Über Markus Bäuchle

Journalist und Wanderer. Lebt in Glengarriff im Südwesten Irlands. Mit Markus kann man in Irland wandern gehen: www.irland-wandern.de
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Madeleines Foto-Woche: Ballycarbery Castle

Ballycarbery Castle, Cahersiveen, Co. Kerry, Irland

Ballycarbery Castle, Cahersiveen, Co. Kerry, Irland

Madeleine Webers Foto-Woche:  Wir sind auf Irland-Tour am Atlantik im County Kerry mit der Profi-Fotografin Madeleine Maria Weber und machen heute Station am  Ballycarbery Castle bei Cahersiveen. Die Ruine aus dem 16. Jahrhundert erinnert an die einst stolze Burg des Clans der McCarthy Mor. Der Rest des Turmhauses thront auf einem grünen Hügel mit Blick über das Meer.

 Madeleine WeberMadeleine Maria Weber (Foto) kam zum Ballycarbery Castle, um den Sonnenuntergang zu fotografieren. Über diese Arbeit sagt sie:

„Die Ruine des Ballycarbery Castle erzählt viele Geschichten aus der Vergangenheit und ist ein sehr beliebtes Fotomotiv. Als ich ankam, hoffte ich auf einen kraftvollen Sonnenuntergang. Doch eine Wolkengruppe hing widerspenstig über der Horizontlinie und verdeckte den Sonnenball. Manchmal zahlen sich guter Wille und eine positive Grundeinstellung aus, vor allem hilft die Fähigkeit, auf den richtigen Augenblick zu warten.

Und siehe da: Plötzlich öffnete sich die Wolkenfront, die Sonne malte die schönsten Farben und Lichtspiele. In gewisser Weise sieht es aus wie ein Fenster in der Wolkenfront. Es war ein Moment, der mich berührte. Demzufolge habe ich den Auslöser gedrückt und jetzt kann der jetzt zeitlose Moment viele Betrachter des Fotos berühren. Ich liebe genau das an der Fotografie: Die Inspiration reist durchs Bild. „

Madeleine Weber ist die Frau, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Weil sie warten kann. Auf den richtigen Zeitpunkt. Auf das perfekte Motiv. Fotografieren ist gutes Auge, gute Technik und viel, viel Geduld, Warten, Warten. Seit elf Jahren fotografiert Madeleine die einmalig schönen Landschaften Südwest-Irlands.

Wir begleiten Madeleine, die in Emlaghdrinagh, Waterville, im County Kerry lebt, in den kommenden Monaten bei der Arbeit, zeigen hier auf Irlandnews.com  jeden Samstag ein Foto aus ihrer Arbeitswoche. Uns gefällt, dass in ihren Fotografien die Landschaft erkennbar bleibt, wie sie das Auge wahrnimmt, und dass sie in ihren Fotos dennoch eine ganz eigene unverkennbare künstlerische Ästhetik schafft.

Madeleine Weber Studio Irland Madeleine Weber FotografieÜbrigens: Madeleine Webers Fotos könnt Ihr vor Ort in Irland in ihrem Studio am Skellig-Ring im Original anschauen. Die Fotografin präsentiert ihre Landschafts- und  Meeres-Aufnahmen täglich von 11 bis 17 Uhr als hochwertige Kunstdrucke in verschiedenen Größen. Die Ausstellungsräume liegen an der R567 in Emlaghdrinagh zwischen Waterville und Ballinskelligs am Wild Atlantic Way (Telefon: +353 (0)85 780 3273). Sie versendet ihre Fotos weltweit: www.madeleinemariaweber.com.

 

Madeleines Foto-Woche erscheint immer samstags hier auf Irlandnews.com

Irische Sitten: Das Nein, das ein Ja ist

Full Irish Breakfast

Irische Sitten: Irische Höflichkeit kann ganz schön anstrengend sein: Sie laden Anne, John, Patrick oder Siobhan zu einer Tasse Tee, einem Stück Kuchen oder einem Snack ein, und sie lehnt dankend ab, er behauptet, er habe gerade schon gehabt. Nur die Augen verraten vielleicht, dass man als Uneingeweihter noch einmal nachfragen sollte: Wirklich nicht? Nein wirklich nicht, oder allenfalls und nur ganz vielleicht, wenn Du auch eine Tasse mittrinkst. . .

Das irische Bescheidenheits-Ritual  kann leicht vier oder fünf Runden dauern, bis man sich endlich zur Tasse Tee und zum Stück Kuchen zusammensetzt. Es heißt, diese äußerst defensive Höflichkeit stammt aus der Zeit, als die Not in Irland groß war, als es nicht genug zu essen gab, und keiner die Gastfreundschaft der Freunde, Nachbarn und Verwandten ausnutzen wollte. So lernte man, dreimal öfter nein zu sagen, obwohl der Magen eigentlich leer war und die Augen ein Ja signalisierten.

Doch die Zeiten ändern sich. Vor einigen Tagen war unsere irische Bekannte Kate zu Besuch. Kate ist, was man hier straight forward nennt: Sie hält mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg, geht geradeaus durch den heißen Brei und kennt kein lauwarmes Durch-die-Blume-Gesäusel. Als ich Kate zum dritten Mal frage, ob sie nicht vielleicht doch noch einen kleinen Nachschlag haben möchte, bricht es aus ihr heraus: „Fängst Du jetzt auch schon mit dieser alten irischen Masche an? Ich bin wirklich, wirklich satt!“

PS: Das Bemühen, unseren eigenen Kindern Höflichkeit und Bescheidenheit beizubringen, scheiterte schon früh. In der Metzgerei antwortete unser damals Vierjähriger, der gerade einen Zipfel Wurst geschenkt bekommen hatte, auf meine bekloppte Aufforderung „Wie sagt man?“ völlig unbefangen mit ausgestreckter Hand und den Worten: „Noch eins!

Madeleine Webers Foto-Woche: Derrynane House

Derryanane House by Madeleine Maria Weber

Derryanane House by Madeleine Maria Weber

Madeleine Webers Foto-Woche:  Wir sind wieder unterwegs im County Kerry mit der Profi-Fotografin Madeleine Maria Weber und schauen heute durch die Kamera auf das Haus eines berühmten Mannes. In Derrynane am Strand lebte Daniel O’Connell, der Liberator, ein Politiker, der im 19. Jahrhundert für die Befreiung Irlands vom Joch des englischen Kolonialismus eine bedeutende Rolle gespielt hat.

 Madeleine WeberMadeleine Maria Weber (Foto) kam im Sommer 2015 zum Fotografieren zum Derrynane House. Über ihre Arbeit sagt sie:

„Dieses Bild habe ich letzten Sommer aufgenommen. Viele Bilder werden jährlich vom Daniel O’Connell House gemacht. Ich suchte nach einer neuartigen Perspektive und erkundete die gesamte Gegend. Für diese Aufnahme habe ich ein Tele-Objektiv verwendet um den romantischen Strand, den Wald und das Haus zu komprimieren auf eine kleine Fläche. Es ist ein Perspektiventrick, da der Abstand zwischen Strand und Haus erheblich größer ist als es in dieser Aufnahme den Anschein hat. Dies ist ein gutes Beispiel, wie man die Merkmale verschiedener Objektive als gestalterisches Mittel verwenden kann.“

Madeleine Weber ist die Frau, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Weil sie warten kann. Auf den richtigen Zeitpunkt. Auf das perfekte Motiv. Fotografieren ist gutes Auge, gute Technik und viel, viel Geduld, Warten, Warten. Seit elf Jahren fotografiert Madeleine die einmalig schönen Landschaften Südwest-Irlands.

Wir begleiten Madeleine, die in Emlaghdrinagh, Waterville, im County Kerry lebt, in den kommenden Monaten bei der Arbeit, zeigen hier auf Irlandnews.com  jeden Samstag ein Foto aus ihrer Arbeitswoche. Uns gefällt, dass in ihren Fotografien die Landschaft erkennbar bleibt, wie sie das Auge wahrnimmt, und dass sie in ihren Fotos dennoch eine ganz eigene unverkennbare künstlerische Ästhetik schafft.

Madeleine Weber Studio Irland Madeleine Weber FotografieÜbrigens: Madeleine Webers Fotos könnt Ihr vor Ort in Irland in ihrem Studio am Skellig-Ring im Original anschauen. Die Fotografin präsentiert ihre Landschafts- und  Meeres-Aufnahmen täglich von 11 bis 17 Uhr als hochwertige Kunstdrucke in verschiedenen Größen. Die Ausstellungsräume liegen an der R567 in Emlaghdrinagh zwischen Waterville und Ballinskelligs am Wild Atlantic Way (Telefon: +353 (0)85 780 3273). Sie versendet ihre Fotos weltweit: www.madeleinemariaweber.com.

 

Madeleines Foto-Woche erscheint immer samstags hier auf Irlandnews.com

Der Traum vom gemütlichen Cottage in Irland

Irland Cottage

Ein Cottage in Irland

Ein Cottage in Irland – vier Generationen deutsche Irlandfahrer waren von diesem Wunsch beseelt, und auch Stadt-Iren aus Dublin und amerikanische Wurzelsucher träumen diese Wochenend- und Ruhestandsphantasie: Ein Cottage im Westen, heißt es dann – getreu der alten Arbeitsteilung: Im Osten der Insel wird gearbeitet, im Westen regiert die Muße.

Eines der ewigen Vorzeige-Cottages Irlands steht am Ellen´s Rock (Foto links), eine Meile außerhalb von Glengarriff in West Cork, und rottet nun still vor sich hin. Das weiß getünchte Häuschen, das an einem ruhigen Seitenarm der Bantry Bay gebaut wurde, diente in den vergangenen Jahrzehnten zuverlässig als romantisches Postkartenmotiv – zumal es von den Eigentümern stets gut in Schuss gehalten wurde. Nun sind die letzten Bewohner schon Jahre tot, das unbewohnte Cottage bleibt zumindest für eine Weile noch.

Städter sehnen sich nach einem Leben auf dem Land und in der freien Natur. Und doch ist der Drang in die Städte ungebrochen. Die Dörfer darben, die Städte wachsen weiter.

Menschen träumen gerne von einem anderen Leben an anderen Orten. Von den kleinen und großen Fluchten aus dem Alltag. In den schönsten Wochen des Jahres spüren manche diesem Traum nach, reisen mit der Sehnsucht im Gepäck zu fremden Plätzen und finden sie – wenn es gut läuft –  erfüllt.

Irlands alte Cottages sehen niedlich aus, kuschelig, gemütlich, heimelig. Sie regen die Phantasie von einem besseren Leben an – man würde gerne einen deutschen Gartenzwerg und einen irischen Leprechaun nebeneinander in den Vorgarten stellen. Die Wirklichkeit hinter dicken feuchten Steinmauern ist eine andere, auch dort gilt es, einen Alltag zu leben . . .

 

Foto: Markus Bäuchle (oben); das Cottage am Ellen´s Rock auf einer Postkarte aus den 60er Jahren. 

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Wenn Irlands herrliche Berge uns Wanderer locken

Bergwandern Irland

Warum steigen wir so gerne auf Berge? Und das in Irland? Weil sie da sind, weil sie großartig sind. Weil sie uns in den Bann einer eigenen Welt oberhalb der Sorgengrenze ziehen. Das folgende Stück über die Berge habe ich so ähnlich für unser Buch 111 Gründe Irland zu lieben* geschrieben.

„Den Genuss eines erhebenden Ausblicks vom Berggipfel hinunter über den Atlantik muss sich der Gipfelstürmer erarbeiten, erkraxeln, erwandern. Während die meisten Menschen die asphalt- und beton-reichen Gegenden auf Meereshöhe vorziehen, steige ich gerne in die Höhe, in die Caha Mountains, die Slieve Miskish Mountains, die MacGillicuddies Reeks. Viele Zeitgenossen können dieses Tun gar nicht verstehen, immerhin aber wirft ihr Unverständnis die spannende Frage auf: Warum steigen wir (Männer) so gerne auf Berge? Es ist sicher keine Modeerscheinung. Bekanntlich frönte schon der alte Moses in alttestamentarischer Zeit dem Bergwandern. Francesco Petrarca, Dichter und Vater des Alpinismus, fand im Berg und nah am Himmel im 14. Jahrhundert keinen geringeren als Gott. Wieder andere versuchten, auf dem Berg die Welt zu erkennen.

Verhaltenswissenschaftler wollen im Bergsteiger das ewig balzende Männchen erkennen oder dessen Auseinandersetzung mit dem väterlichen, männlichen Prinzip. Und manche suchen am Berg, der Alltagswelt entrückt, sich selbst. Bergwandern als Selbstfindung, als angewandte natur-therapeutische Selbstheilung. Wer es weniger psychologisch mag: Auf dem Gipfel ist oben. Und wer dort oben steht, hat den Überblick. Das ist es, was wir suchen und finden: Freiheit für einen Nachmittag und das Gefühl der Erhabenheit. Aber warum müssen wir fast zwanghaft Inseln besuchen, und weshalb zieht es uns ans Meer? Bleiben wir noch einen Moment in den irischen Bergen: Warum steigen Menschen auf Irlands herrliche Berge?

Weil sie müssen, die einen. Weil die Berge da sind, die anderen. Ich habe im Laufe der vergangenen 15 Jahre immer einmal wieder Menschen auf den Berggipfeln von Kerry und Cork getroffen, die dort oben auf der Suche nach ihren Schafen waren. Die Schaf-Farmer sind die eigentlichen Könige der Berge. Könige in Gummistiefeln. Sie kennen das Land, ihr eigenes Land, wie kein anderer.

 


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Wanderlust startet im Juni erstmals zu einer Bergwanderwoche in den Gebirgen von West Cork und Kerry im Südwesten der grünen Insel. Termine: 11.-18. Juni und 17. bis 24. September. Abseits der Wege und Pfade in unberührter Natur. Frei unterwegs im Gebirge hoch über dem Atlantik. Das Erlebnis für geübte Wanderer. Farmer inklusive 😉
Alle Informationen: www.irland-wandern.de


 

Irland Bergwandern

Schaffarmer nehmen die Berge als Kapital und als Ernährungsfläche wahr. Wie viele Schafe würden wie lange dort oben Futter finden? Wie viele Tieropfer würde der Berg in diesem Jahr fordern? Wie viel würden die Lämmer an Gewicht zulegen? Diese Fragen beschäftigen den Farmer.

Wanderer und andere Touristen gehen in die Berge und freuen sich über die unvergleichbare Aussicht, die Farben und die ästhetische Wucht des irischen Hochlands. Sie stehen und staunen – manchmal trunken vor Ergriffenheit und von der Einmaligkeit des Augenblicks dort oben in den Sphären des „Außerweltlichen“.

Der Farmer kann über derlei Romantik allenfalls lächeln. Kürzlich traf ich Dan in Kerry, einen der Männer, denen Irlands höchste Berge gehören. Dan hat Verständnis für Bergwanderer, nimmt für sich aber in Anspruch: „Wer vier- oder fünfmal im Jahr dort hoch muss, um seine Schafe zu suchen, blickt realistisch von den Gipfeln herunter“. Immerhin schätzt Dan die Höhen von Carrauntoohil, Caher oder Benkeeragh aus anderem Grund: „Schafe, die dort oben ihre Heimat finden, haben die beste Fleischqualität“.

Bergwandern Irland

Mit einheimischen Farmern gemeinsam auf deren Berggipfeln zu stehen – auch die Berge Irlands sind größtenteils Privateigentum – macht deutlich, warum ein und dieselbe Bergtour in ganz unterschiedlichen Erfahrungswelten stattfindet. Noel sagt mir: „All diese Schönheit kauft mir kein Brot“. John resümiert: „Die Zäune sind in Ordnung, der Nachbar wird sich nicht beklagen müssen.“

Einmal ging ich mit Pauline hinauf auf den Beara-Berg Maulin. Sie war das erste Mal dort oben und genoss die weite Aussicht auf die Bantry Bay. Pauline kann beides: Pauline ist Schaffarmerin, die in die Berge gehen muss, und sie genießt die grandiose Natur ihrer Heimat auch bei einem zweckfreien Berggang von Herzen. Sie ist eine Ausnahme.“

 

Irland lieben

 

111 Gründe, Irland zu lieben

Was fasziniert uns an Irland? Irland ist anders. Anders als Deutschland, anders als das kontinentale Europa, und auch deutlich anders als das Image, das die Grüne Insel im deutschsprachigen Europa genießt. Anders im Sinne von erkenntnisfördernd: Wer sein Leben lang auf der rechten Straßenseite gefahren ist, wird das Linksfahren als Herausforderung, als Bereicherung oder aber als Zumutung betrachten. Wer deutsche Direktheit gewohnt ist, wird sich angesichts der freundlich-positiven irischen Umgangsformen schulen – oder scheitern. Und wer Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und absolute Präzision zu seinen Tugenden zählt, wird sich ändern – oder wieder gehen. So vieles ist anders als das, was wir in Mitteleuropa kennen: die Farben, die Geräusche, das Wetter, das Essen, die Arbeit, die Freizeit, ja selbst das Bier – und das alles nur zwei Flugstunden von München, Basel, Frankfurt oder Wien entfernt. Willkommen in Irland!

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Irischer Sonntag: Dick, warm. Wahnsinn Fleisch.

Virginia Show Irland

Irischer Sonntag im April. Es regnet ein Gemisch aus Bindfäden und Schneeflocken. Heute bleibt man auf Anraten der Metereologen besser unterm Dach. Mir geht der Satz einer deutschen Vertrauten durch den Kopf. In Irland müsse man als Dicke keine Komplexe entwickeln, hier seien ja alle Frauen dick. Ich ergänze: Den Männern geht es genau so. Fast. Es gibt auch noch Ausnahmen. Allerdings zählt das einst hagere Völkchen der Irinnen und Iren nach zwei fetten Wohlstands-Jahrzehnten und dem Einzug des Fast Foods zu den beleibtesten in Europa und der Welt. In 15 Jahren, so prognostiziert die World Health Organisation (WHO), wird über die Hälfte aller Erwachsenen auf der Insel nicht nur dick sondern im klinischen Sinne fettleibig sein. Die Misserfolgsformel lautet: Fleisch, Fleisch, tierisches Fett und Berge von Zucker.

Ökologischer Fußabdruck. Vergangene Woche berichtete ich hier auf Irlandndews über die ungelösten Müllprobleme Irlands. Die Müllabfuhr funktioniert nich richtig, allzu viele Menschen verbrennen und verbuddeln ihre Abfälle oder werfen sie ins Meer und in den Straßengraben. Tendenz steigend. Mit-Leser Dieter empfand diese Darstellung als zu einseitig und wies darauf hin, dass Irland als eines der wenigen Länder weltweit eine Abgabe auf Plastiktüten erhebt. Das stimmt. Die Benutzung von Plastiktüten hat sich dadurch drastisch reduzieren lassen. Es geht, wenn der politische Wille stark genug ist. Dennoch hat Irland ein gravierendes Problem mit Plastik: Die meisten Getränke kommen in Plastik oder Alu-Dosen, und es gibt noch nicht einmal ein rudimentäres Pfand-System. Hauptverursacher der Treibhausgase aber sind nicht etwa Mary und Paddy und auch nicht die Autofahrer. Es ist die Landwirtschaft. Fünf Millionen irische Fleisch-Rinder und 1,2 Millionen Milchkühe fordern ihren Tribut. Die Produzenten von Irish Beef und Kerrygold-Butter haben großen Anteil daran, dass die für den Klimawandel verantwortlichen Treibhausgas-Emissionen Irlands um 45 Prozent über dem EU-Durchschnitt liegen. Tendenz ungebremst steigend.

Irland Rinder

Meat is Madness: John Gibbons  stellt die beiden Phänomene Fettleibigkeit und Klimawandel in der Irish Times vom Wochenende in einen logischen Zusammenhang: Fleisch ist Wahnsinn: Warum unser Fleischkonsum zu Erderwärmung und Fettleibigkeit führt. Die Debatte um den westlichen Ernährungsstil und den exzessiven Konsum von Fleisch hat auch Irland erreicht, und das ist wichtig. Denn dieser Lebensstil tötet Jahr für Jahr viele Millionen Menschen weltweit. Wir verharren derzeit in Angststarre vor dem Terrorismus in Europa und sorgen uns um unser Leben, dabei liegt unser Hauptfeind direkt vor uns — zuerst im Einkaufskorb und dann auf dem Teller. So zynisch es klingt: Die Gefahr, durch einen Terroranschlag ums Leben zu kommen,  ist einhunderttausend mal geringer, als das Risiko, das vom Terror der globalen Fleisch-Industrie und von unserem Mittagessen ausgeht.

Selbst die konservative WHO mahnt längst: Wenn sich die Menschen nur an die empfohlenen Fleischmengen halten würden (Faustregel: Machs wie damals Oma und Opa), ließen sich pro Jahr sieben Millionen (!) Leben retten. Würden sie auf eine vegetarische Ernährung umsteigen — was für das friedliche Überleben von künftig neun Milliarden Menschen auf der Erde existentiell sein wird – könnten drängende und sich dramatisch zuspitzende Probleme befriedigend gelöst werden: Die Klima-Katastrophe aufgrund der globalen Erwärmung ließe sich mildern, der Hunger von Milliarden Menschen ließe sich vermeiden, das unsägliche Leid der auf Fleischmasse reduzierten und entwürdigten Tiere würde aufhören — und wir Menschen könnten wieder ein Stück friedlicher und menschlicher werden. Doch die Debatte über unsere Ernährung ist hitzig und emotional aufgeladen: Wer lässt sich schon gerne „sein Fleisch“ nehmen? So weit kann Tierliebe im tierlieben Westen nun wirklich nicht gehen. Ist ja schließlich nicht die Lende von Lumpi, sondern nur ein abstraktes Stück totes Tier aus dem Supermarkt . . .

Wer dennoch darüber lesen und nachdenken will: Der Arzt, Autor und Querdenker Rüdiger Dahlke hat ein wichtiges und leicht verständliches Buch zum Thema geschrieben, in dem er die Zusammenhänge zwischen Mensch, Tier und Welt, zwischen Krieg und Frieden, zwischen Leben und Sterben aufzeigt. Meine Lektüre-Empfehlung für dieses Frühjahr:  Rüdiger Dahlke – Peace Food.

Zu weniger Ernstem: Wir leben ganz weit vom Schuss im wilden Südwesten Irlands, dort, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen könnten. Trotzdem müssen wir nicht weit fahren, um erstklassige Gigs und Live-Konzerte zu erleben. Irlands Musiker bleiben unprätentiös und touren auch heute noch gerne über die Dörfer. Schade nur, dass das nicht immer von einem zahlenstarken Publikum honoriert wird. Wir erlebten schon Luka Bloom vor einem 17-köpfigen Publikum. Auf dem Kontinent zieht Luka regelmäßig hunderte, wenn nicht tausende Fans in die Konzerte.

Paddy Casey

Paddy Casey Live in Bantry

Gestern nun Paddy Casey Live im Maritime Hotel in Bantry: Die Veranstalter hatten die großen runden Tische mit weißem Tuch im Ballroom stehen lassen, damit sich das Publikum in der Weite des Saales nicht verlor — und so staunte Paddy nicht schlecht, als er vor eine Kulisse trat, die eher einem Ballsaal der einsamen Herzen glich als einem Live-Publikum.  Paddy Casey kam aus dem Staunen dennoch schnell heraus und nach spätestens drei Songs hatte er die 150 Zuhörer in seinem Bann. Nach der Pause gab Paddy die Rampensau, und bald tanzte der ganze Saal zu Saints and Sinners und Addicted to Company. Well done, Paddy & Fiona. Danke für eine schöne und unterhaltsame Nacht!

In diesem Sinne einen schönen Sonntag!

Madeleines Foto-Woche: Gegenlicht am Strand

Strände Kerry

White Strand Beach, County Kerry

Madeleines Foto-Woche:  Wir sind unterwegs im County Kerry mit der Profi-Fotografin Madeleine Maria Weber und werfen heute einen Blick auf den White Strand Beach bei Cahersiveen (zum Vergrößern und Genießen das Foto bitte anklicken). Der Sandstrand im Valentia Harbour gilt als einer der ökologisch intaktesten Strände Irlands und genießt den Blue Flag Status.

 Madeleine WeberMadeleine Maria Weber (Foto) kam zum Weißen Strand, um den Blick hinüber nach Begenish Island im Gegenlicht zu fotografieren. Gegenlicht-Aufnahmen sind eine Herausforderung für Fotografen, das Spiel mit der Blende will beherrscht sein, damit keine skurrilen Falschfarbenbilder mit viel Schwarz entstehen . . .

Madeleine Weber ist die Frau, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Weil sie warten kann. Auf den richtigen Zeitpunkt. Auf das perfekte Motiv. Fotografieren ist gutes Auge, gute Technik und viel, viel Geduld, Warten, Warten. Seit elf Jahren fotografiert Madeleine die einmalig schönen Landschaften Südwest-Irlands.

Wir begleiten Madeleine, die in Emlaghdrinagh, Waterville, im County Kerry lebt, in den kommenden Monaten bei der Arbeit, zeigen hier auf Irlandnews.com  jeden Samstag ein Foto aus ihrer Arbeitswoche. Uns gefällt, dass in ihren Fotografien die Landschaft erkennbar bleibt, wie sie das Auge wahrnimmt, und dass sie in ihren Fotos dennoch eine ganz eigene unverkennbare künstlerische Ästhetik schafft.

Madeleine Weber Studio Irland Madeleine Weber FotografieÜbrigens: Madeleine Webers Fotos könnt Ihr vor Ort in Irland in ihrem Studio am Skellig-Ring im Original anschauen. Die Fotografin präsentiert ihre Landschafts- und  Meeres-Aufnahmen täglich von 11 bis 17 Uhr als hochwertige Kunstdrucke in verschiedenen Größen. Die Ausstellungsräume liegen an der R567 in Emlaghdrinagh zwischen Waterville und Ballinskelligs am Wild Atlantic Way (Telefon: +353 (0)85 780 3273). Sie versendet ihre Fotos weltweit: www.madeleinemariaweber.com.

 

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Irische Gesten: Das Fingerspiel im Auto

Road Etiquette Irland by Broadsheet

Irische Gesten: Der Straßenverkehr im ländlichen Irland ist nichts für Träumer. Wer unaufmerksam, verschlafen, introvertiert durch die Gegend kutschiert, mag zwar nicht im Straßengraben landen, ganz sicher aber im sozialen Abseits. Denn das Kommunizieren mit den lieben Straßenmitbenutzern ist in der Dorfkulisse, wo man sich kennt, ein Hochamt des stilsicheren sozialen Umgangs: Man grüßt und wird gegrüßt. Man(n) zollt sich hinterm Steuer Aufmerksamkeit und Respekt – und das gekonnt mit minimalen Gesten.

Während frau am Steuer schon mal die Hand soverschwenderisch wie hurtig auf Kopfhöhe hebt, um mit der vollen inneren Handfläche hinüber in die Blechkabine jenseits des nicht vorhandenen Mittelstreifens zu salutieren, ruht die Hand des Mannes (zumindest für diesen Zweck) meistens ökonomisch am Steuer.

Das Web-Magazin Broadsheet.ie hat die Straßen-Etikette auf Irlands Straßen kürzlich anschaulich illustriert (Foto oben): Der grüßende mobile Landmann fährt einfach den Zeigefinger aus, um zu grüßen. Der Gegrüßte ist dann in der Regel ein Unbekannter. Für Bekannte streckt er zum Zeigefinger auch noch den Mittelfinger aus. Soviel Respekt muss sein. Für Freunde und Bekannte hebt Paddy am Steuer kurz und gut sichtbar die ganze Hand – formvollendet bleibt das Handgelenk dabei in Kontakt mit dem Lenkrad — und nur wenn Spezies und Buddies vorbei fahren hebt er die Hand, mit allen Fingern Richtung Windschutzscheibe ausgestreckt, ein paar Zentimeter zum Gruß in die Höhe.

Die dunklen Seiten des Fingerspiels: Bleiben die Finger des gegenverkehrenden Fahrers ungerührt auf dem Lenkrad liegen, wird es Zeit sich Gedanken zu machen. Das Verhältnis könnte bereits empfindlich gestört sein . . .

Foto: Broadsheet.ie  / Cyril 

 

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