Occupy-Camp soll Paddys Day weichen

Occupy IrlandSaufen statt Protestieren oder: Ordnung muss sein. Auch in Irland. Zumindest zum Patricks Day. Die Polizei von Dublin will das Occupy Dame Street Camp vor der Zentralbank los werden und nutzt nun den Nationalfeiertag am 17. März, um den Platz in Dublins City zu räumen. Gestern stellte die Garda der Protestgruppe einen Brief zu mit der “Bitte”, das Zelt- und Palettenlager vor dem Paddys Day zu räumen. Die Ordnungshüter argumentieren (in wessen Auftrag?) mit “Health und Safety”, einem großen Wort in Irland. Im Namen von Gesundheit und Sicherheit: Die Teilnehmer und Besucher der großen Patricks Day Parade in Dublin sollen sich in aller Sicherheit betrinken dürfen. Die Platzbesetzer wollen bleiben, der Konflikt wird sich deshalb in den kommenden Tagen zuspitzen.

Der Winter hat es den Campern auf den Occupy-Plätzen der Welt nicht leicht gemacht, die anti-kapitalitische Bewegung ist vielerorts aus dem medialen Fokus gerückt, da und dort wurden die Camps in relativer Stille geräumt. In der Nacht zum Dienstag räumte die Polizei in London das Lager vor St. Paul´s Cathedral, nachdem die Kirchengemeinde ihren Segen dazu gegeben hatte. Eigentumsinteressen setzten sich auch in London durch.

Unabhängig von der politischen Botschaft gibt der öffentliche Auftritt von Occupy-Gruppen in klarer Weise Auskunft über das kontrollierte und überwachte Leben in den vermeintlich so freien westlichen Gesellschaften: Es ist in den meisten Städten Europas und der USA schwierig geworden, sich ungestört im öffentlichen Raum zu versammeln, schlimmer: diesen öffentlichen Raum überhaupt noch zu finden. Denn der öffentliche Raum hat sich weitgehend aufgelöst, ist heute in Privatbesitz, wird überwacht und kontrolliert von Eigentümer-Interessen. Schranken, Überwachungskameras, Parkscheinautomaten und “Ordnungshüter”, die im Namen von “Sicherheit, Gesundheit und Ordnung”  Interessen wahrnehmen. Die Interessen der Öffentlichkeit, der Allgemeinheit, der Gemeinde? Wohl kaum.

 

Das irische Volk stimmt über den Schuldenpakt ab

Das irische Volk hat das letzte Wort über den europäischen Fiskalpakt, den von Deutschland angestoßenen neuen europäischen Stabiltätsvertrag, der auch unter dem Begriff “Schuldenbremse” bekannt ist. Ministerpräsident Enda Kenny unterbrach heute nachmittag die Sitzung des Parlaments in Dublin, um die Entscheidung der Regierung für eine Volksabstimmung bekannt zu geben.

Ob sich das irische Wahlvolk für den weiteren Abbau der nationalen Souveränität und strenge Haushaltskontrollen durch die europäischen Institutionen entcheiden wird oder ob die Regierung erneut so oft abstimmen lassen wird, bis das Ergebnis stimmt? Ob Irland den Weg der europäischen Integration weiter verfolgt oder sich doch noch auf die Seite Großbritanniens schlägt, dessen Premier Cameron den Stabilitätspakt vor Wochen unter großem Getöse ablehnte? Wir werden sehen. Am Wochenende werden die Regierungschefs der EU-Mitgliedsländer den Stabilitätspakt unterzeichnen. Bislang bleiben Großbritannien und Tschechien außen vor. Irland könnte folgen. Zumindest steht dem Land nun innenpolitisch heiße Wochen bevor, bis das Referendum ausgezählt ist. Der neue Europa-Vertrag soll anfang 2013 in kraft treten.

Mein Leben in Irland (12): Jürgen Denzinger

Auswandern, Ortswechsel, Neubeginn: Warum zieht es Deutsche (Schweizer und Österreicher) ausgerechnet nach Irland? Wie leben sie dort? Wurden ihre Erwartungen erfüllt, was gefällt ihnen, womit haben sie Probleme? Wir stellen Menschen vor, die den Sprung gewagt haben und auf der Insel leben. Heute: Jürgen Denzinger.

Jürgen Denzinger auf Irlandnews.comJürgen Denzinger (48) lebt seit 17 Jahren in Dungarvan im County Waterford. Jürgen ist gelernter Diplom-Verlagsfachmann und arbeitet als Reformhausbesitzer auf der Insel.

Jürgen, warum lebst Du in Irland? Was hat Dich hierher geführt?

Es gibt hauptsächlich zwei Gründe sein Heimatland zu verlassen. Der erste ist Arbeit und der zweite die Liebe. Bei mir war es letzterer. Ich habe meine Frau im Urlaub kennengelernt.

Ist Dein Aufenthalt zeitlich begrenzt?

In Irland nicht, ansonsten schon …

Du betreibst ein Geschäft in Dungarvan. Was machst Du und wie läuft es?

Wir betreiben seit 1995 ein Reformhaus (Health Store) und eine Heilpraxis für klassische Homöopathie (www.remedies.ie). Es läuft am liebsten gut … da wir schon eine ganze Weile dabei sind, haben wir alle Hochs und Tiefs mitgemacht. Unsere Kunden sind sehr treu und loyal. Unser Unternehmen versorgt meine Familie mit zwei Kindern angemessen. Seit 2005 habe ich eine Drachenecke in meinem Laden eingerichtet und verkaufe nebenher noch landesweit Lenkdrachen über meine Internetseite www.kites-ireland.com. Das ist aber eher mein Privatvergnügen …

Hattest Du Probleme, Dich als Geschäftsmann zu etablieren?  

Eigentlich nicht. Als wir unser Reformhaus eröffneten, gab es noch nicht sehr viele in Irland. Es ist ein anhaltender Lernprozess, der auch viel mit Aufklärung der Kunden über gesunde Ernährung zu tun hat. Eine Aufgabe, die viel Inhalt und Befriedigung mit sich bringt. Wenn es mir in 17 Jahren nicht gelungen ist, mich zu etablieren, schaff’ ich es wohl nicht mehr …

Haben sich die Erwartungen an das neue Leben erfüllt? Wie gefällt es Dir heute?

Ich habe nie zurückgeschaut. Ich habe alles, was ich mir wünschte, hier: Ein eigenes selbstgebautes Haus am Meer, zwei wunderhübsche Kinder, meinen Partner als beste Freundin, vier Pferde und einen irischen Setter.

Wie lebt es sich als Deutscher auf der Insel? Wie kommt Du mit der irischen Mentalität und mit den Menschen zurecht?

Bestens. – Obwohl ich Exilschwabe bin, fühle mich eher als europäischer Bürger. Meine Kinder sind gebürtige Iren und ich kann mir keinen besseren Platz in Europa vorstellen, um Kinder großzuziehen.

Hast Du irische Freunde, einen Freundeskreis, gute Bekannte?

Yep. Ich kann mich über mein soziales Umfeld nicht beklagen.

Was magst Du besonders an Irland?

  1. Lebensqualität und Freiraum
  2. Die Ruhe und Natur; Outdoor Aktivitäten
  3. Die Iren sagen einem immer, was man hören will.

Was magst Du nicht an Irland?

  1. Die Iren sagen einem immer, was man hören will.
  2. Korruption der Politiker / Stadträte etc.
  3. Wenig Kultur (ausser meiner Joghurts im Kühlschrank. – Ich muss lange fahren bis in die Schauspielhäuser in Cork oder Dublin.)

Was ist Dein “irisches” Lieblingsbuch?

Ich lese viel und mag Sinead O’Connor’s Bruder Joseph O’Connor. Er ist für mich der beste „junge“ Schriftsteller aus Irland. John Millington Synge – Aran Island and Connemara – habe ich gerade fertiggelesen, und sehr empfehlenswert ist auch Markus Feldenkirchens  ”Was zusammengehört”.

Und Dein Lieblingslied, Deine Irische Lieblingsband?

Bothy Band und Danu aus Dungarvan. Ich bevorzuge irische Musik live!

Und Dein bevorzugter irischer Spruch / Sprichwort?

„Paper never refuses ink“ ;-)

Was aus der „alten“ Heimat vermisst Du hier? 

Stuttgarter Hofbräu und meine alten Schulkameraden. Aber so weit weg von Deutschland sind wir ja nicht.

Hat sich Dein Blick auf Irland in der Zeit, in der Du hier lebst, stark verändert? 

Nicht unbedingt. Aber es ist immer ein Unterschied, ob man in ein Land in Urlaub geht oder dort lebt.

Wie hast Du die fetten Celtic-Tiger-Jahre in Irland erlebt und wie den Absturz in die große Schulden- und Wirtschaftskrise? 

Jürgen´s Health Shop "Remedies"

Die irische Mentalität ist sehr angenehm, nach dem Motto: Live for today. In Irland herrschte seit der Ausrufung der Republik in 1916 hauptsächlich Rezession. Die Celtic-Tiger-Jahre sind wie eine Traumsequenz aus einem Hollywoodfilm. Es war absehbar, dass ein Boom, der sich nur auf einen Sektor der Wirtschaft, nämlich das Bauwesen stützt, nicht anhalten kann.

Zum ersten mal in Irland war ich ganz perplex, wieviel Zeit die Menschen sich nehmen, um sich gegenseitig zu helfen. Als ich einen Passanten nach dem Weg fragte, antwortet er: „Kein Problem, ich komme mit und zeige es Ihnen.” Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass diese Art von Zwischenmenschlichkeit, die während der Boomjahre verloren ging, nun langsam wiederkehrt und man sich auf mehr Beschaulichkeit und das „Wesentliche“ konzentriert.

Leidest Du unter dem neuen Image der “hässlichen” oder der” übermächtigen Deutschen”  in Europa?

Nein.

Wo steht Irland in zehn Jahren?

Wo steht die Humanität in 10 Jahren, wäre mir die wichtigere Frage.

Würdest Du den Schritt nach Irland noch einmal tun?

Jederzeit.

Danke für Deine Antworten Jürgen, alles Gute!



Pferde in Irland: Diesen Ponies geht es gut

Pferde in IrlandJetzt scheint ihnen die Frühjahrssonne auf das Fell. Diese beiden Ponies überwinterten auf den Weiden am Shot Head auf der Beara Peninsula. Im Hintergrund der Hungry Hill. Den beiden Ponies geht es – im Gegensatz zu manchen ausgesetzten und vernachlässigten Artgenossen auf der rezessionsgeplagten Insel: Gut.

Foto: Markus Bäuchle

Eine Reise von Holland über Irland nach . .

Erinnern Sie sich an den Schlager von Mieke Telkamp? “Wenn der Frühling kommt, dann schick ich Dir — Tulpen aus . . .”  Die Tulpen kommen längst aus Kenia und Kolumbien, und diese gestern in A´dam aufgenommenen Tulpen sind Dauerblüher — ganz aus Holz und Plastik gefertigt.

Die Königliche Fluggesellschaft des Landes gehört mittlerweile den Franzosen, der zentrale Flughafen des mit 400 Menschen pro Quadratkilometer mit am dichtesten besiedelten Flächenstaates der Welt, an deseen Flugsteig D26 ich den Airbus 320 zurück nach Irland bestieg, zählt zu den größten und besten Airports der Welt.

Menschen, die von diesem Flughafen reisen, erkennt man leicht am Gelb-Beutel, der berühmten Plastiktasche von Schiphol. Ich war in diesem Land, um inspirierte Wirtschaftleute zu treffen, Unternehmer, Entrepreneure, Consultants. Sie bewegen ähnliche Fragen in ihren Köpfen: Dient die Wirtschaft noch den Menschen oder dienen die Menschen längst nur noch der Wirtschaft? Warum führt uns die profitgetriebene kapitalitische Wirtschaft an den Rand des Abgrunds? Meine Häuser, mein Boot, mein Luxus-Urlaube: Warum hat moderne Arbeit so wenig Sinn und Bedeutung für den Einzelnen?  Wie können wir das ändern?

Bald schon werden wir zusammen und jede(r) für sich in den einsamen Bergen Irlands wandern, schweigen, schauen, staunen. Ohne iPhone, ohne Uhr, ohne Agenda, ohne Strom und ohne Status. Wir ziehen uns für Tage in die Natur zurück. Was werden die Steine, das Wasser, der Regen und das Licht, die Sonne, der Wind und die Dunkelheit dort oben in den 350 Millionen Jahre alten Bergen erzählen? Wir freuen uns auf  ewig neue Fragen, aus denen Antworten erwachsen. Eine Reise von Amsterdam, Holland, über Cork, Irland, nach . . .

News am Sonntag: Proteste gegen Haussteuer

News aus Irland immer aktuellJetzt gehen die Iren auf die Straße und protestieren gegen eine neue Steuer; die Ex-Regierungspartei Fianna Fail fühlt sich vom irischen Fernsehen RTE schlecht behandelt; Italien holt sich im Rugby in Irland eine herbe Niederlage ab: Die Irland-News dieser interessanten Woche heute wieder kurz und knapp in unserem schnellen Wochenrückblick. 

 

Demonstrationen gegen Haussteuer
Auch zwei Monate nach ihrer Einführung lässt die neue „Household Charge“ den Iren keine Ruhe. Gerade einmal 20 Prozent der zahlungspflichtigen Haushalte im ganzen Land haben bisher ihren Obulus an den Staat entrichtet, ein Teil der Zahlungsunwilligen versammelte sich im am Samstag in irischen Städten, um gegen die neue Haushalts-Abgabe zu protestieren. Nach Angaben der „Campaign Against Household and Water Tax“ (CAHWT) gingen in Dublin mehrere Tausend Menschen auf die Straße, 1000 protestierten in Wexford, weitere 800 in Cork und auch in Carlow, Kilkenny und Wicklow wurde gegen die Household Charge demonstiert. Hauseigentümer haben noch bis zum 31 März Zeit, Ihrer Zahlungspflicht nachzukommen und eventuelle Geldstrafen zu vermeiden. Die CAHWT rechnet jedoch damit, dass die Protestbewegung bis dahin noch an Kraft gewinnen wird. (Quelle: Irish Times)

Fianna Fail fühlt sich von RTE benachteiligt
Die Partei Fianna Fail hat sich, wie nun bekannt wurde, schon im vergangenen November mit einer förmlichen Beschwerden an den Generaldirektor des staatlichen irischen Rundfunks RTÉ gewandt. In Kreisen der Partei fühlt man sich durch die Berichterstattung des Senders, die äußerst unausgewogen Labour und Sinn Fein bevorzuge, benachteiligt. Um die Parteilichkeit des Senders zu beweisen, habe man Beweise in den Nachrichten und der aktuellen Berichterstattung gesammelt, die auf 12 Seiten klar belege, dass es einen radikalen, einseitigen und unerklärten Wandel „in der Art, in der RTÉ über die Ansichten der Opposition berichte“, gegeben habe, so die Partei. RTÉ wies die Vorwürfe der Unausgewogenheit von Seiten der Fianna Fail scharf zurück. „Man nehme die Verantwortung unparteiisch zu sein sehr ernst. (Quelle: Independent)

Keine Azzurri-Freuden auf der grünen Insel
Nachdem das Rugby-Spiel gegen Frankreich vor zwei Wochen wegen eines unbespielbaren Platzes abgesagt worden war, hatte die irische Nationalmannschaft ganz offensichtlich reichlich Kampfgeist für die Partie gegen Italien im heimischen Aviva Stadion gespeichert. In beeindruckender Deutlichkeit zerstörten die Jungs von Trainer Declan Kidney jegliche Hoffnungen der Italiene auf einen Punktgewinn in Irland. Mit einer 42:10 Niederlage wurde das italienische Team nach Hause geschickt. Fünf erfolgreiche Versuche, vier Erhöhungen und drei verwandelte Straftritte ließen keinen Zweifel, wer bei diesem Spiel die Oberhand hatte. Außendreiviertel Tommy Bowe trug sich gleich mit zwei Versuchen in die Scorerliste ein und auch Verbindungshalb Jonathan Sexton steuert mit seinem goldenen Fuß 17 Punkte zum Sieg der „Boys in Green“ bei. (Quelle: RTÉ)

Eurovision Song Contest – es wird wieder gezappelt
Auch der Eurovision Song Contest in Baku wird wieder durch einen überdurchschnittlichen Verbrauch von Haarspray in die Geschichte eingehen, denn bei der irischen Vorentscheid über die Teilnahme an dem internationalen Musikerwettstreit konnten sich wie schon im Vorjahr die hyperaktiven Zwillinge John und Edward Grimes, auch besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Jedward“ durchsetzen. Die beiden 20-jährigen lagen in der Sondersendung der Late Late Show in der Zuschauergunst deutlich vorne, so dass die Zwillinge aus Dublin auch in Baku, Aserbeidschan, Irland vertreten werden. Eine erste Hürde auf dem Weg zum Finale am 26. Mai müssen John und Edward am 22. Mai im Halbfinale des 57. Eurovision Song Contest überwinden. (Quelle: RTÉ)

Große Gewerkschaftspläne – Liberty Hall 3.0 ?
Das wohl markanteste Hochhaus in der Skyline Dublins, das unter dem Namen „Liberty Hall“ bekannte Hauptquartier der Gewerkschaft SIPTU soll abgerissen werden, um einem deutlich höheren Neubau Platz zu machen. Das Dublin City Council hat den Bauplänen der Siptu seinen Segen erteilt und den Abriss des 17-stöckigen Gebäudes am Eden Quay genehmigt. An seine Stelle soll ein rund 100 Meter hoher Neubau mit 22 Stockwerken mit Büroräumen und Konferenzzentrum entstehen. Rund die Hälfte der Büroflächen sollen von SIPTU selbst genutzt werden, die ihre über Dublin verteilten Dienststellen in einem Gebäude zusammenführen will. Die heutige „Liberty Hall“ steht an derselben Stelle, an der das im Zuge des Easter Rising 1916 zerstörte Hauptquartier der Irish Transport And General Workers Union stand. Auch die Irish Citizen Army unter James Connolly hatte dort ihre Basis und nutze das Gebäude in den Wochen vor dem Aufstand als Munitionsfabrik.Gegen den Abriss gibt es auch Widerstand. (Quelle: Irish Times)

Ein Seebad bangt um seinen Ruf
Seit über 100 Jahren erholen sich Iren im Seebad Bundoran im Süden des County Donegals. Doch noch vor dem Beginn der Saison 2012 macht der traditionelle Urlaubsort mit einem Ausbruch von Unmoral von sich Reden. Drei junge, nach Aussagen von Zeugen vermutlich aus Osteuropa stammendeFrauen schlenderten durch Bundoran, um dort Männern auf Flugblättern ihre amourösen Dienste anzutragen. 150 Euro für eine Ganzkörpermassage, so das verlockende Angebot der Damen, denen wie Einwohner beobachteten drei Männer auf Schritt und Tritt folgten. Bürgermeister Michael McMahon bangt nun um den Ruf seines Urlaubsparadieses und macht die Einreisekontrollen an den irischen Flughäfen verantwortlich für das neue, ungewünschte Dienstleistungsangebot in Bundoran. (Quelle: Irish Times)

Polizei räumt Pub in Galway
Rag Week ist ein fester Bestandteil des irischen Studentenjahres. Eine Woche voller Partys und Konzerte bei minimalem Vorlesungsbesuch, und all das in konstanter Fröhlichkeit bedingt durch den reichlichen Konsum von Alkoholika aller Art. In Galway mussten am Dienstag die Gardai ausrücken und ein Pub schließen, weil die Feuerwehr eine drohende Überfüllung des Lokals befürchtete. Das „Hole in the Wall“ hatte für diesen Tag einen „Donegal Day“ über Facebook angekündigt und schon um 11 Uhr vormittags standen hunderte teils angetrunkene Studenten vor der Tür des Pubs, so dass man sich entschloss, die Kneipe polizeilich zu schließen. Die Rag Week war in den letzten Jahren immer wieder aus dem Ruder gelaufen, so dass es 2012 keine offizielle Rag Week geben sollte. Doch sehr zum Ärger von Universitäts- und Studentenvertretern organisierten Unbekannte über soziale Netzwerke eine inoffizielle Rag Week. Quelle: insideireland.ie)

Irlandnews.comDer Autor: Tom Brütting ist in Augsburg als freiberuflicher Journalist und PR-Berater tätig. Seit einer Schulexkursion auf die grüne Insel im Jahr 1991 ist er Irland hoffnungslos verfallen und hat das Land seitdem rund zehnmal besucht – zwei Auslandssemester an der National University of Ireland Galway inklusive. Im Herbst 2010 setzte er mit der Website www.gaelnet.de eine lange gehegte Idee in die Tat um. Gaelnet wertet irische Nachrichten für deutschsprachige Leser aus.


Patrick´s Irish Jukebox: Geraldine MacGowan

It´s weekend in the small country. It´s Irish Theme Music Moment with your host Patrick Steinbach: Der deutsch-irische Musiker und Autor Patrick Steinbach* stellt auf Irlandnews immer am Wochenende eine seiner irischen Lieblingsbands oder einen angesagten Solokünstler aus dem irischen Kulturraum vor und empfiehlt ein besonderes Video dazu. Heute in Patrick´s Jukebox:

GERALDINE MACGOWAN – die Goldene Stimme Irlands

Geraldine lebt in Doolin, und man hat gute Chancen, sie in einem der drei dortigen Pubs anzutreffen. Allerdings wird man sie leicht übersehen können. Kaum jemand in der irischen Folkszene, der solch eine Anerkennung durch Kollegen erfahren hat, quasi zur Golden Voice of Ireland gekürt worden ist, hat auf der Bühne ein solch natürliches Verhalten, als käme er oder sie gerade von der Gartenarbeit. Schlichtes Auftreten gehört bei großen Künstlern oft zum guten Ton, kommt es doch allein auf das Können an und nicht auf die Kleidung.

Fast jeder, der in Irland Rang und Namen hat, durfte bereits mit dieser einmaligen Sängerin, die als Stimme der Band Oisin bekannt ist, zusammen musizieren. Ihr geniales Stück Jealousy findet sich eingespielt mit dem viel zu früh verstorbenen Gitarristen Chris Jones auf ihrer CD Through the Years. Das gleiche Stück wurde mit unbekannten Gastmusikern in McGanns Pub in Doolin aufgenommen. Es ist eines meiner Lieblingsstücke von ihr, das sehr gut demonstriert, wie modern handgemachte Musik aus Irland sein kann.

Sehenswertes Video:

Website der Künstlerin:

http://geraldine-macgowan.com/

Geraldine´s Album “Through The Years” gibt es hier als CD.

 

Patrick Steinbach MusikerDer Autor unserer Irish Jukebox: Patrick Steinbach (*1964) arbeitet als Dozent für Gitarre, er ist Herausgeber zahlreicher Lehrwerke zur irischen Musik und schreibt seit 2001 für das Musikfachmagazin AKUSTIK GITARRE. Dort stellt er alle zwei Monate ein neues Stück aus Irland vor, das er für Gitarre bearbeitet hat. Neben Konzertberichten veröffentlicht er regelmäßig CD-Rezensionen zu Bands aus dem irischen Kulturfeld. Für sein Engagement erhielt er 2005 den Deutschen Musikeditionspreis. Patrick lebt in Neu-Isenburg. Mehr über Patrick gibt es auf seiner Website zu lesen:  www.patrick-steinbach.de

Wahre Geschichten: Ein irischer Abschied

Geschichten aus Irland

Eine irische Geschichte von Marie-Louise Lagger*

Geschichten aus dem Glen, IrlandEr lebte 35 Jahre lang in einem 200 Jahre alten Cottage direkt am Meer. Er war sehr beliebt in Westport, in Irlands Westen. Er war eine sogenannte Legende. Er wohnte auf einer Halbinsel in der Clew Bay und jeder, der das Glück hatte, ihn zu kennen, war sehr traurig als er starb. Er war ein Mensch, der immer für alle da gewesen war. All die Jahre blieb seine Haustür unverschlossen. Kam jemand nach Westport und wusste nicht wohin, er hatte eine offene Tür. Seine Partys waren weitum bekannt. Wenn er zu einer Party lud, ließen seine Freunde alles stehen und liegen und ströhmten in Scharen zu seinem Haus. Es hatte meistens ein Schmunzeln um seine Lippen und ein schelmisches Zwinkern in seinen Augen. Er lebte mit Nelly, seinem Hund und Bonnet seiner Katze, umringt von vielen rostigen Motoren und Gartenmähern glücklich in seinem alten Haus.
Ein Tag nach seinem Tod wurde der Sarg nach alter irischer Sitte in sein Haus gebracht und geöffnet. Sie hatten ihm ein Blumensträusschen in die Hände gelegt. Bald strömten an die hundert Menschen herbei. Sie brachten Blumen, Getränke und Speisen in reichem Masse. Es wurden Geschichten über den Verstorbenen erzählt. Am Kamin hing ein Photo, wo er mit erhobenem Pint allen zuprostete. Es wurde gelacht, geweint, gegessen, getrunken.

Nach und nach trafen auch die Musiker von Westport ein. Sie setzten sich um den offenen Sarg und draußen in die alte Werkstatt. Sie packten die Instrumente aus und begannen zu spielen und zu singen. Die Stimmung war zeitweise ausgelassen, um dann wieder in Stille zu versinken. Es wurde getanzt und dann wieder geschwiegen. Er schien in seinem Sarg zu lächeln. Alle seine Freunde waren gekommen und dies von fern und nah und sie feierten zu seinem Abschied eine Party. Ganz so, wie er in seinem Leben stets zu Festen eingeladen hatte. Es war ein Kommen und Gehen, ohne Ende vierundzwanzig Stunden lang.

Am anderen Tag fand der Abdankungsgottesdienst statt, der sehr still ausgerichtet war. Zerbrechliche Gedichte, feines Violinspiel, ein klassisches Lied und einige lustige Anekdoten aus dem Leben des Verstorbenen. Als der Sarg aus der Kirche getragen wurde, standen alle Trauergäste auf und gaben ihm eine stehende Ovation. Ein spontaner frenetischer Applaus erfüllte die Kirche. Anschliessend traf sich die Gemeinde in einem Pub und es wurde wieder getanzt und gesungen, was das Zeug hielt.

Die Freunde trafen sich an seinem Geburtstag wieder. Es war ein düsterer Novembernachmittag, als seine Asche in die Clew Bay gestreut wurde. Der Himmel weinte bitterlich. Schwarze Wolken hingen tief und drohend am Himmel und ein rauher Wind trug die Asche davon. Ein einsamer Duselsackspieler stand am Meer und sandte die Wünsche und Fragen mit schönen Klängen auf den weiten Atlantik hinaus. Seine Freunde standen schweigend da, völlig durchnässt, frierend. Sie flüsterten ein leises “Good Bye my Friend and God Bless.”

Was für ein Abschied?

 

* Marie Louise Lagger lebt seit dem Jahr 2006 im County Mayo in der Nähe von Westport, Irland. Die Schweizerin kennt Irland seit ihrem ersten Besuch im Jahr 1980. Seitdem ging ihr die Grüne Insel nicht mehr aus dem Kopf. Heute trotzt sie der massiven Rezession in der Wahlheimat mit  Optimismus.

Fotos: Eliane Zimmermann 2012

 

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