Über Markus Bäuchle

Journalist und Wanderer. Lebt in Glengarriff im Südwesten Irlands. Mit Markus kann man in Irland wandern gehen: www.irland-wandern.de
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Irischer Sonntag: Wir ändern unser Leben

Wanderhaus Wanderlust

Irischer Sonntag. Das war wohl der Vorführ-Effekt mit positivem Vorzeichen: Am vergangenen Sonntag wunderte ich mich an dieser Stelle über die Teilnahmslosigkeit, das fehlende Engagement, die Diskussions-Müdigkeit und die Erschöpfung vieler Menschen trotz oder wegen der vielen Kriege und Krisen in der Welt.  Das Lamento mit der Headline “Interessiert keine Sau”  provozierte bislang immerhin 46 Kommentare — und entgegen aller Erwartungen wird munter diskutiert, was in der Welt derzeit schief läuft und was jeder Einzelne dazu beitragen kann, dies ein wenig zu ändern. Ich hatte kürzlich an dieser Stelle den neuen Roman von Judith Hermann erwähnt, “Aller Liebe Anfang”, ein Buch das unser Gegenwarts-Leben so depremierend realistisch beschreibt: Wer sich durch das apathische, passive, das einsame ereignis- und emotionslose Leben der Roman-“Heldin” Stella einmal durchgearbeitet hat, der möchte am Ende einfach “etwas tun”,  Hebamme sein für die Veränderung zum Besseren. Und doch hegen wir alle zu Recht die Vermutung, dass jegliche Veränderung in uns selber und in unserem eigenen Leben beginnt. Das Private ist immer noch politisch, auch wenn dieser Satz heute eine andere Bedeutung hat als in den 68-er Jahren.

Irlandnews.comWas also tun: Wir haben die Wahl und die Möglichkeit, unser Leben zu ändern. Wir können uns für unsere Ideale einsetzen, indem wir sie im kleinen Rahmen verwirklichen. Indem wir das tun, was wir sagen und wollen und damit authentisch werden. Indem wir Konventionen und Bequemlichkeit enttarnen, neue Wege gehen, anders sind, etwas riskieren, Vorbild sind. Es gibt heute viele Beispiele von Menschen, die sich einer Idee verschrieben haben und die diese Idee tatsächlich verwirklichen, indem sie ihr Leben ändern.

Da gibt es den jungen Mann, der seinen Besitzstand radikal auf das reduziert, was er wirklich zum Leben braucht: Bald besitzt er nur noch 120 Dinge — und lebt gut.  Da gibt es das Paar, das allen Wohlstands-Schnickschnack aufgibt, sich ein winziges Blockhaus baut, in dem es jetzt mit minimalem Energieaufwand und Platzverbrauch lebt. Da gibt es die Menschen, die ihr Auto abschaffen und zu Fuß gehen, und jene, die ein Jahr lang auf den Kauf von “Made in China”-Plastik verzichten, oder die Leute, die nichts mehr einkaufen, was in Plastik-Folie eingeschweißt ist. Oder all die Neu-Veganer, die auf den Verzicht tierischer Produkte komplett verzichten, um die Schöpfung zu würdigen. Oder den Mann, der ein Jahr lang nichts kaufte außer Lebensmitteln. Oder den Mann auf dem Berg, der sich mehr als ein Jahr lang nicht von seinem Grund und Boden weg bewegte, um zu begreifen, was die Immobilität mit dem Menschen macht. Oder den Sucher, der beschließt, über seine Mitmenschen nicht mehr zu urteilen und sie einfach zu sehen wie sie sind. Oder die Frau, die sämtliche Kleidung selber herstellt, sämtliche Nahrung selber anbaut, und die Menschen die komplett ohne Geld leben. Aus der Routine des wohl-ständigen Lebens auszubrechen kann alleine deshalb bereichernd sein, weil wir bewusster, wacher und achtsamer werden.

Was tun? Wir können in unserem Rahmen gezielt versuchen, das zu ändern, von dem wir glauben, dass es geändert werden muss: zum Beispiel den Konsumwahn in die Schranken weisen, das Internet, das sich immer tiefer in unser Leben frisst, eindämmen, bescheidener leben, der Fleisch-, der Plastik- , der Auto- oder der Verschwendungs-Industrie die kalte Schulter zeigen, eben Vorbild sein. Ich habe über die letzten Monate hinweg unsystematisch einige Ideen zum Thema gesammelt und sie einfach ziemlich wahllos in ein Blogformat gefüllt. Die Ideensammlung ist hier zu finden.

Wer Lust hat, ein eigenes Projekt in seinem Leben zu starten und die Umsetzung regelmäßig auf einem Blog zu dokumentieren, ist eingeladen mit zu machen. Einfach anders leben. So könnte es gehen. Die Idee: Wir beschreiben im kommenden Jahr auf einem künftigen Blog (dessen Name, Zuschnitt und Design noch nicht feststehen) mehrere ganz individuelle Langzeit-Versuche in Echtzeit, uns zu ändern, das Leben zu ändern und so einen kleinen Beitrag zu leisten, auch die Welt zu verändern. Wer eine Idee, ein Projekt, einen Plan, ein Anliegen hat: Schreibt es unten in die Kommentarspalte oder schickt mir eine Mail: markus@irlandnews.com .

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Ballylickey House & Chalets

Vom Ardnagashel House zum Ballylickey House & Chalets (oben und unten)

Heute heißt es Abschied nehmen. Wir (das sind Eliane von AiDA Aromatherapy und Markus von Wanderlust) beziehen über den Winter ein neues Country House für  unsere Wander- und Exkursions-Gäste. Wir freuen uns auf Ballylickey House & Chalets, ein wundervolles Anwesen am Meer in der Bantry Bay zwischen Bantry und Glengarriff (Fotos vom neuen Haus gibt es hier.) In den vergangenen drei Jahren war Ardnagashel House unsere “Home Base”. Wir verbrachten dort mit unseren Gästen eine gute Zeit, das Haus am Meer ist deshalb mit vielen schönen Erinnerungen verbunden. Heute nachmittag feiern wir mit allen Menschen, die in dieser Zeit mit uns zusammen gearbeitet haben, die sich mit uns gefreut und auch mal geärgert haben, den Abschied von Ardnagashel House. Time to say goodbye, time to move on, time for something new. Eines er schönsten Fotos, die in dieser Zeit von Ardnagashel entstanden, hat unser Gast Andreas Tetzlaff gemacht. Wir möchten es an dieser Stelle noch einmal zeigen. Danke Andreas!

Ballylickey House

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Wetter IrlandUnd wie ist das Wetter in Irland? Die ersten Stürme und mächtige Gewitter haben in den vergangenen Tagen für viele Stromausfälle gesorgt. Tausende Haushalte waren schon wieder ohne Strom. Wir hatten Glück und waren dieses Mal nicht dabei. Inzwischen genießen wir herrliche  Herbsttage mit viel Sonne und dem unverwechselbaren irischen Licht. Die Prognose: kühle Nächte, Frühnebel, schöne Tage. Verlockend.

 Einen schönen Sonntag wünscht der Wanderer

PS: Wer schon Reisepläne für 2015 macht: Unser Wander- und Erlebnisprogramm Irland 2015 ist online: www.wanderlust.de. Und nicht nur das: Wir gehen auch auf Wildnis-Tour in Irlands Berge. Eine Woche einfach anders leben: www.irland-wildnis.de 

Fotos: Met Eireann (u.), Andreas Tetzlaff (M.), Wanderlust (o.)

 

Hier ist Müllabladen verboten preiswert

Irland MüllabfuhrIrland und der Müll: Irgendwo im schönen Kingdom Kerry steht diese Antiquität am Strand und warnt potentielle Schmutzfinken: “Müll abwerfen strengstens verboten. Strafe 10 Pfund.”

Was als Warnung daher kommt, könnte natürlich auch eine Einladung sein. Denn für umgerechnet 12,69 € eine Ladung Abfall los zu werden, ist eigentlich verboten preiswert. Auf der Müllkippe wird es schnell wesentlich teurer. Und weil das so ist und weil die Müllabfuhr im ländlichen Irland bis heute nicht richtig funktioniert, gilt bei manchen Zeitgenossen leider noch immer das Prinzip: Verlochen, verbrennen, in den Straßengraben und ins Meer werfen. Es ist kein Witz: Nach alter Tradition werfen Insulaner ihre schwarzen Müllbeutel bis heute über die Klippe in den Atlantik.

Das Schild — so schön es ist, gehört auch auf den Müll. Oder ordentlich überpinselt: 3000 Euro Strafe — das wäre doch was — zumindest, wenn die Strafandrohung auch kontrolliert wird.

Hier ein paar Worte mehr über Irland und das leidige Problem mit dem Müll.

Foto: © Markus Bäuchle 2014

Wann wurde Dir zuletzt ein Apfel geschenkt?

Up the mountainAh saddle up the old Gray Mare
Tim Big Danny and Jackie Timmy
Are going to ride across the Mountains to Puck Fair

aus: Gortatagort von John Spillane

Irland Apfel

Old School Irish. Vor einigen Tagen wollte ich John Paul, einen entfernten Nachbarn, besuchen. Sein Rufen war hoch oben im Berg zu hören, er reiste mit den Rindern. Statt dessen öffnet sein Bruder John die Tür des alten Farmhauses.

Die beiden Junggesellen leben ein einfaches traditionelles Leben. John war ich noch nicht begegnet. Er freut sich über Besuch. Oh, Germany is a great country, glaub mir. Der Einladung zum Tee folge ich nicht. Danke, sehr gerne das nächste Mal.

John sucht nach einer Geste der Freundlichkeit. Auf der Fensterbank neben der Haustür liegen Äpfel. Grüne und rote. Gekaufte und eigene aus dem Obstgarten. John schenkt mir einen Apfel zum Abschied. Einen grünen. Ich ziehe weiter. John hat meine Seele berührt. Wann hat mir zuletzt jemand einen Apfel geschenkt?

Wann wurde Dir zuletzt ein Apfel geschenkt?

Irischer Sonntag: “Interessiert keine Sau”

like-meIrischer Sonntag. Das Full Irish schmeckt heute nicht richtig. Vor drei, vier Jahren wurde auf den Irland-und-andern-Blogs dieser Welt tatsächlich noch lebhaft diskutiert, disputiert, auch mal gestänkert, beleidigt und unter die Gürtellinie geschossen. Ich habe mich in der Zeit hin und wieder aufgeregt über Grenzüberschreitungen und schlechten Stil. Immerhin, so erkenne ich heute, waren derlei Äußerungen Zeichen von Rest-Engagement und von einer gewissen Lebendigkeit.

Irlandnews.comDerzeit wird gerade nicht gerne diskutiert. Schon gar nicht kontrovers. Facebook und andere Kommunikations-Quickies haben sich wie Mehltau über die Internet-Landschaften gelegt — und die meisten Menschen wirken auch online zu erschöpft, um sich einer anstrengenden Debatte auszusetzen. Sie geben sich mit tausend “Likes” pro Woche, netten Bildchen von irgendwas, mit nach Anerkennung schreienden “Ich-hab-wieder-selber-was-hergestellt-oh-mein-Gott”-Posts oder der Perfektionierung ihres öffentlichen Erscheinungsbildes in der Onlinewelt zufrieden.

Nenad Ptic, einer der Provokateure in der “alten” Online-Zeit, stellte vor kurzem auf Facebook ernüchtert fest:

“Solange man irgendwelche unverfänglichen Bildchen oder Storys postet, ist alles Kerry gold. Aber wehe man postet was Ernstes. Interessiert keine Sau! Sagt mal Leute, ist euch alles scheissegal oder was?!”

Nenad hatte auf FB gerade die Gefahren eines aufziehenden großen Krieges geschildert — und dafür nicht einmal eine Handvoll Interessierte gefunden.  Ja, was ist los mit uns? Wir jungen und alten Europäer, sind wir alle so erschöpft, ernüchtert, desillusioniert, deprimiert oder gar so satt und selbstzufrieden, dass uns der Gang der Dinge gar nichts mehr angeht? Die “Dinge” gehen im Großen und Ganzen seit geraumer Zeit grob in die falsche Richtung. Wir alle spüren und wissen das. Überall  Kriege, Krisen, vor allem aber die sich anbahnende ökologische Katastrophe und der ungebremst wütende, die Krisen verursachende Kapitalismus: Wir hätten genügend Gründe, um auf die Straße zu gehen. Statt dessen gilt der alte Sponti-Spruch mehr denn je: “Es gibt viel zu tun. Lassen wir´s sein”. Und wenn dann doch einmal etwas passiert, nässen sich Leute massenhaft bei einem zweifelhaften “Ice-Bucket-Challenge” für einen noch zweifelhafteren Zweck ein, der weitgehend unerkannt bleibt. Aber das nur nebenbei.

Es liegt an uns, endlich wieder nach den Zügeln zu greifen — und den Gang der Dinge nicht den Wenigen zu überlassen, die davon auf Kosten der Vielen profitieren. Die Zeit dafür könnte nicht besser sein: Was sich uns als Krise, Bedrohung und Zerfall zeigt, ist genauso sehr Chance, Neuanfang und Chance. Warum also tun wir nichts, noch nicht einmal diskutieren? Kann es sein, dass derzeit viele Menschen bei sich selber anfangen, weil alle Veränderung nur bei und in uns selber beginnt, und dass das ein eher “stilles Geschäft” ist?

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Irischer EselKelten-Tiger 2.0: Ich hatte es gestern im Bericht über Christy Moore kurz angedeutet: Über Irlands Weg in die Zukunft darf gerätselt werden. Da und dort gibt es Anzeichen, die Menschen hier hätten aus den Fehlern der Kelten-Tiger-Jahre Konsequenzen gezogen. Es gibt Hinweise, dass sich die Leute auf der Suche nach der richtigen Zukunft wieder stärker mit ihren alten kulturellen Wurzeln verbinden, dass sie sich wieder in ihre ganz eigene Tradition stellen, dass sie ihre eigene Vergangenheit  nicht abermals so missachten wie zu Zeiten des Celtic Tiger, als eine ganze Gesellschaft gierig Jagd machte auf Geld, Land und Status.

Dann allerdings lese ich zunehmend Headlines wie diese im heutigen Sunday Independent, und es wird klar: Der Zug ist längst wieder in die andere Richtung unterwegs und wird medial kräftig befeuert: “The shopping trip to New York, perhaps the ultimate expression of boom time hedonism, is back.”  Sagt allen weiter, titelt der Sundy Independent: Man fliegt in der Vorweihnachtszeit mal schnell wieder zur Einkaufs-Therapie nach New York und lässt die Kreditkarten glühen. Die irischen Hotelbuchungen in New York im November und Dezember deuten stark an: Es geht weiter mit “Shop til you Drop.” Zumindest für eine zunehmende Zahl konsumwütiger Gaelen.

Damit nicht genug. Derselbe Artikel listet fein säuberlich auf, wie es um die Werte im Land wirklich steht: Schon kauft man wieder massenweise hunds-teure Pferde (die dann bei der nächsten Rezession klapperdürr und hungernd am Straßenrand stehen und von deutschen Edelhelfern gerettet werden müssen); die Zahl der monatlichen Kfz-Neuzulassungen hat im Juli 2014 ein Juli-Allzeithoch erreicht, die Hauspreise in Dublin schießen in die Höhe; Elektronik und Möbel gehen wieder ziemlich gut,  und und und. Der Film heißt Zurück in die Zukunft 2.0 . 

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Und wie wird das Wetter? Oha, die Stormy Season ereilt uns in diesem Jahr früh: Schon für heute, Sonntagnachmittag, ist Sturm angesagt. 40 Milimeter Regen und Windstärken bis 120 km/h. Da klappen wir die Gartenmöbel zusammen, verstauen die Sonnenschirme. legen die Ohren an und legen uns lesend aufs Sofa: James Salter: Alles , was ist. Spannend wie das Wetter draußen . . .

 

Weter_Sturm

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Einen schönen Rest-Sonntag wünscht der Wanderer

PS: Wer schon Reisepläne für 2015 macht, mit uns könnt ihr in Irland wandern gehen: www.wanderlust.de. Die Termine und Preise 2015 sind online.

Fotos: Facebook-Me by Nisha Patel; Markus Baeuchle (Esel); Irish Independent.

 

Christy Moore: Where the Red Fuschia weeps

Christy Moore live in Bantry

Christy Moore live im Maritime in Bantry. Er ist nun fast 70 Jahre alt und eine sanfte Gewalt. Er füllt den Raum. Diese energiegeladene Mischung aus roher Milde, Witz, Weisheit und melancholischer Kampfbereitschaft, aus grober Zärtlichkeit und tiefem Verständnis der menschlichen Existenz kreiert die Raum greifende Aura der irischen Musiker-Legende.

Christy ruht in sich. Er ist mächtig präsent, wie von selbst holt er das Publikum ab und entführt es in diese Gegenwärtigkeit. Das Publikum wird Comunity, Christy und seine kongenialen Mitmusiker (Declan Sinnott guit/voc, Jimmy Higgins perc, Vicky Keane voc) berühren tief, schaffen Augenblicke voller Wahrheit und Menschlichkeit. Die Bar im Saal bleibt an diesem Abend geschlossen. Warum nur geht das Leben da draußen nach zwei Stunden Auszeit einfach so weiter. Warum nimmt es keinen anderen Lauf.

Ist Christy Moore ein Mann von gestern oder einer von morgen? Ich weiß es nicht. Weil niemand weiß, wohin dieses sturmgeplagte und im stillen Sturm schwankende Inselvölkchen treiben wird: zurück nach gestern, nach vorgestern, voraus in ein Morgen, das dem Vorgestern vielleicht mehr ähnelt als dem Gestern.? Gestern nacht war Christy der Mann der Stunde.

Meine Favoriten: Christy´s Cover von Pink Floyd´s Shine on You Crazy Diamond und das wunderbare Gortatagort von John Spillane, eine Ballade über die alte Farm von Spillane´s Mutter in Gortatagort, Colomane, hoch über Bantry Bay. Der Text von Gortatagort:

I Sing the Fields I sing the Farm
I Sing the House my Mother was Born
In Gortatagort, Colomane
A Green Jewel

Sewn in a Patchwork Quilt of Fields
Between the Mountain and the River
In this Time now, and in Another
Where I ran Free with my Brothers

Through the Long Meadow, the Cnocán Rua,
The Fort Field, the Páirc na Claise,
The New House Field, the Gallán Field,
The Clover Field, the Rushy Field

Where the Red Fuschia weeps in the Hen’s Garden
And the Angels bleed over Bantry Bay

I see the House I see the Yard
I see the Stall I see the Stable
I see the Haggard and the Hen’s garden
I see the Hill I see the Well

I Sing the Spring and the Well water
The Flat field, the Hilly field
The South Ray Grass, the North Ray Grass
The Brake, and the Páircín na hEornan

Where the Red Fuschia weeps in the Hen’s Garden
And where God goes to sleep in the Hills and Valleys
And the Moon rises over the Haggard
And Peace descends on Gortatagort
And the Angels bleed over Bantry Bay

Ah saddle up the old Gray Mare
Tim Big Danny, and Jackie Timmy
Are going to ride across the Mountains to Puck Fair

I Sing the Fields I sing the Farm
I Sing the House my Mother was Born
In Gortatagort, Colomane

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Und hier eine Amateuraufnahme von Christy´s Shine on you Crazy Diamond, gesungen im November 2013 im Forum in Derry.

PS: Shine On von Christy Moore war natürlich auch große Klasse. Er widmete den Song dem verstorbenen Sohn von Maritime-Hotel-Manager Finbarr Walsh. Der junge Donal Walsh aus Kerry hatte mit Spenden-Kampagnen und mutigen Aufrufen an die Jugend in Irland für Aufsehen gesorgt. Der tapfere junge Mann kämpfte gegen das in Irland grassierende und noch immer tabuisierte Massenphänomen des Suizids junger Männer. Er mahnte die Jugendlichen Irlands, das Leben zu würdigen, zu genießen und nicht zu vergeuden. Donal starb im vergangenen Jahr nach langem Kampf im Alter von 16 Jahren an Krebs. Die letzte Reise Donals wird auf seiner Website geschildert:

On May 12 2013 Donal moved on to his final journey and reached “God’s Highest Mountain” climbing as he did with a great phrase to the priest that gave him his last rights with the following conversation:

Fr. Padraig: Gives Last Rights

Donal: “Father, Father Padraig what is it like on the other side?”

Fr. P “ Donal I’m not sure but I can tell you that it will be a much better place because you are there. Donal, why, are you afraid?”

Donal “No Father, just a little nervous!”

 

Foto Christy Moore: © 2014 Antje Wendel

Jimmy who? Jimmy MacCarthy. Ride on.

Ride on von Jimmy MacCaIrland & Musik. Das ist mir selten passiert, dass ich von einem Musik-Gig ohne Foto zurück gekommen bin. Gestern nacht schon. Wir hörten, sahen und erlebten Jimmy MacCarthy in der kuscheligen Carnegie Hall in Kenmare, gleich über dem Berg. Jimmy who?

Jimmy MacCarthy schrieb viele der größten irischen Songs der letzten 30 Jahre: Ride on, Missing You, Bright Blue Rose, Mystic Lipstick, No Frontiers, Katie, Adam at the Window, Diamond Days, Neidín, Shuffle of the Buckled, Another Day, Ancient Rain, The Contender und und und. Christy Moore, Mary Black, Mary Coughlan, The Corrs, Westlife oder Maura O`Connell haben Jimmy´s Songs berühmt gemacht, während er es sich in der zweiten Reihe gemütlich machte (“Ich habe mich eigentlich nie wirklich als Musiker begriffen“). Dabei ist der Mann ein großartiger Musiker, ein Vollblut, wie man über den Pferdeliebhaber sagen kann. Er erobert die Herzen der Menschen mühelos, fesselt sie live für Stunden, fasziniert, bezieht sie ein, sie singen, leiden, lieben und schwärmen mit.

Ein Gig wie früher: Drei Stunden und 10 Minuten lang. Spielfreude. Kein Mensch zieht sein Handy raus, um auch nur 1 Foto zu machen. Die Athmosphäre: vertraute Geborgenheit. Mann kennt sich. Jimmy und sein Neffe Christopher (Gitarre, Gesang, E-Piano) spielen eine Show vom Feinsten. Zwischen den Songs Geschichten und witzige, schnelle, Ping-Pong-Dialoge mit den 120 Leuten im Publikum. Jimmy MacCarthy kennt und liebt Kenmare seit den 70-er Jahren. Er kam oft nach “Neidin,”  spielte in Crowleys, lebte für Monate hier, überwand Krisen, schrieb Lieder, widmete Kenmare einen eigenen Song: Neidin eben.

Der Songwriter und Sänger aus Macroom, Co. Cork, ist ein großer Geschichtenerzähler. Während die Welt noch immer darüber rätselt, ob die irische Über-Ballade Ride on, die Christy Moore 1994 berühmt machte, ein Song über West-Belfast, die irische Nation, über Pferderennen oder über Drogen ist,  gibt der Autor des Lieds Auskunft über das Naheliegende: Es ist ein Song über die Angst vor Verlust, über Abschied, über diese elementare Erfahrung von Trennung und Abschied, um die kein Mensch der Welt herum kommt. Und “Ride on” riefen die Pferdeknechte auf dem Gestüt, wenn sie die Pferde im Auslaufgehege vor sich her trieben.

Der Running Gag des Abends zum Schluss als Empfehlung: “Ihr erwischt uns heute etwas müde und schlapp. Ihr solltet uns mal einem einem guten Abend erleben.” Versucht´s. Macht´s. Der Mann kann´s.

Ganz am Ende habe ich dann  doch noch versucht, ein schnelles Foto zu machen: kläglich, kläglich. Nicht vorzeigbar. Deshalb nur das offizielle Promotion-Foto (r.), den Link zur Website mit den Tournee-Terminen und ein Link zu einem lesenswerten Beitrag über den Songwriter, dessen Lieder so viele Menschen kennen und lieben aus dem Sunday Indo.

PS: Als Songwriter Jimmy MacCarthy den  Folksänger Christy Moore kennen lernte, war der leichtgewichtige Pferdenarr tatsächlich noch als Jockey tätig. Christy soll ihm damals anvertraut haben, er wäre auch gerne Jockey geworden — was Jimmy angesichts der beachtlichen Körperlichkeit Christy´s zu der Bemerkung veranlasste: “Es gab damals viele sehr nervöse Pferde im Korral”. MacCarthy´s Version von Ride on gestern nacht war übrigens klasse. Heute abend gehts zum Vergleichen: Christy Moore live im Maritime in Bantry.

Ireland, my love: Liebesgrüße aus der Schweiz

Ireland LoveIrlande, mon amour! Ireland, my love! Guten Morgen, Internet-Gemeinde. Und einen ganz besonderen guten Morgen, lieber Peter Stelzer.

Peter ist der Mann, der mich heute morgen heiter wach werden ließ. Er hat mir in die Kommentare von Irlandnews diese Nachricht geschickt:

Suche Wohnort in der Cork-Gegend: Grüezi Herr Bäuche ich bin pensioniert und habe die Freiheit, wohin zu gehen wo ich will. Da ich Irland liebe möchte ich hierhin auswandern – in die Gegend von Cork. Wo empfehlen Sie mir eine Wohnung / Haus zu suchen ? Herzlichen Dank für Ihre Hilfe. Grüsse Peter Stelzer  

Hier meine Antwort:

Lieber Peter Stezer, suche nach den richtigen Worten. Ich wachse der Pensionierung eines Tages auch entgegen und habe schon heute die Freiheit, zu bleiben, wo ich will. Das ist eines unserer wenigen Privilegien in dieser turbulenten Zeit der Umbrüche.

Mal angenommen, Sie lieben eine Frau. Müssen Sie dann auch überlegen, wen Sie heiraten?  Die Antwort liegt in Ihnen, lieber Peter. Für den kleinen Rest gibt es Makler und daft.ie. Ich hoffe, Ihnen eine Hilfe gewesen zu sein.

Vielleicht noch dieses: Ihre Geliebte ist eine Meisterin der Selbstdarstellung. Kennen Sie auch ihre Schattenseiten? Haben Sie sie schon in Ihrer dunklen Winterdepression erlebt, oder sie von ihrer aufbrausenden, stürmischen und kalten Seite ausgehalten? Kleiner Tipp: Gehen Sie doch auf Verlobungsreise. Das macht man heute so. Am besten im November, Dezember und Januar — und schreiben Sie mir eine Karte.     

Grüßli in die Schweiz, Ihr Markus Bäuchle

Sekretariat für Auswanderung und andere kleine Fluchten. 

 

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Verkehrs-Beruhigung auf Irisch

Verkehrs-Beruhigung auf Irisch. Irland-Besucher fotografieren sie immer wieder gerne: Die Tempolimit-Schilder an Sträßchen und Feldwegen, die dem Verkehrsteilnehmer bedeuten, dort nicht schneller als 80 km/h zu fahren wo schon 30 km/h halsbrecherisch wirken. Die sture, manche sagen gedankenlose Umsetzung einer EU-Straßenverkehrs-Richtlinie hat Irlands reich beschilderte Straßen kaum sicherer, dafür aber umso komischer gemacht.

Irland StraßenParadies für Raser: So ist es in vielen Straßendörfern der Insel weiterhin möglich, mit strammen 80 km/h oder gar 100 km/h durchzurauschen — und Bewohner, die sich für Tempo-Limits vor ihren Häusern einsetzen, geben oft frustriert auf, weil sie zu keinem positiven Ergebnis kommen. Weil die so abstrusen wie starren Geschwindigkeits-Regeln der Straßenbehörde für Anwohner oft  lästig bis gefährlich sind, greifen Bürger schon gerne mal zur Selbsthilfe. Mal werden Schilder einfach abmontiert, mal werden sie behutsam uminterpretiert. Hier bremste ein Anwohner eines Wegs bei Glengarriff den Verkehr eigenhändig mit wasserfestem Faserstift ganz flink von 80 auf 8 km/h herunter. Ob´s hilft?

Foto: Markus Bäuchle

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