Auf den Spuren der Prinzessin Beara

Unterwegs in den Bergen von Beara_Wandern in Irland mit WanderlustDie wilde Halbinsel Beara liegt noch immer gut geschützt im touristischen Schatten des mächtigen Ring of Kerry im Südwesten Irlands. Das wollen manche ändern in Zeiten der wirtschaftlichen Depression, andere widerum nicht. Dem Wanderer hoch in den Bergen der Cahas und der Slieve Miskish wird das spätestens oberhalb der 400-Meter-Grenze völlig gleichgültig.

Wir steigen auf den Maulin (irisch: Malaínn), einen Berg mit 621 Metern Höhe, der dem bekannten Hungry Hill in nichts nachsteht. Der Aufstieg schwer aber nicht zu schwer, der 360-Grad-Panoramablick an schönen Tagen überwältigend. Im Gegensatz zum kahlen Nachbarn und trotz seines fortgeschrittenen Alters von über 350 Millionen Jahren leistet sich der Maulin dichtes Haupthaar: Er ist bis zum Gipfel bewachsen und lockt die Schafe mit frischem Gras bis hoch hinauf direkt unter den Himmel.

Hier oben, irgendwo zwischen Maulin und Knocknagree, im Hochtal von Ballard Commons, soll sie begraben sein: Die spanische Prinzessin Beara, Namensgeberin der Halbinsel und legendäre Frau des großen Owen, des Königs von Munster. Hier oben tauchen die mythischen Figuren auf aus dem Nebel der Geschichte, nur um wieder darin zu verschwinden: Owen Mor, der König, der bald nach der Zeitenwende nach Beara gekommen sein soll, der nach einer vernichtenden Niederlage nach Spanien segelte, dort die Tochter des Königs von Kastillien heiratete, der zurück nach Beara reiste, mit der Prinzessin Beara den höchsten Berg der Gegend (heute Hungry Hill genannt) bestieg und die Halbinsel nach ihr benannte. Beara. Owen Mór.

Rossmacowen, Kilmacowen, Beara, Bere Island. Ortsnamen erinnern an die flüchtigen Gestalten, die aus dem Nebel aufsteigen. Irische Geschichte ist faszinierend, weil sie erzählt ist, weil sie aus Geschichten besteht, weil sie ungenau und ungefähr ist, weil Fakten so schwer greifbar sind. Irische Geschichte ist der Alptraum für Faktenhuber.

Wir heben unsere Wasserflaschen und trinken auf Beara, die spanisch-irische Prinzessin.

Über Markus Bäuchle

Journalist und Wanderer. Lebt in Glengarriff im Südwesten Irlands. Mit Markus kann man in Irland wandern gehen: www.irland-wandern.de
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Kommentare

  1. Kris & Chris meint:

    Bei der irischen Geschichtsschreibung kommt mir der Anfang von Robert Jordans “Rad der Zeit”-Zyklus in den Sinn: “Das Rad der Zeit dreht sich, Zeitalter kommen und gehen und hinterlassen Erinnerungen, die zu Legenden werden. Legenden verblassen zu Mythen, und selbst die Mythen sind längst vergessen, wenn das Zeitalter ihres Ursprungs wiederkehrt…” Was wird die Zukunft der Beara Halbinsel bringen? Noch mehr Geschichten? Die Politiker versuchen, Geschichte zu schreiben, aber was sie erzählen, ist nicht einmal Mythos, sondern lediglich Mist. Danke Markus für Deinen Blog, so lerne ich viel über unsere neue Heimat! Herzliche Grüsse aus Adrigole

  2. Danke Kris, hoffe es geht Euch gut!

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