in Deutschland ergrünen: In Berlin der Funkturm, in München die Allianz Arena, das Hofbräuhaus, die BMW Welt, der Olympiaturm und viele Restaurants und Irish Pubs wie das Kennedy’s und das Kilian’s, das Rathaus und das Neumünster in Würzburg, in Rudolstadt das Residenzschloss Heidecksburg, in Nürnberg die Offene Kirche St. Klara und in Cochem an der Mosel die Reichsburg.

Las Vegas in Grün

Hier eine Auswahl der über 150 Wahrzeichen, die sich außerhalb von Deutschland und Irland weltweit anschließen: vorneweg das erneuerte Symbol des westlichen Kapitalismus: das One World Trade Center in New York, das erstmals dabei ist. Zudem: die Chinesische Mauer, die Niagara-Fälle in Kanada, das London Eye in London, das Rathaus in Antwerpen, das Manneken Pis in Brüssel, das Kolosseum in Rom, der Schiefe Turm von Pisa, die Croisette in Cannes, das Riesenrad im Prater in Wien, der Rheinfall in der Schweiz, die Christusstatue in Rio de Janeiro, das Yasser Arafat-Museum in Ramallah, das Burj al Arab in Dubai, der Font Mágica de Montjuïc in Barcelona, der Wasserturm in Ramat Gan in Israel, die Rhino Statue im Nairobi National Park in Kenia und das Rathaus von Sydney.

 

Niagara-Fälle in Grün

Die Niagara-Fälle in Grün

Nur eine kleine alte Dame mit Hut widersetzt sich weiter erfolgreich der Grünen Lichtorgie: Queen Elisabeth II hat dem Ansinnen der irischen Tourismus-Agentur Tourism Ireland, den Buckingham Palace grün zu beleuchten, bis heute nicht nachgegeben. Sie schickte vor vier Jahren eine freundliche Absage, während sich der Rest der westlichen Welt gerne vor den grünen Promotions-Karren spannen lässt.

RioMan stelle sich vor, eine andere Nation würde wagen, die Welt zu fragen, ob sie sie einen Abend lang in rot (China),  rot-grün (Libanon), weiß-blau (Israel) oder schwarz-rot-gold tauchen darf. Warum dürfen die Iren, was man den meisten anderen niemals zugestehen würde? Weil sie so niedlich, so friedlich, so freundlich sind? Die grüne Brille wird zum globalen Phänomen.“ 

Das Global Greening findet in diesem Jahr schon zum 8. Mal statt und hat den sehr ernsten kommerziellen Hintergrund, noch mehr Touristen auf die Grüne Insel zu locken. Irlands oberste Tourismuswerber schielen dabei in erster Linie auf  die irische Diaspora, eine „Gemeinde“, die weltweit 70 Millionen Menschen zählt — Irinnen, Iren, Menschen mit irischen Wurzeln in den USA, Australien, Großbritannien, China, Russland, überall – deren Katzen und Hunde nicht mit gerechnet. Auf der grünsten aller Inseln selber leben 6,6 Millionen Menschen, 4,8 Millionen davon in der Republik, 1,8 Millionen im zum United Kingdom gehörenden Nordirland. Es gilt als gesichert, dass in den USA mehr Iren leben als in Irland selbst.

Das Colosseum in Rom

Hier die offizielle Liste der grünen Orte am Patrick´s Day 2017. Premieren-Grünlinge sind mit einem Stern* markiert. Die Liste ist in Englisch, sie ist unvollständig und stammt von Tourism Ireland

Great Britain

· London Eye

· Nelson’s Column, London

· Heron Tower, London *

· City Hall, London *

· Selfridges, London

· Selfridges, Birmingham

· Trafford Centre, Manchester

North America

United States

· One World Trade Center (formerly Freedom Tower), New York *

· Empire State Building, New York

· Aisling Irish Community Center, New York

· Civic Opera House, Chicago

· Chicago Gaelic Park

· Irish American Heritage Center, Chicago *

· John Hancock Center, Chicago

· Navy Pier, Chicago

· Novak Construction, Chicago

· One Prudential Plaza, Chicago

· Sheraton Grand Chicago

· State Street, Chicago

· Wrigley Building, Chicago

· ‘Welcome’ sign, Las Vegas

· City Hall, San Francisco

· Pacific Science Center, Seattle

Canada

· Niagara Falls (on both the Canadian and US sides)

· Canadian Museum of Nature, Ottawa

· The Distillery District, Toronto

· Whistler (ski resort)

Mainland Europe

Austria

· Wiener Riesenrad (Giant Ferris Wheel), Vienna

· Bergisel Sprungschanze Stadion (ski jump), Innsbruck

Belgium

· Manneken Pis statue, Brussels (“dressed” in Irish costume)

· City Hall, Antwerp *

· Cloth Hall, Ypres *

· Town Hall, Mons

Finland

· Irish Ice Fishing Championship, Tampere *

· Restaurant RantaCasino, Heinola

Croatia

· Bandic fountains, Zagreb *

Cyprus

· Municipal Town Hall, Nicosia

France

· Roue de Paris, Tuileries Gardens, Paris

· Irish Embassy, Paris

· Tapis rouge lumineux (red carpet), Cannes *

· L’Hôtel de Ville, Cannes

· La Croisette, Cannes

· Palais des Festivals et des Congrès, Cannes

· Tour de la Castre au Suquet, Cannes

Germany

· Neumünster Church, Würzburg

· Rathaus, Würzburg

Italy

· Colosseum, Rome

· Leaning Tower of Pisa

· Pozzo di San Patrizio (St Patrick’s Well), Orvieto *

· Teatro Alfonso Rendano (Rendano Theatre), Cosenza *

· Castello normanno-svevo (Swabian Castle), Cosenza *

· Municipio (Town Hall), Cosenza *

· Fontane Danzanti (Dancing Fountains), Cosenza *

Latvia

· Riga City Council

Poland

· Palace of Culture and Science, Warsaw

· University Bridge, Bydgoszcz

· Spodek (arena), Katowice *

· Galeria Echo (shopping centre), Kielce

· Father Bernatek (Kladka Bernatka) footbridge, Kraków

· Lipska Street flyover, Kraków

· Tauron Arena, Kraków

· Arena Lublin

· Ratusz (Town Hall), Poznan

· Stadion Wroclaw

· Ratusz (Town Hall), Rzeszów

Portugal

· National Sanctuary of Cristo Rei (Christ the King statue), Lisbon

· Museu Condes de Castro Guimarães, Cascais

The Netherlands

· Windmill, Weert

Romania

· Sheraton Hotel, Bucharest *

Slovakia

· Radisson Blu Carlton Hotel, Bratislava

Spain

· Plaça de Catalunya, Barcelona *

· Fountains on Gran Via, Barcelona *

· City Council, Murcia *

Switzerland

· The Rhine Falls, near Zurich

Australia and New Zealand

Australia

· Town Hall, Sydney

· State Library of New South Wales, Sydney

· Queensland Performing Arts Centre (QPAC), Brisbane

· Perth Airport, Perth *

· The Bell Tower, Perth

· Council House, Perth

· Elizabeth Quay, Perth

· State Library of Victoria, Melbourne

New Zealand

· Sky Tower, Auckland

Emerging markets

Brazil

Christ the Redeemer statue, Rio de Janeiro

Sede da FIESP (headquarters of Federação das Indústrias do Estado de São Paulo), São Paulo *

China

Great Wall of China

Ethiopia

Ethiopian Airlines Airbus A350, Addis Ababa *

Israel

· Water Tower, Ramat Gan (near Tel Aviv) *

Japan

· Torii of the Ise Grand Shrine, Ise, Mie Prefecture

· Matsue Castle, Matsue *

· Karakoro Art Studio, Matsue

Kenya

Rhino statue, Nairobi National Park *

Mozambique

Fortress of Maputo *

Palestine

Yasser Arafat Museum, Ramallah *

Russia

· Tverskaya Street, Moscow

Rwanda

Kigali Convention Centre, Kigali *

South Korea

Gwangandaegyo (Diamond Bridge), Busan *

United Arab Emirates

· Burj Al Arab Hotel, Dubai

Uganda

· Equator Sign and Line, Uganda

 

Alle Fotos: Tourism Ireland

Irlands Geschichte: Furchtbare Schönheit entstand

Eine Geschichte Irlands in 100 Zitaten: Die Dubliner Journalistin Una Mullally (*1983) interpretiert die wechselvolle Geschichte Irlands in kreativer Weise: Sie sammelte 100 große Zitate von Menschen, die mit ihrem Wirken für das Land eine Rolle gespielt haben. Zu Wort kommen Revolutionäre wie Michael Collins, Politiker wie Bertie Ahern, Musiker wie Bono, eine Piratin, ein Fußballtrainer, Schriftsteller, Moderatoren, Abenteurer, eine Bäuerin und eine anglo-irische Adelige, ja sogar Film-Charaktere wie Father Ted. Zu lesen in der Irish Times vom Wochenende. Lesenswert!

Mein Lieblings-Zitat sind zwei Zeilen aus William Butler Yeats Gedicht Easter 1916, das vom Irischen Osteraufstand handelt:

„All changed, changed utterly:
A terrible beauty is born“

Auf deutsch in der Übersetzung von Mirko Bonné:

„Alles änderte sich vollständig.
Furchtbare Schönheit entstand.“

Die wuchtige Phrase A Terrible Beauty lieh sich in den 70-er Jahren der amerikanische Schriftsteller Leon Uris aus, um sie als Titel für eines der besten Irland-Bücher aller Zeiten zu benutzen: Ireland a terrible beauty. (Dazu in der kommenden Woche mehr auf irlandnews.com)

Una Mullally

Una Mullally

Una Mullally zitiert in ihrer „Geschichte Irlands“ den U-2-Musiker Bono mit seinem Bonmot über die Arbeitsweise bei der größten Rock-Band der Welt: „Alle sagen ihre Meinung, und dann machen wir, was ich sage.“ 

Oder Bobby Sands, den IRA-Aktivisten und Poeten, der nach 66 Tagen Hungerstreik gegen die Britische Regierung im nordirischen Gefängnis Long Kesh bei Lisburn am 5. Mai 1981 starb – und nach seinem Tod zum Helden der Republikaner wurde. Sein berühmter Satz war: 

Our revenge will be the laughter of our children*“
„Unsere Rache wird das Lachen unserer Kinder sein“

Bobby Sands im Kontext: *“They will not criminalise us, rob us of our true identity, steal our individualism, depoliticise us, churn us out as systemised, institutionalised, decent law-abiding robots. We refuse to lie here in dishonor! We are not criminals, but Irishmen! This is the crime of which we stand accused. Never will they label our liberation struggle as criminal…Our revenge will be the laughter of our children” – Bobby Sands

Illustration: Saint Ignatius College, Chicago

Wie ein Traum: Eine irische Foto-Meditation (1)

 

 Madeleine Weber fotografiert Irland:  In den vergangenen Monaten hat sich Madeleine intensiv mit der Herstellung von Timelapse-Videos beschäftigt. Das Zeitraffer-Filme sind Langzeitaufzeichnungen von Bewegungsabläufen, die mit normaler Geschwindigkeit abgespielt werden. Ein Timelapse setzt sich aus zahlreichen Einzel-Fotos zusammen. Mit der Technik lassen sich Veränderungen sichtbar machen, die das menschliche Auge so nicht wahrnimmt. Eine faszinierende Technik.

 

 Madeleine WeberMadeleine Maria Weber (Foto) hat das erste hier auf Irlandnews gezeigte Timelapse  am Ladies View im Killarney National Park gemacht. Madeleine schreibt dazu:

„Wie ein Traum – Like a Dream“ ist eine neue Kurzfilm Serie auf meinem Youtube Kanal, in der ich magische Momente teile. Fotografiert habe ich an der Skellig Coast, im International Kerry Dark-Sky Reserve, am Ring of Kerry und am Skellig Ring. Fließende Bilder geben dem Betrachter oft das Gefühl, direkt dort zu sein. Da der Mensch keine Zeitraffer Wahrnehmung hat, erzählen diese Bilder von den subtilen Veränderungen der Landschaft in einer größeren Zeitspanne. Wir können das größere Bild nicht sehen, da die Veränderung in langsamen und deshalb unscheinbaren Bewegungen vor uns erscheint. Wir sehen nicht, wie die Schatten wandern, wie die Wolken tanzen oder wie das Licht mit der Landschaft spielt.

Ich präsentiere diese Aufnahmen in einer Schleife, damit der Betrachter Zeit bekommt, die kleinen Details wirklich wahr zunehmen. Man wird bemerken, dass beim zweiten oder dritten Ansehen Dinge in den Vordergrund treten, die scheinbar bis dahin nicht existierten. Zudem möchte ich Natur- und Irland-Liebhabern ein Format anbieten, mit dem sie sich entspannen können. Ich werde alle ein bis zwei Wochen eine neue Serie veröffentlichen und freue mich sehr, wenn es dem einen oder anderen ein schönes Bauchgefühl und eine kurze Freude für die Augen erschafft. Bitte aktivieren Sie immer die HD-Funktion, um die beste Video Qualitaet zu geniessen. 

An jenem Morgen hatte ich ein Geschaeftstermin in Killarney, Co. Kerry. Wie immer nahm ich meine Kamera mit. Als ich Ladies View erreichte, konnte ich meine Aufregung kaum unter Kontrolle halten. Der Nebel bewegte sich nahezu unbemerkt, und hin und wieder erschienen Formen, Bäume und Berge, um dann wieder vom Nebel gefressen zu werden. Da ich genügend Zeit hatte, fing ich an, alles aufzuzeichnen. In solchen Momenten ist es immer schwer zu sagen, wie die Zeitrafferaufnahme eigentlich aussehen wird, da es der menschlichen Wahrnehmung nicht möglich ist, die Bewegung in größeren Intervallen zu sehen. Ich war erfreut dass ich ganz alleine war und niemand durchs Bild lief.

Ich zeichnete die herrliche Landschaft ungefähr zwei Stunden lang auf. Wenn man dann die Bilder entwickelt und die Zeitraffer-Aufnahme das erste Mal vor sich spielen sieht, ist das so, als ob man Geburtstag hat: eine Überraschung. Der Moment wenn der Sonnenaufgang den Nebel berührt und die erste schwungvolle Nebelwelle von links durchs Bild rauscht, war nicht wahrnehmbar für, als ich dort am Ladies View stand. Beim Ansehen verpürte ich Freude über die Schöhnheit und die Dynamik der Sequenz. Auch sah ich ursprünglich live nicht, wie die Nebelfront sich bewegte wie die Meeresoberfläche. Solche Momente sind meine Glücksmomente und der Grund warum ich das Medium der Fotografie als Interaktion mit der Natur wählte.“

Irland Timelapse

Ladies View Misty Sunrise, Killarney, Co. Kerry, Ireland

Madeleine ist die Frau, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Weil sie warten kann. Auf den richtigen Zeitpunkt. Auf das perfekte Motiv. Fotografieren ist gutes Auge, gute Technik und viel, viel Geduld, Warten, Warten. Seit elf Jahren fotografiert Madeleine die einmalig schönen Landschaften Südwest-Irlands.

Wir begleiten Madeleine, die in Emlaghdrinagh, Waterville, im County Kerry lebt, bei der Arbeit, zeigen hier auf Irlandnews.com  regelmäßig Fotos ihrer Arbeit. Uns gefällt, dass in ihren Fotografien die Landschaft erkennbar bleibt, wie sie das Auge wahrnimmt, und dass sie in ihren Fotos dennoch eine ganz eigene unverkennbare künstlerische Ästhetik schafft.

Madeleine Weber Studio Irland Madeleine Weber FotografieÜbrigens: Madeleine Webers Fotos könnt Ihr vor Ort in Irland in ihrem Studio am Skellig-Ring im Original anschauen. Die Fotografin präsentiert ihre Landschafts- und  Meeres-Aufnahmen täglich von 11 bis 17 Uhr als hochwertige Kunstdrucke in verschiedenen Größen. Die Ausstellungsräume liegen an der R567 in Emlaghdrinagh zwischen Waterville und Ballinskelligs am Wild Atlantic Way (Telefon: +353 (0)85 780 3273). Sie versendet ihre Fotos weltweit: www.madeleinemariaweber.com.

 

Madeleines Foto-Arbeiten erscheinen regelmäßig hier auf Irlandnews.com. 

Heute gibts Asche und Verzicht: Fasten ist gesund

 

Kein Karneval. Nirgends. Im katholischen Irland liefert sich der gute Christ heute der Fastenzeit aus, ohne zuvor noch einmal richtig auf die Pauke gehauen zu haben. Karneval, Fasching, Fasnacht. Fehlanzeige. Allenfalls am Shrove Tuesday (shrove, von shrive = beichten), auch bekannt als Fat Tuesday oder Pancake Tuesday kommt ein wenig Stimmung auf, wenn die irischen Kinder traditionell zum Pfannkuchen-Wettessen antreten. Und spitze Zungen behaupten, hier auf der Insel habe man als Narr das ganze Jahr über Saison . . . 

Es ist also geschafft. Auch in Deutschland und in anderen Hochburgen der Narretei. Der inszenierte Frohsinn und der spaß-bewehrte Militarismus im Saal hat wieder mal ein Ende. Besonders politisch ging es in diesem Jahr auf den Straßen zu, besonders nachdenklich in der Bütt. Heute aber ist Aschermittwoch. Nur in Basel und auf den Bauern-Dörfern des Schwarzwalds gibt es am Wochenende noch einmal Nachschub für die Narren.

 

Im immer noch recht katholischen Irland sind die Kirchen heute gut gefüllt, denn es gibt wieder Asche auf die Stirn. Die Pfarrer (und die Lehrer in den Schulen) segnen ihre Schäfchen mit den Überresten verbrannter Palmblätter und zeichnen ihnen ein schwarzes Kreuz auf die Stirn.  Was das bedeutet, erklärte uns Nicht-Mitgliedern des Clubs ein befreundeter Messdiener: 

„Die Asche gilt als Zeichen der Vergänglichkeit: Der Mensch ist aus Staub geworden und er wird wieder zu Staub werden. Zum Zeichen der Demut, der Trauer und der Reue wird der Gläubige deshalb zu Beginn der 40tägigen Fastenzeit (die eigentlich 46 Tage dauert, aber am Sonntag muss sich der Katholik auch mal was gönnen dürfen) mit dem Aschekreuz gezeichnet. Wir sagen zum Beispiel „Asche auf mein Haupt“, wenn wir einen Fehler zugeben oder Reue zeigen.“

Ash Wednesday. Heute also beginnt die Fastenzeit, in englisch Lent – was ursprünglich „lang“ und „Frühjahr“ bedeutete, also die Zeit, wenn die Tage länger werden. In vielen irischen Schulen verpflichten sich die Kinder und Jugendlichen heute zum Fasten. Dabei wird der Fasten-Begriff durchaus modern interpretiert: Die Menschen hier verzichten bis Kar-Samstag auf etwas, was sie im Übermaß genossen haben. Manche leiten deshalb am Aschermittwoch ein Fernseh-Lent ein, andere ein Smartphone-Lent und ganz Radikale verordnen sich ein 40tägiges Medien-Fasten ohne Smartphone, Spielkonsole, Fernsehen, iPod und DVD-Payer. Wieder andere versuchen, sechs Wochen lang einen weiten Bogen um Süßigkeiten, oder klassisch um Fleisch (Carnevale heißt bekanntlich „Tschüss Fleisch“!) oder um Alkohol zu machen. 

 
Die Schulmedizin verbreitet seit kurzem mit Verve und dem Etikett wissenschaftlich erwiesen eine Weisheit, die in der Naturheilkunde seit Jahrzehnten etabliert ist: Fasten ist gesund. Ob zwei Wochen am Stück (14), ob regelmäßig ein Tag in der Woche (1:6) oder ob jeden Tag stundenweise (16:8, bedeutet: nur an acht Stunden am Tag essen, 16 Stunden, inklusive Nachtruhe, nichts essen): Der Körper dankt es, denn die nahrungs-freie Zeit nutzt er zur Regeneration und Erneuerung. Der Blutzucker pendelt sich ein, der Blutdruck sinkt, die Zellen reparieren sich besser, beschädigte Zellen werden abgebaut. 
 
Auf was verzichtest Du? 
 
 

Ein Jahrhundert-Leben: Sir Cosmo Haskard

Sir Cosmo Haskard (1916 – 2017)

Das Ende einer Epoche. Heute wurde in unserem Städtchen im Südwesten ein Mann beerdigt, der im Jahr des irischen Osteraufstands 1916 zur Welt gekommen war: Cosmo Haskard. Der in Dublin geborene Brite war einer der letzten Vertreter des einstmals glorreichen British Empire. Sir Cosmo Dugal Patrick Thomas Haskard war ein Imperialist aus dem Bilderbuch: Studium an der Elite-Universität Cambridge, Offiziers-Laufbahn, danach Dienst in den Kolonien als hochrangiger Verwaltungs-Offizier und Diplomat in Afrika und Südamerika. Haskard arbeitete unter anderem als Hoch-Kommissar von Uganda und als Botschafter der Britischen Krone in Ruanda.

Sir Cosmo tritt 1964 den Dienst in Stanley, der Hauptstadt der Falklands an. Mit dabei Frau Phillada

Von 1964 bis 1970 „regierte“ er die Falkland Islands, den kleinen britischen Insel-Außenposten vor der Küste Argentiniens. Sir Cosmo erlangte internationale Bekanntheit, als er die Bewohner der Falklands über Geheimverhandlungen zwischen Argentinien und Großbritannien im Alleingang unterrichtete. Die Briten schienen damals bereit, die von Argentinien Malvinas genannte Inselgruppe an das südamerikanische Land abzutreten. Bekanntlich wurde am Ende daraus nichts, und die britische Premier-Ministerin Margaret Thatcher ließ um die Falklands im Frühjahr 1982 sogar Krieg führen. Die Bewohner der Falklands, die mehrheitlich zu Großbritannein gehören wollen, halten Sir Cosmo für die Indiskretion bis heute in bester Erinnerung.

Zur Zeit des Falkland-Krieges war Cosmo Haskard, Mitglied des Ordens des British Empire, sowie des Ordens von St. Michael und St. George, bereits im Ruhestand. Der bis vor kurz vor seinem Tod rüstige und aktive Haskard lebte seitdem mit seiner Frau Phillada in Tragarriff bei Bantry. Als Spross der einflussreichen Hutchins-Familie war Cosmo, Sohn von Alicia „Lily“ Hutchins-Haskard und Cousin ersten Grades von Richard N Hutchins, mit  den hiesigen Herrenhäusern Ardnagashel House, Ballylickey House und mit der Bantry Bay seit Kindheitstagen eng verbunden. Man kannte ihn als aufrechten, großen Mann, der mit langen Schritten immer eher eilte als ging. Das Paar war 60 Jahre verheiratet und lebte in einem von Cosmos Vater John McDougall gebauten Anwesen am Meer ein ebenso diszipliniertes wie bescheidenes Pensionärs-Leben. In den Wintermonaten hielt sich das Paar in einem geheizten Raum in dem weitläufigen Haus auf. Im Sommer sah man die beiden schon mal auf Picknick-Tour irgendwo in den Bergen, die über zehn Jahre jüngere Ehefrau chauffierte ihn immer ganz unerschrocken in ihrem blauen Handwerker-Kastenwagen.  

Wie viele Anglo-Iren liebte Cosmo die üppige Pflanzenwelt in der Bantry Bay, die lebendigen Reminiszenzen in Irlands Gärten, die in den weltweiten Territorien des Empire gesammelt und in die Gärten der Heimat auf den britischen Inseln überführt worden waren.

Rhododendron macabeanum

In den Glanzzeiten zählte die Britische Krone jeden vierten Bewohner des Erdballs zum Empire. Das war 1922. Seitdem ist der Glanz von Britannia langsam, aber kontinuierlich verblasst, und die Welt wartet in Zeiten des Brexit noch immer auf eine deutliche Bewertung des Jahrhunderte währenden britischen Großmachtwirkens. Auch in Irland sind die adeligen Landlords von der großen Nachbarinsel, die mit den eigenen Kirchen, den eigenen Friedhöfen, den eigenen Schulen, den eigenen Rechten und den eigenen Riten, nach Jahrhunderten der Besatzung nicht immer nur gerne gesehen. Noch immer schmerzen die uralten Narben, über die man im gemeinsamen Alltag mit vollendeter Höflichkeit hinweg sieht.

Oft sind Klarheit und Heilung erfahrungsgemäß erst möglich, nachdem auch die letzten Zeitzeugen abgetreten sind. Sir Cosmo jedenfalls war ein Gentleman mit dem berühmten britischen Humor, mit großer Gelassenheit und einer feinen Selbstironie. Wir hatten das Glück, ihn zu kennen. Über seine Zeit als Gouverneur in Afrika sagte er einmal: „Du musst vorsichtig sein. Wenn Du riesige Ländereien verwaltest und tagein tagaus die Entscheidungen triffst, schleicht sich irgendwann das Gefühl ein, dass das alles Dir gehört . . . “  

Im vergangenen Herbst hatte sich Sir Cosmo von einer kurzen schweren Krankheit noch einmal erholt, um am 25. November seinen 100. Geburtstag zu feiern. Gestern und heute nahm seine tapfere Frau Phillada von ihm Abschied. Sie sagte: „He was ready to go.“ Cosmos Sarg schmückten die frischen cremeweißen Blüten des Rhododendron macabeanum, der meistens erst zwei bis drei Wochen später im Jahr blüht. Seine Witwe: „Als wären die ersten Blüten für ihn aufgegangen.“ Dem begeisterten Hobby-Gärtner hätte das sicherlich gefallen.

Fotos: National Archives; Eliane Zimmermann (unten)

Raus aus dem Alltag und die Natur intensiv erleben

Blick aus dem Cottage-Fenster:Der Natur Retreat in Irlands Bergen: Im Jahr 2017 im Mai, August und September.

Der Weg zu uns und zur Natur. Die einwöchigen Irland-Natur-Retreats von Wanderlust führen in die Stille und Weite der irischen Berge im Südwesten der Insel  – und zu uns selbst. Was finden die Teilnehmer der Natur Retreats in den Bergen hoch über dem Atlantik?  Antworten von Markus Bäuchle, der die irischen Natur Retreats 2017 leitet.

Was ist das, ein Natur Retreat in Irland, kurz und knapp in einem Satz ausgedrückt?
Der Natur Retreat ist eine Reise zu Fuß zu uns selbst als einem Teil der Natur; wir konzentrieren uns dabei auf das Einfache und erleben das Wesentliche.

Irland Retreat

Klingt spannend. Hat das mit Survival und Entsagung zu tun?
Nein, wir machen kein Survival und verzichten auch nur auf das Überflüssige. Wir wollen kein primitives Leben. Wir kochen uns gutes gesundes Essen und wir lassen uns intensiv auf unsere natürliche Umgebung ein. Wir erfahren die Sonne, den Mond, die Wolken, das Wasser, die reine atlantische Luft, die Tiere und Pflanzen der Bergwelt. Es geht um das bewusste Leben, und wir lassen dafür unsere Alltags-Accessoirs einmal für ein paar Tage hinter uns.

 

Wie sieht das dann genau aus in den Bergen?
Wir ziehen uns als kleine Gruppe eine Woche lang in die Berge zurück. Ohne Uhr, ohne Telefon, ohne Internet, ohne Strom und ohne Geld. Wir verzichten auf Alkohol. Und doch haben wir alles, was wir zum Leben benötigen: Wir leben einfach in einem alten Cottage, das uns Schutz bietet. Wir baden im Fluss, sitzen am Feuer. Wir streben an, in Einklang mit der Natur und mit uns selbst zu kommen. Wir wandern abseits der Zivilisation und spüren nach, was das mit uns macht. Wir schöpfen Kraft und Inspiration in der unberührten Natur. Die Wertsachen werden während der Woche sicher aufbewahrt, und klar: Es gibt eine Telefonnummer, unter der die Teilnehmer im Notfall erreichbar sind.

Am Feuer_

Woher kommt die Idee, die äußere Natur und die Natur in uns intensiv zu suchen?
Beides hängt natürlich eng miteinander zusammen: Innen ist wie außen. Die Zerstörung der äußeren Natur hat ihre Entsprechung in unserem Inneren. Mein Bedürfnis zu dieser Suche stammt noch aus der Zeit, als ich in meinem deutschen Alltag Tag für Tag intensiv spürte, wie verletzt und zerbrochen unser Verhältnis zur Natur ist. In Irland dauerte es dann einige Jahre, bis der Wunsch mit Hilfe meines holländischen Freunds, des Unternehmensberaters und Jung-Psychologen Ben Tomesen Wirklichkeit wurde. Wir führten zusammen erstmals Menschen in die irische Natur und zu sich. Daraus entwickelte sich in den vergangenen drei Jahren ein eigener Natur Retreat. Inspirieren lasse ich mich von der grandiosen, weitgehend intakten Naturlandschaft am irischen Atlantik und von den Arbeiten und Erfahrungen des Schweizer Psychologen Carl Gustav Jung.

C.G. Jung, der Gründer der analytischen Psychologie, hat sich in den Jahren ab 1923 mit eigenen Händen am oberen Zürichsee ein abgeschiedenes Natur-Refugium gebaut, in dem er Pausen vom Alltag einlegte, um die Natur und sich intensiv zu ergründen und zu erleben. Ich hatte das Glück, den Turm in Bollingen im vergangenen Herbst zu besuchen, und mir wurde dabei klar, dass wir heute genau das tun, was Jung schon vor fast 100 Jahren tat. Der Universalgelehrte ist für mich der erste Naturschützer der westlichen Kulturgeschichte. In seinen Erinnerungen schreibt C. G. Jung über seine Erfahrungen im Turm:

„Zuzeiten bin ich wie ausgebreitet in die Landschaft und in die Dinge und lebe selber in jedem Baum, im Plätschern der Wellen, in den Wolken, den Tieren, die kommen und gehen, und in den Dingen. Es gibt nichts im Turm, das nicht im Laufe der Jahrzehnte geworden und gewachsen ist und mit dem ich nicht verbunden bin. Alles hat seine und meine Geschichte, und hier ist Raum für das raumlose Reich des Hintergrunds.

Ich habe auf Elektrizität verzichtet und heize selber Herd und Ofen. Abends zünde ich die alten Lampen an. Es gibt auch kein fließendes Wasser, ich muß das Wasser selber pumpen. Ich hacke das Holz und koche das Essen. Diese einfachen Dinge machen den Menschen einfach; und wie schwer ist es, einfach zu sein! In Bollingen umgibt mich Stille, und man lebt «in modest harmony with nature». Gedanken tauchen auf, die in die Jahrhunderte zurückreichen und dementsprechend ferne Zukunft antizipieren. Hier mindert sich die Qual des Schaffens; das Schöpferische und das Spielerische sind nahe beisammen.“  (aus: Erinnerungen, Träume, Gedanken.)

C.G. Jungs Turm in Bollingen am Zuerichsee

C.G. Jungs Turm in Bollingen am Zuerichsee

Heute kommt übrigens eine trendige Version des Natur Retreats aus dem globalen Zentrum des technologischen Fortschritts, dem Silicon Valley. Dort befreien sich hoch spezialisierte Computer-Freaks wochenendweise von den Abhängigkeiten des Internets, der sozialen Medien und  der gesamten elektronischen Parallelwelt. Sie nennen das Digital Detox –  Entgiftung vom digitalen Alltag. Wir alle kennen heute die Macht von Smartphone, Facebook und Whatsapp über unser Leben – und davon einmal ein paar Tage Abstand zu nehmen, tut uns außerordentlich gut. C.G. Jung hatte auch zum sogenannten technologischen Fortschritt schon vor Jahrzehnten eine fast hellsichtige Einstellung. Er sagte, diesen „Fortschritt“ müssten wir teuer bezahlen. Alles Bessere würde durch ein Schlechteres erkauft. (Dazu demnächst mehr an dieser Stelle.)

Unser Cottage liegt in diesem Hochtal

Unser Cottage liegt in diesem Hochtal

Zurück zum Irland-Retreat. Wie läuft eine Woche in Irlands Bergen ab?
Wir stehen mit der Sonne auf und gehen mit den Sternen ins Bett. Wir nehmen einen natürlichen Lebens-Rhythmus auf und folgen keinem starren Programm. Die Sonne und unsere Bedürfnisse, allem voran der wechsel von Aktivität und Ruhe, und die Ernährung geben den Takt der Tage vor. Wir erkunden die Berge auf geführten Wanderungen im Einklang mit der Natur. Wir hinterlassen keinerlei Spuren. Der Schwierigkeitsgrad der Wanderungen liegt zwischen leicht und mittelschwer (1 bis 2,5 von 4). Höhenmeter: 100 bis maximal 600 pro Wanderung.

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Das Cottage in den Bergen, geschützt von Bäumen

Wo schlafen die Teilnehmer?
Ein einfaches altes Cottage hoch in den Bergen abseits der Straßen bietet uns Schutz und Unterkunft. Es gibt keinen Strom, wir schlafen auf Matratzen, es gibt alles, was wir benötigen: Fließendes kaltes Trinkwasser, ein schönes großes Kaminfeuer, Kerzen- und Solar-Licht, eine Kochstelle, einfaches gesundes Essen (auf Wunsch vegetarisch, vegan, weizenfrei etc.), ein Waschbecken unter freiem Himmel, eine Toilette, einen kleinen Fluss und Seen zum Säubern, Baden und Erfrischen. Dazu Ruhe, Sonne, Wind, Regen, die Lichter des irischen Himmels und der Blick hinunter auf das nahe Meer. Wir kehren jeden Abend zu unserem Cottage zurück. Es wird unser Lebensmittelpunkt sein. Und wer Lust hat, schläft draußen auf der Wiese unter dem Sternenhimmel.

Nartur-Wandern in den wilden Bergen Irlands

Wir haben viel Raum für uns und einen weiten freien Blick

Was heißt das eigentlich alles: Zu sich kommen, zentrieren, sich erden?
Den Alltag einmal systematisch hinter sich zu lassen, auf Internet, Zeitdruck, Fernsehen, Telefon, auf Autofahren, Arbeit und Haushalt zu verzichten und sich unbeschwert in der Natur zu bewegen, ermöglicht sehr grundlegende Erfahrungen. Die Natur harmonisiert uns Menschen, wenn wir es zulassen. Sie öffnet unsere Herzen und ermöglicht uns eine klare Sicht auf das Leben: Wir verstehen besser, wer wir sind und was in unserem Leben wirklich wichtig ist. Man kann sagen: Die Prioritäten sortieren sich auf wundervolle Weise neu.

Am Bergbach

Am Bergbach

Ist beim Natur Retreat jeder für sich, oder ist es ein Gruppen-Erlebnis?
Es ist beides. Wir sind zum einen ganz mit uns selbst, dann zu zweit oder zu dritt, und schließlich Teil der ganzen Gruppe. Die Gemeinschaft der Individuen gibt Raum für beides, was uns ausmacht: Wir alle sind einzigartig und gleichzeitig Teil der Gemeinschaft. Wir hören tief und vorbehaltlos zu und wir sprechen aus dem Herzen.
Wir genießen diese Tage in einer Atmosphäre der Sicherheit und des Vertrauens, die tiefes Denken, Fühlen und Sprechen ermöglicht. Wir beschäftigen uns auch mit den wichtigen Fragen des Lebens: Wer bin ich? Was liebe ich? Was macht mein Glück aus? Was ist meine Aufgabe? Was will ich hinter mir lassen? Was möchte ich künftig erreichen? Aber was wichtig ist, bestimmen die Teilnehmer für sich: Jede(r) kann seine eigenen Themen mitbringen und in der Ruhe der Berge Antworten suchen. Und wer einfach nur die Natur sucht, ist auch richtig.

Geborgen in den irischen Bergen

Geborgen in den irischen Bergen

Wie ernähren sich die Natur-Wanderer?
Wir ernähren uns einfach und gesund, mit frischen Lebensmitteln, vielen Früchten und Gemüse, die möglichst Bio-Qualität haben und teils lokal hergestellt werden. Der Lebensmittelvorrat für die Woche steht im Cottage bereit. Wir gehen weder Jagen noch Sammeln. Wir kochen selbst auf einer einfachen Kochstelle. Es gibt einen Teller, eine Tasse, eine Schüssel und ein Besteck-Set für Jede(n). Ich kann versichern: Das Essen schmeckt nach einem Tag im Freien ganz besonders gut.

On Top_

Von ganz oben sieht man/frau vieles klarer

Die Packliste für den Natur Retreat ist ziemlich umfangreich. Ist das nicht ein Widerspruch zum einfachen Leben?
Du hast recht, es ist nicht völlig widerspruchsfrei. Aber weil wir kein Überlebenstraining machen, und weil wir wollen, dass sich die Teilnehmer sicher, warm, trocken, wohl und geborgen fühlen, bedarf es einer guten Ausrüstung. Ich rate jedoch dazu, das Ausrüsten nicht zu übertreiben, sich auf das Wesentliche zu beschränken und vor allem, sich Dinge wie Schlafsack, Rucksack oder aufblasbare Matratze auszuleihen, wenn frau/man keine eigene hat.  Es ist angesichts unserer Bemühungen, den ökologischen Fußabdruck zu verringern, sicher auch widersprüchlich, nach Irland zu fliegen. Immerhin aber ist es ein kurzer Flug von weniger als zwei Stunden und kein Langstreckenflug. Wer auch das nicht verantworten will, kann im Auto oder mit Bus/Zug und Fähre reisen oder auch per Mitfahrgelegenheit und Anhalter, wie ich das früher auch immer gemacht habe. Dazu braucht man nur eines: mehr Zeit.

Irland Wildnis_3

Hoch über dem Meer

Warum bieten wir die Natur Retreats an?
Ich habe mir vor Jahren vorgenommen, nur noch das zu arbeiten, was ich wirklich gerne mache und was mir selber wirklich wichtig ist. Das ist nicht immer leicht, klappt aber im Großen und Ganzen. Die Natur Retreats jedenfalls sind mir jenseits des Broterwerbs ein Herzens-Anliegen. Die Frage, wie wir Menschen unser gestörtes Verhältnis zur Natur wieder in Ordnung bringen können, beschäftigt mich wie schon gesagt seit vielen Jahren. Die Wanderungen in der Weite unberührter Natur in den Bergen sind auch ein Versuch, gemeinsam Antworten zu finden und wichtige neue Erfahrungen zu machen. Wie können wir wieder Teil der Natur werden, anstatt deren herrische Zerstörer, wie können wir ein Stück Wildnis in unsere überzivilisierte und ökologisch ausgezehrte Welt zurückkehren lassen?

Natur Retreat Gruppe macht ein PäuschenWann finden die nächsten Natur Retreats statt?
Im kommenden Jahr gehen wir auf drei Retreats: vom 20. bis 27. Mai, vom 5. bis 12. August und vom 16. bis 23. September 2017. Es gibt für jede Woche zwei Retreat-Leiter. Die Mai-Gruppe leite ich zusammen mit der Medizinerin Maria Walder aus Wesel, die August-Gruppe mit der Heilpraktikerin und Körper-Therapeutin Gisela Cordes aus München und den September-Retreat mit dem Schwitzhütten-Guide und Ritual-Experten Uwe Backhaus aus Paris. Wir sprechen deutsch und freuen uns auf nette, aufgeschlossene Leute. Wer sich den Reisepreis aus rein finanziellen Gründen nicht leisten kann, soll uns einfach ansprechen.

Detaillierte Informationen inklusive der erwähnten Packliste gibt es hier auf www.irland-natur.de oder direkt bei Wanderlust Irland, Markus Bäuchle, Telefon D +49 89 89623290, markus@wanderlust.de

Alle Fotos: Markus Bäuchle / Wanderlust (2015/16/17)

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